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Abdullah, Muhammad Salim. Islam für das Gespräch mit Christen. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus Mohn, 1992.
Der Autor dieses Buches ist ein Mann von beeindruckender
Kompetenz: Journalist, Fachreferent für Islam, Leiter des Zentralinstitutes Islam-Archiv-Deutschland, Vertreter des islamischen Weltkongresses in der
BRD und bei den Vereinten
Nationen, sowie Mitglied des Exekutivrates des Kongresses.
Darüberhinaus muß man ihm das Zeugnis
ausstellen, sowohl ein Kenner des Islam als auch der deutschen religiösen Mentalität zu sein.
Wie der Titel richtig
aussagt, soll das Buch Christen ein neues Verständnis für den Islam
ermöglichen. In oft rührender Weise und mit fähiger
Feder schildert der Autor den, wie er meint, mißverstandenen Islam und
seine Glaubenslehre. Der im Qur’an, den Hadithen (Traditionen) und dem Islam als Religion unbewanderte Leser wird, zumal wenn er das Gelesene mit den allgemein bekannten Praktiken der Volkskirche vergleicht, sicher von dem
Inhalt des Buches tief berührt sein.
Der erste Teil des Buches schildert kurz und eindrucksvoll
aus islamischer Sicht seine Offenbarungslehre, Propheten, Buch und Glaubenslehre. Im zweiten Teil entwickelt Abdullah die
islamische Polemik gegen den christlichen Glauben. Dies geschieht mit Einfühlungsvermögen und Verständnis. Mit viel Geschick versteht es der Autor, den Islam und seine Lehre
und Praxis dem Westler nahezubringen. Wo offensichtliche Tatsachen gegen den
Islam sprechen, wendet er sich auch offen
dagegen, was die Glaubwürdigkeit des Buches nur noch festigt.
Blauäugig erklärt er beispielsweise den „heiligen
Krieg“ und wendet sich mit einer sehr schwachen Exegese sowohl gegen die
Lehre als auch die geschichtlichen
Tatsachen. Obwohl Abdullah
seiner Dialogbereitschaft wiederholt Ausdruck verleiht, geht er seinerseits
keinen Kompromiß ein. Entschieden lehnt er die Göttlichkeit und
Gottessohnschaft Jesu, seinen Kreuzestod und damit die biblische Heilslehre ab.
Natürlich wird auch die Bibel in Frage gestellt, wo sie nicht mit dem Qur’an
übereinstimmt - und das leider bei allen wesentlichen Aussagen. Trotz
gegenteiliger Beteuerung ist dieses Buch
klar anti-biblisch und wohl die beste Werbung für den Islam, die mir
bekannt ist.
Gerhard Nehls, em 1993-2.
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Abraham, K. C. und Bernadette Mbuy-Beya (Hg.). Spirituality
of the Third World, Orbis Books: Maryknoll, 1994.
Es ist das Verdienst von Orbis Books, jeweils die
regionalen Tagungen und Vollversammlungen der 1976 gegründeten „Ökumenischen
Vereinigung von Dritte-Welt-Theologen“ (Ecumenical Association of Third
World Theologians - EATWOT) zu dokumentieren. Vorliegender Band gibt die
„papers and reflections“ der 3. Vollversammlung vom Januar 1992 in Nairobi
wieder. Kennzeichnend für die theologische Arbeit ist der ganzheitliche Ansatz,
der persönliche Frömmigkeit, Einsatz für Freiheit und Gerechtigkeit, Kampf
gegen Armut und Unterdrückung und die daraus resultierende Theologie als
Einheit sieht. „Der Schrei der Dritten Welt ist der Schrei nach Leben“ (2).
Hierauf muß Frömmigkeit und Theologie relevante Antworten geben. Stimmen
aus Lateinamerika, Afrika und Asien regen zum Nachdenken an.
Dr. Johannes Triebel, em 1997-1.
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Adegbola,
E.A.Ade. Traditional Religion in West Africa.
Daystar Press: Ibadan, 1983.
Das vorliegende Buch enthält eine Sammlung von Aufsätzen
verschiedener Autoren über die traditionellen Religionen Westafrikas. Unter drei Hauptpunkten ‑ Religiöse
Persönlichkeiten, Funktionen der Religion,
Religionssysteme ‑ finden wir eine Fülle von Informationen. Man liest über Priester, Riten und Feste, Moralfragen, Mythologien, Symbolismus,
afrikanische Vorstellungen vom
Menschen und von Gott, um nur
einige Themen zu nennen. Für an Informationsmaterial
über traditionelle afrikanische Religionen Interessierte ist dieses Buch eine wahre Fundgrube. Das unterscheidende
Merkmal dieses Buches besteht aber darin, daß es nicht nur die sonst üblichen
Beschreibungen enthält. Einige der Autoren
machen den Versuch des Vergleichens,
Erklärens und Interpretierens der traditionellen
Religionen.
Der Herausgeber
schreibt folgendes dazu: „Die meisten Studien über traditionelle Religionen
aus der Sicht des Missionars tendieren in erster Linie dazu, Beschreibungen
zu sein. Dies wächst (neben der Bequemlichkeit)
aus der Priorität der phänomenologischen Methode heraus. Es ist der
Vorteil dieser Methode, daß Methoden der
Feldforschung der
Sozialanthropologen daraus entwickelt wurden. Während Beschreibungen notwendig sind, sind sie offensichtlich nicht immer ausreichend. Erklärungen und
Interpretationen müssen eingebracht werden. Gerade aber dies ist die
schwierigste und empfindlichste Aufgabe.“
Langjährige Erfahrung zeigt, daß der Hauptgrund der Faszination der Afrikaner durch
ihre traditionellen Religionen gerade hier
zu suchen ist. Heute haben wir in
Afrika ein großes Fragen danach, ob die Kategorien, die Denkweisen und die Weltanschauung, die in ihren
Religionen zum Ausdruck kommen, in das Bild der biblischen Offenbarung eingefügt werden können. Neue
afrikanische Theologien, Splitterkirchen und eigenständige christlich-traditionelle Gruppen zeugen von diesem
Verlangen.
Für uns sind diese
Entwicklungen eine Herausforderung in dem Sinne, daß wir beginnen müssen, die religiöse Umgebung und Herkunft unserer afrikanischen Brüder zu verstehen.
Einmal müssen auch wir zu einem neuen Verstehen der traditionellen
afrikanischen Religionen kommen. Zum andern
müssen wir uns der Wichtigkeit bewußt
werden, daß eine gründliche, klare und
zweckmäßige biblische Theologie für Afrika
entwickelt werden muß. Hier kann das
interpretierende Raster nur die Bibel sein.
Das vorliegende Buch mit seinen Beschreibungen, Erklärungen und Interpretationen des westafrikanischen religiösen Denkens kann
man darum jedem empfehlen, der die Seele
unseres afrikanischen Bruders und Mitmenschen
kennenlernen und verstehen will.
Battermann, em 1988-1.
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Adeney,
Miriam.
Daughters of Islam: Building Bridges with Muslim Women, Downers
Grove: Intervarsity Press, 2002.
As an
anthropologist and a Christian, Miriam Adeney comes to the issue of Missions
among Muslim women with a particular sensitivity and insight. However, her
interest in understanding the cultural and anthropological aspects of Muslim
women’s lives does not deter Adeney from a firmly grounded missiology. The
result is a book which draws heavily on the real life stories of women from
across the Islamic world who have come to believe in Jesus as more than a
mere prophet balanced by firmly grounded missiological insights.
Adeney
begins her book with the Biblical accounts of Hagar, from whose son the
Muslim world would trace their genealogy, encountering God’s merciful, loving
presence in the midst of hardship. From this moving story, Adeney asserts the
love of God for Muslim women, and the clear call to give a compassionate
witness to the hope of Christ.
In a time
in history in which there is a tendency in the West to wrongly stereotype
Muslim women as forcefully veiled, repressed, uneducated and oppressed,
Adeney paints the extremely varied experiences of Muslim women in her chapter
‘Every Woman is an Exception.’ Through several chapters, she tells the
stories, albeit at times in a somewhat unrefined literary style.
Nevertheless, she manages to communicate the realities of women from both
lower and upper class, from religious as well as nominal Muslim upbringing,
from such varied countries as North Africa, Southeast Asia, the Middle East,
and Iran,
pinpointing the particular cultural issues that are most prevalent in each
area. At the same time she acknowledges later the most crucial objections to
preconceived and often false notions of ‘Christianity’ that tend to be
widespread in the Islamic world and which most Muslim women, regardless of
their specific cultural identity share in common. She goes on to outline
strategies and approaches that take into consideration these
preconceptions.
She
underlines the importance of a culturally contextualized yet biblically sound
witness through firmly built friendships and trust, speaking into areas of
their lives that concern them as opposed to wielding a particular rhetoric.
However, she does not refrain from sharing accounts in which despite flawed
witnesses, Muslim women came to believe.
In the
end, it becomes clear through the accounts of women who came to Christ
through the loving witness of believers, through painful life experiences,
through dreams and visions, that God has unlimited means to draw the hearts
of Muslim women. With or without us, He will stir the hearts of the hungry to
seek Him and as promised in scripture ‘those who seek, shall find.’ And yet,
Adeney gives us cause to recognize the part we may be privileged to play in
prayer, authentic friendship, acts of kindness, and being prepared to give an
answer to the hope that we have.
In the
preface of her book, Adeney states that her aim for the book is ‘to educate
about important parts of Muslim women’s lives. To elucidate some mission
strategies…and to encourage.’ It is clear that she has managed to do just
this. For those who are just stepping foot into the arena of missions among
Muslim women, it is an insightful and helpful tool. For many of us who have
been walking with our Muslim friends and long for them to be our sisters in
faith, it is encouraging to read the accounts of those women who have heard
the call of Christ and responded. It reminds us that although the way may be
long and narrow, we must persevere in patient and faithful prayer and
witness.
Lisa Dik, em 2006-2.
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Albrecht, Rainer. Eine Trommel allein singt
kein Lied. Evangelische Predigt in Nordwest-Tanzania. Erlangen: VELM, 1996.
Fast 30 Jahre nach Beginn seiner Forschungen
veröffentlicht Rainer Albrecht hier seine Doktorarbeit. Durch die
Hinzufügung unkommentierter Predigten der frühen 90er Jahre versucht er, die
zeitliche Verzögerung zu überbrücken. Überhaupt nehmen die jeweils
vollständig wiedergegebenen Predigten gut ein Drittel der Arbeit ein. Das
ermöglicht dem Leser, den erfrischenden Untersuchungsgegenstand unmittelbar
auf sich wirken zu lassen. Zahlreiche Nebenbemerkungen Albrechts zum Umfeld
erweisen sich als außerordentlich hilfreich. Hier spürt man den intimen
Afrikakenner heraus.
In der Einzelkritik findet der originelle, beispielreiche
Predigtstil sein uneingeschränktes Lob. Die afrikanische Eigenart der Frage
des Predigers, die auf eine Antwort der Gottesdienstbesucher wartet, würdigt
Albrecht ausdrücklich mit dem Untertitel seines Buches „Dialogisches
Geschehen in einer Kultur der Oralität“. Ein echter Austausch kann eine Predigt
aber nicht sein. Das Stilmittel wird wohl eher zur Erhöhung der Spannung und
Einbindung der Zuhörer eingesetzt.
In der streckenweise begeisternd treffsicheren
theologischen Bewertung entdeckt Albrecht Defizite, benennt aber leider auch
den Pietismus der Missionare sowie die ostafrikanische Erweckungsbewegung
als Hauptimpulsgeber „verkürzten“ theologischen Denkens. So berechtigt
seine Kritik in vielen Punkten sein mag, reflektiert sie oft nur seine eigene
theologische Vorliebe wie im Falle Christologie vs. quietistischer
Jesulogie. Welch ein Segen, daß die Lutheraner Jesus verkünden! Da gibt es in
Tansania durchaus anders gelagerte Fälle.
Ein kleiner Wunsch am Rand: Die beigefügte Landkarte mit
den unleserlich klein gedruckten Ortsnamen wäre durch eine Hervorhebung der
im Buch erwähnten Predigtorte entscheidend aufgewertet worden.
Winfried Schwatlo, em 1997-4.
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Ali, Michael Nazir. Frontiers in Muslim-Christian
Encounter. Oxford: Regnum Books, 1991.
Der Generalsekretär der CMS und frühere Bischof der
„Church of Pakistan“ greift in diesem Buch die wichtigsten theologischen und
missiologischen Themen für eine Begegnung von Christen und Muslimen auf, u.
a. die Lehre von Gott und die Christologie im islamischen Kontext, die
Bedeutung der Heiligen Schrift, Ganzheit im Evangelium, Kontextualisierung
und Evangelisation, Glaube im Dialog, die Kirche und die sozial-politischen
Ordnungen. Nazir Ali als Insider vermittelt hilfreiche und praktikable
Einsichten.
Eine Studienanleitung zu Themen der Lehre, theologischen
Charakteristika und Titeln (Namen) und ein Personen- und Sachindex sind
angehängt.
Klaus Brinkmann, em 1997-4.
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Ali, Othman & Hassan Samir. Islamische Kräfte und Gemeinde Jesu. 1991. & Wolfgang Zschaler; Othman Ali (Hg.). Gesprengte Brücken. Muslime wählten Jesus. 1992.
Der jüngste Golfkonflikt hat viele Fragen aufgeworfen und
neue Feindbilder geprägt. Endlich gibt es ein christliches Buch, das die
Fronten nicht verhärtet, sondern
Verständnis zu wecken versucht. Das Besondere an dem Buch ist, daß seine Autoren, aus dem Islam kommend,
eine klare Bekehrung zu Jesus Christus vollzogen haben. Sie schreiben aus
eigenem Erleben des Islam und aus fundierter Kenntnis der politischen
Entwicklungen und der christlichen Missionsarbeit in der islamischen Welt: Entstehung und Ziele des islamischen Funda
mentalismus werden dargestellt. In einer sorgfältigen Studie wird das islamische Menschenrechtsverständnis
analysiert und mit dem westlichen
verglichen. Ursachen und Auswirkungen der Golfkrise werden beleuchtet.
Die Autoren setzen sich auch mit der
Situation Israels und den damit verbundenen heilsgeschichtlichen
Fragen auseinander. Alle diese Aspekte werden immer wieder in Beziehung gesetzt zur Gemeinde Jesu, zur missionarischen Arbeit und zur Situation
der Konvertiten. Ein interessantes Kapitel ist dem Thema „Kolonialismus und
missionarischer Auftrag“ gewidmet. An der Ernsthaftigkeit der Missionare
hegen die Autoren keinen Zweifel, doch der Unterschied zwischen Absicht und
Ausführung des Anliegens wird klar herausgestellt: „Missionare lebten in der
Regel nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich in zu großem Abstand von
den Einheimischen. Sowohl das Wohnen als auch der mitmenschliche Umgang geschahen aus dieser Distanz heraus“ (67).
Leidenschaftlich wird zu mehr partnerschaftlicher Zusammenarbeit aufgerufen
und davor gewarnt, aus einem Konvertiten
die Kopie eines westlichen Christen machen
zu wollen. Fazit: fundiert, engagiert und gut präsentiert.
Die zweite
Neuerscheinung Gesprengte Brücken
füllt eine echte Informationslücke.
Den fünf Erlebnisberichten von ehemaligen Muslimen sind fachkundige
Erläuterungen des Islams aus der Feder Othman Alis angefügt. Dadurch gewinnt der „westliche“ Leser ein tieferes
Verständnis, das notwendig ist, um die Situation
von Konvertiten, besonders nach der Bekehrung,
zu verstehen. Sehr einfühlsam werden
die Leiden und Anfechtungen der Konvertiten beschrieben, unter anderem
in einem Gedicht. Aber auch der Trost und
die Stärkung des Glaubens durch
Jesus tritt deutlich hervor. Dieses
Buch zeigt deutlich, daß sich die Mühe der Mission unter Muslimen lohnt, und Gott in der islamischen Welt seine Gemeinde baut.
Reinhard Born, em 1993-2.
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Al-Sain, Johanna; Ernst
Schrupp. Ich
kämpfte für Allah. Eine Frau auf der Suche nach der Wahrheit. Brockhaus/Oncken: Wuppertal/Zürich, 2000.
Johanna wächst in einem christlichen Elternhaus auf,
findet jedoch nicht zu einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus.
Antworten auf ihre Fragen scheint sie im Islam zu finden, zu dem sie auf der
Suche nach Wahrheit konvertiert. Sie setzt sich ganz in einer politisch
aktiven islamischen Gruppierung ein, betreibt Mission und Schulungsarbeit und
macht sogar die Wallfahrt nach Mekka, wird aber bei ihrem Aktivismus für den
Islam wie in zwei Ehen mit Muslimen immer tiefer enttäuscht. Als sie keinen
Ausweg mehr sieht, findet sie zum lebendigen Glauben an Jesus Christus.
Zwei Exkurse erläutern Hintergründe und vermitteln Wissen
über den Islam als Religion, politisches System und Kultur, sowie über
grundlegende Unterschiede zwischen Islam und christlichem Glauben. Nur selten
wird andernorts so deutlich auf die Versäumnisse des christlichen
Abendlandes in der Begegnung mit Muslimen und dem Islam hingewiesen
(Verabschiedung vom christlichen Glauben, Entkirchlichung und Säkularismus,
Pluralismus und Sinnleere).
Ein authentischer Bericht, der auch Einblick in die
„Schwächen“ des Islam vermittelt (statt Heilsgewißheit Werkgerechtigkeit,
statt Veränderung des inneren Menschen Aktivismus und Druck, statt Seelsorge
an Zweifelnden Verfolgung von Abgefallenen).
Dr. Christine Schirrmacher, em 2000-2.
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Alvarez-Cineira, David. Die Religionspolitik des Kaisers Claudius und
die paulinische Mission.
Herders Bibl. Studien 19, Freiburg: Herder, 1999.
In dieser umfangreichen Studie will der Verfasser Aspekte
der paulinischen Mission auf dem Hintergrund der zeitgenössischen
kaiserlichen Religionspolitik erklären. Im ersten Teil (10-224), untersucht
A-C daher die Hinweise auf die Religionspolitik des Kaisers Claudius (41-54
n. Chr.), deren Auswirkungen für die ur-christl. Mission schon an Apg 18.1-3
deutlich werden. Nach einer Übersicht über die vorhandenen Quellen zeichnet
A-C die Haltung des Kaisers zur römischen Religion, zu fremden westlichen
Religionen, zu verschiedenen griechischen Kulten, zu orientalischen
Religionen und zu den Juden nach (knapp: „… Anstrengungen für eine Wiederbelebung
des altrömischen Kults neben reichsweiter Toleranz gegenüber anderen
Religionen, falls diese keine Gefahr für die Pax Romana darstellten“, 411).
Nach einführenden Beobachtungen und Darstellung der ersten
Periode paulinischer Mission (226-59), wendet sich A-C im zweiten, allgemein
der paulinischen Mission gewidmeten Teil zunächst dem erwähnten Claudiusedikt
zu als einem Faktor für die Verschlechterung der Verhältnisse zwischen Juden
und Christen (260-90). Das Christentum war ein möglicher, auch politischer
Unruhefaktor innerhalb des Judentums und somit angesichts der hier
empfindlichen kaiserlichen Religionspolitk bedrohlich. Nach dem kaiserlichen
Edikt stellten die Christen eine politische Gefahr für das Überleben der
Juden dar, was die Härte der Auseinandersetzung erklären mag. Auf diesem
Hintergrund versteht A-C die Konflikte mit den Juden und deren Vorgehen gegen
Christen in Thessalonich (Apg. 17.6f, 1 Thess 2.14-16). Ferner sieht A-C das
Claudiusedikt als den Auslöser der christlichen anti-paulinischen Mission,
die sich in den Gegnern in Galatien und im Philipperbrief zeigt (291-340).
Die judenchristlichen Massnahmen gegen Paulus, opportunistisch und politisch
motiviert, gehen auf diese Reaktion des Judentums gegen das Christentum in
der Diaspora zurück. Die Gegner wollten verhindern, dass sich die von Paulus
geprägte christliche Bewegung (ohne Gesetz und Beschneidung) als eine vom
Judentum getrennte Religion darstellte und somit die bisher genossenen
(jüdischen) Privilegien verlieren und zum collegium illicitum erklärt werden
würde, was für alle Gemeinden schwerwiegende Folgen hätte haben können. Wenn
A-Cs Überlegungen stimmen, wäre dies ein weiterer Hinweis auf die Datierung
und die Empfänger des Galaterbriefes.
Abschließend wendet der Verfasser die im ersten Teil
gewonnenen Erkenntnisse auf „Paulus und die Christen in Rom“ an (Entstehung
des Christentums in Rom und Zustand der Gemeinden nach dem Claudiusedikt
sowie die Darstellung des Römerbriefes, vor allem die in 16.17-20 und 13.1-7
gegebenen Hinweise). A-Cs Studie zeigt erneut, dass die Kenntnis und
Berücksichtigung der politischen und religionspolitischen „Grosswetterlage“
für ein Verständnis von Wesen und Verlauf der urchristl. Mission interessante
Hinweise bereithält. Paulus bewegt sich auch hier nicht in einem luftleeren
Raum, sondern wurde mit Zwängen und Umständen konfrontiert, die dem
Evangelium gemäss zu meistern waren. Das Verhalten des Paulus und seine
Äußerungen angesichts dieser Umstände, zu denen sich moderne Parallelen
finden lassen (Verleugnung des Evangeliums, um möglichen Verfolgungen zu
entgehen), können auch heutigen Missionaren und missionarischen Gemeinden
Wegweisung bieten.
Dr. Christoph Stenschke, em 2002-4.
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Anania, Valeriu. Bilder vom Reich Gottes. Metzingen:
Verlag Sternberg, 2002
Im Zentrum der fünf Themenbereiche, die augenblicklich
durch eine Sonderkommission des ÖRK untersucht werden sollen, steht das
Kirchenverständnis. Die einzelnen christlichen Denominationen fordern mehr
„eigenes Profil“; sie vergessen, dass in der gegenwärtigen globalen
Auseinandersetzung der Religionen Christen sich durch ihr gemeinsames Zeugnis
für das Evangelium von Jesus Christus über alle Grenzen hinweg profilieren
müssen. Das christliche Profil ist das von Jesus verkündigte Reich Gottes.
Das schöne Buch von
Valeriu Anania, Bilder vom Reich Gottes erscheint zum rechten Zeitpunkt. Wir
finden darin hervorragende Bilder mit tiefsinnigen Erklärungen zu 59 Ikonen
und Fresken aus 16 Klöstern und Kirchen Rumäniens. Die „kunstvolle und tief
greifende Auslegung bedeutender Ikonen und Fresken durch den Schriftsteller,
Dichter und Bibelübersetzer Valeriu Anania“ (Landesbischof G. Maier im
Vorwort) fördern das orthodoxe Glaubensverständis und die Tiefe seines
theologischen Denkens.
Der „wahrhaft europäische
Patriarch“, Valeriu Anania, wurde durch den reichen geistlichen Schatz seiner
südlich von Hermannstadt (Sibu) gelegenen Heimat als Kind und später als
Mönch geprägt. Er entwickelte sich im Laufe seiner über 80 Lebensjahre zum
Meister einer „Theologie der Nuancen“. Die Fotografien verdanken wir Victor
Bortas, Lehrer für Fotografie und freischaffender Künstler. Leider sind
einige Bilder nur mit Hilfe einer Lupe richtig erkennbar.
Der Anhang, „Von
Württemberg nach Rumänien“ (S.80-87), rundet den Bildband ab mit einer kurzen
Würdigung von Valeriu Anania als „ökumenischen Brückenbauer“ und einer
„Gemeinsamen Erklärung“ zwischen der rumänischen Erzdiözese und der Evangelischen
Landeskirche in Württemberg ( S.86-87).
Die hinter den Bildern vom
Reich Gottes stehende biblische Theologie wird im an Plato erinnernden Dialog
zweier fiktiver Gestalten, des älteren Erzpriesters Bartolomeu und des
jüngeren Valeriu erklärt. Sie geben die Stichwörter zur Entschlüsselung der
Geheimnisse der Fresken und Ikonen in Klöstern der Olteria, dem südlichen
Teil Rumäniens. In Deutschland ist dieses Gebiet unter dem Namen Walachei
bekannt.
Die Konzentration auf
wenige Bildmotive läßt die „theologische Tiefe“ zum Vorschein kommen; sie ist
in diesem Band wichtiger ist als das „kunsthistorische Interesse“.
Die Ikone (Bild) hat ihren
Ursprung in der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und ist nach Gregor
von Nyssa „ein mit Farbe geschriebenes Evangelium“ (S. 12). Neben Christus,
dem Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt und der Gottesmutter Maria, sind
die Heiligen Bildgegenstand. Sie reichen von Nikanor, über Georg, den
Drachenkämpfer, bis zu den großen Philosophen (S.12- 33). Der Held ist wichtig
als Sieger und Symbol der Fürbitte. Die Schlange, Symbol des Teufels, wird
mit dem „Hinabgestiegen in die Hölle, um die Ketten der Gefangenen zu lösen“
in Verbindung gebracht. Die Auferstehung wird zur Handlung. Christus hebt
Adam und Eva aus den Gräbern; der in Ketten gefesselte Teufel wird vom Engel
an seinen Hörnern hinabgedrückt (Fresko- Ikone der Klosterkirche Clocociou,
S.16).
Die Ikone spielt eine
gottesdienstliche Rolle. Die Ikonostase als Altarwand erinnert an den Vorhang
des jüdischen Tempels, der das Heilige vom Allerheiligsten trennt und zerriss
als Jesus am Kreuz starb. Die Bilderwand vereinigt Malerei und
Holzschnitzkunst. Erst nachdem das 7. Ökumenische Konzil von Nizäa (787) den
langen Bilderstreit in der Orthodoxie beendete, holten die Gläubigen ihre
Ikonen wieder aus ihren Verstecken hervor und reihten sie aneinander vor der
Altarschranke.
So wird die Ikonostase zum
Buch für Analphabeten, wie der große Missionspapst Gregor der Große es einmal
formulierte. Vorbilder waren die ersten byzantinischen Zeichnungen und
Malereien biblischer Texte. Mittelpunkt ist die Königstür mit dem Heiland der
Gottesmutter, meist gefolgt von den Schutzheiligen der Kirche. Die Ikone
unterscheidet sich von anderen Bildern dadurch, dass sie Teil der göttlichen
Liturgie ist.
Die Ikonostase ist eine
„durchscheinende Wand“ (S.27); die Deesis- Ikone „ist die vollkommenste
bildhafte Darstellung für das Symbol Jesse“ (S.27, Bild 14): „Christus, du
bist der Sproß aus Isais Wurzel und dessen Blüte“. Das zeigt der Eucharistische
Christus der Fresko- Ikone im Refektorium des Klosters Hurezi (Bild 15, S.28)
wunderbar. Isai und Abraham (Bild 13, S.26) erreichen gleichsam kosmische
Proportionen. Der Weinstock ist Metapher für die Idee der Einheit zwischen
Christus und der Kirche, die aus der Eucharistie entsteht. Aus der Wunde des
Lanzenstosses am Kreuz erwächst ein Weinstock (Fresko-Ikone der
Apostel-Kapelle in Hurez, S.29). Durch das Herabrufen des Heiligen Geistes
wird Brot zum kostbaren Leib und Wein zum Blut Jesu Christi; es erinnert
daran, dass der Herr sich selbst seinen Jüngern darreicht.
Diese geistliche
Hierarchie beginnt mit Melchisedek, dem Priester Gottes des Höchsten, der
Abraham segnet (1.Mose 14, 18- 20), der nach dem Hebräerbrief (5,10; Psalm
110, 4 zitierend) bezeugt, dass Jesus „ein Priester ewiglich und nach der
Ordnung Melchisedeks ist“; er steht nach Paulus höher als Abraham. David, die
geistliche Ordnung und die königliche Abstammung tradierend, verweist auf
Jesus Christus als König im Reich Gottes und als Priester, der sein eigenes
Leben geopfert hat (S.31). Die Ikonostase ist dreidimensional „als Krone
eines Baumes“ so wie Christus die beiden Testamente und den Kosmos verbindet
(S.32).
Die Fresken spiegeln auch
zeitgeschichtliche Ereignisse wider. Das Schiff (Kirche) fährt durch
gefährliche Wasser (S.39). Im Maul des Drachens ist der mit Pfeil und Bogen
bewaffnete Mohammed zu sehen, der auf den leibhaftigen Christus auf dem
Altartisch zielt.
Neben der Darstellung der
Hölle spielt die Deesis (S.45-53) eine große Rolle. (Deesis heißt Fürbitte).
Die Ikone Deesis (S.45) erinnert an den „Zeugen“ Johannes den Täufer und die
fürbittende „Gottesmutter Maria“ (S.57-64). Den Abschluss bilden
eindrückliche Ikonen und Fresken über die Dreieinigkeit (S.67-76).
Als Fazit bleibt: „Die
Fresken und Ikonen sind die Mission der christlichen Künstler. Sie sind eine
Einladung in Bildern zur Teilnahme am Reich Gottes, das durch Jesus Christus
eröffnet ist“ (S.75). Der Verlag Sternberg ist hoch zu preisen für diesen
Bildband, der sich als Geschenk gut eignet und glaubenden Protestanten,
Katholiken, aber auch dem Glauben fernstehenden Menschen, gleicherweise den
Weg öffnet zum Verständnis der geheimnisvollen Glaubenswelt aus orthodoxer
Sicht.
Prof. em. Karl Rennstich, em 2003-1.
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Anderson, Allan. Moya.
The Spirit in an African Context. Pretoria: Sigma, 1991.
Kasukuti,
Ngoy. Recht
und Grenze der Inkulturation. Heilserfahrungen
im Christentum Afrikas am Beispiel der Kimbanguistenkirche. Erlangen: Verlag der Ev.-Luth. Mission, 1991.
Beide Autoren
unternehmen eine nötige Neubewertung Afrikanischer Unabhängiger Kirchen
(AUK) verbunden mit kritischer Sichtung
bisheriger Standardliteratur (Sundkler, Oosthuizen, Beyerhaus, Martin)
und theologischer Einordnung afrikanischen Christentums.
Der in Südafrika lebende
evangelikal-charismatische Weiße A.
Anderson schildert
die Entstehungsgeschichte der dortigen AUKs und Pfingstkirchen, die er in
Anlehnung an seinen Lehrer Inus Daneel
„Geist-Kirchen“ (nicht: zionistisch,
messianisch oder prophetisch) nennt,
– gegenüber der Gruppe der „äthiopischen“ Kirchen. Er möchte sie aus
dem synkretistischen Abseits herausholen,
indem er ihre Pneumatologie als relativ gelungenen Versuch kontextueller Theologie darstellt, die ernstlich auf das von Ahnen- und Geisterkult
bestimmte afrikanische Existenzverständnis eingeht,
besonders auf das ‚Lebenskraft’ („power“)
- Konzept. Er beschreibt ausführlich ihre pastorale Praxis, die großen Wert
auf charismatische Geist-Manifestationen wie Geist-Empfang, Glossolalie, Prophetie und geistliche Leiterschaft
legt. Seine These ist, daß die Geist-Kirchen mit ihrer Betonung der dritten Person des dreieinigen Gottes bisher die angemessenste
christliche Antwort bieten auf das afrikanische Grundbedürfnis nach
einer lebenssichernden Macht. Er sieht in
dieser Heraushebung ‚pneumatologischer
Existenz’ auch eine größere
biblische Nähe als es bisher westliche und afrikanische Theologen
wahrgenommen haben. Wenn auch teilweise
zu idealisierend und biblisch-theologisch oberflächlich, ist dieses Buch Anreiz genug zur Neubesinnung
auf die AUK-Gemeindepraxis als relevantes
Bestätigungsfeld neutestamentlicher
Pneumatologie.
Der Afrikaner Ngoy Kasukuti, Bischof der lutherischen Kirche in Zaire, befaßt sich mit der größten und immer noch stark wachsenden AUK
in Afrika, der 1921 entstandenen Gemeinschaftsbewegung Simon Kimbangus (ca.
5 Mill. Mitglieder). Sein Buch verarbeitet
kritisch die Literatur von M.L.
Martin und W. Ustorff. Er schildert
die Religions- und Gottesvorstellungen seines Bantu-Stammes, besonders
die Heilsbedeutung der Übergangsriten (Geburt, Initiation, Heirat, Tod) und
der Ahnen und wie sich die Heilslehre der
Kimbanguisten auf diesem
Hintergrund profiliert. Er kommt zum Schluß, daß es sich bei dieser
AUK am Anfang noch um einen genuin christlichen Ausdruck religiöser
Bewältigung des bedrohten Alltagslebens
handelte. Er beobachtet aber einen
theologischen Bruch in der Soteriologie in dem Moment, als sich ab 1957 die EJCSK (Kirche Jesu Christi von Simon Kimbangu) unter dem Sohn des Gründers organisierte und Simon
Kimbangu als konkurrierenden Heilsmittler neben Jesus Christus
stellte. Damit sei die Grenze der
Inkulturation überschritten, was sich auch im Abendmahls- und
Taufverständnis widerspiegele.
Anregend sind die in die
Darstellung der AUK eingestreuten theologischen Reflexionen
ihrer Inkulturationsbemühungen und der Schlußteil über mögliche Anknüpfungspunkte einer
relevanten christlichen Theologie in Afrika.
Warum nicht mehr davon, anstelle des gedehnten und desintegrierten
Teils über die Stammesreligion?
Detlef Kapteina, em 1995-3.
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Anderson, Gerald H., u. a.
(Hg.). Mission Legacies.
Biographical Studies of Leaders of the Modern Missionary Movement. Maryknoll: Orbis,
1994.
Diese 75 wissenschaftlichen Biographien von Experten über
führende Persönlichkeiten der modernen Missionsbewegung (v. a. 19. und 20.
Jahrundert) bilden das derzeit umfangreichste und qualifizierteste
Sammelwerk. Die Beiträge umfassen (1) Förderer der Mission in der Heimat
wie Gordon, Simpson, Franson und Mott, (2) Missionare in Afrika wie
Livingstone oder Gutman, (3) in China wie Nevius, Taylor und Reichelt, (4) in
Südostasien wie Carey und Martyn, (5) Theologen und Historiker wie Warneck,
Schmidlin, Latourette, Freytag und Neill, (6) Theoretiker und Strategen wie
Kraemer, McGavran und Tippet und (7) Administratoren wie Venn, Anderson und
Hartenstein. Die Darstellung und Bibliographie ist von unterschiedlicher
Qualität und Aktualität, je nach Datum der Erstveröffentlichung im
‘International Bulletin of Missionary Research’ (IBRM) ab 1977. Der
Schwerpunkt liegt eindeutig auf Personen englischsprachiger Herkunft. Alle
erfaßten Deutschen wurden unter obigen Beispielen erwähnt, ausgenommen die
katholischen Bibliographen Streit, Dindinger und Rommerskirchen. Es wäre sehr
zu begrüßen, wenn ein weiterer in Aussicht gestellter Band zu Nordafrika,
dem Mittleren Osten, Nordostasien, dem Pazifik und Lateinamerika
zustandekäme. Bis dahin muß man im IBMR nachschlagen.
Christof Sauer, em 1998-1.
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Bacon, Daniel W. From Faith to Faith. The influence of Hudson Taylor on the faith missions movement. Singapore,
1984.
Wohl niemand hat die evangelischen Missionen, jedenfalls
im interdenominationellen Bereich, so entscheidend geprägt wie Hudson
Taylor, der Gründer der China Inland Mission.
Die Biographien über ihn und sein Lebenswerk
sind ja auch im deutschsprachigen
Raum weit verbreitet.
Mit diesem Buch legt
Bacon eine übersichtliche Untersuchung über Taylors Prinzipien (S.12-69) und über den Einfluß dieser Prinzipien auf die gesamte Bewegung der interdenominationellen
Glaubensmissionen (S.79-129) vor. In einem dritten Teil untersucht er, welche Bedeutung Taylors Prinzipien
heute haben.
Über die Geschichte der
Glaubensmissionen gibt es nur wenig wissenschaftliche Literatur. Umso bedeutsamer ist Bacons Veröffentlichung, die von der UeMG als Studien
buch herausgegeben worden ist. Daniel Bacon ist seit 1978 Heimatdirektor der UeMG in USA; dieses Buch ist seine Dissertation (D.Miss.) für
Trinity Evangelical Divinity School, Deerfield, Illinois (1983).
Klaus Fiedler, em 1986-4.
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Badenberg,
Robert. Sickness
and Healing: A Case Study on the Dialectic of Culture and Personality. Edition
afem: mission academics 11. 2nd rev. ed. Nürnberg: VTR, Bonn:
VKW, 2008 (1st ed. 2003).
Robert Badenberg war 1989 bis 2003 Liebenzeller Missionar
in Zambia im südlichen Afrika. Er hat in dieser Zeit am deutschen Zentrum der
Columbia International University in Stuttgart-Korntal einen
Masterabschluss gemacht und an der Universität von Südafrika (UNISA) in
Missionswissenschaft promoviert. Seit seiner Rückkehr unterrichtet er
an der Akademie für Weltmission in Korntal Missionswissenschaft und
Kulturanthropologie.
Das vorliegende Buch ist die überarbeitete Fassung
seiner Doktorarbeit. Er bearbeitet darin, und darin besteht die besondere
Originalität des Buches, als Nichtmediziner die Problematik von Krankheit
und Heilung aus kulturanthropologischer und missiologischer Sicht. Er wählt
dazu ein geniales Konzept: Die theoretischen Erwägungen sind um die Lebensgeschichte
eines kränklichen Freundes von Badenberg herum gesponnen, was durch die
Konkretisierung der kulturanthropologischen und missiologischen
Überlegungen und die persönliche Betroffenheit des Autors dem Buch eine
besondere Relevanz und Frische verleiht.
Nach einer Einführung in die Methode der kognitiven
Anthropologie (Kulturanalyse aufgrund der sprachlich begrifflichen Grundlagen)
und in die Geografie und Geschichte des Volkes der Bemba geht Badenberg in einem
ersten Teil auf das Körper/Seele- und das Krankheitskonzept der Bemba ein.
Er nimmt damit Material aus seiner Masterarbeit auf und vertieft und systematisiert
es. Für den Uneingeweihten empfiehlt sich die Aneignung dieses für die
Anthropologie eines afrikanischen Volkes exemplarischen Stoffes zum
besseren Verständnis und als Abrundung des vorliegenden Buches
(bibliographische Angaben am Schluss). In einem zweiten „sozial-hermeneutischen“
Teil diskutiert Badenberg am Beispiel der Lebensgeschichte seines Freundes,
u.a. dessen Kontakt mit der Ngulu-Besessenheit,
die Theorien der „Culture and Personality“ Schule. Aufgrund eigener
Beobachtungen und der Literatur beschreibt Badenberg die kreative
Interaktion, die zwischen persönlichen und kulturellen Symbolen herrscht.
In einem dritten missiologischen Teil zieht Badenberg die Schlussfolgerungen
für Kommunikation, Bekehrung und Seelsorge. Er kommt darin zu einer meisterhaften
Integration von Theologie, Kulturanthropologie und Missionswissenschaft.
Durch das lebhafte Wechselspiel zwischen Lebensgeschichte
und theoretischen Erwägungen einerseits, und zwischen Theologie, Kulturanthropologie
und Missionswissenschaft andererseits, wird das Buch zu einer spannenden
Lektüre. Es ist ein gutes Beispiel reflektierter Missionspraxis. Eine relevante
und konzise Bibliographie, Anhänge mit Karten und Grafiken und Indexe runden
das Buch ab. Trotz einiger formaler Mängel ist das Buch für international
interessierte Theologen, Missionare, Missionswissenschafter, Mediziner und
alle in Afrika lebenden Menschen sehr lesenswert. Badenberg hat ein hoch
relevantes Thema für das Verständnis Afrikas, insbesondere des heutigen
afrikanischen Christentums aufgegriffen. Nicht von ungefähr werden die unabhängigen
afrikanischen Gemeindebewegungen (AIC) „Heilsanstalten“ genannt (Sundkler,
Bantupropheten, 1964, 323). Ein
besseres Verständnis des afrikanischen Menschen- und Krankheitsverständnis
wird die Qualität eines Dienstes in verschiedenen Berufsgattungen erheblich
verbessern können, was durch die Reflektionen Badenbergs in diesem Buch
offensichtlich wird.
Dr. Dr. Hannes Wiher, em 2009-3.
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Badenberg, Robert. The Body, Soul and Spirit
Concept of the Bemba in Zambia. Fundamental Characteristics of Being
Human of an African Ethnic Group. edition afem: mission academics, Bd. 9.
Verlag für Kultur und Wissenschaft:
Bonn, 1999.
Diese Publikation ist in mehrfacher Hinsicht
bemerkenswert. Es handelt sich um die Ergebnisse einer Feldforschung, in
deren Verlauf der Autor mit einer modernen ethnologisch-linguistischen
Methode gearbeitet hat. Er gibt sich zu erkennen als Vertreter (und
Verfechter!) der sogenannten kognitiven Ethnologie (bislang auch kognitive
Anthropologie genannt). Mit Hilfe der kognitiven Ethnologie können insbesondere
Begriffssysteme und Denkformen einer Gesellschaft erfaßt und beschrieben werden,
die mit anderen wissenschaftlichen Mitteln nicht zugänglich sind. Über die
dazu nötigen detaillierten Sprachkenntnisse verfügt der Autor: Er ist seit
mehr als 10 Jahren Missionar bei den Bemba, einer Ethnie im Norden Sambias.
Das zentrale Thema seiner Untersuchungen, der Begriff „Seele“, gilt in der
neueren Ethnologie als einer derjenigen Forschungsgegenstände, die am
schwierigsten zu erfassen sind und daher immer noch eher selten bearbeitet
werden. Den Begriff „Seele“ untersucht der Autor aber nicht isoliert, sondern
eingebettet in die Frage nach den Begriffen „Körper“ und „Geist“ im Denken
der Bemba. Er liefert damit eine eingehende Beschreibung des Menschenbildes
dieser Volksgruppe, deren Denkrahmen von animistischen Grundstrukturen gebildet
wird. Dieses Menschenbild – und das ist eine der bedeutenden Qualitäten der
Untersuchung – wird nicht beschrieben unter Zugrundelegung von europäischen
Seelenvorstellungen als Vergleichsgegenstand. Er greift vielmehr auf
sogenannte „emische Kategorien“ zurück, also ausschließlich auf diejenigen
Gesichtspunkte, unter denen die fraglichen Begriffe von Mitgliedern der
Bemba-Gesellschaft (zumindest in den Grundzügen) verstanden und benützt
werden.
Auf diese Weise entsteht ein Menschenbild, das den
Missionar (und nicht nur diesen!) befähigt, bei seinem Versuch, biblische
Vorstellungen von der Natur des Menschen zu vermitteln, in einer Weise
vorzugehen, die unter anderem sogenannte „kognitive Dissonanzen“ vermeiden
hilft. D. h., er beugt gegen die Formulierung von verhängnisvoll falschen,
schiefen oder zumindest problematischen Wiedergaben des Begriffs „Seele“
und entsprechenden Theologien vor, wie sie in der Missionsgeschichte und in
der Geschichte der Bibelübersetzungen durch Missionare aus dem europäisch-abendländischen
Kulturkreis so häufig entstanden sind.
Das Ganze ist in flüssiger, leicht nachvollziehbarer
Sprache geschrieben. Es ist lesenswert, nicht nur, weil es Basiswissen zu
einem afrikanischen Weltbild vermittelt, sondern erkennen läßt, wie man
selbst an die Erforschung eines solchen Weltbildes im eigenen Arbeitsgebiet
herangehen kann. Es sei daher keineswegs nur den afrikaorientierten Mitarbeitern
der verschiedenen Missions- und Entwicklungshilfeorganisationen zum Studium
empfohlen!
Prof.Dr. Lothar Käser, em 2000-3.
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Baer, Martin; Olaf Schröter. Eine Kopfjagd: Deutsche in
Ostafrika. Spuren kolonialer Herrschaft. Berlin: Ch. Links Verlag, 2001.
Dieses Buch ist kein Missionsbuch im engeren Sinn, jedoch
ist es für den Missionar bzw. Missionsinteressierten insofern interessant,
weil es in gekonnter, ja geradezu in spannender Weise in die Kolonialgeschichte
einführt. Eingerahmt in die dramatische Geschichte einer Kopfjagd in
Deutsch-Ostafrika, werden in einzelnen in sich abgeschlossenen Kapiteln am
Beispiel der Kolonie „Deutsch-Ostafika“ folgende Themen erörtert: Motive und
Geschichte des Kolonialismus, Aufstände der einheimischen Bevölkerung,
Mission und Kolonialismus, Kolonialpolitik, und die Rezeption des Kolonialgedankens
in der Weimarer Republik, im Dritten Reich und in der Bundesrepublik. Wer zu
solchen Themen sonst keinen Zugang findet, bekommt ihn in diesem
hervorragend illustrierten und mit vielen zeitgenössischen Abbildungen
versehenen und gut aus Quell- und Sekundärliteratur schöpfenden Buch. Von
besonderem Interesse dürften die Kapitel über die deutsche Schuld sein. Denn
dort wird der Mythos von den Deutschen als harten aber gerechten
Kolonialherren erschüttert. Schonungslos werden die Verbrechen der Deutschen
in Deutsch-Ostafrika geschildert: Zahllose Stockhiebe, ungerechte
Exekutionen, brutale Unterdrückung und Ausbeutung menschlicher und
materieller Ressourcen. Wie sich diese Demütigungen in die
schwarzafrikanische Volksseele eingegraben haben und sich bis in die Gegenwart
auswirken, kann nur erahnt werden. Obwohl die Autoren gegen besseres Wissen
die stereotype Behauptung „Kolonisieren ist Missionieren, Missionieren ist
Kolonisieren“ in die Überschrift des interessanten Kapitels über Mission und
Kolonialismus aufnahmen, kommen sie dann in den Ausfuhrungen überraschender
Weise zu einem ausgewogenen Urteil.
Alles in allem handelt es sich bei diesem Buch um ein
faires Buch, das vor allem Lust macht auf mehr, auf mehr Kolonialgeschichte.
Daher sei diese Lektüre vor allem Missionaren empfohlen, die in ehemaligen
Kolonialgebieten arbeiten und zur wissenschaftlichen Spezialliteratur keinen
Zugang finden.
Elmar Spohn, em 2003-3.
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Bailey,
Kenneth E. Jesus
through Middle Eastern Eyes – Cultural Studies in the Gospels. Leicester:
IVP Academic, 2008
Das vorliegende Buch ist ein einzigartiger Bibelkommentar
mit faszinierenden Kulturstudien zum Orient. Der Autor hat 60 Jahre im
Nahen Osten gelebt und dort 40 Jahre Neues Testament unterrichtet: 20 Jahre
in Beirut, 10 Jahre in Jerusalem und weitere Jahre in Kairo und Cypern, und
der vorliegende Band stellt gleichsam sein Vermächtnis dar. In der Einleitung
fasst er seine exegetische Methode kompakt zusammen: Ausgangspunkt ist die
zirkuläre orientalische Erzählstruktur, Ringkompositionen mit invertiertem
Parallelismus, meist aus sieben Einheiten mit dem Zielgedanken in der Mitte
– und nicht am Ende, wie in der westlichen linearen Erzählstruktur. Dies
führt zu völlig anderen Ergebnissen. Zudem berücksichtigt Bailey viele
alt- und neuarabische, syrische, hebräische und aramäische
Bibelübersetzungen, Kommentare sowie jüdische Literatur und er legt die Bibeltexte
(vor allem aus dem Lukasevangelium) aus Sicht eines Orientalen aus. Gott hat
entschieden, sich im Orient zu offenbaren und seine Heilsgeschichte
besonders in der Geschichte des Volkes Israels zu gestalten.
In Kapitel 1 betrachtet er die Geburt Jesu nach Lukas 2
und räumt mit dem Mythos von der Geburt im Stall auf: Im Orient sei es
unvorstellbar, dass Josef in seine Heimatstadt kommt (zumal wenn von
königlicher Abstammung und er dort über Grundbesitz verfügte) und ihn dort
niemand zu kennen scheint. Im individualistischen Europa könne sich vielleicht
so etwas zutragen, unmöglich aber in der engen Familienkultur des Orients. Kaum
vorstellbar, dass Josef und Maria wochenlang in einem Stall lebten, wenn
Marias Verwandte Elisabeth nur wenige Kilometer entfernt wohnte. Die Exegese
des lukanischen Textes ergibt dann auch einen erstaunlichen Befund: Das mit „Herberge“
übersetzte griechische Wort „katalyma“ bezeichnet sonst nirgends eine Gastwirtschaft,
sondern eher eine „gute Stube“ wie z.B. beim Abendmahl. Ist aber eine
Herberge gemeint, dann wird in der Bibel das Wort „pandochaion“ („wo alle
schlafen können“) verwendet. Zudem zeigen archäologische Funde und die
heutige traditionelle Bauweise, dass Häuser i.A. nur aus 1-2 Räumen
bestanden, und das Großvieh nachts im vorderen Teil des Wohnraums gehalten
wurde – als Schutz vor Diebstahl und wilden Tieren sowie biologische Heizung
im Winter. In der Mitte des Raums stand eine Futterkrippe als Abtrennung von
Stall und Wohnbereich, in der offensichtlich der neugeborene Jesus Platz
fand (die „gute Stube“ war wohl von weiteren Verwandten/Gästen belegt).
Jesus wurde somit mitten in eine jüdische Großfamilie hinein geboren. Das Wunder
der Inkarnation wird m. E. dadurch noch größer: Gott wurde in Jesus Christus
Mensch und in allem uns gleich.
In 32 Kapiteln legt Bailey etwa 40 Evangelientexte aus mit
gelegentlichen Exkursen in das AT. Er betrachtet vor allem die
Seligpreisungen (Kap. 5-6), das Vater-unser (Kap. 7-10), die Bergpredigt
(Kap. 5-10), Jesu besondere Taten (Kap. 11-13) und seinen Umgang mit Frauen
(Kap. 14-20). Doch sein Herz gilt den Gleichnissen Jesu, besonders aus dem Lukasevangelium
(Kap. 21-32), und seine Auslegungen vom unehrlichen Verwalter (Kap. 26) und
vom dienenden Herrn (Kap. 29) haben mich besonders fasziniert. Bailey räumt
mit etlichen kulturellen Missverständnissen auf, und die Ereignisse
bekommen ihre natürliche Bedeutung. Die Bibelauslegungen Baileys lassen
den Reichtum des Wortes Gottes hell hervor strahlen und immer wieder leuchtet
das Kreuz Jesu auf: Gottes kostbare Demonstration seiner unerwarteten, einzigartigen
Liebe (S. 182, 236, 296, 376 u. a.).
Auch wenn mich nicht jedes einzelne Detail voll überzeugt
hat – einzelne Texte scheinen mir in die symmetrische Siebenerstruktur
hineingepresst – so bestechen Baileys Auslegungen doch durch ihre Klarheit –
und der Leser fragt sich erstaunt, warum ihm dies nicht selbst schon
aufgefallen ist. Die übersichtliche, tabellarische Sprachanalyse der
biblischen Texte wie auch die Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels
erleichtern das Selbststudium; zahlreiche Fußnoten verweisen auf die Quellen
ohne den Lesefluss zu behindern. Das Buch lädt immer wieder zum Verweilen
ein, zur Anbetung Gottes und zum Reflektieren. Es fordert auf zur Hingabe und
zur konsequenten Nachfolge Jesu. Eine absolute Pflichtlektüre für jeden
Missionar.
Dr. Detlef Blöcher, em 2009-1.
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Balz, Heinrich. Where the Faith has to Live.
Studies in Bakossi Society and Religion. Part I: Living Together. Part II:
The Living, the Dead and God. Dietrich Reimer Verlag: Berlin, 1984/1995.
Balz, Heinrich. Weggenossen im Busch. Erzählende
und theologische Briefe aus Kamerun. Erlanger Verlag für Mission und Ökumene:
Erlangen, 1998.
Der Missionar als Forscher. Was das heißt, verdeutlicht
das Werk des Missionstheologen Heinrich Balz. Von 1973 bis 1983 war er Missionar
und Dozent am Theologischen Seminar der Presbyterianischen Kirche in Nyasoso
in Kamerun, im Gebiet des Volkes der Bakossi. Ein Jahr lang stellte ihn die
kameruner Kirche und die Basler Mission für Forschungen frei. Teil I konnte
er 1984 nach seiner Rückkehr nach Deutschland als Habilitationsschrift in
Heidelberg vorlegen; Teil II entstand während seiner Lehrtätigkeit als
Professor für Missionswissenschaft in Berlin. Zur Zeit lehrt Balz am Tumaini
University College Makumira/Tanzania Systematische Theologie und
Religionswissenschaft.
Der Titel der umfangreichen Studie „Where the Faith has to
Live“ ist Programm. Glaube, gleich ob der der alten Religion oder der
christliche Glaube, muß sich verorten. Deshalb muß nach dem Ort, dem Kontext
gefragt werden, „wo der Glaube lebt“, um dann auch aufzuzeigen, wie der
Glaube lebt und wie neuer Glaube wächst. „Wenn der neue Glaube wirklich
leben, seine Identität bewahren und Wurzeln schlagen soll, muß er wissen, wo
er zu leben hat; er muß die alten Fragen verstehen, auf die er … als die
neue Antwort angesehen wird.“ „Die Antworten des christlichen Glaubens können
nicht ohne die Fragen verstanden werden, die von der traditionellen Religion
gestellt werden“ (II 5 und 808). Die Studie über eine afrikanische Religion,
hier die Religion der Bakossi, kann also nicht mit der „Glaubenslehre“
einsetzen, sondern muß zunächst das Umfeld in Augenschein nehmen, in dem die
Menschen leben. Deshalb widmet sich Teil I der Gesellschaft der Bakossi,
ihrer sozio-politischen Struktur, ihren Traditionen und Entstehungssagen und
den Institutionen, die das Zusammenleben regeln. Balz weiß, daß sich
Gesellschaft und Religion nicht strikt voneinander trennen lassen, sondern
sich gegenseitig beeinflussen, dennoch werden in der Betrachtung jeweils andere
Akzente gesetzt. Deshalb gehören auch beide Teile, der sozialanthropologische
und der religionswissenschaftliche, zusammen. Mit Recht werden
„parareligiöse“ Phänomene wie Geheimgesellschaft, Hexerei und Zauberei bewußt
im Umfeld von „Gesellschaft“ und nicht von „Religion“ behandelt.
Balz’ Studie ist ein Beleg dafür, daß es notwendig ist,
regional begrenzte Studien durchzuführen, um afrikanische
Gesellschaftsformen und Religionen zu verstehen und gerade auch die
Unterschiede zwischen den einzelnen Völkern zu erkennen. Deshalb ist auch im
Plural von „afrikanischen Religionen“ zu sprechen. Dennoch lassen sich auch
immer wieder Parallelen zwischen den einzelnen Völkern in verschiedenen
Teilen des Kontinents entdecken. Darin liegt das Reizvolle der Studie für Missionare,
die in anderen Teilen Afrikas arbeiten. Im Vergleich mit der eigenen
Situation können soziale, legendär-mythische und religiöse Fakten besser
verstanden und eingeordnet werden.
Der umfangreiche zweite Teil behandelt in vier Kapiteln
die Religion der Bakossi. Dabei kann auch jedes Kapitel zunächst für sich
gelesen werden. Unter dem Titel „die Lebenden, die Toten und Gott“ (in
dieser Reihenfolge!) geht es um Tod und Beerdigung, das Dorfahnenfest ndie, Familienheiligtümer und
schließlich den nahen und fernen Gott. Diese Reihenfolge der Betrachtung
macht den Ansatz von Balz deutlich: „Glaubensüberzeugungen und Glaubensbekenntnisse
sollten nie isoliert betrachtet werden, ohne im Blick zu haben, worauf die
Menschen, ausgedrückt durch Verehrung (worship) und Gebet, wirklich
vertrauen“ (II 664). Balz geht in seiner Forschung also von der religiösen
Praxis aus, um von da aus zu fragen, was im Zentrum der Religion steht und
wie dann die Botschaft des Evangeliums ihre Relevanz erweisen kann.
Jedes der vier Kapitel ist nach dem gleichen Grundschema
aufgebaut. Nach der einleitenden Darstellung des Problems wird die Forschungsgeschichte
vorgestellt, beginnend mit Vertretern des Volkes der Bakossi. Ihnen weist
Balz so einen Ehrenplatz zu, oder anders gesagt, er nimmt die afrikanischen
Kollegen als Religionswissenschaftler und theologische Partner ernst. Bei den
Quellen handelt es sich vor allem um Dissertationen und Abschlußarbeiten der
Theologiestudenten am Seminar. Erst dann folgen die Forschungsergebnisse und
Berichte der früheren Missionare, die in diesem Gebiet gearbeitet haben,
allen voran J. Ittmann. Ihre Schriften liegen meist nur in deutsch vor und
werden den Kamerunern in einer englischen Zusammenfassung zugänglich gemacht.
In einem dritten Teil folgen die eigenen Forschungsergebnisse von Balz und
schließlich eine zusammenfassende Auswertung.
Ein zentrales Kapitel ist das über das Dorfahnenfest ndie. Balz hat als Beobachter
an mehreren Festen teilgenommen und die dort gesprochenen Gebete erstmals
auf Band aufgenommen, übersetzt und ausführlich analysiert. Eine wichtige
Frage lautete: Welche Rolle spielt hier Gott, und welche Bedeutung haben die
Ahnen? Sein Ergebnis ist eindeutig: „Nicht Gott, sondern die verstorbenen
Menschen, die Dorfahnen … sind das Herzstück und das Zentrum der
traditionellen ndie-Gebete. Mehr noch, sie
sind das Zentrum der traditionellen Bakossi-Religion insgesamt, wie sie in
diesem öffentlichen Gebet lebendig ist, also dem Ausgangspunkt, von dem aus
alle anderen Elemente dieser Religion betrachtet und eingeordnet werden
müssen“ (II 380). Die Religion ist also nicht theistisch, sondern
Ahnen-zentriert (II 381). Gott spielt nur eine periphere Rolle, er scheint
mehr und mehr in Vergessenheit geraten zu sein, obwohl er immer noch bekannt
ist. Die Ahnenverehrung steht also in Konkurrenz zum Ersten Gebot. Die
entscheidende Frage ist nun, wie Gott zum Zentrum der Religion werden kann,
wie es von der (Aner-)Kenntnis Gottes zur Anbetung Gottes kommen kann.
Um diese Frage geht es letztlich im vierten Kapitel. Die
missionarische Aufgabe ist es, die traditionelle Gotteserkenntnis durch die
christliche Botschaft zu verändern, zu christianisieren. Die Offenbarung
Gottes in Jesus Christus ist also nicht etwas, was nur zum traditionellen
Gottesbild hinzukommt, sondern etwas, das einen neuen Zugang zu dem Gott
gewährt, der bereits bekannt war. In diesem Teil ist Balz nun nicht mehr nur
Religionswissenschaftler, sondern zugleich Missionar und Missiontheologe.
Seine Ausführungen können für viele, die mit diesen Fragen in Afrika und
anderswo zu tun haben, eine wichtige Hilfe sein.
Balz hat sein Werk bewußt in englisch geschrieben, damit
es vor allem auch seine Kameruner Kollegen lesen können. Damit hat er aber
darüber hinaus den afrikanischen Kirchen insgesamt einen wichtigen Dienst
erwiesen. Denn hier werden auch für andere Teile Afrikas wichtige Anregungen
zur Auseinandersetzung mit den traditionellen Religionen und zur Entwicklung
einer eigenständigen Theologie gegeben. Deshalb sollte dieses Werk in allen
englischsprachigen theologischen Seminaren Afrikas in der Bibliothek
vorhanden sein.
In gewisser Weise als Begleitbuch zum theologischen Werk
lesen sich die „erzählenden und theologischen Briefe“. Zehn Jahresrundbriefe
von 1974-1983, ergänzt durch Beobachtungen bei einem weiteren Aufenthalt in
Kamerun 1995, werden hier zusammengetragen. Sie sind in gewisser Weise
Werkstattberichte, lassen den Hintergrund, von dem aus die Forschung getan
wurde, erkennen. Höhepunkt ist sicherlich der Bericht über die Teilnahme
am Dorfahnenfset. Wichtig ist hier, zu sehen, daß dies theologisch sehr wohl
reflektiert war, daß Balz schließlich auf dem Fest eine christliche Predigt
halten konnte (dokumentiert in ‘Where the Faith has to Live II’ 377f) und so
in einen wirklichen Dialog mit den Vertretern der alten Religion kommen
konnte. Sicherlich kann man die Frage, ob ein Missionar als Forscher an einen
traditionellen religiösen Fest teilnehmen kann und soll, sehr kontrovers
diskutieren. Aber Balz zeigt, daß sich dadurch nicht nur Möglichkeiten für
ein besseres Verstehen der alten Religion ergeben, sondern auch für die
missionarische Verkündigung.
Insgesamt sind diese Briefe von Balz eine interessante
Informationsquelle über Kamerun und zugleich eine unterhaltsame missionstheologische
Lektüre, erzählend und theologisch. Sie lassen uns den Missionar Balz als Forscher
näherkommen.
Dr. Johannes Triebel, em 2000-1.
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Bammann,
Heinrich (Hg.). Lutherische
Mission in Südafrika. Dankesgabe
für Ernst-August Lüdemann.
Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen: Hermannsburg,
1990.
Diese kleine
Festschrift ist eine Dankesgabe für den aus der Mission in Südafrika
ins Leitungsamt des ELM Niedersachsen berufenen Ernst-August Lüdemann. Wie alle Festschriften ist es eine bunte Mischung verschiedener Beiträge, die
in diesem Fall aber alle dadurch verbunden sind, daß sie von Mitarbeitern
derselben Mission und der von ihr gegründeten Kirche geschrieben sind. Der
Herausgeber steuert einen Artikel über den ersten einheimischen Missionar
unter den Bakwena ba Mogopa bei (interessant für die Diskussion um die „transkulturellen
Drittweltmissionare“), Heinrich Voges reflektiert
Amt und Auftrag des Missionars (unter Berufung auf Luther, interessant
für Freikirchler als kritische Anfrage). Mehrere Artikel nehmen speziell auf
lutherische Theologie Bezug, und alle
Artikel ermöglichen einen Einblick in die Arbeit einer heutigen lutherischen Mission. Drei Artikel sind von schwarzen
Südafrikanern geschrieben (Andreas Khose reflektiert seine Zeit in
Deutschland).
Klaus Fiedler, em 1993-1.
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Bammann, Heinrich. Inkulturation des Evangeliums unter den
Batswana in Transvaal/Südafrika. Am Beispiel der Arbeit von Vätern und Söhnen
der Hermannsburger Mission von 1857 – 1940. edition afem: mission
academics 17. Nürnberg: VTR, 2004.
Das vorliegende Buch ist die Veröffentlichung der
Promotionsarbeit des Autors, die im Jahr 2002 von der Universität von
Südafrika (Department of Missiology) angenommen wurde. Sie gewährt einen
aufschlussreichen Einblick in die Anfänge und Motivation der Hermannsburger
Mission in Südafrika, die immerhin eine der ersten deutschen
Missionsinitiativen in Afrika war. In den zentralen drei Hauptkapiteln (218
S.) werden Hunderte von Berichten und Briefen von sechs Missionaren
ausführlich verwertet und thematisch dem geschichtlichen und
sozio-kulturellen Kontext ihres Wirkungsfeldes und den relevanten Bereichen
möglicher „Anknüpfung“ der Inkulturation zugeordnet. Es handelt sich um drei
Väter (Jensen, Behrens und Penzhorn) und um ihre im Missionsgebiet
aufgewachsenen drei Söhne, die in das Transvaal Gebiet gesandt wurden und
dort je unter drei Volksgruppen (Bafurutshe, Bagopa, Bafokeng) des Batswana
Stammes von 1857-1940 wirkten.
Bammann konzentriert sich bei seiner Analyse auf die
Phänomene der Übergangsriten (Geburt, Beschneidung, Heirat, Tod), der
Polygamie, Zauberei, Brautpreis-Sitte, Heilmethoden und des politischen
Patriarchats (Häuptlingskultur) im Leben der Afrikaner. Im Blick auf die
Missionare erstaunt ihre Ignoranz einer biblischen Perspektive von Gebetsheilung
und die Selbstverständlichkeit, mit der sie Homöopathie als ihre missionarische
Alternative anboten und Ernst Penzhorn sogar bei Krankheit seiner Kinder,
wo europäische Medizin versagte, einen traditionellen Medizinmann aufsuchte
(S.286).
Einleitend befasst sich der Autor mit einer
Begriffsbestimmung und missionstheologischen Einordnung von ‚Inkulturation’,
wobei die Unterschiede zur Enkulturation, Akkulturation und besonders
‚Interkulturation’ diskutiert werden. Im Schlusskapitel wird die Arbeit der
Missionare missionstheologisch ausgewertet. Dabei wird nicht an herber
Kritik der kontextuellen Defizite im Wirken dieser Missionare gespart. Es
sind die klassischen Fehler aller erwecklichen Missionen des 19. und der
ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit ihrer mangelnden Differenzierung
zwischen eigener frommer, konfessioneller Kultur und dem Evangelium und zum
anderen mit eben der zu kurz gekommenen Inkulturation des Evangeliums in die
Tiefen der religiösen Lebenswelt des afrikanischen Stammes hinein, mit dem
die Missionare eng und aufopferungsvoll zusammenlebten.
Bammann hat selbst in diesem Gebiet 25 Jahre lang in
Südafrika als Gemeindebetreuer der
Hermannsburger Mission in ev.-lutherischen Kirchengemeinden mit 900-6000
Mitgliedern gearbeitet. Trotz des zahlenmäßigen Wachstums dieser Kirche
schaut er zielgenau auf die Schwachpunkte der Methoden der Missionsväter und
-söhne, ohne zu übersehen, dass eine positive Entwicklung im Inkulturationsprozess
bei den Söhnen zu erkennen ist. Das Buch wird so zu einem authentischen und
ehrlichen missionsgeschichtlichen Fallbeispiel des „Großen Jahrhunderts“
(19. Jh.) der neueren protestantischen Mission.
Das Bestechende an Bammans Buch ist, dass die
Missionsarbeit von zwei aufeinander folgenden Generationen dargestellt
wird, die zudem kontinuierlich eine einzige Volksgruppe eines einzigen
Stammes an einem einzigen Ort mehr als 80 Jahre lang begleiteten. Die
Unterschiede zwischen beiden Generationen werden präzise herausgearbeitet
und es zeigt sich, dass die Generation der Söhne ihre Akkulturationsvorteile
zur Inkulturation nutzten. Der flüssige Erzählstil und die anschaulichen
Beispiele von Erlebnissen der Missionare lassen die damalige Zeit für den
Leser lebendig und spannend werden.
Diese Fallstudie einer zwar paternalistischen, aber vom
Rettungseifer erfassten Mission der „ersten Stunde“, die trotz aller Fehler
doch viele Menschen mit dem Evangelium erreichte und so die Entstehung
afrikanischer einheimischer Kirchen bewirkte, ist ein Gewinn (nicht nur) für
missionsgeschichtlich Interessierte.
Dr. Detlef Kapteina, em 2006-4.
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Bär, Hans. Heilsgeschichtlicher Bibelunterricht.
McIlwains Programm ‘Building on Firm Foundations’ im Einsatz unter den Karen
im Bezirk Omkoi (Nordthailand). edition afem - mission academics Bd. 3. Verlag für Kultur und
Wissenschaft: Bonn: 1998.
Hans Bär war von 1982-1995 mit der ÜMG in Nordthailand, wo
er unter dem Volk der Sgaw Karen arbeitete. Hier lernte er das Programm des
Heilsgeschichtlichen Bibelunterrichtes von Trevor McIlwain, ‘Building on Firm
Foundations’ kennen und wandte es in seiner Missionstätigkeit an. Im
vorliegenden Buch stellt er dieses Programm McIlwains vor. Dabei ist der
Untertitel etwas irreführend, da sich von den 150 nur 12 Seiten mit dem
Einsatz dieses Programmes unter den Karen beschäftigen. Im Wesentlichen
stellt Bär das Programm von McIlwain dar und bewertet es.
Dieser Darstellung ist eine weite Verbreitung zu
wünschen, denn McIlwains Programm ist eine Form des Bibelunterrichtes, die
nicht nur in der Außenmission, sondern auch in Deutschland Bedeutung gewinnen
sollte. Je weniger biblisches Grundwissen in einer Gesellschaft vorhanden
ist, umso wichtiger wird es, dieses Grundwissen zu vermitteln. McIlwain hat
dazu ein Programm entwickelt, das die Vermittlung biblischen Grundwissens zum
Inhalt der Missionstätigkeit und der darauffolgenden Gemeindeaufbauarbeit
macht.
Dem Programm von McIlwain liegt die Erkenntnis zugrunde,
daß die Bibel zum großen Teil aus Geschichte besteht. In und durch diese
Geschichte wird Gottes Heilshandeln mit der Menschheit deutlich. Darum ist
die beste Methode des Bibelunterrichtes, diese Geschichte Gottes mit der
Menschheit (Heilsgeschichte) nachzuerzählen. Dies geschieht nach McIlwain in
drei Schritten. Zunächst wird die biblische Geschichte (vor allem das AT)
nacherzählt (S.24ff), ohne schon im AT von Jesus zu sprechen (S.103). Erst
wenn das NT in den Blick kommt, wird von Jesus berichtet. Das Ziel dieses
Bibelunterrichtes ist es, die Menschen vor eine Entscheidung für oder gegen
Jesus zu stellen.
In einem zweiten Schritt werden die neuen Gläubigen
gesondert unterrichtet. McIlwain legt sehr viel Wert darauf, Ungläubige und
Gläubige nicht gemeinsam zu unterrichten (S.30f). Den Gläubigen wird dann erneut
die biblische Geschichte von der Schöpfung bis zum neuen Himmel und der
neuen Erde präsentiert, wobei diesmal schon im AT von Jesus die Rede ist (S.30ff).
Durch diesen Unterricht sollen die Gläubigen im Glauben weitergeführt werden.
In einem dritten Schritt sollen schließlich die im Glauben gewachsenen
Christen ein drittes Mal in der biblischen Heilsgeschichte unterrichtet
werden. Diese dritte Phase ist zur Zeit noch im Aufbau (S. 38f).
Bär bewertet das Modell McIlwains zurecht sehr positiv.
Kritisch bemängelt er lediglich die teilweise sehr strikten dispensationalistischen
Ansichten McIlwains (S.83ff) sowie die grundsätzliche Ablehnung, in der
Evangelisation auf die Bedürfnisse und Fragen der Menschen in den
verschiedenen Kulturen einzugehen (S. 103f).
Bärs Darstellung selbst liest sich teilweise etwas
stockend, was u.a. den häufigen Zitaten zuzuschreiben ist. Auch die
inhaltliche Gliederung könnte zielgerichteter sein. Nicht immer
werden die Zusammenhänge der einzelnen Unterpunkte deutlich. Trotz dieser
Schwächen ist Bärs Buch eine weite Verbreitung zu wünschen, ebenso wie dem
von McIlwain entwikkelten Heilsgeschichtlichen Bibelunterricht.
Dr. Hans-Georg Wünch, em 1999-4.
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Barrett, David; George T.
Kurian; Todd M. Johnson. World Christian Encyclopedia: A Comparative Survey
of Churches and Religions in the Modern World. 2 Bände. Oxford
University Press: New York, Oxford usw., 2001.
1968 schlossen sich Kirchen- und Missionsstatistiker
unter Leitung des evangelikalen Missionsmannes David Barrett zu einem Mammutprojekt
zusammen, dass 1981 zur ersten Ausgabe der WCE führte, die einer der renommiertesten
Wissenschaftsverlage der Welt verlegte. Der Band gewann mit seiner Erfassung
aller Denominationen der Welt schnell weit über den christlichen Bereich
hinaus Bedeutung, da er zugleich zum Mercedes der Religionsstatistik
avancierte, bot er doch für viele Länder einmalige Daten an.
Die lang ersehnte zweite Ausgabe auf dem Stand des Jahrs
2000 läßt die erste Ausgabe weit hinter sich, denn viel hat sich in den letzten
20 Jahren getan. Die evangelikale Missionswissenschaft hat jedes
Schattendasein abgeschüttelt und längst ist die Missionsstatistik als Motor
für Planen, Motivieren und Beten anerkannt. Die vorliegenden Bände bieten
eine erdrückende Fülle von Daten zu allen möglichen und unmöglichen Fragen
rund um die christlichen Kirchen und die Religionen der Welt. Was wollen sie
wissen: Wieviel Geld jährlich in Honduras an christlichen Geldern schätzungsweise
veruntreut wird? Wieviel vollzeitliche kirchliche Mitarbeiter auf Hawai
arbeiten? Wieviel Geld jährlich für christliche Medien in Deutschland
ausgegeben wird? Wieviel mehr ein schweizer Christ für die Mission gibt als
ein deutscher Christ? Ob der Islam in Indonesien vor allem durch Bekehrungen
oder durch biologischen Zuwachs zunimmt? Wieviele charismatische und
pfingstkirchliche Denominationen und Splittergruppen in Kanada beheimatet
sind? Wieviele Märtyer es im Laufe der Geschichte schätzunsgweise gegeben
hat? Wieviele Evangelikale in Köln wohnen? Oder wann die methodistische
Kirche in Paraguay gegründet wurde?
Neben den umfangreichen Registern, Begriffserklärungen,
Abkürzungs- und Literaturverzeichnissen, dem Adressverzeichnis und einem
Atlas finden sich folgende großen Blöcke in den beiden Bänden:
* Übersichtstabellen zur weltweiten Situation (24 S. in
Bd. 1)
* Darstellung der
Länder der Erde (neben den Statistiken jeweils mit Texten zur
Lage der Menschenrechte, der Religionsfreiheit und des Verhältnisses von
Religion und Staat, sowie der Geschichte und Stand der Religionen und der
Christenheit) (800 S. in Bd. 1)
* Zahlen zu den 270
größten Religionen (12 S.)
* Zahlen zu 12.600 Völkern und
Volksgruppen, inkl. des Status der Evangelisation (230 S.)
* Daten zu 13.500 Sprachen und Dialekten
der Welt einschließlich des Status der Bibelübersetzung (290 S.)
* Daten zu 7.000 Großstädten
(85 S.)
* Daten zu 3.030 Provinzen
der 238 Länder der Welt (30 S.)
Wie zuverlässig sind die Daten? Trotz der umfangreichen
Mitarbeiterliste und der vielen Literaturlisten (etwa pro Land) ist es
natürlich unmöglich, jeweils anzugeben, wie jede Zahl errechnet wurde. Die
Ausführungen zur Frage, wie die Daten erhoben wurden, sind recht dünn und
David Barrett ist dafür bekannt, seine Daten ungern mit anderen auszutauschen
und zu diskutieren, ganz im Gegensatz etwa zum Autorenteam bei ‘Operation
World’ um Patrick Johnstone. Die gigantische Organisation zum Datensammeln,
die Barett aufgebaut hat, erfaßt sicher fast jede Kirchen- und
Religionsstatistik, die irgendwo erstellt wird und dort, wo keine anderen Daten
vorliegen, wird man ihm wohl folgen müssen. Dennoch dürfte der Anspruch des
Vorwortes, mit den Bänden ausschließlich Fakten und keine Interpretation zu
liefern, kaum zu halten sein. Denn wie will man etwa die Zahl der „Great
Commission Christians“, also die Zahl derer, die den Missionsbefehl
persönlich ernst nehmen, erheben, ohne zu interpretieren, wo doch kaum ein
Pastor diese Zahl für seine Gemeinde angeben könnte. Missionsstatistik ist
seit William Carey 1792 mit einem missions- und religionsstatistischen Buch
die moderne Phase der evangelischen Weltmission ausgelöst hat, unverzichtbar,
aber sie sollte sich nicht überhöhen und sich einen Wahrheitsgrad zumessen,
den es in einer sich ständig ändernden und nicht zu überschauenden Welt einfach
nicht gibt.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-1.
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Bauckham,
Richard. Bible
and Mission: Christian Witness in a Postmodern World. Carlisle: Paternoster, Grand Rapids: Baker,
2003.
Das vorliegende Bändchen des britischen Neutestamentlers
Richard Bauckham (University of St. Andrews, Schottland) geht auf zwei Vorlesungsreihen
zurück. Der Stil der Vorlesungen wurde weitgehend beibehalten, jedoch durch
Fußnoten ergänzt. In „A Hermeneutic for the Kingdom of God“ beschreibt B. zunächst
unter den Stichworten „zwischen McWelt und Jihad“ die Situation der Welt nach
dem 11. September 2001. Die sich universalisierende Kultur, die gegenwärtig
alle Partikularität und Verschiedenheit zu unterdrücken trachtet, ist der
globale Kapitalismus, in dem B. eine sechste große universale Ordnung sieht
(nach dem antiken Griechenland und Rom, dem mittelalterlichen Christentum,
dem Islam und der von der Aufklärung bestimmten Zivilisation der westlichen
Moderne). Diese universalen
Kulturen sind geprägt von einer eigenen Meta-Erzählung (narrative) und ihrem
Drang nach Globalisierung mit der einhergehenden Unterdrückung anderer Kulturen
(„… with the ever-increasing threat to local cultures throughout the
non-western world by the so-called Coco-colonization of the world, the
relentless universalization of commercialized American culture“, 7). Im
Gegensatz zu diesem Trend gewährt und fördert das Christentum historisch und
gegenwärtig kulturelle Hete-rogenität. Die Frage nach dem Verhältnis zwischen
dem Partikularen und dem Universalen ist eine Leitfrage des Autors. Nach dieser
hilfreichen Analyse geht es um eine Hermeneutik für das Reich Gottes. B.
will die missionarische Ausrichtung der Bibel ernst nehmen und ihre Bewegung
vom Partikularen zum Universalen nachzeichnen: „This is a universalist
direction that takes the particular with the utmost seriousness. Christian communities or
individuals are always setting off from the particular as both the Bible and
our own situation defines it and following the biblical direction towards
the universal that is to be found not apart but from within other particulars.
This is mission“ (11). Diese Bewegung hat in der Bibel eine zeitliche („mission
is a movement into the new future of God), eine räumliche („mission is a
movement towards ever-new horizons“) und soziale Dimension („mission is a
movement that is always being joined by others, the movement, therefore, of
an ever-new people“, 13-15). Durch viele Beispiele zeigt B. überzeugend: „The
realistic narratives of Scripture portray only the ever-recurrent setting
out from the particular towards the universal in a movement which can move
in a universal direction only by way of other particulars, since the goal is
not an abstract universal but the ingathering of all particulars into the one
kingdom of the one God“ (16).
Kapitel zwei zeichnet diese Bewegung „Von dem Einen zu den
Vielen“ im AT nach (27-54): von Abraham zu allen Geschlechtern der Erde, von
Israel zu allen Völkern, von dem in Zion herrschenden König zu den Enden der
Erde und zu allen über den Weg des Geringsten (die Erniedrigung Christi und
die Torheit des Kreuzes): „… God’s
purpose begins with a singular choice: God singles out first Abraham, then
Israel, then David. The three movements that begin with these three choices
by God each has its own distinctive theme, one aspect of God’s purpose for
the world. … The trajectory that moves from Abraham to all the families of
the earth is the trajectory of blessing. The trajectory that moves from Israel
to all the nations is the trajectory of God’s revelation of himself to the
world. The trajectory that moves from God’s enthronement of David in Zion to
the ends of the earth is the trajectory of rule, of God’s Kingdom coming in
all creation“ (27). Kapitel drei untersucht den geographischen
Horizont der Bibel („Geography - Sacred and Symbolic“, 55-81). B. fragt nach
dem Bewusstsein der Bibel für die Völkerwelt und nach ihren geographischen
Horizonten (Völkertafeltradition, Völkerorakel der Propheten, die Enden der
Erde in atl. Sicht in verschiedenen Himmelsrichtungen) sowie nach dem
Verhältnis von Jerusalem als Zentrum und dem Horizont der Völkerwelt.
Abschließend geht es um die Bedeutung der Sendung Israels zu den und für die
Völker schon im AT und um das bleibende „Diaspora-Wesen“ des Volkes Gottes.
Das abschließende Kapitel beschreibt das christliche Zeugnis für die
Wahrheit in einer postmodernen und globalisierten Welt. Dazu zählen die
biblische Meta-Erzählung und die postmoderne Kritik und ihr Wesen als eine
nicht-moderne Meta-Erzählung ganz anderen Charakters. Ferner geht es um
diese biblische Geschichte und die ökonomische Globalisierung, in der B.
einen neuen Imperialismus sieht und sie einer vernichtenden Kritik
unterzieht. Die Folgen der biblischen Geschichte für die Bezeugung der Wahrheit
werden deutlich (die ganz andere Qualität der Herrschaft Gottes). B.
beleuchtet das christliche Zeugnis angesichts sich globalisierender Mächte
(so schon urchristlich gegenüber den Ansprüchen des römischen Reichs) sowie
die biblische Geschichte und ihre Betonung kultureller Verschiedenheit.
Prof. Bauckham hat für Bibelwissenschaftler, Missiologen,
Missionare und alle an Mission Interessierten ein enorm inspirierendes
Büchlein vorgelegt, das hilft, die Mission der Kirche zu verstehen und als
integralen Bestandteil von Gottes Geschichte mit dieser Welt zu sehen,
nämlich als Teil der biblische Meta-Erzählung des Reiches Gottes. Trotz
seines geringen Umfangs enthält dieses klar und verständlich geschriebene Buch
viele wichtige und herausfordernde Gedankenanstöße für unser Verständnis der
Bibel, der gegenwärtigen globalen Entwicklungen und – daraus abgeleitet –
unserer missionarischen Aufgabe.
Prof.Dr. Christoph Stenschke, em 2005-4.
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Baumann, Andreas. Der Islam – Gottes Ruf zur Umkehr? Eine
vernachlässigte Deutung aus christlicher Sicht. Basel: Brunnen Verlag
2003.
Andreas Baumann greift ein Thema auf, das in der neueren
theologischen Diskussion um den Islam bisher am Rande stand. Diese bewegt
sich weitgehend im Spannungsfeld zwischen Dialog und Harmonisierung
einerseits sowie Apologetik und missionarischem Handeln andererseits. Andreas
Baumann aber stellt die alte Frage nach dem Platz des Islam im Weltregiment
Gottes und nach dem, was Gott der Christenheit mit dem Islam sagen möchte.
Gewiss sieht der Verfasser die vielfachen
Herausforderungen des Islam an die christliche Kirche und ihren Glauben,
stellt aber fest, dass gegenwärtig neben Abgrenzung, Mission und Dialog die
christliche Selbstkritik und der Ruf zur inneren Umkehr weitgehend fehlen.
A. Baumann geht der biblischen Sicht vom Gericht Gottes
nach und befragt die Kirchen- und Theologiegeschichte nach Beispielen für
eine Deutung des Islam als Gerichtshandeln und Bußruf Gottes. Das bekannteste
Beispiel ist sicher Martin Luthers Ruf an die Deutschen zur inneren Umkehr
angesichts der Türkengefahr (der Islam als „Zuchtrute“ Gottes). In weiteren
Kapiteln zeigt A. Baumann auf, wie und warum die christliche Kirche von der
Zeit Muhammads an bis heute im Blick auf den Islam versagt hat und welche
Verheißung darauf liegt, dass Christen angesichts dieses Versagens zum
biblischen Evangelium umkehren.
Ein Anhang mit kurzen Überblicken über die Kernländer des
Islam, über die wichtigsten orientalischen Kirchen und die Hauptgründe für
das Entstehen des Islam sowie ein ausführliches Literaturverzeichnis und ein
Register der Anmerkungen runden das Buch ab und regen zum weiteren Arbeiten
an.
Es ist A. Baumann zu danken, dass er dieses lange
vernachlässigte Thema aufgegriffen und neu zum Bewusstsein gebracht hat. Sein
Buch hat theologische Tiefe und ist doch leicht lesbar. Es sei allen, die
sich über das Phänomen Islam und die Welt der Muslime mehr Klarheit
verschaffen wollen, sehr zur Lektüre empfohlen.
Eberhard Troeger, em 2004-4.
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Baumann, Andreas. Der Orient für Christus: Johannes Lepsius
- Biographie und Missiologie. TVG Brunnen: Gießen 2007.
Dr. Johannes Lepsius (1858-1926) war eine faszinierende
und vielschichtige Persönlichkeit; heute jedoch ist er meist nur noch wegen
seines Einsatzes für die Armenier während der Zeit des Genozides bekannt. Der
Rahmen für seine diesbezügliche Tätigkeit war Lepsius‘ umfassenderes
Missionsengagement als Gründer und Direktor der Deutschen Orient-Mission und
der Dr. Lepsius Deutschen Orient-Mission und seine Aktivitäten als profilierter
theologischer Autor und als Herausgeber von Missionszeitschriften. Für den
deutschsprachigen Bereich darf er als einer der Pioniere der christlichen
Mission unter Muslimen gelten. Seine sehr vielgestaltigen Aktivitäten können
nur recht verstanden und eingeordnet werden mithilfe eines tiefgehenden
Verständnisses seiner Theologie und Missiolo-gie, die die Grundlage und
Motivation für seine ganze Arbeit darstellen. Sie sind der „innere
Schlüssel“, um Lepsius recht zu verstehen. Ein missiologisches
Forschungsprojekt über Johannes Lepsius muss sich mit vielen Hindernissen
auseinandersetzen: Es muss ein enormer Umfang von Archivmaterialien bewältigt
werden, zu denen gerade erst – parallel zu dieser Forschungsarbeit – ein
ausführliches KatalogVerzeichnis erarbeitet wurde. Zudem gibt es die von
Lepsius gegründeten Missionsgesellschaften seit rund einem halben
Jahrhundert schon nicht mehr. Da Lepsius ein recht eigenständiger Denker war,
der in kein theologisches und missiologisches Lager so recht hineinpasste,
hat er auch keine direkten Nachfolger gehabt, die sein Erbe weitergeführt
hätten. Außerdem hat Lep-sius sein Missionsdenken in keinem zusammenhängenden
Werk veröffentlicht. Vielmehr muss es aus seinen theologischen Werken und aus
der Vielzahl seiner Artikel in Missionszeitschriften herausgearbeitet werden.
Jedoch ist Johannes Lepsius von solch herausragender Bedeutung, dass sein
Werk und sein Denken eine sorgfältige Untersuchung und systematische Interpretation
verdient.
Andreas Baumann hat in seiner nun in Buchform
erschienenen Doktorarbeit diese Aufgabe gekonnt übernommen. Er erarbeitet
darin erstmalig einen zusammenhängenden und vollständigen Überblick über
Johannes Lepsius‘ Missiologie, die er somit auch für Fragestellungen der
Gegenwart fruchtbar macht. Als notwendiges Nebenprodukt hat er die bisher
umfangreichste Biographie über Johannes Lepsius geschrieben (113 S.); denn Lepsius
und seine Schriften können nur in ihrem Kontext recht verstanden werden.
Baumann wendet deshalb gekonnt einen literarhistorischen Ansatz auf die
Quellen an, der es ihm ermöglicht sie in ihren Kontext eingebettet zu deuten
und so auch Entwicklungen im Denken von Johannes Lepsius im Laufe seines
Lebens aufzuspüren. Es ist sinnvoll, dass die Untersuchung sich auf die
Missiologie von Lepsius beschränkt, da keiner der vielen anderen Aspekte
seines Lebenswerkes bisher in der Tiefe erforscht wurde – mit Ausnahme
seines Einsatzes für die Armenier. Diese äußerst umfangreiche Aufgabe bleibt
anderen Studien vorbehalten. Baumann tut auch gut daran, dass er seine
Studie nur auf die veröffentlichten Quellen von Lepsius beschränkt und nicht
auf die unzähligen unveröffentlichten Manuskripte, Notizen und Briefe
ausdehnt. Auch sieht die Arbeit zu recht ab von dem Versuch einer
erschöpfenden Analyse der vielfältigen Ursprünge, Wechselwirkungen und der Wirkungsgeschichte
von Lepsius‘ Theologe und Missiologie, was Aufgabe einer weiteren Forschungsarbeit
von gleicher Größenordnung wäre. Die Primärliteratur und die relevante Sekundärliteratur
wurden – soweit feststellbar – vollständig ausgewertet, wobei die Bibliographie des Buches einen
beeindruckenden Umfang von 54 Seiten aufweist. Die einzelnen Kapitel des
Buches beschäftigen sich mit Lepsius' Biographie, seiner Theologie (115 S.),
seiner Missionsarbeit unter Muslimen (110 S.) und wichtigen missiologischen
Einzelfragen (101 S). All dies wird eingerahmt von einer Einleitung und
einem Schlussteil (50 S.), der Johannes Lepsius‘ „Missiologisches Erbe“
herausarbeitet. Der entscheidende Forschungsbeitrag von Baumann ist dabei
die Rekonstruktion der Missiologie von Johannes Lepsius, die er zunächst
ausführlich untersucht und danach in 18 Thesen prägnant zusammenfasst. Dabei
wird überzeugend die Eigenständigkeit von Lepsius herausgearbeitet und es
wird deutlich, dass kein heutiges „missionstheologisches Lager“ ihn – etwa im
Gegensatz zu anderen – gänzlich für sich beanspruchen kann. So finden sich
beispielsweise sowohl wichtige Gemeinsamkeiten mit der gegenwärtigen
deutschsprachigen evan-gelikalen Missionstheologie als auch markante
Unterschiede.
Sorgfältig werden im Schlussteil des Buches noch
beispielhaft einige der wichtigsten Aspekte der Missiologie von Johannes
Lepsius in Beziehung gesetzt zur Fragestellung nach dem Verhältnis von
Mission und gesellschaftlicher Verantwortung, wobei der Autor hierbei sein
eigenes missiologisches Profil erkennen lässt. Es wird dabei deutlich, dass
eine Beschäftigung mit Johannes Lepsius‘ Missiologie auch durchaus fruchtbar
sein könnte für die heutige missio-logische Diskussion, wie etwa für den
ökumenisch-evangelikalen Dialog über das rechte Missionsverständnis.
Dr. Christof Sauer, em 2008-3.
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Baumann, Andreas. Die Apostelstraße. Eine
außergewöhnliche Vision und ihre Verwirklichung. Brunnen Verlag: Giessen, 1999.
Andreas Baumann, Absolvent des Theologischen Seminars St.
Chrischona und Prediger in Rheinfelden, hat sein missiologisches Studium in
Korntal mit einer Forschungsarbeit über die berühmte „Apostelstraße“ abgeschlossen.
Die vom Gründer der Pilgermission St. Chrischona, Christian Fr. Spittler
(1782-1867), angeregte Straße sollte über eine Kette von 12 Missionsstationen
von Jerusalem durch das Niltal in das Hochland von Äthiopien führen. Zwischen
1860 und 1875 wurden 5 Orte in Ägypten und im Sudan mit Handwerkermissionaren
der Pilgermission besetzt. Schließlich scheiterte jedoch das Projekt u. a.
an politischen und finanziellen Ursachen.
Die Apostelstraße wird immer wieder in der Missionsliteratur
erwähnt und hat – bis heute – die Gründung von missionarischen Vorposten und
Gemeinden an strategisch wichtigen Routen angeregt. Es fehlte bisher aber
eine gründliche Erforschung der Quellen, des historischen Umfeldes und der
Wirkungsgeschichte der Apostelstraße. Deshalb konnte die „Apostelstraße“
als romantische Idee Spittlers ein wenig belächelt werden. Das hat sich durch
die Arbeit von Andreas Baumann geändert. Es ist ihm zu danken, daß er das
reichlich vorhandene Archivmaterial sowie die Sekundärliteratur umfassend
gesichtet und ausgewertet hat. Dadurch ist es nun möglich, die Apostelstraße
mit konkreten Menschen, ihren Erwartungen, Mühen und Enttäuschungen zu
verbinden. Dadurch wird auch das geistliche und missionarische Denken aller
an der Apostelstraße Beteiligten besser sichtbar.
Über „Tränensaat“ und „Freudenernte“ muß in der
Missionsarbeit immer wieder nachgedacht werden – gerade in unserer, sehr an
der aufweisbaren Leistung orientierten Zeit. Insofern ist A. Baumanns
Arbeit nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Missionsgeschichte des 19. Jahrhunderts,
sondern auch die Beschreibung eines geistlich-missionarischen Vermächtnisses,
dem viele Leser und Nachahmer zu wünschen sind.
Eberhard Troeger, em 1999-4.
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Beck, Hartmut (Hg.): Wege in die Welt. Reiseberichte aus 250 Jahren Brüdermission. VELM:
Erlangen, 1992.
Dieses Buch stellt eine Ergänzung zu Hartmut Becks
Geschichte der Brüdermission mit dem Titel „Brüder in vielen Völkern“ dar.
Rund 20 Texte geben bis zum Jahr 1916
Einblick in etwa 200 der 250 Jahre Mission der Herrnhuter
Brüdergemeine. Allerdings wird hier nicht die Missionsarbeit selbst
dargestellt, sondern die Reisen der Missionare in die Polarregion, die Karibik, nach Zentralasien, Indien und Grönland und die damit verbundenen erheblichen
Schwierigkeiten. Schwere Unwetter, Schiffbruch, Krankheit, Verwicklung in
Kriege und Gefangenschaft, feindselige Schiffsmannschaften, Geldmangel und
Hunger, Ausgeliefertsein aufgrund ihrer
Rechts- und Schutzlosigkeit und vor allem Einsamkeit angesichts der
gewaltigen Aufgabe der Pioniermission kennzeichneten die oft monatelangen
Reisen an die entlegenen Bestimmungsorte der ausgesandten Männer und Frauen. Daß alle Texte aus Tagebüchern
und eigenhändigen Reiseberichten stammen, macht das Buch zu einem
eindrücklichen Zeitzeugnis.
Christine Schirrmacher, em 1995-1.
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Beck, Hartmut. Brüder in vielen Völkern. 250 Jahre Mission der Brüdergemeine. Verlag der Evg.-Luth. Mission, Erlangen 1981.
Herrnhut, das ist die Mutter der deutschen evangelischen Missionen. (Die noch ältere
dänisch-hallesche Mission gibt es ja schon lange nicht mehr). Nicht nur, daß Herrnhut die älteste Mission
ist, es hat auch für die Entstehung der großen Missionen (wie Basel, Berlin oder Leipzig) wichtige Vorarbeiten geleistet. Interessant ist auch die Struktur der Herrnhuter Brüdergemeine als einer
„volkskirchlichen Freikirche“, bei der fast
von Anfang an Weltmission wichtiges Grundelement des Auftrags der
Kirche war.
Das hatte zur Folge, daß heute der weitaus größte Teil der Moraven in den „Missionsgebieten“
lebt. Außerdem ist die Brüder-Unitat eine
der wenigen internationalen evangelischen
Kirchen.
Hartmut Beck,
Missionarskind (geboren in Surinam),
Missionar (in Tansania) und Pfarrer einer Brüdergemeine (in Hamburg)
hat zum 250jährigen Jubiläum der Herrnhuter Missionsarbeit ein bedeutendes
und gut lesbares Buch veröffentlicht, das
das bisherige, von Karl Müller
und Adolf Schulze zum 200jährigen Jubiläum erschienene Buch ablöst.
Das Buch ist auch interessant für den, der sich mit Fragen
der Gemeindestruktur und ihren
Veränderungen beschäftigen will. Geschickt ist auch seine Darstellung
der Verflechtungen zwischen Mission,
Kolonialismus, Sklaverei,
Sklavenbefreiung, Handel und
Predigt. Weil er die historischen Details kennt, vermeidet er Generalisierungen.
Er zeigt, wie sowohl die Identifikation
mit den Opfern des Kolonialismus
als auch Gehorsam gegenüber der Obrigkeit (in jeweils unterschiedlicher Mischung) geistliche Realitäten waren (lesen Sie einmal auf S. 248/9 die
Geschichte von der Nichteroberung Silos).
Klaus Fiedler, em 1985-2
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Becken, Hans-Jürgen. Wo der Glaube noch jung ist: Afrikanische Unabhängige Kirchen in Süd-Afrika.
Erlangen, 1985.
Das Buch ist eine wesentliche Bereicherung der immer noch
spärlichen deutschen Literatur über die Afrikanischen Unabhängigen Kirchen (AUK), die immerhin mit 33 Millionen Anhängern gut 15% der afrikanischen Christenheit ausmachen.
Das Bestechende an diesem Buch ist es, daß die Vertreter der AUK selbst ausführlich zu Wort kommen. Das kann nur jemand präsentieren,
der wie Becken seit 1951 in Afrika tätig
ist und seit 1965, also seit zwanzig Jahren, eng mit diesen Kirchen zusammenlebt. Allein als solche erzählerisch beschreibende Darstellung der AUK in Selbstzeugnissen ist es ein gelungenes Werk, das eine würdige Weiterführung und
Aktualisierung der Arbeit Bengt Sundklers („Bantupropheten in Südafrika“, 1964) ist.
Becken will aber mehr
als nur darstellen. Er möchte die AUK als ebenbürtigen Partner im
ökumenischen Gespräch vorstellen, der einen substantiellen Beitrag zur afrikanischen Theologie und zur Mission in Afrika
liefern kann. Für ihn sind diese von den Missionskirchen unabhängig
gewachsenen Gemeinschaften eine authentische „afrikanische Antwort auf die christliche Botschaft“
(S.11), eine „missionarische Bewegung“ (S. 274) der weltweiten Kirche Jesu
Christi.
Sehr überzeugend
wird das Besondere am Beitrag des AUK-Christentums herausgestellt: das ganzheitliche Heilsverständnis (in der Zusammenschau von
Seelenrettung und körperlicher Heilung),
die Bedeutung der prophetischen
Heiler als begeisternde Vorbilder
und die missionarische Wirkung der Gemeinschaft der „geheilten Heiler“,
die sich durch Fürbitte (in
Heilungsgottesdiensten) und durch Fürsorge (in Heilungsheimen) um
das Leid des Nächsten kümmert.
Ausführlich wird die vielfältige Verwendung von Symbolen beschrieben (z.B. Asche, Wasser, Berge, Fahnen, Kerzen), und die Theologie
des Liedgutes eines AUK wird exemplarisch
herausgearbeitet.
Die Schlußkapitel geraten
zu einem dringenden Appell an die
westlichen und afrikanischen
Missionskirchen, in den Dialog mit den AUK einzutreten und sie als
gleichgesinnte Missionspartner für Afrika anzusehen. Denn es wäre zu den nun über 6000 AUK in Afrika nicht
gekommen, wenn es nicht die
Missionskirchen gegeben hätte, von
denen sich die ersten abgespalten hatten (seit 1819), deren Führer aber viel von ihren Mutterkirchen mit herübergenommen haben und die auch nur dort Kirche bauen
konnten, wo ihnen die Bibel in ihrer Muttersprache zur Verfügung stand.
Der theologisch
Interessierte vermißt vielleicht ein gründlicheres Eingehen auf die Synkretismus-Problematik. Ekklesiologische Bedenken erheben sich bei der von Becken so euphorisch geschilderten Massenbewegung
des Cancele-Kultes, den er als gelungene
Weiterführung der AUK im Sinne einer das ganze Volk erfassenden Kirche
versteht. Fasziniert hier nicht das Ideal der Volksnähe (,,Volkskirche“)
mehr als das biblische Ziel der Christusnähe?
„Wo der Glaube
noch jung ist“ ‑ ein markanter
Meilenstein zur Orientierung auf dem verschlungenen Pfad der Begegnung
mit den unabhängigen Kirchen in Afrika.
Detlef Kapteina, em 1986-4.
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Becker, Dieter. Die Kirchen und der Pancasila-Staat:
Indonesische Christen zwischen Konsens und Konflikt. Missionswissenschaftliche Forschungen NF 1. Verlag der Ev.-Luth.
Mission: Erlangen, 1996.
Auch wenn die Lage der Kirche Jesu in keinen zwei Ländern
der Erde wirklich gleich ist, gibt es kaum ein Land der Erde, in dem die
Kirche auf eine so einmalige Situation stößt, wie in Indonesien. Das Land ist
islamisch und doch ist der Islam nicht Staatsreligion. Als m. W. einziger
Staat der Erde macht Indonesien weder eine bestimmte Religion zur Staatsreligion,
noch ist er religiös indifferent, sondern erhebt den Glauben an einen Gott zu
einem der staatstragenden Säulen der Staatsphilosophie, der ‘Pancasila’.
(Vgl. meine Beiträge „Religion ist Pflicht in Indonesien“ Idea-spektrum
56/57/1981 vom 21.10.81 und „Javanische Mystik“. Factum 10/1987: 3-6).
Dieter Becker stellt in seiner Heidelberger Habilitationschrift von 1993 die
Geschichte und Gegenwart der protestantischen Missionen und Kirchen in
Indonesien dar, wobei der Schwerpunkt bei den älteren Kirchen liegt.
Bedauerlich ist, daß Becker praktisch nur die im Nationalen Kirchenrat zusammengefaßten
Kirchen berücksichtigt und die außerhalb stehenden und meist auch jüngeren
Kirchen, die aus der indonesischen Erweckung entstanden sind, nur am Rande
erwähnt (z. B. S. 260-261 die Einschätzung „charismatischer“ Gruppierungen).
Dabei geht es Becker aber nicht um die Missionsgeschichte
an sich, sondern um ihr Verhältnis zur politischen Ordnung des Landes in der
Kolonialzeit, der ersten Phase der Unabhängigkeit unter Präsident Sukarno
bis 1965 und der gegenwärtigen Struktur seit 1966 unter Präsident Suharto.
Der Leser bekommt dabei auch einen ausgezeichneten Überblick über die
politische Geschichte Indonesiens bis Mitte der 80er Jahre. Die Reaktionen
der protestantischen Kirchen auf die politischen Gegebenheiten erhebt
Becker minutiös aus einer Großzahl von Quellen und aus seiner vor Ort
gesammelten Einsichten. Ich kenne derzeit kein Buch, das Missionaren oder
Missionsgesellschaften einen besseren Einblick in die ‘Pancasila’ und in das
ungewöhnliche Verhältnis von Religion und Politik in Indonesien und die
Reaktionen der christlichen Kirchen darauf gibt.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1998-1.
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Bediako,
Kwame. Theology and
Identity. The Impact of Culture upon Christian Thought in the Second Century
and in Modern Africa. Oxford: Regnum Books, 1992.
Ist es möglich, als Afrikaner seine eigene Kultur,
Tradition und religiöse Vergangenheit voll zu bejahen und zugleich
überzeugter Christ zu sein? Lassen sich Afrikanersein und Christsein
miteinander verbinden, oder gilt, wie der renomierte presbyterianische
Theologe Bediako aus Ghana nachdrücklich in Kap. 6 beschreibt, auch heute
noch wie vielfach bis zur Mitte dieses Jahrhunderts alles Afrikanische als
heidnisch und damit als unwertvoll, unwichtig, abzulehnend? Demgegenüber
betont Vf.: „Ohne Erinnerung (an das Alte) haben wir keine Vergangenheit,
und ohne Vergangenheit haben wir unsere eigene Identität verloren, denn die
Vergangenheit ist auch unsere Gegenwart.“ (237) Die missionarische
Verkündigung trifft in Afrika weder auf eine religiöse und kulturelle tabula
rasa noch bringt das Evangelium nur etwas ganz Anderes, das zur
afrikanischen Tradition in keinerlei Beziehung steht, wie es noch Byang Kato
(vgl. Kap. 10) in den siebziger Jahren sah. Vielmehr geht es um das rechte
Verhältnis von Kontinuität und Diskontinuität von afrikanischer Tradition und
christlichem Glauben. Nur in einem ausgewogenen Verhältnis von beidem,
Kontinuität und Diskontinuität, kann sich eine eigene afrikanische christliche
Identität entwickeln. Dieser Fragestellung widmet sich Bediako in seiner
bereits im Juli 1983 in Aberdeen eingereichten Dissertaion.
Die Fragestellung ist nicht neu. Bereits die Apologeten im
zweiten nachchristlichen Jahrhundert hatten sich damit auseinanderzusetzen.
Deshalb geht Vf. zunächst auf vier Vertreter von ihnen ein (Tatian,
Tertulian, Justin und Clemens von Alexandria), um aufzuzeigen, wie sie sich
zu ihrer Zeit mit der hellenistischen Religion und Philosophie
auseinandergesetzt haben und im Kontext dieser kulturellen Gegebenheiten das
Evangelium verständlich machen wollten. Vf. stellt die missionarische
Intention der Apologeten stark heraus und behandelt ihre Theologie also
bewußt unter missiologischen Gesichtspunkten. Nicht eine radikale Verurteilung
des Hellenismus (so höchstens Tertulian), sondern eine bewußte kritische
Auseindersetzung mit ihm und eine positive Aufnahme partieller Wahrheiten
unter Wahrung biblischer Maßstäbe prägte ihre Arbeit.
Ähnlich untersucht Vf. dann vier treffend ausgewählte
afrikanische Theologen der Gegenwart, die sich in Bezug auf ihren Kontext
der gleichen Problematik stellen, mit dem Unterschied, daß sie zugleich
gegen das Vorurteil ankämpfen mußten, daß der afrikanische Hintergrund
anders als der Hellenismus minderwertig, ungebildet und rückständig sei.
Während der nigerianische Methodist Bolaji Idowu die
„Kontinuität Gottes in der afrikanischen religiösen Erfahrung“ (293) und
Offenbarung Gottes auch in der afrikanischer Religion in den Mittelpunkt
stellt, geht es dem kenianischen Anglikaner John Mbiti darum, afrikanische
Religiosität und Tradition als praeparatio evangelica hervorzuheben. Mulago
gwa Cikala als katholischer und frankophoner Vertreter aus dem Zaire
betont die Partizipation am Leben und an der Gemeinschaft als Kontinuum.
Nur der evangelikale Byang Kato aus Nigeria lehnt jegliche Relevanz
afrikanischer Tradition für den christlichen Glauben ab, eine Position,
die auch in der evangelikalen Missiologie zum Glück als überwunden gelten
kann.
Wie der (hellenistische) „unbekannte Gott“ der Athener
schließlich als der Eine Gott, allmächtige Vater und Schöpfer aller Dinge bestätigt
wurde (429), muß es auch in Afrika zu einer „Synthese zwischen christlicher
religiöser Verpflichtung (commitment) und kultureller Kontinuität“ (432)
kommen, die keineswegs einen theologischen Synkretismus impliziert. Afrika
lebt ebenso wie die alte Kirche schon seit langem im Kontext religiösen
Pluralismus. Deshalb gibt es andere Antworten als das westliche Christentum,
das sich diesem Phänomen erst langsam nähert (432ff). Bediakos Buch ist eine
anregende, nach-denkenswerte, nicht immer bequeme Lektüre, die wichtige
Perspektiven eröffnet. Alle, die an Theologie, Mission und Kirche in Afrika
interessiert sind, sollten daran nicht vorübergehen.
Dr. Johannes Triebel, em 1996-2.
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Bergunder, Michael; Jörg Haustein (Hg.). Migration und Identität.
Pfingstlich-charismatische Migrationsgemeinden in Deutschland. Beiheft
der Zeitschrift für Mission Nr. 8, Frankfurt: Lembeck, 2006.
Dieser Band enthält die Beiträge der Fachtagung „Migration
und Identität. Pfingstlich-charismatische Gemeinden fremder Sprache und Herkunft
in Deutschland", die in Heidelberg im Juni 2004 stattfand. Er gliedert
sich in drei Teile. Der erste Teil bietet mit zwei Artikeln einen Überblick
zur Thematik des Buches. Claudia Währisch-Oblau stellt „Die Spezifik pentekostal-charismatischer
Migrationsgemeinden in Deutschland und ihr Verhältnis zu den
>etablierten< Kirchen“ (S.10-38) überzeugend und leserfreundlich
geschrieben dar. Ausgehend von einem empirischen Überblick über die pentekostal-charismatischen
Migrationsgemeinden im Rheinland und in Westfalen wird eine Taxono-mie
erarbeitet, ihre Charakteristika dargestellt, das Verhältnis untereinander
und zu den deutschen Kirchen beschrieben. Der zweite Überblicksartikel von
Cornelis van der Laan über „Nicht-westliche pfingstliche Migrationskirchen in
den Niederlanden“ (S.40-59) kann den Anspruch des gewählten Titels und auch
den des Buches nicht einlösen. Denn van der Laan gibt einen – durchaus
interessanten – Überblick über die niederländische Migrationspolitik, die Situation
der Migrationsgemeinden und ihr Verhältnis zur niederländischen
Gesellschaft. Aber die dem Leser angekündigte Zuspitzung auf die
pfingstlich-charismatischen Kirchen fehlt vollständig.
Im zweiten Teil des Buches werden Fallstudien präsentiert.
Der Artikel von Afe Adogame „Dinge auf Erden um Himmels Willen tun. Aushandlungsprozesse
pfingstlicher Identität und die afrikanische religiöse Diaspora in
Deutschland“ (S.60-82) basiert auf der Analyse einer Kirche, die von zwei
afrikanischen Einwanderern in Deutschland gegründete wurde. Auf einem hohen
abstrakten Sprachniveau wird aufgezeigt, wie komplex die Identitätsfindung
und die theologischen Wandlungsprozesse des Einzelnen und der untersuchten
Diaspora-Kirchen sind. Die sich daran anschließende Fallstudie „>Wartendes
Israel und Israel am Ziel< Leid und Wunder von Pfingstgemeinden
afrikanischer Migranten in Deutschland“ (S.83-106) von Evangelos Karagiannis
ist von besonderem Interesse.
Er schildert die sehr unterschiedlichen sozioökonomischen Rahmenbedingungen
von zwei Pfingstgemeinden in einer ostdeutschen Stadt und setzt sie in Bezug
zu ihren ebenfalls sehr unterschiedlichen theologischen Schwerpunktsetzungen.
Auch wenn der Rezensent das Fazit: „Was die Predigt der Pastoren vor allem
reflektiert, ist die Ressourcenausstattung ihrer Kirche, deren
Konsolidierungsgrad als Organisation, das Spektrum ihrer Möglichkeiten“ für
überzogen hält: Die Varianz pfingstlicher Theologie wird exemplarisch deutlich. Das macht die Studie so
interessant.
Jörg Haustein geht der „Pfingstbewegung und Identität im
Kontext äthiopischer Migranten in Deutschland“ (S.107-126) nach. Dazu informiert
er in der ersten Hälfte seines Beitrages über die pfingstlich-charismatischen
Bewegungen in Äthiopien, um dann die Situation, Identität und Theologie der
äthiopischen pfingst-lichen Christen in Deutschland zu schildern. Werner Kahl
– Studienleiter an der Missionsakademie in Hamburg – untersucht in seiner
Fallstudie „Zur Bibelhermeneutik pfingstlich-charismatischer Gemeinden aus
Westafrika in Deutschland“ die Art und Weise, wie in Ghana die Bibel gelesen
wird. Dazu hat er in Ghana präferierte biblische Passagen quantitativ empirisch
erhoben. Der besondere Wert seines Beitrages ist, dass hier einer der zentralen
Punkte charismatisch-pfingstlicher Identität und Theologie angesprochen wird. Wie sich
langfristig der ökumenisch-pfingstliche Dialog weiterentwickeln wird, hängt
zweifelsohne auch davon ab, ob bei dieser Frage nach einer angemessenen
Bibelhermeneutik gemeinsame Verständigung möglich sein wird.
Der dritte Teil des Buches ist der religionswissenschaftlichen
und theologischen Reflexion gewidmet. Michael Bergunder gibt einen kenntnisreichen
Überblick über die „Pfingstbewegung, Globalisierung und Migration“
(S.155-170) im weltweiten Kontext. Allan Anderson, bekannt als herausragender
Kenner der Pfingstbewegung der Universität Birmingham, geht leider kaum und
auch nur sehr allgemein auf das Thema seines Artikels „Was europäische
Christen von afrikanischen Pfingstlern lernen können“ (S.170-189) ein.
Stattdessen gibt er einen fundierten Einblick in die afrikanisch-pfingstliche
Kirchengeschichte und geht auf die Identität und Pluralität der
Pfingstbewegung ein. Der Abschluss ist einem der großen – und wohl von allen
Pfingstlern geliebten – Theologen der Pfingstbewegung vorbehalten: Walter
J. Hollenweger. Ausgehend von der Frage „Was ist charismatische Theologie? Oder: Was muss sich ändern?“
(S.190-206) möchte er kritische Theologie und Spiritualität versöhnen. „Die
Trennung zwischen ge-lebter Spiritualität und kritischer Theologie ist ein
Verlust für die Universität. Deswegen ist die Präsenz dieser
Immigrationskirchen in unseren Universitäten und in unserer Gesellschaft wichtig“.
Trotz der offensichtlichen Schwierigkeit einzelner
Autoren, das gestellte Thema zu fokussieren, ist der Band empfehlenswert.
Denn diese Thematik wendet sich einem in der deutschen theologischen und
missionswissenschaftlichen Diskussion weitgehend vernachlässigten Thema zu.
Und die Gründung des interdisziplinären Arbeitskreises „Pfingstbewegung“ an
dieser Tagung zeigt, dass der Prozess der Erforschung der charismatisch-pfingstlichen
Bewegung weltweit und in Deutschland weitergehen wird.
Dr. Andreas Kusch, em 2008-1.
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Berneburg, Erhard. Das Verhältnis von Verkündigung
und sozialer Aktion in der evangelikalen Missionstheorie. TVG. R. Brockhaus: Wuppertal, 1997.
Diese von Prof. Beyerhaus betreute Tübinger Dissertation
zeichnet minutiös und zuverlässig die Entwicklung des Titelthemas in der evangelikalen
Welt seit etwa 1960 bis 1990 nach. Dabei dienen vor allem evangelikale
Großkonferenzen, etwa die Lausanner Kongresse und Konsultationen, als
Ausgangspunkt. Der Einfluß der Eschatologie auf die Sicht der sozialen Aktion
wird zu Recht besonders berücksichtigt (z. B. S.18+35-36+157-160+301-316),
wobei die Position des Autors kaum durchschimmert. Der Autor warnt sowohl vor
einer Evangelisationstheorie, die aus - meist
eschatologischen - Gründen gegen jede soziale Aktivitäten ist, als auch vor
einer Gleichordnung von Evangelisation und sozialer Verantwortung. Er
unterscheidet aber deutlich zwischen einer primären sozialen Verantwortung
dem einzelnen gegenüber und der sekundären sozialen Verantwortung im Sinne
von Veränderung von Strukturen. Diese Unterscheidung wird in den
evangelikalen Dokumenten zu wenig berücksichtigt. Als Kernproblem der Evangelikalen
sieht er – m. E. sehr zutreffend – mit Klaus Bockmühl das Fehlen einer
evangelikalen Sozialethik (S.257 u. ö.) und das Vernachlässigen der
Schöpfungsethik (bes. S.267ff+275ff).
Thomas Schirrmacher, em 1998-3.
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Bevans,
Stephen B. Models of
Contextual Theology.
Maryknoll/N.Y.: Orbis 1992.
Bevans schöpft aus seiner 7jährigen Erfahrung auf den
Philippinen. Er ist Professor für historische und dogmatische Studien am
Catholic Theological Union Seminary in Chicago/Illinois. In seinem Buch baut
er seinen gleichlautenden Artikel aus Missiology: An International Review
13 (1985) aus. Modelle versteht er als vereinfachende und verdeutlichende Rekonstruktionsversuche
der Wirklichkeit. Sie beschreiben die Realität „da draußen“ nicht
vollständig, aber bilden sie durchaus wirklichkeitskongruent ab. Er faßt die
von ihm beschriebenen Modelle als deskriptiv bzw. komplementär auf, d. h.
sie sind für ihn nicht exklusiv, wie bei Hesselgrave und Rommen in ihrem
Buch Contextualization: Meaning, Methods, and Models (S.157), sondern sie ergänzen
einander.
Vom Übersetzungsmodell, das sich am stärksten an der
Bibel bzw. der Tradition orientiert, geht die Beschreibung der Modelle über
das synthetische Modell und das Praxis-Modell zum am radikalsten an Kultur
und Kulturveränderung interessierten anthropologischen Modell. Das Transzendenzmodell
steht gewissermaßen über allen, da es nicht vom zu formulierenden Inhalt,
sondern vom formulierenden Subjekt ausgeht, das versucht, seinen Glauben
auf authentische Art auszudrücken. knappe und präzise Beschreibung der
Modelle läßt sich durch den klaren Aufbau (Terminologie - Beschreibung der
Voraussetzungen - Kritik) gut nachvollziehen. Jedes der Modelle wird durch
das Beispiel eines Theologen aus der westlichen und der Zweidrittelwelt
illustriert. Die leider nicht als Fußnoten, sondern am Ende organisierten
Nachweise verraten fundierte Kenntnisse der Literatur. Das Buch kann
durchaus als Übersicht, Diskussionshilfe, praktische Anleitung und
Einführung zur Thematik dienen, wie der Herausgeber Robert Schreiter in
seinem Vorwort meint. Es bildet ein katholisches Gegenstück zu dem von
Hesselgrave und Rommen veröffentlichten evangelikalen Standardwerk. Auch wenn
Bevans gewisse Präferenzen für das synthetische und das Transzendenzmodell
zeigt, beantwortet er die Frage, welches das beste Modell sei: „It depends
on the context“ (S.112).
Martin Sachs, em 1996-1.
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Bevans,
Stephen B.; Roger P. Schroeder. Constants in Context: A Theology of Mission for Today. American Society of Missiology Series 30,
Maryknoll: Orbis, 2004.
Dieses Buch ist eine der wesentlichen Neuerscheinungen im
Bereich der Missionstheologie. Die nordamerikanisch-katholischen Autoren
(beide Mitglieder der SVD-Ordensgemeinschaft und Professoren an der Catholic
Theological Union, Chicago) sind keine missionswissenschaftlichen
Unbekannten. S. Bevans hat bereits wesentliche missiologische
Quellensammlungen und wegweisende Arbeiten zur kontextuellen
Missionstheologie verfasst. Mit Constants
in Context setzen die Autoren die missionstheologische Tradition von
David Bosch fort, bieten zugleich aber einen neuen Ansatz und verarbeiten
neuere Dokumente und Entwicklungen.
Der erste Teil des Buches (Part I, S.7-73) bietet eine
biblische Grundlegung anhand der Apostelgeschichte und erklärt den
missionstheologischen Grundansatz des Werkes: er besteht im Herausarbeiten
von sechs missionstheologischen „Konstanten“ in den „Kontexten“ der Mission
in Geschichte und Gegenwart. Die sechs Konstanten stellen theologische
Grundthemen dar, mit denen christliche Mission in allen Kontexten und zu
allen Zeiten zu ringen hat: Christologie, Ekklesiologie, Eschatologie,
Soteriologie, Anthropologie und Kultur. Diese Themen werden verknüpft mit
drei theologischen Traditionen, die idealtypisch an Tertullian, Origenes und
Irenäus festgemacht und durch die Jahrhunderte in verschiedenen Bewegungen
und Theologen aufscheinen. Dieser Ansatz ist – trotz gewisser Vereinfachungen
– innovativ, pädagogisch sinnvoll und geht stellenweise quer zu den gewohnten
missions- und religionstheologischen „Schubladen“ und bietet somit Anstöße
zum kreativen Neudenken.
Ähnlich wie bei Bosch – allerdings in größerer Nähe zur
spezifisch missionshistorischen Entwicklung - wird dann
Missionstheologie in historischen Epochen entfaltet (Part II, S.73-280):
Mission in der frühen Kirche, Mission und die mönchische Bewegung, Mission
und die Handelsbewegung, Mission im Zeitalter der Entdeckung, Mission im
Zeitalter des Fortschritts, Mission im 20. und 21. Jahrhundert. Auch die
Mission der Pfingstkirchen und neuerer Bewegungen in der nichtwestlichen Welt
findet Berücksichtigung. Nach jeder Epoche wird nach den Konstanten, ihrer
Spiegelung in den konkreten missionstheologischen Traditionen (z.B. auch in
der Lausanner Bewegung bis 1992) und dem Ertrag für heute gefragt. Das
jeweilige Ergebnis wird in Form einer Übersichtstabelle geboten. Dieser Teil
ist der umfangreichste und bietet (ergänzend und relativ wenig überschneidend
zu Bosch) eine Fundgrube missionstheologiegeschichtlichen Wissens. Den
Abschluss (Part III, S.281-398) bildet eine gegenwartsbezogene
systematisch-missionstheologische Reflexion der Mission als: (1) Teilnahme an
der Mission des Dreieinigen Gottes, (2) befreiender Dienst im Reich Gottes,
(3) Verkündigung Jesu Christi als universaler Retter, (4) prophetischer
interreligiöser und versöhnender Dialog. Auch diese Themen werden jeweils
wieder im Licht der sechs Konstanten gespiegelt.
Das Buch bietet eine erfrischende Lektüre: ein großer
Überblick und eine faire Darstellung aller Traditionen wird mit
inspirierenden Gedankenanstößen verbunden. Der Ansatz von Konstanz und
Kontextualität wird in Nähe zu biblischen Texten, historischen Kontexten und
der theologischen Diskussion der Gegenwart entfaltet. Die ausführlichen und
informativen Fußnoten finden sich erst am Ende des Buches, was beim Lesen
etwas hinderlich ist. Ein echter Wermutstropfen ist das Fehlen einer
Bibliographie. Erschlossen wird der Text durch einen detaillierten Index und
hilfreiche Karten und Tabellen. Dieses Buch stellt wohl jetzt schon –
zumindest im englischsprachigen Raum – eine neue Standardeinführung in der
Tradition von David Bosch dar.
Dr. Friedemann Walldorf,
em 2006-3.
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Beyer,
Ulrich. Und viele wurden hinzugetan. Mission und Gemeindewachstum in der Karo-Batak-Kirche/Indonesien. Verlag der VEM, Wuppertal; Verlag der
Ev.-Luth. Mission, Erlangen, 1982.
Im Jahre 1890 begann die protestantische Mission im Land der Karo-Batak. In den ersten
Jahren breitete sich das Evangelium nur langsam aus. Nach drei Jahren sehr
intensiver Arbeit waren erst sechs Karo-Batak
getauft worden. Die Mission erschien als
Anhängsel des Kolonialismus, außerdem galten für Gemeindeglieder sehr
strenge Regeln, die ihnen keinerlei Kontakt zu ihren früheren
Verwandten und zum Stamm ließen. Damit waren sie von ihrem
eigenen Volk getrennt. Im Laufe der Jahre wuchs die
Kirche langsam. 1935 gab es 4189 getaufte Christen, 1,5% der
Bevölkerung. 1941 wurde
die Karo-Batak-Kirche selbständig mit dem Namen: Gereja Batak Karo Protestan (GBKP). 1945, nach dem Ende der japanischen Besetzung, stellte sich die GBKP hinter die entstehende Republik Indonesien. In der darauffolgenden nationalistisch/kommunistischen
Periode fand sich die Kirche in einer schwierigen Lage:
sie wollte sich zurückhalten! Daraus ging die Gründung von Hausgemeinden und Bibellesegruppen hervor, meist unter der Führung
von Laien. Damals gab es nur acht ordinierte Pfarrer. Die alte gendang
Musik wurde wieder eingeführt ‑
jetzt christlich geprägt, nicht mehr dämonisch. Auf diese Weise schlug
die Kirche Wurzeln in der traditionellen
Kultur, und deswegen schlossen
sich viele ihr an. Am 30.9.1965 versuchten die Kommunisten, die Macht zu
übernehmen; sechs Generale, unter
ihnen der christliche Toba-Batak General I. Pandjaitan, wurden ermordet.
Durch das schnelle Eingreifen von
General Suharto wurde diese
Machtübernahme verhindert, und es kam zu einem umfassenden Gegenschlag gegen die Kommunisten und ihre Werkzeuge. Dabei
wurden 100 000 getötet. Die indonesische Gesellschaft wurde bis in
ihre Grundfesten erschüttert. Viele
Karo-Batak suchten Sicherheit und
Geborgenheit und fanden sie darin,
daß sie sich der Kirche anschlossen.
In nur drei Jahren (1965-68) wuchs die Kirche von 35 000 auf 76 000 Mitglieder.
Das darauffolgende stetige Wachstum wurde durch Pancasila, die „fünf Säulen“ des indonesischen Staates, veranlaßt. Jeder Indonesier mußte sich für eine der fünf anerkannten Religionen entscheiden.
Die Karo-Batak entschieden sich überwiegend
für die GBKP, denn so konnten sie
in ihrem Volk und in ihrer Kultur bleiben. (Der Islam war für sie nicht anziehend, weil Karo-Batak sehr gerne Schweinefleisch essen.)
Der Kirche schließt man sich als Familie
oder als Sippe an, Übertritte einzelner sind selten. Es wurde klar, daß
allein der Glaube an Jesus den
geistlichen Hunger stillen kann, und
der Glaube an Jesus war es, der die
Karo-Batak anzog.
Das Buch ist sehr
sorgfältig geschrieben, auch die Details werden nicht übersehen. Auch
in den großen Städten wie Medan und Jakarta
gibt es Karo-Batak Gemeinden mit eindrucksvollen Mitgliederzahlen: in
diesen Gemeinden fühlt sich der
Karo-Batak zu Hause, wenn er in der Fremde leben muß.
Am Schluß des Buches wird die Gebetsgruppen-Bewegung erwähnt, die interdenominationelle Gebetsgruppen
bildet, die das bieten sollen, was den
verfaßten Kirchen an innerem Leben
fehlt. Der Verfasser hat das Buch
systematisch, fast mathematisch geschrieben.
Christ werden erscheint in seiner
Darstellung eher als die Annahme eines
bestimmten Systems und weniger als eine Begegnung mit einer lebendigen und Leben spendenden geistlichen Gemeinschaft:
der Gemeinde Jesu Christi.
Während seines Dienstes unter den Batak kannte der Rezensent die erwähnten Missionare Neumann
und Muylwijk persönlich, er
war auch ein guter Freund von General Isaak
Pandjaitan. Die Genauigkeit, mit der das Buch geschrieben wurde,
beeindruckt. Das Buch ist sehr zu empfehlen.
Hans van der Boom, em 1985-3
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Beyerhaus, Peter. Er sandte Sein Wort. Theologie der
christlichen Mission, Bd. 1: Die Bibel in der Mission. Wuppertal/Bad Liebenzell:
R. Brockhaus Verlag/VLM, 1996.
Die bibliographischen Angaben dieses Buches zeigen
bereits, daß der Tübinger Missionswissenschaftler ein umfangreiches Opus
geplant hat, das an Gustav Warnecks „Evangelische Missionslehre“ aus den neunziger
Jahren des vorigen Jahrhunderts erinnert. Sowohl der Gesamttitel als auch
der des ersten Bandes spiegeln wesentliche Grundüberzeugungen und
Intentionen des Autors wider, denn „Mission“ wird hier „in ihrem ureigenen
Wesen“ als „Sendung des Wortes Gottes in die Welt“ verstanden. „Solange
christliche Mission im tiefen Respekt vor der Autorität dieses Wortes, welche
die des dreieinigen Gottes selber ist, ihren Dienst der Versöhnung an Israel
und den Völkern tut, bleibt sie authentische Mission. Nur so lange ist sie
Fortsetzung der Sendung Christi und des Geistes vom Vater … (und) nimmt …
teil an der trinitarischen Missio Dei“. Dieses Missionsverständnis setzt ein
Schriftverständnis voraus, „welches die Heilige Schrift – bei aller
Offenheit für ihr geschichtliches Gewordensein und für die Mannigfaltigkeit
der in ihr redenden Zeugen – als ein in sich geschlossenes Ganzes
betrachtet“. Denn „durch die Wirkung des prophetischen Wortes wurde
Menschheitsgeschichte zur Heilsgeschichte“. Schließlich fand „die
Heilsgeschichte in der Sendung des Sohnes“ ihren „die Äonen wendenen Höhepunkt“.
Damit das Wort dieser Offenbarungsgeschichte „vollinhaltlich und unversehrt
bis an das Ende der Zeiten in ursprünglicher Kraft ergehen könne, ging die
Verkündigung Christi und seiner Apostel und Propheten durch die Inspiration
des Geistes ein in das geschriebene Wort heiliger Schriften, die im Kanon
der Bücher Alten und Neuen Testaments, der Bibel, ihre endgültig besiegelte
Gestalt gefunden haben“.
Peter Beyerhaus entfaltet das Thema jedoch nicht losgelöst
von den – meist kontrovers verlaufenden – Entwicklungen der letzten Jahrzehnte,
an denen er selbst engagiert beteiligt war, sondern versucht, eine
„biblisch-theologische Begründung der Mission zu entwickeln“.
Im ersten Kapitel „Die Notwendigkeit missionstheologischer
Grundlagenklärung“ skizziert der Autor die Entwicklung seit 1961, dem Jahr
der Eingliederung des Internationalen Missionsrates in den Ökumenischen Rat
der Kirchen. Daraus ergibt sich in nuce die Konzeption des ersten Bandes.
In elf weiteren Kapiteln, die sich in drei Teile
gruppieren, knüpft Beyerhaus zunächst „dankbar … an die Tradition
heilsgeschichtlichen Denkens in der deutschen evangelischen
Missionswissenschaft“ an (Teil I: Die Bibel – das Buch der Mission). Er
plädiert dafür, lernwillig, aber in „wachsamer Auseinandersetzung mit andern
heute vertretenen Positionen“ diese Anknüpfung zu vollziehen (Teil II: Die
hermeneutische Krise der Mission und ihre mögliche Überwindung). Der Autor verweist
auf die „verheerenden Folgen für die Theologie und Praxis der Mission … die
entstehen, wenn das reformatorische Formalprinzip Sola Scriptura
preisgegeben wird“. Teil III (Missionarische Verkündigung in biblischer
Vollmacht) erörtert, „wie echte missionarische Verkündigung nach Inhalt und
Gestalt durchgehend von der Autorität der Heiligen Schrift bestimmt ist und
ihre überzeugende, aufbauende Vollmacht gewinnt.“
Mit seiner Ermutigung zur „Orientierung der Mission an den
elementaren heilsgeschichtlichen Aussagen der Bibel“ möchte der Autor
keinen neuen Gedanken in die Missionstheologie einführen, sondern im
Gegenteil nur „das erneut aussprechen, was zu allen Zeiten die
Grundüberzeugung wahrhaft christlicher Mission gewesen ist, besonders, soweit
sie im Erbe der Reformation und des klassischen Pietismus gründete“. So
knüpft Beyerhaus konkret an die Bemühungen von Missionstheologen wie Gustav
Warneck, Walter Freytag und Karl Hartenstein an.
Nach Konzeption und Inhalt kann dieser Band als Lehrbuch
dienen und alle anregen, die an der Aufgabe der Mission in irgendeiner Form
mitarbeiten oder an den verschiedenen Detailthemen weiterarbeiten wollen.
Dazu ist der Anhang eine gute Hilfe. Er enthält eine Übersicht der erwähnten
internationalen Konferenzen und ein Abkürzungsverzeichnis. Die umfangreiche
Bibliographie (mehr als 50 Seiten!) gliedert sich in vier Gruppen: Lexika
und Quellensammlungen, Quellentexte, Konferenzberichte, sowie
Sekundärliteratur. Ein Bibelstellen-, Personen- und ein differenziertes
Sachregister ermöglichen die Arbeit am Detail. Mit diesem umfangreichen
Werk legt Peter Beyerhaus „die reiche Frucht seines Lebens als Missionar,
Forscher und Lehrer“ vor. Möge diese Frucht als Lehrbuch weitere Früchte tragen.
Dr. Erich Scheurer, em 1996-4.
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Beyerhaus,
Peter. God’s
Kingdom and the Utopian Error. Discerning
the Biblical Kingdom of God from its
Political Counterfeits. Wheaton: Crossway, 1992.
Peter Beyerhaus, Professor für Missionswissenschaft in
Tübingen, hat über das christliche Verständnis
des Reiches Gottes gründlich geforscht
und nachgedacht. Sein neuestes Buch sollte als Fortsetzung seiner
früheren Bemühungen verstanden werden, der englischsprachigen Welt die konservative Position in der evangelikal
- ökumenischen Auseinandersetzung
verständlich zu machen. Er verbindet eine tiefschürfende biblische
Ergründung mit einer sorgfältigen Analyse der wichtigsten Missionskonferenzen,
der ökumenischen Vollversammlungen und deren jüngster Dokumente. Beyerhaus’
Kernthese ist, daß die biblische Lehre von Gott von denen verdreht wird, die
das Reich Gottes mit politischen Ideologien gleichsetzen. „Volkstheologien“ ist seine Bezeichnung dafür.
Nach Aussage des Autors gibt es Versuche von einigen in der
ökumenischen Bewegung, eine Einigung
zwischen den beiden Flügeln der Debatte um soziales Handeln und
Evangelisation herbeizuführen. Doch dann müßten Evangelikaie nicht nur
Kompromisse auf der oberflächlichen
politischen Ebene eingehen, sondern auch ihr Verständnis der
biblischen Heilsgeschichte ändern. Gott wird sein Reich errichten,
indem Einzelne zu Glaubenden und dann zu Jüngern gemacht werden. Für Beyerhaus
ist die Kirche, wenn auch nicht mit dem Reich Gottes identisch, so doch
Gottes messia-nische Gemeinschaft. Gott, nicht der Mensch, wird das Königreich errichten. Auch wenn große Teile des Buches aus Beiträgen zu bestimmten
Anlässen bestehen, entsteht durch einen guten Aufbau eine sinnvolle Gedankenführung,
beginnen mit der Sicht des Reiches Gottes
in der evangelikalen Eschatologie bis zum letzten Kapitel über das Martyrium als Tor zum Himmelreich. Von besonderem Interesse ist das kurze Kapitel „Zehn Kriterien zur Un
terscheidung zwischen dem biblischen Königreich und seinen utopischen
Verfälschungen“. Beyerhaus legt einen erfrischenden Zugang zu einem Problem
offen, das die Kirche des 20. Jahrhunderts
seit langem plagt. Seine Position als respektierter deutscher Theologe
trägt sehr zur Annahme seiner Schriften in
den englischsprachigen Kirchen bei. Es gibt nur wenige konservative deutsche
Wissenschaftler, die so viel Respekt und Anerkennung in der evangelikalen
Welt genießen. Seine handfesten biblischen
Argumente, kombiniert mit einem klaren Blick für die Geschichte, haben
der Kirche erneut eine wertvolles Werkzeug beschert.
William Wagner (übersetzt von Thomas Schirrmacher), em 1993-2.
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Beyerhaus, Peter. Krise und Neuaufbruch der Weltmission: Vorträge,
Aufsätze und Dokumente. Verlag
der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell,
1987.
Wer sich grundsätzlich
informieren will über die Geschichte der Missionstheologie, sowohl von
Seiten des ökumenischen Rates der Kirchen
als auch der evangelikalen Lausanner Bewegung; wer sich speziellen Fragen
wie Mission als Evangelisation oder Revolution,
Armut, Rassismus, Verhältnis der christlichen Missionen zu anderen Religionen und Kulturen widmet; wer eine erste Einsicht in die Situation der missionarischen
Kirchen auf anderen Kontinenten erhalten
oder sich erstmalig oder vertiefend mit der Problematik nachkolonialistischer
Mission befassen will, der sollte
zu dem vorliegenden Sammelband mit
Vorträgen und Aufsätzen des
Herausgebers von 1970 bis 1984
greifen.
Die einzelnen
Erarbeitungen sind meist leicht
überarbeitete Vorträge, gut zu lesen, und geben deshalb auch dem Nichttheologen
einen tiefen Einblick in die theologische
und kirchenpolitische Diskussion. Der Verfasser vertritt selbst einen
evangelikalen Standpunkt und ist
engagierter Gesprächspartner.
Das Buch ist von daher
keine objektive, journalistische Information, sondern ein äußerst
informativer und ein engagierter Gesprächsbeitrag. Für alle ehren- und hauptamtlichen
Mitarbeiter könnte der Sammelband ein Fortbildungsseminar
und eine hilfreiche Horizonterweiterung in der Situation und Problematik der weltweiten Mission
sein.
Einen eigenen Standpunkt kann man sicher an der Position
von Peter Beyerhaus profilieren.
Der Anhang mit
Originaldokumenten, so z.B. der Lausanner Erklärung, eine Zeittafel
über wichtige ökumenische und evangelika-le
Ereignisse zum Thema von 1961 bis 1984, eine Literaturliste und ein Personen- und Sachregister machen
das Buch zu einem wertvollen Nachschlagewerk, das auch zu einzelnen Themen wegen der in sich abgeschlossenen Kapitel gut zu lesen ist.
Manfred Beutel in: Praxis der Verkündigung (Oncken) 3/89. Em 1989-4.
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Beyerhaus, Peter. Theologie als Instrument der Befreiung.
Brunnen Gießen/Basel (TGV) 1986.
Befreiungstheologie,
Black Theology, Home-land- und
Minjung-Theologie finden seit 1976 einen Zusammenschluß in der „ökumenischen
Vereinigung von Dritte-Welt-Theologen
(EATWoT)“. Nachdem der Tübinger Ordinarius
für Missionswissenschaft und ökumenische Theologie zunächst die Entstehung
und den wesentlichen Einfluß des
Ökumenischen Rats der Kirchen darstellt,
analysiert er die Inhalte und Ziele dieser
Bewegung: Subjekt und Objekt dieser Theologie ist das „Volk“ im Sinne
einer (hier unaufgebbaren) marxistischen
Sozialanalyse. Beyerhaus zeigt
auf, daß die damit verbundene Interpretation der Bibel und die ideologisierte
Umdeutung markanter biblischer Begriffe (z.B. Erlösung, Jesus, Reich
Gottes) eine Preisgabe maßgeblicher Glaubenswahrheiten
bedeutet.
Jürgen Kuberski, em 1987-1.
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Billington
Harper, Susan. In the Shadow of the Mahatma:
Bishop V.S. Azariah and the Travails of Christianity in Britih India, Studies
in the History of Christian Missions, hg. v. R. E. Frykenberg, Brian Stanley,
Grand Rapids USA: Eerdmans/Richmond UK: Curzon, 2000.
Susan B. Harper, ehemalige Dozentin für Geschichte und
Literatur an der Harvard University, gelingt es, in dieser wissenschaftlichen
Biographie das Leben des ersten indisch-anglikanischen Bischofs und
Missionsleiters, Vedanayagam Samuel Azariah (1874-1945), in seiner Bedeutung
für den Bau der indischen Demokratie in der letzte Phase britischer
Herrschaft zu analysieren und darzustellen. Von einer säkular verengten
Geschichtsschreibung sei der Beitrag des evangelikal und evangelistisch
geprägten Bischofs bisher nicht wahrgenommen worden. Gemäß dem Anliegen der
neuen Reihe „Studies in the History of Christian Missions“ möchte die Autorin
mit ihrer Monographie die Bedeutung der – oft geschmähten – christlichen
Mission und geistlich motivierter Persönlichkeiten für die Profangeschichte
herausstellen.
Aufgrund eines umfassenden Quellen-Studiums (das neben
Archivalien aus Indien, Großbritannien und den USA auch die noch lebendige
„oral tradition“ und Fotos – vgl. Bildteil in der Mitte des Buches –
einbezieht) entwirft die Autorin ein detaillgetreues Bild Azariahs und seiner
Zeit, das sie unter das Motto stellt: „Im Schatten des Mahatma (Ghandi)“.
Azariah war ein Zeitgenosse Ghandis und hatte wie dieser das Ziel der
sozialen Erneuerung Indiens. Doch weil Azariah zwar positiv zur nationalen
Unabhängigkeit Indiens eingestellt war, aber auch deren subnationale
Problematik kannte, und vor allem den wirklichen Weg zur Erneuerung in der Bekehrung
der Menschen zu Jesus Christus und ihrer Eingliederung in die Kirche sah (S.
46, 55), und diesen Weg auch konsequent und mit größtem Erfolg beschritt,
geriet er zunehmend in einen Konflikt mit und – zumindest was die historische
Sichtbarkeit betrifft – in den Schatten Ghandis, der christliche Bekehrung
aus politischen und religiösen Gründen (als Eingriff ins Dharma – die
„göttliche Weltordnung“ – ablehnte).
Doch damit sind wir bereits zum Höhepunkt der Biographie
vorausgeeilt, die von der Autorin in einem geschickten Spannungsbogen in vier
Teilen entfaltet wird. Im ersten Teil („The Rise“, S. 9 – 90) beschreibt sie
die Herkunft und Prägung Azariahs durch die Missionsarbeit des evangelikal
geprägten Low-Church-Flügels der Anglikanischen Kirche (Church Missionary
Society) in der südostindischen Provinz Tinnevelly, sein Engagement im
asiatischen CVJM, in dem er die evangelistisch-internationale
Welterneuerungsvision John Motts und der christlichen Studentenbewegung in
sich aufnahm, und seine – von britischen Missionaren angeregte – Gründung der
beiden ersten unabhängigen indischen Missionsgesellschaften, der Indian
Missionary Society (IMS) und der National Missionary Society (NMS)
Die mit letzterem tiefgründig verbundene Problematik –
Azariah wird zum Ausführenden der Indigenisierung-Visionen westlicher
Missionare – kommt in der folgenden Etappe, seiner Konsegration zum ersten
einheimischen Bischof der indo-anglikanischen Kirche (1912) (Teil II: „The
Reign“, S.91-220), noch stärker zum Vorschein. Azariah, der ein befähigter
und geistlich geprägter Leiter war, und sich auch als Bischof vor allem für
die praktische Evangelisations- und Gemeindebauarbeit unter der armen
Dorfbevölkerung engagierte, steht von da an im Konfliktfeld zwischen
progressiven und konservativen Engländern einerseits und zwischen nationalistischen
Indern und der einfachen indischen Dorfbevölkerung andererseits, wobei
jeweils die letzte Gruppe der genannten Parteien seine Ernennung zum Bischof
– bei aller Befürwortung seiner Person – kritisch sah. Verwestlichung (und
damit auch das Vorhandensein britischer Bischöfe) „wurde von den lange
unterdrückten niederen Kasten nicht als Schwäche und Anpassung an dominante
westliche Missionare gesehen, sondern als symbolische Kampfansage an die
repressive einheimische Sozialordnung. In diesem Licht wurde die von Missionaren
geforderte ‚Indigenisierung’ nur als eine weitere Form der Unterdrückung
verstanden“ (S. 150, Übers. FW). Azariahs bischöfliches Ringen um die
Überwindung kirchlicher und sozialer Zersplitterung in Indien durch denominationelle
Streitigkeiten und Kastenwesen wird im dritten Teil des Buches dokumentiert
(„The Resolutions“, S.221-288).
Eine entscheidende Kluft allerdings hielt Azariah für
nicht überbrückbar (Teil IV: The Rift, S.289-366). Und diese Kluft brachte
ihn unausweichlich auf Kollisionskurs mit Mahatma Ghandi, mit dem er – von
der Herkunft bis zu den Hoffnungen für Indien – so vieles gemeinsam hatte.
Die Autorin, die manche Archiv-Texte hier zum erstenmal präsentiert, zitiert
Azariah, wie er den unvermeidbaren Konflikt beschreibt: „Wir … sind davon überzeugt,
dass Menschen von einer Zugehörigkeit in die andere überwechseln. ‚Wenn
jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Kreatur’. Eine neue Kreatur
kann nur in einer neuen Umgebung leben. Das christliche Leben kann nur in der
Gemeinde richtig gelebt werden. Das bedeutet, mit der alten Gemeinschaft zu
brechen und in eine neue Gemeinschaft einzutreten … Mr. Ghandi hält davon nichts“
(S.336, Übers. FW). Azariah aber, der in seiner Provinz die Bekehrung von
vielen Tausenden und die geistlich-soziale Erneuerung dörflicher Strukturen
durch die kirchliche Arbeit erlebte, war von der Notwendigkeit und
Richtigkeit dieses Weges überzeugt. Auch das am 12. Februar 1937 geführte
„Spitzen-gespräch“ zwischen Ghandi, Azariah und einem weiteren anglikanischen
Bischof änderte nichts an der Ablehnung Ghandis gegenüber der christlichen
Evangelisation, und ebenso wenig an Azariahs theologischer Haltung. Im
Gegensatz zu Ghandi lehnte er den selektiven Umgang mit der Bibel ab und
hielt an der Notwendigkeit von Bekehrung und Gemeinde fest. Er widersetzte
sich auch der selbst unter Missionarskollegen „populären Tendenz der
Zwischen-Kriegs-Jahre, den religiösen Glauben in säkularen Utopismus zu
verwandeln, oder zumindest die evangelikale Evangeliumsbotschaft durch ein
‚social gospel’ zu ersetzen“ (S.358).
Azariah stand bis zum Schluss für die Unabhängigkeit
Indiens ein. Aber er sah die Gefahr, dass der Nationalismus sich mit einer
fanatischen und einseitigen Renaissance des Hinduismus verbinden und zur
Christenverfolgung führen könnte. Außerdem kannte er die subnationalen
ethnischen und kastenbezogenen Auseinandersetzungen aus nächster Nähe und
wusste nur zu gut, dass beträchtliche Teile der ländlichen Bevölkerung die
britische der brahminischen und hinduistischen Herrschaft vorzuziehen würden.
Harper arbeitet heraus, dass Azariahs Beitrag für die indische Demokratie vor
allem in seiner Weigerung, sich politisch vereinnahmen zu lassen, bestand,
und in seiner so bewahrten Freiheit, sich auf die sozial wirksame
Evangelisation und den Gemeindebau zu konzentrieren. Azariah ging einen
eigenen missionarischen Weg. „Er folgte dabei weder den westlichen Normen, die
von den meisten Dorfbewohnern bevorzugt wurden, noch den indischen Normen,
die von den westlichen Missionaren und den indischen Nationalisten bevorzugt
wurden“ (S.176).
Am Ende des Buches gesteht die Autorin: „Selbst die besten
analytischen Theorien können die Individualität eines Mannes wie Azariah
nicht voll erklären“ (S. 358). Es ist in dieser kritischen, aber weder
trockenen noch zynischen missionsgeschichtlichen Biographie gelungen, mit
analytischem Fingerspitzengefühl „die Freiheit des Menschen als historischem
Agenten“ und die Bedeutung geistlicher Überzeugungen für den Lauf der Geschichte
deutlich zu machen. Der Text wird hilfreich ergänzt durch vier Landkarten, 16
Fotoseiten, einen Index und eine 75-seitige Bibliographie, die erstmalig auch
eine vollständige Zusammenstellung der Publikationen Azariahs enthält.
Dr. Friedemann Walldorf, em 2002-3.
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Bister, Ulrich / Stephan Holthaus (Hg),
Friedrich Wilhelm Baedeker. Leben und Werk eines Russlandmissionars, Wiedenest:
Jota-Publikationen, 2006.
2006 jährte sich der 100. Todestag des Deutsch-Engländers
Friedrich Wilhelm Baedeker. Baedeker gehört zu den wichtigen prägenden
Gestalten der Heiligungs- und Evangelisationsbewegung, die Ende des 19.
Jahrhunderts in ganz Europa zu einer geistlichen Erneuerung der Kirchen
beitrug. Erst in den letzten Jahren begannen Kirchenhistoriker, die noch
wenig erforschte Geschichte dieser Bewegung aufzuarbeiten. Das vorliegende
Buch gehört daher in eine Reihe von ähnlichen Veröffentlichungen, die mehr
Licht in diesen bisher vernachlässigten Teil der jüngeren
Erweckungsgeschichte bringen. Es ist daher den Autoren zu danken, dass sie mit
vorliegender Biographie über Baedeker und der Veröffentlichung seines
Briefwechsels mit Toni von Blücher sein Leben und Wirken aus dem Vergessen
holen. So können weitere wichtige Wissenslücken im Verständnis der Heiligungsbewegung
geschlossen werden.
Baedeker wurde in Witten geboren und stammte aus der
berühmten Familie gleichen Namens, die durch die Reiseführer weltbekannt
wurde. Nach Philosophiestudium und Promotion ließ sich der reiselustige
Baedeker im englischen Seebad Weston-super-Mare nieder. Er heiratete eine
Engländerin. Durch Lord Radstock kam er zum lebendigen Glauben an Christus
und schloss sich der sog. Offenen Brüderbewegung an, einer Gruppe bibelgläubiger
Christen, die von Georg Müller, dem Waisenhausvater von Bristol geprägt waren.
Bekannt wurde er als Übersetzer von Robert Pearsall Smith, den er kongenial
übersetzte und auf seiner Reise durch Deutschland begleitete. Damit stand er
von Anfang an im Zentrum der neu aufbrechenden Heiligungsbewegung, die durch
Smith auf den Kontinent und nach Deutschland getragen wurde. Seine
eigentliche Lebensaufgabe fand Baedeker jedoch nicht in Deutschland sondern
im zaristischen Russland. Durch seinen geistlichen Mentor Lord Radstock
wurde er ab 1876 in die erweckten adligen Kreise Russlands eingeführt. Bis zu
seinem Tode 1906 bereiste er evangelisierend ganz Russland, Finnland,
Sibirien, Asien und Süd-Ost-Europa. Dabei lagen ihm besonders die russischen
Gefängnisse am Herzen, die er besuchte und in denen er vor tausenden
Gefangenen predigte und Bibeln verteilte. Dennoch blieb er mit Deutschland
verbunden, evangelisierte hin und her im Land, hielt Kontakte zu den neu
entstandenen Glaubensmissionen und
wurde vor allem ein Förderer der Evangelischen Allianz. Die Blankenburger
Allianzkonferenzen hat Baedeker als Konferenzredner und Berater über
Jahrzehnte mitgeprägt.
Einen guten Einblick in die Persönlichkeit, die Zeit und
das seelsorgerliche Denken Baedekers bekommt der Leser dann durch den zweiten
Teil des Buches. Dieser besteht aus dem hier zum ersten Mal veröffentlichten
Briefwechsel Baedekers mit Toni von Blücher, welche durch ihn zum Glauben
kam. Hervorragend und sehr informativ sind die Anmerkungen und Hinweise der
Autoren auf den Kontext der Briefe und die biographischen Notizen zu den Persönlichkeiten,
die in den Briefen genannt werden. Für die Forschung ist diese Briefedition
Baedekers sehr wertvoll; sie zeigt das weitgeknüpfte Netz von Persönlichkeiten,
die damals miteinander Kontakt hatten, sich gegenseitig beeinflussten und die
neue Erweckungsbewegung in Deutschland prägten.
Es wäre zu wünschen, dass über weitere prägende
Persönlichkeiten der Heiligungs- und Heilungsbewegung in Deutschland
wissenschaftlich fundierte Biographien und Quellen veröffentlicht werden. Nur
so wird es möglich sein, dieses bisher vernachlässigte Stück Kirchen- und
Erweckungsgeschichte aus dem Dunkel des Vergessens und des Unverständnisses
heraus zu holen.
Dr. Bernd Brandl, em 2009-1.
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Blocher, Jacques A.;
Jacques Blandenier. L’évangélisation
du monde: Précis d’histoire des missions. Bd. 1: Des origines au XVIIIe
siècle. Institut Biblique
de Nogent, Lavigny: Editions des Groupes Missionnaires: Nogent-sur-Marne,
1998.
Es ist erfreulich, daß in letzter Zeit vermehrt
französische Bücher zu missiologischen Themen publiziert werden. Meist
handelt es sich um Übersetzungen aus dem Englischen. Das vorliegende Buch
jedoch wurde von zwei französischsprachigen Autoren verfaßt.
Dieser Überblick über die Missionsgeschichte bis ins 18.
Jahrhundert ist äußerst interessant geschrieben. Da praktisch keine Fußnoten
verwendet werden, liest es sich sehr leicht. Die Schlußfolgerungen am Ende
jedes Kapitels führen dem Leser immer wieder den Bezug zur Gegenwart vor
Augen. Wer meint, das Anliegen der Mission sei nach Paulus in Vergessenheit
geraten, wird mit Überraschung feststellen, auf welchen Wegen sich das Evangelium
während diesen 18 Jahrhunderten ausgebreitet hat, wie z. B., daß Europa vom
6.- 8. Jahrhundert von Mönchen aus Irland missioniert wurde.
Das Buch ist auch für Kenner der Materie sehr zu
empfehlen. Wenig bekannte Aspekte der Missionsgeschichte werden erörtert und,
wo möglich, in Beziehung zu Frankreich gesetzt. Wußten Sie z. B., daß die
Mongolei im 12. Jahrhundert von China her missioniert wurde? Und wer weiß
schon, daß König Eduard I. von England im Jahre 1287 die Eucharistie von einem
mongolischen Mönch aus Peking empfing und zwar in der französischen Stadt
Bordeaux?
Zur Zeit der Reformation war die Weltmission noch kein
Thema. Daher erstaunt es, zu lesen, daß der französische Admiral Coligny in
Brasilien ein „protestantisches Frankreich“ gründen wollte. Warum diese
Expedition nach zehn Monaten aufgegeben wurde, und warum fast alle Missionare
umkamen, wird ausführlich behandelt. Ein wirklich spannendes Buch!
Wer nach einem bestimmten Thema sucht, wird sich dank des
Index rasch zurechtfinden. Man darf schon auf den zweiten Band über das das
19. und 20. Jahrhundert gespannt sein. Jacques Blandenier plant die Veröffentlichung
in etwa zwei Jahren.
Stefan Schmid, em 1999-4.
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Blöchle, Herbert. Luthers Stellung zum Heidentum im Spannungsfeld
von Tradition, Humanismus und Reformation. Frankfurt: Peter Lang, 1995.
In der gegenwärtigen Debatte um eine Theologie der
Religionen drohen die reformatorischen Positionen immer mehr in den
Hintergrund zu geraten. Eine evangelische Stellungnahme wird aber nicht
darauf verzichten können, das Zeugnis der Reformatoren ernsthaft zu
bedenken. Um so erfreulicher ist es, daß Herbert Blöchle in einer an der
Kieler Theologischen Fakultät eingereichten Dissertation den Versuch unternommen
hat, eine Gesamtdarstellung von Luthers Stellung zum Heidentum zu bieten.
Eine derartige Untersuchung ist nicht nur als historischer Beitrag zur
religionstheologischen Diskussion der Gegenwart zu begrüßen, sondern auch
deshalb, weil es eine solche Gesamtdarstellung bislang nicht gab, so daß
Blöchles Dissertation zugleich eine empfindliche Lücke der Lutherforschung
schließt.
Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Blöchles Studie darf in
methodischer und inhaltlicher Hinsicht als gelungene Untersuchung
betrachtet werden, die geeignet ist, die aktuelle religionstheologische
Debatte zu befruchten, obwohl sie sich streng auf eine Darlegung des
historischen Befunds beschränkt und bewußt „auf jegliche Aktualisierung …
durch Bezugnahme auf die gegenwärtige Situation“ verzichtet (16). Ein über
200seitiger Anmerkungsteil (mit fast 2700 Fußnoten) und ein 60seitiges
Quellen- und Literaturverzeichnis veranschaulichen die methodisch sorgfältige,
minutiös belegende und eine Fülle von Quellen und inhaltlichen Gesichtspunkten
berücksichtigende Vorgehensweise des Autors.
Blöchle schildert zunächst Luthers (durch das
Bibelstudium, den Humanismus und die Türkengefahr veranlaßte) „Begegnung mit
dem Heidentum“ (19-33), um dann seine „biblisch-theologische Stellung zum
Heidentum“ (35-72), seine „Stellung zur griechisch-römischen Antike“
(73-150), seine „Stellung zum Islam und zu den Türken“ (151-192), seine
„kritisch-religionsvergleichende Stellung zum Heidentum“ (193-230) und
schließlich seine „Stellung zum Heidentum im Christentum“ zu beleuchten
(231-250). Das Ergebnis ist nicht nur, daß Luther eine überraschend
vielschichtige und differenzierte Sicht des „Heidentums“ vertrat, sondern
auch, daß die Überwindung des „Heidentums“ als Gestalt verfehlter Religiosität
(religio falsa) eine zentrale Thematik seiner Theologie darstellt: Luther
vermochte aufgrund seiner (sich auf Röm 2,15 stützenden) Bejahung eines
universal erkennbaren und gültigen Naturrechts die geistig-religiöse Welt
der griechisch-römischen Antike in kultureller und sittlicher Hinsicht
erstaunlich positiv zu würdigen (77-126), ohne der Neigung des zeitgenössischen
Humanismus zu erliegen, die Antike zu idealisieren (127-150). Ebenso war er
bereit, auch positive Aspekte in der Frömmigkeit und Sittlichkeit des Islam
(161-168) anzuerkennen. Zugleich aber hielt er in Konsequenz seiner Rechtfertigungslehre
an der biblischen Grundüberzeugung fest, „daß die nichtchristlichen
Religionen die Menschen nicht zum Heil führen können“ (47): Über Heil oder
Unheil entscheiden „allein der Glaube an Christus und die Gliedschaft an
seinem Leibe …“ (50).
Originalität und besondere Brisanz gewinnt Luthers Sicht
des „Heidentums“ durch die These, daß dieses nicht nur eine vor- und außerchristliche
Größe, sondern auch eine innerchristliche Realität darstellt: Diese gefährlichste,
weil nicht so offenkundige Gestalt des Heidentums entsteht überall da, wo der
rechtfertigende Glaube an Christus verweigert und das Evangelium verleugnet
oder verfälscht wird (242-247). Luther hat seinen Kampf für das rechte
Verständnis des Evangeliums zutiefst als Kampf für „die Befreiung des Evangeliums
aus seiner todbringenden Umstrickung durch das Heidentum“ (232, 247-250)
verstanden. Seine Überzeugung, daß bis zur Wiederkunft des Herrn auch das
Christentum als geschichtliche Religion notwendig vom „Heidentum“ durchsetzt
ist, kann dazu helfen, den exklusiven Heilsanspruch des Evangeliums mit der
demütigen Einsicht des Glaubenden zu verbinden, daß kein Mensch - auch der
Christ nicht - die Gefährdung durch das Heidentum definitiv hinter sich hat.
Werner Neuer, em 1996-3.
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Bong Rin Ro (Hg.). Christian Suffering in Asia. Evangelical Fellowship of Asia / Asia Theological Association,
1989.
Christen in verschiedenen Teilen Asiens erfahren zunehmend
Verfolgung und Leiden durch militanten Hinduismus, islamischen Fundamentalismus, Kommunismus, Nationalismus
und wirtschaftliche Armut. Die Referate einer Konsultation der Asiatischen
Evangelischen Allianz über
„die Gemeinde mitten im Leiden“ in
Hongkong (24.-27. Febr. 88) sind in diesem Band zusammen mit sechs
weiteren Artikeln und einem seelsorgerlichen
„Brief an die Gemeinden in Asien“ wiedergegeben. Theologisches hält sich mit erschütternder Berichterstattung
aus den verschiedenen Ländern die Waage.
Immer wieder erschallt der Ruf nach einer der Lage entsprechenden „Theologie des Leidens, die westliche Theologen
möglicherweise nicht ganz verstehen werden.“ Möge diese Kritik an westlicher Verdrängung des Leidens heilsam sein. Zugleich sollte sie aber dazu
führen, daß wir das reiche theologische Erbe bei Hartenstein, Freytag,
Bonhoeffer und Traugott Hahn uns wieder zueigen und den asiatischen Christen zugänglich machen. Warum sind die
Ergebnisse der AfeM-Tagung im Januar
1988 „Missionarische Existenz in Zeugnis
und Leiden“ noch nicht nach Asien vorgedrungen?
Christof Sauer, em 1989-3.
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Bonk, Jonathan J. Missions
and Money. Affluence
as a Western Missionary Problem. Orbis:
Maryknoll, 1991.
In einer
wirtschaftlichen Variante des Themas von David und Goliath, das den
Christen so sehr am Herzen liegt,
zeigten die letzten zweihundert Jahre David (die westlichen Missionare) als den, der Sauls Rüstung an hat und Sauls
Waffen trägt und so gegen einen Goliath (das Missionsfeld) marschiert, der
mit einem Fell gekleidet und nur mit ein paar Steinen und einer Schleuder bewaffnet ist. Die
wirtschaftliche Macht war auf der
Seite der Missionare aus dem Westen. Diese gehörten in manchen Fällen
zu multinationalen Missionsgesellschaften, deren jährliches Budget jenes der
gastgebenden Regierungen übertraf und
stellten für diese Länder sehr bedeutsame Quellen an Devisen dar. (S.1)
Das Zitat faßt die
Situation seit den Anfängen missionarischer
Arbeit aus dem Westen zusammen. Die meisten Leute, sowohl auf Seiten der Missionare als auch auf Seiten derer, denen
sie dienten, haben den Mißerfolg beim Ernten der Garben für Christus zum Teil
dem Reichtum der westlichen Missionare zugeschrieben.
In seinem Buch behauptet Jonathan J. Bonk, daß die Übermittlung und Inkulturation
des Evangeliums durch das Ungleichgewicht zwischen dem relativen
Reichtum der Missionare und der Armut der
Menschen, die sie zu evangelisieren
suchen, bedingt ist.
Es sind im Grunde zwei Fragen, die er das ganze Buch hindurch behandelt:
1. Untergraben die
gegenwärtigen Missionare trotz ihrer Aufrichtigkeit das
Evangelium und behindern sie dessen Inkulturation durch ihren relativen Reichtum?
2. Führt vielleicht der Reichtum des Missionars bei den
einheimischen Bekehrten zu feindschaftlichen Gefühlen - entweder bewußt oder
unbewußt - dem Missionar gegenüber?
Von einem afrikanischen
Standpunkt aus würde die oben
angeführte Frage zu einer Antwort in dem Sinne führen, daß in der westlichen
Missionsarbeit des 19. Jahrhunderts die Afrikaner mit dem Verständnis zum
Christentum „bekehrt“ wurden, daß Christ
zu sein irgendwie gleichbedeutend
sei mit reich sein. Als sie dann das Evangelium von Jesus Christus
angenommen hatten, wie es von den westlichen Missionaren gepredigt worden
war, entdeckten sie, daß die oben
angegebene Gleichung nicht funktioniert, und deshalb verband der/die bekehrte Afrikaner(-in) das Evangelium
nicht mit seiner/ihrer gegenwärtigen Situation; es war ein Evangelium für
reiche Leute. Dies bewirkte dann, wie Desmond Tutu formuliert, eine religiöse Schizophrenie, in der
die bekehrten Afrikaner an
Gottesdiensttagen Christen sind und an anderen Tagen Afrikaner. Trotz
der Tatsache, daß jene Afrikaner einige „Handdowns“ von den Missionaren
bekamen, machte die immer noch existierende tiefe wirtschaftliche Kluft die
Bekehrten letztlich ärgerlich.
Bonk, Dozent an einer amerikanischen Bibelschule, verlangt
weder eine Verleugnung des Reichtums noch
Resignation, aber er ruft alle Missionare auf, durch einen Akt bewußter Selbstentäußerung Macht, Ansehen und Einfluß
abzulehnen (S. xvi). Bonk ist tief besorgt über
das Problem des westlichen Reichtums als Hindernis bei der Verbreitung des Evangeliums. Das Buch zeigt auch sein tiefes Verständnis
für die biblischen Schriften.
Wenn man nun die Empfehlungen für die Missionare
durchliest, könnte man auf die Idee kommen, Bonk zu treffen und zu sehen, wie
er lebt und ob er ein solcher Mann ist, der
lebt, was er schreibt und sich auch
so benimmt? Oder verbreitet er nur einen guten Grundsatz, einfach
professionell und gelehrt, ohne entsprechend
zu leben? Ich wünschte, ich würde diesen Mann treffen. Dann könnte ich
ihm ein paar Fragen stellen, die dieses Buch vollständiger machen würden.
Fulata Lusungu Moyo, em 1995-4.
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Börner, Fritz. Freikirchlicher Gemeindebau in Österreich. Eine Untersuchung der Arbeitsgemeinschaft
Evangelikaler Gemeinden in Österreich
(ARGEGO) mit einem historischen Rückblick in die Kirchengeschichte und die Geschichte der Bekennergemeinden auf österreichischem Boden. Linz: Selbstverlag, 1989.
Als langjähriger Missionar in Österreich legt Börner seine
gründlich erarbeitete Magisterarbeit vor.
Die kirchengeschichtlichen Kapitel greifen
bis zur Christianisierung des Landes im
Römerreich zurück und reichen bis zu den Hintergründen der
Rekatholisierung nach der Reformation. Mit
der Beschreibung der einzelnen
Gemeinden innerhalb der täuferisch gesinnten ARGEGÖ im 4.Kapitel
beginnt die eigentliche Forschungsleistung Börners. Geordnet nach Gemeindeverbänden fragt er nach deren Geschichte, Problemen, Gemeindegründern, gegenwärtigem Zustand und Statistik. In einem
weiteren Kapitel werden die unterschiedlichen
Methoden des Gemeindebaus nach Gemeindegröße, geographischen Schwer
Zahl? Dann sollten nächstes Jahr z,B- auch die neuen Titel von Beyerhaus,
Bosch und Fiedler dort Erwähnung finden. Missionen mit theologisch
gebildeten Mitarbeitern sollten auf dieses Jahrbuch in ihrer Bibliothek
nicht verzichten.
Christof Sauer, em 1992-4.
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Bosch, David. An die Zukunft glauben: Auf dem
Wege zu einer Missionstheologie für die westliche Kultur. Studienheft Weltmission heute 24. Evangelisches
Missionswerk: Hamburg, 1997/2.
Das vorliegende Heft, eine Übersetzung des 1995
erschienenen Orginals „Believing in the Future: Toward a Missiology of
Western Culture“, beruht auf einem Vortrag, den Bosch im Januar 1992 kurz
vor seinem tragischen Unfalltod vor Missionswissenschaftlern in Paris hielt.
Er stellt seine Skizze einer westlich-kontextuellen Missionstheologie auf
der Grundlage seines großen missionstheologischen Werkes „Transforming
Mission“ (1991) vor. Der Analyse der postmodernen Welt unter dem Motto „Wo
keine Vision ist, verdirbt das Volk“ (Sprüche 29,18), folgt eine Untersuchung
der Wurzeln in der Aufklärung und eine Positionsbestimmung des christlichen
Glaubens. Die westliche Kultur lebe „parasitisch“ vom Christentum, das sich
seinerseits jedoch weitgehend an die Religion der Aufklärung angepaßt und
damit seine erneuernde und missionarische Kraft verloren habe. Aufbauend auf
dieser Vorarbeit zeichnet Bosch in vier Zügen eine Missiologie für den
Westen: Sie müsse (1) die Theologie grundsätzlich als missionarisch begreifen,
(2) sozial-ethische Implikationen haben, (3) uns zum Erbarmen mit der Not
der Dritten Welt befähigen und (4) angesichts des atheistischen Götzendienstes
im Westen den einzigen lebendigen Gott der Bibel verkündigen. Das Buch ist
erfreulicherweise kostenlos, bzw. gegen eine freiwillige Spende beim EMW
erhältlich.
Friedemann Walldorf, em 1999-3.
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Bouman,
Johan. Christen
und Moslems. Glauben sie an einen Gott? Gemeinsamkeiten und
Unterschiede. Gießen: Brunnen,
1993.
Mit großem Scharfsinn verfolgt der emeritierte Professor
für Religionsgeschichte und Islamkenner präzise das im Titel genannte Thema.
Bei dem jeweiligen Verständnis von Sünde, Vergebung und Versöhnung sind die
Gemeinsamkeiten noch größer. Die entscheidenden Unterschiede werden an der
Person Jesu deutlich und kündigen sich bei den Schilderungen Abrahams schon
an. Bouman berücksichtigt die historische Entwicklung des Korans und macht
damit scheinbar gegensätzliche Aussagen im Koran verständlich. Dabei räumt
er der Darstellung biblischen Glaubens jedoch gleichen Raum ein. Er kommt zu
dem Ergebnis: Da der Koran im Namen seines Propheten und als Wort Gottes die
Heilstat Gottes in Christus verneint, ist der Gott der Versöhnung in Christus
nicht der Gott des Korans (S. 99). Die Rede von einer „abrahamitischen
Ökumene“ sieht er genauso kritisch wie das Aufgeben des Trinitätsdogmas
zugunsten des Dialogs. Den Dialog hält er durchaus für notwendig. Jedoch muß
er von beiderseitiger Wahrhaftigkeit geprägt sein. Eine notwendige,
sachliche Klarstellung, die manchmal den gebildeten Leser fordert.
Christof Sauer, em 1996-2.
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Bouman, Johan. Leben mit fremden Nachbarn.
Die Rolle von Ethik, Kultur und Religion in einer multikulturellen
Gesellschaft. Giessen/Basel:
Brunnen Verlag, 1995.
Johan Bouman analysiert die deutsche – heute
multikulturelle – Gesellschaft auf die Frage hin: Wie können Menschen so
unterschiedlicher nationaler Herkunft und religiöser Überzeugung friedlich
miteinander zusammenleben? Für Bouman entscheidet sich diese Frage daran, ob
sich die multikulturelle Gesellschaft auf eine für alle verbindliche ethische
Grundlage verpflichten läßt, da nur so Konflikte aus diesem Zusammenleben
bewältigt werden können. Nach Darstellung verschiedener ethischer Konzepte
wie z. B. von Fichte, Hegel, Kant, Marx u. a., sowie der jüdischen, christlichen
und islamischen Ethik kommt Bouman allerdings zu dem Schluß: „Es ist der
westlichen Kultur nicht gelungen, eine allen gemeinsame Ethik zu entwerfen
und in der Praxis durchzusetzen“ (24). Damit wird Boumans Buch zu einem
berechtigten Vorwurf an die nachchristliche westliche Gesellschaft, die
vielleicht nicht an ihrem ethischen Pluralismus an sich scheitern würde,
jedoch anderen ethischen Konzepten wie z. B. dem Islam nichts
entgegenzusetzen hat. Da jedoch nur die biblische Ethik die Frage nach
Ursprung und Bewältigung des Bösen in der Welt überzeugend beantworten kann,
erhält der biblische Auftrag an Christen, Buße, Glauben und Liebe zu verkündigen,
aufgrund der starken Zuwanderung von Muslimen ganz neue Dringlichkeit.
Dr. Christine Schirrmacher, em 1997-2.
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Brakemeier, Gottfried (Hg.). Glauben
im Teilen bewahrt. Lutherische
Existenz in Brasilien. Verlag der Ev.-Luth. Mission Erlangen, 1989.
Es ist ein besonderes Buch: Eine Kirche der südlichen
Hemisphäre stellt sich selbst vor. Bisher schrieben meist Europäer über die
Kirchen, die aus „ihrer“ Missions- oder Überseearbeit hervorgegangen sind.
Hier porträtiert sich die Kirche selbst.
Daß dabei das Umfeld, die Geschichte, die sozialen und soziologischen Faktoren ebenso zur Sprache
kommen wie die Theologie, versteht
sich von selbst. Daß diese Kirche
nicht bei sich selbst
stehen bleiben will, sondern im
Miteinander-Teilen des Glaubens weiter voranschreiten will, im
eigenen Land (wo die Lutheraner nur fast 1%
der Bevölkerung
ausmachen) und über die Landesgrenzen
hinaus, bestimmt den Ausblick.
Das Original erschien in portugiesisch «Pre-senca Luterana
1990», eine englische Ausgabe ist geplant.
Die Gastgeberin der 8. Vollversammlung
des Lutherischen Weltbundes will mit uns ins Gespräch kommen. Wir dürfen mit ihr Bekanntschaft schließen.
Johannes Triebel, em 1990-2.
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Bramsen,
Paul D. The
Way of Righteousness. Good News for Muslims. CMML Spring Lake, New
Jersey, 1998.
Das Material „The Way of Righteousness” gehört meiner
Meinung nach zum Besten, was es für Muslime gibt. Das Buch ist die englische
Übersetzung von ursprünglich in Wolof (größte Bevölkerungsgruppe in Senegal)
gehaltenen Rundfunkansprachen. 1992, nachdem der amerikanische Missionar
Bramsen mit zwei senegalesischen Mitarbeitern zuschauen musste, wie zuvor
verteilte Literatur ungelesen zerrissen wurde, entstand die Idee für „The Way
of Righteousness“ (wörtlich übersetzt: Der Weg der Gerechtigkeit, bzw.
Rechtschaffenheit). Dem Missionar wurde klar, dass chronologisch aufgebaute
Lektionen, die klar die Begeben-heiten und die Botschaft der Propheten Gottes
darstellen, und die über staatliche Radiostation ausgestrahlt werden, nötig
sind. Wie viele andere Missionare nahm auch er, wie er im Vorwort schreibt,
Trevor McIlwans „Firm Foundations“ (New Tribes Mission) als Fundgrube zur
Erstellung seiner speziellen 100 Bibellektionen. Der Autor wünscht ausdrücklich,
dass die Lektionen in andere Sprachen zu Sendezwecken übersetzt werden.
Um dies einfacher möglich zu machen wurde das Material, zu
dem auch 20 Kassetten der 15-minütigen Radiolektionen gehören, herausgegeben.
Der Autor bittet nur um Rücksprache, um die Vollständigkeit der Lektionen zu
bewahren. Ferner ist die englische Ausgabe für englisch sprechende Muslime
gedacht, die auf diese Weise im Selbststudium behutsam und gründlich die
Lehren der Thora, Psalmen, Propheten und des Neuen Testaments verstehen
können. Dabei geht es vor allem darum, dass sie verstehen, dass es ohne
Blutvergießen keine Vergebung gibt. Die Opfer von reinen Tieren, die Gott in
seiner Güte im Alten Testament als „Weg“ zur Bedeckung der Sünde der Menschen
gegeben hat, war ein Symbol und eine Prophetie für das stellvertretende und
erfüllende Sterben Jesu, als einzig gültiges Opfer zur Vergebung von Sünden.
Die Lektionen bauen chronologisch aufeinander auf und sind doch in sich
abgeschlossen. Jede der 100 Lektionen ist gefüllt von zu einem Hauptthema
gehörenden Gedanken und Bibelworten.
Dem Leser wird in der ersten Lektion z.B. deutlich
gemacht, dass Gott zu den Menschen gesprochen hat. ER ist Gott, und zwar der
einzige und der Allmächtige. Er sprach durch die Propheten oft und auf verschiedene
Art. Sie schrieben auch für ihn Gottes Wort auf, geführt durch den Heiligen
Geist. Gott möchte, dass die Menschen dieses, sein Wort verstehen. Sein Wort
ist ewig und in ihm ist Leben. Gott hat sich selbst offenbart und auch den
Weg zur ewigen Rettung. „Höre! Öffne deine Ohren und komme zu mir. Höre, und
deine Seele wird leben.“ In den beiden letzten Lektionen (99 u. 100) geht es
zusammenfassend darum, wer Jesus ist.
Die Lektionen sind in einfachem Englisch geschrieben, in
gesprochenem Stil, ursprünglich für afrikanische Muslime. Vielleicht wird dem
ein oder anderen der Stil zu einfach erscheinen, aber der Inhalt ist
anspruchsvoll und spricht Herz und Verstand gleichermaßen an. Dabei wird
immer Rücksicht auf Denken und Fühlen von Muslimen genommen, ohne Kompromisse
bei der Botschaft einzugehen. Zu lernen, wie man mit Muslimen in einer nicht
„westlich“ geprägten Weise über die Bibel spricht, ist wirklich wichtig, denn
sonst entstehen leicht Missverständnisse.
Die Lektionen sollten von Leuten durchgearbeitet werden,
die Muslime auf dem Herzen haben und ihnen die Botschaft von der Rettung
durch Jesus auf ihnen gemäße Art nahe bringen wollen. Die Leben schaffende
Wahrheit der Bibel leuchtet in den Lektionen immer neu und aus einer
vielleicht neuen Perspektive auf und macht das Hineinarbeiten in die Materie
zu einem geistlichen Gewinn. Die über 500 Seiten Lektionen sind lang, aber zu
schaffen, z.B. als Stille Zeit.
Das Buch ist folgendermaßen eingeteilt: Vorwort, 100
Lektionen in 4 Teilen (gut ersichtlich im Inhaltverzeichnis, mit Name der
Lektion und Bibelstellen), 4 Anhänge: wie man die Kassetten zu Lehrzwecken
(z.B. in Gruppen) einsetzen kann, Sprichworte der Wolofs (in den Lektionen
verwendet), Unterrichtsmethodik mit dem Material, Ein-blicke in den Islam
(sehr gut zum Verständnis der islamisch geprägten Menschen für Christen, und
sehr gut zum Ausräumen von Falsch-interpretationen von Begriffen wie „Sünde“,
„Sohn Gottes“… für Muslime). Dabei wird nicht nur die Religion fair erklärt,
sondern auch was im Koran über Jesus steht.
Mir gefällt das Buch sehr gut, weil es für Muslime mit
liebendem Herzen geschrieben ist und den Leser eindringlich und dennoch
höflich zum Nachdenken bringt, den „Way of Righteousness“ Gottes in Jesus
richtig zu begreifen.
Ulrike Kinker, em 2002-2.
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Brandau, Robert. Innerbiblischer Dialog und dialogische
Mission. Die Judenmission als theologisches Problem. Neukirchen-Vluyn:
Neukirchener Verlag 2006.
Die Wuppertaler Dissertation (Klappert) über die
Diskussion um die Judenmission nach 1945 im Kontext ökumenischer
Missionstheologie und der Israellehre Karl Barths bekräftigt und begründet in
historischer ebenso wie in exegetischer und systematisch-theologischer
Hinsicht das Nein zur Judenmission. Die Differenzierung des Dialogbegriffs in
einen innerbiblischen Dialog von
Christen und Juden, einen interkonfessionell-ökumenischen
Dialog unter Christen und einen interreligiös-missionarischen
Dialog der Völkerkirche mit anderen Religionen/Weltanschauungen ist
hermeneutisch unabdingbar und theologisch geboten.
Innerbiblisch bedeutet: Christen und Juden begegnen einander als Zeugen Gottes voreinander; sie geben Anteil an den je eigenen Erfahrungen mit
dem Gott Israels. Das gemeinsame Bekenntnis zu dem Gott Israels markiert die
Grenze heidenchristlicher Mission, deshalb ist nur der interreligiöse Dialog
missionarisch. Die Völkermission
(im „Missionsbefehl“ Mt 28: ethne,
biblisch zu unterscheiden von „Israel“) ist strikt von dem an die jüdische Jüngergemeinde ergehenden
Auftrag zur Sammlung des eschatologischen
Gottesvolkes Israel (Mt 10,6) – die nicht zu dessen Aufhebung führen kann –
zu unterscheiden. Ein heidenchristliches
„Zeugnis“ für Israel hat kein biblisches Fundament, vielmehr sind das
aufgrund der Bundeszuverlässigkeit des Gottes Israels bleibend erwählte
Gottesvolk und die Völkerkirche (die auf voreilige Identifikation mit Israel
zu verzichten hat) gemeinsam zur
Heiligung des Namens des Gottes Israels berufen. Die messianische Sendung des
Christus Jesus mit Israel
realisiert die vergegenwärtigende Repräsentation des Gottesvolkes Israel
gegenüber den Völkern. Die Beziehung zum ersterwählten Volk gehört mithin
zum Inhalt des in der Mission der
Kirche zu verkündigenden Evangeliums und mitnichten in den Bereich ihres
missionarischen Auftrags.
Diese Hauptthese(n) der nicht nur äußerlich gewichtigen,
sondern in jeder Hinsicht eindringlichen Arbeit werden entfaltet, indem die
wesentlichen Transformationsprozesse judenmissionarischer Theologie
exemplarisch rekonstruiert und kritisch beleuchtet werden. In immenser Dichte
werden dabei nicht nur die Positionen der klassischen Judenmission des 19.
Jhs. (F. Delitzsch, G. Dalman) referiert und eingeordnet (u.a. in den Kontext
der radikal-pietistischen Ablehnung der Judenmission, des eigenen Wegs Zinzendorfs,
der Instituta Judaica, samt Exkursen zu Luther und Calvin), dann in zwei
Kapiteln die wirkmächtige Israeltheologie Barths sowie das ökumenische
Dialogprogramm erörtert, vielmehr wird in detaillierter Kleinarbeit sowie
gelungenem Zusammenspiel von Darstellung und Reflexion die Fülle ökumenischer
und kirchlicher Dokumente zur Judenmission gesichtet (ein Schwerpunktkapitel,
S. 171-343, das nicht zuletzt die jeweiligen „impliziten systematischen und
missionstheologischen Voraussetzungen“ offenlegen soll), worauf ein ebenfalls
umfangreiches Kapitel „Konflikte um die Judenmission“ folgt. Auf dieser
Grundlage legt der Autor in kritischer Rezeption Barths einen eigenen Entwurf
zur Judenmission vor (Kap. VI), der gegen das prägende Modell der Subsumtion
Israels unter die Völker, gegen die Paganisierung Israels durch
Individualisierung und Universalisierung des Evangeliums die theologische
Bedeutung der bleibenden Erwählung Israels in der eingangs skizzierten Form
stark macht. Die christologischen und ekklesiologischen Gründe dafür, dass
Christen in dem durch Jesus repräsentierten Israel keiner anderen, fremden
Religion, sondern der eigenen Erwählung und damit dem Gott Israels begegnen,
werden vertieft und die Ergebnisse in einem Epilog in 29 Thesen und einem
Ausblick gebündelt.
Das alles liest sich – bei dem heiß umstrittenen Thema
vielleicht kaum verwunderlich –durchweg spannend (auch wenn es um
„Verlautbarungen“ geht), wobei eine gewisse Redundanz nicht zu übersehen ist.
Die wiederum erscheint angesichts des Fehlens jeglicher Register (schade, ein
erheblicher Mangel!) zwar akzeptabel, kann diese aber freilich in keiner
Weise ersetzen. Dennoch ist die beeindruckende Menge an Material unaufgeregt
und profund aufgearbeitet – wenn man bedenkt, dass die Position des Vf. eben
so, wie er es selbst für eine jüdische Sicht formuliert, „eine, allerdings
nicht die einzige Möglichkeit der Wahrnehmung“ darstellt (462).
Bei aller systematischen und missionstheologischen
Entschiedenheit lässt sich fragen, ob hier nicht exegetisch Kategorien
eingetragen werden, die (vorab) anderweitig gewonnen wurden. Als Indiz dafür
könnte auf die merkwürdige Diskrepanz zwischen dem vielfach spürbaren
Konkretionswillen und der im eigenen Entwurf zu konstatierenden grandiosen
Abstraktion vom konkreten „Israel“ hingewiesen werden. Ist es nicht Anzeichen
einer höchst problematischen Wahrnehmung des Gegenübers (das es trotz aller
Einsichten bleibt), wenn „Israel“ plötzlich ständig gleichsam als Chiffre für
die Eigeninterpretation herhalten muss? Oder wie ist es zu verstehen, wenn
Christus – und das ist doch der Christus des apostolischen Zeugnisses! –
„Teil der Prophetie Israels“ ist, wenn der Auferstandene als „der
Repräsentant Israels“ Israel in der Welt vergegenwärtigt, oder gar „Christus
Jesus als der verheißene Messias Israels die missionarische Existenz Israels
verkörpert“ (! 456f)? Erfolgt christliche Mission tatsächlich „in Teilhabe an
der Mission Israels“ (461)? Weitere Punkte wären anzusprechen, um die
Befürchtung zu formulieren: Droht hier nicht die gerechtfertigte Intention in
ihr Gegenteil umzuschlagen? Ohne die inhärierenden Probleme zu verharmlosen,
kann man sich am Ende schon fragen, wo jüdische Menschen mit ihrer
Wahrnehmung und vitalen Religiosität sich hier wirklich angesprochen finden.
Je nach dem, in welcher Weise man das Christentum als „im Grunde jüdisch“
reklamiert, wird dem christlich-jüdischen Dialog das Gegenüber geradezu
genommen und somit tendenziell der Boden entzogen. Zumindest wäre mehr als
wünschenswert gewesen, die Aspekte, die das rabbinische Judentum (mit der
Mischna als „Gründungsdokument“) in die Wirkungsgeschichte
des Christentums einzeichnen (vgl. J. Neusner, M. Hilton, D. Boyarin), in die
Diskussion mit einbezogen zu sehen. Die klare Differenzierung des „Israel“-Begriffs
etwa in Röm 9,6 – das sei nur eben angedeutet – nötigt wohl doch zur analogen
Differenzierung (auch) in missionstheologischer
Hinsicht: Israel ist nicht einfach Israel. Am Ende bleibt – beispielhaft – E.
Jüngels Votum (EKD-Synode 1999) bedenkenswert: Judenmission ist als gänzlich unbrauchbarer Begriff abzulehnen,
und zugleich: Die deutschen Kirchen sind „ganz und gar unberufen“, Israel im
Namen Jesu anzusprechen. Doch ebenso gilt: „Aus der Bezeugung des Evangeliums
in Israel ist ja die Kirche hervorgegangen. Sie müsste ihre eigene Herkunft
verleugnen, wenn sie das Evangelium ausgerechnet Israel gegenüber
verschweigen wollte.“ (zit. S. 139). Zwischen einer (theologisch und
menschlich) verantwortlichen Realisierung dieser Sachverhalte und einem
„Heilstriumphalismus“ (371) liegen Welten.
So ist das Thema auch mit dieser herausragenden Arbeit
nicht endgültig geklärt, wie könnte es auch. Sie wird dennoch auf lange Zeit
den Standard markieren, hinter den die Debatte nicht mehr zurückfallen darf.
Dr. Friedmann
Eißler, em 2007-2.
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Brandl, Bernd. Die Neukirchener Mission. Ihre
Geschichte als erste deutsche Glaubensmission. (Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte
128) Rheinland-Verlag: Köln und Neukirchener Verlag: Neukirchen, 1998.
Dissertationen sind keine Kriminalromane. Zumindest in
Stil und Darstellung dieses Buches, das 1997 von der Ev.-theol. Fakultät in
Leuven (Belgien) als theologische Dissertation angenommen wurde, liegt hier
eine Ausnahme vor. Der Rezensent begann zu lesen und ruhte nicht eher, als
daß er alle 456 Seiten gelesen hatte. Tanaland (Kenia) und Salatiga
(Indonesien) treten dabei ebenso lebendig vor Augen wie Ludwig Doll oder Julius
Stursberg in Neukirchen. Und doch handelt es sich hier um ein sehr gut
recherechiertes und mit missionstheologischem Sachverstand verfaßtes
Fachbuch, das – wie das Vorwort ankündigt – einen weißen Fleck auf der
missionsgeschichtlichen Landkarte schließen hilft.
Dabei hat sich der Verfasser keine leichte Aufgabe
gestellt: Drei Hauptschauplätze der Geschichte der Neukirchener Mission in
ihren z. T. sehr unterschiedlichen Entwicklungen galt es darzustellen, ohne
dabei die gemeinsamen Linien aus dem Blick zu verlieren. Gerade dies gelingt
auch sehr schön. So wird deutlich, wie eine in der Heiligungsbewegung
wurzelnde Glaubensmission einerseits innovativ wirksam werden kann und
andererseits sich aus diesem Erbe ernsthafte Probleme ergeben, die bis in die
Gegenwart manches Scheitern zu verantworten haben. Drei wichtige Stichworte
seien genannt, die über die Neukirchener Mission hinaus Relevanz besitzen:
(1) Der sogenannte „Glaubensstandpunkt“: alle Versorgung wurde von Gott
erwartet. Damit sind sowohl an Menschen gerichtete Bitten als auch eine
geregelte Gehaltsstruktur ausgeschlossen. In seinem Schlußteil zeigt Brandl,
daß ein institutionalisierter Glaubensstandpunkt ein Widerspruch in sich
ist. (2) Heiligung als Ideal der Missionare für die zu gründenden Gemeinden.
Danach ist die zweite nota ecclesiae nach der Verkündigung des Wortes die individuelle
Bekehrung, die durch ein geheiligtes Leben belegt wird. Als Konsequenzen
daraus sind dann eine starke Betonung der Gemeindezucht, die Gefahr der
Gesetzlichkeit und - im Angesicht einer pioniermissionarischen
Herausforderung - große Differenzen über Grundfragen der Ekklesiologie zu
nennen. So taucht z. B. immer wieder die Frage nach der Taufe, ihrem
Stellenwert und dem Taufritus auf. (3) Das Selbstverständnis der Missionare
– allein von Gott gesandt – führte auf allen Missionsfeldern zu großen Konflikten
aufgrund des von diesem Selbstverständnis geförderten Individualismus, vor
allem nach Abebben der Erweckung. Brandl stellt alle diese Entwicklungen mit
großer Offenheit und doch zugleich großer Behutsamkeit dar - an keiner
Stelle ergreift er die Partei einer Person, auch wenn er in den einzelnen
Sachfragen klar und deutlich urteilt.
Zuletzt noch einige kritische Bemerkungen und Anfragen,
die aber in keinster Weise den Wert dieser Arbeit schmälern können: Der Satz
des Buches wurde offensichtlich mit einem Textverarbeitungssystem erstellt,
das dann so schöne Trennungen wie Tauft-heologien (S. 430), oder
Hilf-sprediger (S. 42) im Manuskript hinterließ. Die Währung der 1880er war
wohl kaum die DM (S. 75 & 85) und Glasgow liegt nicht in England (S.
332). Inhaltlich könnte man fragen, ob die AIC als „geglücktes Beispiel einer
aus einer Glaubensmission hervorgangene Denomination“ wirklich so geglückt
ist. Schließlich stellt sich die Frage nach der Definition von
Glaubensmission, wenn der Verfasser die AEM als fast ausnahmslos aus
Glaubensmissionen bestehend charakterisiert (S. 449). Nach der Lektüre des
Buches erscheint es fast so, als würde der Neukirchener Mission dieser Name
begründet abgesprochen. Dies würde dann aber für viele der AEM-Missionsgesellschaften
gelten.
Dr. Norbert Schmidt, em 1999-4.
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Brecht, Martin (Hg.). Philipp Friedrich Hiller. Gott
ist mein Lobgesang. Der Liederdichter des württembergischen Pietismus. Ernst Franz Verlag: Metzingen, 1999.
Im ersten Teil beschreibt Walter Stäbler einfühlsam und
gekonnt das Leben und Wirken des 1699 geborenen „Dichters, Pfarrers und
Theologen“ Philipp Friedrich Hiller. Über die Klosterschulen Denkendorf und
Maulbronn führte Hillers Weg zum Theologiestudium nach Tübingen. Dort
bescheinigte man ihm „guten Verstand“ und „Bescheidenheit in den Sitten“. Als
Vikar predigte er „kurz und gut und führet sich wohl auf“ (20). Der
Seelsorger und Prediger, der seit 1751 keine Predigt mehr halten konnte, weil
seine Stimme versagte, wurde zum Schriftsteller. Bei seinem Tod 1769
hinterließ er in der Gemeinde und Kirche „einen guten Namen“ (42).
Die enge Verbindung Hillers mit Halle und Herrnhut und dem
damaligen Pietismus wird erläutert. Wolfgang Schöllkopf zeigt auf, „dass sich
die unterschiedlichen Traditionen des Pietismus alle auch als Singbewegung
ausprägten“ (63). Martin Brecht skizziert Hillers „Geistliches
Liederkästlein“ als „eines der Medien für die tägliche Andacht“ (87-137).
Hillers Motivation ist das Lob Gottes und der Ruhm des Allerhöchsten. Die
theologische Konzeption des Liederkästleins lautet: „Gottes Größe ist
unaussprechlich“ (103) und „der Geist erforscht die Tiefen der Gottheit“
(117). Deshalb kann Hiller das Leben bejahen. Im zweiten Teil des
Liedkästleins beschreibt er den Tod, die Erscheinung Christi und die Ewigkeit
mit den Worten „Wir warten dein, o Gottes Sohn, und lieben dein Erscheinen“
(133ff).
Der zweite Teil des Buches konzentriert sich auf
„Erfahrungen und Nachwirkungen“ Hillers. Zum „Schatz im Gepäck der
Auswanderer“ nach Amerika und Rußland in den Hungerjahren 1816/17 gehörte
nach Günther Mathia auch Hillers Liederkästlein. Es tröstete nach dem Bericht
des Basler Missionars Saltet die Gefangenen des 1826 überfallenen
schwäbischen Kolonistendorfes Katharinenfeld in Rußland. Das Liederkästlein
wurde zum Gesangbuch der Pregizer Gemeinschaft in Besarabien, Georgien,
Ungarn und Israel und zum Trostbuch für viele Menschen in aller Welt.
In der Tat: „An Hiller ist mehr dran, als man weiß.“ Er
ist ein großer Liederdichter und Theologe, von dem heute, in der Zeit der
Theologievergessenheit viele Pfarrer viel lernen können. Das Doppelgebot der
Liebe als Selbstauslegung Gottes und als Schöpfung einer neuen individuellen
Lebensführung im Sinne der sozialen Freiheitsverhältnisse schafft Person und
menschliche Gemeinschaft neu… Gemeinschaft am Leid führt nicht in Vereinzelung,
Gottferne und Tod, sondern zur schöpferischen Verheißung des Evangeliums
gehört die Zuversicht der Gottesgemeinschaft (85).
In der Praxis der Liebe sah Hiller den Zusammenhang von
Frömmigkeit und gelehrter Theologie. Diese oft vergessene Seite des
schwäbischen Pietismus hat später Dietrich Bonhoeffer wieder aufgenommen.
Dem von Martin Brecht herausgegebenen Buch muß man eine
weite Verbreitung wünschen, vor allem unter denen, die Theologie, Frömmigkeit
und Gemeinde trennen.
Prof. Dr. Karl Rennstich, em 2001-2.
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Breman, Christina Maria. The Association of Evangelicals
in Africa: Its History, Organization, Members, Projects, External Relations
and Message. Zoetermer: Boekencentrum, 1996.
Die Niederländerin Christina M. Breman war viele Jahre
Sekretärin an der Freien Universität Amsterdam. Mit 45 Jahren wird sie
Missionarin der Africa Inland Mission in Tanzania, nachdem sie ein
gründliches Theologiestudium absolviert hat (BTh, MTh, Mdiv). Schon nach 2
Jahren muß sie aus Krankheitsgründen zurück in die Heimat und beginnt dort
mit der umfangreichen historisch-missiologischen Dissertation über die
Evangelische Allianz Afrikas (AEA).
Christina Breman hat sehr gründlich rechechiert (50
Seiten Literaturangaben) und viele Interviews vor Ort durchgeführt. Das Buch
gibt einen umfassenden Einblick in die Organisationsentwicklung einer
dynamischen Bewegung der Evangelikalen in Afrika. Vor allem die
Persönlichkeiten, die die AEA geprägt haben, werden einfühlsam und prägnant
geschildert (Downing, Kato, Odunaike, Adeyemo). Breman selbst schreibt aus
evangelikal-reformierter Perspektive, stellt aber andere theologische
Positionen fair dar. Nur der Bericht über PACLA II ist etwas einseitig, da
nur Kritiker zu Wort kommen und nicht die Beteiligten selbst, wie bei den übrigen
Konferenzberichten.
Die AEA wurde 1969 auf amerikanische Initiative hin
(IFMA, EFMA) gegründet, hat sich aber zu einer echt afrikanischen Bewegung
entwickelt. Für mich ist das Besondere an diesem Buch das kulturelle
Einfühlungsvermögen in die afrikanische Kultur und Weltanschauung, das die
Besonderheiten der Evangelikalen in Afrika eindrücklich darstellt (Prägung
durch das Häuptlingsdenken, pragmatische Zusammenarbeit mit Vertretern anderer
Glaubensüberzeugungen, Betonung des engagierten Betens, eine holistische
Sicht von Religion und Glauben).
Die Geschichte der AEA ist eine erstaunliche
Erfolgsstory, vor allem in den Bereichen theologische Ausbildung, BEST,
NEGST, Akkreditierung, TEE, Christian Education. Die Verf. geht aber auch
auf Rückschläge, allzu-menschliches, auf dem Papier formulierte große Ziele
und die mangelnde Umsetzung in der Praxis ein. Besonders schwer auszuhalten
ist die Spannung, einerseits die Initative aus den Grassroot-Bewegungen der
Evangelikalen aufzunehmen und zu begleiten und auf der anderen Seite als
kontinentales Zentralbüro in Nairobi autokratisch von oben nach unten eine
Organisation am Leben zu erhalten, und das mit allen Engpässen - vor allem
finanzieller Art - die jeder kennt, der länger in Afrika gearbeitet hat.
Breman stellt die erstaunlichen Fähigkeiten von Tokunboh Adeyemo heraus, der
jetzt schon 21 Jahre Generalsekretär der AEA ist.
Für wen ist das Buch hilfreich? Missionare können in
afrikanische Organisationskultur einen feinfühligen Einblick erhalten.
Christliche Leiter, die mit Afrikanern zusammenarbeiten, tun gut daran,
sich durch die Dissertation Hintergrundinformationen über die Evangelikalen
dieses Kontinents zu verschaffen. Vor allem aber sollten viele Leiter in
Afrika dieses Buch zur Hand nehmen. Da das Werk sehr umfangreich (und für
Afrikaner sehr teuer) ist, wäre es eine gute Möglichkeit dieses Buch bei
Besuchen in Afrika als Geschenk mitzubringen.
Horst Engelmann, em 2000-1.
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Brenton Betts, Robert. Christians in the Arab East. Lycabettus Press, Athen, zweite neu
bearbeitete Auflage 1978.
Wie konnte es geschehen,
daß die christliche Kirche in den meisten Ländern des arabischen Nahen Ostens bis heute überlebt hat? Warum ist es den Christen unter islamischer
Herrschaft so viel besser gegangen als
den Muslim in Spanien, Portugal
oder Sizilien? Wie kam es, daß die Christen im Libanon bei der
einzigen Volkszählung, die jemals
stattgefunden hat, eine hauchdünne Mehrheit und damit die Macht im Staat bekamen? — Wer diese und viele andere Fragen über Geschichte und heutige Lage
der christlichen Minderheitskirche im Nahen Osten beantworten möchte, der sollte zu Betts Buch greifen. Es ist eine hervorragend
geschriebene und auch gut lesbare
soziologisch-geschichtliche Darstellung, die inzwischen in Athen in
der zweiten Auflage erschienen ist.
Klaus Fiedler, em 1985-2.
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Bria,
Ion; P. Chanson, J. Gadille, M. Spindler (Hg.), Dictionnaire oecumenique de missiologie: Cent mots pour
la mission, (Association
francophone oecumenique de missiologie), Paris/Genève/Yaoundé: Du Cerf/Labor
et Fides/Cle, 2001.
Die Französischsprachige Ökuemenische Gesellschaft für
Missionswissenschaft (Association francophone oecumenique de missiologie) hat
bereits 2001 dieses Ökumenische Wörterbuch der Missiologie (hier abgekürzt
DOEM) herausgegeben. Begonnen wurde die Arbeit bereits 1988 von Père Joseph
Levesque und nach seinem Tod 1995 von Ion Bria, Philippe Chanson, Jacques
Gadille und Marc Spindler weitergeführt und zum Abschluss gebracht. Das Buch
trägt den Untertitel „Hundert Worte für die Mission“. Und tatsächlich sind es
genau hundert Stichworte, unter denen das Thema der Mission wissenschaftlich
von vielen Seiten her beleuchtet wird. Natürlich liegt der Vergleich mit dem Lexikon missionstheologischer
Grundbegriffe, hg. von Karl Müller und Theo Sundermeier, 1987 (LMG) nahe.
Hier waren es 110 Stichworte. Doch das vorliegende Werk ist keine
Übersetzung, sondern eine eigenständige Arbeit. Die fränzösischsprachigen
Autoren haben ihre eigenen Akzente gesetzt. Schon das erste Stichwort, das
den Reigen der Begriffe eröffnet, „Adaptation“, sucht man im LMTG vergeblich.
Das gleiche gilt für die Stichworte „Annonce de l´Evangile“, „Apostolicité de
la mission“, „Eglises locales“, „Internationalisation de Missions“, „Liberté
réligieuse“ „Plantation de l´Église“,“Syncretisme“ u. v. m. Interessant: den
Artikel zu „Bibel und Mission“, den im LMG der Mitherausgeber des DOEM, Marc
Spindler, geschrieben hat, verfasst hier eine andere Autorin. Das thematische
Spektrum ist leicht anders gelagert als im LMG und reicht weiter in die
Bereiche der Missionsgeschichte und -praxis hinein. Dafür fehlen spezialisierte
Beiträge zu afrikanischer, chinesischer, indischer oder lateinamerikanischer
Theologie oder den Glaubensmissionen wie im LMG. Jedem Artikel ist eine
ausführliche Bibliographie und eine Übersicht verwandter Begriffe zugeordnet.
Insgesamt sind 45 Autoren vorwiegend aus dem französischsprachigen Bereich an
dem Werk beteiligt. Das Buch wird abgerundet durch ein Abkürzungsverzeichnis,
ein Verzeichnis der Autoren, einen Sach- und Personenindex und schließlich
ein Inhaltsverzeichnis. Das Werk ist eine wichtige Ergänzung zu den
bisherigen missiologischen Nachschlagewerken und (nicht nur) für Französisch
sprechende Missiologen unentbehrlich.
Dr.
Friedemann Walldorf, em 2006-1.
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Brinkmann, Klaus (Hg.). Missionare und ihr Dienst im
Gastland. Referate der
Jahrestagung 1997 des AfeM. edition afem - mission reports 5. Verlag für
Kultur und Wissenschaft: Bonn, 1998.
„Missionare und ihr Dienst im Gastland“ ist eine
175-seitige Fundgrube für Gäste und solche, die es werden wollen. In elf
Referaten beleuchten neun Missionspraktiker, wie der Einsatz des Missionars
gelingen kann. Dabei besticht die Erkenntnis, daß es weniger auf die
fachlichen, als die persönlichen Qualitäten des Mitarbeiters ankommt.
Beziehungsorientierte Charaktereigenschaften wie Humor, echte Demut,
Höflichkeit und Geduld sind auf lange Sicht wirkungsvollere Missionsmittel
als ein projektorientiertes „Zack, zack, jetzt aber ran, die Zeit läuft“.
Gästebetrieb ist nicht immer eine einfache Sache, weder
für den Gastgeber noch für den Gast: Im Land seiner Bestimmung angekommen,
spürt der Neuling (er wußte es schon vorher), daß seine Kollegen aus der
ganzen Welt kommen und er sich nun an mindestens zwei Kulturen anpassen
muß, der des Gastlandes und der des Teams. Lohnt sich die Arbeit in interkulturellen
Teams? Sie kann das effektivste Team überhaupt sein, wenn einige Voraussetzungen
stimmen (S. 31, 121ff).
Was kann alleinstehenden Missionaren helfen, Anschluß ans
Team zu gewinnen? Kinderspielzeug mitnehmen! Aber nicht um fortan als
Dauerbabysitter von den Missionaren ‘mißbraucht’ zu werden, sondern um
freundschaftlichen Kontakt zu ihnen zu bekommen. Sollen wichtige, die Arbeit
betreffende Entscheidungen auf dem Feld oder von der Heimatzentrale
getroffen werden? Wenn möglich auf dem Feld, wie das Beispiel des Paulus
zeigt (S.68-70). Wie sollen sich die Missionare bei massiven sozialen
Ungerechtigkeiten wie Ausbeutung und Unterdrückung im Gastland verhalten?
Unbeirrt auf das Verkündigen des Evangeliums beschränken, oder politisch und
sozial aktiv werden (S. 152ff)?
Auch für die gastgebende Kirche können die Gäste
anstrengend sein:
So können sich viele Missionare einfach nicht daran
gewöhnen, unangemeldet „nur so“ Besuche zu machen, obwohl das in manchen
Kulturen unersetztlich ist. Einige unter ihnen sind so vielseitig begabt und
packen derart viele Dinge erfolgreich an, daß sie damit ihre einheimischen
Mitarbeiter erschlagen. Ungewollt rauben sie diesen ihre Motivation und ersticken
ihre Eigeninitiative. Andere gehen so unbedarft mit ihrem Geld und ihren
Gütern um, daß sie unbeabsichtigt die Blicke der Einheimischen auf ihren
Besitz anstatt auf Jesus lenken.
Die Referenten zeigen nicht nur die Probleme, sie
versuchen auch anhand der Bibel und ausgewählter Fallbeispiele Antworten zu
geben. Bei aller Problemanzeige wird nicht vergessen, daß die Gäste nicht aus
eigenem Antrieb in die Mission gehen, sondern von dem gesandt sind, der
Fremdlinge und Gäste jetzt zu Mitbürgern und Gottes Hausgenossen machen will
(Eph 2,19). Wer sollte dieses Buch lesen? Der heimkehrende Missionar. Ihm
kann es eine äußerst hilfreiche Anleitung sein, seinen Dienst kritisch zu
überdenken. Aber auch der Missionskandidat und die, die ihn für seinen
Einsatz vorbereiten, werden profitieren.
Johannes Böker, em 1999-3.
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Brugnoli, Carlo und
Michèle. Erzählt
es allen Völkern. Ermutigende Perspektiven zum Thema Weltmission. Projektion J: Wiesbaden, 1995.
Die Autoren Carlo und Michèle Brugnoli sind
Missionspraktiker, Leiter eines JMEM-Zentrums in der Schweiz, die mit ihrem
missiologischen Kompaktkurs herausfordern, anstecken und begeistern wollen.
In wohltuender Weise wird dabei die Dichotomie zwischen Missionaren im
Ausland und Gemeindegliedern zu Hause überwunden. Alle werden eingeladen
zum gezielten Engagement für die Weltmission, zur kreativen Unterstützung von
Missionaren sowie zur Weltmission vor der Haustür. Dabei liegen den Autoren
besonders die unerreichten Völker am Herzen. Dies ist ein außerordentlich
praktisches Buch. Kurze Gedanken zur Missionstheologie sind mit eindrucksvollen
Fakten und anschaulichen Erfahrungsberichten kombiniert. Ein Schwerpunkt
liegt auf dem Gebet, insbesondere für die Bekehrung von einzelnen Freunden.
Andere Themen sind Evangelisation, Nacharbeit, effektive Kommunikation sowie
Kinder- und Jugendarbeit. Da das Buch als Werkbuch gestaltet ist, wird
jedes Kapitel mit einem Fragenkatalog abgeschlossen, der zum weiteren Nachdenken
anregt. Freier Raum auf diesen Seiten lädt dazu ein, Antworten gleich
niederzuschreiben. Leider fehlt fundierte Bibelauslegung. Es sind zu viele
orthographische und Übersetzungsfehler verblieben, etliche Formulierungen
sind altmodisch-fromm. Bei den spektakulären Berichten über umstrittene
Großaktionen hätte ich mir mehr kritische Distanz gewünscht. Hier wird der
Glaubensmut (Zukunftsoptimismus) deutlich, der von dem charismatischen Vorverständnis
her zu verstehen ist. Trotz dieser Unzulänglichkeiten ist das Buch wegen
seiner Praxisnähe und engagierten Darstellung zu empfehlen.
Dr. Detlef Blöcher, em 1998-1.
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Bürkle, Horst (Hg.). Die Mission der Kirche. AMATECA
Lehrbücher zur katholischen Theologie Bd. XIII, Paderborn: Bonifatius, 2002.
In diesem Werk unternimmt der emeritierte Münchener
Missionswissenschaftler Horst Bürkle in Zusammenarbeit mit 7 Mitverfassern,
darunter 3 weitere Missiologen (Karl Müller, SVD, +2001), Arij A.
Roest-Crollius, S.J., Horst Rzepkowsky, SVD, + 1996), 2 Soziologen (Anton
Rauscher, S.J., Manfred Spieker) und 2 Dogmatikern (Bonaventura Kloppenburg,
O.M.F., Leo Kardinal Scheffzyk) den begrüßenswerten Versuch, auf begrenztem
Raum in wissenschaftlicher und doch gemeinverständlicher Form für den
Gebrauch an Hochschulen, Gymnasien wie auch im pastoralen Bereich ein
Kompendium vorzulegen, in dem alle Gebiete und Themen der christlichen
Mission prägnant und informativ zur Darstellung kommen: ihre exegetische und
dogmatische Begründung, ihre Geschichte, ihre Verbreitung auf allen Erdteilen
und in den Kulturkreisen der Menschheit sowie in den Problemstellungen
angesichts der religiösen, politischen und sozialen Herausforderungen der
Gegenwart. Das Buch erscheint in der Reihe „Lehrbücher zur katholischen
Theologie“, in welcher der Herausgeber bereits einen früheren Band (III)
veröffentlicht hat, der sich mit den nicht-christlichen Religionen und deren
theologischer Interpretation beschäftigt. Die beiden Bände ergänzen sich also
gegenseitig. Kennzeichnend für die ganze, im Aufbau begriffene Reihe AMATECA
(Associazione Manuali di Teologia Cattolica) ist, daß in ihr alle
theologischen Disziplinen aus einer Perspektive behandelt werden, die sich
entschieden der Autorität des römisch-katholischen Lehramtes unterstellt und
dabei besonders dessen Verlautbarungen aus neuer Zeit seit dem II. Vaticanum
und dem Pontifikat der letzten Päpste in z.T. umfangreichen Zitaten zu Worte
kommen läßt. So nimmt im Personenregister der gegenwärtige Papst Johannes
Paul II. mit 46 Verweisen mit Abstand den ersten Platz ein (vor 20 Hinweisen
auf Publikationen des wichtigsten Mitverfassers Karl Müller, dessen 1985
erschienene Missionstheologie hier noch einmal aktualisierend ausgewertet
wird).
Diese Orientierung an den lehramtlichen Aussagen bedeutet
auch für den nicht-katholischen Leser einen zweifachen Gewinn: Zum einen gibt
er dem Gesamtwerk angesichts der Vielzahl von Themen und Mitverfassern eine
innere Geschlossenheit und Repräsentativität. Obwohl auch die gegenwärtige
katholische Missionswissenschaft durch Spannungen zwischen einer
konservativen (z.B. J. Amstutz und J. Dörmann) und einer progressiven
Richtung (z.B. G. Collet und L. Rütti) beeinflußt ist, auf die auch gelegentlich
verwiesen wird, werden so doch jene Einseitigkeiten vermieden, die manchen
anderen, von der persönlichen Position des Verfassers bestimmten Monografien
anhaften. Der Leser bleibt also nicht im Unklaren über die offizielle
Haltung, welche die Kirche Roms hinsichtlich ihrer weltweiten Sendung
einnimmt und wie sie in den Entscheidungen und Instruktionen zu den
mannigfachen Problemen verbindlichen Ausdruck gefunden hat.
Der andere Vorteil dieser Anlage ist der, dass tatsächlich
ein so gut wie vollständiges Spektrum missionarischer Aspekte des heutigen
kirchlichen Weltengagements entfaltet werden kann. Denn die Aufgaben und
Probleme der verschiedenen Teilkirchen in aller Welt sind durch die zentrale
Koordinierung der gesamtkirchlichen Organe und die direkte päpstliche
Aufsicht ständig präsent und werden in ihrer grundsätzlichen Bedeutung durchdacht,
ob es sich etwa um die heute sehr im Vordergrund stehende Frage der
Inkulturation von Evangelium und Kirche handelt, oder um das Engagement der
Laien bei der Bezeugung der christlichen Botschaft in den mannigfachen
Lebensbereichen, oder die Verbindung von Verkündigung und sozialpolitischer
Verantwortung, oder den Dialog mit anderen Religionen und Welt-anschauungen
oder auch die Neu-Evangeli-sierung einst christianisierter Völker in Europa
und in den beiden Amerikas.
Trotz dieser bewusst angelegten kirchenamtlichen
Perspektive bringt die Lektüre des vorliegenden Kompendiums auch dem
evangelischen Leser, ob Fachwissenschaftler oder interessiertem Laien, echten
Gewinn, und dies aus einem dreifachen Grund:
Erstens sind die missionarischen Herausforderungen der
Welt sowohl in ihren religiösen als auch ihren säkularen Aspekten weithin die
gleichen, so dass der evangelische Missiologe fast überall auf die auch ihn
ständig beschäftigenden Fragen stößt.
Zweitens gibt es nach der vom II. Vatikankonzil bewirkten
Entspannung im interkonfessionellen Verhältnis eine ökumenische
Zusammenarbeit sowohl im wissenschaftlichen als auch im praktischen Bereich,
letztere auf den einzelnen Kontinenten wohl im unterschiedlichem Maß, am
wenigstens offenbar zwischen der Katholischen Kirche und den (von Kloppenburg
summarisch so bezeichneten) „Nichtkatholiken“ in Lateinamerika! Fast alle
Beiträge sind von einem ehrlichen Respekt vor den Leistungen auch
evangelischer Missionare und Missiologen geprägt, was sich in den häufigen
Rekursen auch auf protestantische Literatur bekundet.
Drittens, und das dürfte das Wichtigste sein: Die
theologische Begründung der Mission aus dem Heilsratschluss des Dreieinigen
Gottes, die in den Sendungen des Sohnes und des Geistes ihre grundlegende
Verwirklichung und ihre Weiterführung in der Mission der Kirche findet,
unterscheidet sich in den drei Hauptkonfessionen nicht mehr wesentlich.
Deswegen kann sich K. Müller im zweiten Kapitel bei der alttestamentlichen
und neutestamentlichen Begründung der Mission weithin auf evangelische
Theologen wie J. Blauw, D. Bosch, F. Hahn, M. Hengel, O. Michel, A. Rétif und
C. Stuhlmueller stützen.
Bei aller erfreulichen Gemeinsamkeit in der Missionsschau
des vorliegenden katholischen Lehrbuchs können die verbleibenden Unterschiede
nicht übersehen werden. So fällt dem Rezensenten als Erstes auf, dass in den
Aufsätzen der Autoren, so weit sie protestantische Kollegen nicht nur erwähnen,
sondern explizit zu Worte kommen lassen, der evangelikale Beitrag zur
neuzeitlichen Missiologie relativ geringe Aufmerksamkeit findet. Das ist um
so befremdlicher, als spätestens seit dem Aufbruch der Lausanner Bewegung,
aber schon seit den sechziger Jahren, schon rein operationell der Löwenanteil
zur heutigen Weltevangelisation einschließlich der Diakonie von evangelikalen
Gesellschaften, Verbänden und einheimischen Kirchen geleistet und von einer beachtlichen
missiologischen Literatur wissenschaftlich begleitet wird.
Hinsichtlich der theologischen Zielsetzung der Mission
fällt auf, dass in konsequenter Entfaltung des Buchtitels die korporative
ekklesiologische Dimension der Mission als eine der Kirche als ganzer
gestellten Aufgabe und als ein zu ihrer weltweiten Gestaltwerdung führendes
Werk bildet. Das gilt für alle Autoren, von Bürkles grundlegendem Beitrag
über die „Mission der Kirche im religiösen und kulturellen Kontext der
Gegenwart“ bis zu Manfred Spiekers abschließender Behandlung der Probleme der
„Kirchen im postkommunistischen Transformationsprozeß“. Als die wesentliche
Problematik betrachten sie dabei die „Inkarnation“, d.h. Verleiblichung der
Kirche in den mannigfachen Kulturen der Menschheit. Gewiss würden heutige
evangelikale bzw. reformatorische Missiologen diesen Aspekt ebenfalls
einbeziehen. Aber als vorrangige Aufgabe der Mission würden sie der bis zu
Paulus zurückreichenden Tradition folgen und mit diesem die soteriologische,
d.h. die auf die Rettung der vom Evangelium noch unerreichten Menschen aus
sündiger und dämonischer Gebundenheit und vor dem kommenden göttlichen
Zorngericht herausstellen. Das haben einst - in inhaltlicher Parallele zu
Gustav Warnecks Missionslehre – auch katholische Missions-wissenschaftler in
der Münsteraner Schule (J. Schmidlin; Th. Ohm) in dem sogenannten
„Konversionsmodell“ vertreten (vgl. Abschn. 3.6 „Die verschiedenen Modelle“,
S. 111-114). Zu dessen Ablösung hat sicher nicht nur die Durchsetzung des
„Plantationsmodell“ der Löwener Schule beigetragen, sondern heute sicher noch
stärker die optimistische Beurteilung der Heilsmöglichkeit auch in den nichtchristlichen
Religionen bzw. gar durch sie, wie sie aus den Dialog-Instruktionen des
Vatikans sowie der Weitherzigkeit des jetzigen Papstes in seinem Umgang mit
den Repräsentanten anderer Religionen (Assisi 1986 und 2002!) hervorzugehen
scheint (Der von dem Münsteraner katholischen Missiologen Johannes Dörmann
dagegen erhobene Einspruch wird in einer Anmerkung auf S. 156 zwar vermerkt,
aber dezent zu entkräften versucht). Immerhin warnte gerade auch Johannes
Paul II. selber (vier Jahre nach „Assisi I“) in seiner Missions-Enzyklika vor
einer missbräuchlichen Zurückstellung der Verkündigungsaufgabe zugunsten
eines neutralen interreligiösen Dialogs. Eine überzeugende Begründung der
Notwendigkeit der Bekehrung sucht man jedoch in den Beiträgen des
vorliegenden Buchs vergeblich, abgesehen von dem Aufsatz Leo Scheffzyks über
die „Grundlagen der Reevangelisierung im Vatikanum II und in der päpstlichen
Lehrverkündigung“. Er widmet den 3. Abschnitt dem Thema: „Das Zentrum der
Neuevangelisierung: die Notwendigkeit der Umkehr“ (S. 333-338). Hier bildet
den Hintergrund allerdings der von ihm beobachtete Verlust von Religion in
der säkularistischen Gesellschaft und die mangelnde Spiritualität sogar in
der Kirche selbst.
Ein weiterer theologischer Schwerpunkt, an dem sich
evangelikale Missionstheologen von der hier dargelegten römisch-katholischen
Position unterscheiden werden, ist die von ihnen mit Karl Hartenstein und
Walter Freytag betonte eschatologische Ausrichtung der Mission als
Wegbereiterin des wiederkommenden Herrn. Gewiß wird dieser biblische Aspekt,
den K. Müller bei der Behandlung der paulinischen Missionstheologie (nach D.
Senior und D. Bosch) als wesentliches Thema derselben nennt (S. 68), nicht
übergangen. Aber er stellt für diese Autoren, ebenso wie für das kirchliche
Lehramt, kein dringliches Motiv dar. Was sie davon abhält, ist einerseits die
oft protestantisch-ökumenischerseits beschworene Furcht, dass Apokalyptik zur
Lähmung der Weltverantwortung führe, andererseits der auffallende
Geschichtsoptimismus in der missionarischen Planung , wie er ja von Papst
Johannes Paul II. in zahlreichen Verlautbarungen und Aktionen im Blick auf
das erwartungsvoll eingeläutete Dritte Millennium vertreten worden ist und
noch wird.
Angesichts dieser innergeschichtlichen Zukunftshoffnung
tritt - drittens - auch die für die biblische Reichs-Erwartung nach Röm 11,25
so zentrale Rolle des alten Bundesvolkes Israel zurück, so sehr im Sinne des
heutigen, schuldbewußten Versöhnungsbemühens Roms auch positiv die
heilsgeschichtliche Verbundenheit der Kirche mit Israel betont wird (S. 69).
Erfreulich ist angesichts der sich gegenwärtig weithin durchsetzenden Diffamierung
der Judenmission auf protestantisch/ökumenischer Seite die Aussage von Karl
Müller (S. 69 f.), „dass die Juden immer ein Recht hatten und auch heute noch
haben zu hören, dass Jesus der Christus ist, d.h. dass die Kirche als Folge
davon ihrerseits das Recht und die Pflicht hat, das Evangelium auch den Juden
zu verkündigen.“
Prof. em. Dr. Peter P. J. Beyerhaus, em 2002-4.
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Burnett,
David. Clash
of Worlds. East-bourne: MARC 1990.
Dr. David Burnett ist der Leiter des Missionary Orientation Centre von WEC International
in England und Fellow of the Royal Anthropological Institute. Er war Missionar
in Indien und ist Autor von „God’s Mission:
Healing the Nations” (1986) und „Unearthly
Powers: A Christian Perspective on
Primal and Folk Religions” (1988).
Dr. Peter Cotterell,
Rektor des London Bible College, schließt sein Vorwort zu dem Buch:
„Dies ist ein Buch für Leute, die bereit
sind nachzudenken; aber es verursacht dem, der es tut, keine unnötigen
Kopfschmerzen.“ Burnetts Stil ist klar
und verständlich. Als guter Lehrer illustriert er die wesentlichen
Punkte mit Anekdoten und Beispielen. Das
Buch behandelt ein einziges Thema: Weltbilder (‚worldviews’). „Die meisten von uns haben das Wort gehört. Wenige wissen, was es wirklich heisst. Hier ist
die Antwort. Ich entsinne mich keines Buches, das so eindeutig und elegant
dieses Thema behandelt.“ (Peter Cotterell). Burnett behandelt nach grundsätzlichen
Ausführungen die Weltbilder des Säkularismus, Animismus, Hinduismus, der Chinesen und des Islam. Er geht dann
auf die Veränderungen der Weltbilder ein
(New Religions Movements, New Age
Movement, Neo-paganism). Danach
untersucht er die Grundsätze des christlichen Weltbildes, wie es andere Weltbilder transformiert und wie im Zusammenprall mit anderen Weltbildern das Evangelium sachgemäß bezeugt und verkündigt werden kann. Burnetts Anliegen ist, Christen zu helfen, im Konflikt der Weltbilder
die andere Seite und das eigene Weltbild zu verstehen. Erst dann ist eine echte Kommunikation des Evangeliums möglich.
Dietrich Kühl, em 1991-3.
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Burnett,
David. Dawning
of the Pagan Moon. Eastbourne: MARC, 1991.
Dr. David Burnett ist „Fellow of the Royal Anthropological Institute” und vom WEC International als Dozent an das All Nations Christian College in Ware, Hertfordshire ausgeliehen.
Er ist Autor von God’s Mission: Healing
of the Nations (1986), Unearthly
Powers: A Christian Perspective ofPrimal and Folk Religions (1988) und Clash of Worlds (1990).
Bumett möchte in seinem Buch zeigen, daß
Okkultismus und Esoterik
nicht nur eine Randerscheinung
unserer westlichen Gesellschaft sind. Die
Wiederbelebung alter germanischer Religionen hat zu einer neuen religiösen Bewegung
geführt. Der Autor macht dies am Beispiel
Großbritanniens deutlich.
An eine kurze Einführung über die religiösen Vorstellungen
der Kelten und Angelsachsen schließen
sich Ausführungen über Esoterik und
Magie im Mittelalter und in der Neuzeit an. Der erste Teil schließt
dann mit einer Untersuchung über die Hintergründe und Entwicklungen der
neueren „Pagan Revival“.
Der zweite Teil geht auf Zusammenhänge zwischen der Göttin
Gaia [Erde] und dem Feminismus und ökologischen Bewegungen ein. Den Abschluß des zweiten Teiles bildet ein Kapitel über CG. Jungs Psychologie, Mircea Eliade
und ihre Verbindungen zur modernen Belebung
des Heidentums in der christlichen Welt.
Ein dritter Teil geht auf die Magie und ihre Verbindung
zur Religiosität ein und bespricht auch
die verschiedenen Feste im Zusammenhang
mit dem Jahreszyklus und dem Lebenszyklus.
Ein vierter Teil untersucht die Frage, wer eigentlich von dieser neuen religiösen Welle erfaßt
ist. Es wird deutlich, daß das Neuheidentum
nicht nur irgendwelche Randsiedler erfaßt, sondern mittlerweile eine
große Gefolgschaft auch in der Mittelklasse und unter den Intellektuellen hat.
Ein letzter Teil geht auf die Haltung der Gesellschaft zu
denen ein, die offen dem neuen Heidentum
angehören. Danach wird die Rolle des
Mythos füf den Glauben untersucht. Den Abschluß bildet eine biblische Antwort
auf das Phänomen der „Pagan Revival“. Ein Nachwort an die
neuheidnischen Leser, eine Liste mit 73 heidnischen Zeitschriften in England
und ein Index runden das Buch ab. Mit
fast 10 £ ist das Buch deutlich
teurer als die anderen Bücher von
David Bumett.
Dietrich Kühl, em 1993-1.
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Burrows, William R. Redemption and Dialogue:
Reading Redemptoris Missio and Dialogue and Proclamation. Maryknoll/New York:
Orbis Books, 1994.
Wenn der bekannteste Vertreter der Christenheit, Papst
Johannes Paul II., sich zum Thema Mission äußert, ist das zweifelsohne für
Missiologen interessant. In dem Buch „Redemption and Dialogue“
veröffentlicht der frühere Missionar und heutige Leiter des Orbis-Verlags,
William Burrows, zwei wichtige katholische Dokumente zur Mission. In Teil I
und II werden die vollständigen Texte der Enzykliken „Redemptoris Missio“
und „Dialogue and Proclamation“ zum ersten Mal auf englisch zugänglich
gemacht. Beide Dokumente werden von ausführlichen Kommentaren katholischer
Missionswissenschaftler begleitet. In einem dritten Teil folgen Stellungnahmen
verschiedener Missiologen aus aller Welt, die die Schwächen und Stärken der
Verlautbarungen kritisch beleuchten.
Dank des durchdachten dreiteiligen Aufbaus erhält man ein
gutes, abgerundetes Bild über Inhalt und Bewertung der Dokumente. Die beiden
Verlautbarungen des Vatikans sind nach einem langen Entstehungsprozeß
ausgewogen, aber auch an manchen Stellen etwas unklar. Man erkennt, daß der
Vatikan über fähige Theologen verfügt und daß Papst Johannes Paul II. die
‘Missio ad Gentes’ bzw. ‘Neu-Evangelisierung’ ein echtes Anliegen ist. Allerdings
ist aber auch die katholische Betrachtungsweise unübersehbar. Hervorragend
untersucht und geschrieben sind die Kommentare von Marcello Zago, O.M.I. und
Jacques Dupuis, S.J., eher durchschnittlich die neun Kritiken von den
unterschiedlichsten theologischen Gesichtspunkten aus. Für besonders gelungen
halte ich die beiden Kritiken von Eric J. Sharpe und Jack Voelkel; letztere
aus evangelikaler Feder.
Insgesamt handelt es sich um ein lesenswertes, manchmal etwas
langatmiges Buch, wenn man sich für Missionstheologie interessiert. Gesamtnote:
gut.
Martin Sachs, em 1997-3.
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Bush,
Luis and Larry Lutz. Partnering in Ministry: The Direction of World Evangelism. InterVarsity Press: Downers Grove (IL), 1990.
PartnersInternational/ChristianNationals Evangelism
Commission, dessen Präsident der Südamerikaner Luis Bush ist, ist eine
weltweit operierende Organisation, die mit Kirchen und evangelikalen
Zusammenschlüssen in Missionsländern Partnerschaften eingeht, um diesen
Spendengeldern vorwiegend aus den USA zur
Verfügung zu stellen, die diese Kirchen und Zusammenschlüsse
selbständig verwalten und einsetzen. Bush
und der Verantwortliche von PI für Publikationen, Larry Lutz, legen in
diesem Buch eine umfassende Begründung vor, warum sie eine solche
Partnerschaft als den einzigen in der Zukunft gangbaren Weg ansehen, der den
Kurs der Weltevangelisation entscheidend verändern könnte. Anhand von vielen
Beispielen wird erläutert, wie Partnerschaft zwischen Missionsgesellschaften und einheimischen Kirchen und
Zusammenschlüssen aussehen kann und wie Missionsgesellschaften die
Verantwortung an einheimische Christen abgeben können, ohne sich deswegen
völlig zurückziehen zu müssen. Die Autoren befürworten im Gegenteil, daß Missionsgesellschaften unbedingt weiter zur Verfügung stehen sollten, um die von den einheimischen Mitarbeitern
erkannten Lücken unter deren Leitung zu füllen. Auch wenn ich das Buch
wärmstens empfehlen möchte, sei eine
kritische Rückfrage erlaubt. PI läßt zwar den einheimischen Partnern die Freiheit zu entscheiden, wie die
Gelder eingesetzt werden, erwartet aber offensichtlich ein hohes Maß an häufigen Rechenschaftsberichten, was damit begründet wird, daß man sich
auf glaubwürdige Organisationen beschränken will und den Spendern gegenüber verpflichtet sei. Nun ist so etwas innerhalb der
amerikanischen Kultur durchaus normal. Wird das aber von den auf diese Weise doch ein Stück weit überwachten Organisationen noch als Partnerschaft empfunden? Gibt es keine den
entsprechenden Kulturen besser angepaßten Kontrollmöglichkeiten als
monatliche schriftliche Berichte an
eine internationale Zentrale? Ich gestehe aber zu, nicht die Erfüllung
der Verträge in der Realität zu kennen, die
ja wesentlich partnerschaftlicher
sein kann, als der Eindruck, der
bei mir durch die schriftliche Darstellung geweckt wurde. Es wäre
sicher interessant zu erfahren, wie die
‘Betroffenen’ die Überprüfung und
Überwachung empfinden.
Thomas Schirrmacher, em 1994-2.
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Carey, S. Pearce. William Carey: Der Vater der
modernen Mission. CLV: Bielefeld, 1998.
Endlich erscheint nach mehreren Jahrzehnten wieder eine
Biographie des Vaters der modernen Weltmission in deutscher Sprache und zum
ersten Mal eine ausführliche. Es handelt sich allerdings nicht um die
Übersetzung einer neueren englischen Biographie, sondern der sehr erfolgreichen,
1923 erschienen und 1934 zuletzt korrigierten populären Biographie von Careys
Urenkel, die zwar keine kritischen Töne enthält und natürlich die erst nach
dem 2. Weltkrieg einsetzende Careyforschung nicht berücksichtig, dafür aber
auf viele bis dahin unbekannten Familiendokumente zurückgriff. Dennoch
sollte die Biographie weite Verbreitung finden, zumal sie durch den für ein
gebundenes Buch sehr günstigen Preis besticht und ein ideales Geschenk in
Missionskreisen sein dürfte. Die Übersetzung von Benedikt Peters ist
ausgezeichnet und flüssig zu lesen, die Aufmachung mit Fotos und das
Schriftbild lassen nichts zu wünschen übrig. Typisch für die Biographie ist,
daß sie theologische Fragen und eine theologische Einordnung Careys praktisch
völlig unterläßt, was jedoch praktisch für die gesamte Carey-Literatur gilt.
Lediglich Peter Masters verweist in seinem Vorwort darauf, daß Carey und
seine Mitarbeiter „überzeugte Calvinisten“ waren. Ein Anhang mit kurzen
Hinweisen zu 54 Jahren Forschung seit der letzten Überarbeitung der
englischen Ausgabe und mit Hinweisen zu Careys theologischem Standort wäre
deswegen wünschenswert. Bei dieser Gelegenheit könnte man auch statt reiner
Verweise auf englische Literatur deutsche Literatur nennen, insbesondere
die in der edition afem erschienene deutsche Übersetzung von Careys Hauptwerk!
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1999-3.
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Carpenter, Joel A. und
Wilbert R. Shenk. Earthen Vessels. American Evangelicals and Foreign Missions, 1880-1980. Eerdmans: Grand Rapids, 1990.
Dies ist ein Buch, das Fakten ins rechte Licht rückt: Zum einen nimmt es endlich die Tatsache wahr, daß seit den 50er Jahren die Mehrheit
(heute wohl 90%) aller amerikanischen Missionare evangelikal ist (S.317). Zum
anderen sieht es realistisch, daß die Geschichte der evangelikalen
Missionsbewegung (neben der Geschichte der
Frauen in der Religion) zu den am
meisten vernachlässigten Themen der amerikanischen
Kirchengeschichtsforschung der neueren
Zeit gehört, gleich, ob bei evangelikalen oder nicht evangelikalen
Historikern (L. Sweet, S.317). Obgleich
Evangelikaie nach 1945 bedeutende
Beiträge zur Missionsliteratur geleistet haben (Shenk, S.317-334),
gehört die Missionsgeschichte (neben
Missionstheologie und dem
christlichen Zeugnis gegenüber nicht-christlichen
Religionen) zu den vernachlässigten Bereichen.
Eine Geschichte der evangelikalen amerikanischen
Missionsbewegung ist noch nicht geschrieben (wohl auch für kein anderes
Land), aber Earthen Vessels als Sammelband bemüht sich, Schneisen zu
schlagen, Informationen zu bieten und Entwicklungen aufzuzeigen. Da die
religiöse Welt Amerikas uns weitgehend unbekannt ist - die in manchen
Kreisen übliche Standardpolemik gegen die „fundamentalistischen Fernsehevangelisten“ und die „electronic church“
hilft da auch nicht weiter - und die Amerikaner zugleich den weitaus größten
Anteil am evangelischen Missionspersonal
stellen, vermittelt das Buch wesentliche Einblicke in amerikanische
Missionstheologie und damit zugleich auch in prägende Kräfte der heutigen (zumindest der evangelikalen) Missionsbewegung.
Earthen Vessels wird durch einen Aufsatz von Andrew Walls,
Edinburgh, über die amerikanische Dimension in der Geschichte der
Missionsbewegung eingeleitet. Die anderen Autoren sind Nordamerikaner oder
leben in Nordamerika. Nicht
englischsprachige Literatur nehmen sie nur insofern wahr, als sie in
englischer Übersetzung vorliegt (zB.
Peter Beyerhaus S.330; Klaus W. Müller S.320).
Die Aufsätze können in drei Gruppen zusammengefaßt werden. Zuerst die historischen
Arbeiten. Dana L. Roberts stellt anhand
der für die Glaubensmissionen so wichtigen Theologie A.T. Piersons und
A.J. Gordons die Bedeutung der prämillennialen Eschatologie für die Glaubensmissionen besonders und für die evangelikalen Missionen insgesamt dar.
Joel A. Carpenter stellt ua. die Bedeutung der Heiligungsbewegung für die Glaubensmissionen dar (S.117ff). Dagegen wird das für die Glaubensmissionen wesentliche Kirchenverständnis der Brüderbewe
gung nicht thematisiert, obwohl George Müller gelegentlich erwähnt wird. Alvyn Austins Artikel über Henry W.
Frost, den Gründer des nordamerikanischen Zweiges der China Inland Mission führt den Leser an die allerersten Anfänge der für Glaubensmissionen so wichtigen
Intemationalisierung, vermittelt zugleich wertvolle Einblicke in das
Verhältnis der evangelikalen Missionen zum historischen Fundamentalismus, indem er zeigt, wie die CIM,
die in keiner Weise als Protest gegen liberale
Missionen oder Theologie gegründet worden war, in Nordamerika zu einem
wichtigen Faktor in der theologischen Auseinandersetzung zwischen
„liberalen“ und „konservativen“ (damals
fundamentalistisch genannten) Kräften
wurde.
Direkt der Missionstheologie (dem zweiten Bereich) ist
Charles Van Engens Artikel gewidmet: A
Broadening Vision: Forty Years of Evangelical
Theology of Mission, 1946-1986. Typisch für den dritten Bereich ist Orlando E. Costa’s Artikel:
Evangelical Theology in the Two-Thirds
World.
Das Buch ist das Ergebnis einer Konferenz: „A Century of
World Evangelization: North American
Evangelical Missions, 1886-1986“, die
im Wheaton College, nicht weit von Chicago, stattfand. Es wäre gut, wenn solch eine
Konferenz mit dem Ziel, ein ähnliches Buch
zu schaffen, auch einmal für den deutschsprachigen
Raum stattfinden könnte.
Klaus Fiedler, em 1993-4.
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Carson,
D.A. (Ed.). Telling
the Truth: Evangelizing Postmoderns. Grand Rapids: Zondervan, 2000.
Dieser theologisch und praktisch inspirierende Sammelband
zum Thema Evangelisation in der Postmoderne dokumentiert eine Konferenz, die
1998 an der Trinity Evangelical Divinity School in Deerfield bei Chicago stattfand
und darüberhinaus u.a. von der Intervarsity Fellowship, Campus für Christus,
den Navigatoren und dem Billy-GrahamCenter getragen wurde. Herausgeber ist
der bekannte evangelikale Neutestamentler Donald Carson (ebenfalls
Trinity), der bereits mit einer umfassenden Analyse der pluralistischen
Postmoderne in The Gagging of God (Zondervan 1996) sein Herz für
Evangelisation in diesem Kontext offengelegt hat. Das Buch erschließt das
Thema in 8 Teilen. Im 1. Teil (Opening Plenaries) führt Ravi Zacharias in das
Thema ein, bleibt aber eher an der Oberfläche. Im 2. Teil (The Challenge)
wird die Herausforderung des religiösen Pluralismus (H. Netland) und die
Epistemologie der Postmoderne (Hink-son/Ganssle) analysiert. Der 3. Teil
(Critical Topics) bewegt sich dann ins Zentrum wesentlicher Fragestellungen
zur Evangelisation in der Postmoderne.
James Sire („Why should anyone believe anything at all“) macht deutlich, dass
die Frage nach Wahrheit auch für postmoderne Menschen relevant bleibt. Mark
Dever analysiert das evangelistische Reden von Sünde in der Postmoderne.
Phillip Jensen und Tony Payne beschreiben eine praktische und biblisch
fundierte Methode („Two ways to live“), das Evangelium in einem postchristlichen
Kontext mit prägnanten Illustrationen zu formulieren und persönlich zu
kommunizieren. Im 4. Teil (Crucial Passages) werden zwei wichtige Bibeltexte
näher untersucht (John Nyquist, Die Rechtfertigung des Sünders nach Römer 3
und Colin Smith, Die Aufgabe des Botschafters nach 2. Kor. 5,11-21). In Teil
5 (Church, Campus, Ethnicity) werden besondere Zielgruppen ins Auge gefasst:
Afro-Amerikaner, asiatische Amerikaner und Studenten. Um die Beziehungsebene
der Evangelisation geht es in Teil 6, in dem mit Robert Coleman (The Lifestyle of the
Great Commission) ein Klassiker zu Wort kommt. Teil 7 bringt Erfahrungsberichte
und Strategien vor allem aus den Bereichen Studenten- und Jugendarbeit.
Schließlich sind in Teil 8 die Schlussreferate von A. Fernando („The
Urgency of the Gospel“) und D. Carson („Athens Revisited“) dokumentiert.
Hier findet sich viel inspirierendes Material, das aufgrund seiner oft
grundlegenden Natur auch für den europäischen Kontext relevant ist. Die
wesentlichsten Beiträge jedoch finden sich m.E. in Teil 3. Einen Nerv der
Thematik trifft hier Mark E. Dever, Pastor einer Baptistengemeinde auf dem
Capitol Hill in Washington D.C. in seinen Beitrag „In einer postmodernen Welt
von Sünde reden“, den ich darum im Folgenden ausführlicher darstelle. Jan ist
postmodern, hält sich für sündlos und christlich: „Jeden Tag werde ich neu
erschaffen, jeder Tag ist ein Neuanfang - frisch und rein. Ist das nicht die
biblische Botschaft der Gnade Gottes?“ Auf die Frage, was denn mit dem Kreuz
Christi, dem Zorn Gottes und der Notwendigkeit der Vergebung der Sünde von
der Jesus gesprochen habe sei, antwortete Jan: „Damit kann ich nicht viel
anfangen“. Mit dieser Begebenheit eröffnet Mark E. Dever seinen
aufschlussreichen Aufsatz, in dem er aufzeigt, dass im postmodernen Denken
(das auch das Alltagsdenken der meisten Menschen heute geworden ist) Sünde keinen
Sinn macht, weil es weder einen allgemeinen Sinn des Lebens (Metanarrativ)
gibt, gegen den man verstoßen könnte noch einen göttlichen personalen Sinnstifter,
dem gegenüber man verantwortlich wäre. Für die Evangelisation bedeutet das
nach Dever ein vierfaches: 1. Kommunikation: die Wirklichkeit von Gut und
Böse, die in Gottes Person verankert ist (und nicht nur ein „modernes“
Metakonzept ist) kann kommuniziert werden. Auch postmoderne Menschen
empfinden Ungerechtigkeit und Bosheit. Es kann für sie befreiend sein, nun
auch eine kognitive Kategorie für diese Realität zu verstehen. 2.
Gemeinschaft: Auch der postmoderne Mensch, lebt in Beziehungen, die
Verantwortlichkeit erfordern. Er kann dieser Realität nicht entkommen. Die
biblische Überzeugung, dass jeder Mensch im Ebenbild Gottes erschaffen ist
und damit wert, gut behandelt zu werden, bietet eine wirkliche Grundlage für
Gemeinschaft und lässt sie gelingen. Das sehen und erleben postmoderne
Menschen. 3. Gewissen: Auch wenn postmoderne Menschen nicht an eine
Persönlichkeit glauben, haben sie ein Gewissen - denn auch sie sind nach
Gottes Bild er schaffen. Christen sollten hier Mut haben und sich nicht
ängstlich verstecken, auch wenn ihre Überzeugungen nicht up-to-date
erscheinen und belächelt werden. A. Huxley spricht für viele, wenn er
zugibt, dass die Überzeugung von der Sinnlosigkeit des Lebens ihm größere
sexuelle Freiheiten zu ermöglichen schien. Hilfreich ist J. Bunyans Erzählung
The Holy War: Die Macht in der Stadt Menschenseele wird von dem falschen
Prinzen Diabolos usurpiert, der nun die ganze Stadt beherrscht. Nur der Stadtschreier
Alter Mann Gewissen bricht manchmal aus und rast wie wahnsinnig durch die
Straßen und schreit: Diabolos ist ein Lügner. Prinz Immanuel ist der wahre
König von Menschenseele. Doch er wird immer wieder eingefangen und zur Ruhe
gebracht. 4. Bekehrung: Trotz aller schlauen Theorien, Evangelisation in der
Postmoderne ist entmutigend. Nur Gott selbst kann neue, wahre Überzeugungen
und ein neues Leben in Menschen schaffen. Auch wenn wir die Postmoderne nicht
in allem verstehen - wenn wir das Evangelium kennen und weitergeben, dann
gehören wir zur Kirche der Zukunft. Erwähnenswert ist auch der Beitrag von Michael
P. Andrus, der dafür pädiert, dass das Ziel der Evangelisation nicht nur die
„Decisions for Christ“ als vielmehr die „Disciples of Christ“ sein sollten.
In seinem Artikel „Conversions beyond mere Religious Preference“ betont er
die Notwendigkeit theologischer und ethischer Substanz im Prozess der Umkehr
von einem Leben der Selbstgefälligkeit zu einem Leben in der Nachfolge
Christi. Bekehrung müsse verstanden werden als ganze Lebenshingabe an die
Wahrheit christlicher Weltanschauung und die Wirklichkeit eines christlichen
Lebenstils. Angesichts der kulturellen Bedeutungslosigkeit von Taufen in
einer baptistischen Kultur (USA), sei darum eine Zeit der Bewährung der Taufe
vorzuschalten.
Das Buch will kein umfassendes Kompendium zur
Evangelisation sein (dazu würde z.B. eine Diskussion des brit. Konzepts der
„Alpha-Glaubenskurse“ u.a.m. gehören), sondern eher eine Momentaufnahme der
Ergebnisse der Konferenz in Deerfield. Das wesentliche Anliegen des
Sammelbandes ist es, einen von der biblischen Wahrheit geprägten Ansatz der
Evangelisation im Kontext der
Postmoderne zu durchdenken und praktizieren zu helfen (vgl. den Titel
des Buches). Alle Autoren werden vorgestellt, jeder Beitrag ist mit einer
kurzen Bibliographie
versehen, was hilfreich ist. Weniger sinnvoll scheint es, dass die (eher
wenigen) Fußnoten erst ganz am Ende des Buches nach Kapiteln getrennt
erscheinen. Das macht das Auffinden sehr unbequem. Erschlossen wird dieser
empfehlenswerte Sammelband durch einen Themen-, Personen- und
Schriftstellen-Index.
Dr. Friedemann Walldorf, em 2004-1.
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Christen in islamischen
Ländern. Hg. v. Referat für
Mission, Ökumene und Kirchlichen Entwicklungsdienst
des Ev. Oberkirchenrat der Ev.
Landeskirche in Württemberg, Stuttgart 1993, 84 S. In beschränkter Auflage erhältlich gegen
Schutzgebühr von DM 10.00 plus Porto bei:
IMATEL, z. Hd. Frau Rudolf, Ev. Pressehaus, Theodor-Heuss-Str. 23, D-70174 Stuttgart.
Von einem in England
lebenden Theologen aus einem mehrheitlich islamischen Land stammt
dieser Bericht für die württembergische Landessynode
über die Lage der Christen in Ägypten,
Malaysia, Nigeria, Pakistan, Saudi-Arabien, Sudan und Türkei. Über
die Länderberichte hinaus wird über die
allgemeinen Hintergründe der Diskriminierung
von Christen in islamischen Ländern und die Verhaltensmöglichkeiten
der betroffenen Christen informiert. Abschließend
werden zehn Empfehlungen für Christen in westlichen Ländern gegeben.
Die erschütternden Berichte sind durchwoben von Bezügen zum christlichen
Zeugnis in diesen Ländern.
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Clarke, Peter B. Atlas der Weltreligionen. Entstehung,
Glaubensinhalte, Entwicklung. München: Fredering & Thaler, 1995 - 2.
Aufl.
Oliphant, Margaret. Atlas der Alten Welt. Eine atemberaubende
Reise zu den Hochkulturen der Menschheit. München: Fredering &
Thaler, 1994 - 2. Aufl.
Die aufwendige farbige Gestaltung mit Fotos, Karten, Graphiken,
Übersichten und Kastentexten gehört zum besten, was es zum Thema Religionen
und Kulturen gibt. Die beiden Atlanten sind dabei pädagogisch hervorragend
aufgearbeitet und für die Aufmachung sehr preisgünstig. Die große Fülle des
Stoffes wird neben dem Haupttext auf viele kleinere Texte,
Begriffserklärungen und Bildbeschriftungen leicht lesbar aufgeteilt. Im Religionsatlas
werden die zehn größten Weltreligionen ausführlich vorgestellt. Viele
weitere Religionen werden in einem Lexikon im Anhang vorgestellt. Die
Darstellung erfolgt meist durch einen Wissenschaftler, der der jeweiligen
Religion angehört, ist dafür aber sehr sachlich und auf dem neuesten Stand.
Der Atlas der Alten Welt beschreibt Mesopotamien, Ägypten, Persien, Europa,
Griechenland, die Römische Welt, Indien, China und Nord-, Mittel- und
Südamerika. Er ist damit einerseits für Bibelleser von Interesse, andererseits
aber auch für jeden, der mit den Nachfahren dieser Hochkulturen zu tun hat
und sich eingängig über deren Kulturleistungen informieren will.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1996-4.
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Clauss,
Mechthild.
College in Koyom: Lehren
und Lernen im Tschad. Erlangen: Verlag der Evangelisch-Lutherischen Mission, 1992.
Die Afrika-erfahrene Pädagogin erzählt über Erlebnisse als
Lehrerin an einem College im südlichen Tschad. Neben persönlichen Erfahrungen
verarbeitet sie in meist kurzen, gut lesbaren
Kapiteln vor allem Aufsätze ihre Schüler, in denen sich deren Denken
und Konflikte widerspiegehi. Letztere
liegen immer wieder in der Spannung zwischen traditionellen Werten und erstrebtem Fortschritt. Das Kapitel „Gesetz
und Gewissen“ gibt einen lesenswerten und praktischen Einblick in die
Problematik um Schuld-und Schamorientierung, in einem anderen Kapitel geht es um „Brautpreis-Sitten“. Es kommen auch immer wieder Anforderungen
zur Sprache, die das Leben und Lehren in
einer solchen Umgebung an eine Lehrerin aus Europa stellen.
Hilfreich ist auch der kurze Überblick „Grundinformationen über den Tschad“ am Ende
des Buches, abgefaßt vom Direktor des College. Der Leser erhält auf wenigen
Seiten die wichtigsten Informationen über die jüngere Geschichte sowie
gegenwärtige politische, wirtschaftliche und soziale Lage krisengeschüttelten
Landes.
Alles in allem bietet
das anschaulich und erfrischend geschriebene Buch eine guten Einblick
in Denken und Leben der südtschadischen Landbevölkerung sowie damit gegebenen
Herausforderungen für die Pädagogik. Es
ist lesenswert für jeden, der beabsichtigt, in einem afrikanischen Land als Pädagoge tätig zu sein,
aber auch für solche, die sich allgemein für die Denkweise der
schwarzafrikanischen Bevölkerung im Spannungsfeld von Tradition und Fortschritt interessieren.
Christof Sauer, em 1995-4.
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Clemm, Volker (Hg.). Mission kreativ: im persönlichen Umfeld,
in unserem Land, in der ganzen Welt. Wuppertal: Brockhaus, 2002.
Diese Rezension ist längst überfällig, denn das Buch erschien bereits 2002. Überflüssig ist sie keinesfalls, denn
das Buch bietet eine Vielzahl von zwar kurzen, aber durchaus tiefgehenden und
praktischen Perspektiven zur Weltmission. Der Herausgeber ist seit 1998
verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Missionshauses Bibelschule
Wiedenest aus dessen Umfeld auch fast alle Autoren stammen. Das Buch hat drei
Teile. Im ersten Teil geht es um die Person des Missionars: „Jetzt bist Du
dran“ (S. 4-68). Themen wie Berufung, Begabung, Einsatz-möglichkeiten und
Herausforderungen des Missionarsberufs stehen im Mittelpunkt. Unter der Überschrift
„Karriere mit Gott“ entfalten Missionare aus drei Kontinenten ihren
Berufs-weg als Berufungsweg mit Gott. Zum Beispiel Matthias Drochner,
ursprünglich Pilot und Fluglehrer, jetzt Bibelschullehrer in Peru, fragt:
„Kann ich überhaupt ‚Karriere mit Gott machen‘? Ich denke, ja. Aber wenn es
schon um den Dienst für Gott geht, sollte ich auch Gottes Definition von
Karriere und Erfolg gelten lassen“ (S. 37). Erfolg wird hier neu definiert
als Treue, Gehorsam, Dienst, Liebe, Glaube und Gebet. Grundlage für die
geistliche „Karriere“ im Missionarsberuf ist für Drochner folgerichtig die
geistliche Berufung durch Gott. „So eine Berufung kann der Einzelne als gefühlsmäßig
eindrückliches Geschehen erleben oder in einem mehr analytischen Prozess der
Reflexion“ (S. 37). Die Berufung gibt Halt angesichts von Durststrecken,
Selbstzweifeln und Angriffen von anderen. Ralf Kaemper setzt sich in seinem
Beitrag „Warum ich nicht in die Mission gegangen bin“ erfrischend nüchtern
und kritisch mit bestimmten Berufungsverständnissen (Gott hat mich genau in
dieses Land berufen) und pauschalen Appellen zur Mission im Ausland
(Stichwort: Fußtritt statt Ruf) auseinander. Er plädiert für eine nüchterne Bestandsaufnahme
der eigenen Fähigkeiten: „Nicht jeder ist für jede Situation und für jedes
Land geeignet“ (S. 67). Es wird deutlich, dass das Hören und Vertrauen auf
Gott und möglichst nüchterne und realistische Wahrnehmungs- und
Entschei-dungsprozesse im Bereich Berufung und Führung zusammengehören.
Der zweite Teil des Buches „Worum es bei Mission
eigentlich geht“ (S. 69-138) beleuchtet wichtige Themen der Weltmission.
Ernst Schrupp bindet eigene biographische Erfah-rungen in seine Reflexion des
Ziels der Weltmission ein, nämlich die „Mobilisierung der ganzen Gemeinde,
d.h. aller Gemeinden in allen Ländern zur Weltmission“ (S. 71), um das
Evangelium unter allen Völkern und Menschen bekannt zu machen – weltweit und
in Deutschland. C. Stenschke zeigt biblisch-theologisch die Einbindung des
Menschen in die Mission Gottes als persönlicher Auftrag und Verheißung auf.
Grundlagen und Erfahrungen der Gemeindegründung werden in Beispielen aus
Meckenburg-Vorpommern, Tansania und Nepal präsentiert. K. Brinkmann
reflektiert über die „Zukunft der Mission“ und bietet nachdenkenswerte
Perspektiven, u.a. über zunehmende Widerstände und Leidens-bereitschaft,
Mission durch Migration, neue Möglichkeiten durch Kurzzeiteinsätze und den
missionarischen Aufbruch in der Dritten Welt. Grundsätzlich wird die
Bedeutung der Wiederkunft Jesu als Triebfeder der Mission betont.
Der dritte Teil bietet „Tipps für deine Gemeindearbeit“
(S. 139-190). Eine neu gegründete Gemeinde in Neubrandenburg berichtet, wie
sie von Anfang an den weltmissionarischen Horizont einbezog und trotz
geringster finanzieller Ressourcen einen Missionar in Pakistan als „global
player“ unterstützt. Es finden sich weiter: Bausteine zum Predigen über
Weltmission, für einen Jugendkreis, für Kinderarbeit. Das Buch schließt mit
einem Serviceteil (S. 191-207) mit nützlichen Adressen und
Literaturhinweisen. Fazit: ein vielseitiges, informatives und motivierendes
Praxis-Buch für junge Leute (und ihre Lehrer/Leiter), das auch theologische
und missiologische Themen einbezieht und den Mut mitbringt, kontroverse und
sich ergänzende Sichten (z.B. Berufung) zu thematisieren.
Dr. Friedemann Walldorf, em 2007-1.
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Collier, Richard. Der General Gottes - William Booth. Die Geschichte der Heilsarmee. Verlag der St. Johannis Druckerei,
Lahr-Dinglingen.
Als CT. Studd und
seine Braut Priscilla Stewart 1888 den Rest ihres gewaltigen Vermögens verschenkten, erhielt William Booth davon
den größten Teil; schon vorher war die Heilsarmee für die Ausweitung ihrer Arbeit in Indien mit 5000 Pfund bedacht worden.
Dies ist nur ein Beispiel von vielen für
die engen Beziehungen, die in den ersten Jahrzehnten zwischen der Heilsarmee und vielen interdenominationellen Glaubensmissionen bestanden und die auf gemeinsame Wurzeln in der Heiligungsbewegung zurückzuführen sind. Deswegen ist dieses Buch für alle, die sich für evangelikale Missionsgeschichte interessieren, eine hilfreiche und spannende Lektüre. Collier beschreibt
eindrucksvoll die Arbeit William Booths, seiner Frau Catherine, einer großen
Predigerin, und ihrer Kinder, von
denen zwei, Bramwell und Eva, später Generale der Heilsarmee wurden. Danach wird das Buch allerdings dem Anspruch, eine Geschichte
der Heilsarmee zu sein, wie es der
Untertitel sagt, nicht mehr gerecht. Es bleibt eine Biographie.
Daß das Buch keine Fußnoten hat, kommt der leichten Lesbarkeit zugute; daß es aber keine Quellenangaben macht, ist
Sparsamkeit am falschen Platz.
Klaus Fiedler,
em 1987-1.
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Conrad, Christa. Der Dienst der ledigen Frau in
deutschen Glaubensmissionen. edition afem, mission scripts Bd. 12. Verlag für Kultur und
Wissenschaft: Bonn, 1998.
Die Autorin ist theologische Lehrerin in Tansania. Sie
verknüpft in ihrer ursprünglichen Magisterarbeit theologische und missionsgeschichtliche
Aspekte mit ihrer persönlichen Erfahrung, ergänzt durch eine Umfrage unter
Missionsgesellschaften und ledigen Missionarinnen. Im ersten Teil stellt
Christa Conrad die Frage, inwieweit durch die Neugeburt in Christus ein
neues Miteinander von Männern und Frauen entsteht. Bei der Überlegung, ob
Galater 3,28 nur soteriologische oder auch funktionale Gleichheit meint,
kommt sie zu dem Schluß, dass Frauen und Männer in gleicher Weise gerufen und
begabt sind und überall mit den ihnen verliehenen Gaben dienen können.
Interessant ist der missionshistorische Teil des Buches.
In der frühen Missionsgeschichte waren Frauen Hilfskräfte. Mit Hudson Taylor
und dem Entstehen der ersten Glaubensmissionen wurden Frauen auch als
selbständige Pioniermissionarinnen eingesetzt. Taylor mußte seine Haltung
stark verteidigen, nannte auch praktische Gründe für seine Entscheidung,
doch im Vordergrund stand seine biblische Begründung. Als weiterer wegweisender
Vertreter dieser Sicht sei F. Franson erwähnt: „Alle verfügbaren Kräfte
müssen angesichts der nahen Wiederkunft des Herrn eingesetzt werden.“ Für
dieses Ziel galt es, Grenzen zu überwinden. Zur Evangelisation durch Frauen sagte
Franson, das Problem liege nicht in der Frage, was die Bibel lehrt, sondern
im Mangel an brüderlicher Liebe.
Catherine Booth, Charles und Priscilla Studd, Hedwig von
Redern und ihre adeligen Bekannten in Berlin sowie der DFMGB spielten eine
Vorreiterrolle für den Verkündigungsdienst der Frauen. In den deutschen
Glaubensmissionen galt anfangs: „Mit gutem biblischem Gewissen lassen wir
unsere Schwestern Evangelium verkündigen“ (H. Coerper). Doch schon bald
gingen Missionsgesellschaften dazu über, für Evangelisations-, Gemeinde- und
Lehraufgaben Frauen nur dort einzusetzen, wo Männer fehlten oder versagten.
Nur wenige Missionsgesellschaften gestehen Frauen die gleichen Rechte und
Pflichten wie Männern zu. Für viele ledige Missionarinnen bleibt eine Diskrepanz
zwischen ihren Gaben, ihrer persönlichen Berufung und dem, was Verantwortliche
in der Mission ihnen an Dienstmöglichkeiten zugestehen.
Frau Conrad fragt in ihrem Schlußsatz: „Ob es uns gelingt,
die große Vision der Väter und Mütter neu zu beleben: eine Leidenschaft zu
wecken, die stark genug ist, starr gewordene Strukturen zu durchbrechen,
damit alle Gaben, die der Herr Frauen und Männern schenkt, in der Mission
eingesetzt werden können?“ Eine Frage – und ein Buch, dessen Lektüre für Missionare
und Missionarinnen, sowie für Missionsverantwortliche befruchtend wirken
könnte.
Hanna Weiberle, em 1999-4.
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Cook, Guillermo (Hg.). New Face of the Church in
Latin America: Between Tradition and Change. Maryknoll/N.Y.: Orbis
Books, 1994.
Es ist spannend, was sich in Lateinamerika ereignet.
Unzählige Artikel und Bücher erschienen aufgrund der 500-Jahr-Feier des
lateinamerikanischen (katholischen) Christentums. Aber das Bild der
Christenheit wandelt sich. Heute gehen sonntags mehr Protestanten zum Gottesdienst
als Katholiken. Besonders Pfingstgruppen zeigen ein explosives Wachstum.
Bleibt dies so, wird das nächste Jahrhundert Lateinamerikas protestantisch.
Wie aber gehen Christen aller Couleur mit der zunehmenden Armut und der
sozialen und politischen Ungerechtigkeit um?
21 Artikel sammelte Guillermo Cook in diesem Band, der
die religiöse Situation Lateinamerikas beleuchtet. Cook ist Mitarbeiter
der ‘Latin American Mission’ und wirkte viele Jahre in Brasilien und Costa
Rica. Die Beiträge stammen von namhaften Autoren aus verschiedensten
kirchlichen Gruppen. Der Herausgeber hat sie in fünf Gruppen eingeteilt:
Teil 1: 1492-1992. Veränderung und Kontinuität (historisch); Teil 2: Die
Dynamik der Veränderung (v.a. sozioreligiös); Teil 3: Volksreligion:
Tradition und Veränderung (sozioreligiös); Teil 4: Regionale Studien (v.a.
soziopolitisch); Teil 5: Die Zukunft der lateinamerikanischen Kirche.
So verschieden die Autoren der einzelnen Artikel sind, so
verschieden sind auch ihre Akzente und die Qualität der Beiträge.
Insgesamt ist dieser Band für jeden Interessenten und
Kenner der religiösen und soziokulturellen Situation in diesem Kontinent ein
gut gelungenes Kompendium lateinamerikanischer Stimmen.
Martin Sachs, em 1997-3.
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Coomes, Anne. Festo Kivengere, Gottes Bote
für Afrika. Metzingen:
Ernst Franz Verlag, 1997.
Durchaus keine „Heiligenvita“ ist dieses Buch geworden,
sondern eine ausführliche, ehrliche Biographie des ersten afrikanischen Erweckungsevangelisten
von internationalem Rang. 1919 im Südwesten Ugandas als Hirtenjunge unter
nicht eben hoffnungsvollen Umständen geboren und anfänglicher Gegner des Christentums,
erwog Kivengere schon Anfang 20 Selbstmord als Ausweg. Er war lange Dorfschullehrer,
und die Schulbildung der Jugend blieb ihm sein ganzes Leben lang ein
Anliegen. Später wurde er Schulinspektor und – nach seiner Bekehrung –
Evangelist, der ganz Uganda, Tanganjika und Teile Kenias bereiste: „Den Preis
dafür zahlte die Familie. Die Kinder wuchsen praktisch ohne ihn auf“ (80). Es
folgten Studienzeiten in Europa, Amerika (1966 Master of Divinity) und
Australien. Kivengere wurde nicht nur bekannt als Übersetzer für Billy
Graham, sondern erhielt bald selbst weltweit Einladungen zu Evangelisationen.
1967 wurde er zum Priester ordiniert, 1972, kurz nach Idi Amins
Machtübernahme, zum Bischof geweiht. 1977 mußte er vor Idi Amin aus Uganda
fliehen und erlebte ganz persönlich, daß sein weiterer Dienst für Gott von
der für ihn sehr schweren Vergebung für Idi Amin abhing. – Zwar schildert das
Buch detailliert Kivengeres Lebensweg, es fehlt aber etwas an Zusatzinformationen
zu den erwähnten Namen von Personen und Organisationen. Mehr Hinweise hätte
ich mir auch gewünscht, wo es um Kivengeres geistlichen Werdegang und die
Prägung seiner theologischen Ansichten geht, wie z. B. seinen engagierten
Einsatz für die Frauenordination in seiner Diözese. 1988 starb Kivengere an
Leukämie.
Dr. Christine Schirrmacher, em 1997-3.
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Coomes, Anne. The Authorised Biography of Festo Kivengere. Eastbourne: Monarch,
1990.
Eine Biographie des weltbekannten Afrikaners in Englisch. Mit großem Engagement hat Anne Coomes, eine englische Journalistin, umfassende Recherchen vorgenommen und, mit der Zustimmung
von Festo Kivengere, Freunde, Kritiker und
seine Familie befragt.
Die umfangreiche Biographie des „Billy Graham von Afrika“ öffnet das Verständnis für die
von Missionaren beeinflußte Entwicklung des Enkels des letzten großen Königs
aus dem Stamme der Bahororo. Das Buch zeigt Festos Weg zum talentierten Pädagogen
und späteren Lehrer-Missionar in Tansania, zum leidenschaftlichen
Evangelisten und gleichermaßen geachteten
wie kritisierten Bischof Festo Kivengere. Die Geschichte dieses
unermüdlichen Weltreisenden in Sachen
Gottes ist untrennbar verbunden mit der Erweckungsge-schichte seines
Landes Uganda.
Die etwas ausführliche
Darstellung seiner
Kindheits- und Jugendjahre erhält ihren Sinn, wenn der Leser die Hintergründe für Festos unerschrockenes Auftreten vor Erzbischöfen und Präsidenten, vor Schwarzen und Weißen, vor Anglikanern und Charismatikern zur Kenntnis nimmt. Zum Beispiel zog der selbstbewußte
Afrikaner Festo Kivengere mit dem
Südafrikaner Michael Cassidy per „Tandempredigt“ sichtbar gegen die Apartheit
zu Felde.
Coomes ist es gelungen, den weltbekannten Prediger mit seiner biblisch-geistlichen Nüchternheit zu aktuellen Fragen sprechen zu lassen:
bleibende Erweckung ohne Gesetzlichkeit, politisches Handeln ohne
Parteinahme, Frau-enordination und klerikale Tradition, Theologie und
Weltkirchenrat, Liebe zu Katholiken, sozial-missionarischer
Einsatz für Flüchtlinge, das Verhältnis zu den Moslems u.a. Ein
kleines Manko: Der Biographie mit ihrer
ausreichenden Quellenangabe hätte ein Namens- und Sachregister
beigefügt werden sollen.
Konrad Brandt, em 1994-1.
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Corrie,
John (Ed.), Samuel
Escobar, Wilbert R. Shenk (Consulting Editors), Dictionary of Mission Theology: Evangelical Foundations. Nottingham, England: Inter-Varsity Press, 2007.
Das vorliegende missionstheologische Nachschlagewerk
enthält 166 Fachartikel von 139 Autoren. Über ein Drittel der Autoren kommt
aus Asien, Lateinamerika und Afrika, was bereits ein wesentliches Anliegen
der Herausgeber reflektiert, nämlich missiologische Herausforderungen
angesichts der Globalisierung und Polyzentralität christlicher Mission („from
every-where to everywhere“) aus evangelikaler und auch nichtwestlicher Perspektive
neu zu durchdenken. In der Einleitung skizziert der Herausgeber, John Corrie,
Tutor für Mission und Ethik am Trinity College in Bristol, England, das
Profil des neuen Lexikons: (1) die Integration von Theologie und Mission, die
in der westlichen Theologie oft vernachlässigt worden sei („all theological
categories are inherently missiological and all missionary categories are
profoundly theological", S. xv) und ein daraus sich ergebendes
holistisches Missionsverständnis ("it is the universal mission of God
which defines the scope of our involvement in it“, S. xvi); (2) eine
kontextuelle Sicht von Mission und Theologie; (3) ein klares und zugleich weiträumiges
evangelikales Profil, das traditionelle evangelikale Positionen (Autorität
der Bibel, Einzigartigkeit Jesu, Evangelisation) mit neuen evangelikalen
Themen (Heiliger Geist und Religionen, Ökologie, politisches Engagement
etc.) verbindet. Das neue Lexikon möchte sich gezielt von anderen
Nachschlagewerken unterscheiden und nicht „reproduzieren“ oder
„zusammenfassen“, was auch andernorts nachzulesen sei, sondern frisches und
originelles Missionsdenken an gegenwärtige Fragestellungen herantragen (S.
xv). Es enthält kaum deskriptive oder historische Artikel über Personen und
Organisationen, sondern konzentriert sich auf theologische Konzepte und
aktuelle Fragestellungen wie „AIDS“, „African Theology“, „Arts“, „Buddhist
relations“, „caste“, „culture“, „holistic mission“, „Muslim relations“,
„spiritual warfare“, „transformation“. (Unglücklicherweise fällt allerdings
gleich das erste Stichwort aus dem gesetzten Rahmen, da der Begriff
„accomodation“ in der zeitgenössischen Diskussion und Mission nur noch als
missionshistorischer Verweis eine Rolle spielt. Warum er hier zusätzlich zu
„contextualization“ eingefügt wurde, bleibt unklar). Bereits die Lektüre
einiger Artikel zeigt den innovativen Ansatz des Lexikons, aber auch seine
Grenzen. Auf beeindruckende Weise beschreibt J. Jongeneel im Artikel
„Mission theology in the 20th Century“ den methodischen Ansatz der Missionstheologie
und wichtige Beiträge des 20. Jahrhunderts. Er fordert dazu heraus, über
Boschs opus magnum hinauszudenken und die Erforschung von Paradigmenwechseln
in der Missionstheologie nicht nur von der Kirchengeschichte, sondern von den
Entwicklungen der Weltreligionen her zu denken. Die Geschichte und der
Beitrag der spezifisch evangelikalen Missionstheologie im 20. Jahrhundert werden
jedoch nur kurz gestreift. Kang-San Tan beschreibt aktuelle Positionen und
Herausforderungen für eine evangelikale „Theology of religion“ (sic) und gibt
Anregungen, über die gewohnte Exklusiv-Inklusiv-Pluralistisch-Dreiteilung
hinauszudenken. Dick Dowsett bietet nüchtern und informiert wesentliche Perspektiven
zur brenzligen Frage nach „hell/judge-ment“. H.W. Ritter (ÜMG) beschreibt
„Motives for mission“ in ihrer theologischen Entwicklung und als geistliche
Herausforderung für die Zukunft. D.E. Singh bietet einen interessanten
Überblick zu christlich-muslimischen Beziehungen („Muslim relations“) und
diskutiert die Kontextualisierungsmodelle C1-C6. Worin allerdings der Bezug
seiner Beschreibung christlicher Naturerlebnis-Reisen (S.255) zum Thema besteht,
wird nicht recht deutlich. K. Rajendran unterzieht das Konzept der „Unreached
peoples“ einer kritischen Analyse und bietet dabei interessante und wichtige
Einsichten aus indischer Perspektive, die ursprüngliche Definition und
Entwicklung des Konzepts in der evangeli-kalen Missionstheologie wird jedoch
nicht dargestellt. Der Artikel zu „Theology of Mission“ bietet ein gute
Typologie und methodische Hinweise zur Missionstheologie; nicht ganz zutreffend
scheint die Feststellung, dass das heilsgeschichtliche Denken in der
katholischen und evangelikalen Missionstheologie (mit der Ausnahme von Rene
Padilla) keine besondere Rolle gespielt habe (S. 382). Als methodisch problematisch
empfinde ich den Artikel „managerial missiology“, der nicht deutlich macht,
dass es sich bei diesem Begriff um eine polemische Fremdeinschätzung und eine
(sicherlich nicht ganz unberechtigte) kritische Sichtweise, aber nicht um
eine objektive Darstellung der Missiologie D. McGavrans, der
Church-Growth-Schule und der AD-2000-Bewegung handelt. Auch die Herkunft des
Begriffs selbst wird nicht belegt. Im Blick auf die Auswahl der Stichworte
(die natürlich immer selektiv sein muss) fällt auf, dass Artikel zu
Stichworten wie attrition (die vorzeitige Rückkehr von Missionaren, vgl. die
umfangreichen WEA-Forschungen dazu), member care, violence/war sowie zu Bible/hermeneutics/epistemology
fehlen. Auch fällt auf, dass gerade angesichts des ansonsten überzeugenden
polyzentrisch-globalen Ansatzes Artikel zu Asien, Afrika und Lateinamerika
als Bezugsfelder kontextueller Theologie vorhanden sind („Asian theology“
etc.), Artikel zu Europa und Nordamerika aber trotz wichtiger kontextuell-missions-theologischer
Beiträge und Entwicklungen dort fehlen. Diese kritischen Anmerkungen sollen jedoch
nicht von dem großen Wert dieses Nachschlagewerks ablenken.
Es bietet auf 461 Seiten eine Vielzahl gründlich
recherchierter und innovativer Perspektiven, einen bisher einzigartigen
Überblick und Einblick in aktuelles globales evangelikales Missionsdenken
(vor allem im anglophonen Raum), das sich neuen Herausforderungen stellt,
Kategorien erweitert, sich altem Lagerdenken verweigert und dem Beitrag
evan-gelikaler Theologen aus der nichtwestlichen Welt einen angemessenen und
prominenten Platz einräumt. Das neue Wörterbuch stellt eine gute Ergänzung
zum umfassenderen Evangelical Dictionary of World Missions (2000) dar und ist
ein wichtiges und nützliches Werkzeug für Missiologen, Bibliotheken und theologisch
Interessierte mit globalem Horizont.
Dr. Friedemann Walldorf, em 2008-4.
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Crossman, Eileen. James O. Fräser. Der Bergsteiger Gottes, Bielefeld: Christliche Literatur-Verbreitung, 1994.
In dieser packenden Biographie erzählt Eileen Crossman die
Geschichte ihres Vaters James Fräser, der trotz zweimaliger Ablehnung durch die China-Inland-Mission seinen Weg zu den entlegensten Völkern im Grenzland Chinas zu Burma
und Thailand suchte, um ihnen das Evangelium
zu bringen.
Hier wird jedoch nicht an der Legende des „Fräser vom
Lisuland“ weitergearbeitet, kein übermenschlicher Glaubensheld gezeichnet,
sondern der Mensch James Fräser, der in seiner Schwachheit, seinen Zweifehl
und seinen täglichen Kämpfen mit sich
selbst und den Gefahren einer
unbekannten Umwelt von Gott als sein Werkzeug für die Mission unter
den Bergvölkern (Lisu, Karen) gebraucht wird.
Lebendig wird das Buch durch die vielen Zitate aus den
Tagebüchern Fräsers, die den Leser
unmittelbar in seine Begegnungen mit den
Menschen um ihn herum einbeziehen. Zusammen mit den sorgfältigen Recherchen Crossmans trägt dies zu einem eindrucksvollen und
realistischen Bild Chinas und der Aufgaben
eines Missionars in den Randgebieten Chinas
bei. Durch die Zitate wird das Buch darüberhinaus zu einer wichtigen Quelle
für weitere Arbeiten über eine Missionsgeschichte Chinas.
Ein besonderer
Verdienst Frau Crossmans ist es, die Geschichte der unter ihrem Vater
entstandenen Gemeinden bis in die Gegenwart hinein darzustellen. Insgesamt
ist dieses spannende Buch eine rundum gelungene Kombination einer
realistischen Biographie James Fräsers,
einer Quellensammlung und eines Beitrages
zur Kirchengeschichte der südchinesischen Völker.
Stefan Müller, em 1995-4.
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Dahling-Sander, Christoph; Andrea Schultze, Dietrich Werner, Henning
Wrogemann (Hg). Leitfaden Ökumenische Missionstheologie.
Gütersloh: Chr. Kaiser/Gütersloher Verlagshaus, 2003.
Das vorliegende
Einführungswerk ist motiviert von der Erkenntnis, dass christliche Mission „alles
andere als nur ein vergangenes Phänomen“ ist: „Mission, der spannungsvolle
Prozess der Kommunikation und neuen Inkulturation des christlichen Glaubens …
ist in vollem Gang“ (S.10). Das Zentrum der Aktivität liege in den Ländern
des Südens und die Kirchen Europas brauchten Neubelebung aus dieser Richtung.
Darum sind die Herausgeber aus dem Umkreis der „Arbeitsgemeinschaft
Ökumenische Forschung“ (AÖF seit 1988) auch überzeugt, dass
Missionswissenschaft als Fachdisziplin auch in Deutschland nicht etwa
gestrichen, sondern „ausgebaut zu werden verdient“. Das vorliegende
Kompendium zeigt, wie das aussehen kann und gibt erste Einblicke in die
vielfältigen Themen- und Forschungsbereiche dieser Disziplin, die im Titel
(etwas reduktiv) als „Missionstheologie“ bezeichnet wird. Die folgenden fünf
Zugänge werden in 32 Aufsätzen näher beleuchtet: 1. „Mission in Geschichte
und Wissenschaft“ (S.17-112). Hier werden hermeneutisch-methodische
Grundfragen und historische Zusammenhänge thematisiert. Dabei wird deutlich,
dass auch das Missionsverständnis der Herausgeber nicht homogen ist.
Wrogemann definiert Mission und die damit verbundene Wissenschaft durch die
interkulturelle und interreligiöse Begegnung. Die Beschäftigung mit dem
deutschen Kontext gehört für ihn darum nicht zur Missionswissenschaft,
sondern zur Praktischen Theologie. Werner hingegen, dessen Ansatz ich hier
für richtig halte, entfaltet gerade einen missionswissenschaftlichen Ansatz
für Deutschland (vgl. unter 5.). Die biblische Fundierung von Mission (R.
Achenbach, S.32-50) bleibt missionstheologisch an der Oberfläche und wird
auch in ihrer Kürze der großen Relevanz biblischer Theologie für das
missiologische Denken und der Forschungsarbeit in diesem Bereich (z.B. BISAM,
Okure, Köstenberger/Obrien, Glasser, Van Engen, Stuhlmacher, Schnabel etc.)
nicht gerecht. Hier liegt ein Schwachpunkt des Sammelbandes.
2. „Konfessionelle Profile“ (S.113-246). Hier stellen
orthodoxe, römisch-katholische, protestantische, baptistische, evangelikale,
pfingstliche und ökumenische Vertreter Grundlinien ihrer jeweiligen Sicht zur
Mission vor. Ein wichtiges Kapitel, das die ergänzende und reiche Vielfalt
missionstheologischer Perspektiven der weltweiten Gemeinde Jesu Christi
deutlich macht. Dies ist eine große Stärke des vorliegenden Bandes.
3. „Mission, Dialog und Religionen“ (S.247-318). Hier
untersucht C. Lienemann-Perrin die vielfältigen Zusammenhänge zwischen
Mission und Dialog, U. Grabe argumentiert (m. E. gegen Paulus und das NT),
dass die christliche „Mission“ am jüdischen Volk gerade darin bestünde, es
gerade nicht für Christus gewinnen zu wollen. Fragwürdig ist m. E. auch die
von Klaus Hock vorgestellte einseitige historische und religionswissenschaftliche
Betrachtungs- und Anwendungsweise des Fundamentalismus-Begriffs, die
gegenteiliger Beteuerungen zum Trotz zu einer recht undifferenzierten
Zusammengruppierung katholischer, evangelikaler und islamischer Richtungen
führt. Hock schlägt zwar vor, man solle im Blick auf Evangelikaie und
Fundamentalisten doch „um eine zumindest grobe (!) Differenzierung bemüht
sein“ (S.306), schafft es aber dennoch immer wieder Pietisten und Evangelikaie
in die Nähe des Fundamentalismus zu rücken, indem er „Gemeinsamkeiten“ und
„fließende Übergänge“ betont.
4. „Mission, Partnerschaft und Globalisierung“ (S.319-456)
befasst sich mit aktuellen Strukturen und Themenbereichen weltweiter Mission.
U. a. macht C. Währisch-Oblau auf die missiologische Relevanz v. a. afrikanischer
Migrationskirchen in Deutschland aufmerksam. Weitere wichtige Themen in
dieser Sektion sind: Gewalt, Frauen, Heilung, Entwicklung, Partnerschaft.
5. „Mission in den Kontexten der Welt“ (S.457-562) bietet
inspirierende regional-kontextuelle Perspektiven: Afrika (M. Roser), Asien
(K. Schäfer), Lateinamerika (Dahling-Sander). Wichtig ist, dass auch Europa
und Deutschland als eigene missionarische Kontexte untersucht werden (Ionita,
Werner). Meine historisch-kontextuell-theologische Untersuchung zu ökumenischen
Missionstheologien für den europäischen Kontext in den Jahren 1979-1993 (Die
Neuevangelisierung Europas, Gießen/Basel, 2002), die u. a. auch auf die
Beiträge des Europäischen Lausanne Kommittees eingeht, wurde hier noch nicht
wahrgenommen. Dietrich Werner fordert mit Recht dazu auf, die Frage nach
einer Missiologie für den Westen aus deutscher Perspektive durchzubuchstabieren
und praxisrelevant zu bündeln. Erste wichtige Anregungen hierzu hat die
Jahrestagung 2004 der DGMW in Zusammenarbeit mit der AMD bereits gegeben
(vgl. Zeitschrift für Mission 3 und 4/2004). Das vielseitige und wichtige
Werk schließt ab mit einem Verzeichnis missiologischer Zeitschriften und
Standardwerke, von Anschriften aus dem Missionsbereich sowie der Herausgeber
und Autoren. Aus evangelikaler Sicht erfreulich und anerkennenswert ist, dass
mit dem Aufsatz von Bernd Brandl „Mission aus evangelikaler Perspektive“
(S.178-199) und auch die Arbeit des Arbeitskreises für evangelikale
Missiologie (AfeM) zumindest ansatzweise thematisiert wird (leider fehlt ein
Hinweis auf den AfeM im Adressen-Anhang. Die Zeitschrift „Evangelikale
Missiologie“ wird allerdings aufgelistet). In Spannung zu dieser erfreulichen
Tatsache steht die oben bereits kritisierte und m.E. verzeichnende
Einordnung von Pietismus und evangelikaler Theologie in die verallgemeinernde
und tendenziöse Kategorie „Fundamentalismus“ (Aufsatz von K. Hock, S. 306ff).
Hier möchte ich Herrn Hock und auch den Herausgebern die Frage stellen: gibt
es wirklich mehr Gemeinsamkeiten zwischen islamischen Fundamentalisten und
Evangelikaien, als beispielsweise zwischen „evangelikalen“ und ökumenischen“
Missionstheologen? Verzerrt ein verallgemeinernd religionswissenschaftlicher
Gebrauch des Fundamentalismus-Begriffs hier nicht grundlegende
hermeneutische, ekklesiologische und missiologische Zusammengehörigkeiten?
Sollten wir hier nicht gemeinsam an einer neuen Sichtweise arbeiten? Ein
erster Schritt ist (nicht nur) mit diesem Band ja schon getan.
Dr. Friedemann Walldorf, em 2005-2.
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Damson, Erwin. Gezeichnet Mielke - Streng
geheim! Hänssler Verlag:
Holzgerlingen, 1999.
Ein wenig spektakulär klingt der Titel schon. Alltäglich
sind die schlaglichtartigen Berichte auch nicht. Erwin Damson, Leiter des Missionswerkes
„Licht im Osten“ (LiO), berichtet sehr persönlich über die Facetten seiner
Arbeit in den Jahren der kommunistischen Diktaturen. Von ihnen wurde ihrer
Ideologie entsprechend Religion mit allen Mitteln bekämpft. Besonders
zielten sie auf jede Art von Literatur, speziell auf die Verbreitung der Heiligen
Schrift. Damson schildert sehr ehrlich die Spannung zwischen missionarischer
Nächstenliebe und dem bewußten Verstoß gegen Gesetze der Ostblockländer.
Er glorifiziert die ‘Ostlandfahrer’ nicht und zeigt realistisch die Belastungen,
wobei das Risiko für die Empfänger ohnehin viel größer war, denn ihr Leben
war bedroht.
Damson vertritt die Meinung, daß die Arbeit von LiO
unverzichtbar für die Ausbreitung des Evangeliums war. Zahlreiche Christen
aus den verschiedenen westlichen Ländern stellten sich für diese Arbeit zur
Verfügung. Das Klischee vom seichten Christentum läßt sich angesichts dessen
nicht aufrecht erhalten. Ausführlich geht Damson auf einen erschütternden
Fall ein. Ein Bruder verriet unter anderem Aktionen von LiO an die ‘Stasi’.
Diese hatte ihn zielstrebig eingeschleust. Unübersehbarer Schaden entstand,
zahlreiche Personen und Familien wurden gefährdet. Erschreckend, daß der
IM Pastor war und sich als Evangelist allgemeiner Wertschätzung erfreute.
Auf die Wurzeln der verbrecherischen Heuchelei geht Damson nicht ein. Fragen
danach bleiben.
Als Empfänger und Transporteur von Literatur darf ich
zustimmen: Geld, Anstrengung, Angst und Risiko waren gut angelegt.
Richard Bergmann, em 2000-1.
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Daniels,
Eugene. A
Protestant Looks at the Catholic Church in Mission. Highlights
of Church Teaching since 1891.
Monrovia, California: MARC, 1993.
Daniels, Baptistenpastor und seit 1963 vollzeitlicher
Mitarbeiter bei World Vision, arbeitete zwischen 1983 und 1991 auf den
Philippinen an positiven Beziehungen
zwischen World Vision und
katholischen Bischöfen. Er versucht in seiner Studie zu zeigen, daß in der katholischen Missiologie Entwicklungshilfe und Evangelisation zwei wichtige Komponenten sind. Die Tatsache, daß Evangelikaie und Katholiken
hier übereinstimmen sowie die ökumenische
Offenheit der Katholiken bilden einen Imperativ, der dringend eine
positive Reaktion der Evangelikaien
erfordert. – Ob Daniels Wunsch sich allerdings in der Praxis
verwirklichen läßt bzw. verwirklicht werden sollte, bleibt fraglich.
Andreas Wieland, em 1995-2.
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Danyun. Aufbruch im
Reich der Mitte. Zeugen der Erweckung in China berichten. Wiesbaden:
Projektion J, 1994.
Auf fast 400 Seiten
wird hier eine unausgewogene Mischung aus Geschichte und Gegenwart,
aus Möglichem und offensichtlichen Lügen präsentiert, die sich im Vorwort gar
selbst als eine Sammlung von Berichten aus
China bezeichnet.
Schon bei geringstem Vorwissen über China müssen diese Geschichten äußerst fragwürdig erscheinen.
Während die Kirche in China blüht und die 10-millionenste Bibel gedruckt
wird, versucht der Autor uns weiszumachen,
der
Gebrauch des Namens Jesu stünde in China unter Strafe. Damit rechtfertigt er dann die Fülle an Geschichten über Verfolgungen, die mit
sadistischer Freude die grausamsten Details der Folterpraktiken ausmalen. Im
tragischsten Falle handelt es sich dabei um reale Schicksale, deren Leid
während der Zeiten der Verfolgungen
(1966-1976) dem Leser nun etwas Nervenkitzel und dem Buch eine höhere
Auflage verschaffen sollen.
Der theologische
Standpunkt des Autors und seiner Gruppe ist eindeutig: Während es in Nordost-China auch neben der 3-Selbst-Kirche
bereits Hausgemeinden nahezu aller Konfessionen
gibt, gehen sie davon aus, daß sie dort die ersten „wirklichen Christen“ sind. So gewinnt diese Sekte ihre Anhänger vor allem aus
den Kreisen der chinesischen Kirche („Durch ihren Einfluß kamen mehrere hundert Menschen aus der 3-Selbst-Kirche heraus“, 355). Beweis des
wahren Christseins eines Menschen ist für sie
die Fähigkeit zum Heilen und Wundertun.
Zusammenfassend muß
man sagen, daß dieses Buch in
Deutschland zur Verwirrung über die
Lage der chinesischen Kirche beitragen soll, so wie in China die
„Missionare“ der pfingstlerischen Sekte, die in diesem Buch als Helden auftreten, zur Verwirrung der chinesischen Christen und zur Zersetzung der einheimischen
Kirchen ihren unheilvollen Beitrag leisten.
Stefan Müller, em 1995-4.
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Danz, Christian; Ulrich H.J. Körtner (Hg.). Theologie der Religionen:
Positionen und Perspektiven evangelischer Theologie. Neukirchen:
Neukirchener Verlagsgesellschaft, 2005.
Der vorliegende Sammelband ist herausgegeben von den
systematischen Theologen C. Danz und U.H.J. Körtner, die beide an der
Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien lehren. Unter den
weiteren Autoren befinden sich mit R. Bernhardt (Basel), J. Fischer (Zürich),
M. Hüttenhoff (Uni Saarland), D. Korsch (Marburg), A. v. Scheliha (Osnabrück)
weitere fünf systematische Theologen, mit D.-M. Grube (Utrecht) ein
Religionsphilosoph und Ethiker und mit U. Tworuschka (Jena) der einzige Religionswissenschaftler.
Missionswissenschaftler sind nicht beteiligt.
Die Veröffentlichung versteht sich als Beitrag zur neueren
Theologie der Religionen, die immer noch ausgehend von der konzeptionellen
Trias von Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus gleichzeitig versucht
diese zu erweitern (etwa durch den Ansatz der komparativen
Religionstheologie), und die sich weiterhin mit dem noch ungelösten
Grundproblem „der Vermittlung der Geltung der eigenen Religiosität mit einer
positiven Würdigung fremder Religionen“ (VI) beschäftigt. Der Band soll die
gegenwärtige „Differenziertheit und Breite der Debattenlagen … in der
gegenwärtigen evangelischen Theologie“ (VI) vermitteln. Die Einleitung der
Herausgeber bietet einen guten Überblick über die Beiträge des Buches, das
die Thematik in vier Teilen bearbeitet. Im ersten Teil legt Uwo Tworuschka
die religionswissenschaftlichen Grundlagen, nach denen bereits die Begriffe
„Religion“ und „Gott“ weder allgemeingültig definiert noch interreligiös
harmonisiert werden dürfen. Im Gegensatz zur älteren Religionswissenschaft,
die nach Harmonie suchte, betont die neuere die Differenziertheit und Komplexität
religiöser Realitäten und Prozesse: es glauben eben nicht letztlich alle an
den selben Gott. Im zweiten Teil des Buchs wird dieser Befund vertieft und
theologisch reflektiert. A. V. Scheliha ist der Meinung, dass man nicht von
festen Religionen, sondern eher von synkretistischen „Verflüssigungen und Austauschprozessen“
ausgehen und diese in einer Theologie der Religionen berücksichtigen müsse. U.
Körtner plädiert für einen metakritischen Inklusivismus, der seine eigene
Standortrelativität zugibt, aber andererseits an dem evangelischtheologischen
Kritierium festhält „ob Christus als letztgültige Heilsoffenbarung die Mitte
des Glaubens bleibt oder ob er einem anderen religiösen Heilsereignis …
untergeordnet wird“. In den fremden Religionen sei der biblische Gott als der
verborgene Gott zu sehen, eine Anfechtung für den Glaubenden, die aber
letztlich aus der Mitte des Heilsereignisses in Christus interpretiert
werden könne. Im dritten Teil des Buchs plädiert R. Bernhard für einen
„mutualen Inklusivismus“, die im Gegensatz zum Pluralismus im eigenen Glauben
selbstkritisch wurzelt (nicht in Meta-Theorien), aber die authentische Offenbarung
Gottes auch in anderen Religionen zugesteht. M. Hüttenhoff verbindet
pluralistische Religionstheologie mit der Rechtfertigungslehre. Er hält es
für theologisch legitim, die ev. Rechtfertigungslehre von ihrer Bindung an
die Überzeugung, dass Tod und Auferstehung Christi objektiv heilskonstitutiv
sind, zu trennen. Übrig bleibt das Prinzip Gnade und Glaube an einen
heilschaffenden Gott, das auch in anderen Religionen zu finden sei. Konkret
wird das am Beispiel der indischen Bhakti-Frömmigkeit beschrieben. Dennoch
bleibe diese Theologie im eigenen konfessionellen Glauben verwurzelt, die
reduzierte ev. Rechtfertigungslehre bleibe Maßstab für eine angemessene
Gottesbeziehung, die nicht in allen Religionen zu finden, aber doch in ihnen
jederzeit möglich sei. Im letzten Teil des Buchs plädiert D. M. Grube dafür,
die Wahrheitsfrage (die offen bleiben muss) von der kon kreten Gestaltung
des religiösen Pluralismus zu trennen. Abschließend führt D. Korsch anstelle
von „Wahrheit“ den Begriff der „Lebensdeutung“ ein. Religionen vermitteln
nicht Wahrheit, sondern bieten die Möglichkeit zur notwendigen Deutung und
Bearbeitung der „Asymmetrien“ des Lebens. In diesem Sinn könne man Religionen
aufwerten. Der Maßstab ist, „ob sie über eine hinreichende interne
Differenziertheit verfugen, die es ihnen erlaubt, mit gesellschaftlicher
Komplexität umzugehen“ (S. 12). In der Tat bietet dieser Band gegenüber den
Konzeptionen von Hick und Knitter neue Perspektiven durch seine durchgehende
Betonung der empirischen Differenzerfahrungen zwischen den Religionen und der
Betonung der „Unhin-tergehbarkeit“ eigener Voraussetzungen. Hier wird nicht
mehr vorschnell von Konsens und Einheit gesprochen, sondern religionswissenschaftlich
und hermeneutisch differenzierter hingeschaut. Andererseits stellt sich die
Frage, ob die Versuchung der Metatheorie hier z. T. nicht nur neue,
konfessionell gewandete Formen annimmt, etwa in dem Versuch Hüttenhoffs eine
abstrahierte ev. Rechtfertigungslehre mit einer bestimmten Formulierung von
Bhakti-Frömmigkeit auf einen Nenner zu bringen. Diese reduzierte
Rechtfertigungslehre ist m. E. eben auch ein Meta-Konstrukt. Insgesamt bietet
dieser Band einen guten Einblick in die religionstheologische Diskussion aus
systematisch-theologischer, evangelischer und deutschsprachiger Perspektive.
Leider fehlt dabei die Perspektive der Missionswissenschaft. Da ist doppelt
schade, einmal angesichts der Tatsache, dass die theologische Reflexion der
Religionen einen wichtigen Ursprung und Ort in der christlichen Mission hatte,
sowohl im Neuen Testament (Paulus in Athen) als auch in der Kirchengeschichte
(z.B. B. Ziegenbalg 1706), zum anderen, weil Missionswissenschaftler wie L.
Newbigin, D. Bosch, T. Sundermeier oder P. Peterhaus wichtige Beiträge
geleistet haben. Dennoch und gerade deswegen ist das Buch für
Missionswissenschaftler eine wichtige Lektüre und Anregung.
Dr.
Friedemann Walldorf, em 2005-4.
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Deane,
Hudson. Good
and Faithful - New Zealand Missionaries and their experience of attrition.
Mairangi Bay, Neuseeland: Daystar
Publications Trust, 2008.
Warum brechen Missionare ihren Einsatz ab, und wie lässt
sich dies vermeiden? Dies sind zwei entscheidende Fragen in der modernen
Weltmission, denn eine vorzeitige Rückkehr ist oft mit zerbrochenen
Lebensperspektiven, enttäuschten sendenden Gemeinden, ja Zweifeln an Gottes
Führung, unterbrochenen Projekten und immenser Fehlinvestition verbunden.
Hudson Deane hat diese Fragen so vielen evangelischen Missionaren gestellt,
wie er nur irgendwie erreichen konnte. Während andere Studien meist
Missionsleiter befragten, hat Deane die Betroffenen selbst zu Wort kommen
lassen: 92 neuseeländischen Missionare von 19 Missionswerken wurden mit
Fragebogen und ausführlichem Telefoninterview befragt, und er tat dies auf
einfühlsame Weise, um möglichst ehrliche Antworten zu erhalten.
Dabei traten einige unerwartete Ergebnisse zutage.
Beispielsweise benennen Missionsleiter oft zwischenmenschliche Konflikte als
Hauptgrund für die Rückkehr, während die Missionare vor allem familiäre
(14.3%), arbeits- (13.2%) sowie werksbezogene (10.7%) Gründe benannten, und
Konflikte mit Kollegen (2.6%) erst auf den 13. Platz kam - entgegen
landläufiger Meinung. Dieser drastische Unterschied verdeutlicht, dass
Missionsleiter und betroffene Missionare durchaus unterschiedliche Überzeugungen
haben können, die sich gegenseitig ergänzen und Teil des Gesamtbildes
darstellen. Die Gründe für die Rückkehr sind auch vom Familienstand der
Missionare abhängig: Während Singles vor allem unter Arbeitsüberlastung
(9.0%), emotionalem (7.8%) und kulturellem Stress (7.2%) sowie Mangel an
persönlicher Unterstützung (6.8%) leiden, macht den Verheirateten vor allem
die Ausbildung ihrer Kinder (15.3%) und der Abschluss von Projekten (10.9%)
zu schaffen. Missionare werden in jedem Zivilstand und jeder Lebenssituation
herausgefordert und benötigen spezifische persönliche Unterstützung und
Leitung. Das wird auch im Kap 4 deutlich, in dem der Autor die Antworten nach
den verschiedenen Altersgruppen in der Mission untersucht: Während den
Pionieren (geb. vor 1946, engl. Boost ers) vor allem ihre physische
Gesundheit, mangelhafte Mitwirkung bei Entscheidungen und emotionaler Stress
zu schaffen machten, setzt den baby boomers (geb. 1946-64) vor allem die
Ausbildung ihrer Kinder, emotionaler Stress, Pflege ihrer Eltern und
Arbeitsüberlastung zu und den Gen X-ern (geb. 1965-83) der kulturelle Stress,
physische Gesundheit, Einsamkeit und mangelnde persönliche Erfüllung im
Dienst. Was können sendende Gemeinden, Ausbildungsstätten, Missionswerke und
Gemeinden im Einsatzland beitragen, um die vorzeitige Rückkehr zu reduzieren?
Auf diese Frage machten die drei genannten Altersgruppen an Missionaren
jeweils ganz konkrete Vorschläge, die sehr bedenkenswert sind und den Weg in
die Zukunft der Mission weisen. Das abschließende Kapitel befasst sich mit
den Stärken und Schwächen der neu aufkommenden Generation an Mitarbeitern,
üblicherweise Gen Y (geb. 1984+) genannt. Deane fordert vor allem flachere
Hierarchien in Missionswerken, neue Ausbildungsmodelle, Lernen im Team und experimentelles
Lernen, Partnerschaften von sendenden Gemeinden, Ausbildungsstätten und
Missionswerken, kontinuierliche Weiterbildung, integrierte Lernprogramme und
weist auf die entscheidende Rolle der Gemeinde im Einsatzland hin, ob und
welche Missionare eingeladen werden. Diese Maßnahmen sind erforderlich, damit
die neue Generation ihren Platz in der Mission findet, so Deane. Damit weist
die Studie weit über den nationalen Horizont von Neuseeland hinaus und
beleuchtet grundsätzliche Aspekte der modernen Weltmission. Die statistische
Basis ist zwar begrenzt, doch das Werk bietet umfassende Inspiration und
Reflektion für jeden, der mit der Sendung und Betreuung von Missionaren
befasst ist: Gemeindeälteste, Pastoren, Bibelschullehrer, Missionsleiter,
Missionare... Der Stil ist zwar etwas nüchtern und weniger unterhaltsam (da
der Autor die Vertraulichkeit der Interviewten mit allen Mitteln wahren
wollte), doch ist das Werk eine Pflichtlektüre für alle, die in Gottes
globaler Mission mitarbeiten.
Dr. Detlef Blöcher, em 2008-4.
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Decker, Rudolf. Ruanda: Tod und Hoffnung im
Land der Tausend Hügel.
Begegnungen und Eindrücke 1. Hänssler-Verlag, 1998.
Decker, Rudolf. Im innersten Afrika: Hutu und
Tutsi zwischen Vernichtung und Versöhnung. Begegnungen und Eindrücke 2. Neuhausen:
Hänssler-Verlag, 1998.
Ein Umdenken macht sich bemerkbar. In einem evangelikalen
Verlag erscheinen nun auch Bücher politischen Inhalts. Das ist zu begrüßen;
haben doch die Christen den Geruch, weltfremd und -fern zu leben. Sagen wir,
ein Anfang ist gemacht; denn es geht in den Büchern um den fehlenden Frieden
in einer immer noch fernen Weltregion, die einen Mordrausch überstehen
mußte, der bis heute noch nicht völlig abgeklungen ist. Über hundert Jahre
Christentum und ein halbes Jahrhundert der Erweckung haben die Feindschaft
zwischen zwei gegnerischen Ethnien Afrikas nicht entscheidend schwächen
können. Hier sind auch politische Lösungen gefragt.
Der Autor ist Bundestagsabgeordneter und hat von der amerikanischen
Gebetsfrühstücksbewegung her den Gedanken der Verantwortung vor Gott und
den Menschen im Blick. seinen Gesprächspartnern bot er an, zu diesem
Freundeskreis von Politikern hinzuzustoßen. In erzählendem Ton und nicht auf
wörtliche Genauigkeit der wiedergegebenen Dialoge bedacht, entfaltet Rudolf
Decker die erstaunliche Geschichte politischer Vermittlung in einem
ethnischen Konflikt, der mehrere afrikanische Staaten in Atem hält. Sie
geschah auf höchstem Niveau: Alle Präsidenten der Region trifft der Leser in
den beiden Büchern wieder.
Das erste, eine überarbeitete Fassung des 1995 noch anonym
erschienenen Buches, setzt einige Jahre vor der 1994 ausbrechenden Katastrophe
in Ruanda ein. Der später in einem Flugzeug abgeschossene, verstorbene Präsident
kam auf Decker zurück, um in der schwelenden Auseinandersetzung das Gesetz
des politischen Handelns wieder an sich zu reißen. Doch die Bemühungen
scheiterten. Das tat dem Optimismus des Autors keinen Abbruch, der unermüdlich
weiterhin überwiegend auf dem Luftwege einer Pendeldiplomatie den Vorzug
gab, die um die Variante der geistlichen Wortbetrachtung und des Gebets
bereichert wurde. Vielleicht muß man dem Autor eine zu positive Bewertung der
Wirksamkeit solcher Rahmenhandlungen ankreiden. In diesem Gebiet des
christianisierten Afrika ist man vielfach aus Gewöhnung religiösen Riten
gegenüber aufgeschlossen. Mir fiel in diesem Zusammenhang auch in den
Büchern die fast formelhafte Erwähnung Gottes als dem Unsichtbaren je öfter
je mehr störend auf.
Gut kommt in den Büchern heraus, daß Vorwürfe und
Mißtrauen das Denken der Politiker beherrschen. Statt auf Gewalt muß in
diesen Umständen auf politische Räson und persönliche Kontakte gesetzt
werden. Decker und seine Mitstreiter gaben nicht auf - hier beweist der
CDU-Politiker seine überparteiliche Einstellung; er kann den SPD-Mann
Hans-Jochen Vogel zu seinem Kreis zählen. Sie luden sogar nach Deutschland
ein, um alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen.
Das zweite Buch fährt mit den Folgeereignissen ab 1996 im
gleichen Stil fort. Das Krisengebiet verlagerte sich nun in das südlich von
Ruanda gelegene Burundi. Der Bürgerkrieg in Zaire - jetzt Demokratische Republik
Kongo - wird nur am Rande wahrgenommen, denn dort ist die Vermittlung Deckers
nicht gefragt. Nur der persönliche Kontakt zu Mobuto wird erwähnt.
Spätestens hier wird klar, daß die christliche Initiative zur Völkerverständigung
den freundschaftlichen Umgang mit dem aus deutscher Sicht verhaßtesten
Staatsführer sucht und ohne erkennbare innere Skrupel pflegt - eine ethische
Entscheidung zugunsten der Träger politischer Verantwortung.
Decker beschreibt die Gastfreundschaft Afrikas. Er nimmt
auch den Leser auf den Besuch einer katholischen Missionsstation und auf
Safaris durch Nationalparks mit. Da nur seine Einsätze dargestellt werden –
die allerdings durch eingestreute Analysen der politischen Situation
begleitet sind und so alle Konfliktparteien erfassen – tritt die Ungeheuerlichkeit
der Bürgerkriege und des Völkermordes etwas in den Hintergrund. Das Auge des
Betrachters ruht da schon eher auf der ärmlichen Kleidung vieler Afrikaner
und betont auf diese Weise den Gegensatz zu ihren gut betuchten Politikern
um so deutlicher.
Die in zeitlicher Reihenfolge angeordnete Erzählung gibt
ein realitätsgetreues Bild Afrikas mit seinen Schönheiten, Hindernissen und
präsidialen Wohnsitzen wider. Ich kann die leicht lesbaren Bücher als gute
Ergänzung zu den Berichten der Missionare Ostafrikas empfehlen.
Winfried Schwatlo, em 1999-3.
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Decorvet, Jeanne. Samuel Ajayi Crowther. Un père
de l’Église en Afrique noire. Foi vivante
309. Édition des Groupes Missionnaires/Les Éditions du Cerf: La
Côte-aux-Fées/Paris, 1992.
Dem Leben des ersten schwarzen anglikanischen Pastors ist
dieses Buch gewidmet. Der wohl 1806 geborene Ajayi wurde als Teenager von
Sklavenjägern gefangengenommen, auf dem Weg in die Gefangenschaft jedoch von
einem britischen Schiff befreit und nach Freetown, Sierra Leone, gebracht.
Dort kam er zum Glauben und war einer der ersten Schüler auf der
neugegründeten Missionarsschule der Anglikaner in Foura Bay bei Freetown, in
der er später auch Direktor wurde. Weitere wichtige Stationen seines Lebens
sind seine Ordination 1843 und die Weihe zum Bischof 1864.
Crowther nahm an einigen Forschungsreisen auf dem Niger
teil und gründete die Niger-Delta-Mission. Durch den stärker werdenden Druck
der Briten wurde er mehr oder weniger unfreiwillig zu einer wichtigen Figur
der afrikanischen Unabhängigkeitsbewegung und für viele zu einem der
Gründerväter der Republik Nigeria.
Das Buch gibt uns einen interessanten Einblick nicht nur
in das Leben dieses Pioniers der schwarzafrikanischen Kirche, sondern auch in
die Bemühungen der Mission, Schwarzafrikaner für die Missionsarbeit zu gewinnen
in einer Zeit, in der in vielen Staaten noch die Sklaverei und die damit
verbundene Sicht der Afrikaner als Menschen zweiter Klasse vorherrschte. Das
Buch zeigt sowohl die Beweggründe als auch die ersten Gehversuche dieser
neuen Missionspolitik auf. Es erwähnt auch die großen Entbehrungen, die ein
Europäer zu dieser Zeit auf dem Schwarzen Kontinent auf sich nehmen mußte.
Wir erhalten Einblick in eine Zeit des Übergangs, in der die Sklaverei zwar
noch bestand, aber schon bekämpft wurde. Wir erleben lebendig den Verlauf
und die Motive der Forschungsreisen auf dem Niger mit. Schließlich schildert
uns das Buch auch die Entwicklung der Kolonialpolitik und die Zuspitzung der
Probleme, die sich bereits vor der Jahrhundertwende abzeichneten und zu ersten
Auseinandersetzungen führten, in die selbst eine so friedliebende
Persönlichkeit wie Crowther verwickelt wurde.
Alles in allem ein interessantes Buch in französischer
Sprache, das einen lebendigen Einblick gibt in die Missionsarbeit des 19.
Jahrhunderts auf dem schwarzafrikanischen Kontinent.
Martin Schröder, em 1999-4.
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Dembowski, Hermann & Wolfgang Greive (Hg.): Der
andere Christus. Christologie in Zeugnissen
aus aller Welt. Erlangen:
VdELM, 1991.
Diese Anthologie christologischer Entwürfe ermöglicht eine
intensive Begegnung mit Christuszeugnissen, die sich durch ihre jeweilige sozio-kulturelle Prägung stark unterscheiden. Die
Palette reicht vom jüdischen, europäischen, lateinamerikanischen
bis zum asiatischen Kolorit. Ein unbestreitbarer Verdienst ist, daß durch die ökumenische, interkulturelle Kommunikation
der Versuchung gewehrt wird, das Christusbild im je eigenen kulturellen
Kontext dogmatisch zu verabsolutieren und
unreflektiert als authentisch biblisch zu tradieren.
Doch muß kritisch
gefragt werden, wo Christus nur anders und wo ein anderer Christus verkündigt wird. Gewiß führt das Ernstnehmen der
Inkarnation zu unterschiedlicher Akkultu-ration des Christuszeugnisses. Christus
geht in die jeweilige konkrete Lebenswelt
ein, aber er geht nicht in ihr auf.
Der biblische Kontext darf nicht
aus seinem alttestamentlichen Verste-henszusammenhang herausgelöst
werden, daß aus der Person Jesus Christus
ein wie auch immer zu bestimmendes
Prinzip wird, das dann in die
fremdkulturellen Denkkategorien nivelliert wird. Das ist eine Anfrage
an die asiatischen Entwürfe und an die
Minjung-Theologie. In diesem Zusammenhang
fällt auf, daß nur in der Befreiungstheologie
Lateinamerikas, wenn auch selektiv, das AT Erwähnung findet. Aber genau hier liegen doch wohl die Grenzen und Gefahren einer Kontextualisierung der Christologie.
Ein nützliches Buch, mit dem auseinanderzusetzen sich
lohnt.
Gerold Schwarz, em 1993-1.
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Dengler, Sandy. Susanna Wesley: Powerfrau und
Methodistenmutter.
Brunnen-Verlag: Gießen: 1998.
In diesem biographischen Roman beschreibt die Autorin
Sandy Degler das Leben von Susanna Wesley (1669-1742), der Mutter von John
und Charles Wesley, von ihrer frühen Jugend bis zu ihrem Tod.
Die Erzählung setzt ein, als Susanna, die jüngste von 25
Kindern, 13 Jahre alt ist. Das intelligente Mädchen studiert die Bibel und
kann bereits hebräisch, griechisch und englisch – und das zu einer Zeit, als
fast keine Frau lesen und schreiben konnte, geschweige denn studieren
durfte. In diesem Jahr ereignen sich zwei wichtige Dinge: Susanna lernt nicht
nur ihren zukünftigen Ehemann, Samuel Wesley, kennen, sondern entscheidet
sich auch dafür, die Kirche ihres Vaters zu verlassen und wieder der
englischen Staatskirche beizutreten. Dieser Schritt zeigt, daß die englische
Gesellschaft im 17. Jahrhundert in das Lager der anglikanischen Staatskirche
und der Nonkonformisten gespalten war. Die Königstreue wirkte sich später
auch politisch aus und brachte den Wesleys viel Leid.
Im folgenden erlebt der Leser nun den täglichen Kampf der
Wesleys mit: die Armut, die körperliche Schwachheit (Susanna gebar fast
jährlich ein Kind – insgesamt 19) hohe Schulden und politisch bedingte
Anfeindungen durch die Menschen. Es ist beeindruckend, daß Susanna Wesley –
trotz aller Probleme – nie den Glauben an Gott aufgab.
Wie sehr die mütterliche Erziehung ihre Kinder
beeinflußte, zeigt sich im Missionsstil ihrer Söhne John und Charles, die die
Strukturliebe ihrer Mutter erbten und später als „Methodisten“ bezeichnet
wurden.
Diese Biographie von Susanna Wesley ist leicht lesbar und
erbaulich für alle, die sich fragen, wie groß ihr Einfluß auf die nächste
Generation überhaupt ist.
Tatiana Heuser, em 1999-3.
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Detlef, Kapteina. Afrikanische Evangelikale Theologie:
Plädoyer für das ganze Evangelium. edition afem, mission academics 10,
Erlangen: VTR, 2001.
Detlef Kapteina, der selbst zehn Jahre in einer Lehr- und
Missionstätigkeit in Westafrika und später als Missionssekretär in EBM
(Elstal) für Afrika arbeitet, untersucht in seiner Dissertation an der
Evangelischen Theologischen Faculteit in Leuven/Belgien die Entstehung einer
Afrikanischen Evangelikalen Theologie (AET). Dabei bezieht er sich
ausschließlich auf afrikanische evangelikale Theologen und maßgebende Konferenzen
und Beschlüsse. Mit dieser umfangreichen Arbeit stellt er die Notwendigkeit
eines eigenständigen Profils der AET dar und beschreibt ihre Entwicklung. So
beginnt seine Darstellung im ersten Teil mit einem geschichtlichen Überblick
und den ersten Gedankenanstößen von Byang H. Kato. Mit seinen Grundlagen
beschäftigen sich weitere Konferenzen und er wird als Vorbereiter einer AET
herausgestellt. Kapteina beschreibt wichtige Konferenzen und Beiträge im
zweiten Teil, um die Entwicklung und Notwendigkeit einer Abgrenzung der
evan-gelikalen Theologie aufzuzeigen. Dies nimmt einen sehr umfangreichen
Teil ein. Hier gelingt es, entscheidende Merkmale herauszuarbeiten. In einem
dritten Teil stellt er die theologischen Konzepte der AET in den Gebieten der
Hermeneutik, der Soteriologie und der Christologie dar. Die wegbereitenden
Gedanken prominenter Vertreter der AET, wie Tite Tienou, Tokunboh Adeyemo und
Kwame Bediako, werden dargestellt und ihre Einflüsse zur Prägung einer AET
beschrieben. Kapteina bewertet im vierten Teil die Grenzen der AET und weist
auf Defizite hin. Er zeigt auch den theologischen Beitrag für die weltweite
evangelikale Missionstheologie auf. Das Buch vermittelt einen weitreichenden
übersichtlichen Einblick in die Entwicklung einer AET. Als Darstellung und
Zusammenfassung einer geschichtlichen als auch einer theologischen
Entwicklung in Afrika empfiehlt es sich besonders für Missionare in Afrika
und darüber hinaus für die Auseinandersetzung mit dem Thema der Entwicklung
einer Theologie in einer nichtwestlichen Kultur. Kapteina ist es gelungen
einen Beitrag für die afrikanische christliche Theologie zu leisten und ihre
eigene Stellung innerhalb der evangelikalen Theologie aufzuzeigen.
Mathis Kögel, em 2004-2.
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Dictionary
of the Ecumenical Movement. Hrsg. von
Nicholas Lossky u.a., Genf: WCC 1991.
Hier soll nur nach dem missiologischen Ertrag dieses Lexikons gefragt werden, das in über 600
Artikeln die ökumenische Bewegung im weitesten
Sinne beschreibt. Der Rezensent fand ca. 60 Beiträge, die neben missionsrelevanten
Sachthemen auch 15 Biographien und 16 Institutionen
oder Bewegungen darstellen. Die Hoffnung auf einen besonderen Beitrag des Lexikons
zur Geschichte des Internationalen Missionsrates
(IMR), einem wesentlichen Motor der ökumenischen Bewegung, wird allerdings
etwas enttäuscht, (wie schon Gerald Anderson
in seiner Rezension in IBMR bemerkt). Selbst ein Amerikaner vermißt
biographische Beiträge zu Karl Hartenstein und Walter Freytag, die nur
äußerst marginal erwähnt werden! Doch viele biographische Porträts sind herausragend
und kommen im „Lexikon zur Weltmission“ von Neill nicht vor (N. Goodall, B. Graham, K. Grubb, J.A. Mackay, Neil], Newbigin, D.T. Niles, Potter, J.V. Taylor) oder
übertreffen es (Mott, Oldham, W.
Paton). Bei R. Allen ist man
dagegen mit Neills Lexikon besser bedient. Unter den besprochenen Organisationen
sind auch ausgesprochen evangeli-kale
verzeichnet, doch fehlen leider gerade bei „Lausanne Committee“ die sonst
üblichen grundlegenden Literaturhinweise, während der Artikel „Lausanne
Covenant“ Sekundärlitertur verzeichnet. Die Konferenzen des IMR werden unter „ecumenical Conferences“ dargestellt. Unter „evangelical missions“ findet sich der
irrtümliche Hinweis, die AEM sei der Herausgeber von Idea! Womit das Lexikon
einem Missiologen vielleicht am
meisten dient, ist die Darstellung
des Missionsverständnisses in der heutigen ökumenischen Bewegung bzw. der Uminterpretation von Mission und ihrer Verdrängung durch andere vorrangigere Themen, wie
auch in diesem Lexikon der Fall. Die Schlüsselartikel hierzu sind von
ehemaligen Generalsekretären des
ÖRK verfaßt: Potter schreibt über
„mission“ und E. Castro über „evangelism“. Aufschlußreich ist auch die Neudefinition von Bekehrung („conversion“).
Weitere Artikel von Interesse sind ua.: „inter-religious
dialogue, inculturation, missio dei, moratorium,
pluralism, proselytism, syncre-tism, uniqueness of Christ, universalism“. So ist dieses wissenschaftliche Werk, an dem Autoren
aus vielen Ländern
und Konfessionen mitgearbeitet haben, eine außerordentlich beachtenswerte Leistung, aber im Blick auf den Ertrag für die Mission eher symptomatisch für die heutige ökumenische Bewegung.
Christof Sauer, em 1993-3.
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Die Guten Seiten 94/95. Das Handbuch für Christen. 2. völlig neu bearbeitete Ausgabe, Hg. vom Johannes Institut,
Projektion J Verlag.
Nach langem Anlauf ist
Februar 1994 die zweite Ausgabe dieses christlichen Adressbuches
erschienen. Über 10.000 Adressen aus allen
Bereichen christlicher Aktivitäten machen es zum nützlichen Nachschlagewerk. Diese Ausgabe hat nun einen alphabetischen Index und ein Stichwortregister. Wie schwierig es
ist, Adressen aktuell zu halten und
sinnvoll in Rubriken zu ordnen,
zeigen die Eintragungen zum AfeM
und zu em. Der AfeM erscheint
gleich drei mal: In der Rubrik „Arbeitskreise – Evangelisation“ (!) als AfeM Dr. Klaus Fiedler,
Ratingen, dann als AfeM, Korntal (AEM) und als AfeM, Esslingen. Ich hätte ihn eher unter „Mission – Verbände“
gesucht, wo auch die Deutsche Gesellschaft
für Missionswissenschaft zu finden
ist. Die Zeitschrift em erscheint
zu Recht in der Rubrik „Missionszeitschriften“,
könnte aber auch noch unter Fachzeitschriften aufgeführt werden.
Wer Missionsadressen
sucht, findet diese nach
Einsatzgebieten geordnet. Die Guten Seiten bieten wohl die umfangreichste
Sammlung charismatischer und
neuester Missionen. Es scheinen aber nicht alle Adressen, die man in Jahrbuch
Mission mit weiteren Informationen versehen findet, verzeichnet zu sein.
Deshalb hätte man auf es verweisen können.
Eine besonders
interessante Beigabe ist die Aufstellung von Fred McRae über
„Unerreichte Ausländergruppen in
Deutschland“, auf S.133-163 in einer
Randspalte abgedruckt. (Auch separat
beim Autor erhältlich.) Eine ähnliche
Aufstellung mit Kurzcharakterisierungen
findet sich zu Ausbildungsstätten.
Das Nachschlagewerk ist so nützlich, daß es zumindest jede
Missionszentrale in ihrem Büro haben
sollte. Eine Diskettenversion mit Suchprogramm wäre wünschenswert.
Christof Sauer, em 1994-3.
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Dirks, Friedrich. Das Evangelium im afrikanischen Kontext: Interkulturelle Kommunikation bei den Tswana. Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, 1986.
Jeder Missionar wird sich mit der Frage beschäftigen müssen: Wie übersetze ich die Frohe Botschaft von Jesus Christus?
Es war nicht immer so, daß dieser Frage in der Mission eine besondere Bedeutung beigemessen
wurde. Heute muß das jeder Missionar tun. Wir sind feinfühliger
geworden. Es ist uns bewußt geworden, daß der europäisch orientierte
Missionar in seiner eigenen Kultur
aufgewachsen ist und in seinem christlichen
Glauben und Denken westlich – wie Dierks sagt „verbal“ – geprägt ist.
Friedrich Dirks war
mehr als dreißig Jahre Missionar
im südlichen Afrika. „Die Fragen und
Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der
missionarischen Kommunikation der christlichen Botschaft in einer
interkulturellen Situation hat Jahrzehnte lang meine eigene Missionsarbeit
geprägt“ (S.10).
Dierks beschäftigt sich mit „interkultureller
Kommunikation“ oder „kontextueller Verkündigung“ des Missionars. Der
westlich verbalen Verkündigung stellt er
die „nichtverbale Kommunikation“ des Afrikaners gegenüber. Zur nichtverbalen Kommunikation
gehören vorwiegend Symbole und Riten,
die Dierks dem traditionellen Glauben des Afrikaners entnommen hat.
Das Symbol (z.B. S.40 ff.) und der Ritus (S.67f.; 105 ff.;
160) sind nichtverbale Kommunikationsmittel,
die die unabhängigen Kirchen
Afrikas (S.45; 105) von Anfang an in den Vordergrund ihrer
Verkündigung gestellt haben. Westlich
orientierte Kirchen haben diese
Grundbedürfnisse des Afrikaners zu wenig gesehen, erkannt und aufgenommen.
Das Buch ist in vierzehn
Untertitel aufgeteilt. Die ersten
vier Punkte sind eine grundlegende Darbietung, in der sich Dierks damit befaßt, wie die biblische Botschaft zu
einem „Kommunikationsprozess“ werden muß, wenn sie durch die
Vermittlung des
„Senders“ an den „Empfänger“ auf dem Boden der einheimischen Kultur und Religion
ausgetragen wird. Die Punkte 5-13 stehen
paradigmatisch für die „interkulturelle Kommunikation bei den
Tswana“. Als Anknüpfungspunkte wählte
Dierks die Begriffe „Religion“,
„Gott“ und „Heil“.
Jeder Begriff wird auf
drei Ebenen untersucht. Zunächst behandelt Dierks das traditionelle
Verständnis von Religion, Gottesbild und Heil (5; 8; 11). Daran schließt
sich die „missionarische Verkündigung“ an
(6; 9; 12); eine Reflexion zur
Übersetzung der Botschaft des Evangeliums durch die Missionare. Auf der dritten
Ebene befaßt sich Dierks mit dem
„Christentum der Tswana“ (7; 10;
13). In diesem Teil werden auch Probleme
der zweiten Generation angesprochen. Kapitel 14 ist eine kurze Schlußbemerkung.
Das Buch ist entstanden aus der reichen Diensterfahrung
des Verfassers. Die ausführlichen
Beispiele aus den Dienstjahren Dierks’ unterstreichen seine
missionstheologischen Untersuchungen und
lassen das Buch jedem Missionar
empfehlen, der es mit Afrika zu tun
hat oder darüber hinaus ein Gespür und eine erweiterte Sensibilität für die „interkulturellen Kommunikationen“ entwickeln möchte.
Heinrich Bammann, em 1987-3.
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Dortzbach,
Deborah & W. Meredith Long. The Aids Crisis – What We Can Do. Downers Grove. Ill., USA: IVP, 2006.
Deborah Dortzbach und Dr. W. Meredith Long arbeiten beide
für „World Relief“ und greifen auf über 20 Jahre Erfahrung im Bereich HIV
zurück. Das Buch verspricht eine praxisorientierte Antwort zur
HIV/AIDS-Frage. Wie können wir, insbesondere die Kirchen, auf die Krise AIDS
reagieren? Es spannt einen Bogen zwischen der verheerenden weltweiten AIDS
Situation bis hin zum Einzelschicksal, wo Hoffnung zu sehen ist.
Es gibt ca. 40 Mio. HIV infizierte Menschen. Bis 2010
rechnet man mit 25 Mio. Waisen und weiterhin schneller Ausbreitung bei
fehlender kurativer Therapie sowie fehlenden Impfstoffen. Hinsichtlich der
Krankheit besteht ein starkes soziales Stigma. Auch weil AIDS sehr schnell eine
ethische Diskussion entfacht, werfen die Autoren in diese Situation hinein
Fragen auf, um den Leser zu mobilisieren und ihn zu praktischem Handeln zu
bewegen. Die Autoren schreiben aus christlicher Sicht mit großer medizinischer
und sozialer Erfahrung. Sie ergänzen das mittlerweile unüberschaubare Angebot
an Literatur zum Thema HIV/AIDS durch einen christlichen, sehr stark
praxisorientierten und partizipatorischen Ansatz. Das Buch gibt einen
Überblick über das Thema AIDS, beginnend mit Grundlageninformationen über die
Krankheit selbst, sowie über die Situation in den einzelnen Teilen der Welt.
Ein ganzes Kapitel ist dem Schutz der Jugend gewidmet. HIV/AIDS betrifft
vor allem Menschen im Fortpflanzungsalter (15-49 Jahre). Verschiedene
Möglichkeiten, die Jugend aufzuklären und sie zu schützen, werden diskutiert.
Ein anderes Kapitel gilt der Familie. AIDS kann hier durch Ignoranz, Tradition,
Scham und andere Gründe sehr zerstörend wirken. Es geht besonders um Ehen,
kritische Beleuchtung von Kinderheimen, Pflege innerhalb der Familie und wie
Kirchen durch Bedarfsanalyse, Beratung, spezielle Angebote, Zeit, Essen und
Liebe helfen können. In einem weiteren Kapitel unter der Überschrift „Gewalt
von AIDS“, geht es den Autoren u.a. um Frauen, die kein Mitspracherecht im
Bereich Sexualität haben, fehlende Impfstoffe, mangelnde sexuelle
Aufklärung, fehlende Vermittlung von Werten wie sexuelle Reinheit und den
Wert des Lebens selbst. Kondome seien die primäre Waffe gegen eine Infektion
bei denen, die sich sexuell risikoreich verhalten. In dem sehr praktischen
Kapitel zum Thema Betreuung wird über die Pflichten und Möglichkeiten des
einzelnen Familienmitglieds, der Regierung und der Kirche gesprochen. Kirchen
spielen eine bedeutende Rolle, insbesondere bieten sie einen geistlichen
Rahmen in säkularen Präventionskampagnen.
Das Buch zeichnet sich aus durch eine gelungene
Kombination aus gut recherchierten Daten und Widerspiegelung der Realität,
die oft dem Nicht-Infizierten, insbesondere in der westlichen Welt, verborgen
bleibt. Die Autoren legen sehr viel Wert auf eine persönliche Identifikation
mit dem Thema und mit den infizierten und betroffenen Menschen. Das Buch ist
auch für den Laien verständlich, eine wirkliche Hilfe sowohl für den Einzelnen
als auch eine gute Grundlage für Organisationen und Kirchen, um den Betroffenen
umfassend zu helfen, denn HIV/AIDS ist nicht nur ein rein medizinisches
Problem. Lebendige persönliche Beispiele aus dem Leben von Betroffen
verdeutlichen die einzelnen Aussagen und bringen dem Leser die Problematik
vom Kopf ins Herz, was in Nachrichten oder wissenschaftlicher Literatur in
der Regel nicht erfolgt. Das Buch zeigt, dass HIV/AIDS auch ein Problem ist,
bei dem Kirchenleiter ihre Verantwortung übernehmen müssen, was durch Unkenntnis
und Ignoranz bisher viel zu wenig geschehen ist. Es ruft auf, die Diskussion
zu beenden, ob Christen auf die AIDS Problematik überhaupt antworten
sollten. Aber auch der Einzelne wird hinterfragt hinsichtlich seiner Haltung
gegenüber Infizierten, Homosexuellen und der Bereitschaft sich zu
identifizieren und praktische Hilfe zu leisten. Mit viel Feingefühl werden
die Schicksale dem Leser nahe gebracht. Durch die Fragen am Ende der Kapitel
motiviert dieses Buch zum Nachdenken und Handeln. Es ist ehrlich geschrieben
und stellt klar, dass AIDS-Arbeit schmerzhaft und lang ist und nicht zu
großem Ruhm führt. Es ist ein Arbeitsbuch, das das Wesentliche für die
AIDS-Arbeit beinhaltet. Dieses Buch ist nicht als medizinisches Fachbuch
gedacht. Das Ziel, in dieser kurzen Fassung Menschen zum Nach-und Mitdenken
anzuregen, wird aber erreicht. Es gibt einen umfassenden Eindruck des
Problems AIDS. Mit seinen breiten HIV- und AIDS Buch-und
Online-Literaturangaben ist dieses Werk ein mobilisierendes, praktisches, anrührendes
und herausforderndes Arbeitsbuch, das in allen Bereichen Standardwerk sein
sollte, entweder als Grundlage oder Ergänzung zu den anderen Basiswerken, da
AIDS ein multisektorales Problem ist, dass definitiv nicht nur medizinisch in
den Griff zu bekommen ist.
Dr.med. Ulf
Basting-Neumann, em 2008-2.
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Dubach, Alfred; Roland J. Campiche (Hg.). Jede(r) ein
Sonderfall? Religion in der Schweiz. NZN Buchverlag: Zürich, Friedrich Reinhardt:
Basel, 1993.
Zerfall oder Aufwärtstrend der Religion – was stimmt heute
in den sogenannten modernen westlichen
Gesellschaften? Um ein präzises und umfassendes Bild der religiösen
Situation zu bekommen, wurde 1988/1989
eine Studie von einem fünfköpfigen Expertenteam des Schweizerischen
Pastoralsoziologischen Institutes in der Schweiz durchgeführt. Die dabei
erzielten Ergebnisse sind von der religiösen Entwicklung in Europa nicht zu trennen. Dabei werden Themen
wie die Individualisierung des Glaubens, die Stellung des einzelnen zu den Institutionen,
die Glaubensorientierung vermit teln, der Grad der Loyalität der Schweizer zu
ihren Kirchen, die wachsende
Säkularisierung und das Verhältnis von Religion und Kultur behandelt. In den Schlußfolgerungen verknüpfen die Autoren diese Themen- und Fragenkomplexe und geben Überlegungen und Anregungen für die Zukunft.
Die Experten haben wissenschaftlich sauber gearbeitet. In
den gesamten Text sind präzisierende
Tabellen und Graphiken eingearbeitet. Im Anhang finden sich eine
Beschreibung der Stichprobe, der bei
dieser Umfrage verwendete Fragebogen mit einer Häufigkeitsauszählung,
sowie eine Bibliographie. Ablauf und Ergebnisse
der Untersuchung können vom Leser geprüft
werden.
Als Adressaten werden
alle diejenigen angegeben, die im religiösen Bereich engagiert sind,
die die religiöse Lage besser einschätzen wollen und die daran interessiert
sind, heutige Religiosität zu verstehen oder fundierte Äußerungen zum Thema Religion machen wollen. Leider
ist dabei die wissenschaftliche Sprache bei aller Genauigkeit zu hoch, sodaß
nur der Experte, nicht aber der interessierte Laie den Inhalt versteht. Das ist sehr zu bedauern, da
das Buch endlich Fakten zu diesem interessanten Thema liefert, und das nicht nur für Schweizer!
Veronika J. Elbers, em 1995-4.
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Dudley-Smith,
Timothy. John
Stott: The Making of a Leader (Bd. 1), Leicester: IVP, 1999.
Dudley-Smith,
Timothy. John
Stott: A Global Ministry (Bd.2), Leicester: IVP, 2001.
Mit Recht wurde festgestellt: Billy Graham war der Motor
und John Stott der Kopf des evangelikalen missionarischen Neuaufbruchs seit
den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Vor allem die Lausanner Bewegung, deren
Wurzeln bereits auf dem Weltkongreß für Evangelisation 1966 in Berlin gelegt
wurden, ist geprägt von Stotts biblischtheologischem Denken, verbunden mit
ökumenischer Gesprächsbereitschaft, einer Weite des Horizonts und einer
Haltung der Demut. John Stott ist der theologische Denker hinter der
Lausanner Verpflichtung von 1974, dem Grunddokument gegenwärtiger
evangelikaler Missionstheologie in aller Welt.
Das Leben dieses missionstheologisch so bedeutsamen
Mannes erzählt T. Dudley-Smith, ehemaliger Bischof der anglikanischen Kirche
und Freund John Stotts, in diesen beiden Bänden auf über 1000 Seiten. Jeder
der acht Abschnitte der zweibändigen Biographie ist einem Jahrzehnt in Stotts
Leben gewidmet (von den 1920ern bis in die 1990er Jahre), und beginnt mit
einer kurzen zeit- und kirchengeschichtlichen Beschreibung des Jahrzehnts
und konzentriert sich dann in mehreren Unterkapiteln (insgesamt 28) auf
Leben und Werk des „Protagonisten“ in diesem Zeitraum. Im Zentrum des ersten
Bandes stehen die formativen Jahre des jungen Stott (Bekehrung, Berufswahl),
die u.a. durch einen durch Stott Pazifismus ausgelösten Konflikt mit dem
Vater geprägt sind, und der prägende Dienst als Hauptpastor („Rector“) in
der Londoner anglikanischen All Souls Gemeinde (seit 1950). Auch nach der
Aufgabe dieses Amts 1970 bleibt Stott als „rector emeritus“ mit der All Souls
Gemeinde verbunden. Der zweite Band beschreibt die weltweite Ausdehnung des
Dienstes von Stott von den 1960ern bis in die 1990er Jahre. Hier bekommt der
Leser Einblick in Stotts Rolle in der Lausanner Bewegung, seine prägenden
Teilnahme am Evangelikal-Römisch-katholischen Dialog über Mission (ERCDOM) oder
das von ihm geführte missionarisch-apologetische Projekt des „London
Institute for Contemporary Christianity“. Viel Raum bekommen auch
theologische Entwicklungen in Großbritannien, wie z.B. die spektakuläre
Auseinandersetzung um den Verbleib der Evangelikalen in der Church of
England, in der John Stott und Martyn Lloyd-Jones 1966 konträre Positionen
vertraten. Nicht alle diese Entwicklungen werden für den nicht-britischen
Leser von erhöhtem Interesse
sein. Darüber hinaus bietet Dudley-Smith immer wieder auch gründliche Einblicke
in das literarische Schaffen Stotts, indem er die wichtigsten Publikationen
in ihrer Bedeutung in den Lebenslauf integriert und darstellt. Dudley-Smith
ist sich der Schwierigkeit, Biographien über lebende berühmte Männer zu
schreiben, sehr wohl bewusst, mit denen man auch befreundet ist. Wie zu
erwarten hält er sich darum in seinem Urteil sehr zurück. Stott hat ihm
allerdings vollen Zugang zu den privaten Papieren gegeben und ihn gebeten
keine „Hagiographie“, sondern „eine ehrliche Einschätzung meines Lebens und
Wirkens zu geben – mit Ecken und Kanten“ (Bd.1, S.15, meine Übersetzung). Das
ist auch weitgehend gelungen, wenn auch verständlichlicherweise die
sympathische Beschreibung die kritische Analyse überwiegt. Streckenweise
empfindet man die Darstellung als zu detailreich und weit ausholend, so dass
man erst den roten Faden wieder suchen muss. Stott selbst faszinierten
Biographien am meisten, die „nicht nur die Geschichte erzählen, sondern das Geheimnis
aufdecken“ (Bd.1, S.12). Das kann und will dieses zweibändige Werk nicht
bieten (obwohl am Schluss doch das „Geheimnis“ Stotts in drei Dingen
festgestellt wird: rigorose Selbstdisziplin, völlige Demut und eine betende
Geisteshaltung, Bd.2, S.453). Es ist vielmehr eine überaus gründliche und
materialreiche Dokumentation über das Leben und Wirken Stotts vor dem
bewegten Hintergrund des 20. Jahrhunderts und im Zeugnis vieler Zeitgenossen.
Das Buch ist mit ausführlichen Fußnoten, einer Bibliographie (nicht der Werke
Stotts – eine solche hat der Autor separat veröffentlicht) und einem Index
versehen. Ein tabellarischer Lebenslauf wäre zur Übersicht hilfreich
gewesen. Insgesamt: ein authentisches und inspirierendes Bild eines herausragenden
missiologisches Denkers des 20. Jahrhunderts, eine wichtige Quelle für
evangelikale Missionsgeschichte im 20. Jahrhundert.
Dr. Friedemann Walldorf, em 2004-1.
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Dueck,
Gerry. Kids
for The World. A Guidebook for Children’s Mission Resources. William Carey
Library: Pasadena, 1990.
Dieses Arbeitsbuch läßt das Herz von Mitarbeitern in der Kinder- und Jugendarbeit höher schlagen.
Auf 57 Seiten werden amerikanische Hilfsmittel
zum Thema Mission für diese Altersgruppe
aufgeführt und vierfach registriert: Lehrpläne, Bücher, Geschichten, Arbeitsmaterialien, Medien, Lieder, etc mitsamt
Bezugsadressen. Die andere Hälfte bietet konkrete
Anleitungen: einen 52-stündigen Lehrplan, Beispielstunden und
-geschichten, Arbeitsanleitungen und
Kopiervorlagen. Davon erscheint manches für uns adaptierbar. Besser
wäre jedoch ein gleichartiges Verzeichnis für den deutschsprachigen Raum. Ein Anfang war in der
Bibliographie evangelikaler Missionen (bem)
enthalten. Wer hat Interesse?
Christof Sauer, em 1995-2.
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Dyrness,
William A. and Veli-Matti Kärkkäinen (Hg.) unter
Mitarbeit von Juan Francisco Martinez und Simon Chan, Global Dictionary of Theology: A Resource for the Worldwide Church.
Downers Grove, Illinois, [USA]: IVP Academic;
Nottingham, England: Inter-Varsity Press, 2008.
Um Leserinnen und Lesern der Evangelikalen Missiologie (em) diese postmoderne theologische
“Fundgrube für die weltweite Kirche” kurz vorzustellen, versuche ich aus der
Einleitung sowie aus einzelnen Beiträgen etliche Merkmale und Kennzeichen herauszuschälen,
die der Absicht und dem Ziel der Herausgeber entsprechen. Das Wörterbuch
beinhaltet über 240 Beiträge zu aktuellen Themen, die von fast 200
Theologen und theologisch orientierten Fachleuten aus vielen Ländern der Erde
erarbeitet worden sind. Das umfangreiche Register der Bibelzitate (S.
960-972 – über 200 Verweise allein auf Matthäus) gilt als Nachweis, dass die
Schreiber ihre Aussagen biblisch zu begründen suchen. Nur Obadja, Jona,
Nahum, Philemon sowie 2. und 3. Johannes bleiben unzitiert.
Etwa 40 der Artikel stammen von Professoren,
Lehrbeauftragten und Doktoranden am Fuller Theological Seminary (FTS), wo
das Wörterbuch von den Herausgebern auch konzipiert und in Zusammenarbeit
mit InterVarsity Press bis zur Veröffentlichung begleitet wurde. In diesem
Zusammenhang veranstaltete FTS ein Symposion über “Die Zukunft globaler
Theologie”. Dazu schreibt der Dekan, Howard Loewen (Fuller Focus, März
2009, S. 24), dass das Wörterbuch als Markstein theologischen Denkens unserer
Zeit zu bezeichnen sei. Nach demographischen und geographischen Dimensionen
zu urteilen, trifft die Bezeichnung “global theology” durchaus zu, auch
wenn manche Beiträge lokale und regionale Theologie reflektieren. Diese Merkmale
werden schon auf dem erwähnten Symposion in den Referaten von Ogbu Kalu über
„An African View of the Future of Global Theology“ und von Simon Chan zum
Thema „An Asian Perspective of Global Theology“ angesprochen.
Einerseits wollen die Herausgeber das Wörterbuch nicht
als ein universales Werk verstanden haben, da solche Themen wie die
“Gott-ist-tot-Theologie” und andere radikale Theologien der 60er Jahre oder
auch synkretistische Theologien alter und neuer Religionen bewusst
zurückgestellt bleiben. Andererseits fällt auf, dass hier
postmodern-relevante Themen behandelt werden, die man sonst in
traditionell-theologischen Wörterbüchern kaum findet, wie z. B. „Globalization“,
„Green Theology“, „Children at Risk“, „Terrorism“ und „Animal Rights“, um
einige zu nennen.
Die vielseitigen Gesichtspunkte der Aufsätze bestätigen,
dass es sich hier weder um ein Werk westeuropäischer noch angloamerikanischer
Theologen handelt, sondern um ein Produkt theologischer Denker der jungen
Kirche, die ihre gemeinsame Arbeit als Frucht für die weltweite und
multinationale Kirche (A Resource for the Worldwide Church) in Nord und Süd,
Ost und West der bewohnten Erde (Ökumene) verstanden haben wollen. Nicht nur
die missionarische, auch die theologische Einbahnstraße existiert heute
nicht mehr. So sehen es auch die Herausgeber, indem sie einen Satz John
Mbitis, Kenya, zitieren: “Die Zentrale kirchlicher Universalität ist nicht
länger in Genf, Rom, Athen, Paris, London oder New York, sondern in Kinshasa,
Buenos Aires, Addis Abeba oder Manila zu finden” (S. ix).
In Übereinstimmung mit obigen Aussagen glaubt der
Verleger, Daniel Reed (IVP), dass die Beiträge primär als kontinuierliche Gesprächsthemen
und weniger als definitive Aussagen oder doktrinäre Erklärungen gedacht
seien. Daher spielen Begriffe wie “conversation”, “dialog” und “discussion”
eine nicht unwichtige Rolle. Das ist vor allem bei Artikeln der Fall, wo
zwei oder drei Verfasser das gleiche Thema diskutieren. Wichtig ist, dass
die beteiligten Autoren am Ende ihres „Gesprächs“ jeweils gemeinsam eine
Bibliographie für das Weiterstudium zusammenstellen. Dazu etliche
Beispiele:
1. H. K. Yeung betrachtet die Ahnenverehrung (Ancestor
veneration) aus chinesischer Sicht, während J. Nkansah-Obrempong die
afrikanische Perspektive verständlich zu machen versucht und Simon Chan in
einem dritten Teilbeitrag zu demselben Artikel die religiöse Bedeutung der
Ahnenverehrung aus der Sichtweite des asiatischen Horizonts beschreibt (S.
28-35).
2. In ähnlicher Weise diskutieren Veli-Matti Kärkkäinen,
J. Levison und P. Pope-Levison die Lehre von der Person Christi („Christology“)
von den ersten Glaubensformulierungen der Väterzeit bis hin zu den Aussagen
heutiger Befreiungstheologen im Kontext Afrikas, Asiens und Lateinamerikas
(S. 167-86).
3. Auch Mark Baker, Timoteo Gener und Frank Macchia
verwenden die gleichen Begriffe bei ihrer Diskussion eines längeren Aufsatzes
eines traditionellen Themas wie „Systematic Theology“ (S. 864-69). Wer in
diesem Zusammenhang einen Ausgleich zur Systematik sucht, dem ist Elmer
Martens’ Beitrag “Biblical Theology” zu empfehlen (S. 109-11).
Fazit: (1) Außer knappen biographischen Hinweisen finden
die Leser in diesem Wörterbuch keine Lebensbeschreibung der Theologen, nur
deren Ausdruck theologischen Denkens. (2) Während Wörterbücher gleichen
Umfangs die Themen in der Regel kurz darstellen, gibt es hier ausführliche
Beiträge in der Länge von Zeitschriftenartikeln. (3) Sowohl die Vielfalt
kultureller Hintergründe der Autoren als auch die inhaltlich abwechslungsreiche
Gestaltung der Thematik dürften manche evangelikalen Leser des Westens zur
Überprüfung ihrer bisherigen Hermeneutik herausfordern. (4) Die Herausgeber
gehen davon aus, dass christliche Theologie biblisch begründet sein muss,
wobei aber die Rolle der Kontextualisierung (oder Inkulturation) nicht
übersehen werden darf. (5) Alle Theologie ist kontextuell, auch die westliche.
Ob aber jede Theologie biblisch kompromissfrei gestaltet werden kann, bleibt
zu hinterfragen. (6) Ein persönliches Wort: Leser der em, die mit den Dokumenten ökumenischer und den Schriften
evangelikaler Missionskonferenzen und -kongressen vorigen Jahrhunderts vertraut
sind, werden beim Gebrauch dieser „Resource for the Worldwide Church“ um so
mehr profitieren. Eine biblische Hermeneutik bleibt für alle Leser
unerlässlich.
Prof. em. Dr. Dr. Hans Kasdorf, em 2009-4.
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Eber, Jochen. Johann Ludwig Krapf. Ein schwäbischer
Pionier in Ostafrika. Riehen/Basel: Verlag arteMedia Winteler, 2006.
Auf dem missiologischen Büchermarkt sind sowohl
missionsmotivierende als auch wissenschaftlich fundierte Missionsbiographien
eher die Ausnahmen, denn in der Vergangenheit neigte man dazu,
Missionspioniere hagiographisch zu verklären. Das führte dazu, dass manch ein
Leser sein eigenes Leben dem dieser „geistlichen Schwergewichte“
gegenüberstellte und frustriert feststellen musste, wie weit er von diesem
Ideal noch entfernt war. Statt für Mission zu motivieren, entmutigten diese
Biographien ihre Leser. Wohltuend anders ist die Biographie von Jochen Eber
über den Missions- und Entdeckungsreisenden J. L. Krapf. Ebers Bemühen um
historische Akkuratesse lassen auch die „schwachen Seiten“ Krapfs nicht
unerwähnt. So erfährt man beispielsweise, dass der eifrige Afrika-Missionar
und später in der Heimat wirkende Missionsmotivator auch Phasen von „große(r)
Unlust zur Mission“ (123) und Depression (153) empfinden konnte.
Im Hauptteil seiner Biographie zeichnet Eber Krapfs
abenteuerliche Reisen nach Äthiopien und seine späteren Reisen im heutigen
Kenia und Tansania nach. Dabei erfährt man viel sowohl über Land und Leute
als auch über das zeitgenössische Reisen. Unter anderem kann man
beispielsweise lesen, dass Krapf mit einer Luftmatratze reiste, die damals
als eine der neuesten technischen Errungenschaften galt und die ihm auch in
der afrikanischen Wildnis eine erholsame Nachtruhe ermöglichte. Natürlich ist
auch von den berühmten Entdeckungen die Rede. So hat Krapf den Mont Kenya
„entdeckt“, während schon zuvor Krapfs Mitstreiter Johann Rebmann als erster
Europäer den schneebedeckten Kilimandjaro gesehen hatte. Das galt in der
damaligen Zeit als Sensation, denn Schneeberge am Äquator waren für Krapfs
Zeitgenossen einfach unvorstellbar.
Auch die Theologie Krapfs wird von Eber dargestellt.
Demnach lebte Krapf in gespannter eschatologischer Erwartung, die ihn zur
unermüdlichen missionarischen Tätigkeit und den gefährlichen
Erkundungsreisen veranlasste. Unbeantwortet bleibt jedoch die Frage, wie
Krapf als begeisterter Missionar trotzdem Johann Michael Hahns Theologie,
mit ihren offensichtlich allversöhnerischen und unmissionarischen Tendenzen
anhängen konnte.
Die Lektüre dieser Biographie sei allen empfohlen, die
sich für Missionsgeschichte interessieren oder einfach Afrikabegeisterte
sind, denn es handelt sich dabei um ein hervorragend illustriertes mit
vielen zeitgenössischen Abbildungen versehenes und gut aus Quell- und Sekundarliteratur
schöpfendes Buch. Zudem ist es gut lesbar, obwohl Eber einem
historisch-wissenschaftlichen Ansatz folgt. Statt Fußnoten sind jedem
Kapitel Endnoten angefügt. Das Buch schließt mit einer umfangreichen
Bibliographie und hilfreichen Registern ab.
Elmar
Spohn, em 2009-1.
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Ekman, Ulf. Doctrine - The Foundations of
the Christian Faith. Uppsala: Word Life Publications,
1996.
„Doctrine“ ist die englische Übersetzung der schwedischen
Originalausgabe von 1995. Sie ist Ekmans Versuch einer systematischen
Theologie. Herausgekommen ist dabei eher ein biblisch-theologisches Handbuch,
in dem Ekman seine Erkenntnisse und Einsichten addiert. Seine „Lehre“
besteht zu einem großen Teil aus einer Kette von biblischen Zitaten und Auflistungen
(Extrembeispiele 27-38 und 219ff.)
Der Buchaufbau folgt den klassisch lutherischen Loci.
Ekman, der ja ein dezidiert charismatischer Vertreter und Anhänger einer
Glaubenstheologie Haagin’scher Prägung ist, erwarb an der Universität
Uppsala einen theologischen Grad. Nur wenige Aussagen (z. B. Rechtfertigung
schließt die körperliche Heilung mit ein, 186ff.) und allenfalls die kurz gehaltenen
Kapitel über Pneumatologie und Angelologie (speziell der Abschnitt über Dämonenaustreibung)
machen deutlich, daß hier nicht bloß ein lutherisch-evangelikal geprägter
Pastor am Werke war. Bei der Soteriologie schlägt Ekmans Herz. Das beweist
allein schon der Umfang des Kapitels. Allerdings zeigt sich hier auch eine
besondere Schwäche des Buches, denn die Trennlinien, z. B. zur Christologie,
werden nicht immer deutlich gezogen. Generell sind Gedankenführung und
Kapitelaufbau nicht immer klar strukturiert; eine kreisende und sich häufig
wiederholende Tendenz ist erkennbar.
Ekman kommt in seiner „Lehre“ mit nur einer Fußnote aus
(eine Erläuterung zur jüdischen Bar Mizwa). Eine Bibliographie sowie ein Index
fehlen völlig. Biblische Aussagen erscheinen als einzige Quellenangaben. Die
drei im Nachwort aufgeführten altkirchlichen Bekenntnisse (Apostolikum,
Nizänum und Athanasianum), auf denen Ekmans Lehre basieren soll, werden im
Text nicht zitiert. Sollen sie die Kontinuität mit den Anfängen der christlichen
Kirche ausdrücken oder ein reformatorisches Selbstverständnis dokumentieren?
Mehr als 40 DM sind für dieses Buch jedenfalls ein recht hoher Preis.
Joost Reinke, em 1997-4.
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Elliot, Elisabeth. Amy Carmichael. Ein Leben in
der Nachfolge. Neuhausen:
Hänssler, 1995.
Der bekannte indische Bischof und Missionshistoriker
Stephen Neill äußerte einmal, daß aus heutiger Perspektive und aus Liebe zur
Wahrheit eine große Anzahl erbaulicher Missionarsbiographien neu geschrieben
werden müßten. Auch auf dieses Buch, das den Werdegang Carmichaels von
Irland über Japan, China und Ceylon nach Indien und die Entstehung der
Dohnavur-Fellowship zur Rettung von Tempelkindern beschreibt, trifft sein
Urteil zu.
Für Neill war Amy Carmichael keine Unbekannte, denn er
hatte sie in Dohnavur selbst kennengelernt. Er mußte die Arbeit aber bald
verlassen, da sich unüberbrückbare Differenzen ergaben. Ohne den Einsatz und
das Werk von Amy Carmichael und auch Elisabeth Elliot gering schätzen zu
wollen, empfinde ich diese Biographie als oft beschönigend und damit ein
bißchen unehrlich. Die vielen Konflikte und Anfeindungen, denen die
Dohnavur-Fellowship ausgesetzt war, sind nicht nur einfach Angriffe des
Satans, wie sie es selbst empfunden haben, sondern auch das Ergebnis eigenen
Verschuldens, von falschem Autoritätsdenken und Führungsverständnis bis zu
Überängstlichkeit und Unflexibilität. Wenn die Dohnavur-Kinder beim Eintritt
in ein College weder das indische Englisch noch Tamil richtig verstehen bzw.
sprechen konnten, ist dies z. B. ein sehr deutlicher Hinweis darauf, daß
hier eine ungesunde und auch ungeistliche Isolation stattgefunden hat.
Der Stil der Autorin (er soll wohl erbaulich sein) ist mir
ein wenig zu süßlich und die Erzählung oft unzusammenhängend. Bedauerlicherweise
kann ich daher diese Lektüre einem heutigen anspruchsvollen Missionsinteressierten
nicht empfehlen, sondern muß mich Neill in dem Rat anschließen, eine neue
Biographie über Amy Carmichael zu verfassen.
Martin Sachs, em 1997-2.
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Engel,
James F. & William A. Dyrness. Changing the Mind of Missions – Where Have
We Gone Wrong? Downers Grove:
InterVarsity Press, 2000.
Dieses Buch ist ein hilfreicher Beitrag zur Diskussion um
die Spannung zwischen Missionswerken und Gemeinden. Als jemand der seit
vielen Jahren in der missionarischen Arbeit im Ausland tätig ist, muss man
schon kräftig schlucken, denn manche traditionellen Überzeugungen werden in
Frage gestellt. Die Autoren sind bekannte Missionswissenschaftler: Dyrness
lehrt am Fuller Seminary und Engel im Ruhestand am Eastern College. Auch wenn
sie den nordamerikanischen Kontext im Blick haben, ist ihre Kritik auch für
europäische Missionswerke von Bedeutung.
Nach Ansicht der Autoren ist die westliche Missionsarbeit
stark von der Moderne beeinflusst. Mission wird als Bewegung vom Zentrum zur
Peripherie verstanden, der Glaube als persönliche Angelegenheit betrachtet,
und Missionsstrategien sind pragmatisch begründet. Dies erweist sich in einer
postmodernen Welt als negativ. Die große Chance für die Mission liegt darin,
dass die Postmoderne wieder näher an den ursprünglichen Werten dran ist, wie
sie besonders in der Zweidrittel-Welt geschätzt werden und wie sie Jesus zu
seiner Zeit gelebt hat: Religiöse Vorstellungen haben auch im öffentlichen
Leben Platz, die Realität des Bösen wird anerkannt, und Gemeinschaft ist
wichtiger als Individualität.
Anhand der fiktiven Geschichte eines Missionsdirektors,
seiner Missionsgesellschaft und einer mit ihnen verbundenen Gemeinde
beschreiben die Autoren in spannender Weise die Herausforderungen im
Verhältnis Missionsgesellschaft – Gemeinde sowie einen möglichen
Lösungsansatz. Das Paradigma ihrer Missionsstruktur stammt von Jesu selber:
die Aufrichtung und Ausbreitung des Reiches Gottes und seiner Herrschaft auf
der ganzen Welt. Die Kernbotschaft lautet: „Mission in einer postmodernen
Welt wird Gemeinde-zentriert sein, ausgerichtet auf Stärkung und Befähigung
der Leute Gottes. Die Botschaft des Evangeliums wird wieder ganzheitlich
gesehen, ausgedrückt durch Worte und glaubhaft gemacht durch das ‚Salz und
Licht’ das von aufrichtiger Gemeinschaft kommt (Mt 5,13-16). Individuelle
Initiativen werden der Arbeit in Netzwerken Platz machen, wobei die Stärken
der Einzelnen sich gegenseitig ergänzen, indem Christen zusammen denken,
arbeiten und beten um die Herrschaft Christi auszubreiten“ (S.80f.).
Das Buch ist lesenswert für Gemeindemitarbeiter denen das
Anliegen der Weltmission am Herzen liegt. Eine Gemeinde, die sich nicht als
Institution, sondern als lebendigen Organismus versteht, hat auch bei
postmodernen Menschen große Chancen. Das Anliegen der Weltmission wird nicht
nur durch finanzielle oder personelle Unterstützung gefördert, sondern die
Gemeinde nimmt eine aktive Rolle ein: sie mobilisiert ihre eigenen Ressourcen
und ergreift die Initiative, um einen bestimmten Auftrag auszuführen. Dies
geschieht oft in Zusammenarbeit mit einer Missionsgesellschaft. Mission ist
nicht nur ein Programmpunkt unter vielen, sondern das weltumspannende
versöhnende Werk Gottes bestimmt alle anderen Gemeindeprogramme.
Die zweite Zielgruppe des Buches sind die
Missionsgesellschaften. Sie werden nicht darum herumkommen, sich zu
verändern, ein Prozess der Transformation ist gefragt. Dabei sollte sich eine
Missionsgesellschaft u.a. folgende Frage stellen: „Welchen Unterschied würde
es auf die Weltsituation bzw. auf die Gemeinden in den sendenden Ländern
machen, wenn unsere Organisation nicht bestehen würde?“
Die Autoren haben nicht die Antworten auf alle Fragen,
aber sie machen Mut, sich auf eine Pilgerreise in unbekanntes Land
einzulassen. Ein spannendes Unternehmen!
Reinhold Strähler, em 2006-4.
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Engel,
James F. & William A. Dyrness. Changing the mind of Missions – Where have
we gone wrong? Downers Grove: Intervarsity Press, 2000.
Kaum ein anderes missiologisches Buch hat zu einem solch
radikalen Umdenken in der Weltmission aufgerufen, wie der vorliegende Band
der beiden bekannten Missiologen James F. Engel und William Dyrness. Mit
großer Sorge beobachten die Autoren die Anpassung vieler Missionswerke an den
westlichen Wirtschaftspragmatismus (S. 18) und befürchten ihr Aussterben in
den nächsten 10 Jahren, weil sie Mission stellvertretend für die Gemeinden
statt mit ihnen zusammen tun. Viele Missionsleiter sähen Gemeinden lediglich
als Quelle für Personal und Finanzen an, statt ihnen zu dienen (S.122).
Gemeinden müsse ihre zentrale Rolle in der Mission wieder zurück gegeben
werden (S.110-142). Das Modell der Glaubensmissionen, das auf Freiwilligen
basiere (S. 146), die nur auf Gott vertrauten, sei weder biblisch begründbar
noch werde es von Gemeinden in den Heimatländern länger hingenommen (S.75).
Darum rufen die Autoren zu einer echten Partnerschaft zwischen Missionsgesellschaften
und Gemeinden in den Heimatländern (S.81,127) auf. Gemeinden sollten
unmittelbar am Leben und Wirken ihrer Missionare beteiligt sein.
Zudem beklagen die Autoren, dass westliche Missionswerke
weitgehend einem menschlichen Strategie- und Methoden-Denken (S. 67) zum
Opfer gefallen sei, das sie mit Samuel Escobar als „Managerial Missiology”
(S. 87) bezeichnen: Strategisches Planen und Problemlösung, numerische
Ergebnisse, Finanzierungspläne (S. 68), Kommunikationstechniken (S.68),
Marketingstrategien (S.69) und Fundraising (S.73) bis hin zu irreführenden
Erfolgsstorys (S.72), das Vertrauen auf westliche Macht und Einfluß (S.45),
Verquickung von Evangelium mit westlicher Kultur (S.80) bestimmten viele
Aktivitäten. Dies basiere auf dem Leitbild der „Moderne” (S.61ff, 78), d.h.
der Ideologie von Vernunft, Zahlen (S.68ff), Management und Methoden (S.106),
die längst von der Postmoderne abgelöst worden sei (S.173ff). Dadurch
verschließe man sich dem Wirken des Heiligen Geistes und werde taub für seine
Leitung. Im gleichen Atemzug werde Mission auf Evangelisation (möglichst viele
Menschen mittels vorgefertigter evangelistischer Methoden – „prepackaged
evangelistic tools” genannt - mit dem Evangelium zu erreichen, S.64; 87)
reduziert, die auf die örtliche Situation im Einsatzland wenig abgestimmt
seien. Mission sei zu einer „Industrie” (S.50) verkommen, auf einen
Massenartikel reduziert, den es zu vermarkten gelte (S.69). Mission sei
stattdessen Gottes Mission; es geht um die Verherrlichung Gottes. ER ist
verantwortlich für das Ergebnis, nicht wir Menschen (S.37). „Mission fließt
aus dem Herzen von Menschen, die durch den Heiligen Geist transformiert
wurden und alles verlassen, um Christus zu folgen” (S.36).
Im Zentrum des biblischen Missionsauftrags stehe zudem das
„Jünger Jesu machen” (S.31,64), das Wachstum in der Heiligung (S.88), die
Integration von Gläubigen in eine Gemeinde (S.102,117), Hingabe und Transformation
des ganzen Lebens (S.29), die Herrschaft Jesu in seinem Volk (S.39; 115). Die
Gemeinde solle ein Segen für die Umgebung darstellen („soziale
Transformation”, S.64, 89). Aufrüttelnd sind die Worte eines afrikanischen
Gemeindeleiters: „Your people brought us Christ, but never taught us how to
live”(S.22). Das Evangelium sei nicht eine Privatsache ohne gesellschaftliche
Relevanz (S.22, 65). Das schließe die Wahrnehmung von struktureller Sünde und
Ungerechtigkeit (S.93) ein. Es gehe um Erlösung und Versöhnung,
Evangelisation und soziale Transformation (S.64).
Dabei sei die Kooperation von Missionswerken untereinander
(S.71; 96,181) wie auch mit lokalen Gemeinden im Einsatzland (S.76) zwingend
erforderlich, statt Konkurrenzdenken und isolierten Einzelinitiativen (S.96)
Raum zu geben. Entscheidungen sollten vor Ort getroffen (S.77) und große
Allianzen (S.171; 181) in den Einsatzländern gebildet werden, statt
wirtschaftlicher und politischer Macht (S.45f) und Kontrolle aus dem Westen
(S.97). Da habe die alte Arbeitsweise mit der Abhängigkeit von externer
Finanzierung (S.73) oft die Entwicklung von Eigeninitiative (S.73) und
einheimischen Resourcen (S.20) eher behindert.
Die bisherigen Markenzeichen der westlichen Mission
„Organisatorische Brillianz und zentralisierte Verwaltung” (S.67) müßten
ersetzt werden durch schlanke Administration bei verstärkter Motivation und
Befähigung von Mitarbeitern (Schulung von Führungskräften S.160). Statt der
Fixierung auf Projektziele (S.113; 166) sollte jeder einzelne Mitarbeiter persönlich
gefördert werden (S.124; 153ff). Statt hierarchischen Führungsstrukturen (S.113;
148) und Kontrolle von oben (S.23) werben sie für dezentralisierte Teams
(S.158), lokale Initiativen (S.98) und die Ermöglichung alternativer Wege
(S.158). „Gebet ist wichtiger als Aktion; Dienstbereitschaft und
Selbstaufgabe wichtiger als Dominanz und Kontrolle” (S.166). Dieser
fundamentale Richtungswechsel in der Mission müsse zügig eingeleitet werden
(S.167). Dafür böte der gesellschaftliche Wechsel von der Moderne zur
Postmoderne einen gute Chance, da letztere geprägt sei von dem Wunsch nach
persönlichen Beziehungen, Vertrauen, Spontaneität, Spiritualität und
ganzheitlichem Leben (S.81;173-183).
Diese markanten Thesen sind eingepackt in eine spannende
Rahmengeschichte von einer fiktiven Gemeinde und einem Missionswerk, die aus
der Not heraus beide den vorgeschlagenen Paradigmenwechsel wagen. Diese Geschichte
zieht sich durch das ganze Buch hindurch - die Abschnitte sind am Seitenrand
durch einen Balken klar gekennzeichnet - und überträgt die grundlegenden
Gedanken auf die konkrete Situation von Missionswerken und Gemeinden.
Mit ihren mutigen Gedanken fordern die Autoren zum Neu-
und Umdenken heraus und provozieren Widerspruch – kein missiologisches Buch
wurde in letzter Zeit so heftig diskutiert (vgl. Mission Frontiers Dez. 2000,
S.5, EMQ Jan. 2001, S.92-98); keinem anderen wurde so viel destruktive Kritik
unterstellt. Es ist aber zugleich ein hoffnungsfrohes Buch, denn es zeigt
neue Wege auf und macht Gemeinden und Werken Mut, Veränderungen zu wagen (S.143-172).
Kein anderes Buch habe ich so inspirierend empfunden und mit so viel Gewinn gelesen.
Zwar kann ich mich der unkritischen Euphorie über die
Postmoderne (mit ihren unbestreitbaren Vorzügen wie auch Nachteilen) nicht
uneingeschränkt anschließen, ebenso wenig den scharfen Kontrasten, die sie
zwischen dem alten und dem neuen Denken sehen – es ist aber gerade die Stärke
der amerikanischen Denkweise, komplexe Fragen auf wenige Grundprinzipien
zurückzuführen und einfache Antworten zu finden, die mit großem Engagement
und Überzeugungskraft vorgetragen werden. Zudem sehe ich das Problem nicht
nur auf Missionsgesellschaften und ihrer Leitung beschränkt – das radikale
Umdenken ist ebenso bei den Missionaren gefordert, denn ihnen kommt eine
entscheidende Rolle im Verhältnis zu ihren Heimatgemeinden und den Kirchen im
Einsatzland zu – dieses Thema ist in dem Werk leider ausgeklammert.
Das Buch ist spannend geschrieben; die Leitgedanken werden
in den verschiedenen Kapiteln immer wieder in neuer Form entfaltet und prägen
sich so besser ein. Fußnoten verweisen auf weiterführende Literatur. Mit praktischen
Fragen wird zum Überprüfen der Effektivität von Missionswerken eingeladen und
die einzelnen Phasen des Veränderungsprozesses skizziert (S.143-173), auch
wenn mir diese den Eindruck vermitteln, dass die Autoren doch wieder auf das
sonst kritisierte Methoden-denken zurückgreifen mußten. Das äußerst
praktische Buch schließt Checklisten mit provokativen Kernfragen ein, wie
etwa: „1. Welchen Unterschied würde es für die Welt machen, wenn dieses
Missionswerk aufgelöst würde? 2. Welchen Unterschied würde es für die Gemeinden
in den Heimatländern machen? 3. Was können wir beitragen zum Leib Christi,
der bereits in dieser Volksgruppe am Werk ist?” (S.150)
Von keinem anderen Missionsbuch bin ich so sehr inspiriert
und herausgefordert worden wie dem vorliegenden. Es ist zum Lesen sehr
empfohlen, ja es sollte Pflichtlektüre für jeden Missionsleiter und Missionar
sein.
Dr. Detlef Blöcher, em 2001-3.
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Enger, Philipp A. Die Adoptivkinder Abrahams. Eine
exegetische Spurensuche zur Vorgeschichte des Proselytentums. Beiträge
zur Erforschung des Alten Testaments und des Antiken Judentums 53.
Frankfurt/Main: Peter Lang, 2006.
Philipp Enger promovierte im Wintersemester 2002/03 mit
einer Studie zur Vorgeschichte des Proselytentums an der Humboldt-Universität
in Berlin, die er nun in überarbeiteter Form veröffentlicht. Der
Studienleiter in einem Bildungswerk der EKD begibt sich hier auf die Suche
nach Konversionsphänomenen im Alten Testament, also nach dem, was in der
Missiologie auch als „Bekehrung“ bezeichnet wird.
Um dabei der Gefahr einer „Rechtfertigung der aggressiven
christlichen Missionsideologie durch angebliche jüdische Vorläufer“ (S.31) zu
entgehen, gründet Enger die seiner Untersuchung zugrunde liegende Definition
von „Konversion“ auf die Ergebnisse moderner Human- und
Religionswissenschaft. Von H. Mohr (Art. Konversion/Apostasie in Handbuch religionswissenschaftlicher
Grundbegriffe, 3: 436-45, 436, Hg. H. Cancik u.a., Stuttgart, 1993)
übernimmt er drei Indikatoren für eine gelungene Konversion: (1) Die
Veränderung der kognitiven Grundeinstellung, sichtbar oft durch
Bekenntnisakte, (2) die Neuorientierung der Mentalitäts- und Verhaltensmuster
und (3) der soziale wie religiöse Statuswechsel in Form einer Integration in
die Gemeinschaft.
In dem ausführlichen exegetischen Teil seiner Monographie
trägt Enger in kanonischer Rei-henfolge (Tora, Propheten, Schriften) die
Texte von der Aufnahme des Fremden (Dtn 23,2-9 u.a.), dem Umgang mit den Gibeonitern
(Jos 9), sowie das Tempelgebet Salomos (1.Kö 8,41-43) und die Erzählung von
Naaman (2.Kö 5) zusammen. Hier finden sich zwei Exkurse zu Jitro (Ex 18,11)
und Rahab (Jos 2,9-11). Es folgen Überlegungen zu den Deportierten in Samaria
(2.Kö 17,24-41), dem Ausländer in Jes (56,1-8), dem ger („Fremdling“) in Hes, den Seeleuten und Niniviten in Jon,
sowie zu Rut (1,16f) u.v.m.
Indem sich Enger im Bereich „Tora“ auf 250 Seiten fast
ausschließlich mit den Gesetzes-texten zur Problematik des ger beschäftigt, reiht sich seine
Studie in die einschlägigen Untersuchungen von C. Van Houten (The Alien in Israelite law, Sheffield,
1991) und C. Bultmann (Der Fremde im
antiken Juda, Göttingen, 1992) ein, lässt jedoch eine Auseinandersetzung
mit J.E.R. Kidd (Alterity and Identity
in Israel, Berlin, 1999) und M. Zehnder (Umgang mit Fremden in Israel und Assyrien, Stuttgart, 2005) vermissen.
Enger kommt in seiner Studie zu einem überwiegend
negativen Ergebnis. Für die vorexilische und exilische Zeit könne in keinem
Fall von Konversion gesprochen werden. Trotz aller Integrationsbestrebungen
habe der ger letztlich keinen
Zugang zur Versammlung (‘edah) und
Gemeinschaft der „Söhne Israels“. Zur Aufnahme des Edomiters und Ägypters in
die Versammlung (qahal) in Dtn
23,2-9 postuliert Enger eine Vorform des Texts, in der es lediglich um eine
Duldung im Land gegangen sei. Erst in nachexilischer Zeit sei der Wunsch nach
Integration in die „utopische Gemeinschaft“ hinzugekommen (S.296). Die
Erzählung von Naaman diene „einzig der politischen und religiösen
Selbstwertsteigerung jüdischer Leser“ (S.500), Elisa versage ihm in seiner Antwort
die autoritative Anerkennung (2.Kö 5,19). Bei Rut sieht Enger ein Problem
darin, dass „ihr Verhältnis zu ihrer moabitischen Heimatgottheit ungeklärt
bleibt“ (S.505). Die Seeleute und Niniviten im Buch Jona durchleben keine
Integration in die jüdische Gemeinschaft.
Lediglich fünf von Enger deutlich nachexilisch datierte
Texte öffnen Nichtjuden den Zugang zum Judentum: Esr 6,21; Neh 10,29; Jes
56,1-8; Hes 14,5-7.11; Est 9,27. Nur die beiden letzten Stellen lassen Enger
zu der Hypothese gelangen, „daß der historisch existente Konvertit zum
Judentum ein Phänomen der östlichen Diaspora im 3. Jahrhundert ist.“ Enger
schließt, dass diese Option einer Konversion in alttestamentlicher Zeit „weit
von einer allgemeinen Akzeptanz, theologischen Etablierung oder gar
förmlichen Institutionalisierung entfernt“ ist. Völlig abwegig sei von daher
die Annahme missionarischer Werbung im Alten Testament (S.518).
Enger bietet eine hervorragende Zusammen-stellung und
ausführliche exegetische Untersuchung zahlreicher missiologisch bedeutsamer Texte,
insbesondere zur Problematik des ger.
Auffällig ist hier das fast völlige Fehlen von Belegen aus den Narrativtexten
der Tora, dem weiter hätte nachgegangen werden können. Trotz anfänglicher
Bedenken (vgl. S.23, 54) stützt Enger einen großen Teil seiner Ergebnisse auf
die Basis umstrittener literarkritischer Hypothesen. Vielfach unterstellt er
den Texten tendenziöse Absichten und gibt sich hinsichtlich ihrer
Historizität sehr pessimistisch.
Obwohl er in seiner Einführung nachzeichnet, wie sehr die
Indikatoren für Konversion im Wandel begriffen sind, legt er sich auf ein
wohl eher engführendes Modell fest und führt seine Untersuchung so zu einem
negativen Ergebnis. So ist sein Werk, nicht nur aufgrund der 30 engbedruckten
Seiten bibliographischer Anga-ben, herausfordernd und unverzichtbar für alle,
die sich mit dem Phänomen der „Bekehrung“ im gesamtbiblischen Zusammenhang
beschäftigen möchten.
Dr. Siegbert Riecker, em 2007-1.
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Escobar,
Samuel. A
Time for Mission: The Challenge for global Christianity, The Global
Christian Library, Leicestershire:
Langham Literature & InterVarsity Press, 2003.
Samuel Escobar ist Peruaner und Professor für Missiologie
am Eastern Baptist Theological Seminary sowie Präsident der United Bible
Societies. Er war als Missionar und Dozent in verschiedenen Ländern der Welt
tätig. Escobar legt uns mit seinem Buch einen einführenden Überblick über die
missionarischen Herausforderungen der globalen Christenheit im 21.
Jahrhundert vor.
Erschienen in der Reihe der Global Christian Library (Hg.
John Stott u. David Smith) dient diese Einführung in die christliche Mission
(so will Escobar das Buch verstanden wissen, S. 170) dem Ziel der Serie, der
Verschiebung christlicher Gravitationszentren in die 2/3 Welt Rechnung zu
tragen. Dabei sollen nicht-westliche Autoren relevante theologische Themen
aus der Perspektive ihrer eigenen Kultur reflektieren.
Ausgehend von den Veränderungen der globalen
Missionssituation zu Beginn des 21. Jahrhunderts entwirft Escobar unter
Berücksichtigung der Missionsgeschichte ein trinitarisch-theologisches
Missionsmodell, um es für die gegenwärtige globale Situation fruchtbar zu
machen. Neben den bekannten missiologischen Wandlungs-Phänomenen
(geographische und soziale Veränderung der treibenden Kräfte christlicher Mission),
beschäftigt sich Escobar intensiv mit den Auswirkungen der Globalisierung und
der postmodernen und postchristlichen Gesellschaftsentwicklung auf die
Mission. Dabei warnt er nachdrücklich davor, die materialistische und gewinnorientierte
Ideologie der Globalisierung ähnlich unkritisch wie früher den Imperialismus
als notwendigen Aktionsrahmen aller missionarischen Bemühungen anzunehmen.
Die wirtschaftliche Verabsolutierung radikalisiert Armut und wird so zur
Herausforderung ganzheitlicher Mission. Transkulturelle Missionskooperationen
müssen gerade in einem global vernetzten Zeitalter nach dem Leitbild
nonpaternalistischer, inkarnatorischer Zusammenarbeit gestaltet werden.
Darüberhinaus kommt es durch die postchristliche und postmoderne Weltanschauung
vor allem in Europa zu kulturellen Abgründen zwischen Kirche und säkularer
Welt, die die Evangelisation fast unmöglich machen.
Nach dieser missiologischen, historischen und
soziologischen Situationsanalyse erklärt Escobar, wie das Missionsvorbild
Gottes die Kirche in eben dieser Situation bestimmen muss: Mission ist Gottes
Initiative, Gott ruft Menschen zu sich um sie dann in die Welt zu senden.
Christi inkarnatorisches Vorbild warnt vor Triumphalismus und ermutigt zu
praktischer Barmherzigkeit und ganzheitlichem Dienst einerseits und klarer
Konfrontation mit Ungerechtigkeit andrerseits. Da der Heilige Geist der
Regisseur der Mission schlechthin ist, gilt es, seinem Wehen sensibel zu
folgen. In der Anwendung seines inkarnatorischen Paradigmas auf den Umgang
mit der Bibel betont Escobar, wie wichtig es ist, dass jede Kultur die
Schrift aus ihrer eigenen Perspektive lesen lernt, um Antworten für eigene
Fragen zu finden. Escobar beschließt sein Buch mit einem kommentierten
Überblick zu weiterführender, missiologischer Literatur.
Der innere Aufbau des Buches, das eine Fülle von Themen
auf weniger als 200 Seiten abhandelt, wirkt insgesamt durchdacht und logisch
stringent. Allerdings tragen die Kapitelüberschriften nicht besonders gut
dazu bei, die vorhandenen gedanklichen Strukturen zu verdeutlichen. Escobar
leitet die Kapitel mit narrativen Beispieltexten ein und stellt damit einen
plastischen Wirklichkeitsbezug her. Zusammenfassende Abschlussparagraphen
fehlen jedoch völlig, was die Übersicht im Buch erschwert. Das thematisch
untergliederte Literaturverzeichnis am Schluss ist ein gutes Hilfsmittel zur
missiologischen Orientierung. Einen Index gibt es nicht.
Escobars Buch hat keinen wissenschaftlichen Anspruch,
sondern stellt eine hilfreiche allgemeinverständliche, missiologisch
reflektierte und evangelikal orientierte Einführung in die aktuelle
weltmissionarische Thematik aus der Perspektive eines lateinamerikanischen
Theologen dar. Es gelingt dem Autor, einen klaren Blick in die Missionsgeschichte
mit einer kritischen Gegenwartsanalyse und einem
trinitarisch-inkarnatorischen Leitbild der Mission zu verbinden. Besonders
erwähnenswert erscheint mir Escobars Anliegen, ein umfassendes Problembewusstsein
für die ideologischen Implikationen der Globalisierung für ein christliches
Missionsverständnis zu schaffen.
Andreas Rauhut,em 2006-2.
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Estep, William R. Whole Gospel, Whole World. The
Foreign Mission Board of the Southern Baptist Convention 1845-1995. Broadman & Holman:
Nashville, 1994.
Dieses Buch will keine Geschichte der Missionsarbeit der
Southern Baptists sein, sondern nur die der Heimatleitung. Als solche kann
uns das Buch helfen, die sich wandelnden Grundsätze der SB Mission besser zu
verstehen, die sich sowohl von denen der klassischen Missionen unterscheiden
als auch von denen der gegenwärtigen evangelikalen Missionen, mit Ideen wie
„indigenous principle“ und „nationalization“.
Für das 150jährige Jubiläum geschrieben (und offiziell
autorisiert), zieht der Autor die Entwicklungslinien von einer Missionsgesellschaft,
die fast die Denomination schuf, über eine von der Denomination unabhängige
Mission zur voll in die Denomination integrierten und von ihr kontrollierten
Missionsabteilung. Als solche wurde die SB Mission von der
konservativ/progressiven Krise betroffen, die zum Rücktritt von Keith Parks
als Präsident 1992, zur Krise um Rüschlikon und zur Gründung der Cooperate
Baptist Fellowship führte.
Das Buch endet mehr mit einem Ton der Unsicherheit und des
Nachdenkens als des Triumphes, zudem der weltweite Bold Mission Thrust auch
kein voller Erfolg war. Mir scheint, daß der Autor die auseinandergehenden
Überzeugungen (Evangelisation und Unterstützung der Missionare gegen Mission
durch Institutionen) beide vertritt. Dieses Buch hilft, eine Mission, die uns
in vielem fremd erscheint, besser zu verstehen. Die von den SB gegründeten
Kirchen spielen in dem Buch kaum eine Rolle.
Dr. Klaus Fiedler, em 1998-3.
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Evangelisches
Kirchenlexikon. Internationale theologische Enzyklopädie. Herausgegeben
von Erwin Fahlbusch, Jan Milic Lochman,
John Mbiti, Jaroslav Pelikan und Lukas
Vischer. Erster Band (A-F). Dritte Auflage. Neufassung. Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht, 1986.
Die dritte Auflage und
zugleich völlige Neufassung des bekannten Evangelischen Kirchenlexikons
(EKL), das in den 50er Jahren erstmals
erschien, um eine „zusammenfassende Darstellung der theologischen
Arbeit und des kirchlichen Lebens“ zu geben, liegt jetzt in ihrem ersten Band
vor. Diese Neufassung des EKL sucht der veränderten
Weltsituation und in ihr den neuen Herausforderungen
gerecht zu werden.
Der beschränkte Raum ermöglicht keine umfassende Besprechung, deswegen will ich mich hier auf die Themenkreise beschränken, die em berühren. Als Lexikon
dient das EKL zuallererst nicht
der Stellungnahme, sondern der Information, und es gelingt ihm, die weltweite Vielfalt des Christentums zu
erfassen. Der konfessionellen und denominationellen
Vielfalt versucht das EKL dadurch gerecht zu werden, daß häufig zu „katholischen“ Themen katholische Autoren
schreiben (z.B. Ludwig Wiedemann über Adveniat) oder zu freikirchlichen Themen eben Freikirchler (z.B. Schütz und Seidel über die Ev. Freikirchen und Freien ev. Gemeinden). So sind auch die „evangelikalen“ Themen an Evangelikale vergeben worden: Waldron
Scott schreibt über die Evangelische Allianz,
Erich Geldbach über die Evangelikale
Bewegung und Peter Beyerhaus über die Evangelikalen Missionen.
Hervorstechend ist der internationale Charakter des EKL.
Ein internationaler Herausgeber- und
Mitarbeiterkreis verantwortet das von Britta Hübener und Wolfgang G. Roehl
redaktionell betreute Werk. Die Artikel
über die einzelnen Länder wurden, wenn
eben möglich, an Autoren aus diesen Ländern vergeben (wobei sich manchmal Unebenheiten in der Übersetzung eingeschlichen haben, z.B. die „Muselmanen“, Sp. 430, in Benin). Es ist nicht nur für jedes Land der Welt ein Artikel vorgesehen, wichtiger
ist noch, daß auch bei thematischen Artikeln
der geographischen Vielfalt Raum gegeben wird: so enthält der Artikel
über Begräbnis neben einem Unterartikel
„Begräbnis in der orth. Kirche“ auch Unterartikel über Begräbnis in Afrika und in den USA.
Natürlich kann nicht
jeder geographische Bereich (und nicht jede der vielen Kirchen in diesen Bereichen) in jedem Fall gleich große
Aufmerksamkeit erhalten, so daß bestimmte Artikel oder Unterartikel auch exemplarisch gesehen werden müssen, z.B. der Artikel über die „Assembleias de Deus no Brasil“ für die vielen ähnlichen Pfingstkirchen.
Aber auch hier ist, sicher bewußt, eine
Kirche aus dem Lande gewählt worden, in dem weltweit die Pfingstler am
stärksten sind.
Erfrischend ist für mich die Tatsache, daß amerikanische Themen und Autoren so starke Berücksichtigung gefunden haben, denn
deutschsprachige Theologie steht sonst manchmal
in der Gefahr der Isolierung. Eine
englischsprachige Ausgabe des EKL ist
schon in Arbeit und wird von Eerdmans in Grand Rapids (USA) veröffentlicht
werden. Hilfreich ist zum Beispiel der
Artikel über die Brüderkirchen in Amerika (Donald F. Durnbaugh), der
uns hilft, die wichtigsten unter ihnen
auseinanderzuhalten, oder der
Unterartikel „Erweckungstheologie 2 Nordamerika“,
selbst wenn man die Meinung des
Autors Eldon G. Ernst nicht teilen kann, daß um 1850 die Verbindung der Erweckungstheologie zur Theologie abgerissen
(und wohl auch nicht wiederhergestellt worden) sei. Ich denke, schon allein
Ausbildungsstätten wie Fuller oder
Trinity mit ihren Doktorarbeiten
zu den Themenkreisen der Mission und des Gemeindewachstums bieten da ein anderes Bild.
Reiches Material zum Thema Mission bieten in diesem Band auch die Artikel „Britische Missionen“
und „China Inland Mission“ von Andrew
Walls, „Deutsche Missionen“ von Niels-Peter Moritzen, „Frauenmission“ von Elisabeth
Ottmüller und „Ärztliche Mission“ von
Martin Scheel. Interessant ist auch der Artikel von Rene Blanc über die französischen Missionen; er wird aber
insofern seinem Thema nicht
gerecht, als praktisch nur die
Pariser Mission (DEFAP) dargestellt wird
und die interdenominationellen, freikirchlichen oder pfingstlichen
Missionen gar nicht erwähnt werden, nicht
einmal die 1927 gegründete Mission
Biblique (die aber in John Mbitis
Artikel „Elfenbeinküste“ ihren Platz
hat). Als Missionstheologe hätte ich mir auch gewünscht, daß der
Länderartikel „Finnland“ (Jouko
Martikainen / Markku Heikkilä) den fast tausend finnischen Missionaren ein paar Zeilen gewidmet hätte.
Das EKL ist natürlich
kein evangelikales Werk, aber es bietet dem evangelikalen Leser eine große Fülle wertvollen Materials und verlangt keine Identifikation mit der theologischen
oder historischen Auffassung der Autoren, so wie sich unter den Autoren auch
verschiedene Tendenzen zeigen. Zum Beispiel werden zwei sehr unterschiedliche
Verständnisweisen des Begriffs Fundamentalismus vertreten, wobei ich der
Definition Geldbachs (Sp.1187) gegenüber der inklusiven von James Barr (Sp.1404 ff.) eindeutig den Vorzug geben möchte.
Das EKL bietet dem,
der bestimmte Informationen sucht, weitreichende Möglichkeiten, die dann Band V als Registerband noch erweitern wird. Als angenehm empfinde ich,
daß bei Literaturangaben auch der Erscheinungsort angegeben ist, so daß der
Benutzer die genannten Bücher über den auswärtigen
Leihverkehr bestellen kann. Gut ist auch, daß die Umlaute wie einfache
Vokale behandelt werden. Das EKL ist gefällig
gedruckt, nicht nur ein Nachschlagewerk, auch ein Buch zum Lesen.
Klaus Fiedler, em 1987-4.
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Evangelisches
Kirchenlexikon. Internationale theologische Enzyklopädie. Herausgegeben von Erwin
Fahlbusch, Jan Milic Lochman, John
Mbiti, Jaroslav Pelikan und Lukas Vischer. Zweiter Band (G-K). Dritte Auflage - Neufassung, Vandenhoek & Ruprecht,
Göttingen, 1989.
Nachdem 1986 der Band I der dritten, völlig neubearbeiteten Auflage des Evangelischen Kirchenlexikons
(EKL) erschienen war (siehe Rezension in em 4/1987), liegt nun Band II (G-K)
vor. Er zeichnet sich wie der erste
Band durch gewaltige Vielfalt aus,
die sich schon im Reichtum der Themen
der Artikel zeigt. Wichtiger ist aber die denominationeile Vielfalt. So werden viele wesentliche theologische Artikel aus unterschiedlicher konfessioneller Sicht behandelt,
oft von Autoren aus dem entsprechenden Bereich. Diese Vielfalt der
konfessionellen Verständnisweisen wird besonders deutlich bei der Behandlung
des Stichwortes „Kirche“ und damit
zusammenhängender Stichworte
(Sp.1046-1293), aber z.B. auch beim
Stichwort „Gemeindeaufbau“, das für die
Volkskirche, die Freikirchen, die Kirchen der Dritten Welt, die Minderheitskirchen und die Kirchen in den USA getrennt behandelt wird. Als Freikirchler
gefiel es mir, daß der
freikirchlichen Gottesdiensttradition
ein eigener Abschnitt (Sp.273-275) gewidmet
wurde; schön hätte ich es gefunden,
wenn ihnen auch bei „Klerus und Laien“
und bei „Kirchenrecht“ ein paar Worte gewidmet worden wären, sonst
könnte der Eindruck entstehen, als hätten die Freikirchen beides nicht.
Kirche ist nicht nur interdenominationell, sondern auch international. Dieser Tatsache wird das EKL mehr als jedes andere vergleichbare
Lexikon dadurch gerecht, daß
viele nicht deutschsprachige Autoren mitarbeiten,
und zwar nicht nur für die Länderartikel, sondern auch bei den
„allgemeinen“ Themen. Daß bei
internationalen Büchern die
Übersetzung nicht immer leicht ist,
zeigen Probleme bei der Übersetzung fremdsprachlicher
Kirchennamen in einzelnen Artikeln, z.B. Kanada, wo von „propagandistischen Kirchen“ (Sp.930) gesprochen wird,
oder im Artikel über Kolumbien, wo die
Übersetzung eine Mission der „Evangelischen
Allianz“ schuf (Sp.1338). Hier wäre, wie
in vielen anderen Länderartikeln dieses Bandes, eine Benutzung englischer oder spanischer Namen richtig. Diese Beobachtungen sprechen aber
ganz und gar nicht gegen die umfassende
Beteiligung ausländischer Autoren.
(Nachahmenswert ist auch die
Angabe der Übersetzer neben der Angabe
der Autoren.)
Da eine Gesamtbesprechung des Bandes zu umfangreich für diese Zeitschrift würde, möchte ich mich auf die auf em bezogenen Aspekte beschränken. Durch die Anfangsbuchstaben bedingt fehlen in diesem Band die
großen evangelikalen Stichworte. Aber auch kleinere haben Bedeutung und
werden solide behandelt, z.B. Gemeinschaftsbewegung, Heiligungsbewegung (beide Jörg Ohlemacher) und
Glaubensmissionen (Peter Beyerhaus). Als Hilfe zur Unterscheidung
evangelikal-fundamentalistisch kann der Artikel
von Ludwig Rott über den Internationalen Rat Christlicher Kirchen
(ICCC) dienen, der eine faire
Darstellung gibt, ihn aber doch
gegenüber den Selbstdarstellungen des
ICCC auf eine reale (kleine) Größe bringt.
Insgesamt wird das EKL
dem freikirchlichen und dem
evangelikalen Bereich nicht nur durch entsprechende Artikel gerecht, sondern
auch durch eine Vielzahl von oft treffenden
Einzelinformationen (z.B. die Erwähnung des TEAR Fund in Paul Oestrei-chers Artikel über
Großbritannien und seine Feststellung, daß „die eigentlichen theologischen
und soziologischen Trennungslinien zwischen
Christen in Großbritannien heute im wesentlichen nicht mehr
konfessioneller Art sind“).
Eine Vielfalt von religionswissenschaftlichen Informationen bieten die entsprechenden Artikel wie Hinduismus, Iranische Religionen, Islam, Islamische Philosophie, Jainismus,
Judentum, Jugendreligionen u.a.m. selbst dann, wenn der Leser den von einigen
Autoren deutlich gemachten Hoffnungen auf einen Dialog zwischen den Religionen nicht zustimmen kann.
Im direkt
missiologischen Bereich finden sich der informative Artikel
„Katholische Missionen“ (Josef Metzler) und der viele gängige Schablonen
zerstörende Artikel „Kolonialismus und Mission“ von Hans-Werner Gensichen. Interessant (und ausgewogen)
ist auch der Artikel „Judenmission“
von Arnulf Baumann, der u.a. auch die Lausanne Consültation on Jewish
Evan-gelism und die Messianischen Juden erwähnt. Artikel wie „Irische Missionen“ oder
„Germanenmission“ vermitteln einen Überblick,
wie ihn zugängliche Kirchengeschichtsbücher
so schnell nicht bieten.
Eine Fülle wichtiger Informationen bieten die Länderartikel. Es gefällt, daß in diesen Artikeln
durchweg auch die nachklassischen Kirchen und Missionen genannt und angemessen beschrieben werden, wie z.B. die Christian
and Missionary Alliance und Radio
ELWA in John Mbitis Artikel über Guinea oder die soziale Tätigkeit der
Afri-ca Inland Mission auf den Komoren
(S.J. Kenneth Baker). Allerdings
finden sich auch gelegentlich wenig ökumenisch klingende Urteile,
z.B. über „Konversionskreuzzüge“
(Crusades) ausländischer evangelika-ler Gruppen in Indien (Sp.531)
oder die Stereotype, daß „zum Schaden der
Einheit der Indianer fundamentalistische evangelikale Gruppierungen,
z.B. die New Tribes Mission oder die Wycliff-Bibelübersetzer, unter dem Vorwand des Missionsbefehls an Einfluß gewinnen“ (Sp.636 f).
Das EKL ist ein Lexikon, das in verständlicher, umfassender und internationaler Weise Zugang zu der weiten Weit der Kirche
bietet (und darüber hinaus zu vielen Informationen, die damit in
Zusammenhang gebracht werden können) und
die jedem, der an der Kirche und
ihrer weltweiten Tätigkeit interessiert ist, von Nutzen sind. Die qualitativ gute Gestaltung des Drucks macht es auch angenehm lesbar.
Klaus Fiedler, em 1990-4.
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Evangelisches Lexikon für
Theologie und Gemeinde (ELThG), Bd. 3 (O-Z), hg. von Helmut Burkhardt u.a.,
Wuppertal: Brockhaus, 1994.
Nun liegt das Lexikon
komplett vor. Wieder sind zahlreiche (ca. 80) missiologisch interessante Artikel enthalten. Besonders hervorzuheben sind die Artikel Ostasienmission (H. Hamer),
Radiomission (H. Marquardt), Religion (P.
Beyerhaus), Synkretismus (H. Burkhardt), Türkei (R. Soramies), Georg Friedrich Vicedom (K.W. Müller)
und Weltmissionskonferenzen (H. Wagner). Hinzu kommen zahlreiche religionswissenschaftliche Artikel von N.P. Moritzen. Schwach ist leider der
Artikel über J. Hudson Taylor. Die
Tatsache, daß das Register nicht im letzten Band enthalten ist,
sondern gegen eine Schutzgebühr nachträglich
angefordert werden muß, macht keinen guten Eindruck und läßt auf Probleme bei
der Produktion schließen. Das Lexikon bleibt ein wertvolles
allgemeines theologisches Nachschlagewerk, das in manchem die erhältlichen missiologischen Lexika übertrifft, in vielem aber
den Mangel an einem neueren evangelischen Missionslexikon deutlich macht.
Für Missionare wäre es interessant, wenn der Verlag das Lexikon auf Diskette anbieten würde. Das erleichtert das Reisegepäck.
Christof Sauer, em 1995-4.
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Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde (ELThG). Band 1. Hg. von Helmut Burkhardt. Wuppertal: R. Brockhaus, 1992.
Bereits der erste Band des ELThG (A-F) bietet erstaunlich
viele Artikel, die für einen Missiologen
interessant sein könnten (rund 80 von ca. 930 Einträgen). Am
ertragreichsten sind missiologisch relevante, theologische Sachartikel, die durchweg das Lexikon zur Weltmission (1975)
übertreffen und den Interessen von Evangelikalen
eher entsprechen, als Rzepkowski (1992) oder das Lexikon
missionstheologischer Grundbegriffe (1987): Absolutheit des Christentums
(Ratschow), Allversöhnung, Anonyme Christen, Apologetik, Apostel/Apostolat, Bekehrung (Burkhardt), Berufung, Christentum
als Weltreligion (G. Sautter), Dialog (Beyerhaus),
Erlösung, und Evangelisation. Kurz aber aktuell werden Missionswerke
und -Vereinigungen beschrieben. Im Artikel
„AEM“ wird freilich der AfeM als
eine Gründung der AEM dargestellt,
was der Artikel „AfeM“, nur eine Seite weiter, anders schildert.
Je stärker Einträge
von rein missiologischem Interesse sind, umso weniger reichen sie
allerdings in vielen Fällen an ein Missionslexikon heran, was auch für
Personenartikel gilt. Bemerkenswerte Ausnahmen sind u.a. die Artikel über Afrika, Animismus, Ärztliche Mission (H. Grüber), Basler Mission, Batak Kirchen/-Mis-sion,
China, Ethnologie (L. Käser), Frankfurter Erklärung (Berneburg) und Walter
Freytag (Rennstich). Weiter erhält man solide reli-gionskundliche
Grundinformation (u.a. sechs Artikel von
Moritzen). Schließlich informiert eine
Vielzahl von Artikeln, wie sonst in keinem Lexikon, über den
pietistischen, erwecklichen oder
evangelikalen Hintergrund (inkl. Institutionen und Gründerpersonen)
der meisten heutigen Missionen. Deshalb
sei das ELThG als Ergänzung zu einem Missionslexikon und als
allgemeines theologisches Nachschlagewerk wärmstens zur Anschaffung
empfohlen.
Christof Sauer, em 1993-4.
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Evangelisches Lexikon für
Theologie und Gemeinde (ELThG). Band 2. G - N. Hg. von Helmut Burkhardt u.a., Wuppertal: Brockhaus, 1993.
Als Missiologe schlägt man zuerst den Buchstaben M auf
und entdeckt zwei umfangreiche Artikel über Mission (H. Wagner) und über
Missionswissenschaft (P. Beyerhaus). Weitere Missionsbegriffe sind
Missionsfest, Missionskonferenzen (hier wird der AfeM erwähnt, der auf evangelikaler
Seite wie eine Missionskonferenz wirke)
und Missionsschulwesen (J. Triebel).
Was zum ersten Band grundsätzlich und empfehlend gesagt wurde (em
93/4,120), bestätigt sich in den gut 100 missiologisch interessanten Artikeln
des zweiten Bandes.
Deshalb ist es nicht kleinlich gemeint, wenn hier auch auf
einige Schwachpunkte hingewiesen wird. Am schwersten wiegen eigens aufgeführte Verweisstichworte, wo der
genannte Artikel
keinen einzigen Satz zum Thema aufweist
(Niederländische Missionsgesellschaften – Niederlande) oder es nur nebenbei gestreift wird
(Nordamerikanische Missionsgesellschaften - Nordamerika). In manchen Fällen
wurden die Literaturangaben nicht akutalisiert, was besonders bei den
Artikeln über H. Gundert (Jubiläumsjahr!) und S. Hebich auffiel. Druckfehler
– v.a. bei Namen – finden sich viele: Im bemerkenswerten
Artikel über Islammission von R. Werner wurde aus K.G. Pfander ein S.
Pfander, aus P. Parshall ein O. Pearshall, beim „Internationalen Missionsrat“
tagt eine Konferenz in Villingen statt in Willingen. Am entstellendsten wurde die erste Dissertation über eine
deutsche Glaubensmission im Artikel über die Marburger Mission zitiert: N. Schmidt, Von der Evangelisation
zur Kirchenführung
(statt Kirchengründung!), Francke 1991.
Für Missionshistoriker interessant zu klären: War J.C.G.
Krafft (1784-1845, ab 1818 Professor in
Erlangen) der erste, der ein Kolleg über
Missionsgeschichte hielt (so H. Kirchner, S.1172), wenn bereits 1801 J.F. Flatt in Tübingen einen
besonderen missionswissenschaftlichen
Lehrauftrag erteilt bekam (Beyerhaus S.1350)?
Bei den zahlreichen Artikeln über einzelne
Missionsgesellschaften entsteht der Eindruck, daß die landeskirchlichen
Missionen mit weitaus längeren Beiträgen
bedacht sind als die evangelikalen.
Der Artikel Gossnermission bietet
zudem starke Doppelungen zum direkt vorausgehenden über J. Gossner.
Der Artikel über Glaubensmissionen (K.
Lagershausen) ist leider nicht so präzise wie er sein könnte (es
werden hauptsächlich die Taylorschen Glaubensprinzipien
aufgezählt), und es ist nicht verständlich, warum der in den
Literaturhinweisen als Kronzeuge
aufgeführte K. Fiedler nur zur
Schweizer „Kooperation Evangelischer Missionen“ schreiben durfte.
Besonders positiv aus
der Fülle lehrreicher Artikel ist
noch zu verbuchen: ein ausführlicher Artikel über Judenmission (A.
Burchartz) und ein interessanter Beitrag über den Begriff Heiden (H.
Wagner). Nach wie vor: herzliche Empfehlung zu einer lohnenden Geldanlage!
Christof Sauer, em 1995-1.
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Feldkeller, Andreas;
Theo Sundermeier (Hg.). Mission in pluralistischer Gesellschaft. Frankfurt: Lembeck, 1999.
Um Mission im europäischen Kontext in landeskirchlich-
und universitätstheologischen Kreisen wieder stärker ins Gespräch zu bringen
„bedurfte es wohl erst des gegenwärtigen finanziellen Einbruchs … und einer
schonungslosen Analyse der volkskirchlichen Situation, wie sie uns durch die
Wiedervereinigung in den neuen Bundesländern vor Augen geführt wurde“
(Einleitung S.7).
Das Buch ist die überarbeitete und um einen Aufsatz
des Heidelberger Missionswissenschaftlers Theo Sundermeier und drei
Dokumentationen erweiterte Fassung der Nummer 6/98 der Zeitschrift
"Evangelische Theologie" zum Thema "Missionarische
Gemeinde". Der Schwerpunkt des Buches liegt in einer grundsätzlichen
systematisch-theologischen Auseinandersetzung mit dem Konzept und der Praxis
von „Mission“ im europäischen Kontext angesichts moderner, pluralistischer
Anfragen.
Für Theo Sundermeier antwortet Mission auf die
menschlichen Grundfragen nach Herkunft, Sein und Zielbestimmung in der
dreifachen Gestalt von gemeinsamem Leben (Konvivenz), Dialog und Zeugnis, die
voneinander zu unterscheiden, aber nicht zu trennen sind. Das Zeugnis
spricht von den großen Taten Gottes und lädt ein zum Fest, denn "nirgendwo ist man so sehr bei sich selbst und
zugleich beim anderen wie auf dem Fest" (S. 24).
A. Feldtkeller betrachtet Mission als Weitergabe des
Lebens in umfassender Weise. Die Tabuisierung der Mission in der Gesellschaft
sei nichts Ungewöhnliches, sondern diene dem Schutz ihres Geheimnisses. Dies
dürfe jedoch nicht zu einer Weigerung der Lebensweitergabe durch die Kirche
führen. Einer pluralistischen Theologie der Religionen setzt er entgegen,
daß sie die „grenzüberschreitenden Impulse der Religionen“ abkappen würde
(S.43)., die Weitergabe von Leben über die Verwandschafts- und
Stammesgrenzen hinaus, wobei es gerade
dieses Proprium der Mission sei, das ein pluralistisches Zusammenleben auch
in Zukunft erst ermögliche. Die Zukunft des Christentums erkennt
er in der spannungsvollen Beziehung zwischen Mission und volksreligiöser
Inkulturation. Neben formal wichtigen Erkenntnissen hätte man sich hier
allerdings ein deutlicheres inhaltliches Statement des christlichen
Missionars gewünscht – über das pluralismusförderliche „Prinzip Mission“
(egal, durch welche Religion) hinaus. Von daher ist auch zu fragen, ob die Zukunft
des Christentums in Deutschland im Bezug auf „Konturen primärer Religion“ (d.
h. Volks- und Stammesreligiosität) gesucht werden sollte, oder nicht vor
allem in der Überwindung dessen, was C. Grundmann einmal den „Verlust der
einstigen Glaubensgewißheit“ nannte (Antrittsvorlesung Hamburg 1997).
Weitere grundlegende Aufsätze liefern M. Welker und H.
Wrogemann, der mit seinem Konzept von „Positionalität“ doxologische,
diakonische und zeugnishafte missionarische „Eckpunkte“ profiliert. Drei
neuere kirchliche Dokumentationen zur Mission schließen den Band ab: (1)
„Mission – Ökumene – Partnerschaft“, eine Erklärung der Evangelisch-Reformierten
Kirche, die u. a. den Aufruf zur Bekehrung als Teil des Missionsauftrages
thematisiert, (2) ein interessantes Grundsatzpapier der „Offenen Kirche
Elisabethen, Basel“, das neben vielen inspirierenden Anregungen leider nur
sehr undeutlich von der „Versöhnung mit der Wirklichkeit, die alles umfängt“
(S.142) als missionarischem Ziel spricht und (3) das missionarische
Leitlinien-Papier der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg „Wachsen
gegen den Trend“, in dem mit Recht die Notwendigkeit der Verwurzelung der
Kirche im Heiligen betont wird.
Alles in allem ein intellektuell anregendes Buch, das
manch gute Denkanstöße gibt – vor allem, wenn es um die Notwendigkeit von
Konvivenz und hörendem Dialog geht. Erfreulich auch, daß man die Fremdheit
der unterschiedlichen Religionen mitsamt ihrer „Absolutheitsansprüche“ und
Missionsunternehmungen ernstnimmt. Die kreative Spannung zwischen diesem
Ernstnehmen der faktischen Pluralität und der Gewißheit, daß Jesus Christus
der einzig(artig)e Retter und Herr ist, wird allerdings nicht immer
ausgehalten. Jedenfalls hätte ich mir zu letzterem ein deutlicheres
Bekenntnis gewünscht, denn gerade darin dürfte der entscheidende Faktor für
die Zukunft der christlichen Mission in der pluralistischen Gesellschaft
liegen.
Friedemann Walldorf, em 2000-2.
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Feldtkeller, Andreas. Die ‚Mutter der Kirchen’ im ‚Haus des
Islam’. Gegenseitige Wahrnehmungen von arabischen Christen und Muslimen im
West- und Ostjordanland. Missionswissenschaftliche
Forschungen. Neue Folge Band 6, Erlanger Verlag für Mission und Ökumene,
Erlangen 1998.
Diese umfangreiche Habilitationsarbeit des Religions- und
Missionstheologen A. Feldtkeller, der inzwischen einen Lehrstuhl an der
Humboldt-Universität in Berlin innehat, untersucht das Zusammenleben von Christen
und Muslimen in Jerusalem und Umgebung seit der arabisch-islamischen
Eroberung bis heute. Da die Kirche von Jerusalem, die Mutterkirche der
Weltchristenheit, seit dem 7. Jahrhundert – nur unterbrochen durch die
Kreuzfahrerzeit - im Herrschaftsraum des Islam lebte und auch seit 1918 bzw.
1948 eng mit dem arabisch-islamischen Kulturraum verwachsen blieb,
konzentriert sich der Verfasser auf das christlich-islamische Verhältnis. Er
zieht eine Fülle alter und neuer, auch arabischer, Literatur heran und verwertet
zahlreiche Gespräche, die er während eines mehrjährigen
Forschungsaufenthaltes in der Region führen konnte.
Für Feldtkeller ist das komplizierte Gefüge der Koexistenz
von dominierenden Muslimen und dominierten Christen (die zahlenmäßig
allerdings lange in der Mehrheit waren) ein Beispiel für ein einigermaßen
gelungenes Zusammenleben (Konvivenz) von Menschen unterschiedlichen Glaubens
und unterschiedlicher kultureller und ethnischer Herkunft
(aramäisch-griechisch auf christlicher Seite, arabisch-türkisch auf
muslimischer Seite) in einem Prozess gegenseitiger kultureller Durchdringung.
Dabei legt der Verfasser vor allem Denkkategorien der Hermeneutik (Lehre des
Verstehens und der gegenseitigen Wahrnehmung) und der Soziologie zugrunde. Entsprechend
entfaltet er den Stoff nicht in geschichtlicher Abfolge, sondern in
kultur-soziologischen Querschnitten. Als Beispiele nenne ich die Beziehungen
von Bedrohung und Schutz (Kap. 2) sowie von Außen und Innen (Kap.4): Die von
außen gekommenen und die Außenwelt beherrschenden Muslime gewährten den Christen
äußeren Schutz, solange diese ihr Leben auf den Innenbereich von Kirche und
Haus beschränkten – so wie ein arabischer Mann seiner Frau Schutz gewährt,
solange sie sich auf den Bereich des Hauses beschränkt.
Feldtkeller sieht diese Balance der Konvivenz m.E. zu
positiv. Denn eine Voraussetzung für die Duldung der Christen durch die
Muslime war u.a. deren Verzicht auf die Verkündigung des Evangeliums unter
den Muslimen, also auf ein Kernanliegen christlicher Existenz. Feldtkeller
beschränkt sich zu einseitig auf soziologische Fragestellungen und blendet
die theologische Diskussion der Probleme des Zusammenlebens von Christen und
Muslimen zu sehr aus. Dadurch erscheint die Konvivenz – zu welchem Preis auch
immer – als ein Wert an sich. Dennoch bietet das Buch eine Fülle
interessanter und wertvoller Einsichten und Einblicke, die durch das umfangreiche
Literatur- und Stichwortverzeichnis positiv ergänzt werden.
Eberhard Troeger, em 2001-3.
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Feldtkeller, Andreas. Sieben
Thesen zur Missionsgeschichte, Berliner Beiträge zur Missionsgeschichte,
Heft 1. September 2000.
In dieser Thesenreihe von A. Feldtkeller, Professor für
Religions- und Missionswissenschaft sowie Ökumene an der Theologischen
Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, wird Missionsgeschichte unter
der Annahme betrachtet, dass eine Mehrzahl von „missionarischen Religionen“
(u.a. Buddhismus, Christentum und Islam) in einer gemeinsamen Geschichte
miteinander verwoben seien. Die „missionarische Religion“ als ethnische Grenzüberschreitung
sei nicht selbstverständlich. Sie unterscheide sich von der
Abstammungs-Religion, in der Menschen außerhalb der eigenen Gemeinschaft als
fremd und bedrohlich angesehen würden. „Es mag vielen heute
selbstverständlich erscheinen, dass Leben mit allen Menschen zu teilen ist,
aber wir hätten dieses Kulturgut nicht, wenn es nicht ursprünglich einmal
durch den missionarischen Impuls des Christentums in unsere Lebenswelt
eingeführt worden wäre“ (S.7). Gerade diese wichtige Beobachtung wirft die
Frage auf, ob man so generell-verallgemeinernd von „missionarischen
Religionen“ sprechen kann, und ob nicht - auch im Bereich der kulturellen
Auswirkungen – gravierende Unterschiede zwischen z.B. islamischer,
buddhistischer und christlicher Grenzüberschreitung bestehen? Zeichnen sich
wirklich alle „missionarischen Religionen … durch das Bemühen, Gemeinschaft
zwischen Menschen verschiedener Kulturen herzustellen“ aus (vgl.
Pressemitteilung), oder ist dies westliches Wunschdenken?
Feldtkeller interpretiert Missionsgeschichte als
Geschichte kultureller und religiöser Grenzüberschreitung. In ihr sei ein
erheblicher Teil der Konstitutionsbedingungen gewachsen für heutiges
Zusammenleben in pluralistischen Gesellschaften und in einer entstehenden
Weltgesellschaft. Der auf Gemeinschaft über Grenzen hinweg zielende
missionarische Impuls trete notwendig in eine Beziehung zum politischen
Leben; er werde darin jedoch auch missbrauchbar, bzw. führe zur Verfolgung
von politisch Unerwünschten. Entscheidend für den Aufbruch der modernen
Missionsbewegung (seit W. Carey) sei die Idee der Religionsfreiheit (und
damit verbunden vor allem der Missionsfreiheit) und die Hoffnung auf deren
Umsetzung in aller Welt gewesen. Diese Idee der Entflechtung von Macht
(Politik) und Mission sei in der Folge auch von islamischen, hinudistischen
und buddhistischen „Missionaren“ übernommen worden, die nun Mission nach dem
Vorbild des Westens im Westen trieben. Nicht zuletzt diese Erfahrung habe zur
Desillusioniserung der modernen Missionsbewegung beigetragen. Hier ist zu
fragen: war es wirklich die Hoffnung auf Religionsfreiheit, die zum
Hauptmotivator der modernen Mission wurde? Ist diese These angesichts der
vielen Märtyrer christlicher Missionsgeschichte haltbar?
Grundlegend für Feldtkellers Thesen ist das Anliegen, den
Missionsbegriff für die moderne, pluralistische Gesellschaft zu
rehabilitieren und so auch die Missionsgeschichte als relevant
aufzuweisen (These 1). Dazu definiert er Mission nicht mehr spezifisch
christlich-theologisch, sondern in religionswissenschaftlicher Weite als
„Weitergabe von Leben“ (S.4). Weil es sich dabei um ein göttliches Geheimnis
handele, werde Mission zu Recht in der westlichen Gesellschaft als Tabuthema
behandelt. Nicht berechtigt allerdings sei es, auch die Missionsgeschichte zu
tabuisieren, und sich mit ihr nicht mehr ernsthaft auseinanderzusetzen. Sie
enthalte trotz der bekannten Problematiken „sehr viel Bemühung um
Gerechtigkeit“ (S.5). Der Historiker müsse versuchen, dieser Tatsache gerecht
zu werden und könne dabei aus dieser Geschichte Maßstäbe dafür gewinnen, „was
Gerechtigkeit in der Gegenwart heißen kann“(S.6).Während Feldtkellers Thesen
insgesamt eine Reihe von beachtenswerten Überlegungen enthalten und mit Recht
die profangeschichtlichen Implikationen der Missionsgeschichte in den Blick
nehmen, ist vor allem zur ersten grundlegenden These kritisch anzumerken,
dass das zutreffend beobachtete Missions-Tabu in der westlichen Gesellschaft
wohl kaum auf ein Gespür der Gesellschaft für das geheimnisvolle Handeln
Gottes zurückzuführen ist, sondern wohl eher einerseits eine (verständliche)
Reaktion auf europäisch-westliche Überheblichkeiten in der Vergangenheit ist
und andererseits in der modern-individualistischen Haltung, daß Glaube
Privatsache sei und im „Verlust der einstigen Glaubensgewissheit“ (C.
Grundmann) begründet liegt. Inwieweit Feldtkellers Aufnahme einer vorwiegend
religionsgeschichtlichen Sichtweise des Phänomens „Mission“ eine Abkehr von
einer biblisch-theologischen Missionbegründung impliziert und so als Indiz
eben dieses Verlustes der Glaubensgrundlagen auch in der Missionswissenschaft
selbst gedeutet werden muß, ist eine offene Frage. M.E. kann die
Missionsgeschichte der christlichen Kirche mit ihren Licht- und
Schattenseiten und ihren welt- und kultur- und religionsgeschichtlichen
Implikationen nur unter Einbeziehung ihrer biblisch-theologischen und
geistlichen Identität, Begründung und Motivation angemessen verstanden
werden.
Dr. Friedemann Walldorf, em 2002-3.
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Feneberg, Rupert. Der Jude Jesu und die Heiden.
Biographie und Theologie Jesu im Markusevangelium. 2. Aufl., Herders
Biblische Studien 24, Freiburg, Basel, Wien: Herder, 2001.
Seit der Diskussion der späten fünfziger Jahre über Jesu
Verhältnis zu den Heiden (vgl. z.B. J. Jeremias, Jesu Verheißung für die
Völker, 1953; D. J. Bosch, Die Heidenmission in der Zukunftsschau Jesu: Eine
Untersuchung zur Eschatologie der synoptischen Evangelien, 1959) hat es kaum
weitere Studien zu diesem Thema gegeben. Dem katholischen Theologieprofessor
Rupert Feneberg geht es in diesem Buch um das Erfassen des Verhältnisses Jesu
zu den Heiden in der Gesamtstruktur und theologischen Entwicklung des MkEv.
Dabei vertritt er folgende These: „Markus schrieb sein Evangelium unter
dieser Leitfrage: Wo und wie im Leben Jesu, in seinen Worten und Taten, ist
diese Entwicklung zur Heidenkirche angelegt?“ (153). Hierbei handelt es sich
um eine Fragestellung, die gut zu den heidenchristlichen Empfängern des MkEv
passt. Von besonderem Interesse ist der entscheidende Abschnitt „Jesus und
die Heiden“ (Mk 6,14-8.30 tw. mark. Sondergut, 145-95). Nach F. hat die
Begegnung Jesu mit dem besessenen Gerasener und seine Heilung in Mk 5,1-20
diesen Abstecher Jesu in heidnisches Gebiet ausgelöst. F. spricht hier von
einem „neuen Schlüsselerlebnis für Jesus“ (136-44). „Was nur als
Rückzugsbewegung begonnen hatte, bekam jetzt eine unerwartete eigene
Perspektive“ (153). Die in diesem Abschnitt thematisierte Frage nach der
Person Jesu, die im Messiasbekenntnis gipfelt (8,27-30), wird vor allem
durch das Verhalten Jesu gegenüber den Heiden bestimmt. Was inhaltlich bei
Matthäus und Lukas u. a. in den Kindheitsgeschichten geschieht, bereitet Mk
durch seinen Bericht des Wirkens Jesu vor.
F. behandelt und vergleicht die beiden Brotvermehrungen
bei Juden am Westufer (6,32-44) und bei Heiden am Ostufer des Sees
Genezareth (8,1-9, vgl. 7,31), denen Jesus, ohne die besondere Erwählung
Israels aufheben zu wollen, symbolisch Anteil an der Heilsgabe gibt. Jesu
Lehrrede über „rein“ und „unrein“ (7,1-23) unmittelbar vor Aufbruch in
nicht-jüdisches Gebiet dient „im Zusammenhang des Evangeliums der
theoretischen Vorbereitung der bevorstehenden Ereignisse im Heidenland“ (176;
vgl. auch den kompositioneilen Aufbau von Apg 10, wo die Vision des Petrus
dem konkreten Auffrag, das Haus eines Heiden zu betreten, vorausgeht). Aus
der Abfolge des MkEv ergibt sich, dass Jesus seinen Abstecher ins Heidenland
theoretisch vorbereitet hat und sein dortiges Handeln, einschließlich der
Tischgemeinschaft mit Heiden (im Rahmen des zweiten Speisungswunders),
vorbereitet hat.
Auf der Reise geschehen vier Wunder unter und an Heiden:
die Speisung und drei Exorzismen bzw. Heilungen: 7,24-30; 7,31-37; 8,22-26.
Der ungewöhnliche Charakter der Heilung des Taubstummen in der Dekapolis und
des Blinden in Bethsaida an dem mit Heiden assoziierten Ostufer des Sees
Genezareth erklärt sich aus der Lokalisierung in heidnischem Umfeld: „Die
zwei ‘komplizierten’ Heilungswunder… erzählen von der Liebe Gottes auch zu
den Heiden in einer Art und Weise, dass durch diese Heilstat Gottes der Unterschied
in der Erwählung [von Juden und Heiden] nicht aufgehoben wird“ (377). Die
eingeschobene Zeichenforderung der Pharisäer in 8,10-13 (zurück am Westufer
des Sees, 8,10) ist direkt auf das Speisungswunder unter den Heiden zu beziehen:
Mit ihrer Forderung bezweifeln die Pharisäer, „dass Gott ein solches
Heilszeichen auch für die Heiden wollen kann. Der Sauerteig [der Pharisäer,
vor dem Jesus anschließend bei der Rückfahrt die Jünger warnt, 8,15] meint
also an dieser Stelle nicht eine bestimmte Lehre oder Haltung der Pharisäer,
sondern gezielt ihre Ablehnung der von Jesus gezeigten Liebe zu Heiden“ (184f).
Auch das in 8,27-30 folgende Christusbekenntnis ist aus dieser Signalwirkung
tragenden Reise zu den Heiden zu verstehen: „Die Hinwendung Jesu zu den notleidenden
Heiden führt dazu, dass Petrus und die Jünger über den Prophetentitel hinaus
zum Christusbekenntnis kommen“ (188). Nach den Eindrücken dieser Reise gab es
für die Jünger nur zwei Möglichkeiten: „Die Jünger konnten sich jetzt nur von
Jesus abwenden, weil sie ihn nicht mehr verstanden, oder sie mussten ihn in
ihrem Nichtverstehen auf seinem Weg in das Heidenland auf eine neue Weise
qualifizieren und ihn anders sehen lernen“ (189). F. unterstreicht die
Bedeutung dieses Abschnitts für die Struktur und theologische Entfaltung des
MkEv: „Erst durch die Heidenreise in Mk 6,45-8,26 ist das Messiasbekenntnis
des Petrus in Mk 8,29 überhaupt möglich geworden. Denn erst damit hat sich
inhaltlich geklärt, in welche Richtung Jesu besondere Aufgabe gehen sollte.
Jesus ist für Petrus der Christus geworden, das heißt: der jüdische Gesalbte
Gottes, der sich in einer verschwenderischen Großzügigkeit und Liebe auch
für die Not bei den Heiden einsetzen und auch bei ihnen Gottes Heil anzeigen
und wahrmachen soll“ (191). Diese Entwicklung entfaltet F. im weiteren
Verlauf seiner Studie. Als König verkündet Jesus sein Programm im Tempel
(11,1-13,37).
In einzelnen Beobachtungen am Text, in der Beurteilung
der Historizität des Itinerars von Mk 3,7-8,30 („Ein Leitfaden für den Weg
Jesu zwischen Juden und Heiden“, 152-62) sowie in den topographischen
Kenntnissen des Markus und der Datierung des MkEv kann man mit guten Gründen
auch zu anderen Ergebnissen als F. kommen. Der Gesamtthese des Bandes ist
jedoch zuzustimmen, dass die Heiden und die Heidenmission kein Nachgedanke
des Auferstandenen oder eine Rückprojektion der Gemeinde waren, sondern
schon zu Jesu irdischen Lebzeiten in seinem Blick waren, bzw. durch göttliche
Führung mehr als nur in den Blick gekommen sind und dass Jesus als der
Christus Gottes nicht nur für das jüdische Volk ein Evangelium war (vgl. die
interessanten Schlussfolgerungen zum Verhältnis der Erwählung und Stellung
Israels und den Heiden, 376-78). Dies ist missionstheologisch für die
Verankerung der Mission im Wirken und Willen Jesu – über die oft angeführten
Missionsbefehle hinaus – von grosser Bedeutung. Die Kirche dieses Christus
kann und muss den Menschen, die ihn nicht kennen, nach dem Beispiel Jesu
begegnen, der sich keine Provokation scheuend ihrer Not gegenüber nicht
verschlossen hat (7,14-8,9; 8,22-26).
Dr. Christoph Stenschke, em 2003-3.
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Fermor, Gotthardt. Ekstasis. Das religiöse Erbe in der
Popmusik als Herausforderung an die Kirche. Praktische Theologie heute,
Band 46. Stuttgart: Kohlhammer, 1999.
Zunehmend wird in der wissenschaftlichtheologischen
Forschung das Phänomen der Popmusik wahr- und ernstgenommen. Das entspricht
durchaus ihrer Bedeutung in der postmodernen Lebenswelt und damit auch der
Herausforderung, die sich für die Gemeinde Jesu Christi damit verbindet.
Die Zugänge und Interpretationen sind allerdings sehr unterschiedlich. In
dieser Bonner Dissertation fragt der Autor nach der Bedeutung ekstatischer
Religiosität (oder religiöser Ekstase) in der säkularen Popmusik für die
praktische Theologie und die Praxis der evangelischen Volkskirchen. Er tut
dies in einem methodisch komplexen Untersuchungsgang, in dem
kulturanthropologische, religionssoziologische und theologische Zugänge
miteinander verknüpft werden, den er als „hermeneutisch-phänomenologisch“
bezeichnet. Zunächst stellt der Verfasser verschiedene interdisziplinäre
(musikwissenschaftlich, psychologisch, ethnologisch, politisch-ökonomisch
etc.) und theologisch motivierte Untersuchungen zur „Lebenswirklichkeit
Popmusik“ dar. Äußerst kritisch setzt er sich in diesem Zusammenhang mit der
evangelikalen Studie Horst Neumanns (Diss. Tübingen, 1985) auseinander, dem
er zwar eine große „Nähe zu den Phänomenen“ bescheinigt, aber eine generelle
Dämonisierung der Popmusik – (angeblich) basierend auf einer „Hermeneutik der
Unhinterfragbarkeit“ der biblischen Texte – vorwirft (S. 75). Im Folgenden
zeigt sich, dass Fermor in den Analysen weitgehend Neumanns
„Religionisierungs“-Ansatz bezüglich der Beurteilung der Popmusik teilt (d.h.
eine bestimmte Rhythmik impliziert religiöse Ekstase- und Geisterfahrungen),
in der theologischen Bewertung allerdings aufgrund offenbarungstheologischer
Weichenstellungen zum gegenteiligen Ergebnis kommt: statt von Dämonisierung
spricht Fermor (aufgrund einer kosmischen Pneumatologie) von der positiven
„Theologizität“ der säkularen Popmusik. Der Autor zeigt auf, wie die
Bewegungs-, Bild-und Wortebenen der Popmusik in Konzerten (z.B. bei Michael
Jackson) zu einem religiösästhetischen Inszenierungs-Ritual der Ekstase
verschmelzen, das sowohl religiös-ethisch „entgrenzend“ als auch (gerade in
der Entgrenzung) „vergemeinschaftend“ wirkt. Diesem Phänomen der Ekstase geht
er an den Wurzeln der Popmusik zunächst in der musikalischen Religiosiät
Afrikas, dann im Bereich der afroamerikanischen Entwicklungen des Spiritual,
Blues und Gospel und schließlich des Rock’n’ Roll nach. Durch die oben
erwähnte und m.E. falsche Religionisierung der sog. „off-beat“-Rhythmik
interpretiert Fermor die Spirituals unzutreffenderweise als „synkretistische
Religionsform“ (S.132) und unterbewertet die Tatsache, dass Rhythmus und
Ekstase auch anthropologische Kategorien sind und sich durchaus mit genuin
christlicher Aussage verbinden können (vgl. Theo Lehmann, Negro Spirituals: Geschichte und
Theologie, Neuhausen, 1996). Die Ergebnisse der Konzertstudien und des
Gangs durch die Geschichte der Popmusik diskutiert Fermor nun auf dem Hintergrund
kulturanthropologischer Ritualtheorien (V. Turner), religionssoziologischer
Entwürfe und biblisch-kirchengeschichtlicher Beobachtungen. Letztere machen
(entgegen Fermors Interpretationslinie) deutlich, dass ekstatische
Musikalität biblischtheologisch in der durchaus konstruktiven Spannung
zwischen „Ablehnung heidnischer Kultpraktiken“ (S.198) und
„humanschöpfungsgemäßer Vollzugsform“ verstanden werden kann, also nicht
automatisch eine Entgrenzung biblisch-christlicher Glaubensinhalte und Lebensweisen
impliziert. Gerade diese biblisch „begrenzte“ Ekstase allerdings ist Fermor
immer wieder ein Dorn im Auge. So kritisiert er im Bereich der christlichen
Popmusik, dass die „rituellen Dimensionen … mit nur ,angezogener Handbremse’
erlebbar gemacht“ werden (S.164) und die „normativen Gestaltungsvorgaben vor
allem im Bereich der Sexualmoral“ die Gefahr bergen, die entgrenzenden
„Gehalte dieser Musikerfahrungen wieder zu verspielen“ (S.165). Er zitiert
dazu einen Kommentar zu christlichen Popkonzerten: „Sex und Gott vertragen
sich nicht gut. Das ist das große Problem aller Christen-Acts“ (Fußn.304).
Abschließend bietet Fermor seine eigene theologische Perspektive zur
kritischen Würdigung ekstatischer Musikalität in der säkularen Popmusik.
Grundlegend verortet Fermor seinen Ansatz in Paul Tillichs Kulturtheologie,
die von „der Komplementarität von Kultur und Religion“ (S.234) ausgeht.
Diesen Ansatz erweiternd greift Fermor neuere Konstrukte einer kosmischen
Pneumatologie (Moltmann, Welker, Schroer) auf, die den Geist Gottes weder an
den biblischen Christus noch die Kirche gebunden sieht und dadurch „einen
offenen Dialog zwischen Kirche und Kultur und Kooperation mit allen kulturschaffenden
Kräften“ ermöglichen möchte (S.235). Kriterium zur theologischen Beurteilung
popmusikalischer Ekstase- und Entgrenzungserfahrungen sind weder Bibel noch
Kirche, sondern (1) die Wahrung der Persönlichkeit und (2) der Verweis auf
eine unverfügbare Transzendenz (S.236). „Die Besonderheit einer christlichen
Perspektive“ zu ekstatischen Erfahrungen in der säkularen Popmusik liegt nach
Fermor darin, „Lebenskraftsteigerung“ und „Gebrochenheit“ (S.241) in ihrem
dialektischen „Zusammenhang zu bewahren“ (S.241). Praktisches Ziel für die
Kirche müsse sein, die säkulare Popmusik theologisch zu deuten als Überwindung
von „religiösen Identitätsbildungen“ und „Rückbindung an … das Geheimnis, das
Unverfügbare, das Zwischen“, das auch als „die unendlichen Möglichkeiten Gottes“
beschrieben werden kann (S.242).
Ein brilliant geschriebenes, manchmal allerdings
fachterminologisch überladenes Buch, das auf einen wichtigen Kontext
gegenwärtiger christlicher Theologie und Mission hinweist. Hilfreich für
weiterführende Studien ist die 27-seitige kategorisierte Bibliographie zu
„Popmusik und Religion“ im Anhang, neben einem alphabetischen
Literaturverzeichnis. Die interdisziplinäre Beschreibung und Analyse der
popmusikalischen Lebenswelt ist methodisch sehr interessant, inhaltlich oft zutreffend,
allerdings durch „ideologische“ Vorentscheidungen geprägt und dadurch m.E.
manchmal verzeichnend. Die Frage, die sich am Schluß dem Leser stellt, ist,
worin die spezifisch christlich-theologische Identität dieser (in einer
praktisch-theologischen Reihe erschienen) Arbeit besteht, deren Ziel paradoxerweise
die Entgrenzung, d.h. z.T. auch Überwindung, biblisch-christlicher Glaubens-
und Lebensweise zugunsten einer diffusen ekstatischen Religiosität ist. M.E.
benötigt die Gemeinde Jesu als Mit-, Für- und Gegenkultur eine solche
Grundlegung nicht, um in einem lebendigen und missionarischen Dialog auch
mit einer popmusikalisch geprägten Welt zu stehen. Im Gegenteil: gerade
dieser Dialog benötigt Gesprächspartner mit einer biblisch begründeten
Identität. Auch der „Religionisierung“ popmusikalischer Rhythmik, die diese
Arbeit auf eine inhaltliche Stufe mit den sog. „evangelikalen Warnschriften“
(S. 300f) stellt, ist zu widersprechen. Gerade die Spirituals und
nachfolgende musikalische Entwicklungen in bibelgläubigen Gemeinden zeigen,
dass christliche Glaubens und Lebensweise (als religiös-theologischer
Inhalt) und popmusikalische Ausdrucksformen (als anthropologische Kategorien)
sich nicht widersprechen müssen. Die „angezogene Handbremse“ wollen wir dann
gerne akzeptieren – besser als ohne Bremsen in den Abgrund zu rauschen.
Dr.
Friedemann Walldorf, em 2004-2.
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Fernando,
Ajith. The
NIV Application Commentary: Acts, Grand Rapids: Zondervan, 1998.
„Es ist wichtig”, so höre ich noch Dick Dowset auf der
ESMA Tagung 2004 sagen, „dass wir mehr darauf hören, was unsere
afrikanischen, südamerikanischen und asiatischen Geschwister über Mission
sagen und schreiben.“ Der NIV Application Commentary über die
Apostelgeschichte, geschrieben von dem Srilankesen, Ajith Fernando, ist
meines Erachtens das beste Beispiel für die Wahrhaftigkeit dieser Aussage.
Doch erst ein paar Worte zu der Serie in der das Buch 1998 erschien.
Die NIV Application Commentary Serie verfolgt das Ziel,
über die fachgerechte Auslegung des Textes hinaus, den Bogen zu der Anwendung
in der Gegenwart zu spannen. Jeder Textabschnitt wird in drei Teilen besprochen.
Im ersten Teil, „Original Meaning“, wird das Verständnis des Textes für die
Hörer im 1. Jahrhundert nach Christus verdeutlicht. Wie in jedem anderen
Kommentar werden alle Elemente einer traditionellen Exegese diskutiert. Im
zweiten Teil, „Bridging Contexts“, wird eine Brücke vom Kontext der ersten
Leser zum Kontext des heutigen Lesers geschlagen. Dabei werden besonders die
zeitgebundenen, von den nicht zeitgebundenen Aspekten des Textes
unterschieden. Im dritten Teil, „Contemporary Significance“, wird die
Anwendung des Textes in der Gegenwart diskutiert. Etwas überschwänglich
formulieren die Herausgeber, dass dieser Abschnitt es erlaube, die biblische
Botschaft heute genauso vollmächtig zu verstehen, wie sie damals geschrieben
wurde (:11).
Es ist offensichtlich, dass vielen Christen im 21.
Jahrhundert die Anwendung der Bibel auf ihre Lebenswelt aufgrund des großen
zeitlichen Abstandes zwischen Niederschreibung und heute schwer fällt. Die
Dreiteilung der Textbesprechung in den „Application Commentaries“ zwingt den
Autor und somit seine Leser dazu, nach der Bedeutung der Bibel heute zu
fragen.
Zurück zu Ajith Fernandos Kommentar zur Apostelgeschichte.
Was kann uns ein Kommentar zur Apostelgeschichte für die Mission heute
lehren? Die Apostelgeschichte beschreibt wie kein anderes Buch der Bibel die
Anfänge der Mission. Wie kein anderes Buch wurde aber auch die
Apostelgeschichte oft dazu benutzt, so genannte „rein biblische“ Gemeinde-
und Missionsmodelle zu postulieren. Durch seine gute Exegese zeigt Ajith
Fernando auf, wie dieses Geschichtswerk uns zu legitimen Ansätzen für die
Mission heute führt. Er studiert z.B. ausführlich die Reden der Apostel und
die Gebete der Gemeinde. Sehr deutlich arbeitet er dabei Mängel der heutigen
Verkündigung heraus. Wie sehr war den ersten Christen in der Verkündigung das
Leben Jesu bedeutsam und wie sehr beschränken wir uns heute oft auf seinen
Tod und seine Auferstehung. Wie sehr beharren wir evangelikale Christen in
der Mission auf den Fakten des Glaubens, ohne die so nötige subjektive Seite
des Lebens im Heiligen Geist und der Freude der intimen Gemeinschaft mit Gott
zu betonen. Wie sehr stellt das Beten und Leben der ersten Christen das
Verständnis unserer individualistischen Gesellschaft von Verantwortung
füreinander, Gemeinschaft untereinander und vor allem unsere
Leidensbereitschaft in Frage? Die Missachtung dieser Aspekte, so folgert
Ajith Fernando, macht unsere missionarische Verkündigung leer und das daraus
entstehende Christsein blutarm und lau.
Ajith Fernando, der eine integrierte Besprechung der
Aspekte „Original Meaning“, „Bridging Contexts“ und „Contemporary
Significance“ bevorzugt hätte (:16), versteht es meisterlich den Text der
Apostelgeschichte in den Kontext der postmodernen Welt zu bringen. Mit
Scharfsinn und überraschender Klarheit deckt er unbeachtete Aspekte auf.
Seine Beobachtungen, auch wenn an manchen Stellen etwas zu ausführlich,
hinterfragen, regen zum Nachdenken an, und ermutigen den Leser, die alte
Botschaft der Apostelgeschichte neu zu entdecken.
Ajith Fernandos Kommentar zur Apostelgeschichte ist daher
eine äußerst lohnenswerte Lektüre, nicht nur für Bibelschullehrer oder
Gemeindepastoren. Vor allem Verantwortliche in der Mobilisation, in der
Missionsleitung und im Gemeindedienst werden im persönlichen Bibelstudium mit
diesem Buch biblisch-theologisch für ihren Dienst zugerüstet. Dies gilt
besonders, wenn sie sich mit Gemeindebau, mit Fragen von Gemeindestruktur und
Gemeindeordnung sowie mit Missionsstrategien, hier oder in Übersee,
beschäftigen. Aber eigentlich sollte jeder bewusste Christ sich gründlich mit
der Apostelgeschichte beschäftigen. Ajith Fernandos Kommentar wird ihm dabei
helfen, in rechter Weise die geschichtlichen Anfänge seines Glaubens auf
seinen Alltag heute zu übertragen. Er ist verständlich geschrieben und ein
gutes Werkzeug für jeden, der tiefer ins Wort Gottes hinein wachsen will.
Wahrscheinlich werden alle, die Ajith Fernandos Kommentar
zur Apostelgeschichte in Händen hatten, Dick Dowset recht geben, der ermahnte
mehr auf unsere nicht westlichen Geschwister zu hören. Leider sind aber viele
ihrer Stimmen bisher nur denen vorbehalten, die zumindest der englischen
Sprache mächtig sind. So ist auch dieser Kommentar bisher nicht auf Deutsch
erhältlich.
Sabine & Hans Walter Ritter, em 2004-4.
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Fiedler,
Klaus. Ganz
auf Vertrauen. Geschichte und Kirchenverständnis der Glaubensmissionen. Gießen/Basel: Brunnen, 1992.
Ein großes Werk, das nicht wenig leistet: Es erschließt
die Bewegung der Glaubensmissionen in ihrer geschichtlichen Eigenart, Zusammengehörigkeit
und Dynamik als ein eigenständiges Ergebnis von Erneuerungsbewegungen im
Protestantismus, die ihrerseits einer beachtlichen Anzahl von Kirchen mit
z.T. beachtlicher Größe (jedenfalls in Afrika) zu Entstehung und Wachstum
verholten hat.
Diese Bewegung ist
leider nicht voll wahrgenommen
worden, weil sie nicht in den Raster einer Kirchengeschichte der
Denominationen paßt –
da liegt sie als eine Reihe von Störfaktoren
am Rande. Und nicht viel besser ist es in der Sicht der Missionsgeschichte
der „Klassischen“ Missionen, die zur Entstehung der ökumenischen Bewegung beigetragen haben und sich an ihr orientiert haben. Damit wird auch deutlich,
inwiefern die evangelikalen Missionen
als eine zusammenhängende Gruppe nicht eine Randgruppe Unzufriedener sind,
sondern eine eigene geistliche
Qualität und Vitalität haben.
Der Verfasser leistet diese Arbeit mit den Methoden des
Historikers, der seine Aussagen mit Quellen belegen kann. Die Fußnoten umfassen
oft ein Drittel der Seite (und mehr) und bringen
nicht nur den Fundort, sondern Zusatzinformationen und kleine
Exkurse. 22 engbedruckte Seiten, ca. 600 Titel, umfaßt das Literaturverzeichnis.
Andere Quellen wie Archivmaterial, Protokolle, Briefe, Interviews und
Zeitschriften (85) sind noch einmal über 600. Das verarbeitete Material ist immens, und es wird
übersichtlich: 10 Karten, 8 Zeittafeln, 7 Tabellen,
5 Graphiken und Übersichten machen Zusammenhänge
überschaubar. Ein Register von 17 Seiten (doppelspaltig) erleichtert
das Nachschlagen; eine Reihe von „Glaubensgrundlagen“ (doctrinal Statements)
bringt 9 wichtige Texte, die aber auch im
Text selbst
durch Zitate zu Wort kommen. Bei aller Materialfülle
ist das Buch eine spannende Lektüre, die auch dem Kenner der
Missionsgeschichte recht viel Neues zu
bieten hat.
Der erste Teil stellt
die Glaubensmissionen geschichtlich dar, in drei Kapiteln: als Teil
der Evangelischen Missionsbewegung, ihre Entstehung und Grundkonzepte und ihre Geschichte in Afrika im Überblick (9-178). Das wäre schon ein beachtliches Werk.
Nun aber geht es dem Verfasser darum, das
Kirchenverständnis der Glaubensmissionen zu erheben,
und zwar mehr aus ihrem Handeln als aus
Texten zur Ekklesiologie. Denn sie haben Kirche gegründet, und sie
haben in christlicher Gemeinschaft gehandelt, also Fragestellungen der
klassischen Ekklesiologie explizit und implizit
beantwortet. Es blieb nicht nur beim Glauben
an eine rein geistliche Einheit.
Diese Darstellung erfolgt in zwei Arbeitsgängen. Zuerst
werden die Attribute der Kirche nach dem Nizänum als Leitbegriffe verwendet:
Einheit, Heiligkeit, Katholizität und Apostolizität. Dabei wird immer auch dargestellt, wie die übernommene Botschaft
in der afrikanischen Kirche rezipiert und modifiziert wurde.
Zweitens werden die
konstituierenden Merkmale der Kirche
nach den reformatorischen
Bekenntnissen (Wort, Sakrament und Amt) in ähnlicher Weise behandelt.
Ein letztes Kapitel über Denominationalisierung und Internationalisierung rundet die Darstellung ab. Ein
umfangreiches Material wird hier in dieser Form
zum ersten Mal wissenschaftlich bearbeitet: nur wenige Ausschnitte
sind zuvor kritisch dargestellt worden. Der Autor vermeidet
Verallgemeinerungen, die nicht durch genau dargestellte
Beispiele belegt und veranschaulicht
sind, und läßt Ausnahmen nicht unerwähnt. Von dieser Materialfülle
bedeutet das Werk einen großen Gewinn, das wird kaum zu bestreiten sein.
Der Ansatz bei der
Ekklesiologie bewirkt eine kritische Darstellungsweise; die Sichtweise ist ungewohnt, das Phänomen „interdenominationell“
zwar nicht unbekannt, aber selten so genau erfaßt, so deutlich definiert: Fragen
der Kirchengestalt haben keinen Vorrang.
Aber die konkreten Kirchen
(Denominationen) werden zwar kritisiert, aber auch herausgefordert und transzendiert.
Ekklesiologie ist unter diesen Attributen ein unerwartetes
Thema, und die Vorgehensweise ist neuartig. Die vier klassischen Attribute
der Kirche finden sich vorrangig in Beziehung auf Individuen und deren
Handeln wieder, ähnlich
die reformatorischen Merkmale der Kirche. Aber
das soll nicht heißen, daß sie auf Ethik reduziert sind! Jedenfalls ist hier
eine Erschließung dieser Bewegung
gelungen, wie sie bisher fehlte.
Niels-Peter Moritzen, em 1993-1.
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Findeisen, Sven. Unter dem weiten Bogen. Mein Leben, Wuppertal: Brockhaus,
2002.
Dass Mission nicht nur in Afrika, sondern mitten in
Deutschland geschieht, wissen wir schon länger. Die vorliegende
Autobiographie erzählt persönliche und theologische Facetten der
seelsorgerlichen Mission eines Theologen unter Theologiestudenten und unter
Arbeitern. Der Autor, Sven Findeisen, ist der Begründer der 1971 begonnenen
Krelinger Theologiestudentenarbeit und war lange Jahre evangelischer Pastor
in der Industriestadt Neumünster in Schleswig-Holstein. In diesem Buch
erzählt Findeisen seine Geschichte – und damit auch die Geschichte der
Mission Gottes in seinem Leben. Sie reicht von Estland über Leipzig, Föhr,
Bethel, Stockholm bis nach Neumünster und Krelingen. Auf einer
Abiturientenfreizeit wird Findeisen von einem Bibelwort über der Tür des
Hermannsburger Missionsseminars getroffen: „In Christus liegen verborgen alle
Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“. Das empfand er als neuen und guten
Gedanken: „Hier wäre der Weg in unserer Welt“ (S.79). Dieser Weg wird ihm zur
Gewissheit und zieht sich von nun an durch Höhen und Tiefen seines Lebens.
Findeisen erzählt von prägenden Begegnungen im Studium, vor allem mit
Hellmuth Frey in Bethel und Karl Barth in Basel; er berichtet von der
nüchternen Realität der missionarischen Arbeit unter deutschen Matrosen im
Vikariat in Stockholm und von den Herausforderungen und Früchten des
missionarischen Gemeindeaufbaus in Neumünster. Bemerkenswert sind auch die
eingeflochtenen Erfahrungen zweier Asienreisen.
Doch das Buch bietet nicht nur Einblicke in das
missionarische Ringen eines Gemeindepastors in einer Arbeiterstadt, sondern
auch in das Ringen um theologische Grundlagen in Kirche, Universität und
Gesellschaft am Ende der 1960er Jahre. Der Leser erlebt die
Entstehungsgeschichte der Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ mit,
zu deren Vorstand Findeisen lange gehörte. Hier wurden wichtige Grundlagen
für die Mission in Deutschland und weltweit erarbeitet. Doch als die Bekenntnisbewegung
sich in den 90er Jahren gegen die missionarische Arbeit von ProChrist und
Ulrich Parzany zu wenden begann, „fiel ich einfach heraus wie durch ein
kaputtes Netz, in dem mich nichts mehr hielt“ (S.243). Findeisen wollte
Fundamente, aber keine Festungen; er suchte die biblischen Grundlagen und den
Auftrag Jesu an seine Gemeinde – für die verlorene Welt. Davon ist auch die
mit Heinrich Kemner zusammen aufgebaute Studentenarbeit in Krelingen geprägt:
hier konnten und können junge Frauen und Männer sich von der Weisheit Christi
her kritisch mit den ideologischen Voraussetzungen der modernen Bibelkritik
auseinandersetzen, um sich auf die seelsorgerliche und missionarische Arbeit
in der Kirche vorzubereiten. Findeisens Ansatz dabei war immer eine Theologie
des Weges (wenn er das auch selbst nicht so bezeichnet), die sich nicht auf
theologische Systeme und dogmatische Sicherungen verlässt, sondern ihren
Grund in der täglichen Nachfolge Jesu, im Hören und geschenkten Vertrauen auf
das biblische Wort findet. Doch nicht nur Theologie und Kirche spielen in
diesem Buch eine Rolle. Persönliche Einblicke zeigen auch die Bedeutung von
Ehe, Familie und nicht zuletzt von Urlaub, Natur und Kunst im Leben des
Autors und seiner Mission. Eine ehrliche und interessante Biographie, die auf
persönliche Art auch wichtige Facetten der neuesten Missionsgeschichte in
Deutschland beleuchtet.
Dr.
Friedemann Walldorf, em 2006-1.
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Fischer, Jörn; Oliver
Gräf. Zivi
weltweit - Der „andere Dienst im Ausland als Alternative zum Zivildienst“. interconnections: Freiburg, 1999.
Kurzeinsätze im Ausland erfreuen sich heute großer
Beliebtheit - im Gegensatz zum Wehr- und zivilen Ersatzdienst, den junge
Männer gezwungenermaßen ableisten müssen. Daß als Alternative zum
Zivildienst auch der „andere Dienst im Ausland“ geleistet werden kann, nach
dessen Abschluß der Betreffende vom Zivildienst befreit wird, ist wenig
bekannt. Dabei läßt die gesetzliche Grundlage (Förderung des friedlichen
Zusammenlebens der Völker) viel Freiheit in der Gestaltung und Trägerschaft
eines Einsatzes, auch wenn dieser Dienst nur geringe staatliche
Unterstützung erfährt, so daß soziale Absicherung und Finanzierung weitgehend
dem Trägerverein bzw. Bewerber überlassen bleiben.
Das vorliegende Buch informiert umfassend über
Möglichkeiten und Grenzen, gesetzliche Grundlagen und Vorbereitung, Leben im
Ausland und Rückeingliederung. Erfahrungsberichte von Teilnehmern ergänzen
den Band, ebenso ein umfangreiches Adreßverzeichnis von bereits anerkannten
Trägervereinen in Deutschland, darunter auch eine Reihe von evangelikalen
Missionswerken. Das Buch wurde von den jungen Autoren interessant geschrieben.
Es wendet sich vor allem an junge Männer, die einen solchen Auslandseinsatz
erwägen, ist aber in gleicher Weise empfehlenswert für mögliche
Projektträger in den Einsatzländern, sowie für Missionsleiter in
Deutschland, die an einem rechtlichen Rahmen für Kurzzeiteinsätze
interessiert sind.
Dr. Detlef Blöcher, em 1999-4.
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Flemming,
Dean. Contextualization
in the New Testament: Patterns for Theology and Mission, Downers Grove: IVP, 2005.
Der Autor des vorliegenden Buchs ist Dozent am European
Nazarene College in Deutschland (Büsingen). Er verfügt über interkulturelle
Erfahrung, war Pastor in Japan, unterrichtete auf den Philippinen und in den
USA. Mit seiner umfangreichen Monographie zum Thema Kontextualisierung im
Neuen Testament verfolgt er zwei große Ziele. Er möchte einerseits
herausfinden, wie die neutestamentlichen Autoren „context-sensitive theology“
betrieben (S. 15), andererseits möchte er „patterns“ für die heutige Aufgabe
der Anpassung an Kontexte herausarbeiten. Dabei konzentriert er sich insbesondere
auf Paulus als interkulturellen Missionar im hellenistisch-römischen Umfeld (sechs
von zehn Kapiteln).
Der Autor beginnt seine Studie mit der Apostelgeschichte,
der er die ersten zwei Kapitel seines Buches widmet. Zuerst untersucht er die
Apostelgeschichte als kontextuelles Dokument, wendet sich aber anschließend
dem Apostelkonzil zu. Im zweiten Kapitel durchleuchtet Flemming die drei
großen Paulusreden in Antiochien (Apg 13,13-52), Lystra (Apg 14,8-20) und
Athen (Apg 17,16-34), wobei letzterer ein besonderes Gewicht beigemessen
wird. Es folgen drei ausführliche Kapitel über die Paulusbriefe im
Allgemeinen, über Paulus Stellung zur Kultur und über seine Hermeneutik. Hieran
schließen sich zwei Kapitel mit Fallbeispielen anhand des ersten Korinther-
und des Kolosserbriefes an, in denen Flemming das Problem des Götzenopferfleisches
(1Kor 8-10), die Auferstehung (1Kor 15) und die Situation der Kolosser in
ihrer multireligiösen Umgebung, behandelt.
Darauf folgt ein knappes Kapitel über die Evangelien. Er
bestimmt das Genre Evangelium und präsentiert den speziellen Kontext für den
der jeweilige Evangelist schrieb. Daraus leitet er ab, dass Christen auch in
heutiger Zeit lernen müssen, dass Evangelium in „different keys“ (S. 265) zu „singen“.
Als letztes Buch behandelt er die Offenbarung. Das Buch schließt mit einem
Kapitel über die heutige, praktische Anwendung der erarbeiteten Erkenntnisse
und Methoden. Flemming kommt zu dem Schluss, dass das Evangelium eine
Erzählung ist, die aus verschiedenen Perspektiven wiedergegeben werden kann,
wie es bereits das Neue Testament selbst erkennen lässt. Trotz der Gefahren,
die in der Kontextualisierung liegen, hält er sie für unverzichtbar, denn
„all theology is contextual theology“ (S. 298). Und trotz der verschiedenen
Perspektiven kommt Flemming zum Ergebnis, dass das neutestamentlich bezeugte
Evangelium eine kohärente Botschaft ist.
Flemming bietet eine fundierte biblische Grundlagenstudie
zu dem heiß umkämpften Thema Kontextualiserung. Dass in einer solch
umfangreichen Studie das ein oder andere Detail diskussionsbedürftig ist,
ist nicht verwunderlich. Gerade beim Thema Synkretismus und der praktisch-methodischen
Anwendung der Kontextualisierung bleibt Flemming etwas unpräzise.
Betrachtet man die Offenbarung stellt sich speziell die Frage, ob Johannes
diese Ereignisse nicht doch tatsächlich sah, obwohl er, wie Flemming richtig
erkennt, antike Mythenerzählungen verarbeitet. Insgesamt ist er sehr stark
auf Paulus konzentriert. In den Evangelien gäbe es sicherlich noch viele zu
hebende Schätze. Besonders schwerwiegend ist allerdings, dass die allgemeinen
Briefe, die ja eine breite Zielgruppe hatten, nicht behandelt werden. Bei
all diesen Auslassungen ist Flemming jedoch zu Gute zu halten, dass er sich
an diese umfangreiche Arbeit gewagt hat – zeitliche und platztechnische
Grenzen sind da zu erwarten. Mit seinem Buch hat Flemming ein herausragendes
Beispiel für eine Untersuchung geschaffen, die wissenschaftliche Theorie und
gemeindliche Praxis vereint. Nicht umsonst wurde sein Werk im Jahr 2005 vom International Bulletin of Missionary
Research (IMBR) zu den fünfzehn hervorragenden Missionsstudien gezählt
und im Jahr 2006 von Christianity Today
zum wichtigsten Buch in der Sparte Mission/Global Affairs gekürt.
Es ist eine wertvolle Ressource für kulturorientiertes,
biblisches Arbeiten – sei es kulturübergreifend oder im westlichen postmodernen
Umfeld. Dieses Werk ist zweifellos ein „Must-Have“ für jeden, der sich für
Kontextualisierung interessiert!
Bart P. Thompson, em 2009-1.
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Foster,
Paul. Community,
Law and Mission in Matthew’s Gospel. WUNT II, 177, Tübingen: Mohr Siebeck, 2004.
Die vorliegende Studie widmet sich der sozialen Verortung
der sog. matthäischen Gemeinde, der Rolle, die das Gesetz in dieser
Gemeinschaft spielte und deren Haltung zur Heidenmission. Der Konsens in
der Matthäusforschung geht dahin, hinter dieser Gemeinschaft eine
innerjüdische, sich absondernde Gruppe zu sehen, die Jesus von Nazareth für
den Messias Gottes hielt. Daher haben ihre Anhänger jeglichen Kontakt mit
Heiden vermieden und ihre abgesonderte Existenz bewahrt. Die Heiden spielten
allenfalls in der Zukunftserwartung eine Rolle (77f). Gegen dieses Bild, das auf einer Reihe von
fragwürdigen historisch-kritischen Prämissen beruht und wichtige Aussagen des
MtEv übersieht oder aber weg erklären muss, will Forster zurecht zeigen,
„that at the time of compo-siton of the gospel the group had been decisively
rejected by other parties in formative Judaism, and that the gospel was both
a supersessionary document claiming many of the prerogatives of Judaism as
its own, but also a pedagogical document encouraging and instructing the
community with dominical authority, to continue and enlarge upon an outwardly
focused Gentile mission“ (1). Speziell für die Mission will Forster zeigen,
wie sich die Aussagen in Mt 10.5b-6 („Geht nicht auf den Weg zu den Heiden
und zieht in keine Stadt der Samariter …“) und andere Aussagen zur Mission
zueinander verhalten: „Any treatment must deal with both the negative outlook
in chapter 10 as well as integrating the larger corpus of texts that call for
the inclusion of Gentiles within the Matthean communities“ (20). Zuerst
gibt F. in „The Social Location of the Matthean Community“ einen
Forschungsüberblick über die Matthäusforschung seit 1945 (22-79). Nach einem
knappen Kapitel über den Qumrantext 4QMMT und die halachischen Debatten
(80-93), untersucht F. die Antithesen der Bergpredigt (Mt 5,21-48, 94-143).
Dem folgt eine ausführliche Untersuchung von Mt 5,17-20 (144-217). Im
sechsten Kapitel untersucht F. die Mission im MtEv (218-52). F. will dabei
die einschlägigen Texte berücksichtigen, aber auch deren Bedeutung in der Gesamtstruktur
der Erzählung. Er beginnt mit den beiden „restriktiven“ Texten Mt 10,5-23 und
15,21-28 (220-30). Alle weiteren Texte stehen der Eingliederung von Heiden in
die Gemeinschan positiv gegenüber: 21,43; 24,14; 26,13 und 28,16-20.
Abschließend begründet F. überzeugend, dass die Restriktion in 10,5-23 nicht
mehr in späterer Zeit gegolten hat. Für die Interpretation von Mt 28,16-20
sieht F. einen Gegensatz zu den in 28,15 erwähnten Juden, die die
Auferstehung Jesu geleugnet haben. Speziell aufgrund dieser Enttäuschung
sollen die Junger sich an die Heiden wenden. Dieser Bezug ist fraglich, da
mit 28,15 die Auferstechungsberichte abgeschlossen werden und mit 28,16 ein
narrativer Orts- und Szenenwechsel erfolgt. F. zeigt ferner, dass die Heidenmission keine
leichte Aufgabe sein wird (24,9-14) und schließt: „The picture that emerges
from the relevant texts in the gospel in relation to mission is that of
unqualified support by the evangelist for proselytising activity among the
Gentiles to be undertaken by the community in its contemporary situation. …
Hence the gospel he wrote was seen, to a certain degree by the evangelist himself,
as a celebration of Gentile participation in the Kingdom of heaven“ (252).
Und weiter: “… the incorporation of Gentiles into the group is not only the
way forward but to fail in this task is to fail to take up the direct
challenge of the risen Jesus“ (260). Trotz einiger problematischer
Grundannahmen (z. B. im MtEv geht es weniger um Leben und Lehre des irdischen
Jesus als um die Anliegen und Stimme seiner Nachfolger in der zweiten und
dritten Generation) gibt das Kapitel über die Mission einen guten Überblick
über sämtliche missionsrelevanten Stellen und zeigt, wie die restriktiven
und universalisitischen Aussagen zusammengesehen werden können. (Zum
Missionsbefehl vgl. ferner P. Stuhlmacher, „Zur missionsgeschichtlichen
Bedeutung von Mt 28,16-20“, EvTh 59,1999,108-29 und in id., Biblische
Theologie und Evangelium: Gesammelte Aufsätze, WUNT 146, Tübingen: Mohr
Siebeck, 2002).
Prof.Dr. Christoph Stenschke, em 2005-3.
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Foyle, Marjory F. Gestreßt, verletzt und ausgebrannt. Risiken und
Nebenwirkungen des vollzeitlichen Dienstes. Basel und Gießen: Brunnen Verlag, 1995.
Marjory F. Foyle, von Beruf Fachärztin für Psychiatrie,
schrieb dieses Buch vor dem Hintergrund einer über dreißigjährigen Erfahrung
in der medizinischen Missionsarbeit auf dem indischen Subkontinent. Das englische
Original, 1987 unter dem Titel „Hounorably Wounded“ erschienen, liegt in
der Übersetzung von Barbara Trebing nun auch einer deutschsprachigen
Leserschaft vor.
Die Autorin beschreibt Formen und Auswirkungen von Streß
in verschiedenen Bereichen und Phasen des missionarischen Dienstes in einem
anderen kulturellen Umfeld. Dem Leben als Single, Missionarsehen, Kindern,
Heranwachsenden, der Auswahl von Mitarbeitern, dem Kulturschock,
zwischenmenschlichen Beziehungen, der Rückkehr in die eigene Heimat und den
Kraftquellen für Missionare sind jeweils eigene Kapitel gewidmet. Allgemeinverständlich
führt sie in psychologisches Grundwissen ein und macht es dann für den
Spezialfall und die besonderen Bedingungen des Lebens und Arbeitens von
Missionaren fruchtbar. Zu den besonderen Bedingungen gehören dabei z. B. das
Leben in einer anderen Kultur, relative Isolation bzw. das enge
Zusammenleben mit anderen Menschen. Psychologische Einsichten und geistliche
Perspektiven verbindet sie immer wieder in gekonnter Weise. Die Stärke des
Buches liegt im engen Bezug zur Praxis und den vielen Hilfen und Lösungsmöglichkeiten,
die aufgezeigt werden. „Es ist so wichtig, daß man über sich selbst lachen
kann (192)“, schreibt sie z. B. im Kapitel zu „Re-entry“-Streß. Eine
Empfehlung, die sicher auch für alle anderen Bereiche ihre Berechtigung
hat.
Foyle richtet sich damit an alle in der Mission Tätigen,
aber auch an Menschen, die noch fragen, ob hier ihre Aufgaben liegen werden.
Allen für die Auswahl von Missionspersonal Verantwortlichen sei vor allem
das Kapitel „Das Auswahlverfahren“ empfohlen. Denn eine geeignete Auswahl vermeidet
bei allen Beteiligten später unnötigen Streß.
Philipp Hauenstein, em 1996-3.
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Francke, August Hermann. Segensvolle Fusstapfen. Geschichte der
Entstehung der Halleschen Anstalten von August Hermann Francke selbst erzählt.
Gießen: Brunnen Verlag, 1994.
August Hermann Franke (1663-1727), einer der Väter des
deutschen Pietismus, war seiner Zeit weit voraus. Seine bahnbrechenden Leistungen
im sozial-karitativen Bereich förderten den Aufbau des vom 30-jährigen Krieg
zermürbten und zerstörten Deutschland. Es ist das Verdienst des
Herausgebers Michael Weltes, diese zu ihrer Zeit weit verbreitete Schrift
Franckes ein in unserer Zeit eher in Vergessenheit geratenes Werk, einem größeren
Leserkreis wieder zugänglich zu machen.
Das Buch erscheint 300 Jahre nach den bescheidenen Anfängen
einer kleinen Armenschule im Pfarrhaus Franckes vor den Toren der Stadt
Halle a. d. Saale.
Francke selber griff fleißig zur Feder, um Entstehung und
Werdegang seines Lebenswerkes zu dokumentieren. In nur 15 Jahren entstanden
neben hervorragenden Erziehungs- und Bildungseinrichtungen zahlreiche gewerbliche
Betriebe, die vielen Menschen in Landwirtschaft, Apotheke, Buchdruckerei
und Buchhandlung Beschäftigung und damit Brot geben. Die Halleschen
Anstalten können mit Recht als eines der ersten Glaubenswerke bezeichnet
werden. Aus nah und fern trafen kleine und große Gaben zum Unterhalt des
Werkes ein.
Franckes „Fußtapfen“ mit ihren sieben Fortsetzungen erschienen
in den Jahren 1694-1709 und lesen sich wie ein Rechenschaftsbericht. Das
sich schnell ausbreitende Werk mußte sich schon früh gegen Verleumdungen
schlimmster Art zur Wehr setzen.
Francke nimmt durch seine demütige und offene Art der
Darstellung den meisten Kritikern den Wind gründlich aus den Segeln. Seine
Ausführungen wirken wie eine außerordentlich effiziente Werbeschrift, die
ungewöhnlich weite Verbreitung fand.
Die „Fußtapfen“ zeugen auch davon, das Francke Initiator
und Förderer der ersten protestantischen Missionsbemühungen von deutschem
Boden aus war. 1705 reisten zwei seiner Schüler auf Veranlassung des
dänischen Königs nach Tranqebar/Ostindien aus. 1707 veröffentlichte
Francke die ersten Briefes Ziegenbalgs in der Hallischen Korrespondenz. Auf
diese Weise wird der Missisonsauftrag in den weiten Kreisen des hallischen
Pietismus wirkungsvoll eingeführt. Francke ist somit auch Herausgeber des
Ersten Deutschen Missionsblattes. Diese großherzige Geste Franckes bleibt
nicht ohne Wirkung: 1. Erkennen viele evangelische Christen die dringende
Notwendigkeit der Heidenmission. 2. Wird eine große Schar von Betern für
die Mission gewonnen. 3. Gehen zahlreiche Spenden zugunsten der Missionare
ein. 4. Wurden zu Lebzeiten der Dänisch-Hallischen Mission ca. 60 Missionare
allein aus Halle ausgesandt.
Fazit: Auch wenn sich die Ausführungen Franckes aufgrund
des im „Lutherdeutsch“ verfaßten Stils zeitweise etwas holprig lesen lassen,
sind die „Fußtapfen“ außerordentlich lesenswert. Ich wünsche dem Buch in
unserer Zeit eine so weite Verbreitung wie zur Zeit Franckes.
Hartmut Burghoff, em 1996-3.
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Franz, Andreas. Mission
ohne Grenzen. Hudson Taylor und die deutschsprachigen Glaubensmissionen. Brunnen (TVG): Gießen/ Basel, 1993.
Dieses Buch geht auf eine Dissertation zurück, die 1991
von der Evangelischen Theologischen Fakultät in Heverlee/Belgien unter dem
Titel: Hudson Taylor und die deutschsprachigen Glaubensmissionen angenommen
wurde.
Der Haupttitel scheint mit dem jetzigen Untertitel im Widerspruch zu stehen: Mission ohne
Grenzen, aber begrenzt auf eine Person und
einen geographischen Raum (China). Doch soll von vornherein klargestellt sein: auch wenn für den Rahmen einer solchen
Dissertation zeitliche (1889-1905, Todesjahr Taylors) und räumliche Einschränkungen (deutschsprachiges
Ausgangsgebiet) vorgenommen werden mußten, bleibt doch das grenzüberschreitende
Missionsverständnis der Glaubensmissionen sichtbar. Damit ist im Haupt- und Untertitel eine ihrer Besonderheiten bereits anvisiert.
Verglichen mit den damals etablierten klassischen Missionen überwanden - auch die deutschsprachigen - Glaubensmissionen konfessionelle, soziale,
kulturelle und zumindest teilweise auch nationale Grenzen, wobei sich ihre Zielgebiete ständig erweiterten.
Der englische Arzt
Hudson Taylor (1832-1905), ein Mann des Glaubens und des Gebetes, war
einzig von dem Gedanken beseelt, das Evangelium von Jesus Christus bis in die
entferntesten Winkel Chinas zu tragen. Mit
23 Jahren reiste er in das „Reich der Mitte“. Hier unternahm er
ausgedehnte Reisen in das Innere des
Landes und übernahm die Leitung eines kleinen
Hospitals in Ningpo. In der Missionarin Maria Dyers, mit der er sich 1858
vermählte und mit der er eine überaus glückliche Ehe führte,
fand er eine Lebensgefährtin, die bis zu ihrem Tode (1870) seine geistliche
Vision teilte. Im Juli 1860 mußten die Taylors aus gesundheitlichen Gründen
nach England zurückkehren. Er schloß sein medizinisches Studium
mit der Promotion ab und übersetzte mit einem chinesischen Gehilfen das Neue Testament in den Ningpo-Dialekt. Um die Missionsarbeit unter
den Chinesen verstärkt fortsetzen zu können, gründete Taylor Ende Juni 1865
die China-Inland-Mission. In seinem im
selben Jahr veröffentlichten Buch
„Chinas geistliche Not und Anspruch“ appellierte er an die Verantwortung
eines jeden Christen für die Missionierung Chinas. Die Leitung der Mission
war nicht, wie üblich, im Heimatland, sondern auf dem Missionsfeld. Er
selbst, ständig von Krankheiten geplagt, befand sich in pausenlosem Einsatz.
Allein elfmal legte er die Monate dauernde
Seereise zwischen England und China zurück und versuchte auch auf dem europäischen Kontinent, in Amerika und Australien, Helfer und Beter zu gewinnen. Weltweit entstanden Bewegungen und Organisationen
für die CIM, so auch im deutschsprachigen
Raum, wo sie sich heute zumeist als evangelikale Missionen verstehen.
Bei den Glaubensmissionen handelt es sich gegenüber den
bereits existierenden mehr oder minder kirchlich geprägten klassischen Missionen um neuartige Missionen. Dieses Neuartige
und für sie Charakteristische betrifft drei Bereiche: Missionsmotive,
Missionsmethoden und Missionsprinzipien, die Franz in seinem ersten Kapitel
über „Taylors Grundsätze“ darlegt. Taylors Missionsmotive liegen begründet im Mitleid mit den vielen Menschen, die ohne Christus
ewig verloren sind sowie im eschato-logischen Motiv, nach dem die Wiederkunft
Christi durch die Mission beschleunigt
wird. Daraus folgen die Missionsmethoden, die primär nicht von der Gründung von Missionsstationen,
sondern von der Reisetätigkeit geprägt sind. Die Missionsprinzipien betreffen vor allem das Glaubensprinzip, nach dem die Missionare
(und Missionarinnen) ihre materielle Versorgung von Gott und nicht von
Menschen zu erbitten und zu erwarten
haben, mithin nicht über ein festes Einkommen verfugen; ein individuelles
Berufungserlebnis; die Rekrutierung von
Mitarbeiter/innen aus allen protestantischen Kirchen; die Stellung der Missionarsfrau als dem Mann
gleichgestellte Missionarin; den Einsatz
lediger Missionarinnen auch im Pio nierdienst; eine bestimmte neutrale
Stellung zur staatlichen Obrigkeit.
Das nächste Kapitel
behandelt Taylors Einfluß auf den deutschsprachigen Raum. Dieser
Einfluß entstand durch Berichterstattung über Taylor, durch verschiedene
Reisen deutschsprachiger, glaubenserweckter Personen nach China und vor allem durch mehrere ausgedehnte
Vortragsreisen Taylors in Deutschland, Österreich
und der Schweiz.
Die folgenden Kapitel stellen ausführlich die Gründung, die Besonderheiten und die Arbeit jener deutschsprachigen Glaubensmissionen dar,
die direkt oder indirekt auf Taylor zurückzuführen sind, nämlich die
Deutsche China Allianz-Mission, der
China-Zweig der Pilgermission St. Chrischona, die Kieler Mission, die
Liebenzeller Mission, ferner als mit der CIM assoziierte Missionen nach 1906 die Friedenshort-Mission, der Deutsche-Frauenmissionsbund, die MBK-Mission und die Yünnanmission. Über diese spezielle Missionshistorie hinaus erfährt man manche interessante Einzelheit
und Eigenart bezüglich des Frömmigkeitsverständnisses, des geistlichen
Lebens und des missionarischen Wirkens
derer, die maßgeblich in diesen
Werken tätig waren, nicht zuletzt
im Blick auf Hudson Taylor selbst.
Im abschließenden
Kapitel behandelt Franz die deutschsprachigen Glaubensmissionen im
Spannungsfeld nationaler und internationaler Beziehungen. Spannungen und Probleme zwischen den
deutschsprachigen und den übrigen, vorwiegend angelsächsischen Glaubensmissionen, lagen in der Tatsache begründet, daß von
den drei die Glaubensmissionen tragenden Bewegungen, nämlich der Heiligungsbewegung, der Prophetischen
Bewegung und der Brüderbewegung, im deutschsprachigen Raum die Heiligungsbewegung dominierte und ihre prägende
Kraft entfaltete. Erhalten blieb das Verständnis von Bekehrung und
Wiedergeburt und ein ungebrochenes
Verständnis der Heiligen Schrift als inspiriertem Gotteswort.
Bibliographie, Index
und englische Zusammenfassung beschließen dieses gelungene Buch, das gut informiert, sich spannend liest und eine Lücke füllt in der wissenschaftlichen Würdigung
der evangelikalen Missionen im
deutschsprachigen Raum, die mittlerweile den größten Anteil der protestantischen
Missionare ausmachen.
Heinrich Brandt, em 1995-1.
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Fugmann, Wilhelm (Hrsg.).
Christian Keyßer,
Bürger zweier Welten. Neuhausen-Stuttgart:
Hänssler Verlag, Edition C (153), 1985.
Nach einer kurzen Einleitung läßt W. Fugmann den Missionar Christian Keyßer aus seinen hinterlassenen Schriften zu Wort kommen:
Anfang und Auswirkung der Mis
sionsarbeit in einem Gebiet Papua Neuguineas, Lehre und Methodik in Gemeindearbeit
und Mission. Dabei ist der Ansatz Keyßers
bedeutsam: Er wendet sich einerseits gegen die Übernahme von Schablonen in
der Missionsarbeit sowie starrer Formen lutherischer (bzw. europäischer)
Kirchlichkeit, obwohl selbst lutherischer Herkunft; anderseits tritt er stark für das genaue Kennenlernen von Kultur und Brauchtum ein,
worüber er selbst einige Arbeiten verfaßt
hat. Das Buch bietet vielfältige Beispiele für die Verwirklichung des
Prinzips der „Selbständigkeit“ der
Gemeinde in Amtsbefugnissen, Verwaltung, Gemeindeordnung und Mission, wobei eine genauere Quellenangabe hilfreich gewesen wäre. Das von Fugmann hiermit wenigstens teilweise zugänglich gemachte Werk Keyßers ist eine
Widerlegung der These, daß Mission die Identität der Völker zerstöre.
Jürgen Kuberski, em 1986-2.
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Fuller, W. Harold. People of the Mandate: The
Story of the World Evangelical Fellowship. Paternoster: Carlisle,
UK, 1996.
Das Buch des Kanadiers W. H. Fuller erschien zum 150.
Jubiläum (1846-1996) der in über 100 Ländern vertretenen Weltweiten Evangelischen
Allianz (World Evangelical Fellowship - WEF). Es bildet eine interessante Ergänzung
und Fortführung der zehn Jahre zuvor erschienen Geschichte des WEF mit dem
Titel „A Dream that would not die“, von David M. Howard. Während Howard die
Geschichte dieser ältesten ökumenischen und evangelikalen Bewegung bis 1986
schrieb, vermittelt Fuller dem Leser Geschichten und Persönlichkeiten (vor
allem aus der Zwei-Drittel-Welt), die diese Geschichte bis 1996 belebten. In
vierzehn Kapiteln berichtet er u. a. von der Enstehung der Evangelical
Alliance in London 1846, von der spannenden Neu-Gründung als WEF 1951 in
Woudschoten, Holland und von der Rolle der nationalen Allianzen, die in
vielen Ländern an der Front neuer Entwicklungen und missionarischen
Wachstums stehen. Asien, Afrika und Lateinamerika befinden sich im Zentrum
evangelikaler Wirklichkeit heute. Ein Kapitel ist der missiologisch
bedeutsamen Missions-Kommission der WEF gewidmet. Religiöse Freiheit, sowie
Frauen und Jugend sind weitere thematische Schwerpunkte. Erwähnenswert sind
die zehn Anhänge, die interessante Dokumente bieten, z.B. einen Brief der
japanischen Allianz mit der Bitte um Verzeihung für die von ihrer Nation
ausgegangenen Aggressionen in der asiatischen Geschichte, die
Glaubengrundlage der WEF, die Singapur-Missionserklärung der WEF u. a. m. Hilfreich
sind Index und Literatur-Verzeichnis zu theologischen und geschichtlichen
Aspekten der evangelikalen Bewegung.
Friedemann Walldorf, em 1999-3.
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Gabriel, Carlo. Die Josefsgeschichte in Bibel
und Koran, Unterschiede, Widersprüche, Maßstäbe. Uhldingen: Stephanus Edition, 1996.
Nicht nur ein Vergleich der Josefsgeschichte in Bibel und
Koran ist das Thema dieses Buches: Carlo Gabriel möchte darüberhinaus allgemeine
Beurteilungskriterien für den Islam und den Koran liefern. Die Frage, ob
Christen und Muslime an den gleichen Gott glauben, beantwortet Gabriel mit
einem klaren Nein. Bemerkenswert ist auch die Folgerung, daß aus einer
„Theologie der Werkgerechtigkeit“ zwangsläufig „Glaubensunsicherheit“ und
fehlende Heilsgewißheit folgen muß, wie es im Islam ja tatsächlich auch der
Fall ist. Durch die Gegenüberstellung der biblischen und koranischen
Josefserzählung wird die Verkürzung und inhaltliche Verflachung des
koranischen Berichtes sehr gut deutlich. – Bei einer Neuauflage sollte
unbedingt der archaische und für Muslime herabsetzende Begriff „Mohammedaner“
(z.B. S. 135, 140) gegen die korrekte Bezeichnung „Muslim“ ausgetauscht
werden.
Dr. Christine Schirrmacher, em 1997-3.
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Gaudeul, Jean-Marie. Called from Islam to Christ:
Why Muslims become Christians. Monarch Books: Crowborough/UK, 1999.
Dr. Jean-Marie Gaudeul, ein Missionar der Weißen Väter,
hat viele Jahre in Tansania gearbeitet. Er ist Doktor der
Islamwissenschaften und der arabischen Sprache und unterrichtet zur Zeit am
Katholischen Institut in Paris.
Gaudeul geht der Frage nach, warum Muslime Christen
werden. Er beschreibt sieben Hauptgründe und erläutert diese anhand
zahlreicher Beispiele: (1) Die Persönlichkeit Jesu ist für viele Muslime
attraktiv. (2) Viele sind angetrieben vom Durst nach Wahrheit und innerer
Gewißheit. (3) Menschen ohne Familien haben den Wunsch nach Gemeinschaft. (4)
Manche sind auf der Suche nach Gottes Volk (God’s Community) und entdecken es
in der Kirche. (5) Manche sind auf der Suche nach Vergebung und werden von
der zentralen Botschaft des Evangeliums angezogen. (6) Manche haben Hunger
nach Gott und nach Gemeinschaft mit ihm, und (7) Manche werden von Gott direkt
gerufen (durch Träume und Visionen).
Bei Gaudeuls Einleitung merkt man an einigen Stellen, daß
er Katholik ist und auch Muslime als Leser seines Buches im Auge hat. Er versucht,
es für sie einsehbar und annehmbar zu machen, daß Muslime Christ werden. Gott
ist es, so Gaudeul, der Muslime führt und manche von ihnen – auch aufgrund
ihrer besonderen Persönlichkeit, Bedürfnisse und Lebensumstände – in Jesus
Christus Frieden und Erfüllung finden läßt. Er betont dabei, daß dies kein
negatives Licht auf den Islam wirft und nicht heißt, daß das Christentum
besser sei. Gott führt den einen vom Christentum zum Islam und den anderen
vom Islam zum christlichen Glauben. Ob Muslime ihm das abnehmen?
Gaudeul geht in seiner Einleitung auch auf die Zahl der
Übertritte zum Christentum ein. Er ist vertraut mit dem Buch von A. T.
Willis, das für 1965 bis 1971 in Indonesien von zwei Millionen Übertritten
vom Islam zum christlichen Glauben spricht. Er schätzt die Zahl der jährlichen
Konversionen in Afrika auf einige Tausend. Neuere Informationen über
Bangladesh und den Iran seit der Revolution im Jahre 1979 fehlen leider.
Gaudeuls Verständnis von Bekehrung und Konversion wird von
Evangelikalen sicherlich als oberflächlich, psychologisierend und humanistisch
eingestuft werden. Er betrachtet Konversion in großem Maße als Wechsel von
einem Wertsystem zu einem anderen, wobei Islam und Christentum als
gleichwertige Religionen betrachtet werden. Der ganze Prozeß ist auf
menschliche Anstrengung und Entscheidung reduziert. Der Anruf Gottes, von
dem Gaudeul im Titel spricht, ist nicht mehr als der im Menschen innewohnende
Hunger und Durst nach dem Ewigen und Heiligen.
Die Stärke des Buches liegt in den biographischen
Informationen und Erlebnissen der Konvertiten. Gaudeul erlaubt es
Konvertiten so zu reden, wie sie empfinden, auch wenn dies seinem
Verständnis nicht entspricht. Dieser (größte) Teil des Buches ist für jeden,
der mit Muslimen lebt oder unter ihnen arbeitet, sehr informativ, interessant
und hilfreich. Elf Seiten mit 78 Literaturangaben zum Thema Konversion,
viele aus dem evangelikalen Bereich, helfen weiter, sich in das Thema zu
vertiefen und Gaudeuls Schlußfolgerungen zu überprüfen.
In Sprache und Stil ist das Buch leicht zu lesen. Das
französische Original erschien 1991 bei Cerf in Paris (Appelés par le Christ:
Ils viennent de l’Islam).
Dr. Dietrich Kuhl, em 2000-2.
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Gehring, Roger W. Hausgemeinde und Mission: Die
Bedeutung antiker Häuser und Hausgemeinschaften - von Jesus bis Paulus. Brunnen: Gießen, 2000.
Gehring, langjähriger Mitarbeiter von Campus für Christus
und seit Abschluß der vorliegenden Promotion unter Peter Stuhlmacher
‘adjunct’-Professor in den USA, faßt hier minutiös zusammen, was exegetisch
und archäologisch über die Bedeutung der Häuser als Versammlungsort der Jesusanhänger
zu sagen ist. Er geht dabei von der grundsätzlichen historischen
Glaubwürdigkeit der neutestamentlichen Berichte über solche Häuser aus,
auch wenn er Eph, Kol, 1+2Tim und Tit für nachpaulinisch hält, aber dennoch
untersucht. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf dem exegetisch-historischen
Aspekt. Die Bedeutung der Häuser für die Arbeit von Jesus und Paulus wird
zwar festgestellt, aber dabei werden kaum missionsstrategische Überlegungen
angestellt. Der „Ausblick: Die ekklesiale und missionarische Bedeutung
des Hausgemeinde-Modells für die Gegenwart“ am Ende macht ganze 15 von 500
S. aus und enthält kaum etwas missiologisch Relevantes oder Neues, verläßt
den Bereich der Landeskirche überhaupt nicht, stellt vor allem Fragen und
trägt nichts zur gegenwärtigen weltweiten Debatte zum Thema bei. Kurzum, das
Buch ist zum ersten Teil des Titels eine ausgezeichnete Aufarbeitung des Forschungsstandes,
zum zweiten Teil des Titels jedoch wenig ergiebig.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-2.
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Gensichen, Hans-Werner. Invitatio ad Fraternitatem. 75 Jahre
Deutsche Gesellschaft für Missionswissenschaft (1918-1993). (Beiträge zur Missionswissenschaft und Interkulturellen
Theologie Bd. 1). Münster/Hamburg: Lit Verlag, 1993.
Hans-Werner Gensichen, der als profilierter deutscher
Missionswissenschaftler 25 Jahre den Vorsitz der Deutschen Gesellschaft für
Missionswissenschaft (DGMW) inne hatte (1965 - 1990), ist sicher dafür
prädestiniert, zum 75-jährigen Jubiläum dieser Gesellschaft in einer
geschichtlichen Darstellung über deren Werden und Wollen Rechenschaft zu
geben.
Durch seine guten Kenntnissen der jüngeren
Missionsgeschichte gerät das Buch zu einem knappen und übersichtlichen Abriß
der Entwicklung missionswissenschaftlichen Denkens in Deutschland
überhaupt. Gensichen spannt den Bogen von den ersten theoretischen Ansätzen,
die sich bei G. W. von Leibnitz finden über Justian von Welz und Konrad Mel
zu den ersten pietistischen Missionaren Ziegenbalg und Plütschau, die als
Sendboten der Dänisch-Halleschen Mission in Verbindung mit August-Hermann
Francke eine glückliche Verbindung von Missionstat und Missionstheorie
lebten. Der dahinter liegende Konflikt zwischen Theorie und Praxis,
zwischen dem sog. Missionsbetrieb durch die Missionsgesellschaften und dem
kritischen Nachdenken über die Mission sollte den Kampf von Männern wie Karl
Graul und Gustav Warneck bestimmen, denen es gelang, die Missionswissenschaft
im Bereich der deutschen Universitäten fest zu etablieren. So kam es noch
in den letzten Monaten des ersten Weltkrieges 1918 zur Gründung der
Deutschen Gesellschaft für Missionswissenschaft, damals einzigartig in der
Welt. Gensichen erhellt durch die Veröffentlichung bisher unzugänglichen
Materials die Motive der Gründungsväter der DGMW, und zeigt auf, wie in den
schwierigen Zeiten zwischen und nach den großen Kriegen durch Männer wie
Carl Mirbt, Martin Schlunk, Julius Richter, Johannes Warneck, später dann
auch Walter Freytag, Karl Hartenstein, Georg F. Vicedom und Gerhard Rosenkranz
die Arbeit der Gesellschaft gestaltet wurde. Bedeutung erlangte sie besonders
durch Nachwuchs - und Literaturförderung und Herausgabe zweier
missionswissenschaftlicher Schriftenreihen. Dabei gelingt es Gensichen, durch
knappe Übersichten Inhalt und Bedeutung dieser Veröffentlichungen darzustellen.
Im Gegensatz zu dem guten geschichtlichen Überblick der weiter zurückliegenden
Zeit wird Gensichen in der Analyse der Entwicklung der letzten 25 Jahre
merkwürdig blaß und zeigt zuwenig auf, wie sehr die jüngere
Missionswissenschaft in den Strudel der theologischen Substanzauflösung des
Christentums geraten ist. Kritisch sei hier bemerkt, daß Gensichen mit
keinem Wort auf die hoffnungsvollen Neuansätze des wissenschaftlichen
Nachdenkens über Mission im evangelikalen Lager eingeht, welche durch den
Verfall der klassischen Missionswissenschaften provoziert wurden. Wie kann
eine Missionswissenschaft, die den „… Mißlichkeiten religiöser Propaganda
und Kirchengründung“ entgehen will, um „…der wahren Wirklichkeit der
heutigen Welt“ (S.93) eher standzuhalten noch „als der Mission dienende
Wissenschaft“ verstanden werden, so wie es Rosenkranz anläßlich der
Fünfzigjahrfeier programmatisch für die DGMW formulierte (S.4)? Hier liegt
das Dilemma der heute im Bereich der Ökumene beheimateten Missionswissenschaft.
Wenn die Missionstheorie nichts Positives mehr zur Missionspraxis beitragen
kann, dann verwirkt sie ihre Berechtigung. Trotz der angedeuteten Schwächen
ist das Buch eine gute Einführung in die Geschichte der deutschen Missionswissenschaft
insgesamt, die in den letzten 75 Jahren von der DGMW mitgestaltet wurde. Ich
möchte dem Buch, auch wenn der Einband etwas steril wirkt und der Titel
allzusehr nur akademische Zirkel anspricht, eine breitere Leserschaft
wünschen.
Bernd Brandl, em 1996-2.
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Gerhards, Albert. Heinzgerd Brakmann (Hg.), Die
koptische Kirche. Einführung in das ägyptische Christentum. Stuttgart: W. Kohlhammer.
Ein wirklich lesenswertes Buch für alle, die sich mit der
Missions- und Kirchengeschichte christlicher Minderheiten in der islamischen
Welt beschäftigen. Die Aufsatzsammlung behandelt außer der Geschichte einer
der ältesten christlichen Kirchen überhaupt – die vorwiegend die Geschichte
einer Märtyrerkirche war und ist – Themen wie das koptische Mönchtum, die
Liturgie (einschließlich Eucharistiefeier), koptische Kunst und das in den
vergangenen Jahren verstärkte Dialogbemühen der koptischen Kirche mit
orthodoxen, katholischen und protestantischen Kirchen unterschiedlicher
Prägungen. Hier haben Annäherungen in dem rund 1500 Jahre alten Streit um Chalcedon
stattgefunden, und daher sollte die koptische Kirche nicht mehr als
monophysitisch bezeichnet werden. Im Kapitel zum Leben koptisch-orthodoxer
Frauen wird deutlich, daß sich im Vergleich zwischen muslimischen und koptischen
Frauen erstaunlich wenige Unterschiede ergeben (Heiratsvermittlung, Wertschätzung
der Frau erst durch die Mutterschaft sowie Mädchenbeschneidung sind hier wie
dort gängige Praxis). Für Missiologen von besonderem Interesse ist die –
angesichts zahlreicher Repressalien seitens des Islam - bemerkenswerte
Tatsache, daß die innere Erneuerung der koptischen Kirche in der jüngsten
Vergangenheit maßgeblich auf die umfangreiche Sonntagsschularbeit dieser
Kirche zurückzuführen ist.
Dr. Christine Schirrmacher, em 1997-2.
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Glaser, Ida; Napoleon John.
Partners or Prisoners?
Christians thinking about women and Islam.
Paternoster: Carlisle, 1998.
Wo liegen die wirklichen Unterschiede zwischen Islam und
Christentum, wenn es um die Beurteilung und Stellung der Frau geht? Ist das
Kopftuch wirklich ein ‘Instrument der Unterdrückung’ und wäre deshalb mit
dem christlichen Glauben nie und nimmer vereinbar? Enthält nicht auch die
Bibel Aussagen zum Thema Frau („… sie sollen zu Hause ihre Männer fragen“ u.
a.), die ganz und gar nicht zum westlichen, freiheitlichen, gleichberechtigten
Christentum zu passen scheinen und eigentlich fast „islamisch“ klingen?
Diese Fragen möchten die Autoren auf den Punkt bringen,
ohne einerseits altbekannte Vorurteile gegen den Islam neu zu schüren, aber
andererseits auch ohne den biblischen Textbefund zu relativieren. Sie scheuen
sich ebensowenig, Musliminnen in ihren apologetischen Äußerungen selbst zu
Wort kommen zu lassen und positive Seiten der islamischen Kultur zu benennen
wie Verirrungen der christlichen Kirchengeschichte und Exegese anzuführen,
denn sie möchten „unter allen Umständen der Versuchung widerstehen, die besten
Seiten des Christentums mit den dunkelsten Kapiteln des Islam zu
vergleichen“ (14).
Das Buch möchte nicht polemisieren, aber auch nicht nur
wissenschaftliche Vergleiche ziehen: Der Leser erfährt als Resümée aus der
sehr sachkundigen, ausführlichen Koran- und Bibelexegese, aus dem Studium von
Sekundärliteratur und islamischer Überlieferung, daß für Glaser und John nur
das biblische Gottes- und damit auch Menschen- und Frauenbild Würde und
Freiheit vermitteln, aber auch nur das Christentum als einzige Religion Aufgabenverteilung
und Platzzuweisung ohne Unterdrückung kennt.
Viele langjährig gereifte Überlegungen werden hier in
großer Dichte klar und prägnant zusammengefaßt. Manche Überlegungen zum biblischen
Frauenbild sind durchaus herausfordernd. Aber auch wer den Autoren nicht in
al
len Schlußfolgerungen zustimmen mag, wird - wenn er in Kontakt mit
muslimischen Frauen steht – ein tiefschürfendes, packendes, sehr
kenntnisreich geschriebenes, praxisnahes Buch in der Hand halten.
Dr. Christine Schirrmacher, em 2000-3.
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Glasser,
Arthur. Announcing
the Kingdom: The Story of God’s Mission in the Bible. Grand Rapids: Baker Academic 2003.
Ganz selten habe ich es gewagt, ein Buch eines meiner
geschätzten Lehrer zu zensieren. Dann und wann aber sind Ausnahmen nicht nur
berechtigt, sondern geboten. Wer Professor Glasser einmal erlebt hat,
vielleicht sogar ein oder zwei Semester bei seinen Vorlesungen dabei war und
jetzt dieses Buch liest, der wird unwillkürlich an den apostolischen Aufruf
denken müssen: „Gedenkt eurer Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben!
Betrachtet genau das Ende ihres Lebens und folgt ihrem Glauben nach!“ (Hebr
13,7). Beim Lesen dieses Buches kann jeder Lernende vernehmen, wie sein
ehemaliger Lehrer immer noch von den großen Taten Gottes redet und
herausgefordert werden, das gleiche zu tun.
Dr. Glasser schreibt nicht als Theoretiker, sondern als
einer, der sein Leben lang die Dringlichkeit der missionarischen Sendung
gelebt und gelehrt hat. Selbst im Alter von über neunzig Jahren bleibt er
missionarisch engagiert. Sowohl bei seinen Predigten und Vorlesungen hinter
Kanzel und Katheder, ais
auch bei seinen schriftlichen Arbeiten am Schreibtisch ging es ihm von jeher
nicht darum, marklose Bruchteile und Fragmente biblischer Wahrheiten
wiederzugeben. Er war vielmehr darum bemüht, die Zusammenhänge in ihrer
ganzen Tiefe des Evangeliums vom Reich Gottes zunächst selbst zu erkennen,
davon gepackt und überwältigt zu werden, und erst dann an seine Hörer und
Leser zu vermitteln. Nach wie vor möchte er die Nachfolger des Herrn motivieren,
die heilbringende Botschaft von Jesus Christus unter allen Völkern der
gefallenen Welt zu verkündigen. Dabei geht es immer – wie Glasser nachweist –
um einen gewaltigen Machtkampf zwischen Jahwe und Baal (S. 114-116),
zwischen Jesus Christus, dem Licht der Welt, und den Fürsten und Mächten der
Finsternis (S. 207-208; 250-256; 330-337). Das Reich Gottes eben ist nicht
von dieser Welt.
Das Buch bietet keine oberflächliche Lektüre an, ist auch
nicht für denkfaule Leser geschrieben. Diesen tiefgründigen Wesenszug des
Autors hat Professor Paul Hiebert, ehemaliger Kollege von Dr. Glasser, im
Vorwort auf den Punkt gebracht: „Die meisten Christen reden von ihrem
persönlichen Heil und was Gott in ihrem Leben für sie getan hat. Sie haben
eine Theologie der Anbetung und Gemeinschaft, des Gesundheitszustands materiellen
Wohlstands und der Besorgnis ur Bedürftigen. Aber sie geben sich in ihrem
Denken wenig mit einer Welt verschiedener Völker ab, machen sich kaum
Gedanken über die in Übel und Sünde verstrickte Erde; sie denken weder über
Geschichte nach, die sich von vor der Schöpfung bis hin in die Ewigkeit
erstreckt, noch geben sich Rechenschaft über den Grund, weshalb und wozu sie
eigentlich in dieser Welt existieren“ (7). Glassers Theologie geht tiefer und
weiter über den Rahmen solcher Oberflächlichkeit hinaus. Wie der vielfarbige
Regenbogen sich unserm Gesichtskreis von Horizont zu Horizont erstreckt und
uns an Gottes Gnadenbund mit den Menschen innert, so versucht Arthur Glasser
seinen Lesern einen Gesamtüberblick von Gottes geschichtlichem Heilshandeln
zu gewähren. Er interpretiert die großen Heilstaten Gottes als das
eigentliche Missionsthema der Bibel, wie es sich in der
Offenbarungsgeschichte zwischen Weltschöpfung und Weltvollendung als
ununterbrochene Ankündigung des Reiches Gottes entfaltet. Wer das Buch als
Systematiker oder als Dispensationalist liest, darf von vorne herein mit
Enttäuschungen rechnen. Glassers hermeneutischer Ansatz ist am besten als der
eines Bibeltheologen zu verstehen. Er versucht nach den kanonische Schriften
(„canonical Scriptures“, wie er die Bibel mit Vorliebe nennt) zu zeigen, wie
Gott das gesamte missionarische Handeln kontinuierlich in drei großen
Zeitepochen durchführt: Die Urgeschichte mit ihrem Universalcharakter
berichte Gottes Wirken bei der Schöpfung, dem Sündenfall und Gericht, so wie
in der Sprachenverwirrung und Zerstreuung beim Turmbau zu Babel (1Mo 1-11).
Die zweite Epoche von 1Mo 12 durchgehend bis Apg 1 bezeichnet Glasser als
„particular history“ (Sondergeschichte). Hier gibt sich Gott vorwiegend mit
seinem auserwählten Volk Israel und dessen Verhältnis zu den Völkern ab, und
zwar von der Berufung Abrahams bis zur Sendung des Messias und den damit
zusammenhängenden Heilsgeschichtlichen Ereignissen. In der dritten und
letzten Epoche greift Glasser zurück auf das Thema der Universalgeschichte,
die durch das Kommen des Heiligen Geistes und den Aufbruch der Gemeinde (Apg
2) weitergeführt und von Gott selbst vollendet wird (Offb 22; vgl. die Zusammenfassung
auf S.29-30).
In sechs weiteren Hauptteilen, die jeweils aus drei, vier,
oder fünf Kapiteln bestehen, detailliert der Autor die umfangreiche Mission
Gottes, und zwar wie sich diese schon in den ersten Berichten der Bibel
deutlich kundtut (S.17-68); wie sie dann von Israel, dem Volke Gottes,
empfangen und getragen wird (S.71-124); wie die Botschaft – einschließend die
prophetische Verheißung vom Messias – über Israels Grenzen hinaus zu den Nationen
kommt (S.127-179); wie das Reich Gottes in Jesus, dem Christus Gottes,
konkret in Erscheinung tritt (S. 183-256); wie die Gemeinde Jesu die Mission
verkörpert und in der Kraft des Heiligen Geistes von Jerusalem ausgehend die
Botschaft vom Reich Gottes in der ganzen Welt verkündigt (S.259-325). Endlich
weist Glasser nach, dass die Mission Gottes alle Grenzen übersteigt und bis
an das Ende der Erde und Zeit hinausreicht. (S.329-373).
Bei all den theologischen und historischen Ausführungen
beruft sich Glasser einzig auf die biblischen Aussagen in ihrem Zusammenhang.
Dazu hat er nahe an 3.000 Schriftstellen alten und neuen Testaments zitiert
und viele davon bearbeitet, Er will seinen Lesern nicht nur ein umfangreiches
und einheitliches Bild von der Missio Dei zeigen. Vielmehr möchte er ihnen
Gott selbst in seiner ewig-majestätischen Größe und Dreifaltigkeit als den
Vater, Sohn und Heiligen Geist präsentieren. Sie sollen ihn in seiner
heiligen, gerechten und liebevoll-erlösenden Einzigartigkeit als den Gott der
Mission kennenlernen (S.243-245). Gott erkennen, Jesus Christus als einzigen
Weg zum Heil akzeptieren, ihm als Herrn dienen und dem Heiligen Geist
gehorchen ist der Sclüssel zu einem fruchtbaren Leben in der Beteiligung an
der Mission Gottes.
Sowohl ein umfangreiches Bibelstellen- und Sachregister
als auch die vielen Zitate aus der Bibel und anderen Quellen sind eine
wertvolle Hilfe, sich weiter mit der Thematik auseinanderzusetzen. Was den
Leser weiter beeindruckt, ist eine zehnseitige Bibliographie, in der mehr als
250 relevante Bücher und Artikel zum Thema aufgelistet sind. Diese Liste
kann aber auch täuschen. Man findet z. B. unter den vielen Quellen kein Buch,
das nach Perestroika oder nach dem Sturz der Mauer zwischen Ost und West dem
motivierten Leser den Vorhang lüftet und einen Einblick in das
missionstheologische Denken der ehemaligen „Zweiten Welt“ gewährt. Das
trifft allgemein auf die letzten zehn bis zwanzig Jahre zu. Solche
Vernachlässigung kan man von Dr. Glasser im Kontext seiner Wirkungszeit
verstehen, aber kaum von seinen jüngeren Kollegen, die auf der Titelseite als
Mitarbeiter genannt werden. Trotz dieses Mangels kann ich das Buch nur empfehlen.
Noch ein Wort zum Schluß.
In der Einführung zum ersten Kapitel kündet Dr. Glasser
seine grundsätzliche Haltung zur Heiligen Schrift an: „Die ganze Bibel alten
und neuen Testaments ist ein missionarisches Buch; sie ist die Offenbarung
der missionarischen Absichten und Aktionen Gottes in der Geschichte der
Menschheit“ (S.17). Nachdem er dieses große Thema in 23 Kapiteln behandelt
hat, schließt der Autor sein Werk mit einem bescheidenen Bekenntnis ab: „Am
Abschluß dieser Untersuchung stehen wir unter dem eindeutigen Eindruck, dass
unsere Erkenntnis begrenzt geblieben ist, und dass unser Verständnis der
Wahrheit weder vollkommen noch vollendet ist (1Kor. 13,9.12). Gelegentlich
stießen wir bei unserer Auseinandersetzung auf scheinbaren Widerspruch, indem
wir bestimmte Wahrheiten sahen, aber die Zusammenhänge nicht voll und ganz
verstehen konnten. Wir haben jedoch das Vertrauen, dass das, was geschrieben
wurde, den Eindruck einer aufrichtigen und lautern Bemühung vermittelt, auf
Gottes Wort des kanonischen Textes der Heiligen Schrift hinzuhören“ (S.373).
Prof. em. Dr. Dr. Hans Kasdorf, em 2005-1.
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Goldsmith,
Martin (Hg.). Ein
Herz für Missionare. Marburg:
Francke, 1992.
Nur die gute Hälfte dieses Buches befaßt sich mit der Unterstützung von Missionaren. Es zeigt
sich schnell, daß uns Autoren aus Großbritannien
(alle irgendwann Mitarbeiter der OMF/ÜMG) kulturell näher sind als der
Amerikaner Pirolo. Was sie zu den drei Themenbereichen Gebet, Ausreise und
Rückkehr sagen, weckt Verständnis. Dennoch
bleibt der Wunsch nach einem nicht
übersetzten Buch zum
Thema. Die andere
Hälfte des Buches berichtet über weltweite Trends in der Mission und argumentiert mit biblischen Begründungen gegen
Vorbehalte gegenüber der Mission.
Christof Sauer, em 1994-3.
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Goldsmith, Martin. Islam und Christliches
Zeugnis. Verlag C. M. Fliß: Hamburg 1993.
Der Autor kennt die aktuellen Entwicklungen im Islam, hat
Erfahrung im Umgang mit Muslimen und besitzt eine fundierte Kenntnis der
islamischen Geschichte und Theologie. Sein Ziel ist es, Christen zum Zeugnis
zu motivieren, trotz aller Probleme, die bei der Weitergabe des Evangeliums
an Muslime auftreten. Dies gelingt ihm nicht zuletzt durch eine kurze und
gut verständliche theologische Einführung in den Islam. Eine prägnante
Abhandlung über die Vorzüge des christlichen Glaubens, sowie praktikable
und teils ungewöhnliche Tips zum Zeugnisgeben schließen sich dem an. Die
Überlegungen, wie aus dem Islam Bekehrte ihr Christsein ausleben können,
sowie eine ermutigende Bestandsaufnahme von Bekehrungen im Islam aus aller
Welt runden das Buch ab. Insgesamt versteht der Autor tiefgründige Zusammenhänge
auf einfache und interessante Art und Weise zu schildern.
Michael Wimmer, em 1996-2.
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Goldsmith, Martin. Life’s Tapestry. Reflections
and Insight from my Life. OM Publishing: Carlisle (GB), 1997.
„Bleib unter dem Tisch, du bist Missionar!“ Ist Martin
Goldsmith beleidigt, ärgerlich, als er von einem Indonesier so
zurechtgewiesen wird? Nein, denn seine Grundeinstellung ist es, in jeder
neuen Situation - und es sind deren viele - neu zu lernen, immer andere zu
motivieren, ja sogar, ihnen die Ehre des Erfolges zu überlassen. Abgehoben?
Sicher nicht! Goldsmith macht den Lernprozeß humorvoll deutlich, aber diese
Demut bei aller fachlichen (Oxford) und geistlichen Kompetenz stellt den
Leser in Frage und fordert ihn auf, nur für Jesus zu leben. Das macht frei,
jede neue Kultur aufgrund der Bibel zu beurteilen und nicht vor dem eigenen
Hintergrund. Mit der Haltung des Dieners erwirbt man sich das Vertrauen der
Leute, nicht mit der Parole: „Jetzt komme ich, jetzt geht es los!“ Leicht?
Sicher nicht, aber in der Zeit des Postkolonialismus das Beste.
Nach Singapur, Thailand, Indonesien geht der Weg für
Goldsmith nach Malaysia und bringt die schmerzliche Erfahrung, daß sich
Erfolgsstrategien nicht so einfach von einer Kultur in die andere übertragen
lassen.
Martin und Elizabeth Goldsmith kennen das schwarze Loch,
wenn man Gott und Menschen nicht mehr versteht. Aber sie haben gelernt, daß
Bitterkeit die Wurzel vieler Übel ist. So sind sie frei, einen Ruf an das
„All Nations Christian College“ in Großbritannien anzunehmen und merken, wie
Gott sie vielfach ohne ihr Wissen Schritt für Schritt in einen weltweiten
Vortragsdienst führt. Und was ist das Vermächtnis ihres Lebens, nach dem Martin
Goldsmith im Vorwort fragt? Es ist, daß Jesus in allem den Vorrang habe und
daß der Knecht nicht höher stehe als sein Herr! Das Buch macht Mut dazu und
fordert heraus, für das eigene Leben nicht mit weniger zufrieden zu sein.
Ingrid v. Torklus, em 1998-4.
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Goldsmith,
Martin. Matthew
& Mission: The Gospel through Jewish Eyes. Carlisle: Paternoster, 2001.
M. Goldsmith, weitgereister Vortragsredner und Autor
vieler Bücher zu missiologischen und missionspraktischen Themen, war
Missionar der ÜMG in Singapur, Malysien, Indonesien und Thailand, lehrt am
All Nations Christian College in Großbritannien und gehört als jüdischer
Christ zum Vorstand des europäischen Zweiges der Jews for Jesus-Bewegung. Mit
diesem Buch legt Goldsmith eine missiologisch-exegetische Studie zum Matthäusevangelium
vor, die sowohl die wissenschaftliche Diskussion (wenn auch ohne Fußnoten)
als auch die praktische missionarische Erfahrung berücksichtigt. Dabei stellt
die jüdische Perspektive, die der Autor mitbringt, eine weitere Bereicherung
der Auslegung dar. In 14 Kapiteln, die sich am Aufbau des Textes orientieren,
nimmt Goldsmith den Leser mit auf eine spannende Entdeckungsreise, die mit
dem Hinweis auf die missionarische Gegenwart Jahwes in Jesus Christus als
„Immanuel“ (Gott mit uns) beginnt (Mt. 1,23) und mit der missionarischen
Verheißung der Gegenwart Jesu endet: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der
Welt Ende“ (Mt. 28,20). Zwischen dieser literarischen „Klammer“ (inclusio)
entfaltet sich die Mission Jesu Christi und seines Jüngerteams, die
schließlich in der weltweiten Sendung der Gemeinde an alle Völker – Juden und
„Heiden“ gipfelt. Immer wieder zieht Goldsmith die missionstheologische Linie
aus in die Gegenwart (z.B. in der religionstheologischen Auseinandersetzung)
und illustriert seine Aussagen durch eigene Erfahrungen im weltweiten Dienst.
Besonders die heutige Situation jüdischer Christen weltweit und in Israel und
die besonderen Herausforderungen der Verkündigung des Evangeliums unter Juden
treten immer wieder in den Fokus. Am Ende des Buches findet sich eine kurze
Bibliographie. Das Buch stellt keinen wissenschaftlichen Anspruch, ist aber
eine inspirierende Lektüre, die sowohl frische Einsichten in das Studium des
Matthäus-Evangeliums vermittelt als auch wichtige Horizonte für den
missionarischen Auftrag in der Nachfolge Jesu heute vermittelt - an Juden,
nachchristlichen und anderen „Heiden“.
Dr. Friedemann Walldorf, em 2003-2.
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Goldsmith, Martin. What in the World is God Doing? Eastbourne: Monarch, 1991.
Solch ein Streifzug um die Welt mit missionarischer
Perspektive, allgemeinverständlich und kurz
gehalten, fehlt uns auf Deutsch. Ein wichtiges Motivations- und Informationsbuch für die Gemeinde. Nachahmenswert erscheint auch die
„All Nations Series“ (der gleichnamigen internationalen
Missionsschule in England), in der dieser Titel erscheint, mit dem
vierfachen Ziel: Grundlegendes über Mission
zu lehren, den westlichen Kirchen
Mission wichtig zu machen, Unterstützung der Mission durch Gebet und Handeln anzuregen und den Kirchen im multikulturellen Westen zu helfen, von den
Erfahrungen der weltweiten Kirche zu lernen. Wäre die FHM oder die AEM zu
einem ähnlichen Gemeinschaftprojekt fähig?
Christof Sauer, em 1994-1.
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Gottwald, Eckart und Folkert Rickers (Hg.), www.geld-himmeloderhölle.de
– Die Macht des Geldes und die
Religionen. Anstöße zum interreligiösen Lernprozess im Zuge der
Globalisierung. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 2002.
Geld – für die einen der Himmel, für die anderen die
Hölle? Oder für jeden der Himmel? Oder für jeden die Hölle? Oder immer beides
zugleich? – Ohne Zweifel ist Geld eine allgegenwärtige Macht, die gerade im
Zuge der Globalisierung ihre gesellschaftliche Wirkung verstärkt entfalten
kann und für viele Menschen - insbesondere unter Einfluss der Medien - zur
Ersatz- bzw. Lifestylereligion geworden ist. Damit stellt das Geld eine bislang
unterschätzte Gefahrdung für die Religionen dieser Welt und eine
Herausforderung für die Religionspädagogik dar. Die Herausgeber stellen
daher als Religionspädagogen die Frage, inwiefern die Religionen eine
kritische Potenz gegenüber dem Geld enthalten und entfalten können.
Das Buch ist mit seinen zehn Beiträgen so aufgebaut, dass
nach einem volkswirtschaftlich orientierten Grundlagenbeitrag zur modernen
Geldwirtschaft die Haltung der vier Religionen Christentum, Islam, Bahä’i
und Buddhismus zum Geld dargestellt wird, indem jeweils ein Vertreter dieser
vier Religionen zu Wort kommt. In den anschließenden Beiträgen wird
versucht, religionspädagogische Folgerungen zu ziehen und Alternativen zur
kapitalistischen Geldwirtschaft aufzuzeigen.
Die Selbstdarstellung der einzelnen Religionsvertreter
bezüglich der Einstellung ihrer Religion zum Geld ist zwar nicht erschöpfend
und auch nur begrenzt selbstkritisch, sie gibt dem Leser aber einen
interessanten Einblick in die wesentlichen Einstellungen und Handlungen und
in die Begrifflichkeiten (Zakat, Zinsverbot, Jobel- und Erlassjahr,
Ich-Illusion, HuququUah usw.) der jeweiligen Religion zum Thema „Geld“.
Selbstkritik kommt bezeichnenderweise primär aus dem christlichen Lager. Hier
sei der Anspruch aber auch am höchsten, weil allein das Christentum
grundsätzlich eine Problematik im Geld sehe: Gott sei ein Gott der Armen. In
den anderen Religionen werde nur die Gefahr des Geldbesitzes aufgezeigt,
Geldbesitz an sich sei dort aber nicht negativ behaftet.
Als Leitlinie der religionspädagogischen Ausführungen wird
gefragt, was das jeweils Bindende unseres Lebens sei. Es werden weitere Fragen
angerissen, die den Leser zum Nachdenken über die Macht des Geldes bringen
sollen, ohne fertige Antworten zu liefern: Was sind die strukturellen bzw.
gesellschaftlichen Komponenten der Macht des Geldes? Wie kann man andere
Werte noch neben dem Wert des Geldes halten? Was sind Möglichkeiten erfüllten
Lebens, die sich nicht am Materiellen orientieren? Als Alternativen zur modernen
Geldwirtschaft werden unter anderem Leih-und Schenkgemeinschaften,
Stiftungen, Kleinkreditprojekte in der Dritten Welt und Tauschringe
vorgestellt, wiederum jeweils von einem Mitarbeiter dieser Projekte. Diese
Initiativen stellen aber als idealistische, teils auf Spendenbasis
finanzierte Klein- oder Entwicklungsprojekte keine Alternative zu unseren
großen, anonymen Märkten dar. Einzig die Ethik- und Ökofonds haben sich
inzwischen zu einer respektablen Alternative zur rein kapitalistischen
Geldwirtschaft entwickelt.
Das Buch ist insgesamt gut leserlich geschrieben und in
der Lage, den Leser für die Problematik des eigenen Umgangs mit dem Geld zu
sensibilisieren und vereinzelt Alternativen aufzuzeigen. Nicht verschwiegen
werden darf allerdings, dass das Buch insgesamt an einer zu undifferenzierten
und teilweise auch unberechtigten Kritik an unserem Wirtschaftssystem leidet.
An diversen Stellen fehlt es an Sachkunde, gängige Klischees werden unkritisch
übernommen. Biblische Verse werden - teils auf Basis historisch-kritischer
Grundannahmen - interessegcleitet interpretiert. Für den missiologisch
interessierten, kritischen Leser kann es dennoch gewinnbringend sein, die
gelieferten Grundinformationen über den Umgang mit Geld in anderen Religionen
und alternativen Projekten zu reflektieren.
Andreas Mitschke, em 2003-3.
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Graham, Billy. So wie
ich bin: Die Autobiographie. Brunnen Verlag: Gießen, 1998.
Mit diesem Buch liegt nun die deutsche Übersetzung der
Erinnerungen des wohl bekanntesten Evangelisten der Welt an sein Leben und
seinen Dienst vor. Den inhaltlichen Schwerpunkt legt Billy Graham dabei auf
seine Reisen in verschiedene (z.T. „verschlossene“) Länder und auf seine
Begegnungen mit berühmten Persönlichkeiten.
Missiologisch interessierte Leser werden sich daran
freuen, daß das Buch einige interessante Hintergrundinformationen über die
Geschichte und Arbeitsweise der Billy Graham Evangelistic Association
enthält. Eine andere Gewichtung der Themen wäre jedoch – aus missiologischer
Sicht – wünschenswert gewesen: So fallen z.B. die Abschnitte über die Kongresse
in Berlin 1966 und Lausanne 1974 sehr viel kürzer aus, als etwa die ausführlichen
Beschreibungen der Begegnungen Grahams mit den einzelnen amerikanischen
Präsidenten.
Das Beeindruckende an dieser Autobiographie ist, daß der
Leser spüren kann: Da lebt ein einfacher, „von Natur aus schüchterner“ Mensch
konsequent seine gottgegebene Berufung: die Verkündigung des Evangeliums. So
erscheint es geradezu typisch für Graham, wenn er es im letzten Teil des
Buches nicht lassen kann, dem Leser zu erklären, was „Wiedergeburt“ meint und
wie sie geschehen kann (S.669).
Trotz seiner 700 Seiten ist das Buch leicht zu lesen, wozu
auch vier Bildteile beitragen.
Andreas Baumann, em 1999-3.
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Grandjean, Samuel. Orano. Genf: Haus der Bibel, 3. Auflage 1989.
Drei interessante und vielen Menschen unbekannte Bereiche
eröffnen sich dem Leser in diesem Buch: Nordafrika, ein Leben ohne Angehörige
und ein Leben in Blindheit. Der dreijährige blinde Orano wird von seiner Mutter
ausgesetzt und muß ohne Angehörige seinen Weg ins Leben finden. Waisenhaus,
Schule, Erlernen der Blindenschrift, Ausbildung im Ausland (Frankreich),
Erlebnisse als Blinder unter Sehenden und anderen Blinden und nicht zuletzt
das Staunen darüber, wie Gott sich ihm offenbart und neues Leben schenkt -
dies alles verpackt in spannende, kurze Abschnitte - machen das Buch zu
einer wertvollen Lektüre für die ganze Familie. Als Kinder unserer so abgesicherten
Umgebung treffen uns die tragischen Erlebnisse des Orano ganz besonders.
Deshalb scheint mir das Buch als „Gute-Nacht-Geschichte“ für sensible Kinder
weniger geeignet zu sein.
Der Autor beider Bücher, Samuel Grandjean, ist vor allem
im französischsprachigen Raum aufgrund seiner zahlreich veröffentlichten Kinderbücher
und Arbeitsmaterialien für Kinderstunden bekannt.
Michael Wimmer, em 1997-2.
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Grandjean, Samuel. Sebti der Furchtlose. Genf: Haus der Bibel, 1990.
Diese aus dem Französischen übersetzte, spannende, wahre
Geschichte eines algerischen Jungen, der mit seiner Familie nach Nordfrankreich
kommt, ist nicht nur für Kinder eine wertvolle Lektüre. Zwei Kulturkreise
treffen im Leben des Jungen Sebti immer wieder aufeinander: nordafrikanische
Tradition und westlicher Materialismus. Viele kleine, spannende Abenteuer
prägen seine Kindheit, zuerst im kleinen algerischen Dörfchen, später in verschiedenen
Gebieten Frankreichs. Er muß lernen, was es bedeutet, Ausländer zu sein, in
Eisenbahnwaggons zu leben und mit den oft negativen Einflüssen seiner
Spielkameraden zurecht zu kommen. Der unerwartete Besuch von Missionaren,
die bereits in seiner Heimat gearbeitet haben, bringt eine ganz neue Perspektive
in sein Leben. Durch freundliche und hilfsbereite Christen lernt er
schließlich auf einem Jungscharlager Jesus als seinen persönlichen Herrn
kennen. Die Stärke dieses Buches ist, daß es nicht mit Sebtis Bekehrung
aufhört nach dem Motto „Ende gut, alles gut“, sondern daß das letzte Drittel
Sebtis neuem Leben mit Jesus gewidmet ist.
Michael Wimmer, em 1997-2.
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Greenway, Roger S.,
Timothy M. Monsma. Cities: Mission’s New Frontier. Baker Book House: Grand Rapids,
1989.
Die beiden Autoren, die beide schon durch
Veröffentlichungen zur Großstadtmission hervorgetreten
sind, versuchen in diesem Band das Thema Großstadtmission umfassend zu behandeln. So umfassen die 20 Kapitel eine kaum zu überbietende Spannbreite, wie ein Blick in die Liste der Themen beweist, die sich leicht verlängern ließe: Großstadtmission im AT und im NT; ethnische
Gruppen in Großstädten; die Familie des
Großstadtmissionars; Statistiken; Slums
und Armut, eine 44seitige Bibliographie; Gemeindewachstum und das
Verhältnis zur politischen Führung.
Sicher sind die
Kapitel von unterschiedlichem Wert. Erfreulich sind die drei biblischen
Einführungskapitel, auch wenn es mir fraglich erscheint, ob man eine
spezielle Großstadtmission aus dem Neuen
Testament erheben und zum Muster machen kann. Die Aufgabe der Großstadtmission für die Evangelisation ihrer Umgebung, die bei Paulus eine
solch große Rolle spielt, wird kaum betont.
Um so besser sind viele der praktischen Kapitel. Sie
stellen einerseits dar, wie vielerorts gearbeitet wird, und machen andererseits
Vorschläge, wie die
Missionsarbeit auf die Großstadtsituation der Zukunft eingehen sollte. Man spürt dem ganzen Buch die Begeisterung und Hingabe ab, mit der die Autoren die Millionenstädte dieser Welt
für Christus gewinnen möchten. Dadurch ist das Buch nicht nur für Großstadtmissionare zu empfehlen, sondern auch für solche,
die es bis jetzt noch nicht werden wollen.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1990-2.
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Gremels, Georg (Hg.). Die Hermannsburger Mission und das „Dritte
Reich”. Zwischen faschistischer Verführung und lutherischer Beharrlichkeit.
Quellen und Beiträge zur Geschichte der Hermannsburger Mission und des
Ev.-Luth. Missionswerkes in Niedersachsen. Bd. XIII, Münster: LIT Verlag, 2005.
Die Verwicklungen der deutschen Missionen in die
NS-Diktatur sind bis heute noch nicht hinreichend erforscht. In diesem
kleinen Aufsatzband wird mit Konzentration auf die Hermannsburger Mission
versucht, diese Forschungslücke ein wenig zu schließen. (Am Rande sei hier bemerkt,
dass die evangelikalen Missionen in der kirchengeschichtlichen NS-Forschung
bisher kaum aufgenommen wurden). In diesem Band geht es nicht nur um die
lutherische Hermannsburger Mission. Außerhalb der Hermannsburger Thematik
stehen Hugald Grafes und Werner Ustorfs Beiträge.
Während Grafe einen kurzen historischen Überblick über
die Leipziger Mission in der NS-Zeit gibt, setzt sich Ustorf mit der Frage
nach der politischen Gesinnung der Vertreter des Deutschen Evangelischen
Missions-Rats (DEMR) in den 1930er Jahren auseinander. Leider enthält Ustorfs
Beitrag keine neuen historischen Forschungsergebnisse, die über seine
Monographie von 2000 Sailing on the next tide hinausweisen würden. Dennoch
ist das Ergebnis seines Aufsatzes aufschlussreich. So seien die Vertreter
des DEMR, die zumeist eine pietistische Linie vertraten, der Weimarer
Republik gegenüber kritisch eingestellt gewesen und auch sonst hielte man
progressive politische Denkweisen wie Demokratie, Sozialismus oder Liberalismus
für die Dämonen einer liberalen Zivilisation und eines autonomen
neuzeitlichen Bewusstseins. Damit impliziert Ustorf, dass die christlich-konservative
Weltsicht der Missionsführer jener
Zeit, sie anfällig für das christlich-konservative
Blendwerk des Nationalsozialismus machte. Dabei muss jedoch beachtet werden,
dass die Vertreter des DEMR von Ustorf nicht ausreichend
historisch-biographisch beschrieben werden und die halbsatzartigen Hinweise
über ihre NS-Verwicklungen kaum zu einem adäquaten Verständnis der
Mentalitätslage jener Zeit beitragen können. Eine gründliche historische
Quellenuntersuchung, die alle Vertreter des DEMR einschließt, hätte Ustorfs
Beitrag gut getan. Weitere Beiträge sind von Gerhard Lindemann zum Schicksal
des „halbjüdischen“ Pfarrers Rudolf Gurland, der in der Hermannsburger Missionsanstalt
Unterschlupf fand und von Ernst Bauerochse zum Verhalten der Hermannsburger
Missionare zu den abwechselnden totalitären Ideologien in Äthiopien.
Herausragend ist der Aufsatz „Die Missionsanstalt
Hermannsburg in der Zeit des Nationalsozialismus“ von Gunther Schendel.
Darin wird kenntnisreich die Geschichte der Auseinandersetzung zwischen der
Hermannsburger Mission und dem Nationalsozialismus aus umfangreichen
Archivmaterialien schöpfend nacherzählt. Zusammenfassend kommt Schendel zu
dem Fazit, dass die Hermannsburger Mission sich bis auf einige Ausnahmen
resistent gegen nationalsozialistische Vereinnahmungsversuche zeigte.
Allerdings gab es auch keinen Widerstand gegen das verbrecherische
Nazi-Regime. Interessant und das Fazit von Schendel bestätigend, ist der
Beitrag von Martin Tamcke über die Hermannsburger Kontakte zur
Assyrermission. Darin zeigt Tamcke, wie die Hermannsburger Missionsleitung
aus Furcht vor Repressalien davor zurückschreckte, auf die schrecklichen
Gräueltaten und Pogrome gegen die assyrische Minderheit im Irak öffentlich
hinzuweisen. Im Hintergrund stand die forcierte Annäherung des nationalsozialistischen
Deutschlands an die Araber und speziell an den Irak. Deswegen – so Tamcke –
vermied man in Hermannsburg die öffentliche Bekanntgabe der unsäglichen Pogrome
an den christlichen Assyrern.
Nach der Lektüre dieses Bandes wird deutlich, dass es den
deutschen Missionen in der NS-Zeit vor allem um Existenzsicherung ging.
Mutiger Widerspruch oder gar Widerstand aus christlicher Überzeugung waren
wegen der lutherischen Zweireichelehre und der ängstlich-konservativen
Weltsicht nicht vorhanden.
Elmar Spohn, em 2008-2.
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Grigg, Viv. Mit den Armen leben. Ein Aufruf zur
Mission hinter dem sozialen Vorhang [engl: Companion to the
Poor]. Lörrach: Simson ,
²1990.
Grigg,
Viv. Cry of the Urban
Poor. Monrovia/CA:
MARC, 1992.
Der
Neuseeländer Viv Grigg ist Elektroingeneur, studierte „community development”
an der University of the Philippines und erwarb ein Diplom der Fuller School
of World Mission. Seit 1979 arbeitete er in den Slums von Manila. Er
ist Leiter der Urban Leadership Foundation und half ähnliche Missionswerke
in anderen Teilen der Welt zu gründen. Heute baut er eine christliche Arbeit
in einem südasiatischen Land auf.
In seinen beiden Büchern fließen sowohl die persönliche
Erfahrung als auch intensives Forschen zusammen und ergeben einen abgerundeten
Überblick über Missionsarbeit unter der armen Stadtbevölkerung. „Mit den
Armen leben“ erzählt seine persönliche Geschichte und befaßt sich aus
evangelikaler Sicht mit den Themen, mit denen sich ein Missionar in den
Slums auseinandersetzen muß: Berufung, Armut, Slumkultur, soziales Engagement
vs. Evangelisation, einfacher Lebensstil, Einsamkeit, Power Encounter,
Gemeindegründung, wirtschaftliche Entwicklung, politische Gerechtigkeit,
Qualifikation des Missionars usw.
Intensive Forschung und weltweite Erfahrungen machen den
2. Band, „Cry of the Urban Poor“, zu einer umfangreichen Einführung für Missionsstrategen.
Im ersten Teil werden die neuen Mega-Städte unter politischen, wirtschaftlichen
und sozialwissenschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet und christliche Präsenzmodelle
und Strategien skizziert. Als zweites gibt er einen informativen Überblick
über Gemeindegründungsmodelle, um seinem Traum einer christlichen
Massenbewegung in den Slums der Weltstädte näher zu kommen.
Zusammen geben beide Bände in einer ansprechenden
Aufmachung einen gelungenen Einblick in die Mission unter der armen Stadtbevölkerung
und sind eine Herausforderung für Christen und ihre Leiter in dem reichen
Teil der Welt.
Martin Sachs, em 1996-2.
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Grimes, Barbara F. (Hg.). Ethnologue. 14. Ausgabe. 2 Bände + CD-ROM. International Academic Bookstore (SIL
International): Dallas (TX), 2001
[Academic_Books@sil. org oder www.sil.org]
Band 1: Languages of the
World.
Band 2: Maps and Indexes.
CD-ROM-Version (Windows 95ff und Mac).
Der 1951 zuerst erschienene ‘Ethnologue’ des Summer
Institute of Linguistics ist der Klassiker der evangelikalen
Missionsforschung schlechthin. Er erfaßt 6.800 bekannten Sprachen und
Dialekte der Welt, ordnet sie linguistisch und geographisch zu, beschreibt
sie kurz und gibt den Stand der Bibelübersetzung an. Umfangreiche Register in
Band 2 (z. B. allein 41.000 Namen und abweichende Namen der Sprachen)
erschließen die Datenmenge in jeder Hinsicht. Die Verbreitungskarten haben an
Zahl zugenommen und sind noch übersichtlicher geworden. Längst ist der
Ethnologue auch in säkularen Kreisen als Standarderfassung der Welt aus
linguistischer Sicht anerkannt. Einmalig ist der Familienstammbaum aller
Sprachen auf 140 S. im Band 2. Mit der neuen, leicht zu benutzenden CD-ROM
wird das Suchen noch viel einfacher und der Missionar muß nicht mehr zwei
dicke Bände mit aufs Missionsfeld schleppen …
Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-1.
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Gründer, Horst. Welteroberung und Christentum. Ein
Handbuch zur Geschichte der Neuzeit. Gütersloher Verlagshaus, 1992.
Mission und
Kolonialismus ist kein neues Thema.
Neu ist aber, daß ein Historiker (Professor für neuere und neueste
Geschichte in Münster) darüber eine
Zusammenschau der inzwischen zahlreichen Einzelstudien vorlegt, ein
Handbuch.
Für die an Missionsgeschichte Interessierten ist dieses
Buch so, als sei der Teppich, den sie betrachten,
umgekehrt – und dort hat er ein anderes
Muster, weniger leuchtende Farben. Aber gerade deswegen darf man sich
dieser Zusammenschau nicht entziehen.
Sie ist nicht an der Frage nach der Wahrheit des
christlichen Glaubens (oder anderer Religionen)
orientiert, also auch nicht an der Frage, welche Konfession gültig, welche Missionsform sachgemäß ist, sondern von der Suche nach
aufzeigbaren Zusammenhängen. Und so wird konstatiert, daß der Missionsfaktor
eine „erstaunliche Kontinuität“ aufweist (596) und ein „konstitutives
Bestandteil des westlichen Kolonialexpansionismus“ gewesen ist (597). Diese Kontinuität geht von den Konquistadoren bis zu den Glaubensmissionen! Denn auf die eine
oder andere Art sollen die „Eingeborenen“ in
die richtige Kultur integriert werden und ihre moralische Depraviertheit
ablegen. „Aber auch die von Anfang an von den christlichen Sendboten
übernommene Rolle als ‚Anwälte der Eingeborenen’ blieb stets systemimmanent
und betraf so gut wie nie das Kolonialsystem als Ganzes“ (596). Gründer ist
nicht blind für die Kritik der Missionen an
europäischer Kultur und Kirche und
an den Siedlern und führt diese wohl zutreffen auf die Leitbilder der
Reiches Gottes zurück.
Ein Problem bleibt der Verallgemeinerungscharakter der zusammenfassenden Aussagen: „so
gut wie nie“, „fast immer“. Korea wird mehrfach als Ausnahme genannt, aber
nicht geschildert - schwer zu begreifen, ist doch die Christianisierung
Koreas ganz sicher auch von einer Zuwendung zu westlichen Lebensformen begleitet.
Der Wert des Werkes ist aber eine ausführ
liche Behandlung der sehr verschiedenen
Prozesse in 17 Kapiteln, die
weniger chronologisch als geographisch umgrenzt sind. 122 Titel umfaßt die Liste der abgekürzt,
d.h. oft zitierten Werke, aber weit mehr: 82 Seiten die Fußnoten - ausführliche Quellenangaben sowohl aus säkularem wie aus kirchlich-missionarischem Ursprung,
65 Bilder und Karten und ein Register von
50 Seiten machen das Handbuch einerseits lesbar, andererseits
brauchbar als Nachschlagewerk.
Im Einzelfall kann man
über die Perspektive streiten, die Livingstone kaum, Stanley ausführlich erwähnt (520 ff), oder die meint, es habe in der Geschichte Indiens nur wenige christliche
Märtyrer gegeben, und es sei kein nennenswerter Einbruch in die oberen
Bereiche des Kastenwesens gelungen (307)
und die Kultur Indiens sei nur peripher vom europäisch-abendländischen Christentum angetastet. Vor allem werden immer wieder Bildausschnitte
vergrößert um aufzuzeigen, was als relevant gilt: die intensive und explizite
Kooperation.
Zum Ganzen muß gesagt
werden, daß Gründers Werk nicht einseitig missionskritisch ist. Dazu
sind seine Kenntnisse viel zu umfassend,
dazu ist seine Sicht zu problembewußt und human-antiideologisch. Er verkennt nicht das Eintreten für
Unrecht Leidende etwa, auch nicht die Eigendynamik der Nichteuropäer, die sich durchaus das Christentum zu eigen machen
konnten, er verkennt auch nicht das emanzipatorische
Potential solchen Christentums. Er insistiert aber darauf, daß die
den Kolonialismus legitimierende, Europas Kultur normativ setzende Wirkung
der Mission nicht sporadisch, kein Versehen war. Darin sind er und seine Quellen ernst zu nehmen.
Niels-Peter Moritzen, em 1993-2.
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Gründer, Horst. Welteroberung und Christentum. Ein
Handbuch zur Geschichte der Neuzeit. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus
Gerd Mohn, 1992.
Der Münsteraner Geschichtsprofessor und Kolonialhistoriker
Horst Gründer legt nach seinen bisherigen Quellenstudien zum Verhältnis von
Mission und Kolonialismus einen aus der Literatur erarbeiteten
Gesamtüberblick der gesamten christlichen Kolonialgeschichte weltweit vom 15.
Jahrhundert bis in die Gegenwart vor. Er breitet eine ungeheure Fülle von
historischem Material aus und legt als Historiker eine erstaunliche Kenntnis
der Missionsgeschichte an den Tag, wenn ihm auch viele theologische
Zusammenhänge verborgen bleiben. Dies gilt etwa für die Besonderheiten
pietistischer Grupperierungen und der Glaubensmissionen, die sich sicher
nicht so einfach in Gründers Schema einordnen lassen. Für ihn ist nämlich
„Mission – trotz aller Einschränkungen im einzelnen – ein konstitutiver Bestandteil
des westlichen Kolonialexpansionismus gewesen“ (S. 597). Prinzipiell ist
Gründer natürlich zuzustimmen, aber die Zahl der Einschränkungen ist
erheblich zu vermehren, stehen doch für Gründer staatlich durchgeführte oder
sanktionierte Aktionen gegenüber denen kleinerer, privat organisierter
Missionsgesellschaften, die oft viel unabhängiger agierten, zu sehr im
Vordergrund. Immerhin spricht Gründer aber bei aller Missionskritik von
einer ‚Dialektik’ der Christianisierung (S. 577ff), da die Christianisierung
für die einheimischen Völker durch Ausbreitung von Bildung und
Bewußtseinsweckung viele positive Folgen hatte, wie Gründer mit Zitaten
afrikanischer Missionskritiker aus Nigeria und Ghana belegt (S. 583), die
etwa darauf verweisen, daß bis heute praktisch ihre ganze Führungsschicht in
Politik, Recht, Verwaltung, Medizin, Wissenschaft und Bildungswesen auf
Missionsschulen ausgebildet wurde. Gründer schreibt sogar weiter: „Vor allem
war es jedoch die Lehre der Bibel, die eine wichtige Voraussetzung für die
Begründung der Ablösung des Kolonialismus schuf“ (S.585).
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-2.
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Grundmann,
Christoffer H. Gesandt
zu heilen! Aufkommen und Entwicklung der
ärztlichen Mission im 19. Jahrhundert. (Bd. 26 Missionswiss. Forsch.) Gütersloh : Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn 1992.
Der Autor, Jg. 1950, studierte Theologie in Hermannsburg und Hamburg: dort erwarb er den Magistertitel. Im Anschluß: Vikariatsjahr in Caracas. 1978-1983 Dozent am Tamil Nadu Theological
Seminary in Indien. Seit 1983 theologischer
Referent am Deutschen Institut für ärztliche Mission, Tübingen.
Die erweiterte Dissertation ist ein „Jahrhundertwerk“ in
doppeltem Sinn: Zum einen, eine sorgfältig recherchierte Geschichte der ärztlichen Mission (AM). Das 19. Jhdt. wird zwar schwerpunktmäßig behandelt, dar-überhinaus
aber auch das ganze Spektrum der Vorläufer der AM bis hin zu den sich anbahnenden
Neuentwicklungen nach 1900. Zum anderen
dürfte die gründliche Arbeit das herausragende Referenzwerk dieses
Jahrhunderts über die AM sein. Die
chronologisch-geschichtliche
Darstellung wird u.a. ergänzt durch spezielle Kapitel über Strukturen,
Geographie, Diversifikation und theologische Problematik der AM. Das Besondere: Grundmann ist es gelungen
zeitgeschichtliche Zusammenhänge zur Entwicklung der AM in Beziehung
zu setzen. Das Buch liest sich flüssig, da die über tausend Quellenzitate und
zahlreiche (oft fremdsprachliche) Originalzitate in Fußnoten untergebracht sind. Eine wahre Fundgrube! Wer weiß schon, was „KellogsCornflakes“ und Erdnußbutter mit AM zu tun haben? (S.216) Durch die Fülle des Materials bedingte Beschränkungen sind verständlich. In
der Behandlung der theologischen Problematik wäre eine Erweiterung wünschenswert, die z.B. die Konfrontation der AM mit animisti-schen und anderen
Medizinsystemen im 19. Jhdt. einschließen
könnte. Oder: Die Rolle des Gebets und die „dynamis Kyrios“ in der „imitatio Christi“, die damals als eine der Hauptbegründungen der AM galt. Andererseits
hat Grundmann verschüttete Quellen erschlossen,
wie z.B. ein Manuskript Schlunks oder Informationen über das
weitgehend unbekannte erste deutsche „Medicinische
Missionsinstitut zu Tübingen“,
1841-1848. Auch die Rolle Gützlaffs
für die AM interpretiert Grundmann neu. Ein Folgeband über die Geschichte
der AM im 20. Jhdt. wäre sehr begrüßenswert!
Nicht nur für
missiologische, theologische und
medizinische Bibliotheken sondern auch für Missionen und Bibelschulen
ist dies herausragende, preiswerte
Referenzwerk ein „Muß“. Die
betroffenen Berufsgruppen und selbst Studenten und informierte Laien
werden es trotz seines wissenschaftlichen
Charakters mit Gewinn lesen.
Hans L.E. Grüber, em 1992-4.
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Gundert, Hermann. Brücke zwischen Indien und Europa. Begleitbuch zur Hermann-Gundert-Ausstellung im
GENO-Haus Stuttgart vom 19. April bis 11. Juni 1993 in Verbindung mit der
Dr. Hermann-Gundert-Konferenz Stuttgart 19. bis 23. Mai 1993. Hg. von
Albrecht Frenz. Süddeutsche Verlagsgesellschaft: Ulm, 1993.
Hesse, Johannes. Aus Dr. Hermann Gunderts Leben. Calwer Familienbibliothek. 34. Bd. Verlag der
Vereinsbuchhandlung: Calw/Stuttgart, 1894 (Reprint Stutgart 1993), geb. 368
S., DM 48.00
Rebmann, Jutta. Julie Gundert. Missionarin in Indien und
Großmutter Hermann Hesses. Biographischer Roman. Stieglitz Verlag:
Mühlacker, 1993.
Der Studienband „Brücke zwischen Indien und Europa“ stellt
mit über 100 Beiträgen nicht den Missionar, sondern den Sprachwissenschaftler
Hermann Gundert in den Mittelpunkt. Erst für die Gundert-Konferenz 1993
versuchte man, die Werke Gunderts zur Erforschung der Malayalam Sprache
möglichst vollständig zu erfassen: Heute sind fast 50 Titel von ihm auf
Malayalam bekannt. Hinzu kommen Werke zur Kulturanthropologie und
Linguistik, die durch die ‚Ausgrabung’ mehrerer, bis 1986 unbekannter Werke
in der Universitätsbibliothek Tübingen und Kerala/Indien, sowie in den Archiven
der Basler Mission zu Tage kamen. Der vorliegende Band über Gundert, der in
Nordmalabar großer „Guru von Kerala“ und bisher als einziger Ausländer
„Pandit“ (Gelehrter) betitelt wurde, ist weit mehr als ein Ausstellungskatalog,
da hier das umfangreiche wissenschaftliche Werk Gunderts ausgiebig gewürdigt
wird. Dabei ist die Zusammenstellung der Malayalam-Werke Gunderts nicht nur
von historischem Interesse; sein Wörterbuch, seine Grammatik und seine
Lehrbücher haben für das Studium der südindischen Sprachen auch noch heute
Bedeutung. Außerdem verfaßte Gundert eine Bibelübersetzung, Kirchenlieder
und Liturgien sowie Schriften über das Brauchtum und die Literatur Keralas;
ferner befaßte er sich eingehend mit der Geographie des Landes. Ergänzt wird
diese Darstellung durch Beiträge zur Geschichte und Kultur Keralas in
Vergangenheit und Gegenwart. Etliche Originalquellen in Form von Karten, historischen
Abbildungen, Originalschriften und Photographien wurden für den
wissenschaftlich und künstlerisch ausgezeichnet gestalteten Band
zusammengestellt.
Mit dem Frakturnachdruck „Aus Dr. Hermann Gunderts Leben“
von Johannes Hesse (1847-1916) aus dem Jahr 1894 wird erneut ein persönliches
Zeugnis zu Leben und Werk des Indienmissionars, Sprachforschers und späteren
Verlegers Hermann Gundert zugänglich gemacht, nachdem schon 1986 die
dreibändigen Gunderttagebücher veröffentlicht wurden. Dieses Zeugnis stammt
aus der Feder von Gunderts Schwiegersohn, des Indienmissionars und Vaters
Hermann Hesses, das die bereits 1983 und 1986 veröffentlichten Tagebücher
Gunderts ergänzt; lediglich die bisher nichterschlossenen Briefe Gunderts
bleiben eine Lücke. Die vorliegende Biographie wurde erstmals bereits kurze
Zeit nach Gunderts Tod herausgegeben und 1907 erneut überarbeitet. Sie lebt
von den zahlreichen Selbstzeugnissen und beschreibt anschaulich und lebendig
die Person Gunderts, sein Umfeld und vor allem seinen Werdegang zum Missionar
in Südindien. Der Verfasser hat keineswegs eine „Heiligenvita“ geschrieben,
sondern vermittelt Einblick in die Probleme und Spannungen in Gunderts Leben.
Der Bericht umfaßt drei Lebensabschnitte: 1. die Jugend mit dem Theologiestudium
in Maulbronn und Tübingen mit der inneren Entwicklung vom zweifelnden Anhänger
David Friedrich Strauß’, Hegels, Fichtes und Spinozas zum überzeugten
„Biblizisten“, 2. die Missionsarbeit in Indien und 3. nach der Rückkehr die
Verlagstätigkeit in Calw. Ein lebendiges Zeitzeugnis des 19. Jahrhunderts
über Hermann Gundert und seine ganze Familie.
Licht von einer ganz anderen Seite auf Hermann Gundert
als Ehemann und Vater wirft der biographische Roman über Julie Dubois. Julie
Gundert war 1809 im Schweizer Jura geboren worden. Sie galt als energisch
und tatkräftig und baute nach ihrer Heirat 1838 mit ihrem Mann unter
schwierigen Bedingungen mehrere Missionsstationen, Mädchenerziehungsstätten
und Heime für geschiedene, verwitwete und unverheiratete indische Mädchen
auf. „Daneben“ war sie Mutter von acht eigenen Kindern. Häufig litt sie
unter ihrer, wie sie meinte, im Vergleich zu Gundert mangelhaften
Schulbildung und intellektuellen Unterlegenheit. Dennoch lernte sie im
Verlauf der Jahre mehrere indische Sprachen und hatte dafür doch nur sehr
beschränkte Hilfsmittel an Lernmaterial zur Verfügung. In diesem Buch wird
weniger die „offizielle“ Missionsgeschichte erzählt; vielmehr wird dem Leser
ein Blick hinter die Kulissen ermöglicht. Er erfährt von Streitigkeiten zwischen
Missionaren und ihren Missionsgesellschaften, Schwierigkeiten der
Pioniermission in Südindien und den persönlichen Problemen mit Krankheit,
Tod, Enttäuschungen, Widerstand der Hindubevölkerung, Depressionen,
Rückschlägen, aber auch von den Erfolgen der Familie Gundert. 1837/38
schreibt Hermann Gundert:
„Soll ich von hier berichten, so ist mein erstes, daß
Gottes Gnade mit uns hier in Chittoor fortlebt, daß wir einander noch nicht
aufgefressen haben, daß ich mit den Brüdern in Dharwar und Tirunelveli noch
nicht gebrochen habe, daß auch K. in Madras mir noch nicht fremd geworden, daß
nicht alle Traktate, die ich verteile, zerrissen werden, vielleicht auch
nicht alle Worte, die ich gesprochen, zu Boden gefallen sind. Ihr werdet
vielleicht denken, das sei ein miserabler Bericht, aber ich kann nicht
helfen: So ist es eben!“ (S.117).
Der letzte Teil des Romans ist dem Leben der Familie
Gundert in Calw gewidmet. Ein Register und Anmerkungen zu den Zitaten hätten
den Roman vervollständigt, da nicht immer deutlich wird, welche
Informationen direkt auf unveröffentlichte Briefe und Manuskripte aus
Privatbesitz zurückgehen. Teilweise hätte man sich ergänzende Erläuterungen
zu Begriffen wie Calvinismus (er wird ausschließlich negativ belegt),
Pietismus (er wird häufig als „Schwärmerei“ bezeichnet) oder auch Hintergrundinformationen
etwa über die Haltung der britischen Krone gegenüber der Missionsarbeit in
Indien gewünscht.
Dr. Christine Schirrmacher, em 1996-2.
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Haarmann, Harald. Die Sprachenwelt Europas: Geschichte und
Zukunft der Sprachnationen zwischen Atlantik und Ural. Campus:
Frankfurt, 1993.
Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus rücken viele Völker und Sprachen Europas – vor allem Mittel- und Osteuropas – ganz neu in
den Mittelpunkt, und auch Missionare und Missionsgesellschaften haben einen
großen Nachholbedarf an Wissen über die in
ganz Europa gesprochenen Sprachen.
Harald Haarmann, der in Finnland lebende deutsche Sprachwissenschaftler,
der schon zahlreiche Werke über die
europäischen Sprachen geschrieben
hat – vor allem sein dreibändiges Werk
über die ‘Elemente einer Soziologie der kleineren Sprachen Europas’ – bietet in dem vorliegenden Buch einen
Überblick, der durch die fachliche Kompetenz, die sich ausgesprochen
flüssig liest, besticht. Haarmann läßt die Geschichte
der Sprachen und ihrer Völker ebenso lebendig werden wie ihre
Gegenwart, geht aber auch gründlich auf
die Rolle der Sprachen in Europa überhaupt ein, was einen ganz neuen
Einblick in die gegenwärtigen ethnischen
Auseinandersetzungen etwa in Jugoslawien,
dem Baltikum – aber natürlich auch
in Frankreich, Spanien oder innerhalb der EG als ganzer gewährt. Ich glaube,
daß die sprachliche Vielfalt Europas gerade auch im Bereich der
protestantischen Mission oft genug nicht genügend berücksichtigt wurde und
leicht hinter der Vorherrschaft einiger
weniger wichtiger Sprachen, vor allem von Englisch und Französisch,
zurückgetreten ist.
Dr. Thomas
Schirrmacher, em 1995-4.
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Haarmann, Volker. JHWH-Verehrer der Völker. Die Hinwendung
von Nichtisraeliten zum Gott Israels in alttestamentlichen
Überlieferungen. Abhandlungen zur Theologie des Alten und Neuen Testaments
91. Zürich: Theologischer Verlag, 2008.
Ist im Alten Testament der Eintritt in eine
Gottesbeziehung gleichbedeutend mit einer Integration in Gottes Volk? Dieser
Frage stellt sich die von Erhard Blum (Tübingen) betreute Dissertation des
Wuppertaler Vikars Haarmann. Wie sehr der Autor von seinem Studienjahr in
Jerusalem bei Alexander Rofé profitiert, zeigt sich in dem Fundus an
rabbinischer Literatur und modernen hebräischen Werken, auf welche er zurückzugreifen
weiß. Hier findet er auch den Ansatzpunkt für die These seiner Untersuchung.
Während nämlich die alttestamentliche Wissenschaft „in der Regel“
(S. 16) undifferenziert von (Vorläufern von) Proselyten rede,
unterscheidet das rabbinische Judentum zwischen dem ger zedeq (Proselyt) und dem ger
toschab (Righteous Gentile). Deshalb führt Haarmann nun auch im Blick
auf das Alte Testament einen neuen Terminus ein, den des „JHWH-Verehrers
der Völker“. Ein solcher wird nicht in das Volk Israel integriert,
vollzieht dennoch eine „religiöse Hinwendung zum Gott Israels“
(S. 55). Diese „Hinwendung“ ist zu unterscheiden von dem
rabbinischen Begriff der „Konversion“. Damit stehen sich zwei Modelle gegenüber:
Die Konversion des Proselyten zum Volk – Die Hinwendung des
JHWH-Verehrers zu Gott.
Die eigentlichen Untersuchungen beschäftigen sich zum
großen Teil mit literarkritischen Fragen. Dem aktuellen Trend der historisch-kritischen
Forschung am Alten Testament (strukturelle Einheit und Spätdatierung) folgend
datiert der Blum-Schüler alle untersuchten Texte nachexilisch. In mühevoller
Kleinarbeit weist er Stück um Stück eine literarkritische „Aufsplitterung“
der Texte bishin zur Unkenntlichkeit zurück. Er zeigt, dass Wiederholungen
und Gegensätze nicht unbedingt auf Quellen oder Schichten hindeuten, sondern
als bewusst eingesetzte Stilmittel verstanden werden können (vgl. etwa S.
140f; leider setzt er sich bei seinen Vorschlägen zur synchronen Struktur
nur im Hinblick auf 1.Kö 8 mit der aktuellen Forschungsdiskussion auseinander).
Problematisch erscheint, dass er dasselbe literarkritische Instrumentarium,
dessen Fragwürdigkeit er so eindrücklich nachzuweisen vermag, an anderer
Stelle kritiklos übernimmt, um die Texteinheiten aus ihrem Kontext isolieren
und umdatieren zu können. Damit verbaut er sich den Blick für eine möglicherweise
bewusst angelegte theologische Funktion der Texte in ihrem makrostrukturellen
Zusammenhang.
Untersucht werden die Hinwendung Jitros, Rahabs, Naamans
und der Seeleute zu dem Gott Israels (Ex 18; Jos 2; 2.Kö 5; Jon 1) sowie die
Texte 1.Kö 8,41-43 und Jes 56,1-8. Als „Gegenprobe“ wird die
Erzählung von Rut als Modell einer Integration in das Volk überprüft. In
Jitro sieht Haarmann ein Kontrastmodell zu dem Pharao und zu den
Amalekitern. Im Hinblick auf die Rahab-Erzählung erkennt er unter anderem
Bezüge zum Schilfmeerlied (Ex 15) und zur Achan-Erzählung (Jos 7),
schweigt jedoch zu der deutlich angelegten Parallele zwischen
Jos 2,10 und 9,9f (dem Bekenntnis der Gibeoniter). Hier ist seine Erklärung
des Verhältnisses von Rut zu dem sogenannten „Moabiterparagraphen“
interessant. Er deutet die qahal jhwh „Versammlung JHWHs“
(Dtn 23,4) nicht als Volksgemeinschaft, sondern als Versammlung der
israelitischen Männer zum Kult. Für Rut als Frau ist dieser Vers von daher
ohne Bedeutung (S. 263). Da diese Deutung exegetisch recht anfechtbar
ist, hätte man sich hier die Diskussion einiger der zahlreichen alternativen
Lösungsansätze gewünscht. Dass Naaman in Damaskus einen Altar für JHWH
bauen möchte, steht dem Gesetz nicht entgegen, da nur ein Israelit (oder
Proselyt) auf Jerusalem verpflichtet ist. Die Gegenüberstellung der
Gottesfurcht der Seeleute und der Flucht von Jona (ähnlich Achan und
Gehasi) zeigt, dass Israel von den JHWH-Verehrern lernen kann.
Die Untersuchung führt zu dem Ergebnis, dass
JHWH-Verehrer zwar nicht in dem Volk Israel aufgehen, ihre Gottesbeziehung
jedoch von einer besonderen „Israelbezogenheit“ geprägt ist. Gemeinsam, an
der Seite Israels, verehren sie den Gott Israels und verstehen sich als Freunde
Israels. Hierin sieht Haarmann ein mögliches Modell für das Verhältnis von Kirche
und Israel heute: „An der Seite Israels,
nicht als Israel verehrt die Kirche
JHWH, den Gott Israels“ (S. 290; eine solche These bedarf einer Prüfung
am Neuen Testament, Röm 9‑11; Eph 2). Haarmanns Alternative zu
dem Proselytenbegriff ist sicherlich keine Neuentdeckung (leider bleibt
die bei Eckhard Schnabel, Urchristliche Mission. Wuppertal:
Brockhaus, 2002, S. 125-135 dargestellte Forschungsdiskussion unbeachtet),
wenngleich eine notwendige Korrektur bis heute gängiger Sichtweisen. Sein
Werk weist einmal mehr in eindringlicher Weise darauf hin, dass es Menschen
außerhalb des Bundesvolkes gibt, die den Gott der Bibel verehren.
Dr. Siegbert Riecker, em 2009-2.
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Haas, Waltraud Ch. Erlitten und Erstritten. Der
Befreiungsweg von Frauen in der Basler Mission 1816 - 1966. Basileia Verlag: Basel, 1994.
Die Motivation, sich gerade diesem Thema zu stellen, läßt
sich für Waltraud Haas, einer langjährigen Mitarbeiterin der Basler Mission
in Kamerun und der Schweiz, wohl am besten mit den Worten eines Afrikaners,
des damaligen Moderators der Presbyterianischen Kirche in Ghana, Rev. E. M.
L. Odjidja, während einer Festpredigt in Basel formulieren: „Ich bin überrascht
zu hören, daß man so wenig von der Arbeit der Missionarsfrauen (erg.: und
der unverheirateten Missionarinnen) spricht. Wir tun so, also ob es allein
auf die Arbeit der Männer ankäme. Das ist nur die Hälfte der Geschichte. Aus
meiner eigenen Erfahrung kann ich bezeugen, daß die Arbeit der
Missionarsfrau entscheidend mitgeholfen hat, die Gemeinde aufzubauen. Wenn
ich die Gabe dazu hätte, würde ich ein dickes Buch darüber schreiben…“
Waltraud Haas hat sowohl die Gabe als auch den Mut
besessen, diese Herausforderung anzunehmen. Auf der Basis von umfassenden Archivstudien
für einen Zeitraum von 150 Jahren versucht sie, beide Ebenen miteinander zu
verbinden. Einerseits stellt sie anhand der Wirkungszeiten und des
Selbstverständnisses der Inspektoren der Basler Mission die Strukturen einer
patriarchalisch organisierten Missionsgesellschaft dar, andererseits liefert
sie ausführliche Quellenstudien und Interviews mit noch lebenden
Missionarinnen, die sie zu faszinierenden Momentaufnahmen verwoben hat. Es
sind „Lebensbilder“, farbig, realistisch, ehrlich, schmerzlich und ermutigend.
Die beiden Pole „Leiden“ und „Streiten“ geben immer wieder Orientierungspunkte
für das Leben und den Dienst der einzelnen vorgestellten Frauen vor. Die
Autorin versteht ihr Werk nicht als einen kompletten Abriß der Geschichte der
Frauen innerhalb der Basler Mission, sondern vielmehr als eine Studie, in der
Kurzbiographien in einen missionshistorischen und einen theologiegeschichtlichen
Rahmen eingebettet werden, und dadurch Lesern und Leserinnen ungewöhnliche
Einsichten ermöglicht. Gehorsam, Verzicht, Ordnung und Unterordnung als zentrale
ethische Werte neben und über dem Evangelium von der befreienden Gnade Gottes
in Jesus Christus für Männer und Frauen werden am Beispiel der Basler
Mission in ihren Auswirkungen auf Leben und Dienst der ihr anvertrauten
Missionarinnen und Missionare aufgezeigt.
Waltraud Haas vereint in ihrer Person beides: die Frauen
der Basler Mission betrachteten sie als eine der Ihren und vertrauten ihr
ihre Lebensgeschichte an; aufgrund ihrer langjährigen Tätigkeit im Archiv
der Basler Mission hatte sie auch Zugang zu allen relevanten Quellen, die
dieses Werk in seiner vorliegenden Form zu einer Pionierarbeit machen.
Die Bedeutung dieser Arbeit geht weit über den Rahmen
einer nur an der Basler Mission oder an missions- oder theologiegeschichtlicher
Frauenforschung interessierten Leser
schaft hinaus. Es bietet eine herausfordernde, spannende Lektüre sowohl für
Missionare und Missionarinnen im Dienst und im Ruhestand, als auch für Missionsdirektoren,
Personalleiter, Missionsseelsorger, Kandidatensekretäre und Dozenten der
Missionsgeschichte. Das Motto des Buches ist verdichtet in Julie Würz’ Aufruf
auf dem Sterbebett an die Basler Missionsschwestern enthalten: „Sag’ ihnen,
sie sollen ein starkes Leben führen! (S.233)
Friedhilde Stricker, em 1998-1.
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Halter, Hans; Wilfried
Lochbühler. Ökologische
Theologie und Ethik. 2
Bände. Verlag Styria: Graz/Wien/Köln, 2000.
Diese zwei Bände wollen nennenswerte Texte aus
Vergangenheit und Gegenwart zusammenstellen, die sich aus theologischer oder
ethischer Sicht mit der internationalen Umweltproblematik beschäftigen.
Damit ist von vorneherein klar, dass die Bände keine bestimmte Sicht
protegieren, sondern alle Stimmen von Gewicht zu Wort kommen lassen. Das
Ziel ist aber eindeutig, nämlich die Ökologie nicht anderen zu überlassen,
sondern als herausragendes Thema der christlichen Ethik zu begreifen.
Ob es also die klassischen Texte sind, die dem Christentum
die Schuld an der Umweltkatastrophe geben (z. B. Lynne White, Eugen
Drewermann), ob es ältere theologische Vordenker sind (z. B. Franz von
Baader 1765-1841, Fritz Blanke), ob es Evangelikale (z. B. Francis
Schaeffer), katholische (z. B. Julius Kardinal Döpfner) oder säkulare
Stimmen sind, ob sie die Umweltkatastrophe überzeichnen oder Teile davon für
übertrieben halten, ob Naturvölker als Vorbild gepriesen werden (z. B. Eugen
Drewermann) oder diese Sicht als Fiktion aufgewiesen wird (z. B. Thomas Bargatzky),
alles findet sich hier mit einschlägigen Texten versammelt. Alle Texte sind
gut ausgewählt und gegebenfalls gekürzt, mit guten kurzen Einleitungen versehen
und aufeinander bezogen, so dass die beiden Bände gut als Arbeitsbuch zu
gebrauchen sind und lange Literatursuche überflüssig machen.
Das Buch wird dadurch auch zum guten Ausgangspunkt für
eine evangelikale, d.h. von der Bibel ausgehende Aufarbeitung der Thematik-
wie ich sie in meinem Buch „Drewermann und der Buddhismus“ (VTR: Nürnberg,
1999) versucht habe. Denn wenn die ‘Umwelt’ wirklich Gottes Schöpfung ist,
können wir ihre Würde als Gottes Schöpfung ebenso wie ihr dem Gericht
Ausgeliefertsein als gefallene Schöpfung nicht für uns behalten.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-2.
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Hamel, Martin. Bibel - Mission - Ökumene:
Schriftverständnis und Schriftgebrauch in der neueren ökumenischen Missionstheologie. Gießen: TVG Brunnen, 1993.
Wie wird in der neueren Ökumenischen Missionstheologie
die Bibel verstanden und gebraucht? Was sind im Ökumenischen Rat der Kirchen
die eigentlichen Quellen und die Norm theologischer Erkenntis? Diesen Fragen
geht Martin Hamel mit dieser 1992 in Tübingen eingereichten Dissertation
nach. Der z.Zt. in Sachsen tätige Theologe versucht dabei, in acht Kapiteln
die Entwicklung des Schriftverständnisses, des Ökumenischen Kirchenrates
von Wadham 1949 bis San Antonio 1989 nachzu-zeichnen. Im Mittelpunkt steht
dabei die Weltmissionskonferenz in Melbourne 1980, der drei Kapitel gewidmet
sind: Vorbereitung – die Konferenz selbst – Echo. Die ersten drei Kapitel
schildern die frühere Entwicklung ökumenischer Hermeneutik. Den Abschluß
bilden je ein Kapitel zur weiteren Entwicklung in San Antonio und eine
Zusammenfassung mit Ergebnis und Kritik.
Zunächst werden die Studien zu Glauben und
Kirchenverfassung von Wadham 1949, Montreal 1963, Bristol 1967, Löwen 1971
und Loccum 1977 gesichtet, und der Weg von einer heilsgeschichtlich-christozentrischen
zur historisch-kritischen Sicht der Bibel aufgezeigt. Im zweiten Kapitel
wird der endgültige Paradigmenwechsel zwischen den Vollversammlungen in Neu
Delhi 1961 und Nairobi 1975 aufgezeigt. In einem weiteren Kapitel wird
vertiefend auf die hermeneutischen Ansätze mit Einfluß auf Melbourne
eingegangen, insbesondere auf die kontextuellen Dritte-Welt-Theologien und
die materialistische-sozialgeschichtliche Exegese.
Zusammenfassend hält Martin Hamel die Grundzüge
ökumenischer Hermeneutik fest: 1) Die biblischen Schriften werden als zeit-
und kontextbedingte menschliche Erfahrungszeugnisse betrachtet; 2) Eine
marxistische Gesellschaftsanalyse und Geschichtsbetrachtung und die
Deutungen von Befreiungsbewegungen und nichtchristlichen Religionen werden
als neue theologische Erkenntnisquellen eingeführt; 3) Die Bibel wird kontextuell
aus der Erfahrungsperspektive der kämpfenden Armen gelesen.
In den Kapiteln 6 und 8.2 kommt auch Kritik gegenüber dem
Bibelverständnis der ökumenischen Weltmissionskonferenzen, insbesondere
Melbourne, zur Sprache. Vor allem wird eine ungenügende Sorgfalt im Umgang
mit der Bibel bemängelt. Durch die kontextuelle Methode wird die Bibel
ideologisch uminterpretiert und als Steinbruch für vorgefaßte Meinungen
mißbraucht. Heilsgeschichte wird säkularisiert und Weltgeschichte sakralisiert.
Es stellt sich hier die Frage, ob man der Bibel sachgerecht entgegentritt, indem
man ihre Autorität und Normativität beiseite schiebt und sie durch den
erfahrenen sozialpolitischen Kontext des Befreiungskampfes der Armen ersetzt.
Lobenswert ist die intensive Quellenarbeit des Autors, der
viele bisher unveröffentliche Dokumente aus dem Genfer Archiv untersuchte.
Sehr hilfreich sind auch die kurzen Zusammenfassungen am Ende fast jeden Kapitels,
durch die man sich schnell einen Überblick über den Inhalt des Buches
verschaffen kann. Allgemein Interessierten dürfte es genügen, einzelne Kapitel
(z.B. Kapitel 3, 6, 7 oder 8) bzw. die Zusammenfassungen zu lesen. Wer aber
tiefer in die ökumenische Missionstheologie eindringen will, wird das
gesamte Buch mit Gewinn durcharbeiten.
Martin Sachs, em 1997-4.
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Han, Sang-Chan. Die Beziehungen zwischen dem
Schamanismus und dem Verständnis des Heiligen Geistes in der protestantischen
Kirche in Korea.
Religionsphänomenologische und missionstheologische Untersuchung. Ammersbek:
Verlag an der Lottbek Peter Jensen., 1991.
Inkulturation geschieht z.T. ungeplant. Dabei spielen
Erwartungen und Vorstellungen aus der vorchristlichen Religion und
Weltanschauung eine Rolle. Diesen Einflüssen geht Sang-Chan Han in Korea
nach. Ähnliche Phänomene wie im Schamanismus erkennt er in der koreanischen
charismatischen Bewegung. Christliche Verkündiger erfüllen die Erwartung, die
früher an den Schamanen gestellt wurden. So wird der irdische Segen wichtig,
schamanistische Jenseits- und Krankheitsvorstellungen werden ins Christentum
übernommen, der Heilige Geist wird zur Kraft, die Wunder wirkt. Das Geld für
die Kollekte wird gegeben, um Segen zu erhalten. Vor allem geht dabei der
ethische, gesellschaftliche und politische Bezug des Glaubens verloren.
Diese Hamburger Dissertation in Missiologie gibt Einsicht
in koreanische Geschichte, Theologie und kirchliche Verhältnisse, zeigt
Gefahren der charismatischen Bewegung auf (z.B. in der Form eines
Wohlstandsevangeliums) und läßt vor allem den langen und schwierigen Weg der
Inkulturation des Evangeliums erahnen. Wenn der Autor Krankenheilung,
Exorzismus, Zungenrede, Geistestaufe, Prophetie und Segenserwartung als für
die charismatische Bewegung typisch herausstellt und in diesen Phänomenen in
Korea einen schamanistischen Einfluß erkennt, den er von der Bibel her
kritisiert, frage ich mich, inwieweit er damit auch die weltweite charismatische
Bewegung überhaupt meint. Han macht auf jeden Fall deutlich, daß die Kirchen
die trinitarische Verkündigung des Heiligen Geistes ernst nehmen müssen, um
zu Theologie und Gesellschaftsbezug zu gelangen, die heutiger Missiologie
entsprechen.
Walter F. Rapold, em 1997-3.
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Hasselhorn, Fritz. Bauernmission in Südafrika. Die Hermannsburger Mission im Spannungsfeld
der Kolonialpolitik 1880-1939. Erlanger Monographien Bd. 6. Erlangen: Verlag
der Ev.-Luth. Mission, 1988.
Ein Profanhistoriker widmet sich der Missionsgeschichte,
die ja nicht nur Teil der Kirchengeschichte, sondern auch der Kolonialgeschichte
ist. Dabei erweist sich eine sozialkritische Fragestellung, wie sie Vf. in
seiner Dissertation anwendet, als Bereicherung der Geschichtsschreibung.
Wichtig ist, daß hier
Archivmaterial aus Südafrika erstmals wissenschaftlich ausgewertet wird.
Die Arbeit konzentriert
sich auf die Frage des Landbesitzes der Hermannsburger Mission in
Südafrika. Aus finanziellen Gründen war sie darauf angewiesen, zugleich näherten
sich die Missionare damit aber auch (oft unbewußt)
der weißen Siedlergesellschaft, mit
der sie sich dann oft mehr
solidarisierten als mit den (schwarzen) Afrikanern. Dies prägt die
Arbeit, die Mission wird zum Handlanger der regierungsamtlichen Bemühungen
der Rassentrennung und damit letztlich der Apartheid.
Es ist das Verdienst Hasselhorns, diese Zusammenhänge und
Entwicklungen sachlich aufzuzeigen, ohne vorschnelle Schuldzuweisungen vorzunehmen. Vielmehr spürt man ihm Solidarität ab, die an einer gründlichen und offenen
Aufarbeitung der Missionsgeschichte interessiert
ist. Deshalb ist es ein wichtiges Buch.
Johannes Triebel, em 1994-4.
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Hattaway, Paul. Operation
China. William Carey Library: Pasadena (CA)
& Piquant (c/o IVP): Carlisle (GB), 2000.
In Anlehnung an den englischen Titel von ‘Gebet für die
Welt’, ‘Operation World’ legt hier ein Chinakenner eine umfangreiche Enzyklopädie
aller chinesischen Völker, Sprachen und Provinzen vor, die neben
detaillierten statistischen Angaben zu Politik, Wirtschaft, Religion und
christliche Kirchen einfühlsam und mit weit über 1000 farbigen Bildern die
jeweilige Kultur vorstellt. Dabei wird auch erstmals gründlich die küsntliche
Einteilung Chinas in 56 Völker seitens der chinesischen Regierung widerlegt.
Für das Gebet sind alle Einträge auf alle Tage des Jahres verteilt. Umfangreiche
Register und Literaturlisten ergänzen den Band. Eine gigantische Meisterleistung
der Missionsforschung in sehr attraktiver Aufmachung zu einem sehr
niedrigen Preis!
Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-1.
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Haubert,
Katherine M. Women
as Leaders. Accepting the Challenge of Scripture. Monrovia: MARC, 1993.
Das von namhaften
evangelikalen Theologen empfohlene Büchlein der amerikanischen Pastorin
Haubert versucht, die Wahrnehmung von geistlichen Leitungsämtern durch Frauen
in der Kirche nicht nur als biblische Möglichkeit zu rechtfertigen, sondern
als Notwendigkeit aufzuzeigen, ohne deren Verwirklichung die Kirche nicht zur „Fülle Christi“ (Eph 4,13) heranreifen
könne (S.lf).
Methodisch geht die Autorin so vor, daß sie in 10 Kapiteln
die biblische Zuordnung der Geschlechter einer grundlegenden Neuinterpretation
unterzieht und - entgegen einer fast 2000-jährigen Auslegungstradition - alle
Stellen, welche die geistliche Führung in der
Familie bzw. Kirche dem Mann
zuordnen, uminterpretiert oder für
zeitbedingt erklärt. Positiv zu vermerken ist, daß sie sich bemüht,
ihre Sicht durch 161 Anmerkungen und 60 herangezogene
Veröffentlichungen abzusichern. Dabei fällt freilich auf, daß sie nur
englischsprachige Literatur (und auch
diese recht selektiv!) benutzt: Wesentliche Untersuchungen, die ihre
These bestreiten (etwa die grundlegenden
Monographien von Clark, Hauke,
Hurley u.a.), werden leider ignoriert.
Aber auch abgesehen von der selektiven Handhabung der Literatur ist ihr Versuch, die biblischen Ausführungen zum Hauptsein des
Mannes und zur Unterordnung der Frau rein
partnerschaftlich und egalitär zu
interpretieren, angesichts des denkbar
klaren Wortlautes der Bibel (z.B. Kol 3,18f; Eph 5,22ff; 1Petr 3,1-7)
exegetisch in keiner Weise überzeugend. Indem die Autorin den Gedanken der
Unterordnung fälschlich mit dem Begriff der Minderwertigkeit identifiziert
(S.12 u.ö.), muß sie zwangsläufig die grundlegende Unterscheidung von Gleichwertigkeit und Verschiedenartigkeit der Geschlechter verfehlen, ohne die das biblische Nebeneinander von
Gleichheit (im Hinblick auf die Erlösung) und
Verschiedenheit (im Hinblick auf den geistlichen
Dienst) nicht verstanden werden kann.
Angesichts der Anstößigkeit der biblischen Sicht für das moderne
Denken wird man freilich befürchten müssen,
daß die Autorin trotz der
gravierenden exegetischen Defizite ihres
Büchleins viele Leser von der Plausibilität ihrer Sicht überzeugen wird.
Werner Neuer, em 1994-3.
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Hauenstein, Philipp. Fremdheit als Charisma. Die
Existenz als Missionar in Vergangenheit und Gegenwart am Beispiel des
Dienstes in Papua-Neuguinea. Erlanger Verlag für Mission und Ükumene: Erlangen, Missionswissenschaftliche
Forschungen, NF Bd. 10, 1999.
Der Verfasser dieses Buches mit dem interesseweckenden
Titel ist Jahrgang 1957. Er war sieben Jahre Pfarrer, Missionar und Leiter
einer Gemeindehelferausbildung in der Evang.-Luth. Kirche in Papua-Neuguinea.
Vor dem Hintergrund der eigenen Lebenserfahrung in einem anderen Kulturkreis
und der Aufgabe der Mitarbeitervorbereitung für Übersee ist vorliegende
Arbeit entstanden, die 1998/99 von der Theologischen Fakultät
Erlangen-Nürnberg als Dissertation angenommen wurde. Seit 1992 ist
Hauenstein Dozent und seit April 2000 Leiter des Missionskollegs
Neuendettelsau.
In der Einführung beschreibt er sein Interesse: „Wohl
wissend, daß es Gottes eigene Mission ist, um die es geht, gilt es, die
Mitwirkenden dieser Mission in ihrer konkreten historischen Situation in
den Blick zu bekommen. Ziel eines solchen Unternehmens kann nur sein, dazu
beizutragen, daß Gott in seiner Mission bei uns und mit uns zum Zuge kommt“
(13). Dementsprechend werden gut 100 S. der geschichtlichen Entwicklung der
von Neuendettelsau ausgehenden evang.-luth. Mission gewidmet. Der Bogen
reicht von der klassischen Pioniermission (1886) über die Zeit des Auf- und
Ausbaus innerhalb einer Missionskirche bis 1996 und der selbständigen
ELC-PNG (Evangelical Lutheran Church of Papua New Guinea).
Auf den folgenden 40 S. theologischer Standortbestimmung
wird u. a. ausgeführt, wie die „trinitarische Begründung“ und das „integrale
Verständnis von Mission“ als Impulse aus der neueren Missionswissenschaft
die Funktion, Rolle und das Selbstverständnis von Mitarbeitenden in Überseee
zu klären imstande sind und wie „Leben als missionstheologischer Leitbegriff“
(140ff) fruchtbar zu machen ist.
Das 4. Kapitel beschäftigt sich mit der „Fremdheit als
Charisma“ (bes. 211 ff). Hauenstein begreift „Fremdheit“ als Gnadengabe mit
der Zielrichtung des Gemeindeaufbaus. „Von außerhalb Gesandte können diese
besondere Gabe einbringen. Was sie zu sagen haben, wird oft kontrovers
bleiben. Ob ihr Beitrag brauchbar ist oder nicht, das entscheiden nicht
sie, sondern die Gemeinde bzw. einheimische Kirche. Sie sind ein Ferment,
nicht mehr, aber auch nicht weniger“ (13).
Praktische Hilfestellungen zum betrachtenden Gebet, die
menschliche Begleitung der Mitarbeiter in Übersee, den hilfreichen Humor
(!) und Bewährung in alltäglichen Konfliktfeldern schließen dieses Buch ab.
Es bietet eine missionstheologische Fundgrube und zugleich Hilfen für
alle, die als Lehrer oder Lernende in Ausbildungsstätten stehen. Dies gilt
nicht nur für Missionare, sondern auch für Prediger, Pfarrer und
Pfarrerinnen, die ja auch in gewissem Sinne mit dem Phänomen der Fremdheit
zu tun haben, wenn auch nicht im Ausland.
Pfr. i. R. Reinhard Fritsche, em 2000-3.
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Hauzenberger, Hans. Einheit auf evangelischer Grundlage. Gießen/Zürich : TVG, Brunnen, 1986.
Wenn auch die 1846 in
London gegründete Evangelische
Allianz sich nie direkt mit der Weltmission
befaßt hat, so hat sie doch für das
weltmissionarische Bemühen im evangelischen Raum im allgemeinen und
im heute als evangelikal bezeichneten Raum im
besonderen eine wesentliche Rolle gespielt.
A. B. Simpson, der Gründer der Christian
and Missionary Alliance, oder Fredrik Franson wurden durch Veranstaltungen der Evangelischen Allianz angeregt, ihre Missionen
als Allianzmissionen zu bezeichnen, und eine ganze Reihe von Glaubensmissionen übernahm die „Basis“ der Evangelischen Allianz als ihre Glaubensgrundlage. Bisher
gab es kaum Gesamtdarstellungen ihrer
Entstehung (Peter Schneiders Vorwort).
Hauzenberger gibt diese Darstellung. Außerdem
macht er in einem Anhang (S. 375-478)
wichtige Dokumente aus der Frühzeit
der Evangelischen Allianz im Wortlaut
zugänglich, wobei er auch die verschiedenen Schritte der Entwicklung der
„Basis“ der evangelischen Allianz aufzeigt. Im dritten Teil „Das Wesen
der Evangelischen Allianz“ werden die
systematischen Schwerpunkte der
Gründungszeit (1845/46) beschrieben. Im vierten Teil zieht Hauzenberger
eine Bilanz unter der Überschrift „Einheit
auf evangelischer Grundlage“. Besonders interessant für heutige
Fragestellungen sind seine Begriffsklärungen
„Evangelikal – ökumenisch – katholisch“ und sein Schlußabschnitt „Ist die Evangelische Allianz eine evangelikale Allianz?“
Klaus Fiedler, em 1988-1.
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Heim,
Karl. Das
Heil der Welt, Die Botschaft der christlichen Mission
und die nichtchristlichen Religionen,
herausgegeben
und erläutert von Friso Melzer, Brendow Verlag, Edition C, 1986.
Im Oktober 1986 trafen
sich in Assisi Vertreter der Weltreligionen, um für den Frieden zu
beten. Vielen war das ein Grund zur Freude, denn sie sahen, wie die
trennenden Mauern zwischen den Religionen
abgebaut wurden. Andere verhielten sich ablehnend, weil sie die Wahrheit des Evangeliums an eine
unerlaubte Religionsmischerei (Synkretismus)
verraten sahen. Das Problem, das sich
hier darstellt, hat die Christenheit
zu allen Zeiten
beschäftigt: In welchem Verhältnis steht
Christus ‑ und damit das Christentum
‑ zu den Religionen dieser Erde?
Einer, der sich klar und verständlich zu dieser Frage geäußert hat, ist der langjährige Professor
für Systematische Theologie in Tübingen Karl Heim (1874-1958). Als junger Theologe war er in der weltweiten christlichen Studentenbewegung tätig gewesen und
hatte später an mehreren Weltmissionskonferenzen teilgenommen. So hatte
er sich gründlich mit diesem Problem beschäftigt und wußte wegweisende Antworten zu geben, die auch heute noch gültig
sind.
Es ist dem Brendow
Verlag und dem Schüler Karl Heims Friso Melzer zu danken, daß die
wichtigen Äußerungen Karl Heims zu diesem Thema gesammelt und uns in einem Taschenbuch zugänglich gemacht wurden. Sie helfen uns, in der Wirrnis dieser Zeit einen
klaren Blick zu bekommen für die Einzigartigkeit
der Christusbotschaft als Heilsbotschaft
für die ganze Welt.
Alexander Prieur in: Praxis der Verkündigung (Oncken) 3/89. Em 1989-4.
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Heimbach-Steins, Marianne; Rotraud Wielandt und Reinhard Zintl (Hg.). Religiöse
Identität(en) und gemeinsame Religionsfreiheit. Eine Herausforderung
pluraler Gesellschaften. Judentum - Christentum - Islam. Bamberger interreligiöse
Studien 3. Würzburg: Ergon, 2006.
Die vorliegenden Beiträge gehen auf Symposien des
Bamberger Zentrums für Interreligiöse Studien im Jahre 2004 zurück. Sie
behandeln den Mensch als Staatsbürger und die Frage von religiöser Identität
in pluralen Gesellschaften und dokumentieren das Anliegen des Zentrums, einen
Beitrag zur interreligiösen, interkulturellen und politischen Bildung zu
leisten. Dieses Anliegen wird durch die Vielfalt der Beiträge und durch
nachdenkenswerte Thesen umgesetzt. In ihrer Einführung (S.9-24) beschreibt
Marianne Heimbach-Steins Religionsfreiheit als Selbstbegrenzung des Staates
(S.13) und Verpflichtung der religiösen Akteure (S.15). Diese umrahmen den
(gegenseitigen) Lernprozess von säkularem und religiösem Bewusstsein wie auch
den Lernprozess innerhalb der jeweiligen religiösen Gemeinschaft.
Die ersten fünf Aufsätze konzentrieren sich auf die
Beziehung des Staates und seiner Organe zu religiösen Gemeinschaften. Stefan
Huster beschreibt in seinem Beitrag (S.35-54) die wertvolle Unterscheidung
zwischen Begründungsneutralität und Wirkungsneutralität des Staates. Das
erste ist eine Verpflichtung des Staates; das zweite kann er nicht
garantieren und ist auch nicht wünschenswert. Eine Konkurrenz von
Überzeugungen würde nämlich dann verhindert werden (S.39-40). Es bleibt die
Frage, ob sich alle religiösen Gruppierungen darauf einlassen. Heiner
Bielefeldt stellt in seinem Beitrag (S.55-evangelikale missiologie 23[2007]4
74) das vielfältige Spektrum im Raum des Islams vor. Er ist optimistisch,
dass die „lebensweltliche Flexibilität“ im Raum des Islam eine Eingewöhnung
ermöglicht. Dieser Optimismus wird von Duran Terzi (S.75-79) und Reza
Hajatpour (S.81-86) geteilt. Wolfgang Thierse hinterfragt diesen Optimismus
zu Recht: „Für den Wahrheitsanspruch einer Religion bleibt es ein Stachel,
der religiösen Überzeugung des Anderen dieselbe Dignität zuzumessen wie der
eigenen“ (S.29). In seinem Beitrag (S.27-34) argumentiert er andererseits im
Rückgriff auf Lessings Toleranzbegriff, dass „die Erfahrung von Freiheit und
Rechtsstaatlichkeit den Islam so ändern könnte, dass er von sich aus unsere
grundlegenden Prinzipien und Maßstäbe akzeptieren kann“ (S.32). Thierse sieht
in der sogenannten „interkulturellen Kompetenz“ (S.33) eine Schlüsselqualifikation
der Zukunft. Ob das ausreicht, kann alleine die Zukunft zeigen. Weitere vier
Aufsätze beleuchten die Rolle des Individuums im Rahmen dieser übergeordneten
Beziehungen. Es beginnt damit, dass jeder Mensch das Recht hat, Rechte zu
haben, wie Christa Schnabl anhand von Hannah Arendt ausführt (S.89-104).
Karl-Wilhelm Merks beschreibt die Trennung von Politik und Religion als eine
große Leistung des Abendlandes in seinem Aufsatz (S.105-135). Damit betont
er „die Einsicht in die Autonomie des Sittlichen“, welche „die Moral sowohl
aus der staatlichen wie aus der kirchlichen Bevormundung freigibt“ (S.128).
Das Ethikverständnis muss daher empirisch verwurzelt und säkular sein
(S.126). Nur in diesem Rahmen kann man die Verantwortung eines Christen im
Staat denken und überhaupt scheint die Vermittlung der (christlichen) Religion
nur im Engagement für Menschlichkeit möglich (S.133). Die Geistesgeschichte
des Abendlandes wird damit implizit zum Maßstab erhoben. Der Islam hat
nämlich in seiner Geschichte die Trennung von Politik und Religion nicht
vollzogen, wie Merks selbst betont (S.128). Wie schwierig es ist, solche
Gedanken in einem islamisch-geprägten Land zu denken und umzusetzen,
veranschaulicht Cevat Kara in seinem Beitrag zur Jungtürkenzeit (1908-1914)
(S.137-155).
Ob eine offene (und gewaltfreie) Konkurrenz von
Überzeugungen gewünscht ist und praktiziert wird, hängt entscheidend von der
Bereitschaft der einzelnen Bürger ab - und damit ist jeder einzelne gefragt.
Diese Bereitschaft muss verpflichtend sein. Zur Realisierung bedarf es
sicherlich „dialogfähiger Identitäten“. Mit diesem Stichwort beschreibt
Regina Ammicht Quinn (S.157-165) ein für mich nicht klar fassbares
„zwischen“ im interreligiösen Dialog. Sie grenzt diese Identität von einer
defensiven und einer offensiven Identität ab. Erstere versucht Bestehendes zu
bewahren, z.B. das sogenannte „christliche Abendland“. Letztere kann Begegnung
mit „anderen“ nur als „Bekehrung“ begreifen. Dialogfähigkeit, die den
anderen nicht zum Objekt macht, ist sicherlich gefordert. Deswegen muss aber
der Wahrheitsanspruch der eigenen Überzeugung nicht zwangsläufig relativiert
werden. Es muss möglich sein, dem Gesprächspartner als Mensch zu begegnen und
die eigenen Überzeugungen uneingeschränkt zu vertreten.
Diese Beiträge fordern auf vielfältige Weise zum Nach- und
Weiterdenken heraus und sind allen zu empfehlen, die sich mit diesen Fragen
auseinandersetzen wollen.
Heiko Wenzel,em 2007-4.
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Hein, Uwe. Indische christliche Seelsorge. (Bd.14, Erlanger Monographien aus
Mission und Ökumene). Erlangen: Verlag der Ev. Luth. Mission, 1991.
Diese Heidelberger Dissertation hat eigentlich das Gewicht
einer Habilitationsschrift. Der Verfasser hat alles herangezogen, was
indische Christen unserer Zeit zur Frage
geschrieben haben, und hat durch
wiederholte Reisen an Ort und Stelle beobachtet und sich berichten lassen. Der
Verfasser hat recht daran getan, daß
er zunächst Umwelt und Überlieferung indischer Kultur beschrieben hat (Kaste,
Yoga, Ashram, Guru-Chela-Beziehung usw.).
Darauf handelt er ab S.148 die christliche Seelsorge indischer Gestalt in 3 Schritten ab: zunächst die Frage der Form (Sprache und Kultur, Kunst und
Liturgie, Beichte, Heilung, Sterben usw.); sodann den Kontext (Gemeinschaft,
Familie, Aktion zur Bewußtseinsbildung
zur Befreiung); schließlich die Person
des Seelsorgers. Hier bewegt ihn besonders „Spiritualität und
Meditation“. Leider wird nicht deutlich, worin sich hinduistische und
christliche Meditation voneinander unterscheiden, wie sie sich in verschiedener Blickrichtung bewegen. Hier wie auch sonst muß die Frage des Synkretismus deutlich in den Blick genommen werden.
Indische Frömmigkeit und
Seelsorge läßt das, was man heute
abschätzig „starre Dogmen“ nennt, hinter sich. Sie sucht Erfahrung und
blickt nur auf Jesus, allerdings ohne die Heilsgeschichte mitzubedenken. Man
wünschte sich, daß deutlicher gezeigt
würde: der Seelsorger muß die Ganzhingabe an Christus (seifsurrender
to Christ) vollzogen haben und ein Mann
des Gebets sein. Zu recht wird wiederholt auch Sadhu Sundar Singh genannt, und nach dem englischen
Wortlaut seiner Schriften zitiert. Warum
fehlt ein Hinweis darauf, daß eine deutsche Übersetzung mit
Erläuterungen vorliegt?
Das Buch schließt mit
„Anregungen für die deutsche Seelsorgearbeit“. Das Literaturverzeichnis ist überwältigend umfangreich und für künftige
Arbeit zum Thema unentbehrlich (294-320).
Nun sollte aber auch ein Inder zum Thema das Wort nehmen und aus der Praxis
heraus an Beispielen zeigen, wie Seelsorge geschieht: auf dem Dorf, in der Stadt, bei Christen, die aus den
Kastenlosen kommen, und bei anderen
usw. usw.
Friso Melzer, em 1993-1.
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Heiner, Wolfgang. Schüsse am Schlangenfluß. Neuhausen: Hänssler, 1993 (Nachdruck von
1979).
Drei Männer sind sich in Brasilien begegnet: Gerhard
Lutasch, Sohn eines deutschen Kolonisten, Josué de Marco, Sohn eines
brasilianischen Kolonisten und Pedrinho, der Indianerhäuptling. Zwei Morde
führen dazu, daß alle drei über Brasilien zerstreut werden. Wolfgang Heiner
erzählt, wie durch die Arbeit von Missionaren alle drei zum Glauben an Jesus
Christus finden. Zwischen spannenden Abschnitten enthält das Buch eine Menge
– manchmal zu langatmiger – Informationen über die Religion, Geschichte und
Missionsituation in Brasilien. Wer das Buch Kindern ab 12 Jahren vorliest
oder erzählt, kann das Wesentliche herausfiltern.
Christof Sauer, em 199-3.
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Hempelmann, Heinzpeter. Wahrheit ohne Toleranz -
Toleranz ohne Wahrheit? Chancen und Grenzen des Dialogs mit Andersgläubigen. Wuppertal: R.Brockhaus, 1995.
Sobald ein Christ unter Nichtchristen seine Überzeugung
äußert, daß Jesus der einzige Weg zu Gott ist, gerät er häufig unter schweren
Beschuß. Es sei intolerant, so zu denken, und fundamentalistisch. Manchmal
wird er sogar mit politisch aktiven Islamisten in einem Atemzug genannt. Daß
dieser Vorwurf ungerechtfertigt und sogar falsch ist, zeigt Heinzpeter
Hempelmann in seinem knapp 70 Seiten umfassenden, gut lesbaren Büchlein. Er
gibt begründete, sachliche Denk- und Argumentationshilfen für Christen und
Nichtchristen bei der kritischen Frage nach Wahrheit und Toleranz.
Durch seine philosophischen und theologischen Studien und
Veröffentlichungen, besonders im Bereich der Erkenntnistheorie, ist der
Autor für eine derartige Schrift besonders qualifiziert. Seit 1995 ist er
Studienleiter des Theologischen Seminars der Liebenzeller Mission.
Dieses, trotz mancher philosophischer Fachbegriffe, sehr
lesenswerte Büchlein sollte weite Verbreitung finden und ist allen, die sich
mit missionarischen und apologetischen Fragen auseinandersetzen, wärmstens zu
empfehlen. Es hilft, Klarheit über einen christlichen Standpunkt zu gewinnen
und diesen ohne defensiven Unterton zu vertreten.
Martin Sachs, em 1997-4.
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Herbst, Michael; Jörg Ohlemacher, Johannes Zimmermann (Hg.). Missionarische
Perspektiven für die Kirche der Zukunft: Beiträge zur Evangelisation und
Gemeindeentwicklung Bd. 1, Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlagsgesellschaft,
2005.
Der vorliegende Sammelband ist die erste eigene Veröffentlichung
des im April 2004 gegründeten „Instituts zur Erforschung von Evangelisation
und Gemeindeentwicklung“ der Theologischen Fakultät der Universität
Greifswald. Zugleich ist es der erste Band seiner damit begründeten
wissenschaftlichen Publikationsreihe, der „Beiträge zur Evangelisation und
Gemeindeentwicklung“, deren Herausgeber identisch sind mit den Herausgebern
dieses ersten Bandes. M. Herbst und J. Ohlemacher sind Professoren für
Praktische Theologie in Greifswald und die (nebenamtlichen) Direktoren des
Institutes. Herbst hat sich bereits mit seiner Dissertation „Missionarischer
Gemeindeaufbau in der Volkskirche“ (Stuttgart, 1990), Ohlemacher mit seiner
historisch-theologischen Studie zur deutschen Gemeinschaftsbewegung „Das
Reich Gottes in Deutschland bauen“ (Göttingen, 1986) um das Thema Mission in
Deutschland verdient gemacht. H. Zimmermann ist (vollamtlicher) wissenschaftlicher
Geschäftsführer, finanziert von der Württembergischen Landeskirche. Im
Wesentlichen dokumentiert der Band die Beiträge eines Symposiums in
Greifswald, das mit der Eröffnung des Instituts verbunden war. Der Band hat
drei Teile. Im ersten grundlegenden Teil bietet der katholische
Pastoraltheologe Paul M. Zulehner (Univ. Wien) missionstheologische
Perspektiven: „christentümliche“ Gesellschaften seien einer „atheisierenden“
Kultur gewichen und verlangten von den Kirchen nicht nur „rückbauende
Verschlankung“, sondern einen missionarischen Aufbruch. Die säkulare
Offenheit für Spiritualität sei ein Anknüpfungspunkt für eine „mystagogische
Mission“, die davon ausgeht, dass Gott alle retten will, in allen schon wirkt
und nach konkreten Wegen sucht, ,jene, die Gott uns ,hinzufügt’ (Apg. 2,47),
zu gewinnen… damit seine Kirche leben und wirken kann“ (S. 23). M. Herbst
beschreibt in seinem Beitrag, in dem er das Institut vorstellt, zunächst den
pommerschen, hochschulischen und kirchlichen Kontext des Institutes. Er erinnert
an die Gründungsimpulse aus der Leipziger Synode 1999 und der davon
inspirierten EKD-Studie „Das Evangelium unter die Leute bringen“ (EKD-Text,
2000). Er beschreibt den konzeptionellen und strukturellen Weg der Gründung
von 2001-2004 und die ersten durchgeführten Projekte. Das Institut versteht
sich als bisher einmalige universitäre Forschungsstelle für Mission in
Deutschland im Rahmen der ev. Landeskirchen. Träger sind die Pommersche Landeskirche
und die Arbeitsgemeinschaft Missionarischer Dienste (AMD) des Diakonischen
Werkes der EKD. Darüber hinaus finanziell und personell beteiligt sind
einzelne Landeskirchen (Pommern, Baden, Württemberg) und Stiftungen. Das
Konzept besteht darin, historische, theologische und praktische Aspekte der
Evangelisation und missionarischen Gemeindeentwicklung in den ev.
Landeskirchen zu erforschen und zu vermitteln – durch Lehrveranstaltungen
an der Fakultät, durch Weiterbildung für Pfarrer und Ehrenamtliche und durch
Disserati-onen und Habilitationen. „Zusammengehalten werden diese
verschiedenen Aktivitäten durch die Überzeugung von der „prinzipiellen Gemeindlichkeit
des Glaubens“ (S.41). Im zweiten Teil zeigt der Greifswalder Neutes-tamentler
Christfried Böttrich die Legitimation und Enfaltung des missionarischen
Auftrag der Kirches nach dem NT auf. Überzeugend legt er die Vielfalt und
Tiefe neutestamentlicher Missionspraxis dar. Zutreffend auch die Deutung zu
Römer 9-11, dass „Israel seiner Erwählung auch durch ein Nein zu Christus
nicht einfach verlustig geht“. Nicht überzeugend allerdings finde ich seine
Schlussfolgerung, nämlich dass darum für Paulus nach der Ablehnung des
Evangeliums durch Israel die Heidenmission (unter Ausschluss Israels) „das
nun einzig angemessene … Zeugnis gegenüber seinem Volk“ sei (S.67). Hat
Paulus nicht auch nach seinem Römerbrief weiterhin (auch in Rom), den Juden
das Evangelium bezeugt?
Hans-Jürgen Abromeit, Bischof der Pommerschen
Landeskirche, unterzieht die Werke Bon-hoeffers einer bemerkenswerten und
inspirierenden missiologischen Re-Lektüre. Nicht die Religionslosigkeit und
Mündigkeit an sich sei das Zentralthema Bonhoeffers gewesen, sondern die
Frage: „Wie kann Christus der Herr auch der Religionslosen werden“ und damit
auch die an die eigene Identität rührende Frage, „wer Christus heute für uns
eigentlich ist“ (S. 71) . Daraus folgernd entwickelte Bonhoeffer sowohl
ekkle-siologische als auch Neuansätze in der theologischen Ausbildung. Die
Kirche müsse von der Volkskirche zur Missionskirche werden. Im Finkenwalder
Predigerseminar lehrte Bonhoeffer sowohl Seelsorge als auch Homiletik unter
dem Aspekt „Christum zur letzten Entscheidung“ zu predigen. Er entwickelte
das Modell der Volksmissionswochen mit teammissionarischen Einsätzen. J.
Zimmermann zieht aufschlussreich Bilanz zu 25 Jahren missionarischem Gemeindebau
und zeigt auf, dass zwar manche Erwartungen unerfüllt blieben, aber dennoch
mehr geblieben ist als Einzelansätze und ein neues Bewusstsein für „Gemeinde“
als erkennbares Profil im Pluralismus gewachsen ist.
Im dritten Teil des Buchs werden verschiedene Kontexte
reflektiert. Zulehner stellt die katholische Studie zu Atheismus und Glaube
in zehn postkommunistischen Ländern vor, wobei auffällt, das Ostdeutschland
einen wesentlich intensiveren Atheismus als beispielsweise Polen aufzuweisen
hat. Weitere Beiträge (L. Szabö) widmen sich dem Gemeindeaufbau im Rahmen der
Ev. luth. Kirche in Ungarn und dem missionarischen Konzept der Ev. luth.
Church of America (Brent Dahlseng). Letzterer stellt lediglich einen
Programmentwurf dar, ohne die konkrete Situation zu reflektieren, die sich
doch sehr von der in Deutschland unterscheidet. Die ELCA stellt in den USA
ein eher kleine und kulturell eher eine Nischenkirche dar. Der Beitrag steht
von daher etwas zusammenhanglos da. Abgeschlossen wird der Band durch einen
Beitrag des Rostocker praktischen Theologen Thamas Klie zur missionarischen
Bedeutung kirchlicher Räume, der mit Recht darauf hinweist, hier „gewonnene
Deutungsofferten“ zu entdecken. Fazit: Der Band ist Ausdruck eines bemerkenswerten
Neuansatzes zur ReflektiDn missionarischer Arbeit in Deutschland im Bereich
universitärer evangelischer Theologie. Der Neuansatz scheint geprägt von dem
positiven, unpolemischen Willen, eine breite, aber zugleich nicht
pluralistische, sondern dem neutestamentlichen Evangelium verpflichtete und
gemeindebezogene Basis für missiologische Reflektion im Rahmen der ev.
Landeskirchen zu schaffen. Diese erste Veröffentlichung bietet einige bemerkenswerte
und inspirierende Beiträge, wobei das Zentralstück des Bandes Herbsts
„Gründungserzählung“ (S. 11) über das neue Institut ist, die auch den roten
Faden vermittelt. Insgesamt setzt die Dokumentation des Gründungssymposiums
einen wichtigen Doppelpunkt für zu erwartende weitere Veröffentlichungen des
vielversprechenden landeskirchlich-theologischen Instituts. Das Buch ist
also eine lohnende Lektüre für alle, die an der missionarischen
Herausforderung in Deutschland - auch über den evangelisch-landeskirchlichen
Rahmen hinaus - mitdenken und -arbeiten wollen.
Dr. Friedemann Walldorf, em 2005-4.
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Hesselgrave,
David J. Scripture
and Strategy. The Use of the Bible in Postmodern Church and Mission. Evangelical
Missiological Series 1. Pasadena (CA): William Carey Library.
Rommen, Edward; Harold
Netland (Hg.), Christianity
and Religions: A Biblical Theology of World Religions. Evangelical Missiological
Series 2. Pasadena (CA): William Carey Library.
Dies sind die ersten beiden Bände einer neuen
missiologischen Buchreihe des amerikanischen Gegenstücks zum AfeM. Der Titel
des ausgezeichneten ersten Bandes ist ebenso irreführend wie der Untertitel,
denn Hesselgrave stellt vor allem das Anliegen zehn führender evangelikaler
Theologen und Missiologen vor: Carl F. Henry (Biblische Autorität), Erich
Sauer (Heilsgeschichte), William J. Larkin (Auslegung der Bibel), Paul G.
Hiebert (Kontextualisierung), Hans-Ruedi Weber (Dialog und Konfrontation),
Trevor McIlwain (Jüngerschulung), Timothy M. Warner) Geistliche Kampfführung),
John Piper (Gemeinde und Mission) und Ralph D. Winter (Ausbildung von Leitern
der Zukunft). Natürlich geht es auch darum, welche bedeutende Rolle die
Bibel für alle diese Theologen spielt, aber vor allem wird deren zentrales
Anliegen dargestellt, um aus diesem Mosaik ein Gesamtbild evangelikalen
Missionsdenkens zu gewinnen. Damit wird das Buch zu einer ausgezeichneten ersten
Einführung in die evangelikale Missiologie der Gegenwart.
Im zweiten Band der Serie untersuchen 14 Autoren eine
biblische Sicht der nichtchristlichen Religionen. Im Mittelpunkt stehen
exegetisch-systematische Aufsätze jeweils zu den großen Teilen der Bibel:
Pentateuch, Weisheitsliteratur, Propheten, Evangelien & Apostelgeschichte,
Paulusbriefe und restliches Neues Testament - ein ausgezeichnetes Vorgehen,
das auch einmal die weniger bekannten Bibeltexte zum Thema erfaßt. Daneben
finden sich historische und zusammenfassende Beiträge. Insgesamt wird
versucht, die Einzigartigkeit Jesu und des von ihm geschaffenen Heilswegs
mit einem möglichst wenig konfrontativen Umgang mit anderen Religionen zu
verbinden.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-1.
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Heyden, Ulrich van der. Rote
Adler an Afrikas Küste. Die brandenburgisch-preußische Kolonie Großfriedrichsburg
in Westafrika, Selignow-Verlag, 2., überarbeitete Auflage, Mai 2001.
1681, fünfundzwanzig Jahre vor Beginn des
Dänisch-halleschen Missionsprojektes in Tranquebar/Indien, schloß der Kapitän
des preußischen Schiffes „Wappen von Brandenburg“ im Auftrag seines Fürsten
einen Vertrag mit drei afrikanischen Häuptlingen zur Errichtung eines
kolonialen Stützpunktes. Ein Jahr später wurde in Emden eine preußische
Handelskompanie gegründet und zwei Jahre später (1683) wurde die Festung „Großfriedrichsburg“
im heutigen Ghana gebaut. Zum nun beginnenden brandenburgisch-preußischen
Kolonialhandel gehörte auch ein einträglicher Sklavenhandel. Als Stützpunkt
für die Sklavengeschäfte mietete Preußen 1685 einen Teil der karibischen
Insel St. Thomas an. Der Sohn des Großen Kurfürsten, der pietistisch geprägte
Friedrich Wilhelm I. (der „Soldatenkönig“), allerdings sah das „afrikanische
Komerzienwesen“ seines Vaters als „eine Chimäre“ (Hirngespinst) an und
verkaufte 1717 alle afrikanischen Besitzungen für 6000 Dukaten an die
Niederländisch-Westinische Kompanie. Erst in der Phase des deutschen
Imperialismus gegen Ende des 19. Jahrhunderts (Carl Peters, O. v. Bismarck)
wird die Erinnerung an diese Episode wieder heraufbeschworen und der Große
Kurfürst als „Pio-nier“ geehrt.
Ulrich van der Heyden, Kolonialhistoriker und
Politikwissenschaftler an der Freien Universität Berlin, schildert in diesem
schön gestalteten Bildband die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe
dieses Unternehmens, würdigt die Leistungen brandenburgischer Bauleute,
Schiffbauer, Matrosen und Soldaten und gibt Einblicke in die schreckliche
Realität des Sklavenhandels. Ebenso wird die frühe „Begegnung“ von Vertretern
zweier so unterschiedlicher Kulturen, wie die Brandenburg-Preußens und die
der westafrikanischen Küste berücksichtigt. Der attraktive Band enthält neben
dem Textteil Fotos, alte Drucke, Landkarten, zeitgenössische Texte sowie eine
Zeittafel und eine ausführliche Bibliographie. Abgerundet wird er mit
Aufnahmen vom heutigen Zustand und Berichten über die aktuelle Nutzung in
einem Entwicklungsprojekt.
Obwohl es hier also nicht um Missionsgeschichte geht,
bietet der Band interessante Einblicke in die missionsgeschichtliche „Umwelt
und Zeitgeschichte“ des 17. und 18. Jahrhunderts und macht e contrario
die gegensätzlichen Motivationsfelder kolonialer und missionarischer
Aktivität deutlich.
Dr.
Friedemann Walldorf, em 2002-3.
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Hiebert,
Paul G., Transforming worldviews. An
anthropological understanding of how people change, Grand Rapids: Baker Academic 2008.
„Hiebert
at his best“ (Scott Moreau). Nach etwa 40 Jahren Lehrtätigkeit als
Professor für Ethnologie und Missiologie hat Paul Hiebert sein missionswissenschaftliches
Forschen zusammengefasst in dem Sachbuch „Transforming Worldviews“, das etwa
ein Jahr nach seinem Lebensende erschienen ist. Viele Themen aus seinen
früheren Veröffentlichungen finden sich hier wieder, diesmal neu strukturiert
und eingeordnet in eine umfassende Gesamtdarstellung. Dabei ist Hiebert – wie
immer – gut zu lesen. Sein Aufbau ist übersichtlich, sein Gedankengang
schlüssig, seine Ausdrucksweise klar und gut zu verstehen. Es gelingt ihm, komplexe
Sachverhalte einfach darzustellen, ohne zu simplifizieren. Dass an einzelnen
Stellen Wiederholungen vorkommen, lässt sich thematisch nicht vermeiden.
Nach einem geschichtlichen Überblick über die Entwicklung
des Konzepts „Weltbild“ fasst er in einem ausführlichen zweiten Kapitel die
Charakteristika von Weltbildern zusammen. Geleitet wird er dabei von der Arbeitsdefinition
„[Worldview is] the foundational, cognitive, affective and evaluative assumptions
and frameworks a group of people makes [sic.] about the nature of reality
which they use to order their lives“ (S. 25f). Dabei bedenkt Hiebert
sowohl die synchrone Struktur eines Weltbilds als auch die diachrone Dimension
der Entwicklung und Veränderung eines Weltbilds. Er bezieht Sprache und Logik,
Vorstellungen von Raum und Zeit, mechanische und organische Grundmuster
des Weltverstehens ebenso ein wie Oplers These der kulturellen Themen und
Gegenthemen.
Kapitel 3 beschäftigt sich mit dem Verhältnis von
Weltbild und Kontext, und Kapitel 4 untersucht Methoden, mit deren Hilfe Weltbilder
analysiert werden können (ethno-semantische Analyse, Rituale, Mythen). Es
folgen fünf Kapitel über Grundzüge von Weltbildern in unterschiedlichen
Kontexten und Kulturen, angefangen bei Stammes- und Bauernkulturen über
das Weltbild der Moderne bis hin zu Weltbild-Charakteristika der so genannten
Postmoderne und der Post-Postmoderne, dem „glokalen Weltbild“, wie Hiebert
es nennt. Hiebert folgt hier der Interpretation von Smith und Laudan, die
den postmodernen Skeptizismus als eine Übergangsphase in ein post-postmodernes
Zeitalter verstehen. In diesen Kapiteln werden jeweils einige charakteristische
Elemente skizziert, die für Weltbilder dieser Kulturen typisch sind. Diese
Charakterisierung ist als Überblick und Ausgangspunkt für eigene Forschung
im konkreten kulturellen Umfeld gedacht. Am ausführlichsten ist dabei die
Darstellung des modernen Weltbilds, das in der jüngeren Missionsgeschichte
einen großen Einfluss auf die Missionspraxis der westlichen Kirchen gehabt
hat.
Eindrücklich sind hier die Passagen, in denen Hiebert aufzeigt, wie
stark unsere Kirchen und unser theologisches Denken in der westlichen Welt
beeinflusst sind von Grundmustern der Moderne (z. B. der Club-Charakter
unsrer Gemeinden, die Betonung des individualistischen Charakters eines persönlichen
Glaubens etc.). Es folgt ein Kapitel, in dem Hiebert einige Grundzüge eines
biblischen Weltbilds skizziert. Hierbei handelt es sich nicht um eine definitive
Darstellung eines ‚supra-kulturellen biblischen Weltbilds’. Vielmehr macht
Hiebert aufmerksam auf einige grundlegende kognitive, affektive und evaluative
Themen, die aus der biblischen Gesamtgeschichte erwachsen. Es handelt sich
um einen Gesprächsanstoß, der zu einer kritischen Reflexion eines spezifischen
Weltbilds im Licht der biblischen Gesamtgeschichte anregen möchte.
Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit grundlegenden Prozessen
von Weltbild-Transformation (Bekehrung als Weltbild-Transformation; wie
kommt es zu einem Paradigmenwechsel?) und dem Verhältnis der
Weltbild-Transformation zu anderen Systemen (soziales System,
multi-individuelle Entscheidungen).
Dieses Buch lädt ein, einem Missionswissenschaftler in
der Endphase seines Wirkens über die Schulter zu schauen und zu sehen, wie
Erkenntnisse aus unterschiedlichen Phasen seines Forschens zu einem
Gesamtbild zusammen wachsen. Hiebert arbeitet dabei heraus, dass Mission
nicht nur auf die Veränderung von Verhaltensweisen oder die Übernahme bestimmter
religiöser Überzeugungen zielt. Menschen begegnen Gott in der Gesamtheit
ihres Lebens und Denkens. Diese Begegnung muss Folgen haben für alle Bereiche
des Lebens und Denkens, einschließlich der verborgenen und unbewussten
Aspekte des Weltbilds. Das Ziel christlicher Missionsarbeit muss deshalb
sein, das Evangelium so weiterzugeben, dass es zu einer Begegnung mit dem
jeweiligen Weltbild kommt und damit zu einer kritischen Auseinandersetzung
auf tiefster Ebene. Dieses Buch wird jedem interessierten Missionar helfen,
die aus dieser Begegnung resultierenden Veränderungsprozesse besser zu verstehen
und zu begleiten. Und es wird für all diejenigen von großem Interesse sein,
die versuchen Menschen den Horizont zu weiten für andere Sichtweisen der Welt
und dabei zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem eigenen Weltbild
anleiten wollen.
Dr. Jürgen Schuster, em 2009-4.
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Hille, Rolf. Das Ringen um den säkularen Menschen. Karl Heims Auseinandersetzung mit
der idealistischen Philosophie und den pantheistischen Religionen.
Gießen/Basel: Brunnen 1990.
Rolf Hille erwarb mit der vorliegenden Inauguraldissertation
nicht nur den Titel eines Dr. theol. (München
1990), er sicherte sich auch die Anerkennung und den Dank
gegenwärtiger und zukünftiger
Karl-Heim-Forscher: Hilles umfangreiches Werk bietet auf S.446-597 das
gesamte Schrifttum von und über Karl Heim, übersichtlich gegliedert und mit
wissenschaftlicher Akribie erstellt.
Somit steht nun erstmals eine
wirklich umfassende Karl-Heim-Biblio
graphie zur Verfügung (vgl.17f), die auch neues,
bislang nicht zugängliches Material beinhaltet.
Manch ein Leser, der sich bereits mit Heim beschäftigt hat, wird wohl schon bei der Lektüre
der Vorbemerkungen (9ff) eine Überraschung erleben: Wir sind
es gewohnt, mit dem Namen Karl Heim die
Person und das Werk jenes Theologen zu verbinden, der durch seine
umfassende theologische, philosophische und naturwissenschaftliche
Bildung bestach und den
interdisziplinären Dialog mit den modernen Naturwissenschaften
pflegte. Er hegte das erkenntnistheoretisch und apologetisch motivierte Interesse, das ganze der Wirklichkeit vom
christlichen Glauben her zu erkennen, zu denken und als denk-möglich zu
erweisen. Wir kennen Heim als den Theologen, der „die geistige
Auseinandersetzung mit dem naturwissenschaftlich
begründeten Säkularismus“ (llf) bzw. der „materialistischen Konzeption
des Säkularismus“ führte (16).
Hille stellt uns einen bisher kaum bekannten Heim vor:
Einen religionswissenschaftlich interessierten Theologen, der sich mit den
ostasiatischen Hochreligionen
auseinandersetzte und im „asiatische[n] Pantheismus“ das weltanschauliche
Pendant zum „abendländische[n]
Idealismus“ sieht, und zwar insofern, als er in beiden äquivalente Formen des
„Mystizismus“ findet (16). Im Mystizismus erkennt Heim nun wiederum eine bestimmte Ausprägung des Säkularismus,
so daß sein Säkularismusbegriff insgesamt „sowohl das Phänomen des Materialismus“ als auch „das des Mystizismus“ umfaßt (16). Diese Erkenntnis ist für das Verständnis der Heimschen Theologie grundlegend, da er den abendländischen Idealismus bzw. den asiatischen
Pantheismus durchweg als „die andere große Herausforderung der christlichen
Theologie sachlich gleichberechtigt neben dem Problem des Materialismus thematisiert“ (16). Damit wird eine
Präzisierung des Karl Heim-Bildes notwendig: Der bisher kaum bekannte Heim ist der wahre - ihn und seine apologetische
Konzeption möchte Hille dem Leser nahebringen,
um so das theologische Gespräch über das durchaus aktuelle, leider
aber kaum rezipierte Werk Heims anzuregen
(7f; llf; 16). Nachdem Hille den bei Heim wichtigen Zusammenhang von Biographie und Theologie entfaltet hat (Verwurzelung im Pietismus), schildert er Heims Begegnung mit dem Säkularismus
und dessen Analyse dieses wichtigen Phänomens. ‚Säkularismus’ meint hier „das menschliche Bemühen, dem verfügbaren, welthaften Sein göttlich-ewige Qualität zu verleihen“
(83). Im folgenden stellt Hille dar, wie Heim jenes Bemühen anhand der
drei genannten Formen des Säkularismus
entfaltet, den Mystizismus dann
umfassend kritisiert und eine eigene Begründung des theologischen
Personalismus vorlegt. Hilles „Kritische
Anmerkungen zur Würdigung der missionarischen Apologetik Karl Heims“
(410ff), die diesen Titel wegen ihrer
Sachkenntnis und Ausgewogenheit zu
Recht tragen, sowie eine Thesenreihe beschließen
das Werk. Hier ist Hille darin zuzustimmen, daß Heim seine stärkste Leistung in
der Apologetik gegenüber dem Materialismus zeigt (vgl. S.443). Allerdings
sind Heims religionswissenschaftliche
Darstellungen und Analysen des
Hinduismus und Buddhismus des öfteren
so undifferenziert und religionswissenschaftlich problematisch, daß ich
Hilles diesbezügliche Kritik (vgl. 232ff;
405ff; 443ff) noch schärfer und
grundsätzlicher formulieren würde.
A. James Findeisen, em 1993-2.
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Hollenweger, Walter J. Charismatisch-pfingstliches
Christentum: Herkunft, Situation, Ökumenische Chancen. Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen, 1997.
Da es nur wenig fundierte Literatur zur Geschichte der
pfingstlichen und der charismatischen Bewegungen gibt, diese aber ständig
an Bedeutung zunehmen, wird kaum einer an dieser Darstellung eines der
besten Kenner der Materie weltweit vorbeikommen. Was Hollenweger zusammengetragen
und gründlich belegt hat, wird vielen innerhalb und außerhalb dieser
Bewegungen neu sein. Viele Aufbrüche und Pfingsttheologen werden erstmals
theologisch beschrieben und eingeordnet, insbesondere in Ländern wie
Korea, Mexiko, Chile und Südafrika. Hollenwegers Klassifizierungen verschiedener
Strömungen (bes. S.198) und Analysen von typischen Entwicklungen sind
geradezu klassisch. Als Missionswissenschaftler bezieht Hollenweger ständig
den internationalen Bezug und die missionarische Komponente der
Pfingsbewegung mit ein. Er behandelt auch ausdrücklich die „Pfingstliche
Missionswissenschaft“ (S.330-337), die er stark von dem Anglikaner Roland
Allen beeinflußt sieht.
Hollenweger will mit seinem Buch aber auch ganz bewußt der
Pfingstbewegung sagen, wie sie sich in Zukunft entwickeln sollte. In etlichen
Dingen wird man ihm sicher zustimmen, etwa seiner wiederholten Kritik, daß
viele Pfingstkirchen zu wenig gegen den Lebensstil superreicher Evangelisten
unternehmen, obwohl die Pfingstbewegung doch gerade unter Unterprivilegierten
ihren wesentlichen Beitrag leistet. Auch das Erstaunen über die Eschatologie
der Pfingstbewegung ist sicher berechtigt. „Man wird erwarten, daß die
Pfingstler einen starren Dispensationalismus kritisieren“, der Geistesgaben
für erloschen hält. „Merkwürdig ist nur, daß die Pfingstler in allen anderen
Punkten sich immer noch auf die Methode des Dispensationalismus berufen“,
obwohl dieser doch ihrer Erfahrung und ihrer Exegese widerspricht“ (S.347-348;
vgl. 229-230).
Aber bei Hollenwegers Änderungswünschen an die
Pfingsbewegung fließen auch schon im geschichtlichen Teil und erst recht in
seinen Empfehlungen ständig viele Elemente seiner Theologie ein, die
manchmal sogar recht wenig mit dem Thema zu tun haben. Er schreibt etwa:
„Meine eigene Schlußfolgerung ist, daß wir für einen theologisch
verantworteten Synkretismus plädieren müssen“ (S.342). Er empfiehlt „eine
neue Soteriologie“ (S.284-286), die auf den Gedanken der Hölle und des ewigen
Verlorenseins verzichtet (S.285). Den „Prozeß der Evangelikalisierung“ (S.391)
der Pfingstgemeinden sieht Hollenweger eindeutig als negativ, wie überhaupt
ein anti-evangelikaler Zug das ganze Buch durchzieht. Wenn möglich - so
Hollenweger - sollte ein meist ökumenisch beginnender charismatischer
Aufbruch die meist folgende evangelikale Phase überspringen und gleich zur
späteren noch weitherziger ausgerichteten Phase eintreten. (Erst recht
wendet sich Hollenweger gegen jede Art von Fundamentalismus, wobei sich
allerdings kaum ein Evangelikaler als Fundamentalist sehen würde, wenn er
Hollenwegers Definition zugrundelegen würde.)
Die Übersetzung ist im übrigen sehr holprig, weswegen sich
für manche Details der geschichtlichen Darstellung eine Rückversicherung
anhand des englischen Originals empfiehlt, bevor man das Buch zitiert. (Das
deutsche Buch ist dabei Band 2 des englischen Originals ‘The
Pentecostals’.)
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1998-4.
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Holthaus, Stephan. Heil
– Heilung – Heiligung. Die Geschichte der deutschen Heiligungs- und
Evangelisationsbewegung (1874-1909), Kirchengeschichtliche Monographien
14, Giessen, Basel: TVG Brunnen, 2005.
Dem Autor, Dekan der Freien Theologischen Fakultät in
Giessen, ist nach Jahren der Forschung ein großer Wurf gelungen: seine Arbeit
besticht durch Materialfülle, Detailwissen und neue Forschungsergebnisse. Zum
ersten Mal wird in diesem Buch die bis dato fast völlig unerforschte deutsche
Heiligungsbewegung (HB) aus dem Dunkel des Vergessens und Verschweigens einer
interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Autor setzt sich zum
Ziel, die wichtigsten geschichtlichen Eckpunkte der Heiligungs- und
Evangelisationsbewegung zu beschreiben und die historischen Fakten zu
liefern, die einen Gesamtüberblick ermöglichen sollen. Wohltuend erkennt der
Leser dabei an, dass sich der Autor in seinen Urteilen zurückhält und um
Objektivität bemüht ist.
Holthaus schlägt einen beeindruckenden Bogen von den
Anfängen der HB im Methodismus und anderen Kreisen Nordamerikas Mitte des 19.
Jahrhunderts bis zum Aufbrechen der Pfingstbewegung in Deutschland um 1910.
Eingebettet in diesen Rahmen untersucht der Autor zunächst den europäischen
Beginn der HB. In kurzen Biographien werden die wichtigsten Vertreter der HB
im deutschsprachigen Raum skizziert, angefangen von Carl Heinrich Rappard,
Otto Stockmayer, Theodor Jellinghaus bis hin zu Freiherr Julius von Gemmingen
(125-166). Zur HB gehörten dann auch verschiedene Konferenzen, z.B. die Allianzkonferenz
in Bad Blankenburg, denen der Autor ein weiteres Kapitel widmet (169-188).
Aufgrund eigener Forschungen zeigt der Autor, wie die HB sich in den 80er
Jahren des 19. Jahrhunderts zu einer Evangelisations- und Missionsbewegung
weitete (191-265). Die Glaubensmissionen, die heute den Kern der
evangelikalen Missionen in Deutschland bilden, gehen z.B. ausnahmslos zurück
auf die Impulse der HB (237-258). Die Heilungsbewegung sieht der Autor als radikalisierten
Zweig der HB, der nicht die ganze Bewegung repräsentierte (393). Durch die
hier zum ersten Mal in dieser Ausführlichkeit geschehene Zusammenführung der
verschiedenen neuen Werke und Initiativen (Glaubensmissionen,
Heilungsbewegung, Evangelisten- und Missionsschulen, Verlage und
Publikationen, Diakonische Einrichtungen und das Liedgut) gelingt dem Autor
ein aufschlussreicher Überblick über die verschiedenen Fassetten der HB.
Interessant und anregend sind die vom Autor aufgegriffenen
speziellen Themen und Probleme, die von der HB aufgeworfen werden. So widmet
der Autor den Frauen in der HB ein ganzes Kapitel (467-507). Da mag es
manchen überraschen, dass der Autor zu dem vorsichtigen Urteil kommt, dass
„...die Frauen dieser Bewegung in eingeschränktem Maße der religiöse Ausdruck
der gesellschaftlichen Frauenemanzipation Ende des 19.Jahrhunderts
verkörperten“ (509).
Wichtig zum Verständnis der HB als internationaler und
interdenominationeller Bewegung ist auch ihr Einfluss auf die Freikirchen,
der kenntnisreich dargestellt wird (299-331). Noch bedeutsamer war jedoch der
Impuls, der durch die HB ausging und zur Entstehung des Gnadauer Verbandes
führte. Diesem Prozess geht der Autor nach (268-298). In seinem letzten
Kapitel geht Holthaus auf die Entstehung der Pfingstbewegung ein (551-592).
An den schmerzlichen Vorgängen um den Gründer der deutschen Pfingstbewegung,
Jonathan Paul, die durch ihn hervorgerufene Spaltung der
Gemeinschaftsbewegung und den Folgen der Berliner Erklärung 1909 zerbrach die
HB. Hier legt der Autor den Finger auf eine wunde Stelle. Mit Recht beklagt
er, dass die Gegner der Pfingstbewegung eigene Defizite und Mitverantwortung
für die Fehlentwicklungen später leugneten (594). Die negativen Ereignisse
wurden der ganzen HB zur Last gelegt, damit verwarfen die Väter der Gemeinschaftsbewegung
jedoch ihre eigenen Wurzeln (594). Dies überzeugend herausgearbeitet zu
haben, ist ein Verdienst des Autors. Leider bricht hier das Buch ab. Die
immer noch notwendige „theologische“ Auseinandersetzung mit den Fragen, die
die historische HB uns stellt, auch angesichts des Bruchs mit der damaligen
Pfingstbewegung, ist bis heute noch nicht wirklich geführt. Vielleicht
gelingt es nun, nachdem Stephan Holthaus mit der historischen Darstellung der
HB gewissermaßen eine Schneise in den geschichtlichen Dschungel geschlagen
hat, auch ausführlich auf die Theologie der HB einzugehen. Das umfangreiche
Werk wird erschlossen durch eine fast 80-seitige Bibliographie und ein
Namensregister.
Fotos der wichtigsten erwähnten Persönlichkeiten ergänzen
den Text. Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung. Möge es dazu helfen,
die Wurzeln besser zu verstehen, aus denen die Identität der deutschen evangelikalen
Bewegung erwachsen ist und zum Gespräch zwischen den verschiedenen Gruppen
beitragen.
Dr. Bernd
Brandl, em 2006-3.
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Holzhausen, Andreas (Hg.). Mission unter Beschuß. Missionspraktiker
antworten auf kritische Fragen. Neuhausen: Hänssler, 1996.
Wenn ein Thema von Kritikern unter Beschuß genommen wird,
greifen die Verteidiger gern zum gleichen Mittel: Sie schießen zurück. Genau
dies aber tun die Autoren der 18 Beiträge nicht, die Andreas Holzhausen hier
zusammengestellt hat. Sie greifen auch nicht nur die gängigen groben
Vorwürfe auf, die gegen die Arbeit der Missionen erhoben werden, sondern auch
die subtileren, argumentativ schwieriger zu behandelnden. Manche Autoren
gehen besonders geschickt damit um: Behauptungen von seiten der Kritiker
werden in aller Ruhe mit einem Fragezeichen versehen zurückgereicht. Es wird
gelassen argumentiert, hinterfragt und abgewogen. Ideologische Verzeichnungen
finden sich höchstens andeutungsweise.
Holzhausen hat mit 9 Beiträgen den Löwenanteil des Werks
verfaßt. Er ist ein Kenner der Materie. Die Praxis der Mission kennt er aus
seiner Arbeit als Wycliff Bibelübersetzer in Nepal, den Beschuß durch die
Kritik aus seinen langjährigen Erfahrungen als Referent für Öffentlichkeitsarbeit
des deutschen Zweiges von Wycliff. In vorbildlicher Weise läßt er immer
wieder erkennen, daß er nicht so tun will, als blieben keine Fragen offen, sondern
er spricht aus, daß er in manchen Fällen keine befriedigende Antwort hat.
Auch bezieht er einen Aspekt mit ein, den Kritiker der Mission grundsätzlich
vernachlässigen: In der Sammlung kommen auch Betroffene zu Wort, vier
Afrikaner und ein Perser. Wer - um bei der militärischen Metapher zu bleiben
- treffsichere Argumente sucht, die für die Arbeit der Missionen sprechen,
der findet sie hier, in unkomplizierter und flüssiger Sprache geschrieben.
Prof. Dr. Lothar Käser, em 1996-3.
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Horie, Hildegard. Tsega, oder Die Sehnsucht der
Gefangenen. Hänssler
Verlag: Holzgerlingen, 1999.
Tsega wächst mitten im Bürgerkrieg in Eritrea auf. Sie
wird aus ihrem behüteten Zuhause herausgerissen und wandert heimatlos von
Kontinent zu Kontinent - und wird doch die Sorge um die zu Hause
zurückgelassene Familie nicht los. Trotz alledem wendet sich Tsega nicht von
Gott ab, sondern erfährt ihn in allem Leid um so konkreter.
Der Leser wird in dieser authentischen Erzählung in die
Welt der Menschen in Eritrea, in ihre Sorgen, ihre Arbeit und Schicksale
mithineingenommen. Da viele Dinge, wie die Traditionen oder die Rolle der
Frau auch heute noch Gültigkeit haben und der orthodoxe Glaube in vielen
Familien bis heute starken Einfluß hat - leider nicht immer so positiv, wie
im Buch für den Großvater Tsegas beschrieben - kann man sich, vor allem, wenn
man in Äthiopien lebt, in vieles sehr gut hineindenken.
Bedrückend ist, daß gerade in dieser Region wieder Krieg
herrscht und ähnliche Schicksale in Eritrea wie in Nordäthiopien gerade jetzt
zu finden sind.
Das Buch vermittelt viel Verständnis für Flüchtlinge aus
Bürgerkriegsgebieten, da viele sich in unserem behüteten Deutschland gar
nicht vorstellen können, wie es ist, als Kind in so einer Situation
aufzuwachsen. Das Buch ist für jeden interessant, der äthiopische oder eritreische
Freunde hat, aber auch für Leute, die ein bißchen über den Tellerrand ihrer
eigenen Kultur hinausschauen möchten.
Monika Wiegand, em 2000-3.
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Houston, Tom. Scenario
2000. A Personal Forecast of the Prospects for World Evangelization. MARC:
Monrovia, 1992.
So knapp es irgend geht, skizziert der Direktor der
Lausanner Bewegung, Tom Houston, die Aussichten
für die Weltevangelisation. Zugrunde liegen Barrett, Johnstone und
Jansen, sowie die eigene Erfahrung des Autors,
der einst Direktor der British and
Foreign Bible Society und von World
Vision International war. Wie kaum einer hat er die Trends beobachtet.
Kapitelweise werden relativ homogene Gebiete charakterisiert: Islam,
Hinduismus, Buddhismus, Marxismus, Westeuropa, Lateinamerika, Nordamerika
und Afrika. Daraus folgen neun missiologische und missionarische
Arbeitsprioritäten, auf die man sich nach Houston konzentrieren sollte: „1. Die Gewinnung der großen Blöcke
resistenter Volksgruppen für Christus (Muslime, Hindus, Buddhisten und
Spiritisten); 2. Wie der Wandel des Kommunismus in China, der ehemaligen
UdSSR, Osteuropa und andernorts, sowie
die größere Offenheit sich auf die
Kirchen und die Evangelisierung auswirkt; 3. Wie man die Säkularisierung im Westen bekämpfen und den Weg für eine Re-Evangelisierung ehemals christlicher
Länder bahnen kann; 4. Wie die wandernden Völker aufgenommen und gewonnen
werden können, und wie sie Träger der
Guten Nachricht von Jesus Christus an ihren Herkunftsorten werden können; 5. Die Menschen in
den wachsenden Städten der Welt, besonders derer
mit wenig oder keinem Zeugnis von Jesus Christus, und was die Gute
Nachricht ihnen in ihrer Einsamkeit, Entfremdung und in ihrem
Identitätsverlust sagen könnte; 6. Die Armen in Stadt und Land, und wie die Gute Nachricht von Jesus Christus von ihnen als relevant begriffen
werden könnte, im Angesicht der Einengungen, die sie durch Ungerechtigkeit und Korruption erfahren; 7. Die niedrigen Leseraten
(hoher Analphabetismus) in vielen der
unerreichten Gebiete und die wachsenden Bevölkerungsanteile in
entwickelten Ländern, die keine Printmedien mehr benutzen. Diese Entwicklungen
fordern eine Konzentration auf die
Verbreitung von Lesekenntnissen und den Gebrauch von „Non-Printmedien“ in der christlichen Kommunikation; 8. Die Mobilisierung sowohl der Laien als auch der Ordinierten,
um den unvollendeten Auftrag in
Angriff zu nehmen; 9. Das Konzept, daß alle Leute Gottes an einem Ort
eine gemeinsame Strategie zur Evangelisierung
des Gebietes verfolgen, wo sie Gott
hingestellt hat. Dabei sind Kirchen und freie Werke als verschiedene Ausdrücke des einen Gottesvolkes gemeinsam in die Pflicht genommen.“
Ein äußerst stimulierender Weltüberblick,
mit Karten und Statistiken illustriert (Stand von Ende 1991), den eigentlich jeder Missiologe und Beter zur
Hand nehmen sollte.
Christof Sauer, em 1995-2.
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Hübner, Friedrich (Hg.). Indische Väter der Jeypore-Kirche. Die ersten 28 Pastoren berichten selbst von den Anfängen. Breklum, 1989.
Hier erfahren wir, was
vorchristliche Religion ist! Die Pastoren erzählen realistisch und
wortkarg von ihrer Herkunft, ihrem
Lebensweg und den vielen Leiden. Erschütternde Bilder aus der ersten
Hälfte unseres Jahrhunderts. So etwas sollten unsere Vikare und -innen sowie
junge Pfarrer/innen auf sich wirken lassen! Andere Junge Kirchen täten gut
daran, entsprechende Zeugnisse
herauszubringen!
Friso Melzer, em 1993-1.
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Huffman Rockness, Miriam. A Passion for the Impossible.
The Life of Lilias Trotter. Harold Shaw Publishers: Wheaton/Illinois, 1999.
Reichtum ist nicht immer ein Hindernis „in das Himmelreich
zu kommen“! Lilias Trotter stammte aus einer reichen viktorianischen Familie
des 19. Jahrhunderts. Sie hatte große künstlerische Begabungen, die viel Anerkennung
versprachen. Aber sie hängte ihr Herz nicht daran, sondern setzte Reichtum
und Begabung bedingungslos für Jesus ein. Ihrer Gesundheit war dieser
Lebensstil nicht zuträglich; sie musste immer wieder lange aussetzen, akzeptierte
aber auch diese Zeiten als Ausdruck der Liebe Jesu und brachte eine Fülle
geistlicher, sowie künstlerischer Ergebnisse in die Arbeit ein.
Was war nun ihre Mission? Recht naiv, aber voller Liebe zu
den Verlorenen reiste sie mit 34 Jahren nach Algerien, um eine entsagungsvolle
Pionierarbeit zu beginnen. Nichts war ihr und ihren Freundinnen zu viel. „Nie
hat uns jemand so geliebt wie sie“, sagten später die Frauen (S.14).
Rückschläge waren ihre tägliche Erfahrung. Mehr als 20 Jahre vergingen - das
Mitarbeiterteam war inzwischen auf 30 Personen angewachsen - ehe man von
einem geistlichen Aufbruch sprechen konnte.
Das Außergewöhnliche an Lilias Trotter war ihre
Ursprünglichkeit, ihre Freiheit, ihr geheiligtes Künstlertum. Schnell merkte
sie, daß Evangelisationsversammlungen europäisch sind, der arabischen
Mentalität jedoch nicht entsprechen, der christliche Geschichtenerzähler
oder das christliche Ausflugsziel für die ganze Familie dagegen sehr wohl
(S.208f.).
Lilias Trotter setzte statt übersetzten europäischen
arabische Traktate ein. Sie schrieb Geistliches in Parabelform. Auch mit den
Mystikern des Landes suchte sie die Auseinandersetzung und knüpfte an ihre
Sehnsucht an. Sie litt an der Dämonie der ausgeübten Religion und liebte
viele durch ihre Krisen und Rückfälle hindurch. Mit den anderen nordafrikanischen
Missionen arbeitete sie zusammen, inspirierte sie und übernahm Bewährtes.
Sie erkannte den Wert der Heimatarbeit und baute Gebetsgruppen auf, ja sie
dachte und tat vieles, was heute als neu angepriesen wird.
Aber nur jemand, dem Jesus ein und alles ist, dem das Wort
Gottes ständig gegenwärtig ist, darf sich so weit aus dem Fenster lehnen.
„Leidenschaft für das Unmögliche“ schöpft aus den feinsinnigen Tagebüchern
und Briefen, die Lilias’ Zeichnungen und Aquarelle zieren. Die Sprache ist
anspruchsvoll, vielleicht hätten einige Stellen gekürzt werden können.
Ist man am Ende des Buches und ihres Lebens angelangt,
muss man sich fragen: Bin ich so hingegeben? Bin ich so in der Schrift gegründet?
Achte ich alles andere außer Jesus für Verlust? Will ich mich der Herausforderung
stellen?
Lilias Trotters Arbeit in Algerien war nicht vergeblich,
auch wenn Nordafrika schon bald wieder geistlich tot erschien - oder ist der
neue Aufbruch bisher nur unbemerkt geblieben?
Ingrid von Torklus, em 2000-3.
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Hummel, Reinhart. Religiöser Pluralismus oder christliches
Abendland? Herausforderung an Kirche und Gesellschaft. Darmstadt: Wissenschaftliche
Buchges., 1994.
Die Studie des Missionswissenschaftlers Hummel (1983-1995
Leiter der Ev. Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Stuttgart) befasst
sich mit dem zunehmenden religiösen Pluralismus der Gegenwart und will zu
einer theologischen Bewältigung der dadurch bedingten Herausforderung für
die Kirchen verhelfen. Das Buch besticht durch seine sehr gut lesbare
Sprache und seine didaktisch hervorragende Darlegung der relevanten Fakten
und Gesichtspunkte. Die Fülle von religionswissenschaftlichen Informationen,
die Hummel auf nur 200 Seiten entfaltet und theologisch zu verarbeiten sucht,
verdient Bewunderung und bietet dem Laien wie dem Fachmann eine solide
Zusammenfassung der zu beachtenden Tatsachen: Die Geschichte der
„interreligiösen Bewegung“ in den letzten 100 Jahren (8-22), die wachsende
Aufsplitterung des Protestantismus in Kirchen und Sekten in den vergangenen
200 Jahren und die in den letzten 150 Jahren entstandene Präsenz okkulter
Religionen (23-30) werden ebenso behandelt wie die zunehmende Anwesenheit
östlicher Religionen und der mit diesen geführte Dialog (31-60), die neuen
religiösen Bewegungen (61-73), die Suche nach Spiritualität (89-105), die
Begegnung mit dem Islam (106-134) und die Rolle des religiösen Pluralismus
in der säkularen Gesellschaft (135-147). Der auf dem neuesten Stand der
religionswissenschaftlichen Literatur gegebene Überblick wird abgeschlossen
durch eine theologische Erörterung der Synkretismusproblematik und
Erwägungen zur geistlich-theologischen Bewältigung der mit dem religiösen
Pluralismus gegebenen Herausforderung (159-192).
Inhaltlich zeichnet sich Hummels Buch durch eine
wohltuende Sachlichkeit aus, die sich einerseits um eine faire und gerechte
Darstellung der nichtchristlichen Positionen bemüht, andererseits aber
falsche Idealisierungen vermeidet und die (im interreligiösen Dialog häufig
ignorierten) traurigen Aspekte der religiösen Empirie (z.B. die
unbefriedigende Stellung des Islam zu den Menschenrechten) nicht verschweigt
(140-158). Seine theologischen Erwägungen zeichnen sich durch sorgfältige
Begriffsklärungen und das ernsthafte Bemühen aus, die biblischen Vorgaben zu
beachten, so daß der christliche Heils- und Wahrheitsanspruch und die Notwendigkeit
der Mission klar hervortreten und beispielsweise die Unhaltbarkeit der
pluralistischen Religionstheologie immer wieder deutlich wird. Hummels Werk
verdient daher nicht nur aufgrund seines hohen Informationsgehaltes, sondern
auch aufgrund seiner theologischen Qualität weite Beachtung.
Das an sich lobenswerte Bemühen um eine ausgewogene Sicht
verleitet Hummel allerdings gelegentlich dazu, Aspekte nicht hinreichend
ernstzunehmen, die gegenwärtig vor allem von Evangelikalen betont werden,
deren biblisches Recht aber nicht ernstlich bestritten werden kann, wenn man
die Normativität der Schrift anerkennt. Wenn evangelikale Theologen
beispielsweise im Anschluß an Emanuel Kellerhals und Karl Hartenstein heute
noch den antichristlichen Charakter des Islam als einen Aspekt dieser
Religion behaupten (131), dann ist dies solange nicht zu beanstanden, solange
die religionswissenschaftliche Multidimensionalität des Islam beachtet
bleibt und die theologische Bewertung nicht auf diesen einen Gesichtspunkt
verkürzt wird. Hummels berechtigte Warnung vor einem vereinfachenden
„Schwarzweißdenken“ (ebd.) sollte von Evangelikalen zwar ernstgenommen
werden, darf aber seinerseits nicht dazu führen, daß die biblisch gebotene
„Prüfung der Geister“ (1. Joh 4,1) auf jene Aspekte verkürzt wird, die einem
interreligiösen Dialog förderlich erscheinen. Denn dies würde gerade jenem
Realismus widersprechen, ohne den die Christenheit der Herausforderung des
religiösen Pluralismus nicht gewachsen ist, wie Hummel selbst immer wieder
betont (4f.,149f., 182f. u.a.).
Werner Neuer, em 1996-3.
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Hunn, Karin. „Nächstes Jahr kehren wir zurück…“. Die
Geschichte der türkischen „Gastarbeiter“ in der Bundesrepublik. Neue
Forschungen zur Gesellschafts- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
Nr. 11, hg. v. U. Herbert u. L. Raphael, Wallstein Verlag : Göttingen 2005.
Das vorliegende Buch wurde 2004 als Dissertation im
Bereich Neuere und Neueste Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität in
Freiburg angenommen. Die Autorin, Mitarbeiterin am Institute for the
International Education of Students (IES) in Freiburg, erzählt die Geschichte
der türkischen Arbeitsmigranten in Deutschland von der deutsch-türkischen
Anwerbevereinbarung 1961 bis ins Jahr 1984, als das mit finanziellen Anreizen
ausgestattete Rückkehrförderungsgesetz abgelaufen war und endgültig deutlich
wurde, dass die türkischen „Gast“-Arbeiter bleibende Einwanderer geworden
waren.
Die vier Kapitel des Buchs folgen der Chronologie der
Einwanderung und analysieren jeweils drei Bereiche: die Arbeitswelt, die
Ausländerpolitik und die gesellschaftliche Situation. Dabei sind sowohl die
türkischen als auch die deutschen Akteure und deren gegenseitige
Wahrnehmungen und Reaktionen im Blick.
Das umfangreiche erste
Kapitel (S.29-206, Jahre 1961-67) bietet eine Interpretation der
Anwerbevereinbarung und beschreibt die Hintergründe und Organisation der
Anwerbung türkischer Arbeiter, deren Motive und vor allem deren Arbeits- und
Lebensumstände in den ersten Jahren in Deutschland. Besonderes Augenmerk wird
auf die Aufnahmestrukturen, namentlich die Betriebe und die Gewerkschaften im
Bereich der Arbeitswelt und die Betreuung durch die Arbeiterwohlfahrt im
sozialen Bereich, gerichtet.
Das zweite Kapitel
umfasst die Jahre 1968 bis zum Anwerbestopp 1973 (S.207-342) und beschreibt
die starke Zunahme der Migration in dieser Epoche der Hochkonjunktur, die mit
dem Familiennachzug verbundende Verwurzelungstendenz, die
Integrationsabsichten der sozialliberalen Politik, die sich auch in der neuen
Rede vom ausländischen „Mitbürger“ niederschlugen. Zudem wird die dennoch
zunehmende Ablehnung der Ausländer und der Anwerbestopp auf dem Hintergrund
des starken zahlenmäßigen Zuwachses und der damit entstehenden sozialen
Probleme interpretiert.
Das dritte Kapitel
(S.343-450) analysiert die bundesdeutsche Politik der „Konsolidierung“
(Integration und Begrenzung der Migration) in den Jahren 1973-1980, das
wachsende Gefühl der Ablehnung auf seiten der Migranten und deren verstärkte
Selbstorganisation, sowie die zunehmende Einflussnahme
politisch-islamistischer Gruppierungen auf dem Hintergrund der
nationalistisch-religiösen Politik der türkischen Regierungskoalition seit
1975 („Nationalistische Front“).
Das vierte Kapitel
beleuchtet die sich Anfang der 1980er Jahre zuspitzende Situation
(Militärputsch Türkei und Anstieg der kurdisch/türkischen Asylbewerber,
Arbeitslosigkeit in Deutschland), die sich einerseits im Rückkehrförderungsgesetz
und andererseits in zunehmender Ausländerfeindlichkeit und einer sich
polarisierenden Debatte zwischen ethnisch-nationalen und multikulturellen
Gesellschaftskonzepten äußerte.
In einem Ausblick
überschaut die Autorin die sich anschließenden Entwicklungen von 1985 bis zur
Gegenwart, die einerseits weitere Eskalationen und Konflikte (Mölln und
Solingen 1992/1993, Ehrenmorde, van Gogh-Mord 2004), aber auch Fortschritte
der Integration (Reform des Ausländergesetzes 1990 und des Staatsangehörigkeitsrechts
1999) und eine Normalisierung des pluralen Miteinanders deutlich machen.
In die Darstellung der Ereignisse fließen naturgemäß immer
wieder Bewertungen mit ein. Dazu gehört auch die Grundthese der Autorin, dass
die dargestellten gesellschaftlichen Konflikte zwischen der deutschen
Mehrheitsbevölkerung und den türkischen Migranten nicht primär in religiösen
und kulturellen Unterschieden begründet lägen, sondern die Ursachen eher in
den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen sowie in
sich gegenseitig verstärkenden Wahrnehmungsmustern (Ethnisierung) zu suchen
seien (S. 539/540).
Diese Einschätzung scheint mir die realen Unterschiede
zwischen islamischer und christlich-humanistischer Tradition und deren
Wirkkraft zu unterschätzen - wie etwa am Beispiel der fehlenden Religionsfreiheit
im Islam oder der Ehrenmorde deutlich wird. Gerade im Bezug auf letztere
nimmt auch die Autorin selbst eine andere Position ein und kritisiert nun
doch einen pauschalen „Multikulturalismus“, vor allem wenn er motiviert ist
von der „Angst, durch eine offene Auseinandersetzung mit den teilweise
äußerst fragwürdigen sozialen und kulturellen Normen der Einwanderer … als
fremdenfeindlich kritisiert zu werden“ (S.545).
Nicht ganz überzeugend ist die Interpretation der
islamistischen Entwicklungen in der türkischen Migrantenbevölkerung seit
Mitte der 1970er Jahre als Reflex auf Ausländerfeindlichkeit der Deutschen
(S. 527) oder als „Reaktion auf die Erkenntnis, dass ihr Leben in der
Bundesrepublik eben nicht nur ein provisorischer Aufenthalt, sondern von
längerer Dauer war“ (S.442). Hier wird m.E. die genuine Verwurzelung vieler
Migranten im traditionellen Islam unterschätzt. Überhaupt wird manchmal der
Eindruck vermittelt, als gäbe es eine saubere Trennlinie zwischen einem
allgemeinen Islam (der sich konfliktfrei integrieren ließe) und
islamistischen Gruppen, die für Konflikte sorgen (S.443), was sich in
Wirklichkeit aber oft nicht so klar unterscheiden lässt.
Berechtigt allerdings ist die deutliche Kritik der Autorin
an ethnischen („völkischen“) Konzepten von Nationalität (S.496f) sowie die
Warnung vor starren kulturistischen Festlegungen und Interpretionsmustern,
die die Dynamik und Wandlungsfähigkeit von Kulturen unterschätzen (S.19/20).
Hier verweist sie auf hoffnungsvolle Entwicklungen wie die Herausbildung
eines „deutschen Islam“ bei jungen türkischen Muslimen im Rahmen der
„erfahrenen Säkularisierungs- und Modernisierungsprozesse“ (S.562) sowie auf
konkrete Schritte im Blick auf einen geregelten deutschsprachigen
Islamunterricht an den Schulen.
Der Beitrag christlich-missionarischer Begegnung mit
muslimischen Migranten für ein konstruktives Miteinander wird allerdings
nicht gesehen, sondern lediglich leicht karikiert als weitere Belastung der
Beziehungen dargestellt (S.140). Hier hätte eine differenziertere
Auseinandersetzung nicht geschadet.
Fazit: Trotz der erwähnten Anfragen ist es das Verdienst
dieses Buches, wohl zum erstenmal die Geschichte der türkischen
Arbeitsmigranten in Deutschland in zusammenhängender Form und unter Einbezug
politischer, gesellschaftlicher, religiöser und sozialer Zusammenhänge als
ein Stück gemeinsamer Geschichte der „bundesdeutsche(n)
Einwanderungsgesellschaft“ von „Alteingesessene(n) und Zugewanderte(n)“ (S.564)
dargestellt zu haben. Die umfangreiche Darstellung basiert auf einer breiten
Basis politik- und migrationswissenschaftlicher, sowie historischer,
soziologischer und ethnologischer Studien und eigenen Archiv-Forschungen. Im
Anhang des Buches befindet sich ein Abkürzungsverzeichnis und das Verzeichnis
der Quellen und Literatur. Ein Stichwortverzeichnis, das man bei einem so
breit angelegten und aufwändig ausgestatteten Werk erwarten könnte, fehlt
leider. Das Buch ist auch für Missionswissenschaftler ein wertvolles Werkzeug
zum Erschließen und zur weiteren Diskussion eines wichtigen Themas.
Dr. Friedemann Walldorf,
em 2006-4.
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Hunsberger, George R.;
Craig van Gelder (Hg.). The Church between Gospel and Culture: The Emerging
Mission in North America. W. Eerdmans: Grand Rapids/USA und Cambridge/GB,
1996.
Das vorliegende Buch ist eine Sammlung von Aufsätzen, die
im Rahmen des nordamerikanischen missiologischen Forschungsnetzwerkes „The
Gospel and Our Culture“ entstanden sind. Dieses Netzwerk hat es sich zur
Aufgabe gemacht, die missionarische Begegnung der Gemeinde mit der
(post-)modernen Kultur der Gegenwart zu durchdenken und anzuregen. Einen
entscheidenden Anstoß dazu gab der britische Missionstheologe L. Newbigin mit
seiner These, daß die westliche Kultur nicht nur säkular, sondern heidnisch
geworden sei. Die Gemeinde müsse sich ihrer (unvermeidlichen) Verflechtung
mit dieser Kultur bewußt werden und, wo nötig, aus ihr befreien, um
evangeliumsgemäße und missionarische Gemeinde in ihr sein zu können.
Demgemäß beginnt der vierteilige Sammelband im ersten
Teil mit einer Einführung in Newbigins Missiologie für die westliche Kultur.
Von diesem Ausgangspunkt her werden in drei weiteren Teilen die Schwerpunkte
(Kultur, Evangelium, Gemeinde) einer Missiologie für den Westen untersucht
und in einen dynamischen Zusammenhang gestellt. Zunächst (in Teil II) geht
es darum, die amerikanische Kultur als Missionsfeld und missiologische Herausforderung
zu verstehen. Sechs Aufsätze bieten theologische, historische und soziologische
Analysen. Der dritte Teil fragt nach Inhalt und Grundlage des Evangeliums für
die Mission im Kontext der westlichen Kultur: Was ist Gottes gute, herausfordernde
Nachricht für die Kultur der Gegenwart? Implikationen für Bibelauslegung,
Verkündigung und Verwirklichung werden beleuchtet. Im vierten Teil geht es
um die Gemeinde, in der die Begegnung zwischen der (post-)modernen Kultur
und dem Evangelium konkret wird. Die Themen der Beiträge in diesem Teil
reichen vom missionarischen Wesen der Gemeinde über die Rolle des Pastors
als „Apostel, Poet und Prophet“ bis hin zur Entwicklung eines „ekklesialen
Paradigmas“, das die Gemeinde als einzigartiges „Volk der Anbetung“
versteht, dessen umfassende Mission als Zeichen des Reiches Gottes in der
(post-)modernen Kultur wirksam wird.
Ein wichtiges Buch, das zum Weiterdenken über die
kulturell relevante Mission der Gemeinde Jesu auch bei uns im
(post-)modernen Europa und Deutschland anregt.
Friedemann Walldorf, em 1998-3.
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Islamic Assemblies. Muslims Debate Democratic and Theocratic Revivals for Nations. Pasadena: Zwemer Institute,
1994.
Leider kann diese Veröffentlichung des Zwemer Institutes
nur als Enttäuschung bezeichnet werden. Dieses kopierte Heft, nach eigenem
Anspruch ein „Almanach“, bietet eine Materialsammlung von gegenwärtigen Entwicklungen
in der islamischen Welt zu den Themen „Frauen, Minderheiten und Konvertiten“,
ohne jedoch wichtige Hintergrundinformation über den Islam in den einzelnen
Ländern zu vermitteln. Zwar scheint der christliche Hintergrund der
Veröffentlichung immer wieder durch, klare Aussagen zur Standortbestimmung
vermißt man jedoch. Ein Beispiel: Ein Interview mit einem christlichen,
evangelistisch arbeitenden Gemeindeleiter aus Südasien, der sich selbst als
„muslimischer Bruder“ bezeichnet und die klaren Gegensätze zwischen Islam und
Christentum negiert, bleibt völlig unkommentiert stehen. Der abschließende
„Länderalmanach“ liefert teilweise im Westen unbekannte Informationen zu
aktuellen Entwicklungen in einzelnen islamischen Ländern. Über den Islam in
Europa pauschal jedoch nur in wenigen Zeilen zu berichten, daß der dortige
45 Jahre währende Frieden seit dem 2. Weltkrieg nun durch den Jugoslawienkrieg
bedroht werde, ist mehr als nur mager zu nennen.
Dr. Christine Schirrmacher, em 1996-2.
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Jabbour, Nabeel. The Rumbling Volcano: Islamic Fundamentalism in Egypt. Mandate Press:
Pasadena (CA) (lieferbar über William Carey Library), 1993.
Eine gelungene, lesenswerte Studie zum islamischen
Fundamentalismus! Jabbour versteht es, das in Europa immer noch kaum verstandene
Phänomen des islamischen Fundamentalismus (man zählt heute rund 40 verschiedene
Gruppen) in seiner Breite und Tiefe auszuleuchten. Er untersucht erstens die
Geschichte der wichtigsten fundamentalistischen Bewegungen, da ohne
geschichtliche Kenntnis gegenwärtige Bewegungen nicht einzuordnen sind.
Darüberhinaus stellt er gegenwärtig aktive Organisationen dar und beleuchtet
Beweggründe für ihr Handeln und ihre Wirkungsweise. Der iranische Schiismus
wird hier ebenso behandelt wie die ägyptische Muslimbruderschaft. Jabbour
möchte den islamischen Fundamentalismus nicht verurteilen und vermeidet
daher Schlagworte und Pauschalisierungen. Sein sachlicher Ton und seine
große Vertrautheit und Sachkenntnis der Materie machen das Buch zu einer
verläßlichen und gleichzeitig gut lesbaren Quelle für alle, die sich über
dieses hochaktuelle Thema fundiert informieren wollen.
Dr. Christine Schirrmacher, em 1996-2.
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Jahrbuch
Evangelische Mission 1984
Für den, der sich einen Überblick über die Entwicklung der deutschen (BRD) evangelischen Weltmission verschaffen will, ist die Anfang des Jahrhunderts begründete Reihe
der Jahrbücher eine ausgezeichnete Hilfe.
Die Jahrbücher bemühen sich, jeweils die
Entwicklungen des letztes Jahres im Bereich
der Mission und der Missionstheologie
aufzunehmen. Das geschieht einmal durch
ein umfassendes Verzeichnis derAdressen
aller deutschen evangelischen Missionen, der Missionsbeauftragten usw., zum anderen durch die Wiedergabe wichtiger Dokumente sowie durch einen etwa 100 Seiten umfassenden Teil mit Beiträgen zu Mission und Missionstheologie. Bis 1977 enthielt das Jahrbuch auch eine jährliche
Statistik der deutschen evangelischen Missionen. 1984 wurde diese
Tradition wieder aufgenommen, allerdings nur für jedes gerade Jahr. In
den ungeraden Jahren erscheinen andere Statistiken, 1985 z.B. über Bibelübersetzung. Herausgegeben wird das
Jahrbuch von der Vereinigung deutscher Missionskonferenzen (ihr Vorsitzender,
Dr Theo Wettach, wird in em3 oder em4 einen Artikel über die früheste Phase der christlichen Mission veröffentlichen) in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Mission-s-werk und (seit 1984) der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen. Das Jahrbuch 1984 ist beim Missionshilfe Verlag vergriffen, bei der Redaktion von em ist aber
noch ein kleiner Vorrat vorhanden. (6.80 DM). Ein wichtiges Element
des Jahrbuches sind die zahlreichen
Buchbesprechungen, die einen
Einblick in die Neuerscheinungen zum Thema Mission vermitteln.
Klaus Fiedler, em 1985-2
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Jahrbuch
für evangelikale Theologie 5 (1991). Hg. v. AfeT u.a.,
Wuppertal: Brockhaus 1991.
13 ausführliche Rezensionen (von 64) in diesem Jahrbuch
erscheinen missiologisch interessant, während das auf den kürzeren Artikelteil nicht zutrifft. Bibelübersetzer könnte interessieren wie Siebenthal gegen Hempelmanns These der „Veritas Hebraica“ argumentiert
(der meint, die hebräische Sprachgestalt eigne sich besonders für den
biblischen Offenbarungsgehalt) und die
linguistischen Erkenntnisse von
Cotterell u. Turner (Linguistics and Biblical Interpretation. 1989) dagegenhält.
Die anderen relevanten
Rezensionen finden sich zumeist in
der Abteilung Kirchengeschichte oder Praktische Theologie, wo allerdings das Interesse an evangelistischer Arbeit in Deutschland vorherrscht. Ein Wunsch: Könnten nicht die
ausgesprochen missionstheologischen Titel in einer eigenen Abteilung besprochen werden und zudem in größerer Obligations of Christians von 1792. Auf sie folgen in ausführlicher Breite 20 Missionsgesellschaften,
die vornehmlich mit Dokumenten aus der
Gründungszeit vorgestellt werden, die von Glaubensmut, Begeisterung, ökumenischem Geist, aber auch
von konfessioneller Verengung, abendländischem Superioritätsge-fühl und
Antiintellektualismus zeugen. In diesem
Abschnitt hätte der Herausgeber noch weit stärker die Missionsländer
in den Blick nehmen sollen, um - sowohl von „Missionierten“ (vgl. S.243) als
auch von den „jungen Kirchen“ - gleichsam
ein lebhaftes Echo auf die
Missionsarbeit hörbar zu machen. Der zweite Teil des Jahrhunderts
behandelt hauptsächlich die Missionstheorie, wobei neben den namhaften Missionsführern (ua. Graul, Buss und
Warneck) auch Theologen (ua. Schleiermacher,
Kahler, Troeltsch) vorgestellt werden. Daneben ist auch ein eigenes
Kapitel dem bekannten Kenner und Kritiker der Mission, E. F. Langhans, und
seiner instruktiven Abhandlung Pietismus und Christenthum im Spiegel der
äußeren Mission von 1864 zugedacht.
Einen gewichtigen Schwerpunkt bildet die brisante Frage nach den
Beziehungen zwischen der Mission und dem Imperialismus, zu deren „liierter
Gefährtin“ sich die Mission zuweilen
selbst degradierte (Hg., S.412). Drei Texte der Edinburgher Konferenz, die „die missionarischen
Bemühungen des 19. Jahrhunderts
zusammenfassen … und die ökumenische Ära einleiten“ (Hg., S.456),
bilden den Abschluß.
Höchst bemerkenswert ist schließlich die gemeinsame Veröffentlichung des Quellenbandes
durch einen „kirchlich-ökumenischen“ und einen
„evangelikalen“ Verlag (Verlag der Evang.
- Luth. Mission, Erlangen und Verlag der Liebenzeller Mission). Daß
letzterer dabei sogar auch das
ursprüngliche bildungsfeindliche Grundsatzprogramm seines eigenen Missionswerkes veröffentlicht (S.304-306: „Soll denn des Leeren-Stroh-Dreschens [sc. die theologische Ausbildung] kein Ende werden?“) ist
ihm anzurechnen.
Der für ein solch umfangreiches wissenschaftliches Werk
äußerst günstige Preis konnte nur durch Druckkostenzuschüsse ermöglicht
werden: der Deutschen Gesellschaft für Missionswissenschaft, dem Evang. -
Luth. Zentralverband für Äußere Mission
und dem AfeM sei Dank.
Die Quellensammlung wird
auf lange Zeit als Nachschlagewerk
und Hilfsmittel unentbehrlich sein - nicht nur für Kirchenhistoriker und Missionswissenschaftler, für Studenten und Pfarrer, sondern auch für den Bibelschüler,
den Missionar und den interessierten Laien, der sich einen ersten Überblick
und ein fundiertes Urteil über die wechselvolle Geschichte der
protestantischen Mission bilden möchte.
Bleibt zu hoffen, daß der Herausgeber, wie im Vorwort angekündigt,
Fortsetzungsbände folgen läßt - vor allem
über die neuere Zeit (seit 1910).
Herbert Roller, em 1992-4.
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Jahrbuch für Evangelikale Theologie, hg. v. AfeT und AfbeT. Wuppertal:
Brockhaus, 8. Jg., 1994.
Enttäuscht ist der Rezensent, daß der erste der „Aufsätze“
nur zwei Seiten lang ist. Denn der Dissertationsbericht von Erich Scheurer
über „Mission und Altes Testament –
Untersuchungen zur Begründung
christlicher Weltmission mit Hilfe
des Alten Testaments“ war der Anlaß, das Jahrbuch noch einmal auf
missiologische Beiträge hin zu betrachten. Erfreulich dagegen ist, daß bei den Rezensionen die Sektion Praktische Theologie jetzt eine Sparte für Mission aufweist. Hier werden Franz „Mission
ohne Grenzen“ und Hamel „Bibel - Mission –
Ökumene“ sachkundig besprochen. Das ist ein erster Schritt in die gewünschte Richtung
(siehe Rezension zu Jahrbuch für
Evangelikale Theologie. 6. Jg. 1992. oben).
Christof Sauer, em 1995-4.
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Jahrbuch für Evangelikale
Theologie. Hg. v. AfeTund AfbeT, Wuppertal: Brockhaus, 6. Jg., 1992; 7.
Jg., 1993.
Wie missiologisch stellt sich evangelikale Theologie dar? Die naheliegende Vermutung,
daß Evangelikalen die Mission auch in ihrer theologischen Arbeit wichtig ist,
wird nicht bestätigt. Zumindest
vermittelt die geringe Zahl an einschlägigen Artikeln und Rezensionen
in den beiden Jahrbüchern diesen Eindruck. Im Gegensatz zur weitgefächerten Beachtung der verschiedenen
theologischen Disziplinen und selbst der Belletristik erscheint Missionstheologie und -geschichte als ein Stiefkind. Selbst als kurze Notizen erscheinen wichtige Titel kaum. Diese Lage hat sich seit dem 5. Band (rezensiert
in em 92/4, S. 93) noch verschlechtert,
obwohl der Umfang zunimmt. So bleibt den Lesern des Jahrbuchs ein
wichtiger Teil evangelikaler theologischer
Arbeit vorenthalten, über den sie sich hier informieren können sollten.
Will man jedoch als Missionar aus der Ferne die übrige
evangelikale theologische Arbeit verfolgen, findet man hier einen
interessanten Spiegel, wenn auch viele Rezensionen sich mit
hochspezialisierten Themen befassen. Manche Beiträge werden möglicherweise
für die eigene Arbeit interessant sein, wie
z.B. Eberhard Hahns Bericht über
den Brasilianischen Arbeitskreis für evangelikale Theologie (1992, 40-83) und seine Auseinandersetzung mit ihm oder die Dokumentation von „Basler Thesen zur Mission“ (1993, 119ff), über deren Verfasser man leider nichts erfährt.
Christof Sauer, em 1995-4.
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Jahrbuch
Mission 1994. Ozeanien. Hamburg: Missionshilfe
Verlag, 1994.
Abgesehen von dem geographischen Schwerpunkt sind einige Beiträge für evangelikale Leser besonderer Beachtung wert. Lothar Käser beschreibt in seinem Artikel „Spät - fast zu spät
kamen die Missionare“ wie Missionare die Einheimischen vor Walfängern und
Sandelholzhändlern schützten. Im Abschnitt „Forum Mission“ wird der „Bericht
von der Tagung zwischen Orthodoxen und Evangelikalen vom 8.-12. Februar 1993 im Bernhäuser Forst, Stuttgart“
dokumentiert. Auf zwei Seiten wird schließlich der Arbeitskreis für
evangelikale Missiologie (AfeM) vorgestellt. Bei den zahlreichen Buchbesprechungen
findet sich auch mancher evangelikale
Titel oder Rezensent. Die
gesammelten Missionsanschriften sind erstmals
mit den neuen Postleitzahlen versehen.
Christof Sauer, em 1995-4.
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Jansen,
Frank Kaleb (Hg.): Target Earth: The necessity of diversity in a holistic perspective on world mission. Pasadena, 1989.
Vom Titelblatt lächelt
einem ein Mädchen aus China
entgegen. Rundherum gruppieren sich die Länder der Erde als Kästchen
in ungewohnter Anordnung. Was verbirgt sich hinter dem Titel «Target Earth»?
Eine Darstellung der Erde aus
vielfältigen Perspektiven, ganz
im Zeichen der Weltmission. Der rote Faden ist die Frage: Unter welchen
politischen, wirtschaftlichen, ökologischen, religiösen und gesellschaftlichen Umständen leben die Menschen,
die Christus fern sind? Das Themenspektrum reicht von „Lebenserwartung“ über „Schuldenkrise“ bis zu „Religionen“. Neben den Grundbedürfnissen des Menschen, seinen Bedrohungen und der Verbreitung der Weltanschauungen
werden auch globale Herausforderungen wie
das Ozonloch genannt.
Ausgeführt wird dieses
Programm auf zweifache Weise: Zum einen werden Fakten in farbigen
Grafiken und Weltkarten anschaulich gemacht. Zum anderen versuchen Missionsleute in Begleittexten die Fakten zu deuten und zur Teilnahme am „Kommandounternehmen Erde“ zu motivieren. Ohne diese
Texte wären die Diagramme nur die Hälfte
wert. Allerdings läßt sich nicht in allen
Fällen die Beziehung zwischen beiden erkennen.
Auch würden faktenorientierte Überschriften das Nachschlagen
erleichtern.
Die Autoren stammen
fast ausschließlich aus dem nordamerikanischen Raum. Zur Hälfte sind
die Mitarbeiter der als Mit-Herausgeber
firmierenden „University of the
Nations“ von „Jugend mit einer Mission“ in Hawai. Der
Hauptherausgeber bei „Global Mapping International“ in Californien ist Frank Kaleb Jansen, ein norwegisches Multitalent. Seine Texte sind m.E. auch die eindrücklichsten. Etwa weil er Europäer ist?
Es ist sehr zu
begrüßen, daß Jansen sein Missions-Motivationsbuch
von deutschen Autoren neu texten lassen möchte. Manche Konzepte und Perspektiven der „US-Missionsindustrie“
sind bei uns wenig nachvollziehbar. Die Frage ist nur: Bringen wir in den
Kreisen evangelikaler Missionswis
senschaft dazu die nötige Kreativität,
Phantasie und Zusammenarbeit auf?
Er wäre zu wünschen!
Christof Sauer, em 1990-2.
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Jantzen, Hermann. Im wilden Turkestan: Ein Leben unter Moslems. Gießen/Basel (Brunnen): ABC Team, 1988.
Die wohl älteste interdenominationelle Bibel-
und Missionsschule deutscher Sprache war
die 1905 gegründete Allianzbibelschule Berlin (seit 1919 Bibelschule
Wiedenest). Eines ihrer frühesten Ziele war die Ausbildung von osteuropäischen Christen für den missionarischen Dienst in ihren Heimatländern. Einer der
ersten Schüler dieser Bibelschule war Hermann Jantzen, deutschstämmig, aber russischer Nationalität.
Das Buch ist ein bewegendes Buch, das u.a. viele Einblicke in das Leben der deutschsprachigen
Mennoniten in Rußland vermittelt. Sein
größter Wert liegt aber in der Tatsache,
daß es ein direkter Nachdruck seiner
Lebenserinnerungen ist. So ist das Buch eine wichtige Primärquelle für
die Wirkungsgeschichte der
Allianzbibelschule Berlin und der Bibelschule Wiedenest und damit auch für die Geschichte der frühen interdenominationellen Missionsarbeit in Osteuropa und Sibirien. Darüberhinaus wirft
es die Frage nach der Notwendigkeit der
Missionsarbeit unter Muslimen erneut auf.
Dem Buch ist weite Verbreitung zu wünschen!
Klaus Fiedler, em 1989-1.
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Jaumann-Wang, Simone. Changsha - Mit Geduld und Gnade. Wie eine
chinesische Provinzhauptstadt für das Evangelium geöffnet wurde. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn,
1996, edition afem, mission scripts Bd. 10.
China ist im Gespräch. Auf dem internationalen
wirtschaftlichen Markt geben sich Vertreter großer Konzerne und verschiedener
Regierungen die Klinke in die Hand. Der chinesische Markt lockt an, weil die
von Arbeitslosigkeit geplagten westlichen Industrieländer in diesen Markt
ihre ganze Hoffnung auf eine positive Wende setzen.
China ist aber auch auf dem missionarisch-christlichen
Sektor im Gespräch. Manche China-Experten meinen, daß das Land der Mitte
heute schon die mitgliederstärkste Kirche der Welt habe (ca. 60-80 Mill.
protestantische Christen). - Gott kennt die genauen Zahlen.
Das Buch verhilft zu einem sachlichen und historisch
fundierten Verständnis der christlichen Kirche des Landes. China ist zu groß,
zu divers, um anzunehmen, daß mit einem Buch ein abgerundetes Bild
vermittelt werden kann. Das ist auch nicht das Anliegen der Autorin. Dennoch
erhält der Leser einen guten Einblick in die Anfänge der Missionsarbeit, auch
wenn nur am Beispiel einer Provinzstadt. Übersichtlich gegliedert und ehrlich
auf die positiven wie negativen Praktiken der frühen Missionare eingehend,
gewinnt die geschichtliche Darstellung das Interesse und Vertrauen des
Lesers. Die kurzen Abschnitte enthalten oft mehr Information als manche langatmigen
Geschichtsbücher und lassen die Vergangenheit aufleben. Die protestantischen
Missionare haben mehr getan als nur das Evangelium verkündigt oder die
Christianisierung Chinas vorangetrieben. An Hand einzelner Beispiele, die
auch heute noch ein Herz für Mission erwärmen können und die allgemeinen
plakativen Vorurteile ad absurdum führen, Mission zerstöre Kultur und ‘vereinnahme’
den Menschen, wird gezeigt, daß Missionare Sprachen erforschen, Kranken und
Behinderten dienen und Krankenhäuser, Schulen und andere Ausbildungsstätten
bauen (S.30f).
Selbst die Auflösung der alten Sitte der schmerzhaften
‘Fußbindung’ der Frauen wurde von Missionarinnen eingeleitet. Der christliche
Glaube beeinflußte die Gesellschaft mehr als an der Oberfläche erkenntlich
war, auch wenn er ein ‘weißes Gesicht’ trug und Chinesen, die sich ihm
zuwandten, von der Bevölkerung als ‘Reis-Christen’ beschimpft wurden
(S.91f.). Selbst Politiker zogen Missionare zur Beratung heran.
Knapp aber mit Verständnis und Herz wird auch die Zeit der
Verfolgung der Christen angesprochen. Viele Ausländer und gläubige Chinesen
kamen in den wirren Zeiten der verschiedenen Aufstände um. Missionare
blieben im Land und standen den Christen zur Seite. Zusammenarbeit
verschiedener Missionen und Zusammenschlüsse verschiedener Denominationen
verstärkten das missionarische Zeugnis. Verantwortung ging mehr und mehr in
die Hände der Einheimischen über. Die Selbständigkeit der Gemeinden wurde
forciert.
Wie von unsichtbarer Hand vorbereitet, entwickelte sich
die Kirchen- und Missionsgeschichte Chinas auf ein großes Ereignis hin.
Jedoch zuvor erlebten einzelne Provinzen Erweckungen: Studenten
interessierten sich für das Evangelium, so daß die Studentenmission ins Leben
gerufen wurde; Gemeinden lebten das ‘Drei Selbst Prinzip’ aus; theologische
Schulen hatten keinen Studentenmangel und die ‘einheimischen chinesischen
christlichen Gruppen’ belebten das Gemeindebild.
Das genannte Ereignis kam mit der Ausrufung der
Volksrepublik China 1949 und dem bald folgenden Exodus der Missionare. Auch
in der Stadt Changsha verließen 1950-51 die Missionare der CIM-Liebenzell
die Gemeinden. Die Zeit der Kulturrevolution wird im Buch übergangen. Der
Neuanfang mit 1980 bis in die neuere Zeit hinein findet in den letzten Kapiteln
eine kurze, doch gute Darstellung. Die Gemeinde Jesu Christi ist nicht vernichtet
worden. Die Zahl der Christen ist gewachsen, die der Kirchengebäude geringer
geworden.
Die am Schluß angefügten Tabellen von vier
Missionsgesellschaften und deren Mitgliedern, Mitarbeitern, Einrichtungen und
Aktionen sind sehr aufschlußeich und bürgen für ein solides Forschen.
Als einer, der Changsha 1989 besuchte und sich mit den
verschiedenen Kirchenmitarbeitern in ihrer Muttersprache unterhalten konnte,
freue ich mich sehr über das Buch und die saubere Arbeit. Jeder, der sich
für China interessiert, den Menschen und dem Land mit der Liebe Christi
dienen möchte, sollte es gelesen haben. Wer für China beten und die Hintergründe
der jetzigen Gemeindesituation verstehen möchte, kommt an diesem Buch nicht
vorbei. Es beantwortet nicht alles, aber doch vieles!
Siegfried E. Glaw, em 1998-3.
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Jaumann-Wang, Simone (Übersetzerin
und Hg.). James Hudson Taylor: Rückblick. edition afem - mission classics Bd. 3. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn, 1999.
„Habe ich das nicht schon einmal irgendwo gelesen?“ Das
war zu Beginn der Lektüre dieses Buches meine erste Reaktion. Sollte der
Missionspionier Hudson Taylor wirklich auf so viele bekannte Geschichten und
Zitate zurückgegriffen haben?
Erst danach ist mir bewußt geworden, daß es sich um Hudson
Taylors Autobiographie handelt. Es sind so viele Biographien über Taylor
auch auf Deutsch veröffentlicht worden, die dieses Material verarbeitet
haben, daß das Buch paradoxerweise fast wie ein Plagiat erscheint, obwohl es
sozusagen das fast 100 Jahre alte „Original“ ist.
In dieser Autobiographie schreibt Hudson Taylor von seinen
Glaubenserfahrungen und davon, wie er immer wieder bewußt Schritte in seinem
persönlichen Glaubensleben, als Missionar in China, und später auch als Leiter
der China-Inland-Mission getan hat, die auf Gottes Verheißungen basierten.
Die zahlreichen Tagebucheinträge nehmen den Leser noch unmittelbarer
mit hinein in die Zeit der ersten Jahre, die Hudson Taylor als Missionar der
Evangelischen Missionsgesellschaft und als unabhängiger Missionar in China
arbeitete, bevor er nach einem etwa fünfjährigen Aufenthalt in England 1865
die China-Inland-Mission gründete.
Diese Autobiographie ist ein wichtiges Dokument der
frühen protestantischen Missionsarbeit in China, aber vor allem ein Zeugnis
der Treue Gottes, der zu seinen Verheißungen steht!
In der Chronologie der „wichtigen Daten“ im Anhang des
Buches wäre es wünschenswert gewesen, diese Reihe bei einem Buch, das 1999
erschien, auch bis zum Zeitpunkt der Herausgabe fortzuführen.
Dem Verlag für Kultur und Wissenschaft gebührt Dank, daß
er dieses alte Dokument einem deutschsprachigen Leserkreis zugänglich macht,
um Hudson Taylor, einen Mann des Glaubens und großer missionarischer Leidenschaft,
direkt zu uns sprechen zu lassen und nicht nur in Zitaten.
Wolfgang Schröder, em 2000-3.
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Jeyaraj, Daniel. Inkulturation in Tranquebar:
Der Beitrag der frühen dänisch-halleschen Mission zum Werden einer
indisch-einheimischen Kirche (1706-1730). Missionswissenschaftliche Forschungen NF 4.
Verlag der Ev.-Luth. Mission: Erlangen, 1996.
Nachdem Hans-Werner Gensichen als ehemaliger Dozent in
Tranquebar das Interesse an der dänisch-hallischen Missionsarbeit in Tranquebar
lange Jahre wach gehalten hatte und bereits in derselben Reihe mit der
Habilitationsschrift von Anders Norgaard ‘Mission und Obrigkeit’ eine
Gesamtdarstellung der Geschichte der dänisch-hallischen Mission in
Tranquebar von 1706 bis 1845 erschien (Missionswissenschaftliche
Forschungen 22), legt nun ein einheimischer Pfarrer, der 1980 zum
Christentum konvertierte Tamile Daniel Jeyaraj dar, welchen Beitrag die
dänisch-hallische Mission 1706-1733 zur Entstehung einer einheimischen
Kirche in Indien geleistet hat. Ein vierjähriges Forschungsstipendium an der
Universität Halle trug ebenso dazu bei, daß Jeyaraj mit enormer Akribie die
Quellen in Indien, Halle, Leipzig, Kopenhagen und London gründlicher als je
zuvor auswerten konnte, wie die Tatsache, daß ihm tamilische Texte als
Tamile viel vertrauter sind. Kurzum, auch wer meinte, schon alles über
‘Tranquebar’ und Ziegenbalg zu wissen, wird hier auf eine Fülle neuer Einsichten
stoßen.
Die pietistischen Missionare in Tranquebar wollten von
Anfang an „im Gegensatz zur heimischen Missionsverwaltung“ (S.173) eine
einheimische Tamilenkirche mit einheimischen Pastoren aufbauen und standen
damit – und nicht nur in dieser Frage – im Gegensatz zu Kolonialherren und
europäischen Leitungsgremien. Bereits drei Jahre nach seiner Ankunft bat
Ziegenbalg den dänischen König um Erlaubnis, einen Einheimischen ordinieren
zu dürfen (S.288), worauf er jahrelang keine Antwort erhielt. Erst nach 27
Jahren durfte der erste tamilische Pfarrer ordiniert werden, womit auch der
Untersuchungszeitraum Jeyarajs endet. Auch sonst gibt es nicht nur
Erfreuliches über die pietistische Missionsarbeit zu berichten. So zeigt
Jeyaraj auf, daß die Wiedereinführung des Kastenwesens in die junge Tamilenkirche
im Todesjahr August Hermann Franckes 1727, nachdem man zunächst konsequent
das Kastenwesen bekämpft hatte, verheerende Konsequenzen hatte, so daß die
Missionare schließlich selbst merkten, wie unglaubwürdig die Kirche wurde
(S.223-234). (William Carey lernte daraus und bekämpfte jeden Einfluß des
Kastenwesens auf die einheimischen Kirchen.) Kurzum, viele Ergebnisse des
Buches erinnern uns daran, daß das Evangelium in jeder Kultur durch einen
mühsamen Prozeß heimisch werden muß und daß diese Frage nicht erst unsere Generation
beschäftigt.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1998-1.
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Joachim Wietzke (Hg.). Mission
erklärt. Ökumenische Dokumente von 1972 bis 1992. Evangel. Verlagsanstalt:
Leipzig, 1993.
Dieses wichtige Buch, herausgegeben vom Theologischen
Referenten im Evangelischen Missionswerk Hamburg und längjährigen Missionar
in Indien, Joachim Wietzke, möchte eine Orientierungshilfe bieten für Leser,
die durch die gegenwärtige Diskussion über Mission verunsichert sind. Anhand
offizieller kirchlicher Verlautbarungen wird die ganze Bandbreite der
weltweiten Christenheit zum Thema Mission und Evangelisation von 1972 bis
1992 dokumentiert. Wir finden die wichtigsten Dokumente der evangelischen
und katholischen ökumenischen Bewegung von Kirchenräten und
Bischofskonferenzen, Dokumente der Missionsorden und Aktionsgruppen von
Evangelisationskonferenzen. Dokumente aus dem deutschsprachigen Raum stehen
neben wichtigen Dokumenten des Lausanner Kongresses für Weltevangelisation
und den Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls wie Evangelii nuntiandi
(1975) und Redemptoris missio (1990). Das Wesen und der Geist der Evangelisation
werden ebenso erörtert wie ihre Adressaten und Träger. Aus den Dokumenten
wird aber auch deutlich, daß sich die Missionstätigkeit noch in den
allerersten Anfängen befindet. Die Konsultation der Ost-Orthodoxen und
Orientalisch-Orthodoxen Kirchen in Neapolis (1988) verdeutlicht, daß auch
diese Kirchen neu über die Bedeutung der Mission nachdenken. Mission
beginnt in der Ortsgemeinde. Das wird aus dem Missionsverständnis der
Methodistischen Kirche ersichtlich. Mission ist gleichbedeutend mit Reform
der Kirchen und umspannt die ganze Welt.
Die in diesem Band gesammelten Dokumente machen deutlich,
daß sich die missionarische Vitalität des Christentums heute in die Kirchen
des Südens verlagert hat. Wir müssen dem Herausgeber dankbar sein für diese
Zusammenstellung weitverstreuter Texte. Es gibt gegenwärtig keine bessere
Dokumentation zum wissenschaftlichen Verständnis der Mission. Man kann nur
hoffen und wünschen, daß alle Kirchen sich mit diesen Dokumenten beschäftigen.
Prof. Dr. Karl Rennstich, em 1997-1.
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Johnson, David; Jeff
VanVonderen. Geistlicher
Mißbrauch – Die zerstörende Kraft der frommen Gewalt. Projektion J: Wiesbaden, 1996.
Erfreulich, daß ein Verlag, der häufig tabuisierte Themen
anpackt, auch dieses Buch zweier US-amerikanischer Pastoren dem deutschsprachigen
Leser zugänglich gemacht hat. Es ist auf Englisch bereits 1991 unter dem
Titel „The Subtle Power of Spiritual Abuse“ erschienen. Was verbirgt sich
hinter dem provozierenden Begriff „Geistlicher Mißbrauch“? Johnson und
VanVonderen definieren ihn als „falschen Umgang mit einem Menschen, der
Hilfe, Unterstützung oder geistliche Stärkung braucht, mit dem Ergebnis, daß
dieser betreffende Mensch in seinem geistlichen Leben geschwächt und
behindert wird“ (S.23).
Im ersten Teil des Buches beschreiben die Autoren die
Opfer, im zweiten Teil geht es um die Täter und die Gründe für ihr Handeln.
Der abschließende dritte Teil zeigt Schritte zur Heilung nach geistlichem
Mißbrauch auf.
Eine Reihe von Fallbeispielen verdeutlicht ein immer
wiederkehrendes Schema: Der verletzte Mensch wendet sich an eine Person, die
er für eine geistliche Autorität hält und wird noch tiefer verletzt. Das Alte
und das Neue Testament nennen Beispiele von geistlichen Hirten, die ihren
Schafe eine Last auferlegen, anstatt sie zu umsorgen.
Die Autoren erläutern zwar den geistlichen Mißbrauch durch
falsche Autoritäten, warnen aber auch wiederholt davor, christliche Leiterschaft
grundsätzlich in Frage zu stellen. Sie geben Kriterien an, anhand derer man gesunde
und kranke Systeme voneinander unterscheiden kann. „Nicht alle starken
christlichen Führer begehen Mißbrauch … Doch im Gegensatz zu einem System,
das keinen Mißbrauch betreibt, ist es in einem mißbrauchenden System nicht
erlaubt, über Probleme, Verletzungen und Mißbrauch zu sprechen. Daher gibt es
für die Wunde keine Heilung und Erneuerung, und das Opfer hat sich schuldig
zu fühlen, überhaupt etwas in Frage gestellt oder auf ein bestimmtes Problem
hingewiesen zu haben“ (S.37). Die „Nicht-Sprechen-Regel“, die aufgestellt
wird, um eine falsche Harmonie zu wahren, ist bereits wesentlicher, subtiler
Bestandteil des geistlichen Mißbrauchs. Ähnlich wie Ehefrauen den
Alkoholismus ihrer Männer um des „Friedens“ willen decken (sogenannter
Ko-Alkoholismus), decken Gemeindeglieder um des „Friedens“ willen den
mißbrauchenden Täter. Demjenigen, der auf ein Problem hinweist, wird gesagt:
„Du bist das Problem!“
Wichtig ist die Erkenntnis, daß Opfer auch gleichzeitig
Täter sein können, wenn sie zum Beispiel den auf sie ausgeübten Druck an den
Ehepartner oder an die Kinder weitergeben. Auf diese Art gebiert ein krankes
System immer wieder neue Opfer und Täter. Deshalb ist es notwendig, die
Mechanismen des geistlichen Mißbrauchs aufzudecken und aus der teuflischen
Spirale auszubrechen.
Erstaunlicherweise bleiben Opfer oft sehr
lange in dem mißbrauchenden System gefangen oder geraten immer wieder neu in
eine solche Situation hinein. „Der Grund … ist der, daß sie so gut ‘passen’“
(S.226). Sie haben Machtlosigkeit erlernt! Um geheilt zu werden, muß das
Opfer seine eigene Wurzeln verstehen lernen. Dazu bedarf es aber eines
stabilen Umfeldes mit gesunden Beziehungen. Deshalb ist es für Opfer eine
wichtige Feststellung, daß Flucht durchaus eine richtige Lösung sein kann
(auch wenn in vielen Predigten Flucht grundsätzlich als ungeistlich
verurteilt wird). Die Autoren geben eine Faustregel als Entscheidungshilfe:
„Wenn die Gemeindeleitung der Gnade den richtigen Stellenwert einräumt … hat
die Gnade eine Chance. Schafe neigen dazu, ihren Hirten zu folgen. Wenn die
Gemeindeleitung jedoch Macht einfordert und verhaltensorientiert ist, ist
die Chance, die Situation zum Guten zu verändern, sehr gering. … Wenn das
der Fall ist, sollten Sie vielleicht besser gehen“ (S.253).
Ein lesenswertes Buch für Leiter und Mitarbeiter in
Gemeinde und Mission.
Dr. Volker und Martina Kessler, em 1998-2.
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Johnstone, Jill. Kinder beten für die Welt. Neuhausen: Hänssler, 1993.
Die Juniorversion von „Gebet für die Welt“ präsentiert
ausgewählte Informationen kindgerecht in
der Form eines Populär-Sachbuches. Für jede Woche des Jahres werden
Geschichten erzählt über ein Volk wie die Zulu
oder ein Land wie die Mongolei. So
werden 26 unerreichte Volksgruppen und 26 missionarisch am stärksten vernachlässigte Länder mitsamt jeweils
sieben kurzgefaßten Gebetsanliegen vorgestellt. Großflächige farbige
Zeichnungen und geographische Skizzen unterstützen die Darstellung. Die gelungene Verwirklichung ihrer
guten Idee hat die Autorin (Ehefrau von Patrick
Johnstone) leider nicht mehr erlebt. Eine
internationale Co-edition in vielen Sprachen macht den angemessenen Preis für die gute Ausstattung
möglich. Die im Inhaltsverzeichnis
angekündigte Seite 128 mit einem Index
fehlt leider. Daß die Reihenfolge der Gruppen sich alphabetisch nach
den englischen Namen richtet, stört nicht weiter. Geeignet ist dieses einmalige Buch (nicht nur für Kinder) vom ersten Lesealter an, auch zum Vorlesen. Eine
hervorragendes Mittel, um Kindern Weltmission
nahezubringen und sie zum Mitbeten zu
bewegen!
Christof Sauer, em 1994-3.
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Johnstone,
Patrick. Gebet
für die Welt. Handbuch für
Weltmission. Informationen über alle Länder der Erde. Dt.
Ausg. bearb. von Thomas und Christine
Schirrmacher. 6. Aufl., Neuhausen: Hänssler, 1994.
Johnstone, Patrick. Operation
World. Pray
for the World. 5th rev. ed., Carlisle: OM
Publishing, 1993.
Endlich ist die einzigartige
Missions-Gebets-Information von
Patrick Johnstone wieder in einer aktuellen Ausgabe erhältlich. In beiden Sprachen handelt es sich trotz der unterschiedlichen
Auflagen- und Nachdruckzählungen
eigentlich um die dritte, grundlegend veränderte Ausgabe aus
Johnstones Hand. Die englische Ausgabe
erschien September 1993
(Informationsstand 30.4.1993). Die deutsche Übersetzung und Bearbeitung (März 1994) beruht auf schon früher vorliegenden und teilweise über die englische Ausgabe hinaus von
Johnstone bearbeiteten Manuskripten. Weitere
Ausgaben sind angekündigt oder bereits
erschienen in: Chinesisch, Holländisch, Französisch, Koreanisch, Spanisch und Portugiesisch (Auskünfte
bei: OM-Publishing, POB 300, Carlisle, Cumbria, CA3 OQS, UK). Die folgende vergleichende Besprechung kann
nur einen ersten Gesamteindruck wiedergeben, ohne sich mit inhaltlichen
Einzelheiten auseinanderzusetzen.
Gegenüber früheren Auflagen hat
Johnstone nach eigenen Angaben versucht, andere theologische und politische
Standpunkte stärker wahrzunehmen.
Zielgruppe sind aber nach wie vor protestantische Evangelikaie, die durch Gebet an der Erfüllung des Missionsauftrages teilhaben möchten.
Das Buch teilt sich auf
in: Vorbemerkungen, Beschreibungen der Welt als ganzer und unterteilt in 10 Regionen und in 227 Länder von A-Z,
22 spezielle missionarische Dienste und Anliegen und schließlich 8
Anhänge mit Übersichten über Staatsoberhäupter, Missionsgesellschaften und -Zusammenschlüsse, Adressen, Statistiken, Grafiken,
Definitionen, Quellen- und Literaturangaben. Kein Wunder, daß der Textumfang
sich verdoppelt hat und einiges detaillierter ist als früher. Der
überwiegende Teil der Information ist als Gebetsanliegen formuliert und nach
einem Kalendarium aufgeteilt, so daß man sich in einem Jahr „durch das Buch“ und „um die Welt“ beten kann.
Eine inhaltliche
Auseinandersetzung vor allem mit den statistischen Angaben (im Weltüberblick, im Anhang und in den Grafiken) und ihrer
Bedeutung für Mission heute wäre einen eigenen Artikel von kundiger Hand
wert. Stark vermehrt und wesentlich detaillierter beschrieben wurden die nun
22 „speziellen Dienste“. Entfallen sind
die Stichworte Forschungszentren für
Mission und Missionarskinder, während 12 neue dazugekommen sind:
AD2000, Jesusfilm, Hunger- und Entwicklungshilfe, Medizinische Missionsarbeit, Mission mit Schiffen,
Kurzzeitmissionare, Die völlige Durchdringung eines Landes mit dem Evangelium
und Gemeindegründung, Stadtevangelisation,
Internationale Kooperation, Gebet, „Gebet für die Welt“, und die
Wiederkunft Jesu.
Worin unterscheidet
sich die deutsche Ausgäbe von der englischen? (1) Insgesamt macht die
deutsche Ausgabe einen etwas besseren optischen Eindruck, der Druck, vor
allem der Karten erscheint schärfer und
das Papier besser. Das großzügigere
Layout der Tabellen trägt seinen
Teil dazu bei. Vor allem gegenüber der vorangehenden kleinformatigeren
deutschen Ausgabe auf billigem Papier ist ein wesentlicher Fortschritt erreicht. (2) Zusätzliche Abschnitte:
ein weiteres Vorwort, der erneut abgedruckte
Artikel über „Mission unter unerreichten
Volksgruppen“ von T. Schirrmacher und 15 Seiten Adressen
deutschsprachiger Missionen. (3)
Ergänzungen: Es wird statistisch
ergänzt mit Informationen über deutschsprachige Werke, jedoch nicht in den
Regionalartikeln. Vereinzelt finden sich im übrigen Text ergänzende Hinweise für deutschsprachige Leser. Der Artikel über Deutschland ist
teilweise verändert.
Bei der Übertragung
eines solchen Mammutwerks bleiben Mängel natürlich nicht aus: Die Übersetzung und Lektorierung wirkt hin und
wieder flüchtig, in einzelnen Fällen muß man die englische Ausgabe zu Rate ziehen,
um den Sinn zu enträtseln. Zum Schmunzeln ist die Wiedergabe von „nonresidential missionary“ durch „nichtseßhafter
Missionar“ (S.715). Die extrem
komprimierte Ausgangssprache wird dem
Rezensenten zu häufig in schwer lesbare Schachtelsätze und zu substantivisch
übersetzt.
Schlampig erscheint bei näherem Hinsehen ein Teil der
Grafiken: Die regionalen Übersichtskarten sind uneinheitlich gestaltet, teilweise leidet die Übersichtlichkeit (wenn Flüsse und
Grenzen als „Gräben“ gezeichnet werden, vgl.
Islamische Welt). Auf fast jeder Karte fehlen Ländernamen. Dieselben
Übersichtskarten werden bei den Länderartikeln zur Lokalisierung verwendet. Die Pazifikkarte ist dabei unnötig
winzig geraten. Die thematischen Grafiken,
die in Gegensatz zur englischen Ausgabe angenehmerweise im Anhang gesammelt
wurden, sind leider zu stark verkleinert und uneinheitlich gestaltet
worden. Ihre Reihenfolge erscheint nicht
nur uneinsichtig, sondern unsinnig.
Genauso wenig nachgedacht wurde bei der Grafik über die
„Zusammensetzung der Zahl der protestantischen Missionare“ (S.810).
Schematisch übersetzte
Schlüsselbegriffe in der Grafik verkehren die Aussage ins Gegenteil.
Letztes Beispiel: Im Inhaltsverzeichnis werden die Regionen von Karibik bis Islamische Welt in falscher
Reihenfolge und mit falschen Seitenangaben
aufgeführt. Die gravierenden Mängel
sind korrigierbar und sollten in einem Nachdruck behoben werden. Dem Verleger gebührt, zusammen mit dem Autor und den Bearbeitern, der Dank dafür,
daß sie breitenwirksam das Missionsinteresse fördern.
Christof Sauer, em 1994-3.
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Johnstone, Patrick. The Church is bigger than you
think: Structures and Strategies for the Church in the 21st century. Christian Focus Publications und WEC International: Fearn und
Gerrards Cross/GB, 1998.
Viele Menschen haben so ein negatives und pessimistisches
Bild von der Kirche und ihrer Mission. Patrick Johnstone möchte dieses einseitige
Bild korrigieren. Die Kirche ist größer und lebendiger, als viele wahrhaben.
Sie ist Gottes Plan von Ewigkeit her. Er hat einen Plan mit ihr und der Welt.
Patrick Johnstone möchte Christen helfen, strategisch zu denken und sich in
Gottes Plan einzugliedern.
Im ersten Teil entwickelt der Autor Gottes Schau und Plan
für die Kirche und Welt anhand von Jesaja 52-54. Im zweiten Teil zeigt er,
wie durch die Kirchengeschichte hindurch dieser Plan Gottes immer wieder
übersehen, an die Seite geschoben oder marginalisiert wurde. Unglaube,
Ungehorsam und Egoismus spielten eine große Rolle in der Geschichte der
Kirche und der Mission.
In einem dritten Teil untersucht P. Johnstone die
Entwicklung der Missionsarbeit der letzten zwei Jahrhunderte und besonders in
den letzten vierzig Jahren. In Übersichten und anhand von Beispielen macht
er deutlich, was erreicht worden ist und welches die verbleibenden Herausforderungen
und Aufgaben sind.
In einem vierten, hochinteressanten Teil analysiert der
Autor biblische und geschichtliche Strukturen der Missionsarbeit und stellt
die Frage, inwieweit die einzelnen Strukturen in der Missionsarbeit hilfreich
oder hinderlich waren. Ihm geht es dabei vor allem auch um das Zusammenspiel
von Kirche (gathering structure), Mission (sending structure) und
theologischer Ausbildung (training structure). Nach Johnstone betrachtet die
Bibel diese Strukturen als sich gegenseitig stärkend und gemeinsam ausgerichtet
auf die Evangelisation der Welt - die eigentliche Aufgabe der Kirche.
P. Johnstone verfolgt das Problem der rechten Strukturen
durch die Kirchen- und Missionsgeschichte. Er fragt dann am Schluß: Wie kann
sich eine Ortsgemeinde auf ihre Aufgaben in der Weltmission einstellen? Was
müssen Bibelschulen und theologische Fakultäten tun, um sich echt auf die
Kirche und die Mission auszurichten? Was müssen Missionsgesellschaften
tun, um Gemeinden zu helfen, ihren rechten Platz in der Mission zu finden?
Patrick Johnstone, Autor von „Gebet für die Welt“
(Operation World) hat eine Menge wichtiger Informationen in diese 314 Seiten
gepackt. Kein Wunder, daß Dr. Kenneth B. Mulholland, Akademischer Dekan der
Columbia International University, das Buch als „unverzichtbaren Begleiter
zu ‘Gebet für die Welt’“ bezeichnet hat.
Dr. Dietrich Kuhl, em 1998-4.
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Johnstone, Patrick; John
Hanna; Martin Smith (Hg.). Gebet für unerreichte Völker. Das 10/40-Fenster. One Way Verlag: Wuppertal, 1997.
Dieses Buch existiert bereits in 22 Sprachen. Es wurde von „AD 2000 and Beyond“
in Colorado unter dem Originaltitel „Praying through the Window III: The
Unreached People“ veröffentlicht.
Schon im Vorwort des leitenden Redaktors erkennt man die
Vielfalt der Quellen. Hier wird ein überzeugendes gemeinsames Ziel verfolgt,
die Erreichung aller „unerreichten Völker“ dieser Welt.
Selbst ein Missiologe wird kaum alle der in den
Dankesworten erwähnten Organisationen und deren Schwerpunkt kennen, wie soll
da ein Laie reagieren? Aber genau das trifft den Nerv dieses Gebetsbuches. Es
geht offenbar in der Weltevangelisation gar nicht um einzelne Organisationen,
sondern um eine sinnvolle Vernetzung Vieler zur Ehre des einen Herrn der
Ernte!
Das übersichtliche Gebetbuch - und als solches sollte es
verstanden werden - besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil nehmen sechs
bekannte Autoren kurz Stellung zu der Entstehungsgeschichte des Buches, zur
Bedeutung des Gebets und zu einigen Fachausdrücken. Die Wichtigkeit des
Gebetes wird wie folgt beschrieben: „Wie ständig laufendes Wasser einen Kanal
in den härtesten Stein schneiden kann, so können beständige Gebete für die
unerreichten Völker Kanäle des Segens Gottes bilden und dazu führen, daß
sich das Reich Gottes ausbreitet“ (173).
Im zweiten Teil werden 129 von 140 sogenannten
„Gateway-People-Clusters“ vorgestellt. Diese Völker stellen Tore für die
Evangelisation vieler verwandter Volksgruppen dar. Die Herausgeber haben
„alles in unserer Macht Stehende getan, um jedes Profil (einer Volksgruppe)
so vollständig und aktuell wie möglich zu gestalten, doch es gibt immer
wieder neue Informationen über diese Gruppen“ (42). Korrekturen sind von den
Autoren daher sehr erwünscht! Der zweite Teil ist der Wichtigste, denn er
ist zur Familienandacht, zum privaten Gebrauch, für Gemeindeanlässe etc.
gedacht. Die Autoren liefern darin praktische Beispiele für das Gebet.
Im dritten Teil werden auf 24 S. wertvolle Tips für
Volksadvokaten, Gebetsreisen, Informationen zum Josua-2000-Projekt und
einige wichtige Adressen genannt.
Ein gutes Buch, nicht zur intellektuellen Lektüre
gedacht, aber zur „Herzenserweiterung“ durch das inständige Gebet! Ich hätte
mir gewünscht, daß alle Artikel noch ausführlicher ausgefallen wären.
Dr. Marco Gmür, em 1998-3.
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Jongeneel, Jan A. B. Philosophy, Science and
Theology of Mission in the 19th and 20th Century. A Missiological Encyclopaedia.
Part 1: The Philosophy and Science of Mission. Frankfurt: Peter Lang,
1995.
Jongeneel, Professor für Missionswissenschaft in Utrecht,
legt den ersten Band seiner faszinierenden Enzyklopädie der Missiologie in
englischer Übersetzung vor. Der auf zehnjähriger Arbeit beruhende,
gigantische Forschungsbericht schildert den Forschungsstand der Missiologie
und erschließt das Fach durch eine ausführliche kommentierte Bibliographie
für das 19. und 20. Jahrhundert. Jongeneel will mit seinem Werk zugleich eine
wissenschaftstheoretische Fundierung der Missiologie erreichen, weil er
meint, daß sie sonst im Fächerkanon nicht richtig ernst genommen werde. So
diskutiert er ausführlich die verschiedensten Namensgebungen für das Fach,
hält jedoch ‘Missiologie’ für den umfassendsten und treffendsten Begriff.
Weiter untersucht er die Konzepte, Methoden und Zweige der Missiologie. Er
teilt sie auf in „Philosophie“ (oder Wissenschaftstheorie) und „Wissenschaft“
(oder Empirie) (beides in Bd. 1), sowie in „Theologie“ (für Bd. 2
angekündigt). Dabei und in der weiteren Feingliederung möchte Jongeneel eine
exakte Analogie zur Religionswissenschaft erreichen. Die Hälfte des Bandes
ist der Empirie der Mission gewidmet, aufgeteilt in Linguistik, Geschichte,
Geographie, Statistik, Ethnologie, Soziologie, Recht, Ökonomie, Psychologie
und Pädagogik. Eine Auseinandersetzung mit dem enzyklopädischen Konzept muß
ebenbürtigen Fachgelehrten überlassen bleiben. Aber als wissenschaftstheoretische
und bibliographische Einführung in das Fach wird kein Student der Missiologie
um dieses Werk herumkommen, schon gar nicht als Doktorand. Deshalb sollte es
in keiner Fachbibliothek fehlen. Es ersetzt aber weder eine stärker
inhaltliche Einleitung in die Missiologie (Van Rhenen, Verstraelen, Verkyl)
noch eine eigentliche Missionslehre bzw. -theologie (Warneck, Bosch,
Beyerhaus). Leider sind die bibliographischen Partien durch eine wenig
geeignete Computertype schlechter lesbar als der restliche Text.
Christof Sauer, em 1998-1.
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Josua, Hanna (Hg.). Allein der Gekreuzigte. Das Kreuz
im Spannungsfeld zwischen Christentum und Islam. Holzgerlingen: Hänssler Verlag, 2002.
Diese von Hanna Josua herausgegebene Festschrift zum 60.
Geburtstag von Manfred Bittighofer – heute Pfarrer an der Stiftskirche
Stuttgart, zuvor langjähriger Leiter der Missionsschule Unterweissach –
umfasst elf Aufsätze zu einem, oder besser gesagt zu „dem“ Zentralthema
christlicher Theologie, der Begründung und Bedeutung der Kreuzigung Jesu. Die
theologischen Aufsätze und Betrachtungen vergewissern Christen zum einen
ihres eigenen Glaubens und beleuchten unter verschiedenen Aspekten das
Geschehen der Kreuzigung Jesu als ein für Christen unter keinen Umständen
aufgebbares Glaubensgut. Sie befähigen aber auch dort zur klaren Positionierung,
wo andere Religionen (wie z. B. der Islam) davon abweichende Erlösungswege
entworfen haben oder wo man auch in der Theologie allzu leicht bereit war,
den Stolperstein dieses schmachvollen Todes aus dem Weg zu räumen. In den
inhaltlich und formal divergierenden Beiträgen wird die Kreuzigung als das
eine Ereignis der Weltgeschichte erläutert, durch das all diejenigen
Errettung, Vergebung von Schuld, unverdiente Begnadigung, Annahme bei Gott
und Gewissheit des Glaubens und des Heils erlangen können, die sich auf Jesu
Tod berufen. Es gibt viele Gründe, sich viel mehr für das bisher sträflich
vernachlässigte gutnachbarschaftliche Miteinander von Christen und Muslimen
einzusetzen. Während das Miteinander vernachlässigt wurde, wurden nicht
selten in der Theologie stattdessen dort Kompromisse gefunden, wo sie
fundamentale christliche Glaubenswahrheiten betreffen. Ein
erfolgversprechenderer Weg des christlich-islamischen Dialogs hätte gerade
umgekehrt verlaufen müssen: Während Christen sich ihrer Theologie (auch ihrer
Kreuzestheologie) hätten gewiss bleiben können und müssen, hätten sie
gleichzeitig das Mitmenschliche mit ihren muslimischen Nachbarn viel stärker
leben müssen.
Es gibt Punkte im christlich-islamischen Dialog, bei denen
sich die Wahrheitsfrage gar nicht stellt: kulturelle Unterschiede z. B., bei
denen die gegenseitige Achtung und der Respekt voreinander die Beziehung
bestimmen sollten. Bei anderen Fragen des Dialogs gehen die Positionen
auseinander, aber doch nicht so, daß man keine Gemeinsamkeiten als
Anknüpfungspunkte mehr finden würde (wie z.B. bei den Prophetenerzählungen
in Koran und Bibel). Von den Gemeinsamkeiten ausgehend können in einem
ehrlichen Dialog dann auch die Unterschiede benannt werden. Aber dann gibt es
auch Positionen im Dialog, die unaufgebbar sind, die zu den Grundwerten und
-bestand-teilen des eigenen Glaubens gehören. Ein solcher Grundwert des
christlichen Glaubens ist die Kreuzigung Jesu. Die Kreuzigung Jesu ist eine
Wasserscheide des christlich-islamischen Dialogs. Sie trennt die
kompromisslose, ja empörte Ablehnung der Kreuzigung des Korans und der
islamischen Theologie von der biblisch-christlichen Auffassung über das Kreuz
als Begründung und Ausgangspunkt der gesamtem christlichen Soteriologie. Bei
einer entschiedenen Ablehnung des Kreuzes endet der Dialog nicht selten, bei
seiner Annahme findet der Suchende Vergebung und neues Leben. Das Wort vom
Kreuz ist und bleibt eine Gotteskraft, die auch heute Menschen verändert und
erneuert. Hanna Josua hat mit der Kreuzigung das Fundament und den Anfangspunkt
des christlichen Glaubens zum Thema seiner Festgabe gemacht. Wer wäre dazu
besser geeignet gewesen als ein im Libanon geborener und in Deutschland
lebender Islamwissenschaftler und Theologe, Pfarrer der Evang. Arabischen
Gemeinde Stuttgart und Doktorand der Missionswissenschaft - das Kreuz bleibt
immer das Zentrum.
Dr. Christine Schirrmacher, em 2003-2.
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Jung, Friedhelm. Die deutsche Evangelikale Bewegung - Grundlinien
ihrer Geschichte und Theologie.
Biblia et symbiotica 8. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn, 1994 - 2.
Auflage (1. Aufl.: Lang: Frankfurt, 1992).
Jungs Dissertation (Marburg 1991) ist eine gelungene
konfessionskundliche Abhandlung über die Evangelikale Bewegung (EB), also
keine Selbstdarstellung oder eine kritische Auseinandersetzung mit ihr. Der
Ausdruck „evangelikal“ hat sich in Deutschland erst Mitte der sechziger Jahre
eingebürgert und ist zur Selbstbezeichnung einer vielfältigen Bewegung
geworden, die Anliegen der Freikirchen und der Gemeinschaftsbewegung (also
der Deutschen Evangelischen Allianz) sowie der Bekenntnisbewegungen
miteinander verband. Jung, selbst Freikirchler, geht es um die Bewegung mit
diesem Namen, er behandelt also den Zeitraum von etwa 1966 bis 1991. Die
Wurzeln im angelsächsischen Raum und in den deutschen Erweckungsbewegungen
werden dementsprechend im ersten Teil nur kurz skizziert. Im Mittelpunkt
stehen die Entwicklung der EB in Deutschland (2. Teil) und ihre theologischen
Grundpositionen (3. Teil).
Ein Hauptanliegen der EB, auf das ich mich in meiner
Kurzbesprechung beschränken will, ist Mission und Evangelisation. Nicht
zufällig trägt die „Konferenz evangelikaler Missionen“ (1969, seit 1974 AEM)
als erste das Wort „evangelikal“ in ihrem Namen. Angestoßen durch den
Weltkongreß für Evangelisation mit Billy Graham 1966 in Berlin gewinnt sie
durch die Frankfurter Erklärung und die Lausanner Verpflichtung ihr Profil.
Die Freie Hochschule für Mission und der AfeM sind weitere wichtige
Exponenten dieser Richtung. EB und Mission lassen sich nicht voneinander
trennen.
Auch bei der Darstellung von Grundpositionen
evangelikaler Theologie ist das Missionsverständnis ein wichtiger Punkt. In
Auseinandersetzung mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen wird deutlich, daß
„der Biblizismus der Evangelikalen … letztlich ausschlaggebend für ihr
Missionsverständnis (ist). Aus der Bibel aber ersehen sie, daß die Verkündigung
des Wortes vom Kreuz und der Ruf zur Bekehrung der zentrale Auftrag der
christlichen Gemeinde ist. Daher wird der Predigt auch grundsätzlich der
Vorrang vor der Diakonie zugesprochen“, ohne die sozial-diakonische Tat für
überflüssig zu halten (198f). Die Missionstheologie ist heilsgeschichtlich
geprägt und wartet auf die Vollendung in der Parusie Christi. Umsichtig
werden auch die anderen Teile der EB behandelt, ein besonderer Akzent liegt
auf der Auseinandersetzung mit der Pfingst- und der Charismatischen Bewegung.
Insgesamt ist Jungs gut dokumentiertes Buch (S.229-351
Anmerkungen, dann Dokumente, S.380-400 Literaturverzeichnis) eine wichtige
Hilfe, um Verständnis für die EB zu wecken. Also weniger ein Buch für „Insider“,
das aber nichtsdestoweniger auch von diesen zur Kenntnis genommen werden
sollte.
Dr. Johannes Triebel,em 1996-1.
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Kaldewey, Jens. Die
Starke Hand Gottes. Der fünffältige Dienst. Schweiz: Oberwenigen.
Koinonia- Verlag. Deutschland: Emmelsbüll C&P Verlag. 2001.
In der Kirchen- und Missionsgeschichte tauchen immer
wieder biblische Prinzipien und Erkenntnisse auf, die während Jahrzehnten
oder auch Jahrhunderte nicht mehr beachtet wurden. Das gilt für die
Reformation (Schriftver-ständnis), Täuferbewegung (Freie Gemeindegründungen),
Pietismus (Persönliche Frömmigkeit), Heilungsbewegung (Heiligkeit,
Heiligung), Pfingstbewegung (Bedeutung des Sprachenredens), Evangelikale
Missionen (Glau-bensmissionen), Charismatische Bewegung (Bedeutung der
Geistesgaben). Diese Liste ist nicht vollständig.
Die Geschichtsschreiber werden sich bald einmal die Frage
stellen: Welches sind die Wiederentdeckungen des Dritten Jahrtausends? Meines
Erachtens zeichnet sich bereits ein Trend ab, der erfreulicherweise an
verschiedenen Orten der Welt gleichzeitig großen Einfluss gewinnt. Während
Jahrhunderten wurde der Begriff Missionar einseitig benutzt. In den letzten
Jahren erlebte der Begriff eine positive Erweiterung. Wir sprechen heute von
Langzeitmissionaren, Kurzzeitmissionaren, spezialisierte Mission (z.B Sprachwissenschaftler), Zeltmacher (Missionare
die in ihrem Erst- oder Nebenberuf unterwegs sind.) usw. Nun gibt es im
angelsächsischen Raum eine Vielzahl von neuen Büchern die im Titel den
Begriff Apostel verwenden. Viele Missiologen sind sich einig, dass nicht
jeder Missionar ein Apostel ist, aber jeder echte Apostel ein Missionar ist.
Auch hier wird je nach Affinität unterschieden: paulinischer, petrinischer,
johanninischer Apostel ect. Wo aber sind griffige, biblische Beschreibungen
über Wesen, Berufung und Dienst eines Apostels und in welchem Zusammenhang
wirkt er mit den anderen Diensten?
Der deutsche Theologe und Seelsorger Kaldewey hat in
seinem Buch „Die Starke Hand Gottes“ das Thema aufgegriffen. Ich sehe es als
einen mutigen Anfang einer thematischen Auseinandersetzung, um welche die Missionswissenschaft
nicht herumkommen wird. Der Untertitel „Der fünffältige Dienst“ weist auf die
Schlüsselstelle in Eph. 4.11 hin. Kaldewey beschreibt zuerst sehr illustrativ
an Hand der fünf Finger den „Fünffachen Dienst“ der Gemeinde (Apostel,
Propheten, Lehrer, Hirten und Evangelisten) um dann auf das Zusammenwirken
der Dienste einzugehen.
Die Synergie aus der Zusammenarbeit der einzelnen Dienste
lässt erahnen wie viel Segen im Laufe der Jahrhunderte in der Missionsarbeit
verloren gegangen ist. Die Wiederentdeckung dieser Wahrheit lässt uns den vielfachen
Dienst von Jesus Christus neu aufleuchten. Es schärft unser synopitsches
Denken. Der Leser der vier Evangelien erkennt in Matthäus den Apostel, in
Markus den Evangelisten, in Lukas den Lehrer und Hirten und in Johannes den
Propheten. In der Apostelgeschichte kommen aber diese unterschiedlichen
Begabungen dynamisch, teammässig zusammen. Die Missionspraxis, die der Autor
als „Non-Resident Missionar“ kennt, fliesst in den Text ein. Kaldewey dient
seit acht Jahren mit regelmäßigen Teameinsätzen in Indien, wo durch eine
schweizerisch-indische Missionspartnerschaft in acht Jahren die beachtliche
Zahl von über 8000 neuen Gemeinden (vorwiegend Hausgemeinden) entstanden
sind. Damit eine Umsetzung auch in Europa geschieht, finden sind am Ende
jedes Kapitel gezielte Fragen zum Weiterdenken, diskutieren und vertiefen.
Kaldewey schreibt aus der Sicht eines Lehrers. Er legt eine wertvolle
lehrmäßige Grundlage, die nun praktisch und strategisch durch weitere Autoren
vertieft werden muss. Darin liegt der Wert, aber auch die Begrenzung dieses
Buchs. Ich warte gespannt auf weitere, deutschsprachige Autoren zu diesem
Thema.
Dr. Marco Gmür, em 2002-3.
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Kalmbach, Karl. Mit Gott von Mensch zu Mensch.
Aus der Geschichte der Liebenzeller Mission. Verlag der Liebenzeller Mission: Lahr, 1999.
Rechtzeitig zum 100jährigen Jubiläum erscheint dieser
Sammelband mit Beiträgen zu Geschichte und Gegenwart der Liebenzeller Mission
(LM). Karl Kalmbach ist selbst Liebenzeller Missionar und hat den Stoff
nicht nur zusammengetragen und geordnet, sondern auch hier und da engagiert
kommentiert.
Der erste Hauptteil bringt eine Übersicht über die
Entstehungsgeschichte des Werks. Die Gründung wird als Deutscher Zweig der
China-Inland-Mission in Hamburg beschrieben, sodann die Geschichte des
Missionsberges in Bad Liebenzell und seiner verschiedenen Häuser angefügt,
sowie ein Überblick über die Entstehungsgeschichte der Liebenzeller Gemeinschaften
bis zu ihrem Zusammenschluß zur Süddeutschen Vereinigung für Evangelisation
und Gemeinschaftspflege vermittelt. Beigegeben ist eine ausführlichere
Lebensbeschreibung Pfarrer Heinrich Coerpers, des Gründervaters des Werkes.
Der zweite Hauptteil enthält chronologisch geordnet kurze
Beschreibungen der Missionsfelder der LM. Ausführlicher berichtet wird über
die Arbeit in China bis zur erzwungenen Rückkehr der letzten Missionare im
Jahr 1953. Am Schluß des Länderteils findet sich eine Beschreibung der
Entstehung der LM-International, die im Jahr 1987 aus dem Zusammenschluß
der verschiedenen ausländischen Zweige des Werkes hervorging.
Unter den verschiedenen Beigaben am Ende des Buchs ist
besonders eine ausführliche Zeittafel hervorzuheben, die dem Verständnis der
geschichtlichen Zusammenhänge sehr förderlich ist. Dem an der Geschichte der
sog. Glaubensmissionen interessierten Leser wird vor allem der bei der LM
deutlich sichtbare Zusammenhang zwischen dem Aufbruch in die Weltmission und
der Erweckung im eigenen Land auffallen. Auch die Darstellung des Widerstandes
nicht nur von kirchlicher, sondern auch von pietistischer Seite gegen das
junge Werk, dem das Geschmäcklein, eine englische Mission zu sein,
anhaftete, gibt zu denken.
Was im Buch leider zu kurz kommt, ist die Darstellung und
Begründung der Entwicklung des Zweiges der China-Inland-Mission zum eigenständigen
Missionswerk. Der mit vielen Informationen gefüllte Sammelband leidet zudem
an einigen chronologischen Vorgriffen und Rückblenden, die dem Rezensenten
das Verständnis eher erschwert haben.
Martin Till, em 2000-1.
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Kamphuis, Martin. Ich war Buddhist - Das Ende einer
Pilgerreise. Brunnen: Basel, 2000.
Martin Kamphuis,
gebürtiger Niederländer, zählte sich noch vor einigen Jahren zu den Anhängern
des Buddhismus. Wie er selbst Buddhist wurde, schließlich aber über einige
Umwege den Weg zu Christus fand, beschreibt er in dem vorliegenden Buch. In
Kamphuis begegnet einem ein Mensch, der auf der Suche war - auf der Suche
nach Sinn im Leben, einer höheren Macht, nach dem Übernatürlichen, aber auch
nach scheinbar so unbedeutenden Dingen wie klaren Regeln. Nach seinem Abitur
beginnt diese – damals sicher unterbewusste – Suche, die sich schließlich
über mehrere Jahre erstrecken sollte. Im Buddhismus scheint er die obigen
Dinge gefunden zu haben, aber nach und nach – und ohne dieser Lehre offiziell
den Rücken zuzukehren – schließt er sich der New Age-Bewegung an, wo er seine
jetzige Frau Elke kennenlernt. Bei einer gemeinsamen Weltreise lernen sie
überzeugte Christen kennen. Was sie an diesen Leuten begeistert und neu ins
Fragen gebracht hat, sollte einen nachdenklich werden lassen: Es war nicht
ein „perfekter“ Gottesdienst o.ä., sondern schlicht und ergreifend deren
lebendige Beziehung zu Jesus Christus.
Interessant ist, daß in
dem Lebensbericht von Kamphuis deutlich wird, dass vor allem die Mischung von
buddhistischer Lehre und westlichem Lebensstil – eine Mischung, die der
ursprünglichen buddhistischen Lehre nicht unbedingt gerecht wird – besonders
attraktiv für die Menschen des Westens ist, die schnell und relativ einfach –
ohne Einbuße westlicher Genuss-Gewohnheiten – zur Erleuchtung gelangen
möchten. Sicher ebenso interessant ist der Vergleich zwischen christlichem
Glauben und Buddhismus, der im Laufe des Berichts immer wieder zum Ausdruck
kommt.
Eine flüssig geschriebene
Lektüre, gut geeignet als Einstieg in die Thematik des Buddhismus und des New
Age aus der Sicht eines Menschen, der sowohl Buddhismus und New Age als auch
den christlichen Glauben kennengelernt hat. Etwas zu vermissen ist jedoch
eine stärkere analytisch-kritische Bewertung, bzw. Einschätzung des Ganzen.
Nicole Grau, em
2003-1.
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Kasdorf, Hans. Design of my Journey: An Autobiography,
Fresno: Center for Mennonite Brethren Studies / Nürnberg: Verlag für Theologie
und Religionswissenschaft, 2004.
Der Missionswissenschaftler Hans Kasdorf hat auch im
deutschsprachigen Raum durch Veröffentlichungen, Vorträge, Vorlesungen und
persönliche Begegnungen der evangelikalen Missionswissenschaft prägende Impulse
gegeben. Von 1994 bis 1998 baute er in seinem „Ruhestand“ die Abteilung für
Missions-wissenschaft an der Freien Theologischen Akademie in Gießen auf. Die
hier vorliegende Autobiographie entsprang vor allem den Bitten der Kinder von
Hans und Frieda Kasdorf. Erfreulicherweise liegt sie nun – in englischer
Sprache − auch einem
weiten Leserkreis vor. Zur besonderen Herausforderung dieses literarischen
Genres schreibt Kasdorf: „Ich habe keine These zu beweisen, kein Problem zu
lösen, keine durchgängige Handlung zu entwickeln und keinen Spannungsbogen
aufzubauen. Ich habe nur eine Geschichte zu erzählen von meinem Leben, das
sich in Form von Geschehnissen in Zeit und Raum entfaltet“ (S. xvi). Die
Geschichte, die erzählt wird, ist allerdings sehr wohl spannend und umspannt
dabei weite geographische, kulturelle, zeit-geschichtliche Räume, bedeutungsvolle
Themen und tiefgehende Reflexionen.
Die Geschichte beginnt in der Steppe Sibiriens, wo Kasdorf
1928 als jüngstes Kind einer russlanddeutschen Mennonitenfamilie geboren
wurde. Der Autor entfaltet seinen Bericht in fünf Teilen. Den ersten Teil überschreibt
er mit „Providence and Provision (1928-1930)“ und berichtet, wie sich die
elfköpfige Familie 1929 dem großen mennonitisch-deutschen Flücht-lingsstrom
anschloss, der durch die stalinis-tischen Verbrechen gegenüber der Landbe-völkerung
und den Christen ausgelöst worden war. Die entbehrungsreiche Flucht führte
über Moskau, die Ostsee, ein Flüchtlingslager in Mölln/Schleswig-Holstein und
den Atlantik schließlich bis in den Urwald Südbrasiliens. Dort in der
abgelegenen Hanglandschaft des Oberen Krauelflusses beginnen Kasdorfs eigene
Erinnerungen, die er im zweiten Teil, „Formative Years of Childhood and Youth
(1930-1949)“, liebevoll und nüchtern schildert. Höhepunkt dieses Teils ist
der Bericht über seine persönliche Umkehr zu Jesus Christus im Rah-men einer
Erweckungsbewegung in der Siedler-gemeinschaft, die dem jungen Mann im geistlichen
wie auch im umfassenden Sinne neue Perspektiven und schließlich auch den Weg
zu einer theologischen Ausbildung in Kanada eröffnete.
Im dritten Teil, „Learning the ABC of My Life´s Mission
(1949-1962)“, erzählt Kasdorf von den intensiven Jahren der nachgeholten
High-School, Bibelschul- und Collegeausbildung in Kanada, der Heirat mit
Frieda Reimer und dem missionarisch orientierten Dienst als Pastor einer
Mennonitengemeinde im brasilianischen Blumenau. Eine Krebserkrankung Kasdorfs
zwingt die junge Familie zur Rückkehr nach Kanada, wo eine erfolgreiche
Behandlung zur Heilung führt. Um besser für den Dienst in der Weltmission
gerüstet zu sein, entscheidet sich das Ehepaar Kasdorf für eine „Detour in
Academia (1962-1978)“, von der Teil IV berich-tet. Unterstützt durch seine
Frau Frieda und durch eigene Teilzeit-Jobs und Predigtdienste erwirbt Kasdorf
an der University of Oregon einen Magisterabschluß in Sprachwissenschaft
(Deutsch, Portugiesisch, Spanisch) und lehrt dann elf Jahre lang bis 1978 als
Dozent für Sprachen vollzeitlich am Fresno Pacific College. Parallel entwirft
und leitet er seit 1973 das Programm für Aus- und Weiterbildung für Missionare
(Church Mission Institut) der Men-noniten-Brüdergemeinden und verfolgt seine
eigene Weiterbildung in Theologie und Missio-logie, die er 1976 mit einer
Promotion über Gustav Warneck an der School of World Mission in Pasadena
abschließt. Diese Mehrfachbelastung stellt für die inzwischen fünfköpfige
Familie eine immense Herausforderung dar.
Im letzten Teil, „On the Missiological Service Road
(1973-2003)“, der in gewisser Weise den Höhepunkt der bisher geschilderten
Lebens- und Glaubensreise darstellt, entfaltet und reflektiert der Autor
seinen nun vollzeitlichen Dienst als „Missionar an Missionaren“ (vgl.
Kasdorfs Beitrag in der FS L. Käser, 2003): den Wechsel vom College ans
Mennonite Brethren Biblical Seminary in Fresno, wo er fünfzehn Jahre als
Professor für Missionswissenschaft lehrt, den vielfältigen missiologischen
Reise-Dienst in Südamerika und Deutschland, eine weitere Promotion unter D.
Bosch in Südafrika, den erwähnten Aufbau der Abteilung Missionswissenschaft
an der FTA in Gießen, aber auch das Ringen mit Krankheit und Begrenzung durch
zwei Herzoperationen und die Auseinandersetzung mit dem „rite de passage“ der
Pensionierung.
Diese Autobiographie ist ein Buch mit großem menschlichen
und geistlichen Tiefgang. Beim Lesen wird neben dem theologischen und
missiologischen auch der Hintergrund des Autors als Sprach-und
Literaturwissenschaftler deutlich. Er erzählt humorvoll und realistisch,
bisweilen poetisch verdichtet, beobachtet psychologisch scharf und liebevoll
und setzt sich dabei immer wieder mit wichtigen mensch-lichen, geistlichen
und missiologischen Fragen auseinander, die unlösbar ineinander verworben
sind: Berufung, Bekehrung, Führung, Migration, Kultur, Identität, Sprache,
Familie, Beziehungen, Gemeinde, missionarischer Dienst, missiologische Arbeit
und Lehre und den Umgang mit den Freuden, Enttäuschungen und Nöten des Lebens
im Vertrauen auf Gott. Das Buch wird gut ergänzt durch einen dokumentarischen
Foto-Teil, aufschlussreiche Karten, eine Bibliographie, einen Glossar zu
deutschen, plattdeutschen, portugiesischen oder russischen Begriffen und
einen hilfreichen Index. Diese Autobiographie ist eine inspirierende,
ermutigende und zum Nach-denken anregende Lektüre (nicht nur) für
Missiologen, Missionare und Pastoren.
Dr. Friedemann Walldorf, em 2007-1.
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Kasdorf, Hans. Die
Umkehr. Bekehrung in ihren theologischen und kulturellen Zusammenhängen. Logos:
Bielefeld, 1989.
Bekehrung ist nach wie
vor ein Reizwort in der missionstheologischen Diskussion. Deshalb ist Kasdorf, Dozent am Seminar der Mennoniten-Brüdergemeinden in Fresno, CA, USA, zu danken, daß er dieses Thema
erneut aufgreift. Zunächst zeichnet er den
biblischen Befund nach. Bekehrung
ist Befreiung von Sünde und Hinkehr zu Jesus Christus. Das Wort „Bekehren“ wird aber in der Regel nicht transitiv gebraucht. „Daher meint Bekehrung ‚sich bekehren’.
Dabei ergreift Gott die Initiative“ (23). Das Verhältnis von Bekehrung als der menschlichen und Wiedergeburt als der göttlichen
Seite desselben Geschehens im Menschen wird erörtert. Beim Problemfeld Taufe
und Bekehrung
kann ein lutherischer Rezensent freilich
dem mennonitischen Autor nicht in allem folgen. (Taufe ist für mich nicht nur Bestätigung des Bekenntnisses des Täuflings durch die Gemeinde [180], sondern immer Handeln Gottes am Menschen.) Voll unterstreichen möchte ich dagegen Kasdorfs Grundanliegen: „Eine biblische Bekehrungsbotschaft geht von
der Gemeinde aus, ruft zur Entscheidung (für Christus) und Nachfolge
(Christi) und führt in die Gemeinde
hinein.“ (175) In diesen Kontext gehört
auch für Kasdorf die Taufe, so daß die Trias Bekehrung, Taufe und Leben in der Gemeinde eine unlösbare Einheit bildet. Das unterstreichen die
Kap.11-13.
Für die missiologischen
Aspekte des Themas sind die „psychologischen Erwägungen“ (Kap.6) und
die „Erörterungen zum Kulturwandel“ von besonderer Bedeutung. Denn die
Psychologie hilft, die menschliche Seite des Vorgangs der Bekehrung zu verstehen und verschiedene Typen der
Bekehrung aufgrund der individuellen Persönlichkeitsstruktur
zu unterscheiden, weshalb es keine einheitlichen Schemata geben kann und darf. Auch die kulturelle
Prägung des menschlichen Kontexts darf nicht übersehen werden. „Der Mensch bekehrt sich in seinem jeweiligen Kulturmilieu“ (128). Die Kultur
wird nicht individuell vererbt, sondern von
jedem neu erlernt, damit ist sie wandelbar. Sie ist an sich weder gut noch
schlecht, sondern neutral. Dieser Kultur bedient sich Christus
(Inkarnation!), um den Menschen zu erreichen.
Da Bekehrung das Wertesystem des Menschen ändert, ist sie
ein Faktor, der zum Kulturwandel
beiträgt, wie Kasdorf anschaulich beschreibt
(Kap.8). Unter Berücksichtigung der
kulturellen Gegebenheiten kann der vermeintliche Gegensatz von
Einzel- und Massenbekehrung aufgehoben
werden. Kasdorf spricht hier treffend von multipersonaler Bekehrung.
Auch die „Bekehrung im Generationswandel“
wird behandelt. Weil jede Generation ihre eigene Bekehrungserfahrung
braucht, muß sich die missionarische Verkündigung besonders auch der
„zweiten Generation“ widmen
und nach ihr gemäßen Formen suchen. Somit gibt Kasdorf wichtige Anregungen für eine missionarische
Praxis, die auf Bekehrung im Kontext der Gemeinde als ihrem Ziel nicht verzichten will.
Insgesamt ist Kasdorfs
Buch ein anschauliches Beispiel dafür, daß missiologische Arbeit
neben der Theologie gerade auch psychologische, soziologische und
anthropologische Gegebenheiten (vgl.110),
die die Kultur und damit das
Lebensgeflecht des Menschen ausmachen, berücksichtigen muß.
Johannes Triebel, em 1994-1.
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Kasdorf, Hans. Gustav Warnecks missiologisches Erbe. Eine
biographisch-historische Untersuchung. Gießen: Brunnen,
1990.
Einen Brückenschlag zwischen Deutschen und Angelsachsen versucht diese 1976 an der School
of World Mission des Fuller Theological
Seminary angenommene, für den Druck überarbeitete Dissertation. Der mennonitische
Missionswissenschaftler rußlanddeutscher Abstammung,
Hans Kasdorf, (geb. 1928) untersucht
als einer, der in den USA ausgebildet wurde und bisher auch dort lehrte, den Begründer der
Missionswissenschaft, Gustav Warneck (1834-1910).
Seit „dem Bruch zwischen Kontinental-Europäern
und Angelsachsen“ nach 1910 hat
sich, mit Ausnahme einzelner Übersetzungen, „niemand aus
angelsächsischer Perspektive“
mit ihm beschäftigt. Deshalb ist es, ganz
abgesehen vom inhaltlichen Gewicht des Buches, bedauerlich, daß es bisher
nicht auf die ihm gebührende Beachtung gestoßen ist.
Auf den ersten 50 Seiten stellt Kasdorf die Biographie Warnecks und sein literarisches Lebenswerk
dar. Der einstige Nadlergeselle, dessen
Traum vom Missionarsberuf sich zerschlagen hatte, beschloß sein Leben als Missionsprofessor und führende Autorität der Missionswissenschaft
seiner Zeit, nachdem er die längste Zeit
seines Lebens Pfarrer gewesen war.
Das verdankt er zum großen Teil seiner 1874 gegründeten monatlichen
„Allgemeinen Missions-Zeitschrift“ (AMZ)
und der Synthese der missiologischen
Erkenntnisse seiner Zeit in einem
einheitlichen Entwurf auf biblischer Grundlage, seiner mehrbändigen „Missionslehre“ (1892-1903). Kasdorfs Darstellungen
regen zum
Nachforschen in diesen
Fundgruben an.
Weitere 76
Seiten sind der Beziehung Warnecks zu 20 Einzelpersonen gewidmet, die als seine Lehrer oder
als Missiologen alter Schulen einen Einfluß auf ihn hatten oder unmittelbar mit ihm zusammenarbeiteten (Grundemann,
Christlieb, Zahn, Buchner, Richter und Warnecks Sohn Johannes). Kasdorfs
Leistung in diesem Abschnitt ist ein
wesentlicher Beitrag zur Geschichte der Missionswissenschaft (vgl.
Gensichens Urteil über die gesamte Untersuchung, IRM 80[1991],443f). Im Sinne des Brückenschlags besonders
interessant ist das Kapitel über den Einfluß angelsächsischer Missionstheorie (Venn/Anderson) auf Warneck,
seine Auseinandersetzung mit Mott und die
Beeinflussung durch J. Pearsall-Smiths Heiligungstheologie. Der Einfluß
der Heiligungstheologie hielt nur einige Jahre nach Wamecks Teilnehme an der
Konferenz von Brighton 1875 an und verhinderte nicht, daß er einer der
vehementesten Kritiker der zu seiner Zeit aus der Heiligungsbewegung entstehenden
„Glaubensmissionen“ wurde. Dies genauer zu erforschen,
überstieg den Rahmen von Kasdorfs
Arbeit.
Die folgenden 151 Seiten über die Missiologie Warnecks
bilden den Hauptteil des Buches und
befassen sich in sechs Kapiteln mit alt-und neutestamentlichen, sowie ethnotheologi
schen Grundlagen, mit Ekklesiologie, Wesen und Struktur der Mission und der Zentralaufgabe
des Jüngermachens. Hier wird nun am deutlichsten, daß Warneck einer
vergangenen Epoche angehörte, was eine direkte Übernahme seiner Erkenntnisse
in vielen Einzelheiten und manchen Grundlagen verhindert. Dennoch findet
Kasdorf viele Übereinstimmungen mit der unabhängig von Warneck entstandenen
School of World Mission von McGavran,
denen er sein abschließendes Kapitel widmet. Der Rezensent war u.a.
vom Festhalten Warnecks an der Dringlichkeit und Gültigkeit des Missionsbefehls, sowie von seinem unermüdlichen Erinnern
an die Missionspflicht der Kirche beeindruckt.
110 Seiten Fußnoten, 53 Seiten Bibliographie und ein Register
dokumentieren die Gründlichkeit der
Arbeit. Ein Wunsch an das Verlagslektorat: weniger Druckfehler und
Fußnoten tatsächlich am „Fuß“ der Seiten. Dies soll jedoch nicht die inhaltliche Empfehlung des bisher umfassendsten Werkes über Warneck schmälern, an dem keiner, der sich auch nur ein wenig für die Geschichte der Missionswissenschaft
interessiert, vorbeigehen kann.
Christof Sauer, em 1993-3.
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Kasdorf, Hans; Friedemann Walldorf (Hg.). Werdet meine Zeugen: Weltmission
im Horizont von Theologie und Geschichte. Hänssler Theologie. Hänssler: Neuhausen, 1996.
Seit die Missionswissenschaft letztes Jahrhundert als
eigenständiges theologisches Fach entstand, gibt es die Diskussion, ob es
nicht besser wäre, auf dieses Fach zu verzichten, da doch die gesamte
Theologie der Ausbreitung des Evangeliums dienen solle und das Fach
Missiologie anderen Disziplinen nur zu leicht als Alibi diene, selbst nicht
auf Mission eingehen zu müssen. Und tatsächlich fristet die Missiologie an
manchen Ausbildungsstätten ein Außenseiterdasein, da Dogmatiker, Neutestamentler
und Kirchengeschichtler die Bedeutung der weltweiten Ausbreitung der
Gemeinde Jesu in Geschichte und Gegenwart einfach ignorieren.
Da ist es erfreulich, daß die Freie Theologische Akademie
(FTA) in Gießen mit gutem Beispiel vorangeht und ihren ersten Sammelband
mit verschiedenen Beiträgen aus der Feder ihres Lehrkörpers dem Thema Mission
widmet und damit den Beweis erbringt, daß die zwölf mitwirkenden Dozenten
alle etwas zur Mission zu sagen haben, natürlich aus dem Blickwinkel ihres
jeweiligen eigenen Faches. Dadurch wird auch unterstrichen, daß die Fächeraufteilung
nicht zu einer Zersplitterung des Glaubens führen darf, sondern die Fächer am
Ende immer wieder ganzheitlich zusammengeführt werden müssen.
Da finden sich zunächst einige Beiträge der beiden das
Buch herausgebenden Missionswissenschaftler Hans Kasdorf und Friedemann
Walldorf, und zwar zum Missionsverständnis überhaupt, zum Missionsverständnis
der Täufer im 16. Jh. und zum Aufbruch der evangelikalen Missionsbewegung in
der 2/3 Welt. Der Alttestamentler Richard Schultz schreibt über Mission im
Alten Testament, besonders bei Jesaja, die Neutestamentler Armin D. Baum und
Eckhard Schnabel über die Bedeutung der Mission bei Jesus und in den
Evangelien, besonders bei Lukas. Der Dogmatiker Bernhard Kaiser stellt die
Aufgabe des Heiligen Geistes in der Mission dar, sein Kollege Lothar
Gassmann beleuchtet das Verhältnis von Mission und Eschatologie. Der
Kirchenhistoriker Lutz E. von Padberg untersucht das Missionsverständnis der
Germanenmissionare im Frühmittelalter und sein Kollege Stephan Holthaus
untersucht, welche Rolle die Bibel und das Bekenntnis zu ihrer Unfehlbarkeit
für die im 19. Jahrhundert entstandenen Missionsgesellschaften hatte. Der
praktische Theologe Helge Stadelmann belegt, daß Gemeindebau das Ziel aller
Missionsarbeit ist, sein Kollege James Anderson beschreibt das Verhältnis von
Jesus und seinen Jüngern als Muster für jede missionarische Schulung – ein
ausgezeichneter Beitrag, an dessen Forderungen (s. bes. S.161: „In christlichen
Ausbildungsstätten sollte die breitgefächterte Ausbildung mit Jüngerschaftsschulung
verbunden sein“) sich alle theologische Ausbildung messen sollte.
Es wird deutlich, daß der Band sich insgesamt mehr mit
der theoretischen Grundlegung der Mission beschäftigt, weniger mit der praktischen
Umsetzung der Mission im Missionsland und deswegen die überall gleiche
lehrmäßige Begründung der Mission anspricht, nicht die von Land zu Land,
Kultur zu Kultur und Missionsgesellschaft zu Missionsgesellschaft
verschiedene Art der Verkündigung des Evangeliums. Aber kein Band zur
Mission kann auch nur annähernd alle wichtigen Themen ansprechen und in
unserer theologischen Landschaft in Deutschland muß angesichts der liberalen
Verneinung des Missionsauftrages die Grundsatzdebatte zuerst geführt werden.
Die Bibelkritik ist nicht nur an sich abzulehnen, sondern auch wegen ihrer
verheerenden Konsequenzen, die sie für Evangelisation und Weltmission hat,
wie Peter Beyerhaus jüngst im ersten Band seiner Missionstheologie minutiös
aufgezeigt hat, wobei sein eigener Lehrstuhl in Tübingen nach seiner
Eremitierung wohl selbst im ‘konservativen’ Tübingen einfach
wegrationalisiert wird. Oft wird der schleichende Einfluß bibelkritischer
Ideen auch in evangelikalen Ausbildungsstätten zuerst daran deutlich, daß
der missionarische Schwung verloren geht. Die FTA hat mit ihrem Sammelband
gezeigt, daß im Umkehrschluß wirklich bibeltreue Ausbildung automatisch auf
Mission hin drängt, denn wer könnte der Bibel ‘treu’ gegenüber sein, der ihr
eigentliches Zentrum hintanstellt, daß der Messias Jesus Christus am Kreuz
zur Vergebung der Sünden starb und diese frohe Botschaft allen Menschen und
Völkern verkündigt werden muß?
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1998-2.
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Käser, Lothar. Animismus. Einführung in die begrifflichen
Grundlagen des Welt- und Menschenbildes traditionaler (ethnischer) Gesellschaften
für Entwicklungshelfer und kirchliche Mitarbeiter. Bad Liebenzell: Verlag
der Liebenzeller Mission & Erlangen: Erlangener Verlag für Mission und
Ökumene, 2004.
,idea’ hat kürzlich zu Recht den Mangel an evangelikalen
Vordenkern beklagt. Für ganze Wissenszweige fehlen uns oft diejenigen, die
diese Lebensoder Forschungsbereiche durchdringen, aufarbeiten und bei der
Formulierung Alternativen schaffen, an der sich sowohl die evangelikale Welt
ausrichten, als auch an denen die säkulare Welt nicht vorbeigehen kann. So
freue ich mich, mit diesem Buch einen neuen Wurf eines solchen Vordenkers
vorstellen zu können. Schon mit seinem Buch „Fremde Kulturen“, auf dem das
vorliegende Buch aufbaut, hatte Lothar Käser unter Beweis gestellt, wie breit
sein ethnologisches und menschliches Wissen ist und wie fruchtbar es ist,
wenn Christen diese Welt .verstehen’. Dass es daneben rein sprachlich ein
Genuss ist, dieses ,Lehrbuch“ (S. 7) zu lesen und der Autor ein langjährig
erfahrener Pädagoge ist, von dem man sich geradezu gerne belehren lässt, ist
mir bei Lothar Käser fast schon zur Gewohnheit geworden. Was hätte ich in
meinem eigenen Studium der Ethnologie und Volkskunde gegeben, wenn es solche
Literatur von Christen gegeben hätte, die sowohl einfühlsam und verständlich
die Lebenswelt anderer Kulturen beschreibt und einen Überblick über Berge
von Fachwissen verschafft. Als ich etwa 1979 in Indonesien am Vulkan Bromo
jetzigen und früheren Riten der Besänftigung des Vulkans nachging und
versuchte herauszufinden, ob es dort Menschenopfer gegeben hatte („Der Mythos
vom Kannibalismus“) oder 1987 die javanische Mystik als eigentliche Volksreligion
javanischer Muslime studierte („Javanische Mystik“), hätte mir dieses Buch
vorab viel zu geben gehabt, was ich mir mühsam selbst aneignen musste oder
nicht aneignen konnte. Meine Untersuchung des Drogengebrauchs der Schamanen
bei den Siona 1986 begann mit grenzenlosem Unverständnis und Käsers Buch hat
noch im Nachhinein manches Aha-Erlebnis bei mir ausgelöst (,Jdalluzinogenen
bei den Westtukanischen Siona in Nordwestamazonien“). Was Käser über ,Das
höchste Wesen“ (S.166-171) zusammenfasst, fand ich eindrücklich in Afrika
bestätigt (,Afrikanische Urzeitmythen“; alle meine Beiträge in ,Völker -
Drogen - Kannibalismus’, VKW Bonn 1997). Es gibt in der Regel nur ein
einziges höchstes Wesen, das gutartig, weise und uralt ist, aber auch
untätig und im alltäglichen Leben keine Rolle spielt. Nicht zuletzt gehört
aber die Diskussion von „Mana“ (S.71-99) zum Besten, was ich je dazu gelesen
habe. Mana ist nicht nur Macht und Kraft, sondern auch Autorität, Status,
Glück“ (S.73), ja Charisma (S.75). Gebete werden in ihrer Wirkung als Mana verstanden
(S.75), wer Mana hat, ist tabu (S.76). Mana hat „keinen personalen Charakter“
(S.79). Da musste ich doch schnell zu meinem eigenen Artikel „Mana“ im
Evangelischen Lexikon für Theologie und Gemeinde (1993) greifen und mir die
Note 2-3 geben. Nicht grundsätzlich falsch, aber doch etwas zu wesüich
verstanden. Käser wird wie jeder gute Vordenker auch zum Sprachschöpfer. Zu
Recht warnt er davor, im Bereich des Animismus von „Seele“ oder „Geist“ zu
sprechen, weil dabei immer unterschwellig westliche Bedeutungen Pate stehen.
So schlägt er stattdessen für den Animismus treffend den Ausdruck
„geistartiges Doppel“ (S. 109-114) vor und bemerkt, dass gerade hier die
bisherige ethnologische Forschung wenig Brauchbares geleistet hat und großer
Forschungsbedarf besteht (S.114.118-119). (Interessant wäre eine englische
Entsprechung dafür.) Ebenso führt er den Begriff „SEIC“ (S.181-191) aus den
Anfangsbuchstaben von „Sitz der Emotionen, des Intellekts und Charakters“
ein, der mit „Gewissen, Über-Ich oder Ich-Ideal“ (S.181) gleichzusetzen ist.
Was aber ist nun Animismus? „Die Fülle der Einzelaspekte“
– so Käser – erlaubt eine griffige Definition von Animismus nicht, ja der
Begriff ,Animismus’ bleibt ein Notbehelf, für den es nur keine Alternative
gibt. Zentral ist für den Animismus, dass „geistartige Dinge und Wesen im
Kosmos in der Oberzahl“ zu sein scheinen und in einer „nahezu idealen“ Welt
leben (alles S.321), während die materiellen Dinge und Wesen „eine
störanfällige und vergängliche Welt“ bilden. Zum Menschenbild gehört, dass
dem materiellen Körper im Die-seits ein geistartiges Doppel im Jenseits
entspricht. Auf die jenseitige Welt können nur Spezialisten zugreifen.
.Sünde’ hat nur Folgen in Unheil, Krankheit und Tod für die materielle Welt
(alles S.322). So sehr dies alles so klingen mag, als lebten Animisten vor
allem im und für das Jenseits, ist ihre Weltanschauung gerade „wesentlich
Diesseitsorientierung“ und alles dient der „Sicherung der Existenz im
Diesseits“ (S.322-323). So sehr Käser zunächst nur den Animismus aus sich
selbst heraus darstellen will, so sehr finden sich für den Missionar doch
ganz organisch we-senffiche Hinweise für den Umgang mit Animisten und für die
Verkündigung. Das gilt sowohl dort, wo Welt- und Menschenbild des Animisten
biblischen Sachverhalten näherkommen, als das der wesÜichen Welt (etwa beim
Rechnen mit einer .unsichtbaren’ Wirklichkeit, bei der Existenz eines
höchsten Wesens oder dem Bewusstsein, dass Gruppen ein gemeinsames Schicksal
haben), als auch dort, wo sich Kluften zwischen Animismus und biblischer
Offenbarung auftun (etwa wenn Sünde keine Folgen im Jenseits hat, sondern nur
im Diesseits oder bei der Untätigkeit des höchsten Wesens; vgl. dazu Philip
Steyne. Machtvolle Götter. Bad Liebenzell: VLM 1993 S.160-161). Es wäre sehr
interessant, der Frage nachzugehen, wo Animisten biblischen Sachverhalten
näher stehen als aufgeklärte Westler. Allerdings will Käser mit seinem Buch zunächst
gerade nicht die missionarische .Brille’ schärfen, sondern fordert deutlich
zu Beginn, keine christliche oder sonstige Bewertung vorzunehmen, sondern
den Animismus zunächst für sich selbst sprechen zu lassen. Er hat die
.Absicht, das Phänomen Animismus aus der Sicht derer zu beschreiben, die
animistische Denkformen auch selbst als Strategien zur Gestaltung und
Bewältigung ihres Daseins benützen“ (Käser, S.11). Deswegen bietet er keine
biblische oder theologische Beurteilung, die bestenfalls erst danach
einsetzen kann (S.12). Besonders will Käser den Animismus nicht vorab als
dämonisch einstufen. Dies sei ein methodischer Fehler (S.24-26). .Animismus
kann nicht mit Okkultismus gleichgesetzt werden“ (S.28-30), sonst wären ja
ganze Ethnien besessen (S.28). Animisten sind aber, das zeigt die Erfahrung,
keineswegs die düsteren Gestalten, als die viele Christen sie zu sehen
geneigt sind“ (S.29). Nicht nur die Dämonisierung ist solch ein Fehler,
sondern es gilt: „Die mangelnde Trennung von christlicher Lehre einerseits
und anirnistischer Theorie andererseits ist ein methodischer Fehler“ (S.25).
Der Unterricht über .Naturreligionen’ in christlichen Institutionen – so
Käser – verwischt oft den Unterschied zwischen europäisch-westlichem Denken
und animistischem Denken (S.25). In Ermangelung formaler und inhaltlicher
Fehler, die Rezensenten oft anfuhren können, um ihre Gründlichkeit zu
beweisen, möchte ich mich bei aller Wertschätzung etwas mit dieser Frage
auseinandersetzen, damit nicht der Verdacht aufkommt, ich hätte vor lauter
Begeisterung das Buch ohne Nachzudenken gelesen. Als Ausgangspunkt möchte ich
Käsers Vorgabe für das Verhältnis von Ethnologie und Mission wählen: „Erst
wenn der Denkrahmen verstanden ist, sollte man darangehen, ihn mit Aussagen
biblischer, theologischer, psychotherapeutischer und seelsorgerlicher Natur
zu vergleichen und zu erweitern, am besten indem man die Einfuhrung von
Steyne (1990, deutsch 1993) und Burnett (2000) heranzieht.“ (S.12) (s. Philip Steyne. Machtvolle Götter,
s. o., Engl. ,Gods of Power, 1990; David Burnett. World of the Spirits.
London: Monarch Books, 2000). Ich möchte – bei aller grundsätzlichen
Zustimmung dazu, nicht voreilig andere Kulturen im Lichte eigener Voreingenommenheit
zu verwerfen – dennoch einige Rückfragen formulieren. Dabei dürfte wohl kaum
etwas auf Käsers Widerspruch stoßen, denn ich nehme an, dass er in seinem
Buch bewusst knapp und absolut formuliert hat, könnte man das Folgende doch
fälschlich als Beruhigung für jene Missionare missverstehen, die sich ungern
der Mühe unterziehen, zunächst ein völlig anderes Weltbild möglichst
gründlich zu erforschen und zu verstehen.
Bedeutet ein solches Vorgehen nicht leicht, dass man eine
andere Kultur oder Weltsicht ausschließlich positiv darstellen kann oder
darf, da ja eine Kritik nur aufgrund eines eigenen Standpunktes möglich ist?
Gehört zur Erfassung der Weltsicht anderer nicht aber auch, die von ihnen
selbst empfundenen inneren Unzulänglichkeiten ihrer Weltsicht zu erfassen?
Man bedenke etwa die Diskussion, die das Buch des bedeutenden Ethnologen Robert
B. Edgerton ,Sick Societies: Challenging the Myth of Primitive Harmony’ (New
York: The Free Press, 1992) ausgelöst hat. Edgerton wirft der Ethnologie
(Kulturanthropologie) vor, ein zu positives Bild der ,primitiven Völker’ und
des Animismus gezeichnet zu haben und damit der Wissenschaft schwer geschadet
zu haben. Edgerton wollte nicht die .Krankheiten’ westlicher Gesellschaften
verheimlichen, aber darauf hinweisen, wie weit verbreitet auch in
Naturvölkern negative Erscheinungen wie Blutrache, grausame Unterdrückung
der Frauen, ,Hexenverfolgung’, Vergewaltigungen und durch falsche Behandlung
aufgrund animistischer Sichtweisen nicht verhinderte oder gar ausgelöste
Krankheiten und geringe Lebenserwartung sind. Käser beweist übrigens in
seinen anderen Büchern, dass er sich darüber im Klaren ist. So wichtig es
ist, erst einmal zu wissen, warum etwa Animisten in Indien lieber stehendes
Wasser trinken, als sich bewegendes Wasser, so sehr kann nur eine Veränderung
dieses Denkens dazu fuhren, dass sie gesunderes Wasser dem verseuchten stehenden
Wasser vorziehen. Käser selbst fügt immer wieder ähnliche Beispiele in seinen
Text ein, etwa wenn er vom „Machtmissbrauch“ (S.289) von Schamanen und Medien
spricht oder über deren Krankheitsbekämpfung schreibt, sie führe „auch bei
einfacheren medizinischen Problemen zu Fehlbehandlungen, die verheerende Folgen
bei betroffenen Patienten haben … Erkrankungen wie Tuberkulose, Meningitis
oder akute Appendizitis lassen sich nicht durch Saugen am Körper des
Patienten, durch Beblasen der schmerzenden Stellen oder Massagetechniken
heilen“ (S.288). Ich möchte einmal eine Gegenthese formulieren: So wichtig es
für westliche Missionare und Entwicklungshelfer ist, andere Kulturen
zunächst einmal möglichst – eben nur .möglichst’ – unvoreingenommen zu
verstehen, liegt das größere Problem meines Erachtens nicht vor allem darin,
dass sie zu schnell andere Kulturen verurteilen, sondern darin, dass sie ihre
eigene Kultur – wie wir alle – von solcher Kritik ausnehmen oder nicht sehen,
wie oft das, was sie für göttliche Wahrheit halten, in Wirklichkeit nur
wesüiches Denken oder die Oberzeugung ihrer eigenen religiösen Richtung ist.
Paulus wurde den Juden nur noch „wie ein Jude“, weil er als Christ auch seine
eigene Heimatkultur kritisch und die Welt nicht mehr durch die Brille seiner
religiösen Erziehung sah. Viele westliche Christen sind letztlich so verliebt
in das westliche Denken, dass sie eben den Animismus als dämonischer
empfinden als etwa den Atheismus, der ja nun mal keine bösen Geister vorzuweisen
hat. Dass aber Kommunismus (z.B. der Staat erzieht die Kinder) und Kapitalismus
(z.B. Internetpornographie) ebenso ,teuflisch’ sein können wie ein Gespräch
mit dem Geistdoppel eines verstorbenen Ahnen, empfinden sie nicht.
Prof.Dr.
mult. Thomas Schirrmacher, em 2005-3.
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Käser, Lothar. Fremde Kulturen. Eine Einführung
in die Ethnologie für Entwicklungshelfer und kirchliche Mitarbeiter in
Übersee. Verlag der
Evang.-Luth. Mission und Verlag der Liebenzeller Mission: Erlangen und Lahr,
1997.
Auf dieses Buch haben wir, die Mitarbeiter des Seminars
für Sprachmethodik, schon lange gewartet. Mit großer Einfühlsamkeit hat der
Autor seit seinem ersten Aufenthalt (1969) in einer animistischen Kultur
seine Beobachtungen und Erfahrungen aufgezeichnet. Sie wurden zur Grundlage
seiner wissenschaftlichen Arbeit als habilitierter Völkerkundler. Zur
Vorbereitung von Missionaren und vor allem Bibelübersetzern konnte er seine Erkenntnisse
so überzeugend darlegen, daß sich manch einer fragte, ob und wieso er Christ
sei.
Animismus ist in allen Teilen der Welt zu finden. In allen
Hochreligionen schimmert animistisches Denken durch, auch in Europa. Es nimmt
viele Gestalten an. Darum ist es so wichtig, zu wissen, was eigentlich Kultur
ist (Kap.5) und wie sich die Kultur eine Volkes, auch des eigenen, in allen
Lebensbereichen auswirkt. Informationen jeder Art verändern das Denken der
Menschen - nicht etwa nur das religöse. Um Informationen verständlich zu
vermitteln, braucht es neben guten Sprachkenntnissen auch Vorkenntnisse über
das, was dem Hörer als Vorwissen selbstverständlich ist, wie er eine
Information voraussichtlich interpretieren wird.
All diese Fragen werden einfach und doch fachgerecht
behandelt. Das Buch wird seinem Anspruch voll gerecht, eine Einführung in die
Ethnologie zu sein. Die Kapitel sind übersichtlich gegliedert und mit einer
Zusammenfassung versehen, Wichtiges ist hervorgehoben. Zur Vertiefung des
Themas ist am Ende eines jeden Kapitels eine Auswahlbibliographie zu finden.
Zum Verständnis braucht man kein Vorwissen. Zudem sind
die Informationen spannend darlegt. Als Vorbereitung auf das Leben und
Arbeiten in einer anderen Kultur sollte dieses Buch dringend gelesen werden.
Außerdem ist zu empfehlen, es trotz seines Umfangs ins Reisegepäck zu
stecken (vielleicht wird es bald mit weiteren grundlegenden oder speziellen
Werken auf einer CD landen?) - man wird es in den ersten Jahren mit Gewinn
immer wieder zur Hand nehmen. Ich habe mir überall in der Kaingang-Sprache
Notizen an den Rand geschrieben und will es mit den Mitarbeitern vor Ort
durchgehen.
Das ganze Buch enthält Informationen über den Animismus.
Das diesem Thema speziell gewidmete Kapitel fällt trozdem viel zu kurz aus.
Der letzte Satz sagt, warum: ein eigenständiger Band über dieses Thema ist
in Pla-nung. Man kann hoffen, daß er bald erscheint!
Prof. Dr. Ursula Wiesemann, em 1998-2.
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Käser, Lothar. Licht in der Südsee. Wilhelm und Elisabeth
Kärcher. Leben und Werk eines Liebenzeller Missionarsehepaares. Bad Liebenzell:
Verlag der Liebenzeller Mission, 2006.
Den Biographien von Missionaren wird oft nachgesagt, sie
gehörten mehr zur Kategorie idealisierender Heldenverehrung als zu echter,
wissenschaftlich verantwortbarer Geschichtsschreibung. Auf das vorliegende
Werk von Lothar Käser (in Zusammenarbeit mit Klaus W. Müller) über die
Südsee-Missionare Wilhelm und Elisabeth Kärcher trifft dieses Vorurteil nicht
zu. Das ist bemerkenswert, weil die Erforschung der Missionsgeschichte der
Liebenzeller Mission von einigen kleineren Versuchen abgesehen noch darauf
wartet, in Angriff genommen zu werden.
Das Buch ist wertvoll, weil es in den Personen Wilhelm und
Elisabeth Kärcher zwei Missionspioniere der zweiten, oft vergessenen Generation
porträtiert. Kärchers gehören zu den prägenden Gestalten der Liebenzeller Missionare,
die die werdende Kirche Mikronesiens entscheidend mitgestaltet und zur
Selbständigkeit geführt haben. Es war die Zeit vor, während und nach dem
Zweiten Weltkrieg, in welche ihre Hauptwirksamkeit fiel. Man kann sich die
Veränderungen, schockierende und dramatische Umwälzungen, vor denen Mission
und Bevölkerung auf dem Chuuk Atoll in diesen Jahren standen, nicht groß
genug vorstellen. Mikro-nesien war einst vernachlässigter Teil des spanischen
Kolonialreiches, wurde dann 15 Jahre deutsche Kolonie, nur um nach dem Ersten
Weltkrieg von den Japanern beherrscht zu werden. Noch unter den Deutschen
begannen die Liebenzeller 1906 mit Missionsarbeit; als das Ehepaar Kärcher
ausreiste (1936 und 1939) bauten die Japaner gerade Mikronesien zum
wichtigsten Militärposten für ihre Flotte aus. Dann brach der Zweite
Weltkrieg los. Das bedeutete, dass die Missionare ohne Mittel, abgeschnitten
von der Außenwelt in Chuuk festsaßen. Von den Japanern misstrauisch beäugt,
wurden Kärchers interniert. Unter beständigem Bombenhagel der Amerikaner, in
unsäglichen hygienischen Verhältnissen und fast verhungert erlebten sie das
Kriegsende. Diese Kapitel des Buches lesen sich spannend wie ein Kriminalroman.
Überhaupt gefällt der Erzählstil des Autors, der keine Langeweile aufkommen
lässt. Unendliches Leid, aber auch die unbegreifliche Hilfe und Bewahrung
Gottes erlebte die wachsende Missionarsfamilie in diesen Jahren. Das
gemeinsame Leiden mit den einheimischen Gemeinden schuf tiefe Gemeinschaft
und echtes gegenseitiges Verstehen. 15 Jahre blieben Kär-chers auf diese
Weise ununterbrochen auf den Chuuk Inseln. Erst 1952 sehen sie Deutschland
wieder. 1954 kommt es zur Wiederausreise; Kärchers lassen drei ihrer Kinder
in Deutschland zurück. In dieser Zeit bauen sie erst eine Mäd chen-, dann
eine Jungenschule auf. Diese wurde Keimzelle für die zukünftige
Pastorengeneration. Literatur, vor allem das Neue Testament und ein
Gesangbuch, werden nun in der Chuuk-sprache gedruckt und für die Kirche
eingesetzt. Von 1959-1963 bleibt Wilhelm Kärcher allein in Chuuk, seine
Familie kehrt endgültig nach Deutschland zurück. In der Phase der
Selbständigwerdung der Gemeinden reiste er noch einmal für zwei Jahre nach
Mikronesien (1968-1970), um als allseits anerkannter väterlicher Freund der
Gemeinden strittige Fragen zu klären für die Selbständigkeit.
Was an dem Buch gefällt ist die Ehrlichkeit, mit der der
Autor auch Schwächen des Missionars und Fehler der Missionsleitung
ungeschminkt erwähnt. Auch sind die Hinweise zur Kultur, Religion und
Geschichte der Inselwelt Mikro-nesiens von großer Hilfe. Alles in allem ist
das Buch ein gelungener Beitrag zur jüngeren Missionsgeschichte Mikronesiens
und der Liebenzeller Mission.
Dr. Bernd Brandl, em 2008-4.
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Kasningo
Omari, Cuthbert. God and worship in traditional Asu society. A study of the concept
of God and the way he was worshipped among the Vasu. Erlangen: VELM, 1990.
Diese 1970 fertiggestellte Dissertation befaßt sich mit
dem Glaubens- und Lebenssystem der Pare, eines 1967 knapp 150.000 Mitglieder
zählenden Bantu-Stammes in Nordost-Tansania. Der Autor bevorzugt ihren
traditionellen Namen Vasu („Die Asu-Leute“). Es ist sein Ziel, das Gottesbild
und die Anbetungspraktiken der Vasu in ihrem religiösen und soziologischen
Kontext zu untersuchen. Omari zeigt auf, daß die Vasu schon immer an einen
einzigen Gott glaubten, dessen Wohnort sie hoch oben weit über dem Himmel
vermuteten. In früheren Zeiten habe Gott bei den Menschen gewohnt, aufgrund
ihres Ungehorsams verließ er sie jedoch. Der Ungehorsam bestand darin, daß
die Menschen Eier aßen, die Gott verboten hatte. Ver Verfasser zeigt, daß die
Vasu damit der in Afrika weitverbreiteten Vorstellung eines „Hochgottes“
anhingen, der alle anderen Götter überragt und auch nicht in das hierarchische
Ahnensystem eingeordnet ist. Sein Name „Mrungu“ entspricht dem gebräuchlichen
Bantuwort für Gott.
Über das Gottesbild der Vasu hinaus beschreibt Omari ihre
Vorstellung von ihren Ahnen als „living dead“, also als weiterhin existierende
Geistwesen, die noch Einfluß auf das Geschick der Familie, der Sippe und des
Stammes nehmen können. Sie wohnen auf halbem Weg zwischen der Erde und dem
Wohnort des Hochgottes und werden in manchen Fällen bestimmten Schreinen
zugeordnet. Dort sorgt ein besonderes Ritual dafür, daß die „living dead“ den
Vasu nicht schaden, sondern nützen. In diesem Zusammenhang wird auch die
Praxis der Zauberei (witchcraft) besprochen. Die Verehrung bzw. Behandlung
dieser Geister an den Schreinen steht in einer gewissen Spannung zum Glauben
der Vasu an Gott, obwohl in bestimmten Zeremonien sowohl den Ahnengeistern
als auch Gott beispielsweise Bier geopfert wird.
Omari faßt zum Schluß seine Forschungsergebnisse unter
Zuhilfenahme eines soziologischen Erklärungsmodelles systematisch zusammen:
Die Verehrung der Ahnen sowie des Hochgottes hat gruppenstärkende und
-definierende Funktion. Die Bedeutung dieser Untersuchung für den
Missiologen oder Missionar liegt m. E. nicht in der Besonderheit des dargestellten
Glaubens und Lebens der Vasu, sondern gerade darin, daß dies so typisch für
viele afrikanische Stämme ist. Für den, der sich intensiver mit Glauben und
Leben der Bewohner Afrikas beschäftigen möchte, ist diese Darstellung der
Vasu paradigmatisch wertvoll und als Einstieg hilfreich.
Dr. Roland Werner, em 1997-1.
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Kelhoffer,
James A. Miracle
and Mission: The Authentication of Missionaries and Their Message in the
Longer Ending of Mark. WUNT
II.112, Tübingen: Mohr-Siebeck, 2000.
Der vorliegende Band gehört zu einer erfreulichen,
grösseren Anzahl neuerer Studien zur Mission im Neuen Testament, die für eine
nach biblischen Begründungen und Mustern fragende Missiologie von grossem
Interesse sind. Nach einem einleitenden Forschungsüberblick (1-47) untersucht
der Autor im ersten Teil (48-244) Herkunft und Entstehung des sog. unechten
(oder sekundären) Markusschlusses (Mk 16,9-20). K. zeigt, dass der Verfasser
der Ergänzungsverse, zwischen 120 und 150 n. Chr. entstanden, sich stark am
Mk Ev und den anderen kanonischen Evangelien orientiert hat und so dem Mk Ev
einen den anderen Evv entsprechenden Schluss geben wollte. Dabei kann von
einer literarischen Abhängigkeit von den ntl. Evv. und der Apostelgeschichte
ausgegangen werden.
Im zweiten Teil untersucht K. die für die Missiologie relevanten
Aussagen des längeren Markusschlusses („… die Zeichen, die denen folgen,die
glauben,. … während der Herr mitwirkte und das Wort durch die darauffolgenden
Zeichen bestätigte“, V.16 und 20), die aufgrund ihres sekundären Charakters
kaum Beachtung finden und bisher nicht detailliert untersucht wurden.
In „Wunder und Mission: Die Erwartung von Zeichen als
Authentisierung der Verkündigung“ (245-339) untersucht K. das Verhältnis von
Wundern und Mission im Neuen Testament, in apokryphen Apostelgeschichten und
weiteren frühchristlichen Schriften des 2. und 3. Jhdts. Mit Ausnahme von Jh
14,12 und 1Kor 12,9f (hier bleibt K. leider oberflächlich und disqualifiziert
dieAussage vorschnell als widersprüchlich zu anderen paulinischen Aussagen)
gibt es im NT keine analogen Aussagen (nach Lukas-Apg und Paulus dienen
Wunder zur Authentisierung der Apostel). Die Erwartung, dass Gläubige ganz
allgemein Wunder vollbringen werden, findet sich dagegen häufig bei den
frühchristlichen Apologeten.
Während das Aufheben von Schlangen (S. 340-416) einige
mögliche biblische Präzedenzfälle hat (Ex 4 und 7; Apg 28,3-6), gibt es für
dieses religionsgeschichtlich verbreitete Motiv reichlich Analogien in der
spätantiken griechisch-römischen Umwelt, die den Verfasser der Verse mitbestimmt
haben dürften. Dabei dient die öffentliche und individuelle Machtausübung
über Schlangen der Bestätigung menschlicher Boten und sie „…strengthen the
group’s credentials and demonstrate the divine power working with them“ (409).
Ebenso ist das vierte begleitende wunderhafte Zeichen
(„wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden“), „hardly
a unique formulation of antiquity“ (467), sondern weiter verbreitet.
Kelhoffers Studie bestätigt erneut, dass der unechte
Markusschluss angesichts dieses literarkritischen und exegetischen Befundes
also für ein neutestamentliches Verständnis des Auftrags, der Verheissungen
und des Handelns christlicher Missionare nicht herangezogen werden kann, wenn
die Kanonizität zurecht am gesicherten apostolischen Ursprung einer Schrift
festgemacht wird. Auch in der Diskussion um das Vollbringen von Wundern als Geistesgabe
sollte man auf Mk 16,17f verzichten und sich dagegen auf 1Kor 12,9f berufen.
Angesichts der handschriftlichen Überlieferung und des Inhaltes müßte Mk 16,9-20
in Bibelausgaben zumindest viel deutlicher vom eigentlichen Text des Mk Ev
abgesetzt werden, alleine schon um Christen Konfrontationen seitens ihrer
Gegner mit den vermeintlich verheissenen wunderhaften Zeichen zu ersparen,
wie sie auch in jüngster Vergangenheit Missionare und Christen in islamischen
Ländern erfahren haben. Die Verse und ihre gründliche Untersuchung sind
freilich von Interesse für die Geschichte der Ausbreitung des Christentums im
zweiten Jahrhundert und für das Verständnis nicht-christlicher Einflüsse auf
christl. Selbstverständnis sowie Wesen und Auftrag christl. Mission.
Dr. Christoph Stenschke, em 2002-4.
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Kempf, Rolf. …damit der Mensch göttlich werde. Auf
ostkirchlichen Wegen zum geistlichen Leben. Metzingen/ Württemberg: Ernst
Franz Verlag, 2000.
Der total verweltlichte
Mensch leidet unter dem „Gotteskomplex“ (H.E. Richter). Die Logik des Herzens
(Pascal) unterliegt der Logik des Kopfes (Descartes, Spinoza). Die Krankheit,
nicht leiden zu können, findet ihren vorläufigen Höhepunkt in der
gegenwärtigen „Spaßgesellschaft“.
Die Väter der Ostkirche
und der Reformator Martin Luther richten den Blickpunkt in eine andere
Richtung: Gott wurde in Christus Mensch, damit der Mensch göttlich werde
(Athanasius). Wie der Sauerteig soll die göttliche Natur den menschlichen
Brotteig durchwirken.
Rolf Kempf zeigt in diesem
für die Gegenwart so wichtigen Buch am Leben und Wirken der Väter der Ostkirche,
dass die eher kopflastige, gefühlsscheue Theologie des Westens durch die
mystische Frömmigkeit des Ostens, die den ganzen Menschen anspricht, Hilfe
erfahren kann. Ziel ist die Erneuerung und das Wachstum des Geistes, der
Seele und aller Sinne so wie es die Zusammenfassung der Tora und Jesus selbst
formuliert. „Vom Kopf ins Herz“ zielt das geistliche Wachstum. Der Weise und
Fromme ist der Mensch mit dem denkenden Herzen.
Die orthodoxe
Spiritualität kennt die Spiritualität der Ikonen, der Hymne und des Herzens.
Kempf beschränkt sich auf den letzte Bereich; er wird mit dem griechischen
Begriff philokolia bezeichnet. Liebe ist das höchste Gut. Sie schließt das
Schöne (to kalón) ein, das Gute und Wahre, das in Jesus Christus verkörpert
wird. Seine „Blütenlese“ schöpft besonders aus russischen Quellen aus elf
Jahrhunderten (4.-15. Jh.), zusammengefasst in fünf Bänden, und der
„Himmelsleiter“ von Johannes Klimakos.
Die Anleitung zur
Vervollkommnung ist ein dynamischer Prozess und beschreibt die Stufen der
Himmelsleiter, die der Mensch unter dem Beistand der Gnade Gottes in Gottes
neue Welt hinaufsteigt. Das Leitmotiv und Ziel ist die „Geistesruhe“
(hesychia). Sie erfordert körperlich, seelisch und geistiges Training unter
Anleitung des Jesusgebets: „Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, sei mir
Sünder gnädig“. Mystik verbindet sich bei orthodoxen Christen mit dem
„Heiligsein“. Evangelische Christen umschreiben es nach Hebräer. 12,1 mit
„Wolke der Zeugen“.
In sechs Kapiteln (S.15-312)
beschreibt Kempf den altkirchlichen Weg der Spiritualität des Herzens,
beginnend mit der Philokalie der griechischen Väter von Makarios von Ägypten
bis Gregor Palamas über die Tugendliebe (Debroatojubie) der russischen
Starzen von Seraphim von Sarow bis Johannes von Kronstadt.
Der Sündenfall des
Menschen nötigt zur Kehrtwende. Gottes Heilswerk in Christus (sakosis) ist
Voraussetzung und Beginn des christlichen Lebens von der Bekehrung und Buße.
Über die Rechtfertigung des Sünders führt sie zum neuen Adam. Doch dieser
lange Weg ist nicht einfach, denn die Leidenschaften des Körpers, der Seele
und des Geistes stehen den Tugenden entgegen.
Der Aufstieg zu Gott führt
über die Paradiesleiter (theosis). Höhepunkt ist das Jesusgebet, eine Tat und
Gebet für „Laien, für Eheleute, für Ärzte und Psychiater, für Sozialarbeiter
und Busfahrer“. Es führt jeden Beter tiefer an seine Arbeit heran und macht
ihn zum „Menschen für andere“ (S.219). Der Stufe der Reinigung (kátharsis)
folgen die Stufen der Kontemplation und Erleuchtung (theoria, gnósis) hin zur
Vereinigung mit Gott (theologie). Von der „Räuberhöhle“ zum „Bethaus“ wird
das „Herz“, wenn es durch Gnade im Zusammenwirken mit dem menschlichen Geist
durch das Jesusgebet gereinigt worden ist. Der evangelische Mystiker G.
Tersteegen formuliert es so: (…) „Im Wort, im Werk und allem Wesen sei Jesus
und sonst nichts zu lesen“. Der Jude Martin Buber umschreibt es mit den
Worten: „Wohin ich gehe – Du! Wo ich stehe – Du! (…) Nur Du, wieder Du, immer
Du!“
So kann der Geist, der
Leib und die Seele (hesychia) zur Ruhe kommen. Dabei spielt das Gebet ein
wichtige Rolle, denn daraus folgt die Leidenschaftslosigkeit (apátheia),
einmündend in die Trias Glaube, Hoffnung, Liebe. Vorbildlich formuliert ist
das vom Starzen von Optina mit den Worten: „Lenke meinen Willen und lehre
mich zu beten, zu glauben, zu hoffen, zu dulden zu verzeihen und zu lieben“
(S.109). Das „Taborlicht“ leuchtete auch dem Quäker George Fox, wenn er durch
die Felder streifte, um „auf den Herrn zu warten“ (S. 279) und dem Quäker
John Woolman wurde vor dem Altar der Seele „die Augen geöffnet, und ihm wurde
bewußt, daß er den gesellschaftlichen Übeln seiner Zeit, Sklavenhaltung,
Geldleihgeschäften und Krieg mit den Indianern, entschlossen den Kampf
anzusagen hatte“ (S.280).
Die Stufen der Liebe
führen über die animalische oder sexuelle Liebe zur seelisch erotischen und
zur geistig personalen Liebe, die die geschlechtlich-personale, Nächstenliebe
und Bruderliebe (agápe und philadelphia) einschliesst aber durch
Freundesliebe (philia) und Gottesliebe (theophilia) überboten wird.
Die neuere Lutherforschung
zeigt, dass die altkirchliche Formel théosis bei Luther öfter vorkommt als
theologia crucis. Wie Irenäus kann auch Luther in seiner Weihnachtspredigt
1514 sagen: „Gott wird darum Mensch, damit der Mensch Gott werde“ (S.313).
Der Pietismus, besonders in der Ausprägung des Methodismus, übernahm diese
Theosis Lehre. In der angloamerikanischen Klosterbewegung in Pennsylvanien
kam sie durch Justinian von Welz (1621-1688), dem Brückenbauer der alten und
neuen Welt, zum Durchbruch. Er deutete das Einsiedler-Ideal des Mönchtums um.
John Wesley (1703- 1791) baute diese Lehre zum Methodismus aus. Zeitübergreifend
wurde daraus die Korrektur der rein rechtlichen Auslegung der
Rechtfertigungslehre zur Heiligung; wachsen und zunehmen an „Alter, Weisheit
und Gnade bei Gott und den Menschen“ wird zum lebenslangen Prozeß, der
Heiligung oder Vergöttlichung (theósis oder deification) (S.332). Wir finden
diese Gedanken vom „Cherubischen Wandersmann“ (J. Scheffler) bis P. Gerhardt
.
Nach Gustavo Gutiérrez,
dem lateinamerikanische Schöpfer der Theologie der Befreiung ist
Spiritualität ein „Lebensstil, der sein Kennzeichen unserer ganzen Art und
Weise aufprägt, wie wir mit der Gabe der Kindschaft als der Grundlage von
Brüderlichkeit und Schwesterlichkeit umgehen. Jüngerschaft gründe in der
Erfahrung, Jesus Christus begegnet zu sein.“
Im Anschluß an die Barmer
Theologische Erklärung betont Karl Hartenstein im Jahre 1935 die
„Missionarische Ethik“; wir sollen die Bibel lesen mit „durchschossenem Gebet
in der Kraft des Schweigens und der Stille, zu der wir täglich gerufen sind“
(Evangelisches Missions Magazin 1935). Ganz ähnliche Formulierungen finden
wir auch bei Dietrich Bonhoeffer in seinem Buch „Gemeinsames Leben“.
Kempf zeigt uns in seinem
wichtigen Buch den „ostkirchlichen Weg zum geistlichen Leben“ und damit eine
Brücke zwischen ost- und westkichlicher Tradition, die hilfreich sein kann
für die Kirche der Zukunft .
Prof. em. Karl Rennstich, em 2003-1.
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Kessler, Volker und Martina Kessler. Die Machtfalle - Machtmenschen in
der Gemeinde. Edition AcF. Gießen:
Brunnen, 2001.
Die Machfalle ist ein hervorragendes Buch, was mir durch
seine klare und verständliche Gliederung und vor allem durch den
faszinierenden Inhalt sehr gut gefiel. Machtmenschen in der Gemeinde sind
eine Unmöglichkeit und deshalb bietet die Gemeinde einen ganz geeigneten
Rahmen um es doch möglich zu machen. Im ersten Kapitel wird anhand des
3.Johannesbriefes aufgezeigt, wie Machtmenschen vorgehen können. Wir erwarten
immer wieder die Angriffe auf Gottes Gemeinde von außen, aber manch eine
Gemeinde, wurde auch durch die, die drinnen sind und das sagen haben, auf
falsche Wege geführt und somit verführt. Die Autoren zeigen am Beispiel von
Diotrephes auf, wie Machtmenschen vorgehen können.
Im zweiten Kapitel geht es um die Taktiken der
Machtmenschen und einen Bericht von einer Machtfrau. Diese Frau hatte,
nachdem sie für sich erkannt hatte, dass sie ein Machtmensch ist, große
Probleme Verständnis zu finden für ihre Situation. Warum? Weil es in der
Gemeinde immer wieder ein perfektes Umfeld für Machtmenschen gibt. Im dritten
Kapitel werden unter anderem acht Punkte angeführt, warum es gerade in der
Gemeinde Gottes zu Machtmissbrauch kommen kann. Harmoniebedürfnis der
Christen, Demut als allgemeine Haltung, unklare Leitungsstrukturen, göttliche
Leiterautorität sind nur einige der wichtigen Punkte. Was hilft das ganze
wissen und glauben, wenn man nicht weis, was man in solchen Situationen tun
soll? Dafür werden im vierten Kapitel einige Tipps für den Umgang mit
Machmenschen gegeben.
Besonders interessant für Missionare ist das letzte
Kapitel von Klaus W. Müller, der das Thema aus Sicht des Missionars
beleuchtet und die besonderen Gefahren von Machtmenschen im Umfeld von
Mission darstellt.
Insgesamt ist die Machfalle ein gelungenes Buch zu einem
Thema, wo so manchem beim Lesen einige Kronleuchter aufgehen werden und ganze
Bände gefüllt werden könnten. Aber die Autoren verfolgen nicht das Ziel, dass
Machtmenschen öffentlich bloßgestellt werden, sondern sie wollen ein real
existierendes Problem ins Blickfeld rücken, damit Gemeinden lernen mit diesen
„reißenden Wölfen“ umzugehen. Gefahren sollen erkannt und benannt werden,
damit Wege gefunden werden können, mit diesen Gefahren umzugehen.
Torsten Cichon, em 2001-3.
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Kiel, Christa. Christen in der Steppe. Die
Maasai Mission der Nord-Ost-Diözese in der Lutherischen Kirche Tansanias. Erlangen: VELM, 1996.
Christa Kiel war gemeinsam mit ihrem Mann Arnold von
1986-1992 als Pastorin der Lutherischen Kirche unter den Maasai in Tansania
tätig. Mit der vorliegenden Dissertation will sie zeigen, daß es möglich ist,
die Kultur der Maasai „mit einem lebendigen Christentum zu verbinden“ (274).
Isaia Ole Ndokote, Maasai und Evangelist evangelikaler Prägung, „der von
allen als Prophet angesehen wird, ist der Ansicht, daß die Maasai-Tradition
in ihrer alten Form nicht bestehen kann. Er ruft sein Volk deshalb auf, sich
taufen zu lassen, weil er im Christentum eine Überlebenschance sieht“ (353).
Die Autorin begründet, warum auch sie diese Ansicht teilt.
Mit viel Einfühlungsvermögen stellt sie im ersten Teil
(11-114) die Lebensweise und den Glauben der Maasai dar. Erstaunlich ist ihre
positive Einstellung zur Mädchenbeschneidung, mit der sie sich gründlich
auseinandergesetzt hat und die sie keineswegs verharmlost. Im zweiten,
umfangreicheren Teil (115-304) berichtet die Autorin – aufgrund sehr gründlicher
Recherche – von Leben und Dienst, von Erfolgen und vom Scheitern derer, die
als Mitarbeiter der Lutherischen Kirche in den vergangenen 100 Jahren das
Evangelium unter den Maasai der Nord-Ost-Diözese verkündigt haben.
Auffallend ist die Ausgewogenheit, mit der deutsche und einheimische
Missionare mit ihren verschiedenen Missionskonzepten dargestellt werden,
auffallend auch die Hochachtung, die die Autorin allen gegenüber bezeugt. Breiten
Raum nimmt die Darstellung der Pepo-Epidemien (Geistbesessenheit) ein, die in
den 70/80er Jahren unter den Maasai-Frauen auftrat und dem Evangelium Bahn
brach, indem sie die Pfarrerinnen und Pfarrer der Lutherischen Kirche –
ungesucht und zunächst ungewollt – zu Heilern machte. In „Enkai“ (dies ist
der weibliche Begriff für die traditionelle Gottesvorstellung), wurde nun in
weiten Kreisen diejenige erkannt, die ihren Sohn zum Heil der Menschen in
die Welt schickte.
Im dritten Teil werden Missionskonzepte der Maasai Mission
im Hinblick darauf ausgewertet, inwieweit sie das Evangelium in der
Maasai-Kultur heimisch werden ließen. Ein Schwerpunkt liegt auf der
Darstellung des ersten Maasai-Theologen, Dr. Naaman Laiser, eines
bekennenden Lutheraners, „der afrikanische Theologie betreibt, ohne etwas
von ‘afrikanischer Theologie’ zu halten“ (369). Ein wichtiges Buch für alle,
die sich mit Mission im afrikanischen Kontext auseinandersetzen. Geschmälert
wird der Wert des Buches nur durch den fehlenden Index.
Christa Conrad, em 1997-4.
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Kieser, Hans-Lukas. Der verpasste Friede: Mission, Ethnie und
Staat in den Ostprovinzen der Türkei 1839-1938. Zürich: Chronos, 2000.
In dieser Dissertation untersucht der Historiker
Hans-Lukas Kieser die Wechselbeziehungen zwischen den Volksgruppen der
Osttürkei, den Missionsgesellschaften, die in diesem Raum arbeiteten, und den
in dieser Zeit an den Entwicklungen in der Osttürkei involvierten Staaten.
Der Zeitraum der Untersuchung erstreckt sich über ein ganzes Jahrhundert, von
den Anfängen der sogenannten Tanzimat-Ära bis zum Tode Atatürks, des „Vaters
der modernen Türkei“. Kieser beschränkt sich nicht auf eine konkrete
Fragestellung, sondern stellt zu Beginn sieben Thesen zu dem
Beziehungsgeflecht von Mission, Ethnie und Staat auf, die er im folgenden
dann detailliert untersucht. Dabei stützt er seine Arbeit sowohl auf Quellen
aus Missionsarchiven als auch auf Dokumente der involvierten Staaten und der
ethnischen Minderheiten. Nach seinen eigenen Worten will er dadurch „eine differenzierte
Wahrnehmung und Beurteilung der politischen, sozialen, ethnischen und
religiösen Verhältnisse, Begebenheiten und Ansprüche im abgesteckten Raum“
fördern. Kieser beschränkt sich nicht darauf, allgemeine Entwicklungen
darzustellen, sondern er untersucht immer wieder auch die konkrete Situation
in einigen der Städte (Harput, Van und Urfa), in denen die verschiedenen
Missionsgesellschaften arbeiteten. Mit seiner Arbeit stellt sich Kieser einem
anspruchsvollen historischen Thema, das nicht ohne aktuelle Brisanz ist:
Gerade im Zusammenhang mit der Frage nach einer eventuellen EU-Mitgliedschaft
der Türkei ist das Thema des armenischen Genozids und allgemein des Umgangs
des türkischen Staates mit Minderheiten ein äußerst heißes Eisen. Auf diesem
Hintergrund ist die umfangreiche Forschungsarbeit Kiesers sehr zu begrüßen.
Kieser gelingt es, das Thema in differenzierter Art und Weise zu bearbeiten
(Welche Ära? Welche Region? Welche involvierte Missionsgesellschaft? Welche
Umstände? …). Dadurch kommt es zu einer enormen Fülle von Einzelinformationen,
die der Leser zu verarbeiten hat. Hier wäre es sicher einfacher gewesen, wenn
sich die Arbeit auf eine konkrete Fragestellung beschränkt hätte und nicht so
umfassend die verschiedenen Aspekte der Beziehung von Mission, Ethnie und
Staat untersucht worden wären.
Für missiologisch interessierte Leser erscheinen mir vor
allem folgende Aspekte von Kiesers Arbeit beachtenswert: 1. Kiesers Studie
macht deutlich, welch enormen Wert Missionsquellen für die geschichtliche Forschung
haben können. Kieser wählt mit Absicht die Missionen als Ausgangspunkt für
seine historische Untersuchung, weil er diese Quellen im konkreten Fall für
die brauchbarsten hält. Die Missionare waren vor Ort des Geschehens
(ge-legentlich sogar Augenzeugen wichtiger Ereignisse). Zudem hatten sie
weitreichende Verbindungen und somit Zugang zu vielen unterschiedlichen
Informationsquellen. Außerdem standen sie einerseits den betroffenen Menschen
nahe, hatten aber andererseits eine eigenständige, von den beteiligten
Parteien unabhängige, Stellung zu den Ereignissen. Zwar sind die
Missionsquellen – wie letztlich alle anderen Quellen – subjektive Quellen.
Aber sie sind es nach Kiesers Überzeugung doch in einer „transparenten, in
ihren Prämissen entschlüsselbaren Weise“. 2. Durch seine differenzierte
Betrachtungsweise widerlegt Kieser die pauschalierende These, die
Missionsbewegung des ausgehenden 19. und des frühen 20. Jahrhunderts sei
letztlich nur ein Instrument des Imperialismus der westlichen Staaten gewesen.
Zwar gab es durchaus die Instrumentalisierung von Missionen für politische
Interessen ihrer Heimatstaaten (vor allem bei der französischen katholischen
Mission), genauso aber gab es auch Missionsbemühungen als eindeutig „private“
– also vom Staat völlig unabhängige – Unternehmung (was vor allem auf die
Bildungsarbeit des American Board zutraf). Die deutschen Missionen (Deutscher
Hilfsbund und Deutsche Orient Mission) nahmen ihre Arbeit anfangs sogar
entgegen der ausdrücklichen außenpolitischen Interessen des Deutschen Reiches
auf. 3. Kiesers Untersuchung zeigt deutlich, dass Mission Einfluss auf
gesellschaftliche Entwicklungen hat und somit - ob sie es will oder nicht -
auch ein „politischer Akteur“ ist. So war die umfangreiche Schularbeit des
American Board von enormen Einfluss auf die Entwicklung der Minderheiten (vor
allem der christlichen) und ihres Selbstverständnisses im osmanischen Gefüge.
Die Bildungsarbeit auf Grundlage eines biblischen Menschenbildes schaffte
z.B. dem Gedanken der Würde jedes Menschen und dem Gedanken der
Gleichberechtigung der verschiedenen Ethnien unter den (oft benachteiligten)
Minderheiten Raum. Außerdem wurden die Missionare unweigerlich zu politischen
Akteuren, weil ihre Berichte es waren, die die Weltöffentlichkeit über die
Gräueltaten an den Armeniern informierten. 4. Kiesers Thema sind nicht die
Missionsgesellschaften und ihre Arbeit an sich, sondern es geht ihm ganz
speziell um ihre Beziehung zu den Ethnien und den in die Entwicklungen
involvierten Staaten. Trotzdem finden sich für missionsgeschichtlich
Interessierte einige interessante Details über die Missionsarbeit in der
Osttürkei. Dazu tragen ein umfangreicher Anhang (mehr als 100 Seiten) und
zahlreiche Statistiken und Photographien aus Missionsarchiven Wesentliches
bei.
Andreas
Baumann, em 2003-2.
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Kießig, M.; L. Stempin, H. Echternach und H. Jetter (Hg.). Evangelischer
Erwachsenenkatechismus – glauben – erkennen – leben. Hg. von der
Katechismuskommision der VELKD unter Mitarbeit von G. Herold. 7. Auflage,
Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2001.
Die missionarische Dimension eines Katechismus sollte man
nicht unterschätzen. Der Evangelische Erwachsenenkatechismus hat eine lange
Tradition. Erstmals wurde er 1975 von der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen
Kirche Deutschlands (VELKD) herausgegeben und hat als Buch eine eigene
Tradition evangelischer Unterweisung begründet. 25 Jahre nach der
erstmaligen Herausgabe präsentiert sich das Buch in seiner 6. Auflage in
Gestalt und Inhalt völlig neu (mit einer aktualisierten 7. Auflage im Jahr
2001). Ziel des Ev. Erwachsenenkatechismus (=EEK) ist es, verständlich und
lebensnah in theologischen und religiösen Fragen zu orientieren, den Zugang
zum christlichen Glauben zu erschließen und einen Weg zu eigenen Positionen
zu zeigen. Er möchte helfen, am Beginn des 21. Jahrhunderts zu glauben, zu
erkennen und zu leben - drei aufeinander bezogene Stichworte, die auch den
Untertitel markieren. Der inhaltliche Aufbau des EEK orientiert sich an den
großen Themen des christlichen Glaubens: Gott (S.21-143), Mensch
(S.145-187), Jesus Christus (S.189-256), Leben in der Welt: die Ethik
(S.257-496), Leben in der Kirche: Heiliger Geist (S.497-775), Ziel aller
Wege: Ewiges Leben (S.777-825). Den Hauptkapiteln vorangestellt ist ein einführender
Abschnitt zum Thema „Glauben wagen“ (S.11-19). Jedes Kapitel ist
überschaubar gestaltet und gliedert sich in mehrere Unterpunkte, das Kapitel
zur Ethik beispielsweise in folgende: Grundlegung der Ethik – Person und
Gemeinschaft – Gesellschaft und Staat – Globale Verantwortung. Diese
Unterpunkte sind wiederum in einzelne Abschnitte aufgeteilt, was einen
schnellen und gezielten Zugriff ermöglicht. Im Kapitel „Gott“ findet sich
u.a. ein längerer und interessanter Abschnitt zum Thema „Schöpfungsglaube und
Naturwissenschaften“ (S.45-65), im Kapitel „Leben in der Kirche: Heiliger
Geist“ ein Abschnitt zur „Praxis des Glaubens“ (S.739-777), der auch auf die
gegenwärtige „Konjunktur des Spirituellen“ Bezug nimmt. Am Schluss des EEK
gibt es ein „Kleines Lexikon theologischer Begriffe“ (S.827-840) und ein
ausführliches Register. In der Mitte des Buches sind – auf grauem Papier –
kirchliche Bekenntnisse und Lehrzeugnisse abgedruckt. Formal sind die
einzelnen Kapitel jeweils so aufgebaut, dass zunächst Informationen zum
neuesten Stand der wissenschaftlichen Theologie und der kirchlichen Oberzeugung
gegeben werden, sodann Hintergründe zur Botschaft der Bibel und zur theologiegeschichtlichen
Entwicklung dargestellt werden, und schließlich Erfahrungen mit der christli
chen Gestaltung von Gesellschaft, Gemeinde und Lebenswelt zur Sprache kommen.
Alles in allem kann man m. E. sagen, dass der EEK in seiner neuen Bearbeitung
dem Anspruch durchaus gerecht wird, ein Kompendium zu sein, „das der heutigen
Wirklichkeit nicht ausweicht und dennoch bei den Wurzeln des Glaubens bleibt“
(so auf dem Rückumschlag zu lesen). Es gelingt an vielen, wenn auch nicht
allen Stellen, theologische Sachverhalte und Zusammenhänge in einer frischen
und unverbrauchten Sprache zu präsentieren, Fragen und Probleme der
Gegenwart aufzugreifen und mit den Antworten des Glaubens ins Gespräch zu
bringen. Auch wenn das lutherische Profil der EEK erkennbar ist, so ist doch
die Vielfalt der ev. Kirchen berücksichtigt, ebenso wie der Dialog mit der
weltweiten Christenheit. Die Verwendbarkeit des EEK ist vielfältig. Er ist
gut geeignet, um sich allein oder in einer Gruppe über einzelne, ausgewählte
Themen und Fragestellungen im Umfeld des Glaubens zu orientieren. In der Gemeindearbeit
lässt er sich einsetzen, um für glaubende Menschen das Verständnis ihres
christlichen Glaubens u vertiefen oder aber mit interessiert-kritischen Zeitgenossen
über die Aussagen des Glaubens und eine Lebensbedeutung ins Gespräch zu
kommen. Gut verwenden lässt er sich auch im Oberstufenunterricht im Fach Evangelische
Religion, angesichts der Tatsache, dass im Bereich der evangelischen
Landeskirchen zur Zeit Glaubenskurse eines der am häufigsten genutzten
Mittel der Glaubensverkündigung sind, erscheint auch der EEK – obwohl kein
Glaubenskurs im engeren Sinne – voll am Platze zu sein: er lädt ein, das Gespräch
über den Glauben zu führen – mit klaren, gehaltvollen Informationen,
biblischer Verwurzelung, argumentativ und zeitnah.
Dr. Jochen Walldorf, em 2005-1.
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Kim, Young-Dong. Der Schamanismus und das
Christentum in Korea. Verlag
an der Lottbek: Ammersbek bei Hamburg, 1993.
Neben seinem Studium und der Promotion an der Kirchlichen
Hochschule in Berlin war der Verfasser Prediger der dortigen koreanischem
Gemeinde. In diesem Buch geht es um das Verhältnis des koreanischen Christentums
zu seinem vorchristlichem Erbe. Untersucht wurde, was Schamanismus ist, wie
er in Korea geschichtlich und kulturanthropologisch verwurzelt ist und wie
er sich zu den in Korea vorhandenen Religionen, vom Buddhismus bis hin zum
Christentum verhält. Besonders wird die Akkulturationsproblematik unter
folgendem Hauptgesichtspunkt erörtert: Was ist theologisch verantwortlich,
und welche theologischen Urteile wurden bisher hierzu gefällt?
Für Young-Dong Kim ist diese missionswissenschaftliche
Untersuchung über die koreanische Volksreligion deshalb wichtig, weil Korea
nach den Philippinen das christlichste Land in Asien ist. Von den
vielfältigen Ursachen dafür hält der Verfasser die schamanistische Religiosität
für den neuen christlichen Glauben am wichtigsten.
Dipl. Ing.
Fritz Lamparter, em 1998-3.
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Kimura-Andres, Hannelore. Mukyokai: Fortsetzung der Evangeliumsgeschichte. Verlag der Evangelisch-lutherischen Mission, Erlangen, 1984.
Zwei ,JJ’: Japan und
Jesus prägten und bestimmten das
Leben von Kanzo Uchimura. Diese zwei J beinhalten höchste Vaterlandsliebe
und alleinige Abhängigkeit von und Anhänglichkeit an den himmlischen Herrn Jesus Christus.
Innerhalb der
ausführlichen Biographie von Uchimura Kanzo finden wir eine Auseinandersetzung zwischen Japan und Jesus. Bis
zu seiner Bekehrung in den USA stand Japan
an erster Stelle. Dann gab es eine Wertverschiebung. Das Kreuz Jesu Christi wurde
zum Fundament des Lebens und zugleich
auch zum Fundament der Mukyokai.
Wir werden in ein sehr
bewegtes Leben eingeführt: Krankenpfleger - Lehrer an einer Missionsschule - Angestellter an der Staatsschule in Tokyo. Dann fristlose Entlassung
aus dem Staatsdienst wegen Maje
stätsbeleidigung. Anschließend Schriftsteller
und Journalist. Mit 31 Jahren
bereits die dritte Ehe. Durch den Friedensschluß und den Vertrag von Shimonoseki entschiedener
Kriegsgegner geworden.
Gerade diese doppelte
Berufserfahrung als Lehrer und
Prediger einerseits und als Journalist andererseits half Uchimura
Kanzo, seine Gedanken im Blick auf die
Mukyokai-Bewegung klar zu definieren.
Das Gesetz ist die Bibel, der Bischof ist Christus, und die Mitglieder sind die Brüder und Schwestern in aller Welt. Uchimura wollte sich wirklich ganz an der Bibel orientieren.
Deshalb blieb das Fundament das Kreuz. Studierzimmer, Büro, Acker, Geschäft, die tägliche Arbeit sah er als Gottesdienst. Die Mukyokai sollte die zweite Reformation gegen die Verweltlichung des Christentums
einleiten.
In dem Buch wird auch
ausführlich und interessant geschildert, wie die Nachfolger bzw.
Schüler von Uchimura seine Ansicht über Mukyokai weitergeführt haben. Tsu-kamoto war Jurist. Ihm ist es gelungen, die Gedanken Uchimuras in logischer Weise zusammenzustellen.
In der dritten Generation unter Fujita wurde Mukyokai aus der privaten Sphäre in die öffentliche Verantwortung gestellt, bis hin zum Kampf gegen den
Kapitalismus.
Das „sola fide“ bringt einerseits die Trennung zur Kirche – in diesem Punkt kann Mukyokai der Kirche gegenüber nicht nachgeben –, anderseits aber auch die Einheit mit allen, die an die Versöhnung durch das Kreuz glauben.
Die Reformation von
Mukyokai ist nicht die Weglassung
der Sakramente oder einer kirchlichen Form, sondern die Freilegung des Fundamentes: „Jesus Christus am Kreuz auf Golgatha für die Sünden
der ganzen Menschheit gestorben.“ In diesem Fundament ist auch das Verbindende mit der Kirche enthalten. Hierin liegt auch ein wichtiger Grund, weshalb Uchimura-Lektüre auch für Pfarrer lesenswert geworden ist und
Bereicherung bietet.
Ursprung, Wesen und
Richtung von Mukyokai ist die Fortsetzung der Evangeliumsgeschichte.
Uns, die wir heute um eine Neubelebung in
Kirche und Gemeinschaft ringen, kann die Darstellung der zweiten Reformation,
die von Uchimura Kanzo angestoßen
und von den Schülern und Mitgliedern bis
zur vierten Generation weitergeführt
worden ist, eine echte Hilfe sein.
Auch werden hier die Vor- und Nachteile der sogenannten
Hauskreise deutlich dargestellt. Diese
Seite kann mit zu einem rechten
biblischen Verständnis im Blick auf die Kirche Jesu Christi der heutigen
Zeit beitragen,
damit wieder neu das „sola fide“ der
Reformation für uns wegweisend wird.
Albert Rechkemmer, em 1986-2.
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Kirn, Hans-Martin. Ludwig Hofacker (1798-1828).
Reformatorische Predigt und Erweckungsbewegung. Ernst Franz Verlag: Metzingen, 1999.
Hans-Martin Kirn versteht es meisterhaft, in kurzen
Abschnitten die wichtigsten Lebensdaten und Gedanken des früh verstorbenen
schwäbischen pietistischen Pfarrers Ludwig Hofacker zu beschreiben.
„Unbestrittten ist, dass Ludwig Hofacker die
zentrale Gestalt der württembergischen Erweckungsbewegung in den zwanziger Jahren
des vorigen Jahrhunderts war“ (7). „Er füllte die Leonhardkirche durch seine
Gottesdienste. Die Menschen kamen von weither“. Im Hintergrund seines Wirkens
standen die Befreiungskriege und die wirtschaftliche Not der Menschen, die
viele nach Amerika und Rußland trieb. Im Gegensatz zu anderen
Erweckungsbewegungen wurde die württembergische von einem Freundeskreis von
Geistlichen im Kirchendienst und weniger von Laien getragen.
Zu diesem Freundeskreis gehörten die Liederdichter Albert
Knapp (1798-1864) und Christian Gottlob Barth (1799-1862). Wie für den
älteren Pietismus galt auch für die Erweckungsbewegung die Überzeugung
Hofackers: „Wer … kein Christ ist hinter dem Pfluge, der ist auch kein Christ
in der Kirche, denn das Christentum ist nicht ein Rock, den man nach Belieben
aus- und anziehen kann“ (10).
Nach der Beschreibung des Wirkungskreises des Vikars und
Pfarrers in Württemberg und den „prägenden Erfahrungen“ durch die frühe
Bekehrung und schwere Krankheit konzentriert sich Kirn auf den Prediger Hofacker.
Hofacker möchte seine Hörer durch die „Kreuzesmeditation“ zur
Versöhnunglehre führen, die sich im Opfer Jesu am klarsten zeige. Glaube und
Gefühl werden dieser Überzeugung untergeordnet. „Die Frage nach den
Früchten des Glaubens“ zwinge zur Selbstprüfung, weshalb Hofacker die
„Selbstanalyse“ zur „heiligen Aufgabe eines jeden Menschen erklärt“ (40).
„Sterben und Tod“ sind die zentralen Themen seiner Predigten.
Die versammelte Gemeinde sind die, die das fromme
Selbstbewußtsein bestimmt. Die Volkskirche wird zum Missionsfeld, denn
Hofacker leidet an der Sattheit der „Beamtenkirche“. Der Prediger wird zum
Missionar, denn die schleichende Entchristlichung sei vorherrschend. Den
Optimismus des Fortschrittsglaubens und die Hoffnung auf eine sittliche
Perfektionierung des Menschen betrachtet er kritisch und mahnt die
tugendhaften Leute, „ihr seid der Hölle viel näher, als ihr meint“ (48).
Sozialkritische Töne hören wir nicht in Hofackers
Predigten. Es geht ihm um „Erweckung des Herzens“. Sein betonter
Antiintellektualismus unterscheidet ihn von den meisten anderen Mitgliedern
der jungen Erweckungsbewegung. Hofacker war ein „Krisentheologe“, der eindringlich
„auf das Geschehen am Kreuz als Zentrum christlichen Glaubens und Hoffens
gegen die Daseinsangst des dem Tod geweihten Menschen“ hinweist (57).
Ludwig Hofackers Gedanken sind trotz aller zeitbedingten
Züge eine Herausforderung für die Kirche am Beginn des neuen Jahrtausends.
Die Kirche braucht heute nicht nur ein neues Nachdenken über wirtschaftliches
Handeln, sondern eine aktive Ludwig Hofacker-Bewegung, die das
Kreuzesgeschehen als Zentrum christlichen Glaubens und Hoffens dem modernistischen
Fundamentalismus namens Relativismus gegenüber im Alltag der Welt lebt.
Prof. Dr. Karl Rennstich, em 2001-2.
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Klammt, Thomas. „Ist die
Heidenmission zu empfehlen?“ – Die Deutschen Baptisten und die Mission in der Ferne (1848-1913). edition afem - mission Scripts 1. Bonn: VKW, 1994.
Bei dem von Klammt
vorgelegten Buch handelt es sich
um seine Magisterarbeit, die von der
Universität Heidelberg angenommen wurde.
Er unternimmt darin den Versuch, Entstehung, Werdegang und Ausbreitung
der deutschen baptistischen Heidenmission in den Jahren 1848-1913 zu
beschreiben.
Anhand eines fleissigen Studiums der Quellen (Klammt
beschränkt sich dabei größtenteils auf die in diesem Zeitraum erschienen
öffentlichen Verlautbarungen des
Baptistenbundes) weist der
Verfasser nach, daß schon auf der Gründungskonferenz
des Bundes der deutschen Baptisten im Jahr 1849 das Thema „Mission in
der Ferne“ heiß diskutiert wurde. Durch zahlreiche Zitate belegt Klammt, dass „die starke finanzielle
Begrenztheit der deutschen Baptisten“ der wesentliche Faktor war, der die
Aussendung deutscher Missionare
verhinderte. Erst 1890 (immerhin fast 100 Jahre nach Careys Gründung der ersten baptistischen Missionsge-sellschaft
in England!) fanden die deutschen Baptisten
ihren Platz in der Weltmission, als sie mit ihrer Kamerunmission begannen.
Klammts Studie ist ein
wertvoller Forschungsbeitrag, der das Ringen des deutschen Baptismus
um die Heidenmission beschreibt. Das Buch ist klar gegliedert und zeichnet
sich für den Schneileser durch kurze
Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels sowie durch eine
englische Zusammenfassung aus. Das Register rundet das gelungene Werk
ab.
Ich wünsche diesem
Buch nicht nur in baptistischen Kreisen eine weite Verbreitung.
Hartmut Burghoff, em 1995-2.
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Kleiner, Paul. Bestechung.
Eine theologischethische Untersuchung. Bern, Frankfurt/M.: Lang, 1992.
Paul Kleiner, der heute in Afrika als theologischer
Lehrer unterrichtet, untersucht in seiner Züricher Dissertation das Problem
der Bestechung. Seine Arbeit gliedert er in drei Hauptteile: 1. Die Charakterisierung der Bestechung in
Ökonomie, Recht, Politologie und anderen gesellschaftsrelevanten Bereichen.
2. Gerechtigkeit und Vertrauen als theologische und philosophisch-ethische
Kriterien. 3. Perspektiven für ethisch vertretbares Handeln im politischen
und wirtschaftlichen System, als Unternehmen
und einzelner.
Die sorgsam gearbeitete
Untersuchung ist ein wichtiger
Beitrag zum Thema der Wirtschaftsethik. Man kann nur hoffen und wünschen, daß auch viele Missionare das Buch lesen, damit sie sich
nicht als „nützliche Idioten“ mißbrauchen
lassen.
Karl Rennstich, em 1994-2.
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Knox,
Elisabeth. Signal
on the Mountain. The Gospel in Africa’s Uplands Before the First World War.
Acorn Press [POB 282, Brunswick
East, Vic 3057, Australia], 1991.
Endlich ein Buch über die Anfänge evangelikaler Mission
in Zentraltansania! Nachdem der Anthropologe T. 0. Beidelman 1982 in seinem
Werk ‚Colonial Evangelism’ die – aus seiner Sicht negativen – Auswirkungen
der Missionsbemühungen früherer Generationen am Beispiel der Wakaguru
Ostafrikas beschrieb, mußte man auf eine Darstellung seitens der Mission
gespannt sein. Knox’ Buch ist keine Antwort geworden, aber eine historische
Forschungsarbeit mit zwölf Anhängen, einer ausführlichen Bibliografie
(weitere Quellen entnehme man Beidelmans Buch) und einem gutem Index. Sie
verfolgt das Wachstum der ursprünglich nur als Raststationen vorgesehenen
Plätze auf dem Weg nach Uganda. Will man mit der Beschreibung schritthalten,
sieht man sich gezwungen, vom Anhang A der beteiligten 77 Missionare
Gebrauch zu machen, da sonst der Überblick rasch verlorengeht. Leider
wurde diese wichtige Liste nach zeitlichem Eintritt und nicht alphabetisch geordnet.
Wie schwer war die Safari von Sansibar zum Victoriasee!
Als A. Mackay sich gezwungen sieht, sein Gewehr auf die eigenen, fliehenden
Träger abzufeuern, damit nicht alle Habe herrenlos zurückbleibt, reagiert die
Mission mit einem Rückruf, den der Missionar nicht befolgt. Die Autorin
erhellt hier und bei folgenden kritischen Ereignissen die Motive anhand
zahlreich eingesehener Briefe und kritisiert dabei u. a. die Weltfremdheit
der Missionsleitung. Heute übrigens ehrt die einheimische Kirche Mackay,
der bis zu seinem frühen Lebensende in Afrika verblieb, indem sie ihr
Service-Haus in der Hauptstadt Dodoma nach ihm benennt.
Die Gründung der Kolonie Deutsch-Ostafrika (DOA) wirft die
Bemühungen der Missionare zurück, da nun London nicht genug Nachfolger auf
das Feld entsendet. Eine Konzentration auf Uganda wegen der dortigen Erweckung
und der englischen Kolonialherrschaft wird angestrebt. So müssen die Missionare
in DOA mit ihrer Missionszentrale um den Erhalt ihrer Stationen kämpfen. [Im
Weltkrieg geraten die englischen Missionare allesamt in Gefangenschaft, in
der ihnen der Mißbrauch von Taschenspiegeln zum Übersenden von Nachrichten
vorgeworfen wird - daher der Titel des Buches.] Doch die Entbehrungen haben
ihren Lohn. Im Gebiet der Wagogo und der Wakaguru hat das Evangelium Fuß
gefaßt.
Ein Fortsetzungsband über die weitere Entwicklung nach
dem 1. Weltkrieg wäre wünschenswert, besonders deshalb, weil die Verantwortlichkeit
für das Feld nach der Weltwirtschaftskrise von London auf Sydney überging.
Winfried Schwatlo, em 1996-3.
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Kommerau, Horst. Licht über Afrika. Hänssler-Verlag: Neuhausen, 1990 und 1997.
Der Mitbegründer der DIGUNA (Die Gute Nachricht für
Afrika) nimmt den Leser von der ersten Seite an mit in die sehr abwechslungs-
und erlebnisreiche Entwicklung dieses Missionswerkes anhand seiner
persönlichen Lebensgeschichte. Jeder Afrikareisende findet sich in vielen
dieser Schilderungen wieder, die an verschiedenen Stellen auch das Thema
„Zerstört Mission Kultur?“ auf eindrückliche Art und Weise einfließen lassen.
Das Buch bietet einen guten Einblick in die
Hintergrundsarbeit der DIGUNA und hebt Gottes Wirken in vielen „unmöglichen“
Situationen hervor. Wünschen würde man sich vielleicht noch einen etwas
tieferen Einblick in die geistliche Arbeit an sich: Welche Hürden mußten
überwunden werden, um das Evangelium in die verschiedenen Kulturen zu
tragen, wie sieht die Nacharbeit bei den verschiedenen
Evangelisationsfeldzügen aus? Das Buch spricht vielleicht vor allem junge,
mutige Praktiker an. Zu empfehlen ist es aber auch für Menschen, die für die
Missionsarbeit in Afrika beten wollen und sich oft nicht vorstellen können,
mit wieviel Schwierigkeiten, Kraft und Einsatz solch eine Aufgabe verbunden
ist.
Michael Wimmer, em 1998-4.
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Koop, Allen V. American Evangelical Missionaries in France 1945-1975. University Press of America, Landam/London
1986.
Die vorliegende
Dissertation über die Arbeit evangelikaler
Amerikaner in Frankreich ist wahrhaftig kein Kompliment für die beteiligten amerikanischen Missionen, da Koop nicht
nur eine gute und detaillierte Geschichte gemäß Titel liefert, die hier
natürlich schlecht wiedergegeben werden
kann, sondern von Anfang an auch die Gründe für die großen Probleme der meisten amerikanischen Missionsarbeiten in Frankreich analysiert.
Dabei schreibt Koop fair und ruhig und
kann manches aus dem Mund der Missionare
selbst belegen.
Die meisten Missionare kamen völlig unvorbereitet nach Frankreich. Sie kannten die Sprache kaum und ihr Wissen stammte vorwiegend
aus dem National Geographic Magazine (S.11). Selbst Missionare, die schon länger in Frankreich arbeiteten, konnten oft nur schlecht Französisch (S.137). Die ersten Missionare waren dann schockiert, als sie sahen, wie schwierig die Arbeit sich gestaltete (S.67). Frankreich wurde als
Missionarsfriedhof bekannt (S.94). Was man
in Amerika unter gesunder Lehre verstand,
wurde nach Frankreich übertragen, ohne
zu fragen, ob es in Wirklichkeit viel
leicht eher amerikanische Kultur wiederspiegelt
(S.123). So blieb Alkohol etwa für die
entstehenden Gemeinden verboten (S.140),
strikter Antikommunismus war Gesetz
(S.156), ja, die Bewahrung Europas vor dem Kommunismus wurde zum immer
wieder wiederholten Missionsmotiv (S.156-157). Überhaupt wurden kulturelle Unterschiede allzuschnell als lehrmäßige Unterschiede
angesehen. Es wird insgesamt deutlich,
welche verheerenden Folgen es hat, wenn Missionare schlecht
vorbereitet sind und ihre lehrmäßige
Klarheit allein ausschlaggebend
ist. Man wurde eben trotz biblischer Pflicht den Franzosen kein Franzose.
Nun wäre es sicher zu
einfach, je nachdem traurig oder schadenfroh auf die Amerikaner zu
schauen. Sicher wird man beim Lesen als Europäer häufig genug eher die
Franzosen verstehen als die Amerikaner. Sicher
haben es Europäer einfacher, die in einer Welt von Kleinstaaten aufwachsen, während viele Amerikaner, bevor sie Missionare werden, nie eine Sprache erlernt haben oder ihr riesiges Land verlassen mußten.
Solche Gedanken allein wären jedoch letztlich
dieselbe kulturelle Überheblichkeit wie die der Amerikaner, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Wenn aber das Lesen des Buches nicht zu der Frage führt, wie wir uns besser vorbereiten können und wie wir besser
unsere deutsche Kultur und das Evangelium
auseinanderhalten, dürfte das Buch zum zwar guten, aber unfruchtbaren Geschichtsbuch
degradiert werden.
Thomas Schirrmacher, em 1988-2.
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Kopfermann, Wolfram. Macht
ohne Auftrag. Warum ich mich nicht an der „geistlichen Kriegsführung“ beteilige.
Emmelsbüll: C & P Verlag, 1994.
Wolfram Kopfermann, 12 Jahre Vorsitzender der Geistlichen
Gemeindeerneuerung und Gründer der charismatischen Anskarkirche, setzt sich
hier mit einer Praxis auseinander, die er lange Zeit selber vertreten hat.
Dabei stehen die Thesen von C.P.Wagner aus „Das offensive Gebet. Strategien
zur geistlichen Kampfführung“ (GK) im Vordergrund. Es gelingt Kopfermann,
die Anliegen der GK gut darzustellen und auch deren positives Anliegen der
Weltevangelisation zu betonen. Am stärksten kritisiert er, daß Wagner und
andere Autoren mit Erfahrungen argumentieren, die im Nachhinein mit exegetisch
zweifelhaften Auslegungen belegt werden. Kopfermann überzeugt mit klarer Exegese.
Ohne die Tatsache des Kampfes zwischen dem Reich Gottes und Satans zu übersehen,
wehrt er sich gegen die These, daß Christen den Auftrag hätten, einen
„offensiven Gebetskampf“ gegen die geistlichen Mächte zu führen. Wagner
behauptet z.B., daß eine effektive Evangelisation erst nach einem
Gebetssieg über die geistlichen territorialen Mächte möglich ist.
Dieses Buch kann durch seine klare Struktur und gute
Lesbarkeit eine Orientierungshilfe in der Auseinandersetzung mit der GK sein.
Für eine Neuauflage wäre eine Bibliographie und ein Bibelstellenregister
wünschenswert.
Kai Kreienbring, em 1996-2.
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Körner,
Felix. Revisionist
Koran Hermeneutics in Contemporary Turkish University Theology. Rethinking
Islam. Mitteilungen zur Sozial-
und Kulturgeschichte der islamischen Welt 15. Würzburg: Ergon, 2005.
Wer die Dissertation von Felix Körner, SJ, katholischer
Theologe, Turkologe und Islamwissenschaftler, in die Hand nimmt, versucht zu
verstehen, wie einer sich um das Verstehen von Verstehen einer fremden Kultur
und Religion und den entsprechenden Voraussetzungen bemüht, ohne sein
eigenes Verstehen auszuklam mern. Körner verfolgt aufmerksam, wie vier
türkische Islamtheologen, Vertreter der Ankaraner Schule, koranhermeneutische
Fragen diskutieren. Er beschreibt dieses Bemühen als „revisionist“ und weist
damit auf ihr Ringen um Fragen historischer Relativität und universaler
Bedeutung. Körner bringt sie mit Fazlur Rahman (einem islamischen
Reformtheologen) und mit Hans-Georg Gadamer mit einer kontinentalen
Perspektive von Hermeneutik ins Gespräch, welche von den türkischen Theologen
teilweise selbst rezipiert werden. Mehmet Pacaci wird unter der Überschrift „The Koran is Universally
Historical“ (S.65-108) vorgestellt; Adil Ciftci mit „The Koran as Ethical
Order“ (S.109-133), Omar Özsoy „The Koran is What God Wants to Do“ (S.135-164)
sowie ilhami Güler mit „Contigent Koran, Absolute Contents“ (S.165-192). Die
abschließende Reflexion fasst die Ergebnisse der Fallstudien zusammen
(S.193-203) und gibt einen Ausblick auf offene Fragen und Möglichkeiten
dieser koranhermeneutischen Ansätze in der Türkei (S.204-205).
Körner hält sich mit kritischen Fragen in der Reflexion
nicht zurück. Dabei entwickelt sich bisweilen eine dialogische Dynamik, die
auch auf Körners hermeneutische Überzeugung weist. Körners Vorgehensweise ist
hilfreich, wenn auch ungewöhnlich für Leser, die eine stringente
Argumentation vorziehen. Die Darstellung der Islamtheologen wird um Anfragen
ergänzt, ohne diese im Laufe der Darstellung zu diskutieren. Vielmehr folgt
die Diskussion in oft unabhängigen und thematisch geordneten Einheiten. Man
könnte Körners hermeneutische Grundlagenlegung in Anlehnung an Gadamer
eingehend diskutieren, aber ich beherzige Körners berechtigte Warnung: „one
cannot develop one‘s method before starting to work. This warning against a methodological
obsession should keep us alert“ (S.31). Die Beschäftigung mit Werken
über das Verstehen soll also nicht nur die theoretischen Grundlagen
betrachten, sondern ebenso deren Umsetzung. Deswegen richtet sich mein Blick
auf die Durchführung. Dabei bleiben wenigstens drei Fragen offen:
1) In
seinem Ausblick stellt Körner fest, dass „Turkish academic theology is
producing high quality studies which are of great relevance for Turkey“
(S.204). Seine Hoffnung richtet sich auf die Entwicklung eines neuen
Denkens im Raum des Islams, welches mit westlichen Werten kompatibel ist.
Sehen Landsleute dieser Vertreter das ebenso? Welche Auswirkungen haben diese
Studien in der Türkei und in anderen islamisch-geprägten Ländern? Der
theologische Diskurs an der Universität reflektiert jedenfalls nicht die
Mehrheit der türkischen Muslime. Imame werden vielfach in religiösen
Imam-Hatip-Schulen ausgebildet. In den vergangenen Jahren fanden sogar immer
mehr Absolventen dieser Schulen Arbeitsplätze in der Verwaltung oder in Regierungsstellen
Es ist kaum anzunehmen, dass solche Absolventen eine Universitätstheologie,
die sich für den Westen aufgeschlossen zeigt, herzlich willkommen heißen. 2)
Körner hält fest, dass bei allem intellektuell hochstehenden Diskurs die
kultische Praxis weder überdacht noch geändert wird (S.57). Sollte die
kultische Kontinuität die (noch bestehende) Irrelevanz dieses Universitätsdiskurses
belegen? Außerdem arbeitet Körner mehrfach den Fokus auf ethische Fragestellungen
heraus und beklagt diese eingeschränkte Perspektive. Könnte dieser Fokus
allerdings der Schwerpunktbildung des Korans entsprechen und eben nicht nur
ein Zugeständnis an das Verständnis türkischer Zeitgenossen sein? 3) Manche
mögen auf die Entwicklung im Westen nach der Aufklärung verweisen: die Türkei
(und andere islamische Länder) müssen eben noch eine gewisse Wegstrecke
zurücklegen. Wenn der intellektuelle Diskurs einmal Auswirkungen auf die
kultische Praxis hat, dann aber ist es angemessen, westliche Denkmuster und
geschichtliche Entwicklungen als Maßstab an die islamische Welt anzulegen?
Sollte westliche Theologie und Philosophie insbesondere in seiner
kontinentalen Prägung überhaupt das non plus ultra für Denken und Leben
darstellen? Trotz dieser Anfragen bleibt Körners Buch ein wertvoller und gewinnbringender
Beitrag zur Beschreibung des intellektuellen Diskurses in Teilen der
islamischen Welt.
Heiko Wenzel, em 2007-2.
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Koschorke, Klaus; Frieder Ludwig; Mariano Delgado (Hg.). Außereuropäische
Christentumsgeschichte (Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen,
Bd. VI), Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag [2004], 2. durchgesehene
Auflage, 344 S., 2006.
Klaus Koschorke, /Frieder Ludwig/ Mariano Delgado (Ed), A
History of Christianity in Asia, Africa, and Latinamerica, 1450-1990. A
Documentary Sourcebook, Grand Rapids: Eerdmans, 2007, 426 S., US $35. Die traditionelle
eurozentrische und konfessionelle Missionsgeschichtsschreibung ist bereits
seit längerem übergegangen in die Schreibung regionaler und ökumenischer
Christentumsgeschichte aus globaler oder kontextueller Perspektive. Dabei
ist deutlich geworden, dass fünfhundert Jahre christlicher
Missionsgeschichte im Rahmen der europäischen Expansion von Bartholomä de Las
Casas über William Carey bis hin zur Befreiungstheologie interessante Perspektiven
und wichtige Quellen zum Erschließen der Kirchen- und Profangeschichte
Asiens, Afrikas und Lateinamerikas bieten. Der vorliegende Quellenband
enthält 317 Quellentexte der Kolonial-, Missions- und Kirchengeschichte von
1450 bis 1990. Die Texte sind durchgehend nummeriert und nach den geographischen
Regionen Asien (Teil I), Afrika (II) und Lateinamerika (III) angeordnet. Jede
Region wird dann noch in verschiedene Zeitepochen untergliedert. Am Ende des
Buches findet sich ein ausführliches Inhaltsverzeichnis, in dem jeder
einzelne Text verzeichnet ist. Darüber hinaus gibt es ein Orts-, Personen-
und Sachregister sowie ein kurzes Verzeichnis wichtiger Standardwerke und
Quellenausgaben zu nichtwestlicher Kirchen- und Missionsgeschichte. In der
zweiten, durchgesehenen Auflage von 2006 sind ursprünglich fehlerhafte Jahreszahlen
im Inhaltsverzeichnis korrigiert sowie die Literaturangaben aktualisiert
worden. Leider wurden auch Klaus Wetzels Kirchengeschichte Asiens und S.
Neills Geschichte der christlichen Missionen aus der Liste der Standardwerke
(S.335f) gestrichen.
Parallel zur 2. Auflage in Deutschland ist eine
amerikanische Ausgabe erschienen, die von Frieder Ludwig (Luther Seminary,
St. Paul, Minnesota, USA), koordiniert wurde. Sie bietet die entsprechenden
317 Texte in Englisch, wobei die Quellenangaben und Literaturhinweise dem
englischen Sprach- und Forschungsraum angepasst und z.T. auf
englischsprachige Literatur bezogen sind. Eine der deutschen Ausgabe
entsprechende Liste von englischsprachigen Standardwerken und Quellenausgaben
fehlt in der englischen Ausgabe. Im Index der englischen Ausgabe fehlt die
Rubrik „Sachen/Themen“.
Die Quellentexte dokumentieren u.a. die ersten Begegnungen
zwischen europäischen Entdeckern, Händlern und Missionaren und den Menschen
und Gesellschaften nichtwestlicher Regionen und Kulturen. Sie spiegeln z.B.
die Erwartungen der Portugiesen, die mit Vasco da Gama 1498 Indien
erreichten, und zeigen andererseits die Sicht der indischen Thomaschristen
über die ankommenden Portugiesen aus einem Brief an das nestorianische
geistliche Oberhaupt. Weitere Quellen berichten von missionarischen Begegnungen
und Dialogen wie den Gesprächen des ersten Dänisch-Halleschen Missionars B.
Ziegenbalg mit drawidischen Brahmanen aus dem Jahr 1714. Weitere Texte
dokumentieren z.B. die Akkomodationsmethode der jesuitischen Missionare
Matteo Ricci (China) und R. De No-bili (Indien), den Aufbau lokaler
Kirchenstrukturen, Auseinandersetzungen zwischen Missionaren, Kirchen,
Kolonialregierungen und Handelsgesellschaften, die Begegnung westlicher und
asiatischer Kultur und Wissenschaft bis hin zum Aufbruch der nichtwestlichen
Nationen in die Unabhängigkeit seit Ende des 19. und in der Mitte des 20.
Jahrhunderts und die damit verbundenen Entwicklungen in Mission, Kirche und
Theologie. Es finden sich Texte aus der Perspektive nicht-westlicher Kirchenführer,
von (Befreiungs)-Theologen und Dokumente unterschiedlicher nichtwestlicher
Kirchenbewegungen, z.B. im Feld der charismatischen Bewegungen.
Die Auswahl deckt ein relevantes und breites Spektrum ab.
Leider ist der Beitrag der Glaubensmissionen, den Vorläufern der heutigen
evangelikalen Bewegung, die in vielen Ländern der nichtwestlichen Welt eine
wichtige Rolle spielt (vgl. z.B. Philip Jenkins, The New Faces of Christianity: Believing the Bible in the Global
South, Oxford, 2006) unterrepräsentiert. So kommen etwa Hudson Taylor und
die von ihm 1865 gegründete China Inland Mission (CIM) trotz ihres
bedeutenden Beitrags zur chinesischen und globalen Kirchengeschichte nicht
vor (vgl. dagegen Alvyn Austin, The China Inland Mission and Late Qing
Society, 1982-1905. Studies
in the History of Christian Missions, hg. v. R.E. Frykenberg and Brian
Stanley, Grand Rapids: Eerdmans, 2006). Neben den pentekos talen
Kirchen zu wenig berücksichtigt ist m.E. die Rolle der evangelikalen Kirchen
und Theologien z.B. in
Lateinamerika nach 1945 sowie der Aufbruch der Weltmissionsbewegung aus den
nichtwestlichen Kirchen als Thema außereuropäischer Kirchengeschichte in der
jüngeren Vergangenheit.
Trotz dieser Defizite ist dieser Band ein wichtiges
Hilfsmittel für Studium und Lehre der Kirchen- und Missionsgeschichte heute.
Für die Arbeit in internationalen Kontexten stellt die amerikanische
Ausgabe auch für deutschsprachige Leser eine sinnvolle Ergänzung dar.
Dr. Friedemann Walldorf, em 2008-2.
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Kosic, Zuzana. Frühlingsstürme über Bratislava. Eine
Frau entrinnt dem Dunkel des Systems. Basel & Gießen: Brunnen Verlag,
1995.
Die Autorin ist Slowakin, die in der Zeit der
kommunistischen Diktatur Christin wurde. Das Buch ist ein persönliches,
authentisches Zeugnis ihres sehr abenteuerlichen Schicksals. Es schildert
ihre Bekehrung und vermittelt Einblicke in den Alltag einer evangelikalen Gemeinde.
Es wird jeden fesseln, der sich für eine unverfälschte, unretuschierte
Erzählung interessiert, in der auch weniger schöne Seiten mit ungewöhnlicher
Offenheit dargestellt werden.
Der Leser hat ein außergewöhnliches Buch einer
Auslandsautorin in deutscher Sprache in den Händen, die in der derselben
Stadt wohnt wie die (auch deutschen Lesern) bekannte slowakische Autorin
Kristina Roy. Die verwendeten Namen der Personen sind authentisch.
Möglicherweise hätten sie manche der berichteten Ereignisse anders gewertet.
In einer weiteren Auflage sollte man die Autorin richtig mit KOZIC angeben.
Ondrej Garaj, em 1996-3.
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Köstenberger, Andreas J. The Missions of Jesus and the
Disciples according to the Fourth Gospel. With Implications for the Fourth
Gospel’s Purpose and the Mission of the Contemporary Church. Wm. B. Eerdmans Publ.: Grand Rapids, Michigan und Cambridge, U.K.,
1998.
In der christlichen Welt kursieren unterschiedlichste
Vorstellungen von Wesen, Inhalt und Ziel von Mission, so daß viele Christen
nicht mehr wissen, was Mission im biblischen Sinn eigentlich ist. Andreas J.
Köstenberger geht es in seinem neuen Buch um eine Klarstellung dieser Punkte
im herrschenden nahezu undurchdringlichen Meinungsdschungel. Er zeigt anhand
des Johannesevangeliums auf, wo die Wurzeln für Mission liegen: bei Jesus
selbst, sowohl seiner Mission, mit der er in die Welt kommt, als auch der
Mission, zu der er die Jünger auserwählt und zurüstet.
Christen, die an der Autorität der Bibel gerade auch
bezüglich der Mission festhalten, werden jetzt denken: Warum soll ich das
Buch denn lesen, das ist mir doch ohnehin klar? Ihnen ist zu raten, gerade
deshalb dieses Buch zu lesen: So vieles, was einem „klar“ erscheint, wurde
von anderen übernommen, ohne selbst gründlich exegetisch zu arbeiten. Genau
dies tut Köstenberger, indem er das Johannesevangelium gründlich untersucht
bezüglich seiner Aussagen über die Mission Jesu, die er in dieser Welt
erfüllte, und der Mission seiner Jünger.
Christen dagegen, die Mission weniger in Zusammenhang mit
der Bibel sehen, ist dieses Buch besonders deshalb zu empfehlen, weil
Köstenberger aufzeigt, wie alle Missionstätigkeit heute in der Mission Jesu
und seiner Jünger begründet liegt. Auch heute betreibt Jesus selbst Mission
als der erhöhte Herr, so daß Mission kein menschliches Werk ist, das wir ohne
ihn tun könnten. Wer weder das biblische Zeugnis bezüglich Mission beachtet
noch den Inhalt und die Art seiner Missionstätigkeit von Jesus selbst hat,
wird keine Mission im Sinne Jesu betreiben.
Dieses Buch ist eine gründliche Arbeit am Bibeltext
selbst. Es geht in die Tiefe, faßt aber am Ende seine Ergebnisse immer wieder
zusammen. Der Schwerpunkt liegt dabei eindeutig auf der Mission Jesu, aber
auch die Mission seiner Jünger wird ausgeführt. Dabei werden sowohl die
Gemeinsamkeiten zwischen Jesu Mission und der seiner Jünger (und uns heute)
deutlich herausgestellt als auch die Einzigartigkeit der Person und der Mission
Jesu betont. Hier liegt für mich die besondere Note des Buches: Es betont
die Einzigartigkeit Jesu Christi. Ferner wird in feiner Art und Weise immer
wieder die Brücke zu uns heute geschlagen, indem aus dem biblischen Bericht
heraus gezeigt wird, wie die Grundlagen von Mission heute aussehen. Da der
Schwerpunkt aber auf dem biblischen Befund bezüglich Mission liegt, bleibt es
bei einer Grundlagenbeschreibung von Mission heute - man wünscht sich, daß
der Autor noch genauer ausführt, wie die erarbeiteten Grundsätze in der
Praxis aussehen (vielleicht im nächsten Buch?)
Somit ist dieses Buch allen zu empfehlen, die sich
ernsthaft mit der Begründung heutiger Missionsarbeit aus der Bibel – hier dem
Johannesevangelium – heraus beschäftigen möchten. Griechischkenntnisse sind
empfehlenswert (aber nicht absolut erforderlich).
Thomas Kinker, em 1999-3.
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Köstenberger, Andreas O., P.T. O’Brien. Salvation
to the Ends of the Earth: A Biblical Theology of Mission. Leicester: IVP, 2001.
A. Köstenberger (North Carolina, USA) und P. T. O’Brien
(Sydney, Australien) legen mit diesem gemeinsam verfassten (!) Buch einen
beachtenswerten evangelikalen Gesamtentwurf zu einer biblischen Theologie
der Mission vor. Beide haben sich schon als Experten im Überschneidungsfeld
von Bibelwissenschaft und Mission ausgewiesen (O’Brien, Gospel and Mission in
the Writings of Paul, Baker, 1995; Köstenberger, The Missions of Jesus and
the Disciples in the Fourth Gospel, Eerdmans, 1998).
Obwohl der Schwerpunkt des Buches gemäß der Fachrichtung
der Autoren auf dem NT liegt (177 S.), werden auch AT und intertestamentarische
Periode angemessen einbezogen (46 S.). Die Grundfrage der Untersuchung
lautet: Was bedeutet „Mission“ in der Bibel? Im Sinne einer induktiven
Vorgehensweise soll keine abstrakte Definition vorausgesetzt werden, weil die
Bibel selbst Mission nicht definiere. Ausgehend von einer vorsichtigen
Arbeitsdefinition, wollen die Autoren alle Texte untersuchen, die „in
bedeutsamer Weise einen Bezug haben zur Verkündigung des Namens Gottes und
seiner Heilsabsichten in Christus gegenüber einer ungläubigen Welt“ (S.21/22).
Dieser Ansatz ist sinnvoll, da er die verfrühte Einengung auf „spezielle
Missionstexte“ vermeidet, andererseits aber von einem angemessenen und
offengelegten Vorverständnis ausgeht. Vor allem in der Spur von D. Carson
entwerfen Köstenberger/O’Brien eine biblische Theologie der Mission, die von
heilsgeschichtlicher Entwicklung und Vielfalt einerseits und theologischer
Einheit in ihrer Verankerung im Herzen des dreieinigen Gottes andererseits
geprägt ist (S.251).
Die Urgeschichte wird als Voraussetzung (Notwenigkeit der
Mission aufgrund der Sünde und Möglichkeit der Mission aufgrund der
Initiative Gottes) interpretiert. Israel habe (gegen W. Kaiser, Mission in
the OT, Baker, 2000) keinen kulturüberschreitenden Missionsauftrag im
heutigen Sinne gehabt, sondern allein den Auftrag, Gott zu verherrlichen, um
Einzelne aus den Nationen anzuziehen. Das bewusste Hinausgehen und
Hereinrufen der Völker sei erst im Eschaton (seit der Auferstehung Jesu)
intendiert. (Hier gehen die Autoren m.E. zu stark von einem
neutestamentlichen Missionsverständnis aus. Sollte nicht die zentripetalattraktive
Heilsverkündigung durch Israel als heiliges Priestervolk als ein wirkliches
„Missionsmodell“ und somit als Teil der vielfältigen gesamtbiblischen
Missio Dei interpretiert werden? Und würde nicht auch die „Mission“ der
alttestamentlichen Propheten an Gottes Volk zu einer biblischen Theologie
der Mission gehören? Gerade in diesem Zusammenhang spielt der hebräische Sendungsbegriff
,Schalach“ eine wesentliche Rolle, z. B. Exodus 2-3, schalach 5 mal). Im
Hauptteil des Buches (Kap. 4-9) wird der missionarische Gedanke in den
Schriften des Neuen Testament entfaltet (hier leistet das Buch weiterführend
ähnliches wie schon Kertelge, Mission im Neuen Testament Herder, 1982 und
Larkin, William & Williams, Mission in the New Testament: An evangelical
approach, Orbis, 1997). Auf das Wesentliche konzentriert werden die
missionstheologischen Grundlinien bei Markus, Matthäus, Lukas, Paulus,
Johannes, in den allgemeinen Briefen und der Offenbarung ausgeführt. Dabei
nimmt auch die Diskussion der neueren Forschung einen angemessenen Raum ein.
Einen guten Überblick über die Einzelergebnisse bietet die
„concluding synthesis“ am Ende des Buches (vgl. Köstenbergers Artikel zu
„Mission“ im New Dictionary of Biblical Theology, IVP). Drei Indizes (Sach-,
Personen- und Bibelstellenregister) und eine Bibliographie im Appendix
bieten einen guten Zugang zum Text. Fazit: ein wichtiges und hilfreiches
Buch, in dem die evange-likalen Autoren die Ergebnisse ihrer exegetischen und
biblisch-theologischen Arbeit zum Thema „ Mission“ vorlegen und damit einen
wichtigen und mutigen Behrag zu einer gesamtbiblischen Sicht von „Mission“
liefern. Ein hervorragender Ausgangspunkt für die vertiefte Beschäftigung
mit diesem grundlegenden Thema für missiologisch und biblisch-theologisch
Interessierte.
Dr. Friedemann
Walldorf, em 2003-3.
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Krapf, J. L. Reisen in Ostafrika. Unveränderter Nachdruck des 1858 erschienenen
Buches, mit einer Einführung von Werner Raupp. Münster/Hamburg: Lit Verlag,
1994.
Mit der Vorlage dieses Buches wird erneut eine
Originalquelle über Entdeckungen und Missionsarbeit des 19. Jahrhunderts im
ostafrikanischen Raum zugänglich gemacht. W. Raupp gibt eine hilfreiche
Einführung, so daß man sich an die Lektüre dieses umfangreichen Buches wagen
kann. Der Band besteht aus zwei Teilen mit je ca. 500 Seiten im Postkartenformat
und umfaßt die Jahre 1837 bis 1855. Der 1. Teil enthält eine kurze Selbstbiographie
des Missionars und Gelehrten Krapf, seine Reise nach Abessinien (Äthiopien),
seinen Aufenthalt im kenianischen Mombasa und seine Missionstätigkeit auf
der ersten Missionstation Rabbai. Der 2. Teil beschreibt Johannes Rebmanns
Reisen im Land der Dschagga am Berg Kilimanjaro, den er als erster Europäer
entdeckte, seine eigenen Reisen in Tanganyika und Kenia (dabei entdeckte er
den Mount Kenia), erneute Reise nach Abessinien, eine 100seitige Geschichte
Ostafrikas und „Ermahnungen an Missionarien“.
J. L. Krapf war Missionar und Forscher – bewußt in dieser
Reihenfolge! – und ist damit bis heute ein Vorbild geblieben. Sein
sprachliches, literarisches, geographisches und ethnologisches Interessse
verschaffte ihm ein umfangreiches Wissen, das in diese Reisebeschreibungen
hineingeflossen ist. Auffallend bei der Lektüre ist seine äußerst genaue
Beobachtungsgabe und die Akribie bei der Beschreibung seiner Umwelt. Krapf
mußte Vertreibung, Beraubung und Lebensgefahr, Entbehrungen und
Gefangenschaft erdulden. Dennoch setzte er alles daran, die ins Auge gefaßten
Volksgruppen zu missionieren.
Krapf schrieb natürlich nicht für Schnell-Leser von
Taschenbüchern, sondern stellte Reiseberichte mit allen Erstinformationen
über die Geographie, die Kultur und Religion, über Handel, Preise und Namen
von Leuten und Dingen und viele andere Einzelheiten zusammen. Das mag hin
und wieder ermüden, aber der Reichtum der Informationen, Krapfs praktisches
Vertrauen auf Gott und auch sein Humor bei mancher Jagdbeschreibung machen
dieses Buch lesenswert.
Krapf war natürlich ein Mann seiner Zeit. Dies zeigt sich
bei seiner Bewertung des möglichen Baus des Suezkanals, sowie seiner Sicht
von der Ausdehnung der europäischen Politik, der Besiegung des Heidentums
durch das Christentum und der Öffnung für Tausende europäische Auswanderer.
Aber daneben steht auch Kritik am Kolonialismus und die Achtung vor den
Einheimischen. Als Pietist des 19. Jahrhunderts dachte und empfand Krapf
heilsgeschichtlich. Das Evangelium mußte in der „Hölle des Heidentums“ verkündigt
werden, bevor das Ende käme.
Krapf und Rebmann haben mit ihren wissenschaftlichen
Arbeiten und ihrer missionarischen Motivation den Grund für die dann folgende
erfolgreiche Missionierung Ostafrikas gelegt. Davon gibt dieses Buch Zeugnis.
Klaus Brinkmann, em 1997-4.
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Krimmer, Heiko; Reinhold Rückle. Nethanja. Gott hat gegeben. Jesu
Wirken heute in Indien. Bad Liebenzell: VLM, 1993.
Kurze Begegnungen mit frohen, hoffnungsvollen Indern
wurden hier als Reisebericht zusammengestellt. Sie verdeutlichen das treue
Wirken Gottes in Indien. Die Hintergründe für den Aufbau des ersten
Kinderheims der Indien-Inland-Mission im Jahr 1970 werden aufgezeigt. Bis
1993 entwickelte sich daraus ein eigener christlicher Gemeindeverband mit
300 Gemeinden. Das Buch stützt sich auf Heiko Krimmers eigenen Besuch der Arbeit.
Theo Wüst, em 1996-4.
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Kritzinger, J. N. J.; Nonnie Fouche (Eds.). Exploring
Theology. An introductory dictionary. Research
Institute for Theology and Religion, Unisa: Pretoria, 2nd revised edition,
2004.
Das einzigartige südafrikanische theologische Wörterbuch
enthält 1.800 Einträge auf 87 Seiten und bildet den Hauptteil dieses
Paperbacks. Konzipiert ist es für Anfänger im Theologiestudium und bietet
kurze Erläuterungen zu unbekannten Begriffen und Namen. Die Stichworte
wurden aus den Studienbriefen der Bachelor of Theology-Kurse an der
University of South Africa gewonnen. Dadurch unterscheidet sich das
Wörterbuch von vergleichbaren anglo-amerikanischen Werken: Es berücksichtigt
stärker (süd-)afrikanische Kirchen und deren Leiter und schließt alle
christlichen Strömungen in Südafrika mit ein. Gerade deshalb könnte es auch
für Benutzer außerhalb des Kontinents mit Interesse an Afrika nützlich sein.
Die Stichworte werden jeweils auch in Afrikaans und Sesotho angegeben,
während die ErEingesandte Bücher läuterungen fast ausschließlich auf
Englisch verfasst sind. Die Einträge sind sehr prägnant und meist
überzeugend. Durch das Hinzuziehen vieler Mitarbeiter sind allerdings ab und
zu auch einander widersprechende Aussagen entstanden. Die Einträge zu
„Missio…“ sind aus einer distanzierten religionswissenschaftlichen Perspektive
verfasst und betonen den subjektiven menschlichen Aspekt: „Mission means to
have a sense of purpose or to be sent.“ A „missionary … is one who has a profound sense of being an instrument
of God’s mission in the world. Missionaries experience being sent by the
power of the Holy Spirit to give witness to God to other people.“ Weitere
nützliche Abschnitte des Nachschlagewerks beinhalten: 1) Lateinische
Begriffe und andere Abkürzungen; 2) Abkürzungen biblischer Bücher; 3)
Bekenntnisse und zentrale Texte aus der südafrikanischen Kirchengeschichte;
4) Historische Tabellen bis 2000; 5) Karten; 6) eine Liste weiterer Nachschlagewerke.
Dr. Christof Sauer, em 2005-2.
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Krug, Angelika. Der Umbruch begann - Missionsarbeit
einer Ärztin in Südafrika. Reihe Paráklesis - Schriften zum geistlichen Leben der Kirche.
Hermannsburg: Verlag Missionshandlung Hermannsburg, Communität Koinonia,
1995.
Wer sich die Mühe macht, die etwa 160 Seiten in
unverfälschtem Tagebuchstil gründlich zu lesen und sich auch vor den
manchmal verwirrend vielen Details und Wiederholungen nicht scheut – es gibt
nur wenige interpretierende Zwischenbemerkungen – der wird belohnt. Die
Belohnung ist die Entdeckung allgemein geistlicher wie auch speziell
missiologischer Prinzipien, wie sie sich im tatsächlichen Leben darstellen:
Zusammenarbeit trotz Kulturunterschieden, Dienst in der Herzenshaltung des
Dienenden und die Auseinandersetzung mit und hoffnungsvolles Hineinwirken in
einen Kontext mit schier unlösbaren sozialen Problemen. All das finden wir
in diesem Buch, eingebettet in das Leben einer Ärztin, die ‘nebenberuflich’
zusammen mit einheimischen Christen erfolgreich Gemeindearbeit betreibt. Dr.
Angelika Krug, die seit 1985 als Ärztin in Südafrika tätig ist, veröffentlicht
hier ihr Tagebuch der Jahre 1987-1989. Daraus wird auch deutlich, daß sich
die Spannungen in der Situation in Südafrika auf einen Höhe- und Wendepunkt
zubewegen und das Leben in diesen Jahren besonders viele Herausforderungen
brachte. Diese Dimension - oft nur angedeutet - gibt dem Buch seinen Titel.
Das Buch wird besonders eine Leserschaft ansprechen, die
mit den Problemen Südafrikas vertraut ist. Darüberhinaus aber wird es auch
für diejenigen Leser wertvoll sein, die bei Textbüchern über Mission den
häufigen Mangel an Brückenschlag von der Theorie zur Praxis empfinden.
Hier werden Prinzipien und Konzepte erfrischend lebensnah geboten. Dabei
sind die zusätzlichen vier Seiten des stark interpretierenden Nachwortes von
Wolfgang Kubik als Anleitung für Gruppenarbeit sicher hilfreich und wohl auch
für diesen Zweck entworfen. Nach dem unverfälschten Tagebuchstil des
eigentlichen Buches wirken sie allerdings etwas bevormundend. Hilfreich
sind dagegen die im Anhang gegebenen Erklärungen und Namensregister, da sie
es dem Leser ermöglichen, den Faden in der Fülle der Einzelheiten, wie sie
einem Tagebuch nun einmal eigen sind, wiederzufinden.
Ursula Pasut, em 1997-4.
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Kühlwein, Annette. Geheime Wege in Lima. Wuppertal/Zürich: Brockhaus, 1994.
Annette Kühlwein lebte mehrere Jahre als Wycliff-Bibelübersetzerin
in Lima und hat hier eine zweite spannende Erzählung von Pancho, dem 13jährigen
Straßenjungen in Lima/Peru verfaßt. Der Leser ist vom Elend der Slums
betroffen. Durch die Liebe der Pflegeeltern des Pancho und durch den
aufopfernden Einsatz zweier christlicher Frauen wird deutlich, wie mit Jesus
Christus über die geistliche Rettung hinaus auch soziale Not gelindert werden
kann. In modernem, manchmal recht flottem, für Kinder gut verständlichem
Deutsch verfaßt, eignet sich das Buch besonders gut zum Vorlesen.
Christof Sauer, em 1997-2.
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Lamparter, Fritz (Hg.). Karl Hartenstein – Leben im weltweiten Horizont.
Beiträge zu seinem 100. Geburtstag. edition afem. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1995.
„Die Zeit ist nahe, unser Herr kommt.“ Das bleibt
Hartensteins (1894-1952) dringlichster Aufruf an die Christusgemeinde zwischen
dem ersten und zweiten Kommen des Herrn, ihr ganzes Leben, bis hin zum
Martyrium, für die Weltmission einzusetzen. Wer seine Schriften liest oder
die Bücher von Wolfgang Metzger (1953), Gerold Schwarz (1980) und Christof
Sauer (1994) über sein Leben und Wirken erforscht, der weiß, mit welcher
Leidenschaft dieser Mann der Kirche und Mission im Dienste des Reichs Gottes
die zentrale Wahrheit vom wiederkommenden Herrn zu verkündigen wußte.
Was mich beim Lesen besonders beeindruckt hat, ist die
vom Herausgeber bedachtsam vorgenommene Kombination von wissenschaftlichen
und erbaulichen Beiträgen. Die Sammlung besteht sowohl aus Referaten des
Karl-Hartenstein-Symposiums, das vom 3.-4. 6. 1994 von der Freien Hochschule
für Mission in Korntal veranstaltet wurde, als auch aus Vorträgen, Predigten
und schriftlichen Zeugnissen zum 100. Geburtstag von Karl Hartenstein. Hier
werden Leserinnen und Leser von heute nicht nur mit Hartensteins großem Anliegen
von der Dringlichkeit und Notwendigkeit der Mission unter den Völkern der
Welt konfrontiert; hier werden sie auch informiert, inspiriert und motiviert,
diesen Auftrag im Blick auf die Endzeit ernstzunehmen.
So wie dieses Buch in keiner Gemeinde-, Missions- und
Bibelschulbibliothek fehlen sollte, so ist es auch jedem Gläubigen als Missionslektüre
zu empfehlen.
Prof. Dr. Dr. Hans Kasdorf, em 1996-3.
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Langley, Myrtle. Von Abraham bis Zarathustra. Kleiner
Führer durch die Weltreligionen. Wuppertal/Zürich: Brockhaus-Verlag,
1995.
Versuche, die eigene und/oder fremde Religionen
darzustellen, gab und gibt es viele. Die Entwicklungen dieses Jahrhunderts
(Internationalisierung, Globalisierung und Pluralisierung, inklusive
Synkretismus) machen solche Unterfangen nötiger denn je. Die Irin M. Langley
tut dies auf eine sehr ansprechende Art und Weise. Ihren persönlichen
Christusglauben bekennt sie am Schluß; ansonsten ist sie weder auf eine
wertende noch eine vergleichende Darstellung der großen Religionen der Welt
bedacht. Auf jeweils 5-10 S. werden eingangs die Stammesreligionen, der
Hinduismus, Buddhismus, die Religionen Chinas (Konfuzianismus und Taoismus)
und Japans (Shintoismus), der Jainismus, Sikhismus, Parsismus und zum
Schluß das Judentum, das Christentum und der Islam vorgestellt. Fast jede der
96 Seiten ist bebildert oder mit einer Graphik versehen. Das ursprünglich in
Großbritannien erschienene Buch hat K. Fiedler unter der fachlichen Beratung
von Prof. N.-P. Moritzen deutschen Lesern zugänglich gemacht. Bis auf
kleine Fehler (z. B. S.82f.) kann dieser kleine Führer durch die Weltreligionen
vorbehaltlos empfohlen werden.
Dr. Gerhard Maier, em 1997-1.
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Larentzakis, Grigorios. Die Orthodoxe Kirche: Ihr
Leben und ihr Glaube.
Styria: Graz, Wien, Köln, 2000.
Der Autor, der in ‘Konstantinopel’ orthodoxe und in
Innsbruck katholische Theologie studierte, lehrt als orthodoxer Theologe
Ostkirchenkunde an der Universität Graz und legt hier eine übersichtlich
gegliederte und gut zu lesende Einführung in die orthodoxe Konfessionsfamilie
vor. Auch wenn der Autor immer wieder und zurecht deutlich macht, dass man
die orthodoxen Kirchen nicht verstehen kann, wenn man sie mit westkirchlichen
Methoden einfach nach ihrer Lehre oder Theologie befragt, wirkt die
Darstellung am Ende doch katholischer und westkirchlicher/westlicher als die
Ostkirchen tatsächlich sind. Das bewirkt einerseits, dass Christen aus dem Bereich
der Westkirchen (Katholiken, Protestanten) manches leichter verständlich
wird, andererseits aber auch, dass manches, was dem Westkirchler kulturell
und theologisch fremd scheint, zu wenig zum Tragen kommt. So wird nirgends
der genaue Ablauf der heiligen Liturgie beschrieben, ohne dessen Symbolik
man die orthodoxe Kirche kaum verstehen kann. Der Verfasser ist außerdem
stark im orthodox-katholischen Dialog engagiert und versucht mehrfach,
bestimmte Unterschiede zwischen diesen beiden Konfessionen zu minimieren
oder als nicht von Gewicht zu erläutern. Das führt aber dazu, dass die
orthodoxe Kirche für Protestanten oft ‘katholischer’ erscheint (z. B.
Marienverehrung, Heiligenverehrung, Tradition, Scheidung), als sie
tatsächlich ist. Aber trotz dieser Einschränkungen, die kaum ins Gewicht
fallen, wenn man sich ihrer bewußt ist, halte ich das Buch für die derzeit
beste Darstellung der orthodoxen Kirche in Lehre und Praxis in deutscher
Sprache. Wie Bernhard Knieß in em 4/2000 deutlich gemacht hat, werden mehr
und mehr Länder mit orthodoxen Kirchen in die Europäische Union
aufgenommen, so dass eine Begegnung mit orthodoxen Kirchen auch für Mitarbeiter
von Missionswerken immer normaler werden wird.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-2.
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Laubach, Fritz (Hrsg.). Justinian
von Welz. Sämtliche Schriften. Ein Österreicher als
Vordenker und Pionier der Weltmission. R. Brockhaus, Wuppertal
und Zürich (TVG Band
348), 1989.
Wenn auch inzwischen nicht mehr strittig ist, daß Luther über die Mission zumindest positiv
dachte, so ist doch weiterhin unstrittig,
daß die Orthodoxie, die sich auf ihn berief, Mission weitgehend
ablehnte. Einer der ersten Lutheraner, der
diese Ablehnung der Mission
zurückwies, war Justinian von Welz
(1621-ca. 1668), der so einer der
wesentlichen Denker der vorklassischen
Missionen wurde.
Er entwarf den Plan
einer Missionsgesellschaft in enger Anlehnung an die „christlichen Herrscher“, traf aber am Rande des Reichstages
1664 in Regensburg nur auf deren
Ablehnung, die ihrerseits unterstützt war von einem negativen
Gutachten von Johann Heinrich Ursinus, dem
damals führenden Theologen der lutherischen Orthodoxie. Zudem fand Welz nur
Anhänger (besonders Johann Georg
Gichtel), die durch ihre Theologie und die Art ihrer Polemik Welz eher schadeten als nutzten.
Die Gründung einer Missionsgesellschaft gelang Welz nicht, allerdings übten seine Ideen Einfluß auf die Gründung der Society for the Propagation of the Gospel (1701) aus.
1666 legte Justinian von Welz seinen Adelstitel ab und reiste selbst als
Missionar nach Surinam, wo sich seine
Spuren verlieren. Vermutlich
wurde er, so Spener, 1668 von
wilden Tieren zerrissen.
Für den heutigen Leser macht Fritz Laubach das Werk Justinians erneut zugänglich. Das Buch zeichnet sich dadurch aus, daß es sämtliche Schriften umfaßt (auf geringe Auslassungen
weist Hans Werner Gensichen in ZfM 2/1990, 123 hin), auch die „Abhandlung über die Gewaltherrschaft“, die Justinian vor seiner Bekehrung geschrieben hat. Das
missiologische Denken Justinians und sein
Leben werden zusammengehalten durch
seine Schrift „De Vita Solitaria – Vom Einsiedlerleben“.
Justinian,
kirchengeschichtlich gebildet, knüpft
an die Einsiedler der alten Kirche an, versteht aber Einsiedlerleben
nicht als (räumliche) Trennung von der
Welt, sondern als eine innere Trennung von ihr, die die Kräfte freisetzt
zum Dienst Jesu. Der vornehmste Dienst für Jesus ist die Mission, denn: Könnte es eine größere Nächstenliebe
geben als die, die Besitz nicht für sich selbst verbraucht, sondern um
anderen zum kostbarsten Besitz, dem
ewigen Leben zu verhelfen? Auch daß er seinen Adelstitel ablegte,
war für ihn „Einsiedlerleben“ (dargestellt
in der kleinen Schrift, wohl seine
überarbeitete Abschiedspredigt: „Seine Selbstverleugnung, Amsterdam 1664“). Seine Missionspläne entwarf er 1664 in der Schrift „Eine christliche und treuherzige
Ermahnung zur Gründung einer besonderen Gesellschaft“.
Es ist Laubach zu
danken, daß er Justinians Schriften
in heutiges Deutsch übertragen und sie uns so zugänglich gemacht hat.
Trotzdem schimmert der barocke Stil noch genügend
durch, vom Brief an Herzog Ernst von Sachsen-Gotha ist auch ein
Faksimile beigefügt. Zusätzlich zu den Schriften Justinians enthält das Buch auf S.7-32 eine Lebensbeschreibung und auf S.310-317 ein Verzeichnis
aller Schriften (mit ihren vollen – sehr
barocken – Titeln) und deren Fundorte.
Das Buch vermittelt Zugang zu allerersten Plänen einer Missionsgesellschaft, zugleich gewährt
es interessante Einblicke in das Verhältnis
von Bekehrung, Heiligung und Mission im Leben und Denken eines der
ersten protestantischen Missionstheologen, die
auch für heutiges missiologisches Denken bedeutsam sein können.
Klaus Fiedler, em 1990-4.
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Laurie, Munro. Die offene Tür. Erzählung aus
Karl Studds Arbeit in China. Wuppertal/Zürich: Brockhaus, Sonderaufl. 1994.
Trotz Familienbanden, Gebundenheit an Götter und Geister
und trotz einer ganz fremden Kultur haben Karl Studd und seine Frau vor gut
einhundert Jahren in China die Herzen einiger weniger Chinesen erreicht.
Dieses Buch schildert, wie durch soziale Ächtung und physische Verfolgung
Mitglieder einer Familie zum Glauben gekommen sind und allen Widerständen
getrotzt haben. Aus Krankheitsgründen mußte die Familie Studd nach England
zurückkehren, aber die Gemeinde in China lebte weiter. Ausgezeichnet aus
dem Englischen übersetzt von Verena Peyer-Binder eignet sich die Erzählung
zum Vorlesen für Kinder ab etwa sieben Jahren.
Christof Sauer, em 1997-3.
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Lawson, Mary (Hg). Christliches Handbuch für Österreich. Kirchen und Missionen. London: MARC-Europe 1991.
Wer sich endlich einmal
einen Überblick über Missionsgesellschaften gewünscht hat, die in Österreich beheimatet sind, wird enttäuscht. Auf
S.61f finden sich ganze drei Beschreibungen.
Auf den Begriff „Missionen“ hätte man deshalb im Titel besser verzichtet, wie
bei manch anderem Land in dieser ansonsten äußerst nützlichen Serie. So bleibt man weiterhin auf die deutschsprachige christliche Adressammlung
„Die Guten Seiten“ (PJ 1991) und verstreute Beschreibungen in I. Reimers
Handbuch evangelistisch-missionarischer Werke
(CVH 1991, vgl. Buchliste in em 92-3) angewiesen. Wer dagegen in Österreich arbeitet, findet nützliche Information: einem
aufschlußreichen Artikel über kirchliches Leben folgen die zugrundeliegenden ausführlichen Statistiken sowie die Anschriften der Kirchenleitungen und -bünde und Beschreibungen
kirchlicher und freier Werke, Ausbildungsstätten und Medien. Die Broschüre ist zweisprachig deutsch-englisch abgefaßt. Beim
deutschen Text stört eine Fülle von Rechtschreibfehlern,
während der englische Text
überhaupt prägnanter und verständlicher gefaßt ist.
Christof Sauer, em 1992-4.
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Lewis, Gordon R.; Bruce A.
Demarest. Integrative
Theology: Historical - Biblical - Systematic - Practical. Zondervan: Grand Rapids
(MI), 1997.
Die beiden Professoren für Systematische Theologie am
baptistischen Denver Seminary legen hiermit ihre 1987-1994 in drei Bänden
erschienene ungewöhnliche Darstellung der christlichen Lehre (Dogmatik) in
einem Band vor. Sie wollen die verschiedenen Aspekte der theologischen
Arbeit ineinander integrieren, indem sie in jedem der gleich aufgebauten 24
Kapitel 1) zunächst die klassischen Positionen aus der Geschichte vorstellen,
2) sodann den biblischen Befund nach biblischen Schriftgruppen (z. B.
Propheten, Evangelien) diskutieren, 3) daraus eine systematische Darstellung
biblischer Lehre ableiten, 4) diese apologetisch gegen andere Auffassung
verteidigen und schließlich 5) nach der Bedeutung dieser Lehre für den
praktischen Dienst fragen. In Kapitel 4 zur Inspiration der Heiligen Schrift
werden beispielsweise zunächst die Sichtweisen der römisch-katholischen Scholastik,
des protestantischen Liberalismus, der neoorthodoxen Theologie, des 2.
Vatikanischen Konzils, der gemäßigt-kritischen Evangelikalen, der Anhänger
der Diktattheorie und schließlich die Sicht „der meisten Väter, Reformatoren
und Evangelikalen“ beschrieben, wie sie etwa in der Chicagoerklärung zum
Ausdruck kommt. Letztere Sicht wird dann aus dem Pentateuch, den historischen
Büchern, den Propheten, den synoptischen Evangelien, der Apostelgeschichte,
der Paulusbriefe, der johannäischen Literatur und der restlichen Schriften
des NT belegt. Anschließend wird diese Sicht gegen die eingangs
beschriebenen anderen Sichtweisen verteidigt und schließlich dargestellt,
welche Bedeutung die Inspiration und Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift für
das persönliche Glaubensleben und für die Motivation zum Dienst in der Gemeinde
hat. Ich kenne Dogmatiken, mit denen ich in einzelnen Detailfragen eher übereinstimmen
würde, aber keine, die eine derartige groß biblisch-exegetische und
historische Materialfülle so praktisch nachvollziehbar und verwertbar macht
– auch und gerade auch in der Missionsarbeit und in anderen Kulturen. Lewis
und Demarest zeigen, wieviel der Theologie verloren geht, wenn die einzelnen
theologischen Disziplinen auseinanderdriften und ihr Eigenleben entfalten
und wieviel theologisch und praktisch zu gewinnen ist, wenn man sie im
Interesse der biblischen Lehre wieder zusammenführt, um eine ‘integrative’
Theologie zu erhalten.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1998-2.
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Lingenfelter,
Sherwood G. & Marvin K. Mayers. Kulturübergreifender Dienst
- Ein Modell zum besseren
Verstehen zwischenmenschlicher Beziehungen. Lahr: Edition VLM im Verlag SJD, 1991.
Nach welcher
Zeitspanne beginnen Sie, sich ernsthaft aufzuregen, wenn sich Ihr
Besucher verspätet? Wenn Ihre „Verspätungs-Toleranz“ sich wesentlich über 1/2
Std. hin ausdehnt, sind Sie wohl kein
typischer zeitorientierter Nordamerikaner oder Deutscher. Für den
Lateinamerikaner ist dagegen eine
Wartezeit von einer Stunde noch kein
Grund zur Unruhe, während die
Yapesen, ein Inselvolk im pazifischen
Mikronesien, ohne weiteres 3 Stunden verkraften.
Für den Umgang mit solchen Diskrepanzen im
„kulturübergreifenden Dienst“ wollen Lingenfelter und Mayers (beide lehren
„Interkulturelle Studien und Weltmission“ an der Biola-Universität in
Kalifornien) anleiten. Lingenfelter, jahrelang als Kulturanthropologe auf
den pazifischen Inseln tätig, ist der
eigentliche Autor des Buches. Von
Mayers übernahm er dessen „Grundwerte-Modell“.
Lingenfelter listet sechs Gegensatzpaare von Grundwerten
auf (zB Zeit- oder Erlebnisorientierung,
Ziel- oder Personenorientierung). Anhand des extremen Gegensatzes von
mikro-nesischer Yap-Kultur und nordamerikanischen
Werten zeigt er mit anschaulichen
Beispielen die ganze Bandbreite möglicher
kultureller Prägungen auf. Interessant ist dabei der jeweilige
Vergleich mit dem Verhalten Jesu, bei dem unsere westliche Kultur durchaus
nicht immer am besten wegkommt.
Vor allem will das Buch
jedoch helfen, durch Einsicht in
andere Wertmaßstäbe Spannungen in der interkulturellen Begegnung
abzubauen. Für den Christen im kulturübergreifenden Dienst stellt dabei laut
Lingenfelter die Inkarnation Jesu das vollkommene Beispiel dar. Er identifizierte sich ganz mit den Menschen,
zu denen er gesandt war.
Das prägnante und gleichzeitig anschauliche
Buch kann Missionaren in anderen Kulturbereichen
ebenso dienen wie Christen, die in Deutschland Ausländern Gottes Liebe zeigen wollen.
Wolfgang Häde, em 1994-1.
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Literaturschau zu Fragen der Weltmission Nr. 20 [für das Jahr 1993]. Beiheft zur Zeitschrift für Mission 2/1994. Herausgegeben im Auftrag der Deutschen
Gesellschaft für Missionswissenschaft von Friedrich Huber. Ev.
Missionsverlag im Christlichen Verlagshaus: Stuttgart, 1994.
Der neue zeichnende und
schon lange beteiligte Bearbeiter, Prof. Dr. Friedrich Huber an der
Kirchlichen Hochschule in Wuppertal, hat zu Beginn
des dritten Jahrzehnts der Literaturschau deren Systematik an einigen
Punkten geändert. Die
Durchsicht der 1364 Einträge (Bücher und Artikel) bestätigt einen Eindruck,
der sich dem Beobachter seit Jahren aufdrängt: Mission und Missiologie im engeren Sinn – ganz zu schweigen von einer Konzentration auf die
Unerreichten – bildet in der Fülle der verzeichneten Veröffentlichungen nur
noch eine kleine Insel. So hätte dieses an sich durchaus verdienstvolle
bibliographische Hilfsmittel eigentlich
einen neuen Namen verdient; in der
Reihenfolge der Prioritäten und etwas überspitzt
ausgedrückt: „Deutschsprachige Literaturschau
für christliche (Dritte-)Welt-Kunde und
Religionen, Ökumene, Mission und Judentum“.
Eine formale Verbesserung und Platzersparnis wäre Proportionalschrift
in zwei Spalten. Die Angabe des Erscheinungsjahres,
bzw. einer Kopf- oder Fußzeile mit der Jahreszahl der Literaturschau würde die Recherche durch mehrere Jahrgänge
und in gebundenen Exemplaren wesentlich erleichtern. Angesichts der bei der
Erfassung verwendeten Computer müßte auch
eine Diskettenversion (und sei es nur
als Liste) kein ferner Wunschtraum mehr sein.
Christof Sauer, em 1995-4.
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Little,
Christopher R. Mission in the Way of Paul: Biblical Mission for the Church in the Twenty-First
Century. Studies in Biblical Literature 80, New York, etc.: Peter Lang, 2005.
Der
vorliegende Band geht auf eine Doktoraldissertation an der Fuller Seminary
School of World Missions zurück. Little gibt keinen detaillierten
Überblick über die paulinische Mission, sondern konzentriert sich auf die
finanzielle Situation des Paulus und welche Rolle Geld in seinem Missionswerk
spielte. Von diesem Befund her kritisiert Little engagiert die gegenwärtig
vielfach praktizierte partnerschaftliche Zu-sammenarbeit durch finanzielle
Transferleistungen zwischen westlichen Missionen und Partnerorganisationen
und -kirchen in anderen Teilen der Welt.
Little beginnt mit dem sozio-ökonomischen Status des
Paulus in der antiken Welt. Ziel
ist dabei „to present his perspectives on the proper use of finances in his
personal life and in the lives of others in the context of the first-century
church“ (4). Little schließt „Any attempt to use Paul as a modell to
financially support cross-cultural workers is groundless … there is no
precedent in Paul for the provision of a regularly salaried part-time or
full-time local church leaders, even though he permitted remuneration on an
occasional basis“ (46). Spannend ist der Überblick über „Resource Sharing
among the Churches of the First-Century World of Paul“ (131-70). Ausführlich
behandelt Little die Gütergemeinschaft der Jerusalemer Gemeinde, die Gabe der
antiochenischen Gemeinde in Apg 11,27-31 und die paulinische Kollektenaktion
(wobei eigentlich nur letztere für die paulinische Praxis herangezogen werden
kann!). Ziel ist es, „to
discuss the various purposes for which Christian communities in the first
century shared resources both within and among themselves; and delineate how
the latter point applies to the church in the twenty-first century“ (131). Little
zeigt zurecht, dass diese Fälle finanzieller Transferleistungen nicht zur
Rechtfertigung der gegenwärtigen Praxis angeführt werden könnnen.
Abschließend
stellt Little das paulinische Modell dem modernen Konzept internationaler
Partnerschaft gegenüber (171-231, „… the associations between Western and
non-Western organizations, that is, between north/south and/or west/east
cooperations between Western churches and/or mission agencies within the
global church“, 171). Nach einer Beschreibung der wesentlichen
Merkmale dieser Bewegung (mit starker Konzentration auf den US-amerikanischen
Kontext) präsentiert Little eine gute Analyse und größtenteils überzeugende
Kritik dieser Praxis („dependency“; z. B. „Foreign funding of national
workers … thwarts church growth“, 226). Die Darstellung bietet einen guten
Überblick über die gegenwärtige Praxis, ihre Ursachen, Gründe und ihre Folgen,
führt in die gegenwärtige missiologische Diskussion ein (Positionen beider
Seiten) und greift auf mehrere Fallstudien/bzw. Stimmen aus den
Empfängerländern (China, Indien, Russland, Kenia) zurück.
Der exegetisch Teil bleibt oft auf englischsprachige
missiologische Literatur beschränkt. Insgesamt handelt es sich um eine
anregende Studie zu einem Teilaspekt der paulinischen Mission und um eine
wichtige Kritik gegenwärtiger Praxis. Doch spricht sie weder zur paulinischen
Missionspraxis noch zur gegenwärtigen internationalen Zusammenarbeit das
letzte Wort. In beiden Teilen bleiben wichtige Fragen offen, u. a. nach der
Übertragbarkeit des paulinischen Modells.
Prof.Dr. Christoph Stenschke, em 2006-3.
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Livingstone,
Greg. Planting
Churches in Muslim Cities. A Team Approach. Grand Rapids:
Baker Book House, 1993.
Eine Hauptthese zieht sich durch dieses bemerkenswerte Buch des Gründers und Direktors von Frontiers: Es ist nicht hoffnungslos, in muslimischen
Städten christliche Gemeinden gründen zu
wollen. Entmutigten Missionaren sei diese Studie darum besonders
empfohlen. Nach einigen theoretischen
Vorüberlegungen zu Möglichkeiten und Grenzen des Gemeindebaus analysiert Livingstone, der selbst viele
Jahre als Missionar in Indien und im Nahen Osten gearbeitet hat und daher die Situation vor Ort kennt, die
besonderen Bedingungen und Schwierigkeiten, mit denen sich der westliche Missionar in einem islamischen Land konfrontiert
sieht. Der Schwerpunkt des Buches liegt dabei
weniger auf der Erläuterung theologischer Lehrunterschiede zwischen
Islam und Christentum, die an anderer Stelle vielfach nachgelesen werden können. Vielmehr beschäftigt sich Livingstone vorwiegend mit den zahlreichen Kulturschranken, die er als eine der Hauptursachen für das Scheitern christlicher Mitarbeiter in der islamischen Welt
ansieht. Viele praktische Beispiele machen das
Gesagte anschaulich und vermitteln wertvolle Hilfen, ohne
zum einfachen „Patentrezept“ zu geraten.
Nicht nur Missionaren im Ausland dürfte das Buch dazu verhelfen, dem erklärten Ziel de Jüngermachens aller Völker auch in Bezug
auf die muslimische Welt ein Stückchen näher
zu kommen.
Dr. Christine
Schirrmacher, em 1995-4.
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Löwen, Heinrich. In Vergessenheit geratene Beziehungen. Frühe
Begegnungen der Men-noniten-Brüdergemeinde
mit dem Baptismus in Rußland ‑ ein Überblick (Beiträge zur osteuropäischen Kirchengeschichte
1), Logos, Bielefeld 1989.
Löwen legt kein
Missionsbuch im engeren Sinn vor, aber sein Buch gibt dem Missionsinteressierten
viele nützliche Informationen über sehr verschiedene Aspekte der Mission: Zum
einen über die Missionsarbeit der frühen deutschen Baptisten im Zarenreich, zum anderen über die Missionsarbeit der Mennonitenbrü-dergemeinde
(MBG) unter den Deutschen im Russischen Reich. Wenn auch beide Missionsbewegungen sich besonders an Deutsche wandten, so
haben doch auch die Baptisten und
die MBG von Anfang an unter Russen und
Ukrainern gearbeitet, wobei interessant ist, daß Missionare der MBG
unter Slawen Baptistengemeinden gründeten. Das Buch berichtet aber auch von
sehr frühem Engagement der MBG für die Weltmission (zT in Zusammenarbeit mit
Baptisten) und für die Mission unter nichtchristlichen Völkern des Russischen
Reiches. Heinrich Löwens Buch kann helfen,
im Umbruch der ehemaligen Sowjetunion besser informiert zu sein.
Zudem bilden die MBG der Rückwanderer hier
eine wachsende Kraft in der missionarischen Sendung.
Klaus Fiedler, em 1992-3.
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Ludwig, Frieder. Zwischen Kolonialismuskritik und
Kirchenkampf. Interaktionen afrikanischer, indischer und europäischer
Christen während der Weltmissionskonferenz Tambaram 1938. Studien zur
Außereuropäischen Christentumsgeschichte Bd. 5 Göttingen: Vandenhoeck &
Ruprecht, 2000.
In der Literatur zu den Weltmissionskonferenzen
untersuchte man meist einzelne theologische Themen, indem man beispielsweise
nach dem Kirchenverständnis (W. Günther, 1970), dem Bibelverständtis (A.
Johnston, 3978), dem Evangelisations- und Missionsverständnis (T. Shivute,
1980) oder nach dem Verständnis von Heilsgeschichte (G. Sautter, 1985) der
einzelnen Konferenzen fragte. Das Vorgehen des vorliegenden Buches, das eine
1999 von der Evangelischen-Theologischen Fakultät der LMU München angenommene
Habilitationsschrift ist, geht methodisch den umgekehrten Weg. Ludwig fragt
nicht, er hört zu, nämlich auf das, was die eigentlichen Konferenzthemen
waren. Dabei beschränkt er sich auf die Weltmissionskonferenz von Tambaram
1938, wählt drei geographische Gebiete (nämlich Westafrika, Südindien und
Westeuropa) aus und beschreibt die beherrschenden Fragen und Lebenswelten ihm
wichtig erscheinender Konferenzteilnehmer dieser Gebiete. Diese Methode
überzeugt, denn der Leser bekommt auf diese Weise einen tiefen Einblick in
das Konferenzleben. Das Buch gliedert sich in drei Hauptteile, die durch die
geographischen Gebiete vorgegeben sind. Für die westafrikanischen Konferenzteilnehmer
waren die Fragen nach der Beurteilung der Polygamie sowie der unabhängigen
Kirchen beherrschend. Den südindischen Teilnehmern ging es vor allem um die
Frage nach der Verhältnisbestimmung von Christentum und Hinduismus, zumal
sie die in Tambaram so wichtige Debatte um Hendrick Kraemers Buch: The Christian Message in a Non-Christian World betraf. Das Kapitel über die
westeuropäischen Teilnehmer ist zweigeteilt. Im ersten Teil gelingt es
Ludwig in geradezu spannender Weise das Zustandekommen der deutschen
Delegation in den Irrungen und Wirrungen des NS-Staates darzustellen. Dabei
wird deutlich, dass die deutschen Teilnehmer zu Konzessionen der nationalsozialistischen
Ideologie gegenüber bereit waren, was sich deutlich in der sog. deutschen
Sondererklärung niederschlug. Hier gilt es in der Tambaramforschung,
besonders in der evange-likalen Tambaram-Rezeption umzudenken. Denn bisher
wurde der Fokus hauptsächlich auf die e-schatologische Dimension gerichtet.
Die (pseu-do)schöpfungs- und ordnungstheologischen Aussagen der
Sondererklärung, die in ihrer Betonung von Volk und Rasse nationalsozialistischen
Idealen nahe standen, wurden dagegen kaum beachtet. Im zweiten Teil dieses
Kapitels steht William Paton, als sympathischer Christ und Organisator der
Tambaramkonferenz im Mittelpunkt. Alles in allem ist dieses Buch eine
Lektüre, die von dem Leser einige Lesearbeit abverlangt, denn es werden eine
Fülle von biographischen Einzelheiten beschrieben, sowie unzählige
kirchengeschichtliche Details und politische Zusammenhänge dargestellt, die
weit über die im Untertitel des Buches vorgegebene Zielrichtung hinausgehen.
Dies ist einerseits sehr interessant, insbesondere für die Kirchengeschichtsforschung
Westafrikas und Südindiens. Andererseits jedoch verhindert diese Breite der
Darstellung ein schnelles, zielgerichtetes Lesen, was sich mitunter auf den
Leser ermüdend auswirken kann.
Elmar Spohn, em 2005-1.
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Lutz, Lorry. Women as Risktakers for God. WEF/Paternoster
Publ.: Carlisle (GB), 1997.
Bücher von Frauen über Frauen haben Hochkunjunktur.
Dieses Buch ist jedoch in vielerlei Hinsicht ein besonders gelungenes Werk,
nicht nur für Frauen, sondern gerde auch für Männer. Ausgehend von
biographischen Skizzen von Frauen aus der Kirchen- und Missionsgeschichte
über eine kurze Einführung in die biblisch relevanten Passagen für die
„Frauenfrage“ gibt die Autorin einen knappen Einblick in die
Auslegungsgeschichte dieser Verse im Judentum zur Zeit des Alten und Neuen
Testamentes. Sie beleuchtet die Zeit der frühen Kirchenväter, der
Reformationszeit und die Theologie und Praxis der Kirchen in der Neuzeit bis
ins 20. Jahrhundert, ebenso die Stellung der Frau in den nichtchristlichen
Religionen. Wer sich bisher noch nicht mit der Frage nach dem Dienst der
Frau in der christlichen Gemeinde beschäftigt hat, wird in diesem ersten
Buchteil manches Neue finden. Wer jedoch tiefer eintauchen will oder muß,
wird in jedem Fall auf die Extra-Liste mit weiterführender Literatur am Ende
des Buches angewisen sein.
Der Schwerpunkt dieses Arbeitsbuches liegt auf den
ausführlichen Biographien zeitgenössischer Frauen aus allen fünf
Kontinenten. Dies ist ein Novum evangelikaler Frauenliteratur in diesem
Bereich, die sonst eher den anglophonen Bereich berücksichtigt. Die
Biographien sind keine schriftlichen Lobreden, sondern lassen die Leser
Anteil nehmen an der Glaubensgeschichte dieser Frauen, ihrem Dienstverständnis,
ihrer Berufung im jeweiligen Kontext und den Zweifeln und Hindernissen, die
sie auf ihrem Weg zu überwinden hatten. Die zugrundeliegenden Interviews
scheinen immer wieder durch, so daß die Leser Entwicklungen gedanklich nachvollziehen
können. Sie regen geradezu zu einer inneren Zwiesprache an: Wie kann ich als
Leserin meine Berufung erkennen und leben? Wie hätte diese Frau in meiner Situation
gehandelt? Wie wäre ich als Mann mit einer dieser Frauen als Kollegin oder
Ehefrau zurechtgekommen?
Wer mit seinen Fragen so weit gekommen ist, wird im
letzten Teil noch weitergeführt: „Was lernen wir aus diesen Biographien?“ Es
geht nicht um eine erbauliche „Zurkenntnisnahme“, sondern um Ermutigung zum
Dienst, um offene Augen, die jeweilige eigene Berufung zu erkennen und zu
leben. Gerade dieser Abschnitt richtet sich auch an männliche Leser, die
gemeinsam mit Frauen zu folgenden Zielen geführt werden sollen:
* die Vielzahl der Gaben, die Gott Frauen schenkt, zu
erkennen,
* anhand des Dienstes von Frauen darzustellen, wie Gott
Frauen beruft und sendet,
* Männer und Frauen zu ermutigen, gemeinsam
am Reich Gottes zu bauen und
* Ermutigung zu gegenseitiger Achtung und Respekt, auch
wenn in der Frauenfrage verschiedene theologische Anschauungen vertreten
werden.
Dieses Buch ist im besten Sinne des Wortes zielorientiert:
Es geht darum, das Reich Gottes gemeinsam zu bauen. Dennoch kommen theologisch
konservative Leser nicht an einigen unbequemen Wahrheiten vorbei: „Wenn wir
die Heilige Schrift vom Sündenfall her auslegen, verstehen wir die Folgen
der Sünde als unmittelbar von Gott so eingesetzt. Wenn wir dieselbe Passage
aber aus der Perspektive der Erlösung lesen, verlieren die Konsequenzen der
Sünde ihre normgebende Bedeutung … Männer und
Frauen müssen von den Folgen der Sünde erlöst werden - unser Blick richtet
sich nicht darauf, eine Vorherrschaft durch eine andere zu ersetzen, sondern
die neue Ordnung zu leben, die Christus eingesetzt hat“ (S. IX).
Insgesamt ein wohltuend internationales, ganzheitliches
Buch, dem ich eine weltweite Verbreitung wünsche.
Friedhilde Stricker, em 1998-2.
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Lutzer, Erwin W. Christus der Einzige. Warum
Jesus für uns so wichtig ist. Der christliche Glaube im Zeitalter der Toleranz. Bad Liebenzell: Verlag der Liebenzeller
Mission, 1996.
Erwin W. Lutzer beschäftigt sich in seinem nun auch auf
Deutsch vorliegenden Buch mit einem wichtigen Thema unserer Zeit: „Wie können
wir aktive Zeugen für Christus sein in einer Zeit noch nie dagewesener Toleranz?“
(S.208) Enstanden ist das Buch aufgrund einer Vortragsreihe, die der Autor
als Pastor der Moody-Gemeinde in Chicago 1993 nach dem Weltkongreß der
Religionen gehalten hat. Dabei wurde der Vortragsstil für die Drucklegung
beibehalten.
In den ersten Kapiteln gibt Lutzer seine Erfahrungen mit
dem Weltkongreß der Religionen wieder und analysiert unsere Gesellschaft in
bezug auf die Religionen. Pointiert stellt er fest: „Die Götter sind auf dem
Vormarsch!“ (S.11) Dabei stellt sich immer mehr die Frage nach dem
Stellenwert Jesu Christi im Vergleich zu den Größen anderer Religionen, die
als „unvollständig, irreführend und falsch“ betrachtet werden müssen
(S.21ff).
Bevor Erwin Lutzer zu seinem Hauptteil, der Darstellung
der Einzigartigkeit Jesu Christi, übergeht, setzt er sich mit der Frage der
Toleranz und der Wahrheitssuche auseinander. Da es eine objektive für alle
Menschen zugängliche Wahrheit gibt, muß es darum gehen, „Beweise“ für den
christlichen Wahrheitsanspruch anzuführen. Von der Jungfrauengeburt über
die Wunder und Jesu vollmächtige Predigten bis hin zu Jesu Tod, seiner Auferstehung
und seiner Himmelfahrt, von der Inkarnation bis zur Parusie soll deutlich werden,
„daß Christus einzigartig ist und kein religiöses Gegenüber hat“ (S.64).
Es folgt eine apologetische Christologie, die in Auseinandersetzung mit
kritischen Einwürfen die Vernünftigkeit des christlichen Glaubens und seinen
Ausschließlichkeitsanspruch herausstellt.
Zum Schluß stellt sich noch die Frage „Sind sonst alle
verloren?“ (S.191). In Ablehnung eines „evangelikalen Pluralismus“ (z.B.
Clark Pinnock), der Christus in allen Religionen versöhnend am Werk sieht,
werden die Religionen dem Bereich des Satans zugeordnet: „Satan rief
Religionen schaffendes Denken im Leben der von Gott getrennten Menschen
hervor“ (S.199). Gemäß einer calvinistischen Erwählungslehre werden die Menschen
ohne Christus gerichtet. Lutzer hält fest, daß Gott nicht verpflichtet ist,
„die zu retten, die niemals von Christus gehört haben“ (S.203). Hier kommt
der theologische Streit zwischen calvinistischen und arminianischen Evangelikalen
in Amerika zum Ausdruck.
Die Stärken des Buches liegen in der Aufnahme von
kritischen Fragen, denen Christen in einer multireligiösen und säkularen
Gesellschaft begegnen. Hier wird der Christ darin bestärkt, daß sein Glaube
sich auf feste Grundlagen stützt und Sinn macht. Der apologetische und
bekenntnishafte Charakter des gesamten Buches wird deutlich. Dabei ist
‘Christus der Einzige’ stark vom amerikanischen Kontext geprägt; Hinweise auf
den deutschen Kontext fehlen.
Last not least möchte ich die theologische Anfrage
stellen, ob es dem biblischen Zeugnis entspricht, in einem religiösen
Dualismus zwischen Gott bei den Christen und Satan bei den anderen
Religionen zu trennen? Muß hier nicht differenzierter gedacht werden, wie
dies z. B. Peter Beyerhaus mit seinem tripolaren Ansatz getan hat? Ist
Wahrheit im biblischen Sinne tatsächlich so objektiv und universell erkennbar,
oder bedarf es nicht vielmehr einer persönlichen Bekehrung (biblisch:
metanoia), um die eine Wahrheit, welche Jesus Christus ist, zu erkennen?
Schließlich erhält der Leser den Eindruck, daß am Ende nur eine kleine Schar
gerettet wird (1-2% der Weltbevölkerung). Hier ist zu fragen, ob dies dem
allumfassenden Heilswillen Gottes entspricht. Die Weite der Gnade Gottes
(Clark Pinnock) sollte m. E. nicht unberücksichtigt bleiben.
Martin Reppenhagen, em 1997-3.
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Maggio, Francesco. Christus für Muslime – Antworten auf
Fragen von Muslimen. Berneck/CH: Schwengeler Verlag, 2003.
Francesco Maggio ist Italiener und hat eine
außerordentliche Leidenschaft für Muslime der arabischen Welt. In dieser
Übersetzung seines Buches erhalten wir einen Einblick in seine Begeisterung
und seinen Enthusiasmus. Diese sind aus der Anordnung des Buches ersichtlich,
das ständig die am meisten gestellten Fragen von Muslimen formuliert und
praktische christliche Antworten gibt. Dies ist kein systematisches Buch
über den Islam, sondern – wie der Untertitel schon sagt – ein praktisches
Buch, das uns auffordert, uns einzulassen auf Beziehungen zu Muslimen, um
ihre ernsthaften Fragen zu hören und Antworten zu geben. Der Leser wird
daran erinnert, dass Evangelisation immer mit Begegnung beginnt. Kapitel 1
beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen dem Koran und der Bibel, der Sohnschaft
des Christus, der Dreieinigkeit und der Natur von Christus' Göttlichkeit. Der
Autor bewegt sich ständig zwischen Texten aus der Bibel und dem Koran hin und
her, um seine Argumente zu begründen. Kapitel 2 ist kurz und befasst sich
mehr mit dem Koran. In Kapitel 3 lesen wir, was der Koran über das
Christentum sagt und wie Christen überzeugende Antworten geben können.
Muslime sagen zum Beispiel, dass Mohammed im Neuen Testament vorausgesagt
wurde. Es gibt einen Abschnitt über den Anspruch, dass Mohammeds
Ungebildetheit das „Wunder" des Korans steigert. Es gibt Absätze
darüber, wie wichtig es für Muslime ist, dass der Koran in Arabisch ist und
Absätze über seine historische Entwicklung. Nahtlos verwoben in diese
Paragraphen sind christliche Kommentare und Antworten. Es gibt vier
hilfreiche Anhänge einschließlich einem, wie man einem Muslim die
Dreieinigkeit erklärt. Eine Wortliste und ein kurzes Literaturverzeichnis
runden das Buch ab. Wenn Sie ein praktisches Buch über die am meisten
gestellten Fragen von Muslimen und Antworten auf ihre Kritik an der
biblischen Wahrheit brauchen, dann ist dieses Buch für Sie. Aber seien Sie
gewarnt: es ruft den Leser in eine radikale persönliche Begegnung mit seinem
muslimischen Nachbarn auf.
Dr. Andreas Maurer, em 2008-4.
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Maier, Gerhard. Gemeindeaufbau als Gemeindewachstum. Zur
Geschichte, Theologie und Praxis der „church-growth”-Bewegung. Erlangen:
VELM.
Der Stuttgarter Pfarrer Gerhard Maier hat sich über Jahre
hinweg mit der church-growth-Bewegung beschäftigt (vgl. ThBeitr
13/1982,178-187). Frucht dieser Beschäftigung ist seine 1992 in Heidelberg
eingereichte Dissertation. Er beschränkt seine Untersuchung nicht auf Fragen
des Gemeindeaufbaus, wie der Titel vermuten läßt, sondern stellt auch das
Missionsverständnis der church-growth-Bewegung dar.
Das church-growth-Konzept wurde ursprünglich von Donald
McGavran (1897-1990) im Kontext seiner Missionsarbeit in Indien begründet
und von seinen Schülern (vor allem Peter Wagner) am Fuller-Seminar in Pasadena
(Kalifornien) aufgenommen. Maier zeigt auf, wie sich McGavrans Konzeption in
striktem Gegensatz zum ökumenischen Missionsverständnis darstellt. Nicht in
der Ausbreitung und Aufrichtung des Reiches Gottes (Schalom), sondern in der
Gründung und Multiplikation von Gemeinden aktiver Christen besteht für die
church-growth-Bewegung das Wesen der Mission. Ab 1972 wurde die
church-growth-Bewegung auch zum Gemeindeaufbaukonzept weiterentwickelt.
Für die Beurteilung der church-growth-Bewegung sind drei
Aspekte von Bedeutung: 1. Das Kirchenverständnis: McGavrans Ekklesiologie
bezieht sich auf die Kirche als sichtbare und quantifizierbare Größe. Die
Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden spielt für ihn keine Rolle. Ziel aller
missionarischen Bemühungen ist die Multiplikation oder Neugründung von
Gemeinden aktiver Christen. 2. Das Prinzip der ‘homogeneous units’: Die
church-growth-Bewegung geht davon aus, daß eine Gesellschaft sich aus
verschiedenen, in sich geschlossenen Bevölkerungssegmenten zusammensetzt.
Mission und Gemeindebildung sollen daher so angelegt werden, daß Menschen innerhalb
dieser homogenen Einheiten beheimatet bleiben und nicht Sprach-, Rassen-
oder Klassenschranken überwinden müssen, um Christen zu werden. Zwar wird
dieser Grundsatz hier durchaus zutreffend beschrieben, aber er wird zum
Prinzip des Gemeindebaus erhoben. Von Gal 3,26 her sind hier gewichtige biblisch-theologische
und ethische Bedenken anzumelden. 3. Das Verständnis von Wachstum: Gegenüber
der fast ausschließlich auf quantitatives Wachstum ausgerichteten Sicht bei
McGavran bringt Maier mit Karl Barth das intensive, vertikale Wachstum der
Gemeinde ins Spiel und wehrt damit der fast ausschließlichen Fixierung auf
Zahlen.
Wer sich vom ständigen Wechsel zwischen deutschem Text und
englischsprachigen Zitaten sowie von der Fülle der oft nur angerissenen
Themen und Fragestellungen nicht abschrecken läßt, bekommt in dem mit einem
Vorwort von Bischof Theo Sorg versehenen Buch Beurteilungskriterien für
Gemeindeaufbau an die Hand.
Werner Schmückle, em 1997-1.
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Malm, Magnus. Gott braucht keine Helden.
Mitarbeiter zwischen Rolle und Wahrhaftigkeit. Edition Aufatmen, Brockhaus Verlag:
Wuppertal/Bundes-Verlag: Witten, 1997/2.
Nicht nur Titel und Untertitel dieses Bandes aus der
„Edition Aufatmen“ sind treffend und griffig formuliert. Das erklärte Ziel
dieser Edition ist es, Hinführung und Ermutigung zum geistlichen Leben für
Mitarbeiter und Leiter von Gemeinden zu bieten. Wie ein roter Faden ziehen
sich die Begriffe „Berufung“ und „Sendung“ durch das Buch. Es kommt in diesem
Band beides zum Zug. Es ist eine seelsorgerliche, gründliche Auslegung der
biblischen Texte zum Thema. Sie wird weithin eine befreiende Korrektur für
das in vielen frommen Kreisen vorherrschende, auf Aktionismus zielende
Berufungsverständnis bilden. Das Buch enthält aber auch sehr persönlich
formulierte Passagen des Autors, denen man die eigene Erfahrung eines durch
Tiefen gegangenen Christen abspürt. Besonders für Missionare geeignet und
empfohlen, denen dieser Titel ein Führer zur geistlichen Erneuerung ihrer
Berufung und Sendung sein kann!
Friedhilde Stricker, em 1998-2.
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Marquardt, Horst. … und die Herzen taten sich auf. Bewegende
Glaubensgeschichten. R. Brockhaus Verlag Wuppertal, ERF Verlag
Wetzlar, 2001.
Horst Marquardt begegnet vielen Menschen und Situationen.
Er wählte 81 bewegende und wahre Geschichten für dieses Buch aus. Gleich in
der 3. Geschichte erlebt man mit, wie der Verfasser mit höflicher Direktheit
mit einem ihm fremden Christen ins Gespräch kommt. Herausgekommen sind außer
dieser noch die anderen ermutigenden, lebensechten, spannenden und
nachvollziehbaren Berichte. Es sind ganz unterschiedliche Menschen, die
erzählen, wie Jesus Christus in ihr Leben eingegriffen hat. Das Ganze ist
übersichtlich gegliedert in „Die Herzen taten sich auf … gestern und heute …
in Russland … in Afrika … in Indien … in Südamerika … in Muhammads Welt … in
der Nähe und in der Ferne“. Alle Geschichten sind im Inhaltsverzeichnis unter
diesen Rubriken aufgelistet und sind bei einer eventuellen Suche gut zu
finden. Sie sind 1 – 3 Seiten kurz. Es gibt dramatische und weniger
spektakuläre Berichte. Beispiele: Ein vom Leben müder Moslem hört zufällig
einen Satz von einer Sendung von TWR (Trans World Radio), als er an einem
Fenster vorbei kommt. Er spricht mit den Leuten im Haus und findet später zu
Jesus als seinem Herrn. Jesus hilft körperlich und innerlich verletzten
Menschen in Ruanda, die trotz bleibender Not erfahren, dass er bei ihnen ist.
Ein Schweizer Fabrikant erlebt, wie Gott ihm einen dringend notwendigen
Mitarbeiter zuführt, zu passender Zeit und passenden Bedingungen, nach viel
Gebet in schwerer ungewisser Zeit. 3 Schiffbrüchige in Südamerika beten auf
ihrer 21 Tage langen Odyssee, weil sie über Gebet in TWR-Sendungen hörten.
Es fällt bei der Lektüre des Buches natürlich auf, dass
die Evangeliumsverkündigung über Radio eine große Rolle spielt. Und es ist in
der Tat beeindruckend, wie viele Menschen heutzutage das Evangelium über
Radio hören können und auch zum Glauben kommen und Gemeinden entstehen. Das
liegt H. Marquard auf dem Herzen und er hat großen Anteil daran (durch den
Aufbau des ERF und Tätigkeit in der internationalen Leitung von TWR), ebenso
die verschiedenen TWR-Stationen weltweit, in deren Arbeit man in dem Buch
ebenfalls einen konkreten Einblick bekommt.
Das Thema des Buches stammt aus Apg.16,14: „Da tat Gott
der Lydia das Herz auf“ und weiter aus dem Vorwort: „Es ist eine durch nichts
zu überbietende Erfahrung - zu wissen: Der lebendige Gott hat mich angesprochen,
er hat Jesus Christus in diese Welt gesandt, um Menschen zu sich einzuladen,
ihnen ihre Schuld zu nehmen und ihnen ein erfülltes Leben zu geben.“ Das
bezeugen die 81 Geschichten in dem sehr lesenswerten Buch.
Ulrike Kinker, em 2001-4.
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Marshall, Howard; David
Peterson (Hg.). Witness
to the Gospel. Theology of Acts. Eerdmans: Grand Rapids (Mi) 1998.
Der vorliegende Sammelband mit insgesamt 25 Einzelartikeln
ist als umfassende und zusammenfassende Arbeit über die Theologie der Apostelgeschichte
gedacht. Das Werk enstand aus einem Forschungsprojekt einer ganzen Gruppe von
Theologen unter der Schirmherrschaft von Tyndale House, Cambridge.
Insgesamt 24 Autoren befassen sich mit den
unterschiedlichsten Themen zur Apostelgeschichte. Trotz der großen Vielfalt
der Beiträge kommen die einzelnen Verfasser aber nicht aus so
unterschiedlichen theologischen Lagern, daß sie sich pausenlos widersprächen.
Nach der Lektüre des Buches hat man deshalb den Eindruck, über die Theologie
eines so zentralen Buches wie die Apostelgeschichte umfassend informiert zu
sein. Die Autoren nehmen i. a. einen evangelikalen Standpunkt ein. Andere
Positionen werden berücksichtigt, aber weniger als die Auseinandersetzung
damit steht das Anliegen im Mittelpunkt, die Theologie der Apostelgeschichte
so herauszuarbeiten, wie sie im biblischen Buch präsentiert wird.
In drei Hauptteilen werden Gottes Rettung, der Ruf Gottes
und das erneuernde Werk Gottes behandelt. Dabei geht es um so unterschiedliche
Themen wie Gottes heilsgeschichtlichen Plan, die Notwendigkeit der Er
rettung, Mission und Zeugnis, die Stephanusrede oder die Reden des Paulus zu
Juden und Heiden. Aber auch Themen wie die Verwendung des AT in der
Apostelgeschichte, Christen und das mosaische Gesetz oder Soziologie und
Theologie werden erarbeitet. Auch wenn sicher nicht alle denkbaren Themen
abgehandelt werden, ist die Vielfalt beeindruckend und bereichernd.
Es handelt sich bei diesem Buch sicherlich nicht in erster
Linie um ein praktisches missiologisches Werk. Aber es geht von der ersten
bis zur letzten Seite um Mission: Schließlich behandelt die Apg die
Geschichte der ersten Mission, und so ist die darin enthaltene Theologie
durch und durch von Mission und Evangelisation geprägt. Wer sich gerne
tiefer mit der Theologie der ersten Missionare (v. a. natürlich Petrus und
Paulus) befaßt - und dies nicht in den neutestamentlichen Briefen - sondern
in der praktischsten Anwendung von Missionstheologie, nämlich der
Missionstätigkeit der ersten Christen, dem sei dieses Buch wärmstens
empfohlen.
Thomas Kinker, em 2000-3.
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Marty, Martin E. (Hg). Mission and Ecumenical Expression. München,
London, New York, Paris: Säur, 1993.
(Modern American Protestantism
and its World: Historical Articles on Protestantism in American Religious
Life; Bd. 13).
Der dreizehnte Band über die Geschichte des Protestantismus
in den USA enthält elf von Missiologen und Historikern ausgewählte,
repräsentative Artikel über die Eigenart der nordamerikanischen Mission und
der ökumenischen Entwicklung. Die von
1954 bis 1983 verfaßten Beiträge wurden meist von Historikern in verschiedenen Zeitschriften geschrieben
und wurden photomechanisch übertragen, was die Ursache für die teilweise schlechte Qualität des Druckbildes und auch den übertriebenen Preis von 85 Pf pro Seite ist.
Die ersten vier Artikel
beschäftigen sich kritisch mit den
Motiven und Auswirkungen der
Mission und der Beziehung zwischen Weltmission und dem amerikanischen
Imperialismus um die Jahrhundertwende. Die folgenden vier behandeln die
Entstehung der nordamerikanischen ökumenischen Bewegung, ihre Voraussetzungen und Folgen von ca. 1880 bis 1970.
In drei weiteren Artikeln werden fundamentalistische Gruppierungen und
Persönlichkeiten wie das „National Lay
Commitee“, Billy Graham und das Wirken pfingstkirchlicher Radioprediger kritisch untersucht.
Trotz der insgesamt guten, wenn auch nicht evangelikalen Beiträge ist das Preis-Leistungs-Verhältnis
dieses Bandes nicht akzeptabel.
Interessenten an diesem Buch dürften daher nur wissenschaftliche
Bibliotheken sein.
Martin Sachs, em 1995-3.
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Mavumilusa, Makanzu. Die Mission und der Blumentopf. Verlag der Vereinigten Evangelischen Mission, Wuppertal,
1988.
Um es vorweg zu sagen: Kein Buch über
Mission und Evangelisation hat mich in den letzten Jahren mehr gepackt als
diese gesammelten Reden, Predigten und Interviews des leider schon verstorbenen zairesischen Evangelisten
Makanzu Mavumilusa, die unter dem Titel „Die
Mission und der Blumentopf“
erschienen sind. Ich nehme mir das Büchlein
oft zur Hand, vor allem um mir von
einem engagierten Christen etwas über Mission aus afrikanischer Perspektive sagen zu lassen.
Die Reden und Predigten haben verschiedene Anlässe, z.B.
die Hundertjahrfeier der Evangelischen Kirche in Zaire (Eglise du Christ au
Zaire), den Lausanner Weltkongreß 1974
oder eine Rede vor dem Entwicklungsausschuß
der zairesischen Kirche. In der
ersten Hälfte des Buches finden sich Auslegungen und Meditationen in
lebendiger und bildhafter Sprache („Der
Aufzug, der zu Jesus fährt“,
„Gespräch mit einem Embryo“). Zwei
Themen beherrschen den zweiten
Teil: Der eigenständige Weg der afrikanischen Gemeinde Jesu, das Evangelium
glaubwürdig in dem Kontext von Armut und
Unterdrückung zu verkündigen, und das Verhältnis der afrikanischen Gemeinden zur Mission aus dem Westen.
Das Buch von Mavumilusa ist ein kritisches Buch. Er äußert
manche unbequemen Gedanken zur Mission europäischer Christen, so wenn er schreibt: „Der Afrikaner schlägt allmählich vor, den Begriff des «Missionars» durch den des «Mitarbeiters» zu ersetzen. Warum?
Für den Afrikaner ist ein «Missionar» oft
ein Mensch, der nicht zuhört, dem man aufs Wort gehorchen muß und der sich an die Stelle des Heiligen Geistes setzen möchte. Und er will keinen afrikanischen Nachwuchs
heranbilden und keine Verantwortung
abtreten“ (S.160). Hier wird der westlichen Mission ein Spiegel
vorgehalten, der manchmal nicht sehr angenehm ist. Wie schreibt doch Mavumilusa:
„Vor dem Spiegel können wir uns nichts vormachen“ (S.38). Prozesse der Ablösung ‑ und Mission in Afrika ist ein solcher Prozeß der Ablösung
von westlicher Theologie und Denkart ‑
sind mit Schmerzen verbunden, für beide Seiten.
Es ist ein politisches Buch: So, wenn es heißt: „Laßt uns also den Politikern das Evangelium verkündigen, indem wir ihnen zeigen,
daß sie nicht unsere Feinde sind, nur weil
sie in der Politik tätig sind, sondern
daß ihre Seelen und die Politik uns interessieren
und daß viele ihrer Probleme nur
durch uns Christen gelöst werden können“,
und: „Wir wollen Christen heranbilden,
die für die Gesellschaft brauchbar sind“ (S.140).
Es ist
ein evangelistisches Buch. Auf jeder Seite
wird deutlich: Mavumilusa hat eine brennende
Liebe für Jesus. Sein erstes Ziel ist
die Verkündigung des Evangeliums. Menschen sollen den Weg zu Jesus
finden. Alles andere muß sich diesem Ziel
unterordnen. Über die Mission und
Evangelisation der Zukunft
schreibt er: „… [wir möchten] keine
Kirchen mehr haben, die voll sind
mit Menschen, die nur dort sitzen bleiben
wollen, sondern wir wollen Kirchen, die immer wieder leer werden, weil
verwandelte Menschen fähig geworden
sind, in die Welt hinauszugehen und dort zu bezeugen, was Jesus für sie getan hat. Wir möchten erfüllte
Christen heranbilden, die sich auf den Weg machen, das leere Leben der Menschen in der Welt zu füllen“ (S.100).
Es ist ein versöhnliches Buch. Bei allen kritischen und fragenden Bemerkungen zum Auftreten der europäischen Missionare in Afrika
überwiegt das Thema der Versöhnung und der Liebe: „Der weiße Mann hat uns Gutes getan; er hat teuer dafür bezahlt, uns das Evangelium Jesu Christi zu bringen. Der Wunsch, aus Afrikanern Jünger Jesu zu machen, kostete vielen das Leben. Um unsere Dankbarkeit zu zeigen, haben wir uns
entschlossen, alle Weißen, gerade die besonders
Verhärteten, zu lieben. Die wenigen Weißen, die uns nicht lieben, werden wir mit unserer Liebe verfolgen. Weisen sie
unsere Liebe zurück, werden wir sie mit den Ketten unserer Liebe binden…“ (S.166/167).
Die „Forderungen an
unsere Mitarbeiter, unsere Brüder und Schwestern“ [= Missionare] (S.161) sollte sich jeder Missionskandidat und Missionar täglich vor Augen halten,
z.B.: „Der Afrikaner braucht keine «päpstlichen» Missionare, die ihn bevormunden, sondern er wünscht sich Mitarbei
ter, mit denen er wie mit seinesgleichen umgehen
kann …“ (S.161/162).
Man kann nur wünschen, daß dieses Buch von Missionsgremien, Missionaren und Missionsinteressierten gelesen und diskutiert wird. Daß Johannes Hansen in seinem Geleitwort
schreibt, es sei ein „begeisterndes Buch“,
kann ich gut verstehen.
Gerd Propach,
em 1989-4.
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McAlpine,
Thomas H. Facing
the Powers. What are the options? Monrovia: MARC, 1992.
Keinen Reader (wie
Wagner: Territoriale Mächte. Ebenen der strategischen Kampfführung.) sondern eine Analyse verschiedener
Standpunkte legt McAlpine vor, der bei
MARCUSA für
„urban evangelism“ zuständig ist. Wieder geht es um die Konfrontation mit den
„Mächten“ in missionarischer Arbeit. Darunter
sind sowohl weltliche Machthaber als auch geistliche Mächte zu verstehen. McAlpine stellt einen Katalog von 10 Fragen auf, faßt die Positionen von 16 Autoren in 4 Gruppen zusammen
und beschreibt und vergleicht sie. Ganz
grob skizziert: 1. Die „reformierte Tradition“ (Berkhof, Green, Linthicum,
Wink, Kellermann) sehe Macht v.a.
in sozialen Strukturen verankert,
die evangeliumsgemäßer gemacht werden müßten. 2. Die „täuferische Tradition“ betone die Gemeinde als Alternativstruktur zu weltlichen Machtstrukturen. (Hier
bezieht er auch die römisch-katholischen Brüder
G. und N. Lohfink ein, daneben Yoder und Eller). 3. Die „Dritte Welle“ (Wagner, White, Dawson, Peretti) dagegen sehe die
Mächte, die dem Evangelium entgegenstehen, fast ausschließlich im geistlichen
Bereich, was einen personalen oder territorialen Exorzismus fordere.
4. Die vierte Gruppe eine trotz unterschiedlicher
theologischer Herkunft ihr soziologischer Ansatz (Kelsey, Hiebert,
Shuster). Nach Hiebert z.B. brauchten
Missionare aus der westlichen Welt eine adäquate Antwort auf die „Mittelwelt“ von Dämonen, Geistern, Magie
und Zauberei in anderen Kulturen. Eine theologische Beantwortung von
Ewigkeitsfragen und die wissenschaftliche Betrachtung der empirischen Welt treffe diesen Bereich noch nicht.
Diesen Ansatz halte ich von den geschilderten
für den interessantesten, denn er steht unterschiedlichen theologischen
Positionen offen. Bei den drei theologischen Gruppen dagegen überdehnt
McAlpine die Begriffe „reformiert“ und
„täuferisch“ und klammert zu
dem z.B. lutherische Theologie völlig aus, sowie alles, was nicht auf Englisch zugänglich ist. Das
gründlichste Werk, das dort zur Verfügung zu stehen scheint, ist die begonnene
Trilogie des reformierten Walter Wink (Naming
the Powers, 1984; Unmasking the Powers,
1986; Engaging the Powers). Wie alle Bücher von MARC ist auch dieses,
aus der neuen „Innovations in
Missions“-Serie, nicht für Wissenschaftler, sondern für Praktiker und
Leiter geschrieben. McAlpine bietet ein gutes Literaturverzeichnis für das,
was er kurz und bündig darstellt. Eine wichtige Vorarbeit – zur Vorbereitung für die AfeM-Jahrestagung 1993 sehr empfohlen!
Christof Sauer, em 1992-4.
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McAlpine, Thomas. Cases in Holistic Mission.
By Word, Work and Wonder. Monrovia//USA: MARC Publications, 1995.
McAlpines Frage lautet: „Was ist unter ‚Kingdom of God’
(holistic mission)“ zu verstehen? Aufgrund unseres westlichen, für
ganzheitliche Mission recht begrenzten Verständnisses denken wir dabei an
Evangelisation verbunden mit Hilfsleistungen im sozialen Bereich. Einen
wesentlichen, diese Sicht ergänzenden Impuls für ein biblisches Verständnis
von ganzheitlicher Mission gab laut McAlpine die „Evangelical Social Activist
Conference“ in Sierra Madre im Jahr 1988. In einer Resolution wurde
festgehalten: „Nur wenn wir das ganze Evangelium des Königreiches Gottes
erfassen und anwenden, ist die volle Kraft des Evangeliums freigesetzt …
Worte, Werke und Wunder gehören zusammen …“ Als europäisches Beispiel einer
Missionsarbeit, bei der dieses Prinzip angewendet wird, zitiert McAlpine
den Leiter des britischen Zweiges von Ichthys, Roger Forster, der in
Anlehnung an Mt 4,12-25, Apg 10,34-43 und Röm 15,18-19, sagt: „Es wäre (und
sollte) praktisch unmöglich sein, die drei Stränge der evangelistischen
Schnur zu entwirren“ (22). Als weiteres Beispiel für ganzheitliche Mission
nennt der Autor das „Centro Nauareno in San Mateo“ in Bogotà, dessen Leiter
von Beruf Schuhmacher ist, später aber Theologie studiert hat. Von diesem
Zentrum aus werden in sieben Zentren (sog. „barrios“) u. a. Gesundheitskurse,
Schulungen und Berufsausbildungen angeboten. Thomas H. McAlpine, Autor für
die Organisation „World Vision“, erwähnt verschiedene katholische Beispiele
für ganzheitliche Mission und erklärt dem Leser, warum für seine
Organisation hinsichtlich der Zusammenarbeit zwischen protestantischen und
katholischen Werken kein Unterschied bestehen. Das Königreich Gottes ist
laut den Vertretern der „Kingdom of God“-Theologie nicht ein Teil der
Gemeinde. Es existiert auch nicht losgelöst von der Gemeinde, sondern stellt
vielmehr den übergeordneten Rahmen für die lokale sowie die weltweite
Gemeinde dar.
Das Buch vermittelt brauchbare Impulse für ein erweitertes
Verständnis von ganzheitlicher Mission und im besonderen von der „Kingdom of
God“-Theologie. Allerdings stützt es sich in der Beurteilung des westlichen
kulturellen Umfeldes auf bereits überholte Weltanschauungen. So wird
beispielsweise erläutert, der Westen betone nur die physische und geistige
Welt, nicht aber das von der Magie dominierte sogenannte Mittelfeld. Auch reduziert
der Autor die ganzheitliche Mission fast ausschließlich auf charismatische
Gruppierungen. Hier wäre ein vertieftes Studium der aktuellen Missionssituation
und Missionstheologie notwendig. Wer den Apostel Paulus mit seinem Anliegen,
die Verlorenen zu erreichen, verstanden hat, wird immer versuchen, Menschen
ganzheitlich zu begegnen, aber ebenso wird er das ewige Heil dem irdischen
Wohlbefinden des Menschen stets überordnen.
Dr. Marco Gmür, em 1997-3.
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McCurry, Don. Die Heilung der zerbrochenen
Familie Abrahams. Moslems und Christen – Ein Handbuch. Wuppertal: One Way Verlag, 1996.
Don McCurry legt hier als Frucht aus 18jähriger
Missionserfahrung in Pakistan ein Handbuch zur Begegnung zwischen Christen
und Muslimen vor. Zunächst geht der Autor auf die geistliche Abstammung der
Muslime von Ismael ein, sowie auf einige Fakten zur Entstehung des Islam und
seiner verschiedenen Ausprägungen (z. B. Mystik, Volksislam, politischer
Islam, Ahmadiyya). Da dieser Teil nur die Hinführung zum eigentlichen Anliegen
des Buches bildet, ist es entschuldbar, daß manche Sachverhalte nur etwas
verkürzt dargestellt werden (z. B. wird die islamische Mystik nicht
zutreffend mit dem Synonym „Flucht vor dem Gesetz“ belegt, 139).
Wirklich überzeugend widmet sich der Autor seinem
eigentlichen Hauptanliegen, nämlich der Frage, wie Christen mit Muslimen
geistlich zentrale Fragen wie ‘Schuld und Vergebung’, ‘Zugang zu Gott’ und
‘Errettung zum ewigen Leben’ in einem kulturell-gesellschaftlich
angemessenen Rahmen ansprechen können. Obwohl McCurry praktische Tips zur
Wahl der Gesprächsform und des -inhaltes mit Muslimen vermittelt, geht es ihm
in erster Linie um die Umsetzung geistlicher Prinzipien, nicht um
Patentrezepte. Diese geistlichen Prinzipien zur Begegnung mit
Andersgläubigen (Vorbildfunktion, ‘das Leben teilen’, echte Jüngerschaft
etc.) und zur Gesprächsführung werden aus der Bibel erläutert und auf die
Begegnung mit Muslimen angewandt. Dabei geht der Autor wiederum auf
verschiedene muslimische Gruppierungen (Sunniten, Schiiten, Mystiker, etc.)
ein und ermutigt zum freimütigen, aber liebevollen Zeugnis unter Muslimen.
McCurry nennt konkrete Vorschläge, wie der christliche Mitarbeiter über die
‘heißen Eisen’ der Muslimmission, über Kreuzigung, Dreieinigkeit und Gottessohnschaft
sprechen kann; ebenso wird die meist traumatische Zeit nach der Bekehrung
eines Moslems und seine Eingliederung in eine christliche Gemeinde angesprochen.
Vorsichtig distanziert äußert sich McCurry zur Kontextualisierung, spricht
sich allerdings klar gegen jede Form des Synkretismus aus. – Ein wertvolles
Handbuch für jeden Mitarbeiter im Bereich des Islam.
Dr. Christine Schirrmacher, em 1997-4.
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McIlwain, Trevor. Auf festen Grund gebaut. In 50
Lektionen durch die Bibel. Hänssler: Neuhausen, 1998.
Endlich! Das Vorbildswerk für die biblische Grundlagenschulung
ist auf Deutsch erschienen. Es hat seither auf Englisch auch bei
deutschsprachigen Missionaren auf den Missionsgebieten die Runde gemacht –
es war der offene Geheimtip für verzweifelte Missionare, die mit
verschiedenen Evangelisationsmethoden experimentierten, bis sie auf das
nächstliegende kamen: Die Bibel in der Reihenfolge, wie sie im alt- und
neutestamentlichen Kanon zusammengestellt wurde, in großen Linien zu lehren
– und zwar gerade auch Fernstehenden, Nichtchristen also, aus
verschiedenen Religionshintergründen.
Das Evangelium ist das Herzstück unseres Glaubens. Kreuz
und Auferstehung unseres Herrn sind unverzichtbare Lehrinhalte. Aber sie sind
das Ziel, nicht der Anfang der
Lehre. Wer damit beginnt, schlägt sich und dem Evangelium u. U. sogar Türen
zu. Glaube geht auch über den Verstand. D.h., die Menschen wollen wissen und
verstehen, was sie glauben. Der letzte Glaubensschritt ist dann immer noch
groß genug. Wie ein kostbares Bild einen passenden, zum Zentrum des Bildes
hinweisenden Rahmen braucht, so braucht das Evangelium Hinführung, einen
informativen Hintergrund. Das beginnt mit der Schöpfung, dem Anfang der
Heilslinie, die sich durch das gesamte AT zieht und über das Evangelium
hinaus mit der Offenbarung in die hoffnungsvolle Zukunft weist.
Das vorliegende Buch beschreibt diesen Weg in sinnvollen
Abschnitten und 50 Lektionen, wobei das Fundament und der Aufbau strikt der
Chronologie der Bibel entnommen sind. So wird dem Glauben an Jesus Christus
ein solides biblisches Fundament gegeben.
Trevor McIlwain kam in den Philippinen vor Jahren darauf -
und war verblüfft über den Erfolg. Inzwischen wurde das Material in verschiedenen
Ausgaben und Kulturen verwendet. Interessanterweise erschien eine Anwendung
schon vor kurzem in deutsch: Hans Bär. Heilsgeschichtlicher
Bibelunterricht. McIlwains Programm ‘Building on Firm Foundations’ im
Einsatz unter den Karen im Bezirk Omkoi (Nordthailand). (Edition afem,
mission academics Bd.3. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1998.
Hans Bär zeigt gleichzeitig die Möglichkeit und Notwendigkeit auf, McIlwain
kulturell und theologisch zu adaptieren. Manche Anwender würden das Werk wie
Hans Bär gerne von seiner dispensationalistischen Engführung korrigieren und
andere biblische Inhalte hinzufügen.
Eine solide Grundlage ist gegeben, ein Werkzeug, für das
nicht nur Missionare dankbar sein werden. Ich wünsche mir, daß auch bei uns
theologische Schulen und Seminare das Grundprinzip anwenden. Denn der
biblische Grundwasserspiegel läßt in unseren Gemeinden ebenso zu wünschen
übrig. Das Buch eignet sich deshalb auch für regelmäßige Bibelstunden - oder
sogar öffentliche Volkshochschulkurse, wie Thomas Schirrmacher in der
Einleitung beschreibt (Vorabdruck in em 3/98:101-104).
Im Übrigen: So neu ist das ganze nun auch wieder nicht.
Schon vor 80 Jahren haben z. B. die Neuendettelsauer Missionare (Georg F. Vicedom
und Kollegen, angeregt durch Christian Keyßer) dieses Lehrprinzip in der Erstverkündigung
in Neuguinea erfolgreich angewendet (K. W. Müller, Peacemaker, Ph.D.-Diss.
Aberdeen, 1993). Dann ging durch die theologischen und strukturellen Turbulenzen
der 60er und 70er Jahre in der deutschen Missionswissenschaft diese wertvolle
Erkenntnis verschütt – und wurde nun von Amerikanern wieder ausgegraben, ohne
zu wissen, daß es das früher schon einmal gab und deshalb auch ohne darauf
hinzuweisen. Ein Grund mehr, daß wir uns stärker mit unseren eigenen Quellen
befassen – und die Bibel auch methodisch ernster nehmen sollten. Die
Inspiration schließt vielleicht doch auch die Zusammenstellung des Kanons mit
ein.
Dr. Klaus W. Müller, em 1998-4.
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Mensen, Bernhard (Hrsg.). Dialog. Akademie Völker und Kulturen:
Vortragsreihe 2001/ 2002 Band 25, Nettetal: Steyler, 2002.
Seit vielen Jahren ist „Dialog“ ein Schlagwort in der
ökumenischen Theologie und in der Missionstheologie. Der vorliegende
Sammelband, der auf eine Vortragsreihe der Akademie Völker und Kulturen St.
Augustin zurückgeht, reflektiert über das Wesen, über Chancen und Grenzen
solchen Dialogs. Dialog fordert von den Partnern die Anerkennung des
anderen sowie die dafür notwendige Erkenntnis- und Wahrheitsoffenheit. Diese
Offenheit ist nicht mit einer Standpunktlosigkeit oder Preisgabe der eigenen
Identität zu verwechseln. Darum zunächst die Frage: „Welches sind die Voraussetzungen
eines Dialogs, und welche Ziele kann er haben?“. Daher behandeln die sechs
Beiträge nicht die „Aussichten oder Erfolge des Dialogs mit den einzelnen
Kulturen oder Religionen, etwa den Dialog der Christen mit dem Islam oder
Hinduismus usw., sondern sie wollen die Voraussetzungen, Grundlagen, und
mögliche Ziele des Dialogs zu Sprache bringen“ (8). T. Sundermeier fragt „Kann
man den Fremden verstehen?“ (23-32) und gibt folgende Hinweise: „1. Alles
Verstehen beginnt damit, dass ich den anderen wirklich als einen anderen,
und d. h. einen mir Fremden wahrnehme und respektiere. … Auf der zweiten
Stufe müssen wir die eben eingenommene vorurteilsfreie Distanz überwinden und
versuchen, das uns Fremde in dem jeweils eigenen Kontext zu beschreiben.
Hier ist Sympathie gefordert und die Bereitschaft, sich auf die
Lebensumstände der anderen zumindest für eine Zeit einzulassen… . Auf der
dritten Ebene müssen wir gerade die Symbolik einer Kultur, die ihr zugrunde
liegenden Lehren und ihre Vergemeinschaftungspraxis zu begreifen versuchen,
denn sie prägen den Menschen und bestimmen sein Denken, sein Gefühl und
seine Weise der Weltbegegnung. … Viertens … muss immer noch betont werden,
dass der elementare Grundsatz der Begegnung mit dem Fremden der des Respektes
vor der Würde des anderen Menschen und seiner Kultur und Religion ist“
(30-32). W. Beinert bringt „Dialog und Kirche“ miteinander in Verbindung
(33-43), indem er die Entwicklung innerhalb der katholischen Kirche umreißt.
C. Lienemann-Perrin beginnt ihren Beitrag „Mission und Dialog in den
Kontexten der Welt“ (45-60) mit Überlegungen zu Mt 28 zwischen postmodemer
und postkolonialer Auslegung, um dann aufzuzeigen, wie die Begriffe Mission
und Dialog in verschiedenen Ländern, Kulturen und Kirchen verstanden und
gefüllt werden („… von konkreten Situationen ausgehend, in groben Umrissen
eine Art Weltkarte des missionarisch-dialogischen Profils des Christentums
„zu skizzieren“, 49). Die Autorin untersucht das Missions- und Dialogverständnis
der Kirchen Asiens, Lateinamerikas („Die religiöse Szene in
lateinamerikanischen Ländern wie Brasilien lässt es kaum zu, von Religionsbegegnung
und vom interreligiösen Dialog zu sprechen. Wo die Vermischung der
verschiedenen Christentums-formen und Volksreligionen so weit
fortge-schritten ist, zerrinnt der interreligiöse Dialog; denn er findet
keinen Halt mehr an prägnanten Bekenntnissen und Kirchengestalten. Es zeigt
sich, dass Dialog ein gewisses Mass an religiöser Identität und
missionarischem Überzeugtsein braucht, um in Gang zu kommen“, 53), Afrikas
(„Vom Dialog mit den traditionellen Religionen und dem Islam ist dabei
häufig nichts zu spüren - im Gegenteil. Symbole der ‘heidnischen Religionen’
werden vernichtet, der Islam im Missionszeugnis frontal angegriffen, wenn
nicht sogar bekämpft. Unter dem Eindruck des neupfingstlerischen Erfolgs
stimmen sich auch die „mainline“ churches und die römisch-katholischen
Teilkirchen auf die neuen religiösen Wellen ein und verändern sich dabei
erheblich in ihrem Charakter und ihrer Gestalt“, 54), Nordamerikas und
Europas („Das Nebeneinander von friedlicher Mission und missionarischer
Offensive, von Würdigung, Kritik, und Schelte der Mission kennzeichnet unsere
Gesellschaft“, 57). Nach C. Lienemann-Perrin zeigt dieses Bild, „dass es in
den verschiedenen Kontexten der Welt eine große Vielfalt von
Austauschbeziehungen zwischen dem Christenrum und anderen Religionen gibt,
die mit den Begriffen „Mission’ und T)ialog’ nur sehr unzureichend erfasst
werden. Femer braucht es einen Gedanken- und Erfahrungsaustausch über
Mission’ und „Dialog’ in den verschiedenen Kontexten der Welt. Es hilft
nichts, den belasteten Missionsbegriff einfach über Bord zu werfen; denn
während Teile des europäischen Christentums ihn vielleicht als anstössig
empfinden, hat er in den Kirchen der ausserwestlichen Welt eine neue Heimat
gefunden. Wer mit dem Christentum im Süden ins Gespräch kommen und nicht
einfach an ihm vorbei an hartnäckigen Vorurteilen festhalten will, muss sich
auf Religiosität, Sprache und theologische Ansätze in diesen Ländern einlassen.
Ich plädiere dafür, den Wanderbewegungen des Missionsbegriffes nachzuspüren,
dabei auf inhaltliche Veränderungen zu achten und eine interkulturelle
Hermeneutik der Mission in Verbindung mit dem interreligiösen Dialog zu
entwickeln. … der Rückkehr der missionarischen Ausstrahlungskraft in unsere Gemeinden
und theologischen Fakultäten – gerade auch um des interreligiösen Dialogs
willen, der angesichts der Zunahme von religiös motivierten Konflikten in
der Gesellschaft immer wichtiger wird. Ich bin davon überzeugt, dass ohne
die missionarische Ausstrahlung aller am Dialog Beteiligten der Dialog mit
anderen Kulturen und Religionen auf Dauer nicht lebensfähig ist.“
H. Bettscheider untersucht „Die Wahrheitsfrage und der
interreligiöse Dialog“ ( 61-77) und H. Waldenfels beleuchtet abschließend das
Verhältnis zwischen „Dialog und Bekenntnis“ (79-92). Eine knappe Vorstellung
der Autoren sowie Ubersichten über die in der Akademie gehaltenen Vorträge
der letzten Jahre beenden den Band.
Prof.Dr. Christoph Stenschke, em 2005-3.
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Mensen, Bernhard SVD
(Hg.). Afrika zwischen
Tradition und Moderne.
Vortragsreihe 1995/96/ Akademie Völker und Kulturen St. Augustin; Bd. 19. Steyler
Verlag: Nettetal, 1996.
Drei der sechs Vorträge befassen sich mit der politischen
und wirtschaftlichen Situation Afrikas. Die Autoren sind bzw. waren Professoren
an deutschen Hochschulen. Der erste Beitrag fragt „Woran krankt Afrika?“ Antwort:
„Die Krankheit Afrikas rührt hauptsächlich von den in der nachkolonialen
politisch-sozialen Entwicklung bewirkten gesellschaftlichen Verzerrungen
her“ (S.21). Die politischen Strukturen werden für die Probleme verantwortlich
gemacht, nicht die Menschen Afrikas (S.22). Gleiches gilt für die
afrikanische Wirtschaft. Im dritten Beitrag („Afrika wohin?“) geht es um eine
Orientierungssuche nach dem Wegfall des Ost-West-Konflikts. Der vierte
Beitrag („Das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft in afrikanischen
Gesellschaften“) zeigt, welch große Rolle die Einzel- und Gemeinschaftsbeziehungen
im traditionellen Afrika spielen, wobei neuere Entwicklungen eine Schwächung
dieser Beziehungen bringen. Der fünfte Beitrag („Der Einfluß Afrikas auf die
europäische Kunst“) weist auf die von Afrika kommenden Anregungen auf
kulturellem Gebiet hin (Musik, Malerei, plastische Kunst). Der sechste
Beitrag („Zwischen Evangelium und Kultur – Christentum aus afrikanischer
Perspektive“) geht der Frage nach, ob zwischen Christentum und traditioneller
Kultur ein Austausch stattfindet. Dabei wird das Aufkommen einer
Afrikanischen Theologie nachgezeichnet, ihre Ansatzpunkte, ihre Entwicklungen
und Probleme. Umfang und Stil des Buches machen es leicht lesbar. Man
wünscht sich nur etwas mehr Platz für Randnotizen. Ein guter Teil des Buches
ist der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Afrikas gewidmet. Dies
hilft zum Verständnis der heutigen Situation und zeigt dabei auch größere
(globale) Zusammenhänge auf. Der Beitrag über die zwischenmenschlichen
Beziehungen bringt für Afrikakenner nicht viel Neues. Als Christ ist man
natürlich am letzten Beitrag des Buches zum Christentum aus afrikanischer
Perspektive besonders interessiert, speziell am Unterabschnitt über Mission.
Dieser Beitrag ist einer der kürzesten. Interessant ist, daß dies der einzige
Beitrag eines Nichteuropäers ist; Dr. theol. Amélé Ekué stellt fest, daß aus
afrikanischer Perspektive „die Missionare Afrikaner und Afrikanerinnen in
ihrer Identität störten. Aber sie haben sie nicht nur als Opfer zurückgelassen,
sondern als Akteure ihrer eigenen Christentumsgeschichte…“ (S. 110). Auch
der Autor des vierten Beitrags äußert sich zum Thema Mission: „Die
christlichen Missionen stellen allein durch ihre Präsenz den Glauben an die
Macht der Erde und der Ahnen sowie die traditionellen Normen in Frage, und
zwar auch da, wo ihr äußerer ‘Erfolg’, gemessen an der Zahl der getauften und
zum Christentum Bekehrten, gering ist“ (S.79). Er zitiert einen Pater, der
27 Jahre als Missionar tätig war: „Wenn ich nicht meinen christlichen Glauben
hätte, würde ich das, was wir Missionare gegen die traditionellen Normen der
afrikanischen Gesellschaft tun, als ein Verbrechen bezeichnen“ (S.79).
Fazit: Es werden einige interessante Einblicke und Hintergründe
afrikanischer Entwicklungen vermittelt. Doch wer mehr Information über
Christentum und Mission in Afrika sucht, findet hier nicht sehr viel.
Hans Schultheiß, em 1999-4.
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Menzel, Gustav. Die Bethel-Mission, Aus 100 Jahren Missionsgeschichte.
Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 1986.
Gustav Menzel, 1967 Missionsdirektor der Rheinischen
Mission bzw. der Vereinigten Evangelischen
Mission, hat mit seinem 1978 erschienenen Standardwerk „Die Geschichte der
Rheinischen Mission“ eine der gründlichsten
Arbeiten über die Geschichte einer deutschen Missionsgesellschaft vorgelegt,
wenn man von der unübertroffenen mehrbändigen Geschichte der Basler Mission einmal absieht. Ihr stellt er nun die Geschichte
der Bethel-Mission zur Seite, die 1971 wie die Rheinische Mission in der VEH aufging. Man spürt heraus, daß Menzel die Bethel-Mission
stärker aus sachlicher Distanz beschreibt als die Rheinische Mission, deren Missionar in Sumatra er einst war.
Die Stärke des Buches liegt im Detail. Aus einem enormen Archivmaterial hat Menzel nicht nur eine zusammenhängende Geschichte
aus einem Guß gemacht, sondern zahllose
zunächst unwichtig erscheinende Einzelangaben
diskutiert und belegt. Dadurch ist das Buch nicht nur ein Gesamtentwurf, sondern zugleich zum Einzelstudium
bestimmter Fragen und Personen geeignet.
Solche interessanten Einzelheiten aufzuführen
würde hier zu weit führen. Was sind also daneben die großen Linien, die Menzel verfolgt, gar die Linien, die das
Buch weit über die Bethel-Mission hinaus interessant machen? Mir
scheinen es drei Problembereiche zu sein.
Der erste
Problembereich ist die Frage nach dem
Verhältnis von Kolonialismus und Mission. Der Weg von der
ursprünglich kolonialistisch gesinnten Evangelischen Missionsgesellschaft für Deutsch-Ostafrika zu der von Bodelschwingh geprägten Ostafrika-Mission
und dann Bethel-Mision geht über viele
Brüche und Einzelentscheidungen. Die beiden Kriege zwingen die Mission, den Afrikanern mehr Selbständigkeit zuzubilligen,
was dann schließlich auch als richtiger Weg erkannt wird.
Der zweite Problembereich ist die theologische Ausrichtung. Angesichts der heutigen Aufspaltung in „evangelikale“ und „kirchliche“
Missionsgesellschaften in Deutschland kann man hier die einzelnen Etappen einer deutschen Missionsgesellschaft verfolgen. Die Diskussionen um Kirchenpolitik, Schriftverständnis und ökumenische Orientierung führen zu
tiefgreifenden Änderungen, die jedoch
nicht gradlinig verlaufen. Menzel beschreibt diese Veränderung zwar aus der Sicht der heutigen VEM, aber so fair, daß jeder aus der Diskussion lernen kann.
Der dritte
Problembereich, bei dem Menzel meines
Erachtens sein Buch zu einem Höhepunkt bringt, ist die Mission unter
dem Nationalsozialismus. Die ganze verworrene und komplizierte Situation wird
deutlich. Einerseits helfen Missionare die
NSDAP im Ausland aufbauen, wird
die „Wende“ wärmstens begrüßt.
Altes kolonialistisches Gedankengut lebt auf. Andererseits lehnt man die
Rassenlehre ab, und es gibt eben einen Friedrich
von Bodelschwingh. Man teilte die Weltanschauung
des Nationalsozialismus nicht, erhoffte sich aber doch Veränderungen zum Guten von der neuen Regierung und verkannte die Zeichen der Zeit total. Wichtig sind auch Menzels über die
Bethel-Mission hinausgehenden Informationen zur Mission unter dem
Nationalsozialismus.
Ein spannend
geschriebenes Buch, wie es uns noch von mancher Missionsgesellschaft fehlt.
Thomas Schirrmacher, em 1988-4.
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Menzies, William und Robert. Pfingsten und die Geistesgaben –
Ein theologischer Brückenschlag zwischen Pfingstbewegung und Evangelikalen,
Metzingen: Ernst Franz, 2001.
Das vorliegende Buch stellt eine positive Herausforderung
dar – sowohl für evangelikal als auch für pfingstlich geprägte Christen. Die
Autoren haben das Anliegen, eine Brücke zu bauen, verleugnen aber nicht
ihre theologische Herkunft, sondern suchen die für pfingstliche Kreise
charakteristische Erfahrung des Heiligen Geistes theologisch zu begründen und
die Bedeutung der Unterscheidung von Wiedergeburt und Geistestaufe für die
Mission herauszustellen. Es werden auch weitere mit der „Pfingsterfahrung“
verbundene Fragestellungen erörtert, so die Frage nach Sprachenreden, nach
dem Stellenwert von Zeichen und Wundern, nach Leiderfahrung im Leben eines
Christen und nach der Beziehung zwischen Geistestaufe und Geistesgaben bzw.
Geistesfrucht. Hiermit ist ein weiter Fragenhorizont aufgerissen.
Das Buch beginnt mit einem Rückblick auf die Geschichte der
Pfingstbewegung und einer Beschreibung deren derzeitigen Beziehungen zu
„evangelikalen“ Christen: Man habe sich angenähert, doch nach Menzies
arbeiten Evangelikale „mit einschränkenden Regeln, … die ein Ergebnis
zugunsten der Pfingstgläubigen von vornherein ausschließen“ (S. 44). Kapitel
2 zeichnet die Entwicklung der Einordnung narrativer Bibeltexte nach, was zentral
für die Frage nach der lukanischen Theologie und damit der Deutung des
Pfingstereignisses ist. In Kapitel 3 wird diese Frage anhand der
Apostelgeschichte erörtert, wobei Menzies eine klare Unterscheidung zwischen
lukanischer und paulinischer Pneumatologie einführen: ersterer wohne kein
heilsbezogener Aspekt inne. Pfingsten sei ausschließlich Ausrüstung zum
Zeugendienst und nicht, wie Evangelikale das verstehen, Eintritt in den neuen
Bund. Diese Sichtweise wird mit dem lukanischen Geistverständnis an sich
begründet: Lukas spreche ausschließlich vom prophetischen Geist, so sei also
auch die Pfingstgabe prophetisch aufzufassen; diese Gabe dürfe nicht mit
Bekehrung oder Wiedergeburt verwechselt werden. Die Autoren wenden sich hier
gegen die evangelikale Ansicht, dass Bekehrung und Geistempfang
zusammenfallen.
Kapitel 4 ist ein Plädoyer für klare Schriftforschung
sowohl angesichts postmoderner Anfragen an evangelikale Hermeneutik als auch
angesichts der erfahrungsbetonten Sicht der Pfingst-kreise. Menzies sprechen
sich für eine gegenseitige Ergänzung evangelikaler und pfingstlicher
Anliegen aus. Die oben beschriebene Identität der pfingstlichen Theologie im
Verständnis der Pfingstgabe jedoch dürfe nicht preisgegeben werden. Die
folgenden Kapitel setzen sich mit den Beiträgen von James Dunn, Max Turner
und Gordon Fee auseinander. Hierbei geht es Menzies vor allem darum,
nachzuweisen, dass Lukas seine Erzählung bewusst so gestaltet, dass sie den
Charakter eines verbindlichen Modells christlicher Erfahrung erhält. Als
Schlüsselargument dient nach wie vor die Unterscheidung zwischen der
Pneumatologie des Lukas und der des Paulus. Kapitel 8 und 9 befassen sich mit
dem Thema Sprachenrede: Menzies verteidigen sie als Zeichen für eine
Geistestaufe und gleichzeitig eine für alle Gläubigen gedachte Gabe. Im 10.
Kapitel wenden sich die Autoren noch einem neuen Thema zu: der „Zeichen- und
Wunder-Bewegung“ (oder „Dritten Welle“). Im Gespräch mit dort vorzufindenden
Ansichten wird die lukanische Sicht von Zeichen und Wundern dargestellt,
wobei Menzies herausstellen, dass Lukas das Wirken des Geistes in erster
Linie als Kraft zum mündlichen Zeugnis und weniger zum Wunder-Tun beschreibt.
Zudem stellen sie dar, wie Lukas einerseits von einer Fülle von Wundern
berichtet, andererseits jedoch vor der Forderung nach Wundern warnt. Kapitel
11 befasst sich differenziert mit der Lehre Uber „Heilung im Sühnetod
Jesu“: Vom Kreuzestod Jesu gehe „körperliche Heilung wie alle segensreichen
Auswirkungen der Erlösung“ aus. Menzies zeigen, dass die Erlösung nicht nur
eine geistliche Dimension hat, sondern den menschlichen Körper, wie auch die
ganze Schöpfung mit umschließt und dass Gläubige dieses Heil in zunehmendem
Maße erführen. Hier schließt thematisch Kapitel 12 an: Wie bringen Christen
die Überzeugung von Gottes persönlicher Bewahrung und Fürsorge mit eigenem
und fremden Leid zusammen? Anhand des Berichts von der Verklärung Jesu in Mk
9,2-10 wird eine pfingstlerisch-selbstkritische Einladung präsentiert,
Gottes Hand nicht nur in ,,glanzvolle[n] Beweisen seiner Herrlichkeit“ zu
sehen, sondern vielmehr zu erkennen: „alles, was wir an Bewahrung und an
Leid erfahren, ist auf seine Lenkung der Dinge zurückzuführen“ (S. 190).
Dabei wird als Ziel der göttlichen Fürsorge nicht in erster Linie Wohlergehen
verstanden, sondern die Erfüllung des Erlösungsplanes des Vaters. Kapitel 13
befasst sich nun grundsätzlicher mit dem Thema „Geistesgaben“, wobei IKor
12-14 als zentral aufgefasst werden. Menzies formulieren drei Prinzipien:
das Gnadenprinzip, das Erbauungsprinzip und das Teilungsprinzip. Die
folgenden Kapitel dienen der Verhältnisbestimmung von Geistestaufe und Geistesgaben
bzw. Geistesfrucht. Es wird nun die Synthese zwischen der lukanischen und
der paulinischen Sichtweise angestrebt, wobei die lukanische Geistestaufe als
Tor zu den prophetischen Gaben bei Paulus aufgefasst wird. Abschließend
lässt sich sagen: Das Buch behandelt eine umfassende Thematik detailliert,
mit Sachkenntnis und missionarischem Herzen. Hierin liegt seine große Stärke
und Herausforderung für Christen jeglicher Prägung. Menzies leisten eine
starke Überzeugungsarbeit in der Fundierung ihrer Grundposition. Nicht alle Argumentationen
überzeugen. Die vorgeschlagene Synthese zwischen der lukanischen und
paulinischen Sicht in Kapitel 14 hat bestechende Elemente, manche Fragen
lassen Menzies dabei jedoch leider unbeantwortet: Warum fordert Paulus in 1
Kor 1214 nicht auf, sich nach einer bestimmten zweiten Geisterfahrung – der
Geistestaufe – auszustrecken, sondern nach den Gaben dieses Geistes? Warum
gehen die Autoren nicht auf 1 Kor 12,13 – der „Taufe durch einen Geist zu
einem Leib“ – ein, wo Paulus die Gläubigen in Korinth zeitlich nach einer
„Geistestaufe“ einordnet? Nicht ganz überzeugend ist auch die
Argumentationslinie, das Pflngstereignis allein von Lukas her deuten zu
wollen. Trotz dieser Anfragen leistet dieses Buch einen wertvollen Beitrag
zur laufenden Diskussion und regt zu weiterem Nachdenken an. Es ist ein
Aufruf, das Leben, das Gottes Geist wirkt, tatsächlich in all seinen Dimensionen
zu suchen, der hoffentlich nicht ungehört bleiben wird!
Verena Schröder, em 2005-2.
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Milnes , Peter und Genevieve. Missions - The Biblical Basis. Contagem, Brasilien: Ed. AMEM, 1989.
Das Ehepaar Milnes,
australische Missionare in Brasilien, schrieb das Buch speziell für
Hausbibelkreise. Hier können die überschaubaren Kapitel gelesen und
anschließend besprochen werden. Fragen
regen zum Gespräch an und führen zum
gemeinsamen Gebet. Zunächst werden
die missionstheologische Bedeutung der Schöpfung, Abrahams und Israels
Erwählung und von der Landnahme dargestellt, um dann am Beispiel von Richter, Jona und Maleachi den missionarischen Ungehorsam Israels aufzuzeigen. Die Besprechung des Neuen Testaments konzentriert
sich neben einer Darstellung von
Jesu Begegnungen mit den Heiden – verstanden als Jüngerschulung – vor
allem auf die Apostelgeschichte.
Wenn man nach Wesen und
Inhalt der Mission fragt, bleiben manche Fragen. Es mutet seltsam an, wenn Josuas Eroberung Kanaans als
„missionary work“ bezeichnet oder Israels Schuld
vor allem darin gesehen wird, daß es den Heiden Gott nicht nahebrachte (S.35f). Umgekehrt wird der Missionar als „Gottes Kämpfer gegen das Böse und Götzendienst im Land“
bezeichnet bzw. gefragt: „Kämpfen wir für Gottes Gerechtigkeit?“ (S.39f).
Fragt man tiefer, dann erkennt man, daß Schriftauslegung ohne
heilsgeschichtliche Perspektive getrieben wird. Das muß gerade im AT zu
Entstellungen führen. Grund, Voraussetzung, Ermöglichung und Inhalt aller Mission ist eben das Versöh
nungswerk Gottes in Christi Kreuzestod, Auferstehung und Sendung des
Geistes. So kommt gerade bei der
neutestamentlichen Darstellung die Soteriologie als Mitte des
Evangeliums zu kurz. Statt dessen werden Zeichen als Beglaubigung der Botschaft betont. Dem entspricht die Ausblendung der missionstheologisch so wichtigen
Gottesknechtslieder im Alten Testament.
Zudem wird der Weg des Evangeliums von Israel zu den Völkern lediglich unter dem
Gesichtspunkt transkultureller Methoden und multinationalen
Gemeindebaus gesehen (S.103ff).
Diese Schrift ist ein
Musterbeispiel dafür, wie die Gestalt der Missionstheologie von der zugrundeliegenden Hermeneutik gesteuert wird.
Gerade in einer „Laientheologie“ bzw. in einer
Anweisung zur Mission für junge Gemeinden, wie hier, ist
gewissenhafte Schriftauslegung das A und
O. Zudem sollte man in der Bibel Mission nur da sehen, wo die Schrift darauf hinzielt. Der Rezensent bedauert zutiefst, daß dem sehr guten didaktischen Ansatz,
dem praktischen Bezug und den mancherlei glücklichen Beispielen und
wertvollen Erfahrungen nicht eine ebenso gediegene exegetisch-theologische Arbeit zur Seite steht.
Helmuth Egelkraut, em 1993-1.
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Mission
Handbook 1993-95 (15th edition). U. S. and
Canadian Christian Ministries Overseas, with statistical data and background
essays, hg. von John A. Siewert und John A. Kenyon. Monrovia: MARC,1993.
Die 15. Auflage des Standardwerkes ist die bisher
umfassendste und bringt einige Neuerungen mit sich. Hauptteil ist nach wie
vor die umfassende Auflistung und Aufschlüsselung nordamerikanischer
Missionsgesellschaften, die sich im Rest der Welt betätigen. Am spannendsten
ist wohl der 37seitige Artikel von MARC-Direktor Bryant Myers „The changing
shape of world missions“. Dort finden sich 28 Weltquerschnitte graphischer
und statistischer Art zur Verteilung der Religionen, Christen, Unerreichten,
Finanzen und Lebensbedingungen. Die traditionellen Hintergrundaufsätze
bilden diesmal drei Briefe aus anderen Kontinenten von Tokunboh Adeyemo,
Vinay Samuel und Valdir Steuernagel (wobei Steuernagel im Jahrbuch Mission
1993 seinen deutschen Freunden ganz andere Dinge schreibt!). Neu ist eine
20seitige Übersicht über die 5.441 katholischen Missionare aus Nordamerika,
die jedoch bei weitem nicht so detailliert ist, wie die Angaben über die
protestantischen Organisationen, von denen 54% sich als evangelikal und 9%
als charismatisch bezeichnen. Neu ist auch die detailliertere Aufschlüsselung
des Missionspersonals. Die Gesamtzahl der US-amerikanischen Missionare, die
länger als 4 Jahre dienen wollen, beträgt derzeit 32.634, dazu kommen 36.201
Kurzzeitmitarbeiter für 2 Wochen bis 2 Monate und 24.213 voll aus den USA
unterstützte einheimische Mitarbeiter in den Einsatzländern, denen allen
zusammen 14.694 Vollzeit-Heimatmitarbeiter den Rücken stärken. Die Zahlen für
Kanada belaufen sich jeweils etwa auf 10% der US-Angaben. Weitere
Mitarbeiterkategorien verändern die Gesamtsumme nur unbeträchtlich. Das
größte US-Auslandspersonal (über 4 Jahre Einsatz) unter den Missionen hat der
Southern Baptist Convention Foreign Missions Board mit 3.660, Wycliff
Bibelübersetzer mit 2.338 und New Tribes Mission mit 1.837. Die hundert
größten Gesellschaften haben 91% allen Personals, wobei nur zwei weitere die
Tausendergrenze überschreiten. Für die zunehmenden Kurzzeiteinsätze, v.a.
von 2 Wochen bis 2 Monaten, aber auch bis zu 2 Jahren sind wiederum die
Southern Baptists-FMB Spitzenreiter (10.209), gefolgt von Jugend mit einer
Mission (6.600) und der Missionsabteilung der Kirche des Nazareners (5.500).
Das größte Jahreseinkommen hat dagegen World Vision USA (176 Mio. US$) mit
weiteren 73 Mio in Kanada, erst an zweiter Stelle die Southern Baptists mit
165,7 Mio und danach die Assemblies of God mit 96 Mio. Die Missionsdollars
konzentrieren sich zunehmend bei den großen Organisationen. Einsatzländer mit
über 1000 US-Missionaren sind Brasilien (2.229), die Philippinen (1.961),
Mexiko (1.691), Japan (1.636), Kenia (1.337) und Papua Neu-Guinea (1.186). Im
Mittleren Osten dagegen sind zusammen weniger Mitarbeiter jeglicher Herkunft
im Einsatz als US-Missionare in einzelnen deutschsprachigen Ländern: Deutschland
756 (wie in Frankreich), Österreich 310, Schweiz 86. Register über die
kirchliche Ausrichtung und die Tätigkeitsfelder der verschiedenen Werke
runden dieses unübertroffene Nachschlagewerk ab, für das man sich ein
ebenbürtiges in Deutschland bisher nur wünschen kann. Die ebenfalls
angebotene Diskettenversion war dem Rezensenten nicht zugänglich.
Christof Sauer, em 1996-2.
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Mission Handbook 2001-2003 (18th
edition). U. S. and Canadian Christian Ministries
Overseas, hg. von John A. Siewert und Dotsey Welliver. Evangelism and
Missions Information Service – Billy Graham Center - Wheaton College: Wheaton
(IL), 2000. 504 S.
Nach 3 Jahren erscheint die neue Auflage des bekannten
amerikanischen Nachschlagewerkes aller Missionsgesellschaften des amerikanischen
Kontinents. Es berichtet von ca. 35.500 Missionaren im Ausland aus den USA
und Kanada in ca. 1.000 Missionsgesellschaften, daneben von ca. 23.500
Mitarbeitern in USA und Kanada, 100.400 Kurzzeitmissionaren und 73.000
ausländischen Mitarbeitern! Tabellen, Übersichten, Daten, Adressen schlüsseln
diese Zahlen auf. Wer ist wie lange und wo Missionar? Warum kommen Missionare
vorzeitig nach Hause? Daneben bietet es wieder zwei Beiträge zu orthodoxen
und katholischen Missionswerken und die jährlich wechselnden
Einführungsessays, die weit über die Belange der USA hinausgehen. Dabei geht
es um die Frage der Kooperation von Missionsgesellschaften, um die Spannung
zwischen gigantischen Missionsorganisationen und der Betonung der örtlichen
Gegebenheiten und mit Luis Bush um die Herausforderungen der nächsten Jahre,
die er – m. E. zu Recht – vor allem in der Veränderung der theologischen
Ausbildung sieht (S.26-28).
Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-3.
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Missionering
en Inculturatie, Mission and Inculturation, Bulletin de 1’ Institut Historique Beige de Rome LXIV, Turnhout: Brepols
Pub-lishers, 1994.
Auf 270 Seiten bietet sich hier dem sprachgewandten Leser
in Flämisch, Französisch und Englisch eine
wertvolle Sammlung an missi-ons-
und kulturgeschichtlichem Material aus der Arbeit der Scheuter Mission
in der Inneren Mongolei und Nordchina
(1865-1953) und Zaire (1919-1935).
Die ausschließlich auf Quellenmaterial basierende historische Darstellung bietet ein sehr realistisches Bild von den harten Lebensbedingungen der Missionare. Es überwiegt jedoch bei weitem die Behandlung Frage nach einer Inkulturation der sehr stark
sozial orientierten Arbeit der Scheuter Missionare. Unter „Inkulturation“
wird in dieser Aufsatzsammlung die
Möglichkeit einer Übernahme der von den Missionaren gegründeten
medizinischen Einrichtungen oder Schulen durch einheimische Fachkräfte
verstanden. Auf eine theologische Auseinandersetzung mit dem Thema oder eine missiologische Analyse der
behandelten Abschnitte der Scheuter Missionsgeschichte muß der Leser
leider verzichten.
Stefan Müller, em 1995-4.
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Moffett, Samuel Hugh. A
History of Christianity in Asia. Bd I: Beginnings to 1500. San Francisco:
Harper, 1991.
Die Ursprünge des Christentums in Asien liegen lange vor
dem Einsetzen der neuzeitlichen Mission. Die Ausbreitung und Bedeutung des
asiatischen Christentums von seinen Anfängen bis zum Jahr 1500 ist das Thema, dem der Autor viele Jahre an Forschung und Quellen
studium gewidmet hat. Nachdem eine europazentrierte Kirchengeschichtsschreibung lange Zeit
den Blick auf die einheimischen Wurzeln des
asiatischen Christentums weitgehend verstellt hat, lenkt Samuel H.
Moffett mit diesem Buch die Aufmerksamkeit
des Lesers erneut auf die tiefen
Wurzeln und Traditionen des Christentums in der Geschichte der Völker und Staaten Asiens.
Der Autor Samuel Hugh
Moffett ist selbst in Korea geboren. Während der chinesischen
Revolution war er von 1947 bis 1951 in China als Lehrer tätig und arbeitete
später als Professor für Kirchengeschichte in Korea und in den USA. Mit ihm hat sich wohl einer der kompetentesten
Männer der Bearbeitung dieses Themas
angenommen.
Bei seinen hervorragenden Kenntnissen der asiatischen
Kirchen ist es allerdings zu bedauern,
daß er so wenig auf asiatische Quellen und Arbeiten zurückgreift. Ebenso verzichtet er darauf, neuere
westliche Forschungsergebnisse zu
einzelnen Aspekten seines Themas zu berücksichtigen. Dafür beschränkt er sich
auf eine solide Zusammenfassung und
Aufbereitung der bisher unübertroffenen Klassiker der asiatischen Kirchengeschichte aus der Blütezeit
christlicher Asien-Forschung und
auf die in westlichen Sprachen zugänglichen Quellen. Moffetts Verdienst ist es daher vor allem,
deren Ergebnisse nach über 50 Jahren erneut aufzunehmen und davor zu bewahren, endgültig in der Vergessenheit zu versinken.
Die Weite des Themas
zwingt allerdings auch zu Beschränkungen auf einen geographischen und thematischen Bereich. So legt Moffett
den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Untersuchung des Christentums im frühen
Persien und auf die Auseinandersetzung des Christentums mit dem jungen
Islam, die etwa 75% seines Werkes
ausmachen. Entsprechend erfolgt auch die im Buch vorgenommene Einteilung
in die drei Perioden „Von den Aposteln bis Mohammed“, „Von Alopen bis zu den Kreuzfahrten“ und „Von Dschingis Khan bis Tamerlan“.
Durch den hier gebotenen Einblick in die Ursprünge und die
Entwicklung des Miteinanders von
Christentum und Islam in Asien wird anhand
vieler Hintergrundinformationen ein tiefes
Verständnis für viele der bis heute brennenden Fragen in der
christlich-islamischen Begegnung
ermöglicht. Die Kirchengeschichte aller
anderen asiatischen Regionen oder die frühe Auseinandersetzung des Christentums mit anderen asiatischen Religionen wird dagegen leider nur beiläufig und nur dort behandelt,
wo sie in eine Beziehung zu Persien oder zum Islam tritt. Dennoch ist dieses Werk ein überaus lesenswerter Klassiker zur Kirchengeschichte
West-Asiens und ein kaum zu überschätzender
Beitrag für jede Beschäftigung mit
den Wurzeln des asiatischen Christentums.
Stefan Müller, em 1995-4.
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Montgomery, James
H. Dawn 2000: 7 Million
Churches To Go. Pasadena, CA: William Carey Library 1989.
Montgomery entwickelte eine Strategie für die Weltevangelisation. Mit dem Ziel 7 Millionen zusätzlicher Gemeinden gäbe es eine Gemeinde
für jeweils 500 bis 1000 Menschen in der Welt; damit hielte er die Welt für evangelisiert. DAWN 2000, Abkürzung für «Discipling A Whole Nation» (Eine ganze Nation zu Jüngern machen), ist kein kurzlebiger
Traum eines früheren Missionars, sondern eine wohldurchdachte Strategie für die Evangelisation jeder einzelnen Nation auf der Erde.
Montgomery kommt aus der Gemeindewachstumsbewegung. Er war neun Jahre lang der Chefredakteur von
«Global Church Growth» und diente 13 Jahre als Missionar in den Philippinen,
wo diese optimistische Strategie entwickelt wurde. DAWN 2000 erwuchs aus Montgomerys Erfahrung.
Das Buch ist leicht verständlich zu lesen und gliedert
sich in drei Teile. Zunächst lesen wir hauptsächlich von der Entwicklung, dann folgt eine Beschreibung der Strategie. DAWN möchte die gesamte Gemeinde Christi in allen Ländern mobilisieren,
um den Missionsbefehl auszuführen, indem eine Gemeinde in jedem Ort und jeder
Nachbarschaft gegründet wird.
Der zweite Teil des Buches erklärt, warum Montgomery glaubt, daß seine Strategie funktioniert. Die DAWN-Strategie unterteilt
die Erde in überschaubare Bereiche, umfasst
die nötigen statistischen Untersuchungen
und mobilisiert mit Hilfe eines DAWN-Teams
die Gemeinde Christi in dem Land.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Untersuchung über das
Gemeindewachs turn. Daten über Wachstum
bzw. Nicht-wachstum der Gemeinden
(institutionelle und kontextuelle
Daten) werden gesammelt, analysiert und ausgewertet. Die Ergebnisse dieser Untersuchug werden in einer „Prophetischen Botschaft“ veröffentlicht, um die
örtlichen Gemeinden zu motivieren.
Der letzte Teil des Buches spricht über die praktische Anwendung von DAWN 2000 in einem spezifischen Land. Eine Beschreibung
ist gegeben, wie die Vision der geistlichen Strategie in dem
speziellen Kontext den geistlichen
Leitern im Lande vermittelt werden kann.
DAWN 2000 ist ein
Beitrag zur Erfüllung des
Missionsbefehls. Das Problem, dem Montgomery begegnet, besteht in der
Vermittlung seiner Vision in jedem Land der Erde und in den Herzen der
evangelikalen Leiter. Dieses Buch in den
Händen evange-likaler
Verantwortungsträger in der ganzen Welt
kann großen Einfluß auf die Weltevangelisation
ausüben.
Detlef Gwinner, em 1991-3.
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Moreau, A. Scott (Ed.).
Evangelical Dictionary of World Missions. Baker Books: Grand Rapids (MI), 2000.
Normalerweise sollte man kein Buch besprechen, zu dem man
selbst Beiträge verfaßt hat, aber da in diesem enorm umfangreichen Lexikon
alle einzelnen Autoren mit Ausnahme des Hauptherausgebers nur einen sehr
kleinen Anteil haben, sei dies ausnahmsweise einmal gestattet. Seit dem
Lexikon der Weltmission (Engl. Original 1971) hat sich in Mission und
Missionswissenschaft eine enorme Zunahme evangelikaler Aktivitäten ergeben,
Deswegen ist es kein Zufall, dass der ‘Nachfolger’ nun aus dem evangelikalen
Bereich kommt, auch wenn die ökumenische Weite nach wie vor in den
Artikelthemen präsent ist. Denn das Lexikon versteht sich ausdrücklich nicht
als Lexikon über Evangelikales, sondern als Lexikon über alles, was Mission
betrifft, aber aus evangelikaler Sicht.
Das Lexikon umfaßt 700 thematische Artikel und 700
Artikel über Personen und geographische Gebiete. Von den 483 behandelten
Personen sind 239 Europäer, 152 Nordamerikaner und 92 aus der Dritten Welt.
105 sind Frauen und 52 sind noch am Leben. Lebende Personen aufzunehmen
schien unumgänglich, da die evangelikale Bewegung, besonders in der Dritten
Welt, teilweise noch sehr jung ist. Normalerweise wurden die Lebenden noch
vor 1930 geboren, wenn man von vier Ausnahmen aus der Dritten Welt absieht.
Den noch lebenden Deutschen, ‘Peter Beyerhaus’, hätte ein Deutscher vielleicht
etwas ergiebiger dargestellt, als ein Amerikaner, wie dies etwa im Falle
von ‘Ernst Schrupp’ (von Klaus Fiedler) der Fall ist.
Grundsätzlich ist das Lexikon recht amerikanisch geprägt,
insbesondere in den theologischen Beiträgen, aber man hat sich doch deutlich
bemüht, Autoren aus Europa und der Dritten Welt zu gewinnen. An deutschen Autoren
fand ich Peter Beyerhaus, Klaus Fiedler, Hans-Werner Gensichen, Rolf Hille,
Werner Raupp, Christine Schirrmacher, Thomas Schirrmacher). Sie haben meist
biographische Artikel geschrieben. Die Beiträge über deutsche Missionen sind
nicht schlecht, aber selten herausragend (so z. B. ‘German Mission Boards
and Societies’). Die Auswahl deutscher Missionare und Missiologen (ich fand
Beyerhaus, Christlieb, Gutmann, Schrupp, Warneck, Ziegenbalg) ist sicher
sehr dünn und wohl teilweise zufällig, aber mehr Platz stand eben nicht zur
Verfügung. Zu den Glaubensmissionen (‘Faith Missions’) fehlen etwa die
Forschungsergebnisse des Mitautors Klaus Fiedler völlig, obwohl sie längst
auf Englisch vorliegen. Die Bibliographie ist leider auf leicht zugängliche,
englische Quellen beschränkt worden und nicht besonders ergiebig. Allerdings
gibt es gute Artikel über literarische Produkte wie Missionslexika oder Missionszeitschriften
(‘Dictionaries …’, ‘Journals …’).
Die Spannweite der Themen ist dagegen sehr gut gelungen.
Es zeigt sich, dass man die Evangelikalen längst nicht mehr mit ein paar Lieblingsthemen
(z. B. über ‘Inerrancy’, ‘Church Discipline’, ‘OT Theology of Mission’)
identifizieren kann. Ausdrücklich werden viele Streitfragen unter
Evangelikalen behandelt und ausgezeichnet dargestellt (z. B. Artikel
‘Controversies …’, ‘Annihilationism’, ‘Smuggling’, ‘Eschatology’ und viele
weitere Einträge zu eschatologischen Richtungen), soziale Fragen angesprochen
(z. B. ‘Caste’) und neueste und ungewöhnliche Forschungs- und Praxisbereiche
zugänglich gemacht (z. B. ‘Elenctics’, ‘Homeschooling’, ‘Burnout’, ‘Member
Care’).
Das Lexikon ist über umfangreiche Register einschließlich
einer umfangreichen Themengliederung bestens erschlossen. Insgesamt ist
dieses in mehreren Jahren entstandene Mammutwerk eine Meisterleistung evangelikaler
Lexikonerstellung und Missiologie.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-1.
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Moucarry, Georges Ch. Zwischen Bibel und Koran. Ein
arabischer Christ begegnet dem Islam. Brunnen Verlag: Giessen, 1994.
Der arabische Christ Georges Moucarry möchte zwischen
Christen und Muslimen Verständnis wecken. Verständnis jedoch nicht im Sinne
eines ökumenischen Dialogs, der die theologischen Unterschiede zwischen Islam
und Christentum wegerklärt. Im Gegenteil: Der Autor führt diese Unterschiede
aus Koran- und Bibeltexten selbst an. Klar und verständlich werden z. B. die
Unterschiede zwischen der biblischen und koranischen Auffassung von Sünde
und Heil erläutert. Gleichzeitig möchte Moucarry jegliche Konfrontation und
Gegnerschaft zwischen Muslimen und Christen vermieden sehen. Echte Toleranz
beginnt für ihn dort, wo Muslime und Christen (!) eine Bekehrung zur anderen
Religion nicht von vorneherein ausschließen (S.92).
Es sollte kurz angemerkt werden, daß man bei manchen
Aussagen durchaus auch anderer Meinung sein kann: 1. Für den Autor ist der Koran
dort göttliche Offenbarung, wo er mit der Bibel übereinstimmt, denn Gott
könne sich auch außerhalb der biblischen Offenbarung äußern (S.87+91). – Mit
einem solchen Offenbarungsverständnis könnte letztlich jedes Buch zur
Offenbarung Gottes erklärt werden, nicht nur der Koran. – 2. In der
Auseinandersetzung Jesu mit den Pharisäern kommt Moucarry zu dem Schluß, daß
die Pharisäer das Gesetz ganz genau befolgt hätten, Jesus aber seine Autorität
über das Gesetz stellt (S.75). M. E. weist jedoch Jesus den Pharisäern nach,
daß sie Gottes Gesetz gerade nicht halten, weil sie um Gottes Gesetze herum
zusätzlich eigene Gesetze schufen und diese menschlichen Gebote über Gottes
Gebote stellten. Diese „Menschengebote“ (Mk 7,7) befolgt Jesus tatsächlich
nicht (s. Mk 7,1-23), wohl aber das ganze alttestamentliche Gesetz. 3. Etwas
befremdlich mutet es an, daß der Autor die Frage stellt, ob Muslimen in
christlichen Ländern die Ausübung ihrer Religion wirklich tolerant
gestattet würde (S.88+90). Hier wäre doch wohl eher auf die teilweise erheblichen
Beschränkungen hinzuweisen gewesen, denen sich Christen in islamischen
Ländern ausgesetzt sehen, obwohl der Islam offiziell den Anspruch erhebt,
das Christentum zu tolerieren.
Dr. Christine Schirrmacher, em 1996-2.
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Müller, Karl; Werner
Ustorf (Hg.). Einleitung
in die Missionsgeschichte. Tradition, Situation und Dynamik des Christentums. Theologische Wissenschaft Bd. 18. Kohlhammer:
Stuttgart, 1995.
Es ist schwierig, einen Sammelband zu rezensieren und ihm
und dem Gesammelten dabei gerecht zu werden, da es naturgemäß sehr vielfältig
ist. Deswegen will ich vor allem fragen, ob und wie der Band sein Ziel
erreicht und was er dem evangelikalen Leser bietet.
So klar wie der Titel mir erscheint, so unklar ist mir der
Untertitel. Zu „Tradition, Situation und Dynamik des Christentums“ könnte
man in den verschiedensten theologischen Disziplinen schreiben und deswegen
natürlich auch in Missiologie. Oder ist selbst das Verständnis von Mission
nicht klar? Die Herausgeber schreiben, daß es „eigentlich gar nicht um die
Geschichte der Mission, sondern eher um die Geschichte des Christentums
selbst“ geht, das „nach 1Joh 3,2 noch nicht endgültig festgelegt, sondern
noch unabgegrenzt ist“ (9). In seinen sehr bemerkenswerten Schlußerwägungen
(„Missionsgeschichte im Wandel der Motivationen und Perspektiven“) betont
Horst Rzepkowski, daß „der einsichtige Ansatz, daß die Kirchengeschichte
von der Geschichte der ganzen Kirche handeln solle“, nicht durchgehalten
wird (266). Ich hätte mir deswegen gewünscht, daß in einer Einleitung die
Eigenständigkeit der Missionsgeschichte begründet worden wäre, die in den
systematischen Beiträgen (Karl Müller, Horst Rzepkowski) oft vorausgesetzt,
in anderen häufig ignoriert wird.
Das Buch versucht der Tatsache Rechnung zu tragen, daß
christliche Mission erfolgreich war. Deswegen fragt Ustorf zu recht: „Wie
kann das neuzeitliche Autonomiebewußtsein westlicher Kultur missiologisch so
angesprochen werden, daß es von seiner zwanghaften Tendenz zur Gewalt [siehe
Kolonialismusgeschichte] befreit wird?“ (12) Der Westen ist also Objekt
der Mission, aber zu dieser Wahrheit bietet das Buch wenig, gerade im
Artikel von Hugh McLeod „Die christliche Erfahrung Europas 1789-1989“.
Insgesamt scheint mir das Buch, das eine Einführung sein
will, diesem Anspruch nur teilweise gerecht zu werden. Viele Artikel sind
eher Beiträge zu einer Missionsgeschichte oder einer Kirchengeschichte der
Welt. Für beides ist die Sammlung nicht umfassend genug, bietet aber dem
Leser in manchen Artikeln viel interessante Informationen, sei es über
katholische Mission in Nordafrika, über Missionen in Zentralasien oder
unter den ethnischen Minderheiten in Nordamerika. Für evangelikale Leser
erscheint mir, neben anderen katholischen Beiträgen, der Artikel von
Angelyn Dries OSF sehr nützlich, der einen Überblick über die Entwicklung der
Heimatbasis der amerikanischen Weltmission bietet mit der Folge der
dominierenden Gruppen: Protestanten (vor dem Zweiten Weltkrieg), Katholiken
(nach dem Krieg), Evangelikale (nach 1970). Da kommt die Frage auf, welche
Gruppe nach den Evangelikalen in der amerikanischen Missionswelt dominieren
wird.
Hans-Jürgen Priens Beitrag „Lateinamerika –
Einwandererkirchen und angelsächsische Missionsprotestantismen“ dagegen
zeichnet sich durch den pauschalen Kampf gegen alles aus, was nach den
Einwandererkirchen an Protestantismus Lateinamerika noch berührte. Schon
der Titel läßt erkennen, daß die Millionen Menschen, die in Südamerika sich
zum evangelischen Glauben bekehrten, Opfer sind. Sie werden von
„multinationalen religiösen Unternehmungen“ und von Neopfingstlern
[gekennzeichnet durch „religiös-politische Instruktion, Gruppendynamik,
politischen Aktivismus und Mission (Youth with a Mission, Christ for the
Nations, Gospel Outreach)] mißbraucht, kämpfen gegen progressive Regierungen
und zerstören im Amazonasbecken ethnische Strukturen durch ihre
sektiererische und kulturell entfremdende Arbeit (NTM, Wycliffe). Schade,
Prien definiert Kirche sehr eng, und Ökumene nur als protestantisch und katholisch.
Das gilt auch für das Buch als solches, das als
ökumenisches Textbuch auf evangelikale oder pfingstliche Missiologen verzichtet.
Ist die Zeit noch nicht reif dafür, oder sind sie noch nicht hoffähig? Oder
ist es gut, sich erst einmal der Dissonanz bewußt zu werden?
An der technischen Seite des Buches stören mich drei
Dinge: Ich hätte die Fußnoten, die viel wertvolle Informationen enthalten,
gerne unten auf der Seite gefunden. Auch als Sammelband verdient das Buch
einen Index. Internationale Autoren sind gut, aber Übersetzungen sollten
dann auch gut sein. Was habe ich z. B. unter methodistischen Gesellschaften
zu verstehen, größtenteils aus Afrikanern zusammengesetzt, die Mitte des Jahrhunderts
auf einigen Inseln erschienen (100)? Oder ist „Rat“ wirklich die richtige
Übersetzung für „American Board“ (210 u.a.m.)? Auch denke ich, daß der Satz
„Speer schrieb über die Bedeutung der Predigt, um Einzelkonversionen zu
erzielen, die Missionen mußten aber auch einheimische Kirchen gründen“ (217)
auf Englisch besser klang. Ich bin ja dafür, die deutsche Sprache zu
„enrichen“, aber ich meine doch, daß die „Unterschiedlichkeit des christlichen
Respons“
ins Deutsche übertragen werden sollte.
Insgesamt ist das Buch nützlich für die Leser, die einen
Einstieg gewinnen und/oder sich informieren wollen. Es zeigt die Probleme
mancher Sammelwerke und führt die der heutigen Missionsgeschichtsschreibung
vor, versucht sie allerdings nicht zu lösen. Für evangelikale Leser scheint
mir der Hauptwert in den katholischen Beiträgen zu liegen.
Dr. Klaus Fiedler, em 1998-3.
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Müller, Klaus W. (Hg.), Mission als Kampf mit den
Mächten. Zum missiologischen Konzept des „Power Encounter”. Referate der Jahrestagung für evangelikale
Missiologie, Korntal, 7.-9. Januar 1993. edition afem, mission reports, Bd.1. Bonn:
Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1993.
Sammelbände enthalten mitunter komprimierte Information
und auch manche literarische Schnäppchen, die sonst nirgendwo veröffentlicht
wurden. Dies trifft auch auf die Referate der AfeM-Jahrestagung von 1993 zu.
In einem ausgezeichneten Anfangsartikel gibt Traugott
Hopp, Dozent am Brüderhaus Tabor in Marburg, eine biblisch-theologische
Einführung in das Thema „Kampf der Mächte“.
Peter Beyerhaus stellt in seinem Beitrag „Die
antagonistische Dimension der Mission – Der Kampf der Geister“, Mission als
grenzüberschreitende Konfrontation dar. Er erkennt dabei sowohl direkten
geistlichen Kampf (i.e. Exorzismus) als auch den eher indirekten, auf
Bekehrung abzielenden Kampf als unverzichtbaren Bestandteil dieser Konfrontation.
In dem akademisch gehaltenen Artikel kommen wichtige Grundanliegen des
Seniors der evangelikalen Missionstheologie zur Sprache.
Ferner gibt Wolfgang Simson einen Überblick über „Power
Encounter in der charismatischen Missiologie“. Er nennt wichtige Kernthesen,
distanziert sich von Extrempositionen innerhalb der charismatischen Bewegung
und kritisiert die sterile deutsche Gemeindewirklichkeit und die verengte
Negativ-Theologie. Der insgesamt gelungene Überblick beantwortet aber
leider nicht die Frage, wie sich theologische und praktische
Extrempositionen innerhalb der charismatischen Bewegung in der Praxis von
den positiv beurteilten Aspekten scheiden lassen.
Detmar Scheunemann, der auf 30 Jahre Missionserfahrung
zurückblicken kann, geht sensibel und biblisch begründet auf die praktische
Seite der Begegnung mit Mächten im Missionsdienst ein und verfolgt eine vertiefende
theologische Auseinandersetzung mit dem Okkultismus.
Klaus W. Müller, erster Vorsitzender des AfeM und Dozent
der Freien Hochschule für Mission in Korntal, geht mit seinem Artikel „Power
Encounter als missiologisches Konzept“ auf die anthropologischen und soziologischen
Elemente des Power Encounters ein.
Klaus Hoppenworth, Dozent am Seminar der Liebenzeller
Mission und an der Universität Tübingen behandelt in dem letzten Hauptreferat
die „Mission in ihrer Auseinandersetzung mit den Mächten in den nichtchristlichen
Weltreligionen“ (im Hinduismus und Islam). Dabei geht er fundiert und ausschließlich
auf die kognitiven Aspekte der genannten Religionen ein. Leider
vernachlässigt er fast vollständig die sozialen und okkulten Ausmaße des
Power Encounters beim vielerorts anzutreffenden Volks-Islams oder
Volks-Hinduismus.
Neben dem rund 100seitigen Hauptteil der Dokumentation
beinhaltet der Band im Anhang interessante Erfahrungs- und Forschungsberichte
auf knapp 40 Seiten über Möglichkeiten und Grenzen von Zeltmacher-Mission,
über „Mission und Kirche in der Mongolei seit 1989“ und über die alte Frage
„Zerstört Mission Kultur?“, die der Autor überzeugend und sachlich verneint.
Das Buch ist ein insgesamt recht interessanter Sammelband
zu einem aktuellen Thema für jeden, der sich umfassender mit Mission
beschäftigt.
Martin Sachs, em 1997-3.
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Müller, Klaus W. (Hg.). Mission im Islam. Festschrift für Eberhard
Troeger. Edition afem. Mission academics 25, Nürnberg, Bonn: VTR, VKW,
2007.
Diese Festschrift sammelt verschiedenste Beiträge zur
Person von Eberhard Tröger inklusive einer ausführlichen Liste seiner
Veröffentlichungen (S.41-64), zu Fragen von Mission grundsätzlich bzw.
Mission unter Muslimen (S.65-187) und zum Islam (S.189-300). Die Vielfalt der
Beiträge ist ein Spiegel der Persönlichkeit und der Bedeutung des
missionarischen und missiologischen Wirkens Eberhard Troegers, der
Mitbegründer und erster Leiter des AfeM war.
Insbesondere der erste Teil „soll blitzlichtartig
Einblicke in ein Leben geben, die sonst verloren wären für die Blicke
anderer“ (S.9). Acht kürzere Beiträge (S.7-40) rücken die Persönlichkeit
Troegers aus der Perspektive von Familie, Weggefährten und Mitarbeitern in
den Mittelpunkt. In diesen Beiträgen tritt nicht nur die Person vor das
innere Auge des Lesers, sondern seine Leidenschaft für die Sache Jesu Christi
und seine Liebe zu Mission und Muslimen wird greifbar.
Christof Sauer stellt im ersten Beitrag des zweiten Teils
„Die Vision einer Sudan-Mission: Der Beitrag aus dem deutschsprachigen Raum“
die missionsgeschichtlichen Hintergründe der Anfänge der EMO im Überblick
dar. Diese hilfreiche und interessante Zusammenstellung weist auf das
langjährige Wirkungsfeld des Jubilars. Albrecht Hauser bedenkt im folgenden
Beitrag „Die missionarische Herausforderung der Gegenwart - Christsein in
der Begegnung mit Säkularismus und Islam“. Da Mission ein „Wesensmerkmal
christlicher Existenz“ ist, können Christen Mission nicht aufgeben oder grundsätzlich
in Frage stellen. Bestimmt von der Liebe Jesu soll das Evangelium Menschen
liebend nahe gebracht werden. Auf diesem Hintergrund identifiziert er
"Vertrauensverlust ins Evangelium und unsere Unkenntnis über den Islam“
(S.89) als Ursachen dafür, dass Menschen sich im missionarischen Zeugnis
gegenüber Muslimen schwer tun. Diese Beobachtungen sind sicherlich richtig,
aber weitere Aspekte müssen ergänzt werden. Eberhard Troegers Unterscheidung
von Islam und dem konkreten Menschen (vgl. Zitat auf S.92) weist auf die
Frage, ob Muslime als von Gott geliebte Menschen in der Vergangenheit immer
im Blick der Gemeinde Jesu waren. Mangelndes Interesse an den Menschen im
Islam kennzeichnete wohl weite Teile der Kirchengeschichte. Dazu kommen
insbesondere falsche Vorstellungen über die Begegnung mit Muslimen und über
deren Überzeugungen. Ron Kubsch und Thomas Schirrmacher legen einen
grundsätzlichen Beitrag „Apologetik: Den christlichen Glauben denkerisch
bezeugen“ vor, indem sie im Überblick auf die Apologetik im Neuen Testament
und der Kirchengeschichte bis in die Neuzeit eingehen. Apologetik beschreibt
dabei die Notwendigkeit nicht nur „selbstgefällig Dogmatik zu treiben“,
sondern sich den „Fragen, Wunden und Schutzschichten Andersdenkender“
(S.147) zu stellen. Sie betonen dabei unter anderem, dass Christen nicht alle
Antworten haben. Vielmehr können Christen nur da „Gottes Botschaft
vertreten, wo Gott sich in seinem Wort geoffenbart hat“ (S.150). Thomas
Dallendörfers Beitrag „Die Trinitätslehre als Problem und Chance in der
Mission unter Muslimen“ liefert einige sehr interessante Gedankenanstöße.
Ausgehend von den Schwierigkeiten des Islams und des Korans mit einer
(falsch) verstandenen Trinitätslehre sowie des mangelnden Interesses in
christlichen Kirchen die Trinität zu lehren, weist er auf Chancen der
Trinitätslehre hin, was in der folgenden Überzeugung gipfelt: „Die
Dreieinigkeit ist das Resultat
eines sehr hohen Anspruchs, nämlich zu lehren, dass Gott mit uns Menschen
unmittelbar Gemeinschaft haben will“ (S.160). Man könnte noch ergänzen, dass
in der islamischen Tradition und Lehre Gott ebenso wenig wie in der christlichen
Tradition und Lehre vollständig zu begreifen oder begrifflich zu fassen ist.
Diese Gemeinsamkeit kann manche Hindernisse für Muslime aus dem Weg räumen.
Darüber hinaus könnte der Gedanke der Bundesgemeinschaft des allmächtigen
Schöpfers und Herrn dieser Welt mit Menschen vom Alten Testament her stärker
beleuchtet und damit das Verständnis für die im Neuen Testament explizite
Trinitätslehre für Muslime vorbereitet werden. Joachim Paeslers Ausführungen
„Barmherzigkeit Gottes in Christentum und Islam“ sind ein interessanter Beitrag
zu dieser Festschrift. Die detaillierten Untersuchungen zu hebräischen und
griechischen Begriffen stehen stärker thematischen Beschreibungen des Themas
im Koran gegenüber. Bei allen Gemeinsamkeiten beschreibt er den
grundlegenden Unterschied folgendermaßen: „Im Vergleich zum Islam, wo Allahs
Barmherzigkeit eine Antwort auf das menschliche Handeln ist, geht Jahwe in
seiner Liebe dem Menschen voraus, der das Heil lediglich im Glauben ergreifen
muss“ (S.280). Diese zusammenfassende These hätte sicherlich anhand von
manchen alttestamentlichen und neutestamentlichen Stellen (z.B. Röm 4,5 und
5,8) deutlicher herausgearbeitet werden können. Auch sollte noch einmal
darüber nachgedacht werden, ob die alttestamentliche Bundesbarmherzigkeit im
Neuen Testament in den Hintergrund treten kann (S.274), wenn das Neue
Testament sich als die Erfüllung des Alten Testaments begreift.
Die kurzen Rückfragen zu einigen Beiträgen sollen aber
nicht in Frage stellen, dass diese Festschrift sicherlich dem Jubilar eine
Freude sein wird und viele interessante und anregende Beiträge vorlegt.
Heiko Wenzel, em 2008-3.
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Müller, Klaus W.;
Eberhard Troeger; Christine Schirrmacher (Hg.). Der Islam als Herausforderung
für die christliche Mission. Referate der Jahrestagung des Arbeitskreises
für evangelikale Missiologie 1994. Bonn: Verlag für Kultur
und Wissenschaft, 1996.
Mit dem vorliegenden Band werden die Referate der
Jahrestagung des Arbeitskreises für evangelikale Missiologie von 1994 einer
breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Da der Islam schlichtweg die Herausforderung für die
christliche Mission ist, wird der Jahresband des Afem mit seinen
Grundsatzreferaten, Erfahrungs- und Forschungsberichten ein wichtiges Buch
für die missionsorientierte Gemeinde bleiben.
Im ersten Hauptreferat befaßt sich Helmuth Egelkraut mit
den Grundlagen der Mission nach Römer 10. Er stellt heraus, daß die Rechtfertigung
vor Gott allein aus dem Glauben kommt. „Sie hat ihre Ortsbestimmung am Kreuz
des Messias Jesus Christus. Man kann sie nicht haben, wenn man den
gekreuzigten Messias verwirft“ (S.6). Im Gegensatz dazu betont der Islam die
Gerechtigkeit des Menschen, die auf eigenen Anstrengungen und guten Werken
beruht. Das zweite Hauptreferat von Christine Schirrmacher beleuchtet die
Kreuzigung Jesu und die Erlösung des Menschen aus islamischer Sicht. Sehr
fundiert wird belegt, daß der Koran ganz eindeutig die Kreuzigung Jesu
ablehnt und folgerichtig auch keine Notwendigkeit für die Erlösung des
Menschen sieht.
Die Erfahrungs- und Forschungsberichte (denen fast zwei
Drittel des Buches gewidmet sind) machen für mich jedoch den besonderen Wert
des Bandes aus. Hier werden Einsichten in die Missionspraxis gewährt und Hintergrundwissen
von Insidern vermittelt, welche sonst nur sehr schwer zugänglich sind.
Die breite Palette der Themen reicht von der
„Evangeliumsverkündigung im Gespräch mit Muslimen in Pakistan, Afghanistan
und Deutschland“ über die Arbeit als „Zeltmacher im Mittleren Osten und
Zentralasien“ bis hin zu den „Expansionsbewegungen des Islam in
Schwarzafrika“. Darüber hinaus geben zwei Referate einen tiefen Einblick in
die Problematik der Konvertiten und die Bestrebungen der islamischen Mission
(„Dawah“ = Ruf zum Islam).
Eine Liste der in „evangelikale Missiologie“
veröffentlichten neueren Buchbesprechungen über den Islam bilden einen
wertvollen Anhang.
Natürlich läßt sich das Thema „Islam als Herausforderung
für die christliche Mission“ nicht in einem Buch abhandeln, zumal zwei
Hauptreferate nicht zum Druck zur Verfügung standen. Dennoch wurden die
Schwerpunkte des Themas anschaulich behandelt, so daß der interessierte
Leser eine gute Einführung erhält.
Reinhard Born, em 1997-2.
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Müller,
Klaus. W. Georg
Vicedom as Missionary and Peacemaker. His Missionary Practice in New Guinea.
World Mission Scripts 6,
Neuendettelsau: Erlanger Verlag für Mission und Ökumene, 2002.
Es gibt reichlich Aussagen darüber, was „die
Missionare" gemacht oder unterlassen haben, und recht wenig Studien, die
das genauer an einem Einzelfall untersuchen. Hier liegt eine solche Studie
vor. Sie ist dem Wirken des Missionars Georg Vicedom in Neuguinea von 1929
bis 1939 gewidmet. Vicedom ist weit bekannter als Professor und Autor vieler
Schriften zur Mission – etwa vierhundert Artikel und vierzig Bücher. Klaus
Müller setzt bei den Quellen ein, die in großem Umfang vorhanden sind, zieht
aber auch viele Quellen aus dem Umfeld heran. Die Studie ist von immenser
Sorgfalt, auch von Hochschätzung aber auch von Kritik im Detail geprägt. Die
Gliederung erfolgt in fünf Kapiteln, die nach dem Dezimal-System untergliedert
sind -bis zu fünf Stellen! Nur wenige Abschnitte sind länger als eine Seite.
Außerdem ist der Text mit Fußnoten untermauert, die selten weniger als ein
Drittel der Seite füllen und weit mehr als nur die Quellenangaben enthalten.
Kapitel 1 (S.1-32) schildert Herkunft, Entwicklung und Ausbildung, ohne
Anzeichen künftiger Brillianz, aber mit inneren Kämpfen. Kapitel 2 stellt die
Ausreise und die Orientierungsphase dar (S.33-70). Die beiden folgenden
Kapitel zeigen Vicedom als Pioniermissionar, der selbständig arbeitete, und
dabei den Durchbruch zur Annahme des Evangeliums durch eine Ethnie angestrebt
und erfahren hat, zuerst in Mumeng unweit des neu erschlossenen Goldfeldes
(S.71-126), danach im Hochland von Neuguinea in Ogelbeng. Dies Kapitel umfasst
mehr als die Hälfte des Ganzen (S.127-327), und in diesen beiden Kapiteln
liest sich das Buch auch richtig spannend.
Vicedom folgte der Methode seiner Mission: Der Missionar
und seine Gehilfen streben zusammen hin auf eine öffentliche Wendung der
Gesamtgemeinschaft zum Evangelium hin. Die erste Grundforderung und der erste
Segen ist der Friede mit den Nachbarstämmen. Zum Kontakt dient das Studium
der lokalen Sprache, einfache medizinische Hilfe, Besuchsreisen und Alltagsverrichtungen
wie Stationsbau und Nahrungserwerb. Alle wesentlichen Entscheidungen sind
von der lokalen Bevölkerung zu treffen, auf ihre Weise, sodass das Sozialgefüge
weitgehend intakt bleiben kann.
Im Hochland-Kapitel wird ausführlich geschildert, wie
diese Methode geändert werden musste, weil die Regierung den Evangelisten
die freie Bewegung außerhalb ihres Herkunftsgebietes verbot. So wurden die
ungetauften Schüler der dafür intensivierten Schule auf der Station zu den
ersten Vermittlern biblischer Gehalte in ihren Herkunftsdörfern und zugleich
Sprachhelfer, indem sie mit ihren Worten wiedergaben, was sie verstanden hatten.
Dies dramatische Geschehen ist mit Sorgfalt dargestellt. Dabei verwendet der
Autor die Gedanken, Einsichten und Begriffe der Kulturanthropologie, wie sie
von und für Missionare adaptiert worden ist. Ein funktionales Substitut z.B.
ersetzt eine vorchristliche Sitte mit sozialer Bedeutung durch eine
christliche Sitte; und Gott wird als suprakultural verstanden.
Für Klaus Müller ist Vicedom nicht nur Studienobjekt,
sondern auch ein Vorbild als Missionar und als Missionstheologe. Das fünfte
Kapitel handelt davon, wie sich Vicedoms wieterer Lebensweg gestaltete; er
fand Zeit zur privaten Fortbildung, wurde Missionsinspektor, und dann mit
Ehrendoktoraten „entdeckt", danach Professor an der kirchlichen
Hochschule am Sitz seiner Mission. Eine Würdigung der Persönlichkeit erfolgt
- durchaus nicht unkritisch: es wird auch festgestellt, Vicedom sei zeitweise
„workaho-lic", autoritär und Einzelgänger gewesen. Dann folgen „wichtige
Schlussfolgerungen aus Vice-doms Missionstätigkeit" wie eine Kette
gehaltvoller Sentenzen, diesmal fast ganz ohne Fußnoten (S.342-352). Hier
hätte die Arbeit enden können, aber dann wäre für Klaus Müller das Wichtigste
noch ungesagt geblieben. Die letzten fünf Seiten Text können aber nur eben
anreißen, was Vicedom als Missionsführer und Missionstheologe bedeutet. Er
war der letzte bedeutende Missionstheologe, der vor dem Bruch zwischen den
Evangelikalen und Ökumenikern wirkte. Die Evangelikalen berufen sich zu Recht
auf ihn, und es wäre zum Schaden beider Seiten, wenn er in Vergessenheit
geraten sollte. Dieser Anspruch wird sehr knapp entfaltet und kaum weiter
begründet, und dem Rezensenten will scheinen, dass dieser Anspruch sich nicht
zwingend aus den ersten vier Kapiteln ergibt. Aber es wird sich durchaus
lohnen, sich wieder einmal mit Vicedom zu beschäftigen und sich auch Klaus
Müllers Anspruch zu stellen. Nur schade, dass diese hervorragende Dissertation
so spät gedruckt wurde (neun Jahre nach der Dissertation) und erst jetzt besprochen
wird. Aber es lohnt sich durchaus noch!
Prof. em. Dr. Niels-Peter Moritzen, em 2008-1.
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Müller, Michael & Stefan Müller. Erben eines Weltreiches. Die
mongolischen Völker und Gebiete im 20.
Jahrhundert. China -Mongolei - Rußland. Bonn: Verlag für Kultur
und Wissenschaft, 1992.
„Dieses Buch will in einer umfassenden Übersicht die Gebiete der mongolischen Völker ganz
Asiens behandeln… Bei dem Bemühen… konnte zwar an vielen Stellen auf die
Traditionen dieser Völker hingewiesen,
aber nicht intensiv genug auf all die interessanten Details in
Tradition und heutigem Alltagsleben eingegangen
werden.“ So die Autoren selbst in ihrem
Vorwort.
Die umfassende Übersicht über die Erben Dschingis Khans, die heute in drei Nationen und
dort in weit verstreuten Siedlungsgebieten leben, ist den Autoren bestens
gelungen, wobei der Leser nie den Eindruck hat, es fehlten die Details. Im
Gegenteil: Ein gut Teil des Buches ist mit einer Fülle von Einzelangaben zur
Geographie, Wirtschaft, Stammeszugehörigkeit, Geschichte und nicht selten
auch der besonderen religiösen Prägung der einzelnen Bezirke, Kreise und
Siedlungsgebiete innerhalb der jeweiligen
Nation gefüllt. Das macht aus dieser Veröffentlichung ein Arbeitsbuch
und Nachschlagewerk für Forscher und
Spezialisten, kann aber auch genauso Politikern und Leuten aus der
Wirtschaft wertvolle Hilfen bieten, die sich beruflich mit Zentral- und
Ostasien beschäftigen müssen. Was nicht
heißt, daß es nicht auch für den
interessierten Laien zu einem aufschlußreichen „Lesebuch“ wird. Für
Christen, die sich in irgendeiner Form für die Mongolen engagieren wollen, sind die Angaben zu Land und Leuten unverzichtbar; und die primär
an Säkularem Interessierten tun gut, die Ausführungen über Religion nicht zu
übergehen. Man findet nicht häufig Bücher, in denen sich zugleich sowohl
fundierte Informationen über Geschichte,
Geographie, Kultur, Wirtschaft und Politik als auch zuverlässige und nicht
durch Voreingenommenheit getrübte Aussagen
über Religionen und die christliche
Kirche finden. Zum gezielten Gebrauch des Buches tragen
ein sechsseitiges Inhaltsverzeichnis, ein 25seitiger Anhang mit Statistiken
etc., zehn Kartenseiten (die man sich statt am Ende des Buches bei den
entsprechenden Textstellen gewünscht
hätte), sowie ein 17seitiges Stichwortregister
bei. Auf Fußnoten wurde wegen besserer Lesbarkeit und einer Begrenzung des Umfangs bewußt verzichtet. Ein Blick in
die (nach eigenen Angaben unvollständige) fünfseitige Bibliographie
verdeutlicht, daß der weitaus größte Teil des verwendeten Materials auf
nichtdeutsche Veröffentlichungen zurückgeht.
Hier erfährt der Leser auch, daß die Autoren selbst mehrere Jahre in
Zentralasien studiert und die Gebiete bereist und somit vor allem auch eigene
Erfahrungen und Erkenntnisse verarbeitet
haben. Und wer sie einmal vor Ort
besuchen konnte, weiß, daß es ihnen bei ihrem Engagement für die
Mongolen um mehr geht, als nur darum,
„unser Wissen um die weiten unbekannten Gebiete Zentralasiens zu erweitern.“
Karl Lagershausen, em 1993-3.
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Musk,
Bill A. Passionate
believing. The „fundamentalist” face of Islam. Speldhurst: Monarch, 1992.
Nirumand, Bahman (Hg.). Im Namen Allahs.
Islamische Gruppen und der
Fundamentalismus in der Bundesrepublik
Deutschland. Köln:
Dreisam 1990.
Die islamische Revolution im Iran löste in der westlichen Welt einen bis heute unaufgearbeiteten Schock aus. Das Bild des Islam im Westen
ist von Fundamentalismus und Fanatismus geprägt. Der „islamische Fundamentalismus“ gewinnt zunehmend Anhänger in den
islamischen Ländern. Viele Regierungen geraten unter Druck, zur
Scharia zurückzukehren. Durch die Islamzentren ist der Fundamentalismus auch in Europa präsent und nimmt auf die
Muslime hier Einfluß. Das Ziel von Bill Musks neuem Buch ist, tiefer in
Wurzeln und Hintergründe des islamischen Fundamentalismus
einzudringen. Zugleich soll es Christen helfen zu verstehen, wie dieser für viele moderne Muslime durchaus seine Berechtigung hat und einen Sinn gibt für ihr Leben. Musks Buch gliedert
sich in drei Teile: Der erste Teil zeigt auf,
wie aus der Perspektive von islamischen Fundamentalisten das tägliche Leben
gestaltet werden sollte. Es wird
deutlich, wie sehr sich die Weltanschauung des säkularen, humanistischen Westens von der des fundamentalistischen
Islam unterscheidet. Im zweiten Teil beschreibt
Musk anhand von Biographien und Länderstudien
geschichtliche Entwicklungen des
Fundamentalismus und das Denken maßgeblicher Persönlichkeiten in
Pakistan, Ägypten und Iran. Der dritte
Teil beschäftigt sich mit der Beurteilung des fundamentalistischen Islam im Gegensatz zum Christentum. Musk zeigt auf,
welche Auswirkungen der Niedergang des Islam in den letzten 100 Jahren sowie
die Kolonisation und Abhängigmachung der islamischen Welt durch die Länder des Westens auf die Entstehung des islamischen Fundamentalismus hatte. Dabei findet er sehr kritische Worte
über den Zustand des „christlichen“ Abendlandes, das in seiner Säkularisierung
ein sehr negatives Bild des Christentums
abgibt.
Islamischer Fundamentalismus ist ein „Zurück“ zum
ursprünglichen Islam. Das bedeutet: Leben in einem islamischen Staat, der
nach der Scharia regiert wird, die alle
Bereiche des Lebens bestimmt. Für Christen, und erst recht für Konvertiten aus dem Islam, ist das Leben in einem islamischen
Land äußerst schwierig. Christsein in
einem fundamentalistisch geprägten islamischen Staat kann sehr leicht zum
Martyrium führen. Bewußt ausgelassen
hat Musk Ideen und Ansätze, um fundamentalistische Muslime mit dem
Evangelium zu erreichen. Für Missionare
unter Muslimen sollte dieses gelungene Buch Pflichtlektüre sein.
„Im Namen Allahs“ ist das einzige Buch in deutscher Sprache, das sich mit dem islamischen
Fundamentalismus in Deutschland befaßt.
Der Herausgeber, Bahman Nirumand, stammt aus dem Iran und hat in Deutschland studiert. Von
Beruf Schriftsteller und Journalist, ist er politisch eher dem linken
Spektrum zuzuordnen. Einleitend gibt Richard Schulze einen Hintergrundbericht
zu den islamischen politischen Bewegungen.
Dabei stellt er fest, daß der Islam von den Zeiten Mohammeds an
zugleich auch politisch war. Den nichtpolitischen Islam definiert er als das
alltägliche religiöse Verhalten der Muslime. Im zweiten Kapitel gibt der
Orientalist Karl Binswanger einen Überblick über die Entwicklung und den aktuellen
Stand des islamischen Fundamentalismus in Deutschland. In weiteren Beiträgen
beleuchtet er dessen ökonomische Basis
und Ethnizität. Dabei wird deutlich, daß der arabisch geprägte
Fundamentalismus durch Islamzentren und islamische Dachorganisationen in
Deutschland weitgehend den Ton angibt, obwohl die Mehrheit der Muslime in
Deutschland Türken sind. Weitere Kapitel schildern den türkischen Islam in
Berlin und die Rolle der modernen Frau im Islam. Sehr interessant ist das Interview
Niru-mands mit einer deutschen Muslima. Der Neubau von Moscheen in Deutschland
ist nur das äußere Anzeichen einer Entwicklung unter den Muslimen in Deutschland, die schon viel früher begonnen
hat. Wer diese Entwicklung verstehen möchte, dem sei das Buch empfohlen.
Reinhard Born, em 1993-3.
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Musk, Bill. Das unbekannte Gesicht des Islam.
Marburg: Franke, 1992.
Gut, daß es die
spannenden Geschichten über den Volksislam mit anthropologischen und
theologischen Analysen jetzt auch in deutscher Übersetzung gibt, denn manchen
erschien das Englisch des Originals schwer lesbar (The Unseen Face of Islam; rezensiert in em 4/92). Die im Vorwort angekündigte Bibliographie über den Volksislam findet man leider nur im englischen
Original. Dafür wurde eine Liste deutscher
Standardwerke über den Islam ein
gefügt. Ein äußerst empfehlenswertes Buch, das
ein wenig Sorgfalt im Lektorat und vor allem
in der Übersetzung noch besser gemacht hätte.
Christof Sauer, em 1993-2.
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Musk, Bill. The Unseen Face of Islam: Sharing the Gospel with Ordinary Muslims. MARC Europe: London, 31992(1989).
Dr. Bill Musk ist Islamexperte mit langjähriger Erfahrung
im Mittleren Osten. Er studierte
Geschichte und Theologie in England, USA und Südafrika.
Musk schreibt über die unbekannte Seite, das „ungesehene Gesicht des Islam“: den allgemeinen
Volksglauben und seine Praktiken im Leben
des einfachen Muslim.
Im ersten Teil schildert Musk seine Beobachtungen aus dem
Alltag: Da beherrscht die Furcht vor dem
bösem Blick und dem verhängnisvollen Einfluß der Jinns (Geister) das Leben. Mit magischen Praktiken sucht man der
Unsicherheit Herr zu werden. Da spielen Heilige,
Wunderheilungen, übernatürliche Hilfe und die richtige räumliche
Lebensgestaltung eine wichtige Rolle. Mit noch vielen anderen Mitteln versucht man, sein Leben dem
Einfluß des Bösen und Unberechenbaren zu entziehen. Entscheidend ist
die „Baraka“, die Kraft bzw. Vollmacht,
die im Alltag erlebt wird.
Im zweiten Teil finden
sich ausgiebige Analysen der Verhaltensweisen, die teilweise schon im ersten Teil angedeutet sind. So zeigt
Musk beispielsweise auf, wie ein einfacher Muslim in einer ganz bestimmten
Weltsicht verwurzelt ist. Diese unterscheidet sich wesentlich von der eines
westlich geprägten
Missionars. Musk führt gute Beispiele
dafür an, wie die unterschiedliche Deutung von Geschehen in der
Begegnung zu Mißverständnissen führen kann.
Natürlich übersieht er nicht, daß es auch im Islam unterschiedliche
Richtungen gibt, die Betonungen unterschiedlich setzen. Muslim ist nicht gleich
Muslim.
Diese Komplexität ist für Musk jedoch kein Grund zu kapitulieren. Vielmehr findet er in dem
unterschwelligen Gesicht des Islam Faktoren,
die zu Brücken werden können.
Müßte man in diesem Buch ein missiologisches Hauptthema benennen, so würde ich „Power Encounter“ vorschlagen, womit auch ein Kapitel überschrieben ist: Alle Nöte und Bedürfnisse des gewöhnlichen Menschen im Islam
weisen auf den Machtkonflikt in dieser Welt
hin. Woher kommt Kraft zum Leben und oftmals
zum Überleben? Ständig sieht der Mensch sich bedroht. Nach Musk können
wir dem Muslim nicht glaubwürdig begegnen,
wenn wir kein Leben und keine Botschaft haben, die wirklich Hoffnung
und Kraft geben. Musk fordert heraus zum
„Power Encounter“ in dem sich durch
das Zeugnis und die Demonstration
von Gottes Kraft die Weltanschauung
im Grunde des Herzens wandeln kann. Dabei verschweigt er aber auch nicht den Weg des Kreuzes, in dem die Macht Gottes
verborgen anwesend ist.
In das Lob anderer Rezensenten stimme ich gerne mit ein.
Musks Beobachtungsgabe und Analyse sind bemerkenswert.
Traude Deitigsmann, em 1992-4.
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Nehls, Gerhard. Al-Kitab - Das Buch. Witten: R.
Brockhaus Verlag, 2006.
Gerhard Nehls arbeitete von 1975 bis zu seinem Ruhestand
unter Muslimen in Südafrika. Die von ihm gegründete Organisation „Life Challenge
Africa“ hat sich auf die Schulung von Christen zur Begegnung mit Muslimen spezialisiert
und dazu umfangreiches Material veröffentlicht. Das vorliegende Buch
erschien 1985 auf Englisch und liegt nun erstmalig in deutscher Sprache vor.
„Al-Kitab - Das Buch“ ist ein Bibelkurs für muslimische Leser. In den ersten
drei Kapiteln geht es um den ersten thematischen Schwerpunkt, die Bibel.
Nehls beschreibt Altes und Neues Testament, die Sammlung einzelner Bücher,
ihre Abfassungszeiten, Gliederung, Inspiration und Vertrauenswürdigkeit.
Die folgenden Kapitel behandeln Gottes Wesen, Ursprung und Ziel des
Menschen, Gottes Gesetz, die Sünde und Gottes Gnade und Barmherzigkeit. Einen
weiteren Schwerpunkt bilden ab Kapitel neun die Person Jesu, sein Tod und
seine Auferstehung. Nehls setzt sich mit dem islamischen Verständnis von
Jesus als einem Propheten auseinander. Danach werden die Person und das
Wirken des Heiligen Geistes behandelt, sowie abschließend das Reich Gottes
und seine Bürger. Unter der Frage „Was nun?" appelliert Nehls dann an
den Leser, Gott nicht seine Wege vorzuschreiben, sondern sich ganz auf sie
einzulassen. Das Buch ist an muslimische Leser gerichtet, die durch den Stil,
die Wortwahl und die Argumentationslinien gut abgeholt werden. Nehls geht
auf das muslimische Verständnis der behandelten Themen ein (Verfälschung der
biblischen Schriften, Jesus als Prophet, Leugnung des Todes und der
Auferstehung Jesu etc.). Sowohl zur Darstellung der muslimischen Sicht als
auch zu ihrer Infragestellung zitiert Nehls den Koran. Für biblische
Persönlichkeiten gebraucht er häufig neben den biblischen auch die entsprechenden
koranischen Namen. Er geht auf diverse Missverständnisse über den
christlichen Glauben ein (Gleichsetzung westlicher Kultur mit dem
Christentum, Gottessohnschaft Jesu, Ankündigung Mohammeds im Johannesevangelium).
Der gesprächsartige Stil ist für Leser aus muslimischen
Kulturen sehr ansprechend (z.B. S.98: „Läuft es ihnen kalt den Rücken
herunter, wenn sie den Titel ,Sohn Gottes‘ hören?“). Immer wieder werden
anschauliche Beispiele eingesetzt, die der Argumentationsweise vieler Muslime
entsprechen. Es ist ein klares Ziel, dass der Leser selbst biblische
Belegstellen liest. Durch 34 Frageteile am Ende jedes Kapitels und Lückentexte
soll der Leser animiert werden, bestimmte Themen selbst zu erarbeiten. Nehls
lädt zur vorbehaltlosen Prüfung der biblischen Aussagen ein.
Der Verfasser erwähnt äußerst knapp das Thema
Christenverfolgung. Hier wäre es sicher angemessen, die hohe
Wahrscheinlichkeit des Leidens zu erwähnen, mit dem muslimische Leser
rechnen müssen, die sich der Botschaft dieses Buches öffnen. Wie ist dieses
Leiden theologisch einzuordnen? Wie können suchende Muslime die Kosten
überschlagen und sich auf Leid einstellen? Dass diese Fragen nicht behandelt
werden, ist ein Mangel dieses ansonsten sehr hilfreichen Bibelkurses.
„Al-Kitab – Das Buch“ ist für gebildete muslimische Leser
geeignet, die Zugang zu einer Bibel haben sollten, um die Argumentationslinien
nachvollziehen zu können. Daneben ist das Buch eine wertvolle Hilfe für Christen,
die mit Muslimen die Bibel studieren. „Al-Kitab – Das Buch“ scheint nicht
primär für theologisch sehr gut geschulte muslimische Leser geeignet zu sein.
Für diese Zielgruppe liegen andere Bücher von Gerhard Nehls vor.
Roland Denner, em 2008-1.
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Nels,
Gerhard (Hg.). Battle for the Hearts. Practical Methods you can use in Sharing the
Good News with your Muslim Neighbours. 4 Videos plus „Trainer’s Guide.“ Hg. von Gerhard Nehls/Life Challenge Afrika, in Zusammenarbeit mit
Trans World Radio und Green Earth Films.
Unter dem größten Einsatz aller Beteiligten entstand in
einer vierjährigen Arbeitsphase die Video-Serie „Battle for the Hearts“. Sie
umfaßt insgesamt 12 Stunden Schulungskurse auf 4 Video-Kassetten und sollte
das Herz jedes Missions- und Ausbildungsleiters, jedes Missionsinteressierten
und -engagierten höher schlagen lassen.
Die professionell produzierten Videos geben einen
erstklassigen Einblick in das Wesen des Islam, seine Geschichte und
Theologie, in Koran und Scharia, die Islamische Überlieferung, die
muslimische Glaubenspraxis, den Volksislam und die häufigsten muslimischen
Einwände gegen das Christentum und die Bibel. Ziel ist, von diesem
Ausgangspunkt die Frage „Wie können Muslime mit dem Evangelium erreicht
werden?“ tiefgründig und umfassend zu beantworten. Einerseits wird in
kompakter Form grundlegendes Wissen über den Islam vermittelt, andererseits
auch viele Vergleiche zum biblischen Zeugnis und zur christlichen Dogmatik
gezogen. Gangbare, kulturell angemessene Wege zur Evangelisation unter
Muslimen werden aufgezeigt, die sowohl auf die deutsche Situation wie auch
auf das Ausland anwendbar sind. Die zu einzelnen Themen eingespielten Dialoge
und Szenen machen die praktische Umsetzung für die Evangelisation äußerst
anschaulich. Auch dass hier wesentliche Anfragen von muslimischer Seite gegen
das Christentum (wie z. B. der Vorwurf der Verfälschtheit der Bibel)
aufgegriffen und grundlegend widerlegt werden, ist für all diejenigen von
großem Interesse, die sich in den Dienst unter Muslimen berufen wissen und
oft in jahrelanger mühevoller Kleinarbeit diese Antworten für sich selbst
finden und zusammentragen müssen.
Durch den Wechsel der Sprecher (vier hauptamtliche
Mitarbeiter aus dem Bereich der Muslimevangelisation) und die eingeblendeten
Exkurse einiger führender christlicher Islamexperten ist die Information
gleichermaßen dicht und solide angeordnet wie zugleich kurzweilig. Die
Informationen der Videos können mittels einer CD mit Hintergrundmaterial
weiter vertieft werden; das Begleitheft „Trainers Guide“ erläutert die
Einsatzmöglichkeiten der Videos. Aufgrund der umfangreichen Informationen
können sie auch überall dort Verwendung finden, wo der Vorführende selbst
kein „Islamexperte“ ist.
Kurz: Dieses Material ist ein unbedingtes Muss für jede
Bibelschule, Ausbildungsstätte und Missionsgesellschaft, sowie für jeden, der
sich mit dem Gedanken der Islammission beschäftigt, aber auch für jeden, der
in seinem Umfeld Menschen auf die weithin vernachlässigte Aufgabe der
Muslimevangelisation hinweisen oder selbst in diesem Bereich aktiv werden
möchte. Einziger Wehrmutstropfen: Das Video liegt derzeit nur auf Englisch
vor.
Dr. Christine Schirrmacher, em 2002-4.
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Nengzakhup,
Suante. Amazing
Mizo Mission. SAIACS Press, Bangalore, Indien, 1999.
Patrick Johnstone bezeichnet sie als größte evangelische
Missionsbewegung in unserer Zeit, die evangelischen Kirchen in Mizoram, jener
abgelegenen Bergregion im Nordosten Indiens, eingekeilt zwischen Bangladesh
und Myanmar. Durch ihre extreme geographische Randlage von der
wirtschaftlichen Entwicklung Indiens ausgeschlossen, konstatiert der
Missionssekretär der Presbyterianischen Gemeinden Mizorams Rev. Vanlalhruaia:
„Wir sind arm. Aus unserem Bundesstaat gibt es nichts zu exportieren. Wir
haben nur ein Gut, das wir ausführen können und darauf sind wir stolz. Das
ist das Evangelium.“ (S. 69) Und dies haben Mizo-Gemeinden in eindrucksvoller
Weise getan! Der Mizo-Pastor und Missionssekretär der Indian Evangelical
Mission S. Nengzakhup zeichnet in dem vorliegenden Buch in knappen Worten die
Grundzüge dieser faszinierenden Missionsbewegung seit ihren Anfängen vor 100
Jahren (Kap. 1) nach, wobei er sich vor allem auf die Missionsbewegung der
Presbyterianischen Kirche in Mizoram (PCM) konzentriert. Der 200.000
Mitglieder in 700 Gemeinden umfassende Gemeindeverband hat über 900
Missionare ausgesandt und finanziert sie vollständig. Dies wird an konkreten
Beispielen illustriert wie etwa der Presbyt. Gemeinde in Chanmari, die mit
1.855 Mitgliedern 120 Missionare (!) ausgesandt hat und finanziert.
Wie gelingt es bettelarmen Gemeinden, so intensiv an
Weltmission beteiligt zu sein? Dazu hat sicher die gute theologische
Unterweisung und Motivation zur Mission beigetragen, wobei der Autor vor
allem den Glaubensgehorsam, die Liebe Gottes, die konkrete Erwartung der
Wiederkunft Jesu, Dankbarkeit gegenüber Gott sowie das Bewusstsein vom Sieg
Gottes und den Nöten in der Welt hervorhebt (Kap. 5). Dabei konnte sicher
auch auf traditionelle Werte der Mizo-Kultur wie Selbstverleugnung, Helfen
von Menschen in Not, großzügigem Teilen, ja dem Wettstreit, Gutes zu tun
aufgebaut werden. Auch der hohe Bildungsstand (eingeführt durch die frühen
Missionare) hat dazu beigetragen, das Vorbild der ersten Missionare, die
schon frühzeitig die Verantwortung für Schulen, Gemeinden und die
Evangelisation in einheimische Hände übergeben haben (S. 81) sowie die Betonung
von Gebet und geistlichen Liedern, Laienpredigern und biblischer Lehre (Kap.
8), ebenso die Kette von Erweckungen, die das Land seit 1906 immer wieder
erfasst hat (Kap. 4).
Es ist aber vor allem der Eifer und die Kreativität der
Gläubigen, die die Missionsbewegung auszeichnet und für uns zum Vorbild macht
(Kap. 7): Gemeinden legen einen Gemeindegarten mit Gemüse, Obst, Reis oder
eine Teakholzplantage an, deren Gewinn der Versorgung ihrer Missionare
zukommt. Frauen sammeln Feuerholz und Stroh, fangen Krabben und Schnecken und
verkaufen sie zu Gunsten der Mission. Bauern halten „Missionshühner“ und
bestimmen einen Teil ihres Feldes für die Mission. Gemeindeglieder betreiben
einen Verkaufsladen oder Teestand auf dem Markt. Im Gemeindehaus wird ein
Laden oder Mietwohnungen eingerichtet. Christen leisten Lohnarbeit zu Gunsten
der Mission, kaufen Fleisch, Salz etc. in großen Mengen ein und verkaufen sie
in kleinen Portionen. Sie geben den Gehaltsanteil für den Sonntag (an dem sie
ja nicht arbeiten) für die Mission und fasten einen Tag pro Woche für ihre
Missionare. Sie lassen die große Weihnachtsfeier in der Familie ausfallen und
spenden den eingesparten Betrag. Missionsfreunde besuchen „in Gedanken“ ihren
Missionar im Einsatzland (oder laden ihn zu sich nach Hause ein) und spenden
den Betrag für Fahrt und Bewirtung. Bevor eine Hausfrau eine Mahlzeit
zurichtet, legt sie eine Handvoll Reis beiseite– und spart sich die Unterstützung
ihres Missionars so vom Munde ab … Es sind diese Vielzahl an praktischen,
innovativen Ideen, die die Missionsbewegung in Mizoram auszeichnen und das
Büchlein für uns alle zum großen Gewinn machen. Umfangreiche Bibliographien
und statistische Daten ergänzen den außerordentlich lesenswerten Band.
Der Schreibstil orientiert sich zwar mehr an asiatischen
Lesern, so dass das Werk für unser Sprachgefühl nicht so elegant formuliert
ist, doch es wird überaus deutlich: „Es ist nicht der Überfluss, sondern der
Eifer und die Dankbarkeit gegenüber Gott, die die Mizos in ihrem Enthusiasmus
und der aktiven Teilhabe an der Weltmission antreibt“ (S. 77), und „Mizos haben
niemals ihre Armut als Entschuldigung angesehen, sich nicht an Weltmission zu
beteiligen. Wenn die Gemeinde in Jerusalem auf ihre Armut geschaut und daraus
geschlossen hätte, dass sie keine Missionare aussenden könnte, dann wäre das
Evangelium nie aus dieser Stadt herausgekommen“ (S. 69).
So schließt das Buch mit der Ermahnung, „dass jede
Gemeinde eine Missionskirche sein kann, unabhängig von ihrer wirtschaftlichen
Situation. Armut muss nicht eine Gemeinde abhalten, an Weltmission
teilzuhaben. Dies ist biblisch. Auch wenn Geld eine wichtige Rolle in der
Mission spielt, es ist nicht der größte Mangel.“ (S. 83) Dem kann ich nur
zustimmen. Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung.
Detlef Blöcher, em 2001-3.
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Neudorfer, Heinz-Werner;
Torsten Morstein (Hg.). Christus zur Entscheidung predigen: Argumente
und Erwägungen zum Thema ‘Bekehrung’. Festgabe der Lehrer des Albrecht-Bengel-Hauses zum 80. Geburtstag von
Studienleiter Dekan i. R. Walter Tlach. Neuhausen: Hänssler, 1997.
Die vorliegende Festschrift mit Beiträgen von derzeitigen
und ehemaligen Lehrern des Albrecht-Bengel-Hauses in Tübingen entstand aus
einer Ringvorlesung zum Thema Bekehrung. Die Themen reichen von einer Theologie
der Evangelisation über Umkehr in AT und NT über die Sicht von Augustinus und
Pelagius, Luther und Erasmus und des Pietismus bis hin zur konkreten Frage
des Wie der Verkündigung. Gerhard Diekmeyer bemerkt S.82-83 treffend, daß
gegenwärtig neben der Schriftfrage in pietistischen und evangelikalen Kreisen
Fragen nach der Einzigartigkeit Jesu Christi und nach der Rolle unseres
Willens bei der Bekehrung zur Gretchenfrage werden. Die zunehmende Zahl von
Veröffentlichungen zu Themen wie Erwählung, Arminianismus usw. belegen dies
deutlich. „An sich halte ich diese Entwicklung für gut, weil es richtig ist,
daß man das Verhältnis zur Heiligen Schrift nie unabhängig von ihrem Inhalt
gewinnen kann.“ (S.83). (Er befürchtet allerdings, daß die Stellung zur
Frage des freien bzw. unfreien Willens vorschnell zu Ausgrenzungen führt.)
Dementsprechend ist es erfreulich, daß in dieser Festschrift die großen
kirchengeschichtlichen Debatten zu dieser Frage eigens behandelt werden und
die Autoren auf Luthers und Augustins Seite Stellung beziehen. Auch die
gute historische und kritische Darstellung von ‘Bekehrung und Allversöhnung
im Pietismus’ von Heinz-Werner Neudorffer liegt ganz auf dieser Linie, die übrigens
treffend die Main-Linie vermerkt, nördlich derer der Pietismus die Allversöhnung
gänzlich ablehnt und südlich derer die Allversöhnung im Pietismus viele
Anhänger hat. Zugleich fällt allerdings die Bandbreite der Auffassungen
unter den Autoren selbst auf. Man hätte sich gewünscht, daß die Autoren in
ein Gespräch über ihre unterschiedlichen Auffasssungen eintreten. Das sehr
schlicht aufgemachte Taschenbuch hätte eine stärkere Werbung und
Verbreitung verdient.
Thomas Schirrmacher, em 1998-3.
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Neufeld, Alfred. Die alttestamentlichen Grundlagen der
Missionstheologie. Missiologica
Evangelica 5. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1994.
Filbeck, David. Yes, God of the Gentiles, Too. The Missionary Message of the Old Testament. A BGC Monograph. Billy Graham Center, Wheaton: Wheaton College,
1996.
Scheurer,
Erich. Altes Testament und Mission: Zur Begründung des
Missionsauftrages. TVG.
Gießen: Brunnen Verlag, 1996.
Die alttestamentliche Begründung der Mission rückt
erfreulicherweise stärker in den Mittelpunkt der evangelikalen Missiologie,
wie unter anderem die drei vorliegenden Titel zeigen.
Den besten Einstieg bietet die kurze Arbeit des
paraguayischen Missiologen Alfred Neufeld (für AfeM-Mitglieder bei
Selbstabholung und auf der Jahrestagung in Korntal zum günstigeren Preis
erhältlich). Neufeld stellt zunächst auf 30 Seiten überblicksartig die Bedeutung
des Alten Testaments in der Missiologie von rund einem Dutzend
Missionswissenschaftler von Warneck bis Verkuyl, Peters und Kasdorf dar. Auf
50 weiteren Seiten trägt er dann aus den Schriften dieser Missiologen und aus
eigener Anschauung zusammen, welche Bedeutung die alttestamentliche
Begründung für die neutestamentliche Mission spielt. Die Erkenntnis des Schöpfers
und der Jahwe- und Thoradienst der Heiden sind das Missionsziel des Alten
Testaments. Das Alte Testament enthält bereits den Auftrag, die Jahweerkenntnis
als Heil der Völker zu verkündigen.
Die beste und gründlichste biblische Erarbeitung der
Bedeutung des Alten Testaments für die Missionstheologie findet sich meines
Erachtens in der etwas abseits erschienenen Monographie von David Filbeck. Das
Alte Testament ist für Filbeck unverzichtbare Grundlage des
Missionsbefehls. Dazu behandelt er die wichtigsten Missionstexte des Alten Testaments,
bespricht alle Stufen der alttestamentlichen Heilsgeschichte und ihre Bedeutung
für die Mission und die Vorbereitung des Kommens des Messias. Schließlich
stellt er dar, wie im Neuen Testament, namentlich in den Evangelien, die
alttestamentliche Grundlage der Mission aufgegriffen wird. Eine flüssig
geschriebene, materialreiche Studie, die dringend ins Deutsche übersetzt
werden sollte.
Erich Scheurer geht es in seiner Dissertation zunächst
weniger um die alttestamentliche Begründung der Mission selbst, sondern um
die Frage, wie führende deutschsprachige Theologen (Ausnahme sind Bosch,
Blauw, Peters und Kasdorf) mit dieser Frage umgegangen sind. Dazu erarbeitet
er eine ausgedehnte Forschungsgeschichte, wobei er die Befürworter und
Gegner einer alttestamentlichen Missionsschau nach theologischen Schulen
ordnet. Erst am Ende nimmt Scheurer eine eigene Zusammenstellung der
Bedeutung alttestamentlicher Aussagen für die Mission vor (S.351-419). Er
sieht zwar eine breite Basis für den grenzüberschreitenden Charakter der
alttestamentlichen Offenbarung, denn Jahwe ist der einzige und universale
Gott, der die Anbetung aller Völker verdient. Damit ist für Scheurer der
‘Missionsgedanke’ vorgegeben, nicht aber eine ausdrückliche Sendung und
eine ‘Missionspraxis’. Auch wenn erfreulich ist, daß Scheurer die neutestamentliche
Mission nicht im Gegensatz, sondern im legitimen Anschluß an das Alte
Testament versteht, greift er meines Erachtens im Gegensatz zu Neufeld und
Filbeck und zu manchen von ihm dargestellten Autoren wie Gustav Warneck zu
kurz. Es gibt doch Beispiele für die Missionspraxis (z. B. Jona, Daniel und
die vielen Bekehrungen von Heiden) und auch für ausdrückliche Sendung (z. B.
Jesaja). Außerdem greift das Neue Testament, das Scheurer dazu nicht
behandelt, häufig alttestamentliche Sendungsaufträge und Missionsgedanken ausdrücklich
auf.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1996-3.
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Neufeld, Alfred. Fatalismus als missionstheologisches
Problem: Die Kontextualisation des Evangeliums in einer Kultur fatalistischen
Denkens – Das Beispiel Paraguay. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft und Asunción: Instituto
Bíblico, 1994.
„Wer ein Heiliger sein soll, wird als Heiliger geboren;
wer arm sein soll, wird arm geboren“, sagt ein Sprichwort aus Paraguay. Viele
Kulturen dieser Welt sind stark von Fatalismus geprägt. Wie muß das
Evangelium in einem vom Fatalismus bestimmten Kulturkreis verkündigt werden?
Alfred Neufeld, ein Deutsch-Paraguayer Jahrgang 1955 und Dozent am Instituto
Bíblico Asunción, versucht in seiner Doktorarbeit an der STH Basel (Doktorvater:
Thomas Schirrmacher, Zweitgutachter: Peter Beyerhaus) eine Antwort darauf zu
geben.
In Teil I entwirft Neufeld methodische Grundlagen für
seine ‚kritische Kontextualisierung’. Von hier aus betrachtet er die
Christianisierung im lateinamerikanischen Kontext im allgemeinen und die
Paraguays im speziellen. Kritische Kontextualisation, wie Neufeld sie in
Anlehnung an P. Hiebert versteht, versucht, sowohl die eigenen dogmatischen
Formulierungen als auch die zu erreichende Kultur kritisch zu analysieren.
Teil II möchte das Phänomen „Fatalismus“ definieren sowie
die Erscheinungsformen und Ursachen fatalistischen Denkens in Paraguay
aufdecken. Die wesentlichen Grundzüge fatalistischen Denkens sind für
Neufeld der Gedanke der Determiniertheit allen Geschehens und der Fremdbestimmung
des Lebens durch eine unbekannte, unberechenbare Macht. Die Wurzeln dieser
Haltung dürften in der altguaranitischen Religiösität, im
spanisch-islamischen ‚Konquista-Christentum’, aber auch in der besonderen
paraguayischen Nationalgeschichte und einer ‚Kultur der Armut’ liegen.
Teil III möchte dazu helfen, aus der Theologiegeschichte
und aus biblischem Denken heraus das fatalistische Denken zu überwinden.
Neufeld wendet das Gesagte auf die Bereiche Evangelistik, Katechetik,
Systematik und Ethik an. Die Befreiungstheologie betrachtet der Autor wegen
ihrer Abhängigkeit von der marxistischen Sozialanalyse als falschen Ansatz.
Biblisches Denken, so Neufeld, basiert im Gegensatz zu fatalistischem Denken
auf Grundlagen wie Gottes Souveränität, Thora, Bund, Heilsgeschichte,
Bekehrung, Mitarbeiterschaft und Anbruch des neuen Äons.
Dieser meines Wissens erste Versuch, sich biblisch-missiologisch
mit fatalistischem Denken auseinanderzusetzen, ist dem Autor gut gelungen.
Die komprimierte, verständliche, theologisch durchdachte und faire Art zu
schreiben, zeichnet sich zudem durch gute Lesbarkeit aus. Vieles, was die
paraguayanische fatalistische Religiösität betrifft, läßt sich auch auf
andere fatalistische Kulturen übertragen. Von daher ist dieses Buch für eine
große Zahl von Missionaren und Missionswissenschaftlern interessant. Die
äußere Verarbeitung und auch die Manuskripterstellung läßt etwas zu wünschen
übrig, hat aber zur Folge, daß das Buch entgegen der Vorankündigung mit 29.95
DM sehr günstig ist.
Martin Sachs, em 1997-2.
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Nevius, John L. Die Gründung und Entwicklung missionarischer
Gemeinden, übers. und hg. von
Wolf Christian Jaeschke, edition afem, mission classics 2. Verlag für Kultur
und Wissenschaft: Bonn, 1993.
Ein Klassiker in der Tat, der vor über einhundert Jahren
Erstaunliches in Gang setzte, das bis heute nachwirkt.
John L. Nevius (1829-1893) war Missionar in der Provinz
Shandong/China. Über seine Erfahrungen vor Ort schrieb er mehrere Artikel,
die 1885 in Buchform veröffentlicht wurden. Dadurch wurde die Nevius-Methode
bekannt, die dann vor allem in Korea mit großem Erfolg umgesetzt wurde. Wenn
sich Theologen bis heute darüber streiten, ob denn Rufus Anderson oder Henry
Venn die Erfinder des Drei-Selbst-Prinzips (Selbstausbreitung, Selbstfinanzierung,
Selbstverwaltung) für erfolgreiche Missionsarbeit seien, müssen sie nach dem
Studium dieses Buches auch Nevius mit zum Urheber dieser Gedanken zählen.
Im ersten Kapitel nimmt Nevius das alte System kritisch
unter die Lupe. Das bestand, kurz gesagt, darin, daß man in der China-Mission
jener Zeit Neubekehrte ziemlich schnell als mit Missionsgeldern bezahlte
Evangelisten anstellte. Nevius dagegen möchte, daß nach 1.Kor.7,20 ‚jeder in
dem Stand bleibe, in dem er berufen worden ist’. Die Bekehrten sollen ihr
Christsein im alltäglichen Leben bewähren und dort anderen das Evangelium bezeugen.
Das heißt für Nevius aber auch, alles zu tun, damit sich die zum Glauben
Gekommenen in ihrem neuen Stand auch bewähren können. Im 2. Kapitels „Vom
Umgang mit Neubekehrten“ wird das entfaltet. Es besticht, wie Nevius das Für
(das seiner Erfahrung entspringt) und Wider (Einwände und Praxis anderer)
seines neuen Systems gegeneinander abwägt und Antworten gibt, die bis heute
für die Gründung und Entwicklung missionarischer Gemeinden auch anderswo
bedenkenswert sind.
Die Stärke des Buches ist ganz zweifellos der Praxsibezug.
So erfahren wir unter III „Ursprung und Wachstum der Stationen in
Zentral-shantung“, wie Schulung und Dienst der ehrenamtlichen Mitarbeiter
aussahen. Nevius erwähnt, daß in den meist ländlichen Gebieten bei den
Männern einer von zwanzig, bei den Frauen eine von mehr als tausend lesen
konnte. Aber das hindert ihn nicht daran, gedrucktes Material
bereitzustellen und seine Leute systematisch zu schulen. Etliches geschieht
spontan: „Die geistige Entwicklung der Bekehrten und ihre Begeisterung für
ihre Studien haben an vielen Orten die Aufmerksamkeit ihrer heidnischen
Nachbarn auf sich gezogen und ihre Verwunderung hervorgerufen. An einer unserer
Stationen lebt ein des Lesens kundiger Mann namens Fu, der heute über fünfzig
Jahre alt und seit über zwanzig Jahren völlig erblindet ist. Er hat seiner
Tochter, einem fünfzehnjährigen Mädchen, beigebracht, die Bibel zu lesen.
Dabei beschrieb sie ihm die jeweiligen Schriftzeichen, die sie sah, und er
sagte ihr, wie sie heißen und was sie bedeuten. Sie hat auf diese Weise über
zweitausend Schriftzeichen gelernt. Ihr Vater hat dann von ihrem Mund das
Matthäus- und das Johannesevangelium, die Apostelgeschichte, den Römerbrief
und viele andere Bibelabschnitte auswendig gelernt …“ Nichts ist unmöglich,
wenn Gottes Geist Raum bekommt und wirken kann.
„Organisationsform und Zukunftsplanung“ müssen dazu nicht
im Widerspruch stehen, wie das 4. Kapitel veranschaulicht. Im letzten Kapitel
„Die Anfänge der Arbeit“ gibt der Autor Tips für Missionseinsteiger. Dort findet
sich viel Beherzigenswertes auch für Leute von heute, die Gemeinde Jesu bauen
wollen, wo es sie noch nicht gibt. Neben Missionaren und Missionsleitern,
Missionstheologen und -kandidaten kommen aber auch alle Daheimbleibenden
beim Studium dieses hervorragend übersetzten und eingeleiteten Klassikers
spätestens dann auf ihre Kosten, wenn ihnen beim Gemeindeaufbau hier Rolle
und Zurüstung der nichtbezahlten Mitarbeiter wichtig ist.
Und wie erfüllte Prophetie ausschaut – einmal unabhängig
davon, daß in der chinesischen Kirche das bei Nevius immer wieder anklingende
Drei-Selbst-Prinzip sowie die Mitarbeit von Millionen von Ehrenamtlichen bis
heute eine außergewöhnliche Rolle spielen –, veranschaulichen die letzten
Zeilen des Autors im Vergleich mit einer Aussage, die mir erst gestern
(4.11.96) in einer in Hongkong erscheinenden Zeitschrift begegnet ist. Zunächst
Nevius vor über einhundert Jahren: „Wir glauben und hoffen, daß in diesen
entlegensten Gebieten Ostasiens, die so lange von Gottes Vorsehung bewahrt
(ausgespart) wurden, die so dicht mit seinen verirrten (Menschen-)Kindern bevölkert
sind und die erst so jüngst von der Botschaft des Heils erreicht wurden, die
Gnade und die Kraft Gottes noch so glorreich triumphieren werden, wie es die
Kirche in keiner bisherigen Ära ihrer Geschichte erlebt hat.“
Und die Stimme aus Hongkong heute: „Im heutigen China gibt
es wahrscheinlich 50 Millionen Gläubige. Misionsspezialisten sehen darin das
größte Wunder und zugleich die bisher großartigsten Ergebnisse in der Geschichte,
wenn es um Gemeindewachstum geht.“
Karl Lagershausen, em 1996-4.
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Newbigin,
Lesslie. Signs
amid the Rubble: the Purposes of God in Human History. Hrsg. Von Geoffrey
Wainwright. Wm. B. Eerdmans: Grand Rpids (MT), 2003.
Das Buch enthält bisher unveröffentlichte Vorträge von
Lesslie Newbigin (1909-1998), einem der Architekten der Ökumenischen Bewegung,
Bischof in Indien, Generalsekretär des Missionsrates und des ORK und Professor
für Missionswissenschaft im heimatlichen England. Die vier
Bangalore-Vorlesungen stammen aus seiner Frühzeit von 1941, die drei
Henry-Martin-Vorlesungen an der Universität Cambridge aus der Spätzeit von
1986, und der letzte kürzere Redebeitrag auf einer ökumenischen Konferenz in
Brasilien von 1996. Es handelt sich um echte Vorträge ohne Anmerkungen und
Belege und weitgehend ohne Gliederung, die eigentlich erst so richtig wirken,
wenn man sie laut vorliest.
Thematisch geht es grundsätzlich in allen Beiträgen um
eine christliche Sicht der Geschichte, die spannend und lehrrreich entfaltet
und verteidig wird, aber es werden dabei zugleich zahllose Grundsatzfragen
des Glaubens, der Weltmission und der Verkündigung angesichts des
Säkularismus angesprochen und angerissen. Auch Fragen des Religionsvergleiches
kommen vor, etwa wenn Newbigin das lineare Geschichtsbild der Bibel gegenüber
dem Hinduismus verteidigt (S.8-10). Auffällig ist die Auseinandersetzung und –
bei aller Anerkennung von Details – grundsätzlichen Ablehnung der
Church-Growth-Bewegung von Donald McGavran (z.B. S.85-87+91+97+103), wobei
die Beschäftigung mit ihr mit dem gleichzeitigen Wirken beider in Indien zu
tun hat. Wenn Newbigin aber daraus schließt, daß die Evangelikaien jetzt
sicher enttäuscht seien (S. 97), so muß man dem entgegenhalten, daß die
meisten Evangelikaien seine Kritikpunkte teilen würden und McGavran ja nicht
für die Evangelikaien spricht. Im Gegenteil drängt sich mir als Evangelikalem
beim Lesen seiner Bücher und der vorliegenden Vorträge der Verdacht auf,
daß Newbigin der evangelikalen Missi-onsbwegung sehr, sehr nahe steht. So
beschreibt er brilliant die Eigenart des Christentums gegenüber dem
Hinduismus und anderen Religionen, daß das christliche Dogma historische
Tatsachen beschreibt und automatisch hinfällig ist, wenn diese nicht der
historischen Wahrheit entsprechen. Er lehnt vehement die inklusivistische
Sicht ab, daß es anonyme Christen in anderen Religionen gibt (S.70-72), auch
wenn er die Frage offener lassen möchte, wie Gott in seiner Gerechtigkeit mit
Menschen umgeht, die das Evangelium nie hören konnten. Die Betonung der
Bekehrung nach Begriff und Sache (S.92-94) ist auffällig. Und sein
persönlicher Appell von 1996, er habe als Missionar viele Fehler den anderen
Kulturen gegenüber gemacht, aber das schlimmste wäre, wenn ihn das davon
abhalten würde, von Jesus zu reden und sich selbst nicht mehr als Zeugnis für
die göttliche Gnade vorzustellen (S.114), spricht jedem Evangelikaien aus
dem Herzen.
Prof.Dr. Thomas Schirrmacher, em 2003-3.
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Nicholls,
Bruce (Hrsg.). In Word and Deed.
Paternoster
Press, 1985.
Das Buch, im Auftrag des Lausanner Komitees für Weltevangelisation und der Weltweiten
Evangelischen Allianz herausgegeben, enthält 9 Vorträge zum Thema des Verhältnisses von Evangelisation und sozialer
Verantwortung, die anläßlich der „Consultation on the Relationship between
Evangelism and Social Responsibility”
(CRESR) im Jahr 1982 in Grand Rapids, Michigan, gehalten wurden. Den
Vortragstexten sind jeweils kurze Zusammenfassungen
des Herausgebers Bruce Nicholls (Exekutivsekretär der Theologischen Kommission der World Evangelical Fellowship) vorangestellt, gefolgt von einer kritischen Stellungnahme eines der Konferenzteilnehmer, die mehrheitlich evangelikale Führerpersönlichkeiten der Dritten Welt waren.
Kurze Zusammenfassung der Vorträge:
1. Die
Perspektiven der Kirchengeschichte von der Zeit des Neuen Testaments
bis 1960. Dr. Bong Ring Ro, Exekutivsekretär
der Asia Theological Association, untersucht hier die verschiedenen
Epochen der Kir-cnengeschichte
hinsichtlich Lehre und Praxis der Kirche in der Frage der sozialen
Verantwortung.
2. Eine kritische
Beurteilung von gegenwärtigen Perspektiven.
Dr. Adeyemo, Generalsekretär
der Evangelischen Allianz von Afrika und
Madagaskar, beleuchtet einige wichtige
regionale und internationale Konferenzen
der letzten zwei Jahrzehnte, die das Denken der Evangelikaien in Fragen der sozialen Verantwortung geprägt haben. Adeyemo
erkennt neun verschiedene Positionen zur
Frage des Verhältnisses von Evangelisation und sozialer Aktion, die
von Evangelikalen vertreten werden.
3. Die Suche nach
einem neuen evangelikalen Verständnis. Dr. David Bosch untersucht zunächst den
Einfluß der ökumenischen Bewegung und
setzt sich dann selbstkritisch mit negativen Einflüssen auf das soziale Engagement der Evangelikalen auseinander.
4. Wie weit geht
Rettung in der Schrift? Die Autoren
Dr. R. Sider und Dr. J. Parker präsentieren
hier eine Studie über die Heilsbegriffe
(salvation words) in AT und NT und untersuchen ihre horizontale
(soziale) Verantwortung und vertikale (Evangelisation) Dimension für den, der Christus als Herrn bekennt und Glied seiner Gemeinde wurde.
5. Das
Königreich Gottes im Verhältnis zu Kirche und Welt. Dr.
P. Johnston legt dar, daß sich das Königreich Gottes gegenwärtig als Herrschaft Gottes im Leben seiner Kinder manifestiert und zwar auch in sozialen Veränderungen
als Frucht eines erlösten Lebens, es
jedoch nicht mit diesen Veränderungen
oder irgendeiner politischen oder kulturellen
Gruppierung von Menschen zu identifizieren
ist.
6. Geschichte und
Eschatologie: Evangelikale
Perspektiven. Dr. P. Kuzmic, Direktor des Biblisch
Theologischen Instituts Zagreb, entfaltet
hier die drei traditionellen Konzepte
über das Millennium (postmillennialism, amillennialism,
premillennialism) und zeigt, inwieweit diese die soziale Verantwortung und die evangelistische
Zielsetzung der Kirche gefördert oder
gehindert haben.
7. Eine biblische Auseinandersetzung mit
einigen philosophischen und theologischen Systemen der Gegenwart.
Dr. Beyerhaus setzt sich in diesem
Vortrag kritisch mit dem messianischen Marxismus, der modernen Wissenschaftsgläubigkeit
und dem liberalen
Ökumenismus auseinander und warnt vor
falschen Synthesen ohne biblischen Glauben.
8. Evangelisation und
soziale Verantwortung ‑ eine biblische Studie über Prioritäten. Ausgehend
von einer Untersuchung der biblischen Begriffe Gemeinschaft, Bund und
Königreich kommen die Autoren Vinay Samuel und Chris Sugden zu dem Ergebnis, daß die Diskussion über die Prioritäten in
der Mission der Kirche nicht vom Konzept, sondern vom Kontext der Mission
bestimmt sein muß.
9. Die Mission der
Kirche in Theologie und Praxis.
Dr. C. Cho legt Akzentverschiebungen
hinsichtlich der sozialen Verantwortung innerhalb der Evangelikaien
Bewegung zwischen den Kongressen 1966 in
Berlin und 1974 in Lausanne dar.
Als Modell für die Mission der Kirche weist er auf den Dienst Jesu
und auf das Doppelgebot der Liebe hin und folgert, daß es keinen Gegensatz
zwischen
Missionsbefehl (Verkündigung) und dem
Liebesgebot (soziale Aktion) geben kann.
Die wachsenden Nöte in unserer Welt und der damit
verbundene Druck besonders auf den Missionar in Ländern der Dritten Welt, aber auch auf die Kirchen im wohlhabenden Westen, im Blick auf mehr sozialen Einsatz, lassen das Thema der Konsultation von CRESR besonders wichtig erscheinen. „In Word
and Deed“ bietet eine wertvolle Hilfe in der Auseinandersetzung mit diesem
Fragenkomplex.
Martin Weiss, em 1988-4.
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Nissen, Johannes. New Testament and Mission:
Historical and Hermeneutical Perspectives. Peter Lang: Frankfurt, 1999.
Dies 1996 bereits auf Dänisch erschienene Buch will eine
Brücke zwischen den Bibelwissenschaften und der Missiologie schlagen, weil
– wie der Autor deutlich herausstellt (S.13) – diese beiden theologischen
Disziplinen sich im allgemeinen gegenseitig ignorieren. Nissen untersucht
als Neutestamentler dazu in jeweils eigenen Kapiteln den Missionsgedanken und
die Schwerpunkte in Mt, Mk, Lk/Apg, Joh, bei Paulus, in Eph/Kol und in
1Petr/Offb. Die historisch-kritische Ausgangsposition macht sich eigentlich
nur in den Verfasserfragen bemerkbar. In seinen zusammenfassenden Thesen im
letzten Kapitel greift der Autor bewußt evangelikale, ökumenische und
charismatische Elemente auf. Ziel ist ihm dabei ein trinitarischer Ansatz
der Mission (S.176-177 u. ö.). Das Buch enthält viele wertvolle, exegetische
Einsichten und zeigt einmal mehr, welch zentrale Rolle die Verkündigung des
Evangeliums in aller Welt im ganzen Neuen Testament spielt. Ich befürchte
nur, daß dies Buch eines Neutestamentlers am Ende doch wieder nur von
Missiologen aufgegriffen wird, während die Exegeten, auch die Evangelikalen,
weiter weitgehend ihre eigenen Wege gehen.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 2000-3.
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Nitsche, Bernhard (Hg.). Gottesdenken in interreligiöser
Perspektive. Raimon Panikkars Trinitätstheologie in der Diskussion. Unter Mitarbeit v. Guido Bock, Frankfurt a.M./
Paderborn: Lembeck/Bonifatius, 2005.
Dieser Sammelband dokumentiert den Ertrag eines von Prof.
Dr. B. Nitsche veranstalteten Tübinger Symposions aus dem Jahre 2003.
Renommierte Autoren setzen sich in interdisziplinären Beiträgen mit Raimon
Panikkars „Gotteslehre“ auseinander. Auch Panikkar selbst kommt zu Wort,
führt ins Thema ein und nimmt am Ende des Buchs zu den einzelnen Beiträgen
Stellung (48-64 u. 324-357).
Der 1918 geborene Raimon Panikkar hat sich die Reflexion
interkultureller Begegnung und interreligiöser Verständigung zur Lebensaufgabe
gemacht. Er „hat die interkulturelle Hermeneutik maßgeblich initiiert, die
indologisch-religionswissenschaftliche Forschung vorangetrieben, die
religionstheologische Diskussion zwischen Christentum und Buddhismus bzw.
Hinduismus belebt und diese verschiedenen Welten als Sohn eines hinduistischen
Inders und einer katholischen Spanierin existentiell durchlebt“, formuliert
B. Nitsche.
Als international hochangesehener Religions- und
Naturwissenschaftler, als katholischer Theologe und Philosoph, wie auch als
spiritueller Meister gilt Panikkar als innovativer Wegbereiter einer „Ökumene
der Religionen“, ohne dabei einem pseudo-esoterischen Einheitsbrei das Wort
zu reden oder die vorhandenen kulturellen und religiösen Unterschiede zu
ignorieren. Jede Kultur mit ihren religiösen Grundbefindlichkeiten, sagt er,
ist eine Galaxie, ist ein Ganzes und birgt alles in sich.
Der Sammelband ist in vier thematische Teile aufgeteilt
(A. Zugang, B. Hermeneutische Grundlagen, C. Das Göttliche und seine
Trans-Immanenz sowie D. Die Resonanz), denen die insgesamt 19 Aufsätze und
die beiden Panikkar-Beiträge zugeordnet sind. Im Mittelpunkt steht die
Auseinandersetzung mit dem „Dialog der Religionen“, der fundamentalistische
Haltungen innerhalb der Religionen überwinden und zugleich die Möglichkeit
eines „globalen Weltethos“ andeuten kann.
Alle Diskussionsbeiträge setzen sich auf einem hohen
intellektuellen Niveau mit Panikkars Lehren auseinander. Wenige stellen
allerdings wirklich kritische Anfragen (z.B. Michael Bongardt, 144-157,
Heinrich von Stietencron, 159-168, Klaus Butzensberger, 169-191 oder Reinhold
Bernhardt, 192-201), die meisten bestätigen lediglich Pannikars
interreligiöse Gottesschau oder modifizieren dieselbe im besten Fall. So sehr
Harmonie bzw. dialogische Verstehensbemühungen Ausdruck auch einer
wünschenswerten und erstrebenswerten akademischen Streitkultur sein müssen
(sachgerecht und niveauvoll zu argumentieren, ist gewiss kein Luxus), so sehr
fehlt doch ein wahrnehmbarer, deutlicher Widerspruch.
Wenigstens drei zentrale Themen wären hier wichtig
gewesen: Zum einen müsste die gesamte Diskussion der natürlichen Erkenntnis-
und Gott-Begegnungsfähigkeit beim unerlösten Menschen, die bei Panikkar
vorausgesetzt oder als möglich angesehen werden, aus offenbarungstheologischer
Perspektive erörtert werden (Offenbarung und Glaube, Wort und Geist, Barth
vs. Brunner usw.). Zweitens werden die soteriologischen Konsequenzen des
Kreuzes Christi und damit die epistemologischen, die harmatologischen wie
auch die eschatologischen Dimensionen der theologia
crucis kaum beachtet. Und drittens wird die Exklusivität Christi und des
Evangeliums eher als eine zu überwindende, niedrigere Erkenntnisstufe
zurückgewiesen, wenn Panikkar beispielsweise ohne Widerspruch behaupten kann,
Christ und Hindu zugleich sein zu können (353); eine Aussage, die problematisch
ist, wenn er „unverzichtbare Grundwahrheiten“ (324) religionsphänomenologisch
als Gesprächsgrundlage behauptet, von denen gar nicht geklärt ist, wie sie
gemäß der Prämissen biblischer Anthropologie und Soteriologie zu erheben sein
können und wie nicht.
Die Lektüre des Aufsatzsammelbandes ist jedem missions-
und systematischtheologisch Interessierten zu empfehlen. Sich mit den
vorgebrachten Thesen zur Trinitätslehre im Gespräch mit Panikkars
synkretistischer Interpretation auseinanderzusetzen ist gewiss keine leichte,
aber wichtige Aufgabe.
Berthold Schwarz,
em 2006-3.
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Nöh, Rüdiger. Pietismus und Mission. Die
Stellung der Weltmission in der Gemeinschaftsbewegung am Beispiel des
Siegerländer Gemeinschaftsverbandes. edition afem, mission scripts Bd. 13, Bonn:
VKW, 1998.
Die Bedeutung des Pietismus für das kirchliche Leben in
Deutschland ist nach wie vor hoch. Von den rund 1,4 Millionen evangelikalen
Christen gehören etwa 300.000 zur Gemeinschaftsbewegung. Es ist davon
auszugehen, daß die in der Arbeitsgemeinschaft evangelikaler Missionen (AEM)
zusammengeschlossenen Missionsgesellschaften ihre personelle und finanzielle
Unterstützung zu einem nicht unwesentlichen Teil aus dem Bereich des
Pietismus erhalten. Rüdiger Nöh, Prediger im Siegerländer
Gemeinschaftsverband und Absolvent der FTA Gießen, hat in seiner Korntaler
Magisterarbeit den Zusammenhang von Pietismus und Mission nun genauer untersucht.
In einem ersten Kap. (S.16-47) führt er knapp und präzise in den
geschichtlichen Kontext zum Thema ein. Der Pietismus hat die traditionellen
Widerstände des Luthertums gegen Weltmission innerhalb des Protestantismus
durchbrochen. Doch wurde im Neupietismus mangels einer durchdachten
Verbindung von Ekklesiologie und Missiologie die Verantwortung für Weltmission
aus den Gemeinschaften auf Missionsgesellschaften und den Einzelnen
verlagert, was zu einer Schwäche des Missionsengagements in Gemeinschaftsbewegung
und Evangelikalismus führte. Das zweite Kapitel (S.48-81) zeigt, daß der
Siegerländer Pietismus von seinen Anfängen um das Jahr 1700 herum mit dem
Missionsanliegen verbunden war, unter anderem durch Gestalten wie
Jung-Stilling und Stahlschmidt, durch Kontakte ins Wuppertal, durch die
Etablierung von Missionshilfsvereinen und speziell zu Missionsgesellschaften
wie der Neukirchener Mission und der Mission für Süd-Ost-Europa. Heute zeigen
sich in der Siegerländer Gemeinschaftsbewegung Krisenzeichen wie ein abnehmendes
Praktizieren des Allgemeinen Priestertums und ein fortschreitender
Mitgliederschwund (speziell im Bereich jüngerer Leute und Familien) bei den
innerkirchlich arbeitenden Gemeinschaften, was sich auch auf das
Missionsengagement der Gemeinschaften auswirkt. – Kapitel drei (S.82-117)
gibt in anschaulicher Weise mit Tabellen, Graphiken und treffenden
Interpretationen die Ergebnisse einer empirischen Befragung der Gemeinschaften
des Siegerländer Gemeinschaftsverbandes zum Thema Mission wieder. Kapitel
vier (S.118-141) bietet eine Grundlegung zum Verhältnis von Gemeinde und Mission
nach dem Neuen Testament. Und das abschließende fünfte Kapitel (S.142-169)
unterzieht die Stellung zur Mission in der Praxis des Siegerländer Gemeinschaftsverbandes
einer eingehenden Würdigung und theologisch begründeten Kritik. Theologische
Hemmnisse (fehlendes Gemeindebewußtsein, Überbetonung des Erbauungs- und
Heiligungsaspekts, gewisse Endzeitszenarien [die aber lieber nicht mit dem –
gerade in missionstheologischer Hinsicht gerade sehr fruchtbaren – Dispensationalismus
verwechselt werden sollten! Gegen Nöh, S.154f] werden ebenso behandelt wie
praktische Probleme (Überalterung der Gemeinschaften, Desiderate für die
Missionsgesellschaften). - Rüdiger Nöh hat eine geschichtlich, (missions-)theologisch
und empirisch gut gearbeitete kleine Studie vorgelegt, die wegen der
Bedeutung des Gemeinschafts-Pietismus für Mission in Deutschland auch außerhalb
des Siegerlandes interessierte Leser finden sollte.
Dr. Helge Stadelmann, em 1999-3.
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O’Brien, Peter. T. Gospel and Mission in the
Writings of Paul: An Exegetical and Theological Analysis. Baker Book House: Grand Rapids
(MI) & Paternoster Press: Carlisle (GB), 1995.
Der australische Neutestamentler O’Brien, der länger in
Indien am Union Biblical Seminary wirkte, hat eines der besten Bücher über
die Missionstheologie des Paulus geschrieben, das zunächst 1993 unter dem
Titel ‘Consumed by Passion’ erschienen ist und seitdem immer wieder nachgedruckt
wird. O’Brien weist nach, daß für Paulus die missionarische und evangelistische
Existenz und Praxis der von ihm gegründeten Gemeinden und aller Menschen,
die zu Christus finden, selbstverständlich ist. Neben den zentralen
paulinischen Texten zur Mission (z. B. Röm 1, Röm 15, 1Kor 9) exegetisiert
O’Brien auch Texte, die seltener mit der Missionspassion des Paulus in
Verbindung gebracht werden (z. B. Eph 6, der ganze Philipperbrief). Eine
hervorragende, manchmal etwas technische Studie, die einmal mehr zeigt, daß
Paulus nicht zufällig, sondern wesensmäßig sowohl der bedeutendste Missionar
des ersten Jahrhunderts war, als auch der bedeutendste (systematische) Theologe.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 2000-2.
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O’Donnell, Kelly S., Michelle Lewis O’ Donnell (ed). Helping Missionaries to Grow. Readings
in Mental Health and Missions. Pasadena: William
Carey Library, 1988.
Drs. Kelly and Michelle O’Donnell sind promovierte Psychologen und Mitarbeiter von „Jugend
mit einer Mission“ (YWAM) in Amsterdam.
Dieses neue Handbuch bringt 50 Artikel von 48 Autoren aus den letzten 15 Jahren, unter anderem von Elisabeth S. und E.
Thomas Brewster, Marjory Foyle, David
Hesselgrave, Brian V. Hill, William F.
Hunter, Timothy M. Warner. Die meisten Autoren sind Amerikaner, fast alle ehemalige Missionare. Viele
haben in Psychologie promoviert. Unter den
Autoren sind 15 Frauen.
Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt die Breite der
behandelten Themen. Nach einer einleitenden
Reflektion über das Verhältnis von Psychologie und Mission werden die folgenden Gebiete behandelt: Auswahl der Missionskandidaten, Psychologische Beurteilung,
Missionarische Effektivität, Überlegungen zur missionarischen Ausbildung,
Familienleben des Missionars, die Kinder des
Missionars, Schulausbildung von Missionarskindern,
Anpassung an fremde Kulturen,
Streß, zwischenmenschliche Beziehungen, die Frau in der Mission, Heimkehr des Missionars, Seelsorge an Menschen anderer Kultur sowie eine 18 Seiten umfassende Bibliographie.
Das Buch ist eine
Fundgrube an Material für Missionare, Dozenten in der Missionarsausbildung,
Heimatleiter von Missionsgesellschaften
und Pastoren von Gemeinden, die
sich nicht nur oberflächlich für Missionare interessieren.
Dietrich Kuhl, em 1990-1.
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O’Donovan, Wilbour. Biblical Christianity in
African Perspective. Paternoster Press: Carlisle/GB, 1996.
Zugegeben: ich konnte dieses Buch nicht mehr objektiv
lesen, nachdem ich den Autor einige Jahre zuvor als engagierten Denker und
Debattierer auf einer amerikanischen Missionshochschule kennengelernt
hatte. Nach 20 Jahren Lehrdienst in Nigeria faßte er seine Erfahrungen in
seiner Abschlußarbeit, für die er den D. Min. verliehen bekam, zusammen.
Diese nun revidierte Ausgabe ist zugleich attraktiver gestaltet und
umfassender als die früheren. So schätzen afrikanische Theologen dieses Buch
ein: „Die Erfahrung, die Bill O’Donovan in seinen vielen Jahren mit
afrikanischen christlichen Studenten gesammelt hat, vermittelte ihm ein
umfassendes Verständnis davon, welchen Kämpfen sie ausgesetzt sind, wenn sie
dogmatische Fragen auf ihren kulturellen Kontext anwenden“ (Dr. Haruun Ruun,
Generalsekretär des New Sudan Council of Churches). Und Dr. Yusufu Ruraki,
Sekretär für die theologische Ausbildung des ECWA, Nigeria, urteilt: „Die
Stärke des Buches liegt in seiner einfachen Sprache, der klaren Darbietung
des Themas unter Einbeziehung biblischer Wahrheiten, sowie der afrikanischen
Sichtweise“.
Worum geht es also? Beginnend mit der Bedeutung unserer
„Weltanschauung“ für unser Tun und Denken behandelt das Buch in 18 Kapiteln
die wesentlichen theologischen Themen über Bibel, Offenbarung, Gott, Jesus
Christus, den Menschen, Heiliger Geist, Kirche, die Wiederkunft Christi und
die Endzeit. Aber auch typisch „afrikanisch heiße Eisen“ wie Ahnenverehrung,
Leiden, Zauberei, Bestechung und Flüche werden klar und offen angepackt. Als
die „Big Five“ behandelt O’Donovan Fragen über Führung, falsche Propheten,
Synkretismus, Mittler, Verantwortung des Christen zur Regierung.
Der Stil ist erfrischend einfach. Große theologische
Begriffe wie die Dreieinigkeitslehre werden durch einleitende Dialoggedanken
(z. B. Muslim, Animist und Christ) angerissen und dann im Frage/Antwortstil
mit abschließenden Diskussionsvorschlägen und weiterführender Literatur
verdaut. Bestens geeignet für theologisches Ausbildungsstätten. Auf eine
Gesamtbibliographie wurde verzichtet, dafür besticht ein recht umfangreicher
Sachindex. Abgesehen von vier Referenzen zu afrikanischen Autoren (Adeyemo,
Mbiti, Kato, Kimathi) nährt sich das Buch noch ganz von westlichen Quellen.
Aber daß der afrikanische Leser dem Autor ganz am Herzen liegt, steht außer
Zweifel. Übersetzungen auf Amharisch, Französisch, Haussa und Kiswahili sind
bereits voll im Gange. Der Autor antwortet gerne auf Verbesserungsvorschläge
und Anfragen.
Walter Gschwandtner, em 1998-2.
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Öhler, Markus. Barnabas: Die historische Person und ihre
Rezeption in der Apostelgeschichte. WUNT 156, Tübingen: Mohr Siebeck,
2003.
In seiner Habilitationsschrift stellt der Wiener
Neutestamenler M. Öhler die These auf, dass Barnabas in der missionarischen
Zusammenarbeit mit Paulus „mindestens gleichwertiger, wahrscheinlich aber doch
führender Partner war“ (S.389). Die Begründung dieser These beginnt mit einer
Auslegung von 1.Kor 9,6. Barnabas, der vermutlich den Auferstandenen gesehen
hat, und Paulus verzichten aufgrund der besonderen Missionssituation auf
Unterhalt durch die Gemeinde, wobei wohl Barnabas „auf diese Praxis drängte“
(S.17). In Kap. 2 untersucht der Verfasser die Zeit des gemeinsamen Wirkens
von Paulus und Barnabas. Nach Gal 2,1-14 erscheint Barnabas als ein „Mann
der Einheit“ und ist Hauptansprechpartner auf dem Konvent. Ab Kap. 3 werden
die Angaben der Apostelgeschichte über Barnabas untersucht. Mit seinem
Einsatz für die Gemeinde, die in der paganen Umwelt als antiker Verein
erscheint, wobei ihr Erfolg vor allem in Botschaft und Ethos begründet ist,
überwindet Barnabas soziale Schranken und tritt als Wohltäter der
Gemeinschaft auf. Erst dadurch wird sein späteres Eintreten für Paulus und
sein Wirken in Antiochien recht verständlich. Nach Kap. 5 (Apg 11,19-26)
reist Barnabas aus eigener Initiative (nicht aufgrund der Sendung der Urgemeinde)
wohl wegen des Interesses an der Heidenmission nach Antiochien. Beim
sogenannten Hungerhilfebesuch (Apg 11,27-30; 12,24f) ist er dann die führende
Gestalt. Nach der „Aussendung durch die antiochenische Gemeinde (Acta
13,1-3)“ verstehen sich die Missionare „nicht als Einzelkämpfer auf dem
Missionsfeld“, sondern sie handeln „in steter Rückbindung an die Gemeinde
und ihre Leitung“. In den Kap. 8-12 werden die einzelnen Stationen der 1.
Missionsreise dargestellt: Die Mission auf Zypern, im pisidischen Antiochien,
in Ikonion, in Lystra und die Rückreise nach Antiochien. Der Verfasser
resümiert, dass die Missionsmethoden von Barnabas und Paulus vielfältig waren
und ihre Beziehung untereinander sich „als eine zwischen Kollegen bestimmen“
lässt (S.388). Paulus „war eingebunden in eine Mission, deren mindestens
gleichwertiger, wahrscheinlich aber doch führender Partner Barnabas war“.
Auch beim Apostelkonzil (Apg 15,1-35) sei Barnabas von den antiochenischen
Gesandten „die wichtigere Figur“ (S.431), wobei jedoch beide von der
Heidenmission berichten. Die Trennung von Paulus und Barnabas (Acta
15,36-41) führt Öhler u. a. auf den Streit um einen Mitarbeiter zurück, so
dass Barnabas (vielleicht wegen verwandtschaftlicher oder sozialer
Verpflichtungen) das Verhältnis zu Johannes Markus über das zu Paulus
stellt. Abschließend folgt „Das literarische Porträt des Barnabas - Autorintention
und Leserrezeption“ und ein historischer Rekonstruktionsversuch: Barnabas
war ein Mann, der zwischen den Strömungen innerhalb des Christentums
vermittelte: „Als Graecopalästiner war er mit Hebräern und Hellenisten
gleichermaßen vertraut, als angesehenes Mitglied der Jerusalemer Urgemeinde
und Teil der antiochenischen Gemeindeleitung hatte er enge Beziehungen zu den
beiden Zentren des frühen Christentums. (…).Barnabas war damit die vermittelnde
Persönlichkeit des frühen Christentums“ (S.486). Ein umfangreiches
Literaturverzeichnis und Register schließen das Werk ab. Öhlers ausführliche
Studie überzeugt durch eine detaillierte Exegese und eine ausgewogene
sozialgeschichtliche Interpretation. Die Darstellung des Beziehungsgeflechts
um B. eröffnet dem aufmerksamen Leser manche neue
Einrichten. Anfragen erheben sich aber vor allem dort, wo
der Verfasser die Apostelgeschichte im Zug: der älteren deutschen
Acta-Forschung übergeht (58ff, 61, 75, 226f, 270, 436 u. a.). So hätte man
bei der historischen Rekonstruktion der Texte meh Zutrauen in die
Apostelgeschichte erwartet. Auch aus missiologischer Sicht ist die Studie
interessant, weil sie zeigt, wie der grenzüberschreitende Denst des
Barnabas den Verlauf der urchristlichen Mission mitgeprägt hat. Im Umgang
mit den Finarzen (IKor 9,6) zeigt Barnabas kontextuelles Feingefühl. In der
Beziehung zu Mitarbeitern erweist sich Barnabas als Partner und Mentor. Auch
Missionare heute brauchen Personen wie Barnabas, cie sie in Dienste
einführen, vermittelnd im Heimat- und Missionsdienst agieren und ihnen in
Zeiten der Not „Trost“ spenden. Alles in allem ein inspirierender Band, der
zur Beschäftigung mit der urchristlichen Mission und zur Anwendung auf unsere
Situation einlädt.
Alexander Drews, em 2005-1.
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Okoye,
James Chukwuma. Israel and the Nations. A Mission Theology of the Old Testament.
American Society of Missiology
Series 39. Maryknoll: Orbis Books, 2006.
Der in Chicago unterrichtende Nigerianer James Chukwuma
Okoye präsentiert seine Missionstheologie des Alten Testaments bewusst im
Rahmen christlicher, katholischer Theologie und fragt dabei nicht nur nach
einer zeitgeschichtlichen Bedeutung der untersuchten Texte, sondern auch
nach Implikationen für das moderne Missionsverständnis. Sein Ansatz ist
nicht kanonisch, sondern „canon-conscious“ und stützt sich spürbar auf die
Ergebnisse älterer historisch-kritischer Forschung. Er beginnt seine Untersuchung
mit der Frage nach einer Definition von Mission und kommt zu dem Ergebnis,
dass weder das moderne Missionsverständnis, noch ein Verständnis, welches
alleine auf einer Wortstudie („senden“) gründet, einen wesentlichen Beitrag
leisten können. Das Missionsverständnis im Alten Testament hat für Okoye vier
„Gesichter“, denen er die verschiedenen Kapitel seiner Untersuchung
zuordnet: Ein universales, ein „Gemeinschaft-in-Mission“-, ein zentripetales
und ein zentrifugales Gesicht.
(a) Das universale Missionsmodell zeichnet sich durch
einen Herrschaftsanspruch Gottes über die ganze Welt (Gen 1) und jedes Individuum
(Ps 8) aus. Der Segensauftrag an Abraham (Gen 12,3) wurde zunächst in Form
respektvollen religiösen Dialoges durchgeführt (S.54f), später jedoch auch
anders interpretiert (S. 47).
(b) Bei dem Gesicht der „Gemeinschaft-in-Mission“ geht es
um das Zeugnis Israels durch die Existenz als gerechtes Volk Gottes. Die in
Ex 19,3-8 geforderte Heiligkeit des Volkes bezieht sich nicht nur auf das
Verhältnis zu Jhwh, sondern nutzt sein vor den anderen Völkern geführtes
Leben als Vehikel der Mission. Vor allem der Prophet Amos stellt Israels
Existenz als Volk Gottes unter die Bedingung der gelebten Gerechtigkeit. Der Prophet Jona könne als
„innerbiblical corrective to the apparent xenophobia
of the Book of Nahum” verstanden werden (S.81).
(c) Grundlage für die Fähigkeit Israels zu zentripetaler
Mission im Sinne der Öffnung des Bundes für Heiden ist das Verstehen der
grenzüberschreitenden Gerechtigkeit Gottes. Die Beschneidung des Herzens
ist neues Kennzeichen derer, die Mission als Gottes Werk und ihren Teil als
Danksagung gegenüber Gott verstehen. Die Nationen sollen an dem Lob Gottes
teilhaben (Ps 96). Zion wird zum Zentrum für Weltfrieden und Moral. Da Okoye
Jes 2,5 als redaktionelle Einfügung wertet, zielt Jes 2,2-4 für ihn nicht
auf religiöse Bekehrung der Nationen, sondern auf Versöhnung und Frieden.
(d) Zentrifugale Mission beginnt dort, wo nicht mehr Land
oder Blut, sondern das Bekenntnis über die Gemeinschaft bestimmt. Durch das
ursprüngliche Volk Gottes geht ein Schnitt. Die neue Gemeinschaft des „Überrests"
schließt auch Fremde ein - und lädt sie ein. Der Knecht in den
Gottesknechtsliedern in Jesaja hat eine klare aktive Mission. Am Ende wird
sich die ganze Welt als Gottes Volk herausstellen. Okoyes Arbeit besticht
durch eine ausgezeichnete aktuelle Bibliographie zum Thema, wobei einzelne
neuere Veröffentlichungen zu speziellen Fragen fehlen, wie drei Beispiele
zeigen: So misst Okoye den von David Bosch 1956 (Evangelisches Missions-Magazin
100: 174-88) aufgegriffenen Konzepten „zentripetal" und „zentrifugal"
grundlegenden Wert zu, ohne auf die inzwischen aufgekommene Kritik an ihrer
Legitimität einzugehen. Damit wird die Brauchbarkeit seiner vier „Gesichter“
als biblisch-theologische Kategorien in Frage gestellt. Von A. Rétif und P. Lamarche (Das Heil der Völker. Düsseldorf:
Patmos, 1960, S.18) übernimmt er den Gedanken einer Veränderung der Bedeutung
von Gen 12,3, ohne Bezug zu nehmen auf neuere Untersuchungen wie K.N.
Grüneberg, Abraham, Blessing and the Nations. Berlin: De Gruyter, 2003, u.v.m.
Auch die unvermittelte Annahme des alten „JEDP“-Modells (S.24, Fn. 1) sollte
in einer Zeit nach Rendtorff und Van Seters zumindest begründet werden.
Okoyes Buch ist als Arbeitsbuch gedacht und lässt sich
durch ausführliche Zusammenfassungen und Diskussionsfragen leicht erschließen.
In seinem Gesamtverständnis geht Okoye nicht nur von verschiedenen Wegen der
Mission Israels, sondern auch von einer weiteren Bandbreite von
unterschiedlichen Zielsetzungen aus. Nicht jede alttestamentliche Vision
ziele auf Gotteserkenntnis der Heiden – auch Dialog, Versöhnung und Weltfrieden
stellen für Okoye Zielpunkte dar, die sich mit aktuellen „Trends in Mission“
(vgl. S.18-23) in Verbindung bringen lassen. Dabei lässt sich bezweifeln, ob
das Alte Testament in seiner vorliegenden Gestalt wirklich eine solche
Unterscheidung unterstützt.
Dr. Siegbert Riecker, em 2008-2.
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Oldham, J. H. Ein Mensch wagt zu lieben - Florence Allshorn -
Ein Leben im Dienst Christi.
In freier Übersetzung ins Deutsche von Johanna Lorch, 12. Aufl., Giessen:
Brunnen Verlag & Bad Salzuflen: MBK-Verlag, 1994.
Dieses Buch erzählt die Geschichte der Florence Allshorn,
die als Missionarin mit der Church Missionary Society in Afrika ihren nur
vierjährigen Dienst in der Außenmission erlebte. In diesem kurzen
Zeitabschnitt lernte sie allerdings eine Lektion für ihr ganzes Leben, und
zwar, daß die Liebe Gottes im Menschen, umgesetzt und ausgelebt in einer
hoffnungslosen Situation im Blick auf Zusammenarbeit und menschliches
Miteinander zur unbesiegbaren, die Widerstände überwindenden Kraft wird.
Die Spannungen im Miteinander auf einer Missionsstation in Uganda, die ihre
acht Vorgängerinnen alle Kraft gekostet hatten, so daß sie höchstens zwei
Jahre aushielten und dann aufgaben, bringen auch Florence an den Rand ihrer
Kraft. An dem Punkt hilft ihr eine Afrikanerin, indem sie ihr sagt: „Ihr
habt alle das gleiche, nämlich daß ihr gekommen seid, uns den Retter der Welt
zu bezeugen. Ich sehe aber nicht, daß er die Situation hier gerettet hat.“
Diese Feststellung wird zum Wendepunkt im Leben der Florence Allshorn. Sie
erkennt, daß sie die Liebe Christi, die auch die Feinde lieben heißt, in
ihrem Leben braucht, um nicht Schiffbruch zu erleiden. So beginnt sie um
diese Liebe für sich zu beten und in dem schwierigen Miteinander mit der
älteren Kollegin Wege zu suchen, um einander zu akzeptieren und die Last
das Alltags zu tragen. Ein Jahr lang liest sie täglich das 13. Kapitel des
1.Korintherbriefs. Indem sie im Miteinander praktische Schritte tun, erleben
sie die von innen her erneuernde Liebe, die auch auf andere überspringt und
die Atmosphäre auf der Missionsstation verändert.
Aus diesem Erleben einer praktizierten
sich-selbst-vergessenden Liebe erwuchs der Dienst der Florence Allshorn in
späteren Jahren in England in der Zurüstung von Missionarinnen vor der
Ausreise und der Betreuung von Rückkehrenden. Ein unbestechlich klares
Verständnis von dem, was Missionare brauchen, um nicht zu stagnieren und nur
‘eine Schaufensterauslage an geistlichen Gütern’ zu präsentieren, kommt in
diesem Buch zum Ausdruck. Es gibt darüberhinaus aber auch allgemeingültige
Richtlinien für verbindliches christliches Leben und Echtheit im Dienst
überhaupt. Es richtet sich von daher nicht nur an Missionare. Allerdings ist
der Leser gefordert, die allgemeingültigen Grundsätze aus der manchmal
idealisierten Beschreibung einer Persönlichkeit herauszuhören. Diese
Tatsache ist eine Schwäche des Buches. Dennoch ist es ein klarer Anruf, aus
der Mittelmäßigkeit im Christenleben herauszutreten, und es gibt manche
Antwort auf die Frage, wie interpersonelle Spannungen in Dienstgemeinschaften
bewältigt werden. Da diese Frage höchst aktuell ist, ist auch das Buch
aktuell für jeden, der in einem Dienst steht oder sich darauf vorbereitet.
Ursula Pasut, em 1996-2.
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Otminghaus, Christoph und Karl Lagershausen (Hg.): Chancen
entdecken. Kurzzeiteinsätze im Ausland. Porta Impulse 10, (SMD, Postfach 554,
D-35017 Marburg), 1994. (nicht im
Buchhandel!).
Aus dem Arbeitskreis für Weltmission der Studentenmission
in Deutschland stammt dieser äußerst
praktische Leitfaden für alle, die einen
missionarischen Kurzeinsatz von 4 Wochen
bis 4 Jahren erwägen. Besonders ansprechend
fand ich K. Lagershausens „Zehn gute
Gründe, Kurzzeiteinsätze zu erwägen“ und die kritischen Gedanken von E. Wolff zur Vermeidung von „Missionstourismus“. Drei Viertel des Heftes sind auch für Nicht-Studenten interessant. Neben vielen Berichten aus allerWelt winken am Schluß ausführliche Tips zu
Planung, Finanzen, Gesundheit und Adressen.
Christof Sauer, em 1994-3.
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Ott,
Bernhard. Beyond
Fragmentation: Integrating Mission and Theological Education. A Critical
Assessment of some Recent Developments in Evangelical Theological Education.
Regnum Studies in Mission, Regnum Books
International, Oxford 2001.
Die vorliegende Dissertation des Studienleiters des
Theologischen Seminars Bienenberg, Schweiz, Bernhard Ott, bringt seine
Besorgnis über die Geisteshaltung, Qualität und Unterrichtsmethode der
missisonstheologischen Ausbildung der Konferenz Bibeltreuer
Ausbildungsstätten (KbA) des deutschsprachigen Raumes zwischen 1960 und 1995
zum Ausdruck.
Anlass seiner Studie ist der in den letzten Jahrzehnten
erfolgte ökumenische Paradigmenwechsel in Mission und theologischer Ausbildung
im Westen und in der Zweidrittel-Welt. Aufgrund des holistischen Missionsverständnisses
des südafrikanischen Missionswissenschaftlers D. J. Bosch kritisiert Ott das
mehrheitlich von Peter Beyerhaus und der Frankfurter Erklärung geprägte
heilsgeschichtliche Missionsverständnis der konservativen-evangelikalen
Ausbildungsstätten und wirft ihnen Zersplitterung, Isolation und Separation
vor.
Im ersten Teil (S. 1−24) bringt der Autor seine
Sorge über die Zukunft der 36 theologischen Ausbildungsstätten zum Ausdruck,
die im deutschsprachigen Raum der Konferenz bibeltreuer Ausbildungsstätten
(KbA) angeschlossen sind. Ausgangspunkt seiner Studie ist der in den letzten
Jahren erfolge Paradigmenwechsel, wie er innerhalb des Ökumenischen Rates der
Kirchen (ÖRK), in der Weltmission und in der theologischen Ausbildung zu
erkennen ist. Analog zu S. Holthaus (FTH Giessen) gliedert er die KbA in drei
Gruppen ein: Separatistische Fundamentalisten, konservative Evangelikale,
moderate Fundamentalisten und offene Evangelikale, wobei der zweite Typus die
internationale Missionsbewegung im ausgehenden letzten Drittel des 20.
Jahrhunderts am meisten zu prägen vermochte. Die seit den 1990er Jahren
ausgehende rückläufige Studentenzahl interpretiert Ott als theologische
Identitätskrise, die ihm den wesentlichen Anstoss zu dieser Arbeit lieferte.
Im zweiten Teil (S. 25−100) weist der Autor zunächst
auf die einheitliche Entwicklung der evangelischen Missionsbewegung und
Missionstheologie hin, die in Deutschland durch die Gründung der
Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM) 1969, der Frankfurter
Erklärung zur Grundlagenkrise der Mission 1970 und der Gründung der Akademie
für Weltmission in Korntal (AWM) 1984 in zwei gegensätzliche Lager gespalten
worden sei. Seither entwickle sich die deutschsprachige evangelikale Bewegung
in die Separation und Isolation. Der Lausanner Kongress für
Weltevangelisation 1974 und sein Folgekongress in Manila 1989 hätten den deutschen
Evangelikalen Impulse aus der anglo-amerikanischen Welt vermittelt und eine
neue Identität gegeben. Daraus sei der Wunsch nach Akkreditierung der 36
Ausbildungsstätten der KbA entstanden. Ihre missionstheologischen
Überzeugungen hätten sie jedoch im Gegensatz zu den staatlichen theologischen
Fakultäten und dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) definiert.
Dieser Darstellung muss widersprochen werden, zumal der
Wunsch nach Akkreditierung und Vergleichbarkeit der Ausbildungsprogramme der
nicht staatlich organisierten theologischen Ausbildungsstätten in Europa
bereits am Ende der 1960er Jahre ausgesprochen wurde. Die konstituierende
Sitzung der Europäischen Evangelikalen Akkreditierungsvereinigung (EEAA) war unter
Beteiligung von 23 europäischen theologischen Ausbildungsstätten von
Skandinavien bis Italien, von Frankreich bis zu den damaligen
COMECON-Staaten, am 31.10.1979 unter der Leitung von E. Schmid, Direktor der
Pilgermission, in der Friedau auf St. Chrischona bei Basel. Die EEAA entstand
weder aus Protest gegenüber dem ÖRK noch aus ekklesiologischen Überlegungen,
sondern weil eine Angliederung an staatliche Fakultäten nicht möglich war und
sie sich explizit dem „sola scriptura Prinzip“ verpflichtet wusste.
Die schweizerische Arbeitsgemeinschaft Evangelischer
Missionen (AEM Schweiz) ist im Gegensatz zur AEM Deutschland nicht aus einer
Spaltung entstanden. Sie ist sogar älter als die ehemalige Kooperation
Evangelischer Kirchen und Missionen (KEM), in der bis 1999 die kirchlichen
Missionswerke und die reformierten kantonalen Landeskirchen der Schweiz
zusammengefasst waren. Aus missionstheologischen Überlegungen entschieden
sich die evangelischen Werke und Kirchen mit dem ÖRK zusammenzuarbeiten und
damit für den Weg der Separation und nicht die Glaubensmissionen, die sich
der Reformation und dem Pietismus verpflichtet wissen. Um den
innerevangelischen Dialog nicht abbrechen zu lassen, fanden zwischen den
beiden Dachverbänden AEM Schweiz und KEM, und darüber hinaus den
evangelischen Hilfswerken, die berühmten Gloggenhofgespräche in Zürich und
zwei längere Retraiten in Montmirail, Neuchâtel statt, an denen leider kein
Vertreter des Theologischen Seminars von Bienenberg teilnahm.
Der dritte Teil (S.101−202) untersucht die Thesen
von D. J. Bosch, die er in seinem Buch „Transforming Mission“ (1991)
vorschlägt. Daraus folgert Ott, dass in der nachantikolonialistischen
Missionstheologie die KbA-Ausbildungsstätten einen holistischen
Paradigmawechsel vornehmen müssten, wie er zwischen Aufkärung und Postmoderne
zu beobachten sei. Die Gräben zwischen ökumenischer und evangelikaler
Missionstheologie könnten nur im Dialog mit der ganzen Christenheit
überwunden werden. Den bohrenden hermeneutischen Fragen aus der
Zweidrittelwelt, der Verhältnisbestimmung zwischen Kontextualisierung,
Inkulturation, Soziologie, Erlösung und Ekklesiologie sei ein größerer
Stellenwert einzuräumen.
Ott wirft vielen der KbA-Schulen vor, sie würden ihre
Studierenden in die Isolation, Separation, ja sogar ins Sektierertum führen,
weil sie sich dem holistischen Missionsverständnis und kritischen
hermeneutischen Gegenwartsfragen, wie sie im ÖRK diskutiert werden,
verschliessen würden (S.192−195). Statt sich hermeneutischen und
epistemologischen Fragen zu stellen, bestünde die Tendenz, die
missionstheologische Reflexion allein auf die Autorität der Schrift zu
reduzieren. Dabei vergisst der Autor, wie P. Beyerhaus in seinem Buch „Er
sandte sein Wort: Theologie der christlichen Mission/ Band 1: Die Bibel in
der Mission“ (1996) eindrücklich nachwies, dass ein anderes
Schriftverständnis als das reformatorische „sola scriptura Prinzip“ früher
oder später zu einem anderen Heils- und Missionsverständnis führen muss.
Andererseits haben die CTL-Seminare (Chrischona, Tabor, Liebenzell) die
berechtigten hermeneutischen und epistemologischen Gegenwartsfragen der
nachantikolonialistischen Missionstheologie seit 1996 in zwei neuen Fächern
proaktiv aufgenommen (Theologie der Religionen und Christlicher Glaube in
einer säkularen Welt).
Im vierten Teil (S.203−280) beschäftigt sich Ott mit
der Rolle der Mission in der theologischen Ausbildung und den Erkenntnissen
der modernen Erwachsenenbildung als Grundlage selbstkritischer Reflexion und
Lernprozesse. Diese pädagogischen Ansätze sind mit der CTL-Studienreform
Anfang der 1990er Jahre konstruktiv aufgenommen worden und kommen vor allem
in missionswissenschaftlichen, pädagogischen, soziologischen und pastoraltheologischen
Fächern voll zur Anwendung.
Im letzten Teil (S.281−316) fragt der Autor nach der
Allgemeingültigkeit unserer Theologie, insbesondere dem in evangelikalen
Kreisen anzutreffenden Verteidigungsmechanismus, der ins Ghetto und zum
Stillstand führe. Ott sieht den Grund dieser theologischen Verengung in der
Sichtweise der biblischen Wahrheit, die nicht fähig sei, mit Menschen anderer
Kontexte in einem Dialog zu stehen. Hier entbrennt vollends die Frage nach
dem exklusivistischen Wahrheitsverständnis der Schrift als „norma normans“
der christlichen Theologie.
Otts Arbeit schliesst mit diversen Anhängen: einer
kompletten Liste der KbA-Schulen, der ökumenischen Konferenzen zwischen 1910-1991,
der Konsultationen der Lausanner Bewegung zwischen 1974-1989, gefolgt von der
Frankfurter Erklärung 1970 und der Lausanner Verpflichtung 1974. Das Manifest
von Manila von 1989 würde diese Liste von Anhängen vervollständigen.
Weltoffene pietistische Missionstheologen, die selbst
jahrelang den interreligösen Dialog in der transkulturellen Missionsarbeit
praktiziert haben, werden Otts Kritik aufnehmen und sich einem holistischen
Missionsverständnis nicht verschliessen, solange das Geheimnis der göttlichen
Inspiration, die völlige Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit der
Heiligen Schrift nicht preisgegeben und der apostolische
Ausschliesslichkeitsanspruch des Heils allein in Jesus Christus (Apg 4,12)
nicht grundsätzlich in Frage gestellt wird.
Hans Ulrich Reifler, em 2003-4.
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Ott,
Craig; Netland, Harold A. (Hg.). Globalizing theology. Belief and practice
in an era of world Christianity. Nottingham: IVP/Apollos 2007
(US-Ausgabe: Grand Rapids: Baker Academic, 2006).
Diese
Festschrift für Paul G. Hiebert knüpft an seiner Forderung an, die so
genannten „drei Selbst" in der Missionspraxis (self-governing,
self-supporting, self-propagating churches) zu ergänzen durch ein viertes
„Selbst“: self-theologizing (Hiebert, Paul G.: Anthropological insights for
missionaries, Grand Rapids: Baker Book House 1985, 193ff.). Zur Reife
und Selbständigkeit einer Kirche gehört die eigenständige theologische Reflexion,
die Auseinandersetzung mit dem Evangelium im Licht des eigenen
sozio-kultu-rellen Kontexts. Das wirft natürlich neue Fragen auf: Wie sind
solche lokalen kontextuellen Theologien einzuordnen im Blick auf das Ganze
der Theologiegeschichte und der theologischen Tradition? Und wie sind
umgekehrt westliche theologische Ansätze im Kontext dieser theologischen
Pluralität zu verstehen? Das sind die Fragen, denen sich die Autoren dieses
Bandes zuwenden.
Die Aufsätze gehen zurück auf eine Konsultation im Juni
2004 an der Trinity International University in Deerfield zu Ehren von Paul
Hiebert zu dem Thema „Doing Theology in a Globalizing World“. Der Band ist in
drei Teile gegliedert: (1) Weltchristenheit und theologische Reflexion, (2)
methodologische Fragen im Blick auf eine Globalisierung der Theologie, und
(3) Implikationen einer Globalisierung der Theologie.
In der Einleitung wendet Netland sich den
Schlüsselbegriffen des Buchtitels zu. Er beschreibt die Aufgabe der
theologischen Reflexion als Aufgabe der ganzen Kirche, die nicht nur die
Exegese des Wortes verlangt sondern auch eine Exegese der kontemporären Welt,
und die einmünden muss in Weisheit, die Denken und Verhalten verändert. Der
erste Teil des Buches umfasst drei Aufsätze von Ti6nou, Whiteman und Walls. Ti6nou
weist darauf hin, dass die heutige Wirklichkeit einer „polyzentrischen
Christenheit" auch Auswirkungen haben muss auf das Verständnis der Theologie. Er wendet sich gegen
eine Marginalisierung von Stimmen aus der Dritten Welt und insistiert auf
einem globalen theologischen Diskurs mit einer missiologischen Agenda. Whiteman
skizziert die frühen missiologischen Beiträge Hieberts und stellt sich die
Frage, zu welchen aktuellen Fragestellungen im Themenbereich Globalisierung
- Kirche - Theologie die Ethnologie heute Beiträge leisten kann. Walls in
seinem Aufsatz zeigt auf, dass das Überschreiten kultureller Grenzen in der
Geschichte der Kirche immer auch zu neuen theologischen Fragen und in der
Folge zu einem besseren Verständnis des Evangeliums als Ganzem geführt hat.
Ausgehend von dieser geschichtlichen Beobachtung erwartet er von der
christlichen Begegnung mit den alten Kulturen Afrikas und Asiens heute neue
theologische Impulse, die die theologische Arbeit der Weltchristenheit
befruchten können. Der zweite Teil des Buches beginnt mit einem Aufsatz von
Vanhoozer, eine Perle in dieser Aufsatzsammlung. Vanhoozer stellt sich zunächst
der Kritik an unsrer „big fat Greek method“. Er verweist darauf, dass
Theologie dem Geschichtscharakter und dem WeisheitsCharakter der Offenbarung
verpflichtet sein muss. Dabei entfaltet er zwei Kriterien für eine Bewertung
kontextueller Theologien: das kanonische Prinzip (die Übereinstimmung der
Deutung des Evangeliums und seines Lebensbezugs mit dem Charakter des Weges
Jesu), und die Frage nach der Adäquanz improvisierender Weisheit, die zum
Ziel hat, in neuen Situationen der biblischen Gesamtgeschichte entsprechend
zu handeln. Dabei spielt die weltumspannende hermeneutische Gemeinschaft eine
entscheidende Rolle für die Gestaltgewinnung des Evangeliums in
verschiedenen Kontexten. Es folgen vier weitere Aufsätze zur methodischen
Thematik. Strong und Strong analysieren den Bericht über das Apostelkonzil
in Jerusalem und leiten daraus Aussagen ab im Blick auf die Rolle der
Heiligen Schrift, des Heiligen Geistes und der hermeneutischen Gemeinschaft
für den Prozess einer Globalisierung der Hermeneutik. Strauss untersucht am
Beispiel der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo Kirche die Bedeutung kirchlicher
Bekenntnisse für eine globale Christologie. Sein Fazit: Während kirchliche
Bekenntnisse nicht zu einem allgemein gültigen Maßstab für Rechtgläubigkeit
erhoben werden können, dienen sie doch der Kirche als Fallstudien für das
immer wieder notwendige theologische Ringen um eine biblisch verstandene Orthodoxie in einem spezifischen
Kontext und tragen gleichzeitig zu einer reicheren theologischen Gesamtschau
bei. Van Engen beschäftigt sich in seinem Aufsatz zum Thema „The glocal [sic]
church“ mit der Interaktion und Interdependenz der globalen und der lokalen
Aspekte von Kirche und Theologie. Er spricht von einem sich „gegenseitig
befruchtendem Prozess des kritischen Theologisierens“ auf lokaler und
globaler Ebene, bei dem die verbindenden Aspekte (common humanness, common
faith, common fruit of the Spirit) ebenso berücksichtigt werden wie die lokal
spezifischen Aspekte (diverse cultures, diverse faith stories, diverse
gifts). Priest plädiert als Ethnologe – in Anlehnung an Geertz‘s
„experience-near concept“ – für ein theologisches Arbeiten, das sich nah an
der konkreten Erfahrung von Menschen orientiert. Er erläutert Hieberts und
Ti6nous Modell einer missionalen Theologie am konkreten Beispiel des
moralischen Diskurses zum Thema „Sünde" in der Kultur der Aguaruna
Indianer. Der dritte Teil beginnt mit einem Aufsatz von Carroll, der am
Beispiel der Armen Lateinamerikas die Bedeutung der wirtschaftlichen Entwicklungen
der Globalisierung für die theologische Reflexion reflektiert. Ramachandra
betont die Notwendigkeit einer differenzierten geschichtlichen Betrachtung
der Interaktion von „Ost“ und „West“ und fordert eine kritische
Kontextualisierung des Evangeliums in der westlichen Hemisphäre. Hiebert
Meneses bietet aus ethnologischer Sicht Grundlagen für ein Verständnis der
politischen Dimension des Nationalstaats und der ökonomischen Dimension
einer globalen kapitalistischen Weltordnung. Ihr Ziel ist, die Kirche – hier
hat sie zunächst die Kirche in den USA im Blick – zu einer kritischen
Reflexion ihres eigenen politischen und ökonomischen Umfelds zu befähigen und
auf synkretistische Tendenzen aufmerksam zu machen. Dabei spielt das Hören
auf die globale Gemeinschaft der Kirche eine wichtige Rolle. Plueddemann
skizziert die Herausforderungen der veränderten Missionssituation heute für
bestehende Missionsgesellschaften, während McKinney Douglas Herausforderungen
theologischer Ausbildung im globalen Kontext benennt. Paul Hiebert selbst
schreibt einen Beitrag zur Rolle des Missionars als Mittler in dem Prozess
einer Globalisierung der Theologie. Er sieht den Weg zur Überwindung eines
postmodernen theologischen Pluralismus in der Entwicklung eines
metakulturellen Rahmenwerks, in dem ein echter pluraler Dialog über die Wahrheit
möglich ist. Ott fasst in seinem Aufsatz die Ergebnisse der unterschiedlichen
Beiträge zusammen und geht der Frage nach, wie aus den unterschiedlichen
Fäden lokaler Theologien eine gemeinsame Tapisserie werden kann. Dabei
handelt es sich nicht um fertige Antworten, sondern um Gedanken über einen
Weg in die Zukunft, den die Kirche in ihrer globalen Vielfalt gemeinsam
gehen muss und nur gemeinsam gehen kann.
Die Aufsätze bearbeiten das Thema aus der Sicht
unterschiedlicher Disziplinen. Sie sind auch von unterschiedlicher Qualität.
Alles in allem handelt es sich hier um ein beachtenswertes Buch zu einem
zentralen und aktuellen missionswissenschaftlichen Thema.
Dr. Jürgen Schuster, em 2008-3.
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Outler, Albert C. Das theologische Denken John Wesleys. Kommentiert für
unsere Zeit. Theologische
Studienbeiträge Bd. 4, Christliches
Verlagshaus, Stuttgart, 1991.
Alle evangelikalen Glaubensmissionen haben in der einen
oder anderen Weise ihre Wurzeln in der
Heiligungsbewegung, die auf eine Neubesinnung
auf die Heiligungstheologie John
Wesleys ab etwa 1835 zurückgeht. Da heute
in den evangelikalen Missionen eher presbyterianische Theologie vorherrscht,
ist es nützlich,
sich mit der arminianischen Theologie Wesleys zu beschäftigen, besonders mit
‘seinem Verständnis von Sünde und Heiligung. Dieses Buch bietet einen
guten Einstieg
für den, der Wesleys Theologie näher kommen will.
Klaus Fiedler, em 1992-4.
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Pakendorf, Gunther. Gustav
Pakendorfs Jugend: Eine wahrhafte Geschichte, Berliner Beiträge zur
Missionsgeschichte, Heft 2, April 2001.
Der Verfasser der zweiten Veröffentlichung der Berliner
Beiträge ist Gunter Pakendorf, Associate Professor im Department of Modern
and Classical Languages der Universität Kapstadt und Leiter der
Forschungsgruppe „Mission und Moderne“ der National Research Foundation in
Südafrika. Gegenstand seines Essays ist das im August 1995 von ihm gefundene
Tagebuch, das sein Großvater Gustav Pakendorf in der Ausbildungszeit als
Missionar in Berlin führte und im Oktober 1895 mit der Ankunft im damaligen
Kaffraria (Südafrika) abschloß.
Der 1969 unehelich geborene Pakendorf wächst in einem
unkirchlichen, sozialdemokratischen Elternhaus auf. Die Abwesenheit des
Vaters wird vom Verfasser als ein Hauptmotiv der Wendung an und des
Vertrauens auf Gott verstanden. Im evangelischen Jünglings- und Männerverein findet
der junge Pakendorf eine geistliche Heimat. Hier reift der Wunsch, „auch ein
Missionar zu werden und das Evangl.von Christo dem Gekrezigten den armen
Heiden zu bringen“ (S.10). Der Anlass des Tagebuchs ist vor allem ein
seelsorgerlicher: „es bewahrt vor mancher Sünde“ (S.8). Das Tagebuch
beschreibt drei Abschnitte: (1) die Aspiratenzeit 1889-1895, die der
eigentlichen Aufnahme als Missionskandidat ins Seminar der Berliner Mission
vorausging (nach täglich 10 Stunden Arbeit in der Fabrik folgte der abendliche
Aspirantenunterricht. Der Vater lehnt die Missionspläne des Sohnes
entschieden ab); (2) die Zeit als Zögling im Seminar, (3) die Beschreibung
der Reise von Berlin nach Xhosaland 1895. Über die letzen beiden Abschnitte
erfährt der Leser in Gunther Pakendorfs Beitrag inhaltlich allerdings so gut
wie nichts. So geht es auch nicht um eine theologisch-missionsgeschichtliche
Betrachungsweise; vielmehr wird das Tagebuch einerseits sozialpsychologisch
„als Protokoll einer für angehende Missionare im 19. Jahrhundert durchaus
nicht untypischen Selbstfindung und der Erstellung einer neuen
gesellschaftlichen Identität im sozialen Aufstieg des Großvaters vom Sohn
eines einfachen Arbeiters zum angesehenen Missionar in Afrika gelesen. Zum
anderen wird die Geschichte - sowie der Prozeß des Schreibens und Lesens -
als literarischer Vorgang gewertet, unter Heranziehung erzählerischer Modelle
aus der Literaturgeschichte, sowie als kommunikativer Akt“. Ein Stück
biographischer Missionsgeschichte wird „in einen größeren gesellschaftlichen
Diskurs eingebettet, an dem letztlich auch der Enkel als Leser und Vermittler
der Geschichte beteiligt ist“ (Presse-mitteilung).
Hier werden wichtige Zusammenhänge in interdisziplinärer
Perspektive dargestellt. Kritisch anzumerken ist allerdings, daß der
Missionar und seine Berufung vollständig aus dem gesellschaftspsychologischen
Zusammenhang heraus erklärt werden. Wäre nicht auch eine umgekehrte
Sichtweise denkbar und für einen missionsgeschichtlichen Ansatz angemessen:
das Evangelium von Jesus Christus als transformierende Kraft, die - bei aller
kulturellen Begrenztheit und Konditionierung – wirkliche persönliche und
geistliche Veränderung bewirkt – gestern und heute?
Dr. Friedemann Walldorf, em 2002-3.
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Palmer, Donald C. Managing
Conflict Creatively.
A Guide for Missionaries and Christian
Workers. Pasadena: William Carey Library, 1990.
Dr. Palmer arbeitete
13 Jahre mit Gospel Missionary Union in Kolumbien als Evangelist und
Gemeindegründer und
anschließend 20 Jahre in der
Heimatleitung.
Das Buch ist als Seminarunterlage vorgesehen und in fünf
Teile (je mit Material für zwei bis drei Stunden) aufgeteilt. Die behandelten
Themen sind: 1.) „Die Dynamik des Konflikts“, worin Konflikte als normal und eigentlich
sehr positiv dargestellt werden; 2.) „Methoden der Konfliktbewältigung“,
worin fünf verschiedene Methoden mit ihren Stärken und Schwächen
dargestellt werden; 3.) „Die Bibel und
Konflikte“, worin sieben Beispiele in der Schrift untersucht werden; 4.)
„Konfliktbewältigung lernen“. Hier geht es darum, eine Strategie zu entwickeln; 5.) „Kulturelle Faktoren“. Hier werden mehrere Beispiele aus der Mission dargestellt.
Die beiden Grundfaktoren eines Konflikts, nämlich die
Sache (Lehre, Prinzip etc.) und die Beziehung zwischen den zwei Parteien,
werden klar dargestellt. Unsere Aufgabe
und die eigentliche Kunst ist es, zu
erkennen, welcheArt von Konflikt
jeweils vorliegt, und welche Methode der Konfliktbewältigung am Besten
dazu paßt. Zwei Paradoxe sind
erwähnenswert: 1.) Je mehr wir
jemand lieben, desto mehr Konflikte werden wir mit der Person habe;
2.) Je mehr Konflikte, desto stabiler wird
die Beziehung sein. Konflikte sind nach Meinung des Autors Mittel zu einer positiven Entwicklung
von Beziehungen, wenn sie richtig und rechtzeitig
verarbeitet werden.
Die wenigsten Leiter und
Mitarbeiter sind im Bereich Konfliktbewältigung ausreichend
vorbereitet. Unbewältigte Konflikte sind nach Palmer ein Hauptgrund, warum Missionare vom Missionsfeld zurückkehren. Weil das Buch so praktisch
geschrieben ist, empfehle ich es sehr
gerne. Wir haben dieses Seminar mit unseren Leitern mit viel Gewinn
durchgeführt.
Rod Nidever, em 1994-2.
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Partridge, Christopher
(Hg.). Das Große Handbuch der
Weltreligionen. Wuppertal: Brockhaus, 2006.
Das bewährte Handbuch Weltreligionen war zuletzt 1996 (hg.
u. neu bearbeitet von Wulf Metz) erschienen. Die aktuelle Neufassung des
englischen Originals (The New Lion Handbook „The World's Religions“) liegt
nun in deutscher Übersetzung vor. Herausgeber ist Christopher Partridge, Professor
für moderne Religionen an der Universität Chester in Großbritannien. Über 60
Autoren, vorwiegend aus Großbritannien, haben die - z.T. neu verfassten -
Fachartikel beigesteuert.
Das Konzept einer allgemeinverständlichen Einführung in
die wichtigsten lebenden Religionen wurde beibehalten. Neu ist, dass nun
jeder Religion in mehr oder weniger historischer Reihenfolge ein ganzes
eigenes Kapitel gewidmet ist. Das Christentum wird nicht wie in früheren
Ausgaben zum Abschluss dargestellt, sondern religionsgeschichtlich zwischen
Judentum und Islam eingeordnet. Der Akzent wird damit stärker in Richtung
einer möglichst wenig bewertenden Anordnung gesetzt. Dem Zoroas-trismus wurde
ein eigenes Kapitel als heute noch lebendiger Religion gewidmet. Dargestellt werden
darüberhinaus die Religionen des Altertums (Inkas/Azteken, Alter Vorderer
Orient, Ägypten, Griechenland und Rom, Kelten, Skandinavien), die „einheimischen
Religionen“ (1996 noch „Stammesreligionen“) sowie Hinduismus, Buddhismus,
Jainismus, Sikhismus und die Religionen Ostasiens (China und Japan). Das
eröffnende Kapitel „Religion verstehen“ führt gut verständlich in akutelle
religionswissenschaftliche Perspektiven zur Interpretation und Erforschung
von Religion und Religionen ein. Der gegenwärtigen Bedeutung eines stärker
kulturwissenschaftlichen Religionsbegriffs wird Rechnung getragen: „Was
immer Religion sein mag oder nicht, sie ist zumindest ein rhetorisches Instrument,
das die Mitglieder der betreffenden Gruppe einsetzen, um ihre Gruppenidentität
zu klären“ (13). Die Kurzbiographien klassischer Religionswissenschaftler
sowie Fragen und Hypothesen der historischen Entwicklung der Religionen (UrMonotheismus-These,
Evolutionsthese) werden im Gegensatz zur Ausgabe von 1996 (in der R. Brow vorsichtig
zugunsten der MonotheismusThese argumentierte) nicht mehr thematisiert. Die
Zeittafel der Religionen wurde beibehalten. Um den systematischen Zugang zu
den einzelnen Religionen zu erleichtern, sind die Kapitel soweit wie möglich
in jeweils sechs Themenbereiche gegliedert: (1) historischer Überblick, (2)
Heilige Schriften, (3) wichtige Glaubenssätze, (4) Riten und Feste, (5)
Familie und Gesellschaft und (6) Entwicklungen in der modernen Welt.
Das Kapitel über den Buddhismus wurde fast ganz neu
geschrieben (leider wurde die übersichtliche Graphik zu den verschiedene
Richtungen des Buddhismus entfernt). Mit Recht werden auch problematische
Aspekte des tantri-schen tibetanischen Buddhismus zumindest kurz angesprochen
(S. 194), was einer möglichst unverstellten Wahrnehmung durchaus nicht abträglich
ist. Leider ist der wichtige Artikel über den „Islam in der modernen Welt“
(T. Gabriel) weniger ausführlich und differenziert als der Beitrag von
Nazir-Ali 1996. Die neu eingeführten Abschnitte zu „Familie und Gesellschaft“
stellen die religiösen Systeme stärker in den Kontext der Alltagskultur. Die
biographisch-persönliche Bedeutung der Religion kommt in
„Insider“-Perspektiven unter dem Motto „Ich bin ein… . „ (Hindu, Buddhist,
Sikh … etc.) zum Ausdruck. Eine wichtige und notwendige Neuerung stellt auch
die Integration eines Abschnitts über „Christentum in China von heute“ im
Kapitel über die Religionen Ostasiens dar. Den Abschluss des Buchs bildet
das Kapitel über „Religion in der Welt von heute“.
Es wurde teilweise aktualisiert, etwa durch einen
Abschnitt zu „neuen religiösen Bewegungen“ sowie durch eine Erweiterung von
A. Thiseltons religionsphilosophischer Auseinandersetzung mit der
Postmoderne. Am Rande kritisch anmerken könnte man, dass im Kapitel über das
Judentum die historische Dimension der alten biblischen Religion der Patriarchen
und des Volkes Israel im Vergleich zur 1996er Ausgabe stärker in den Hintergrund
tritt. Der 1996 enthaltene theologische und historische Perspektiven
verbindende Einführungsartikel von David Harley („Die Juden - das erwählte
Volk“) findet sich in der Neufassung ebensowenig G. Cowlings Abschnitte über
Mose und Esra als historische Persönlichkeiten. Kritisch könnte man auch
fragen, warum dem Zoroastrismus mit nur 115.000 heutigen Anhängern ein
eigenes großes Kapitel gewidmet wird, während andere und größere religiöse
Gruppierungen wie z.B. die türkischen Aleviten oder die kurdische
Yezidi-Religion gar nicht erwähnt werden.
Das größere Format des Handbuchs bietet ein großzügigeres
Layout, das ansprechend mit Farbfotos, Graphiken und Zitaten aus religiösen
Quellentexten gestaltet ist. Enthalten ist wieder ein Kurzlexikon mit knappen
Informationen zu religiösen Grundbegriffen und Persönlichkeiten. Ein Index
ist (wie bisher) leider nicht vorhanden, was zwar aufgrund der neuen
Strukturierung leichter zu verschmerzen ist, aber die Gebrauchsmöglichkeit
als Nachschlagewerk einschränkt. Auch weiterführende Literaturhinweise sind
nicht vorhanden. Insgesamt stellt das neue Große Handbuch eine strukturelle
Verbesserung und inhaltliche Aktualisierung eines bewährten Kompendiums dar.
Dr. Friedemann Walldorf, em 2007-3.
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Pasut, Ursula. Frauen in der Welt in der Mission: Geschichte und
Gegenwart des Deutschen Frauen-Missions-Gebets-Bundes (DFMGB). Telos-Taschenbuch. [Jetzt SCM-Hänssler].
Um die Jahrhundertwende entstand unter Frauen eine Bewegung als Antwort auf die besonderen Nöte der Frau in der Dritten Welt.
Aufgrund des Suchens nach ihrem Auftrag
in der Welt und in der Mission gründeten einige Frauen den Deutschen Frauen-Missions-Gebetsbund (DFMG) mit dem Ziel, gemeinsam ihre Gaben in den Dienst
Gottes zu stellen. Die Aufgaben sind unterschiedlich: Praktischer Dienst auf dem Missionsfeld
oder Gebet und Rückhalt in der Heimat. Beide Dienste sind notwendig und gehören
zusammen.
In lebendiger, übersichtlicher Weise schildert Ursula Pasut, eine der Patenmissionarinnen, die Arbeit des DFMG, seine Anfänge und seine Ziele. Sehr anschaulich sind die persönlichen Zeugnisse der Gründerinnen und
Mitarbeiterinnen gehalten.
Jede Frau wird durch dieses Buch angespornt zur
verbindlichen Zugehörigkeit
und Mitarbeit in Gebet, Fürbitte und praktischem Dienst.
Die Adresse des DFMG lautet: Heisterkamp 18, 2000 Hamburg 63.
Elsbeth Schmid, em 1986-1
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Pate,
Larry D. From Every People. A Handbook of
Two-Thirds World Missions with directory
/ histories / analysis.
Monrovia: MARC, 1989.
Larry D.
Pate möchte Lawrence E. Keye’s Buch «The
Last Age of Missions» (Pasadena: W. Carey Library, 1983) auf den neuesten
Stand bringen. Lawrence E. Keyes und Larry D. Pate sind Mitarbeiter von Overseas Crusades (OC) Ministries. Keyes ist Präsident von OC, Pate ist seit 1984 der Koordinator der
Abteilung «Emerging Missions ».
Larry D. Pate möchte
die ganze Breite, das Wesen und das enorme Potential der schnell wachsenden Missionsbewegung der „nichtwestlichen“
Kirchen deutlich machen. Vor etwa 18-20
Jahren hat kaum jemand etwas über
Missionsgesellschaften der sog. Dritten Welt gehört. Seit James Wongs
bahnbrechendem Buch „Missions from the Third World“ (Singapore Church Growth Study Centre, 1972) ist das anders geworden. Weitere Untersuchungen (z.B. Marlin L. Nelson 1976, L. E. Keyes 1980) und Konferenzen
(z.B. Bangalore 1982) haben das Thema aufgegriffen. Heute gibt es etwa
genauso viele Missionsgesellschaften in der sog. Dritten Welt wie in Nordamerika, Hinzu kommt, daß die Zahl der
nichtwestlichen Missionare wahrscheinlich
fünfmal so schnell steigt wie die der westlichen. Dies ist der
Hintergrund für Larry D. Pates Buch.
Es ist ein Handbuch der missionarischen Aktivitäten der Kirchen in Lateinamerika,
Asien, Afrika und Ozeanien. Neben einer 50 Seiten umfassenden Analyse der Entwicklung und gegenwärtigen
Situation bringt
Pates Buch Fallstudien über Malawi, Argentinien
und Indien (74 Seiten) und ein 165 Seiten umfassendes Verzeichnis von
Missionsgesellschaften der Dritten Welt. Letzteres wurde auf Grund von
Eigendarstellungen der Missionen zusammengestellt: Anschrift, leitende Mitarbeiter, Zeitpunkt der Gründung, Zahl der Mitarbeiter um 1980, 1985 und 1988, Zahl der Missionare, die
in einer anderen Sprache als ihrer Muttersprache arbeiten (cross-cultural missio-naries) und Arbeitsfelder der Missionen. Zum ersten Mal ist die Möglichkeit gegeben, die
häufig zitierte Zahl von 15 249 (1982) und 20 000 (1988) Missionaren der
Dritten Welt zu überprüfen. Das ist ein
großes Verdienst.
Aber das Buch hat auch Schwächen. Wo Vergleiche mit westlichen Missionen versucht
werden, drängt sich die Frage auf, ob gleiche oder allgemein übliche
Kategorien verglichen werden (S. 4,
Definition). Da alle Daten auf Angaben der Zwei-Drittel-Welt-Missionen
beruhen, muß gefragt werden, ob diese
genügend überprüft wurden. In persönlichen Gesprächen mit Dr.
Theodore Sri-nivasagam, dem zukünftigen
Generalsekretär der Indian Evangelical Mission, und mit Patrick Johnstone, Autor von Operation World / Gebet für die Welt, wurde das im Blick auf die Daten aus Indien und Afrika stark
bezweifelt.
Dietrich Kuhl, em 1990-2.
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Pechmann, Ralph; Martin
Reppenhagen (Hg.). Zeugnis
im Dialog der Religionen und der Postmoderne. Aussaat
Verlag & Neukirchener Verlag: Neukirchen-Vluyn, 1999.
Pechmann, Ralph; Martin
Reppenhagen (Hg.). Mission
im Widerspruch: Religionstheologische Fragen und Mission morgen. Aussaat Verlag & Neukirchener Verlag: Neukirchen-Vluyn,
1999.
Zwei Veröffentlichungen des Deutschen Instituts für
Jugend und Gesellschaft der Offensive Junger Christen in Reichelsheim
stellen Beiträge zum Thema Christentum und Weltreligionen zusammen, wobei
sich beide Bände inhaltlich stark überschneiden. Während der erste Band die
Vorträge einer Tagung in Reichelsheim enthält, ist der zweite Band ein dazu
als Arbeitswerkzeug dienender umfangreicher Reader mit meist bereits
veröffentlichten Artikeln und Buchauszügen. Ziel ist das Gespräch zwischen
allen Positionen, ‘exklusiven’ wie ‘inklusiven’, ‘evangelikalen’ wie
‘liberalen’. So finden sich auf der einen Seite Beiträge von Peter Beyerhaus,
Werner Neuer, Alister McGrath, Heinzpeter Hempelmann oder Chris Sudgen und
Hanna Josua, im Mittelfeld von Lesslie Newbigin, Gerald H. Anderson und David
G. Bosch, und schließlich von Henning Wrogemann (‘Multiperspektivischer
Inklusivismus’), von Wolfhart Pannenberg und Paul Knitter. Martin
Reppenhagen, der als einziger Herausgeber selbst Beiträge beigesteuert hat,
vertritt jeweils eine von der evangelikalen Sicht herkommende, den
Religionen jedoch sehr offen gegenüberstehende Sichtweise, die er bewußt von
Leslie Newbigin herleitet. Insgesamt verstehen sich die beiden Bände weniger
als Positionsbestimmung, denn als Anregung für ‘liberale’ Christen, Mission
neu zu bedenken, und an ‘evangelikale’ Christen, ihre Sicht der völligen
Ablehnung des Wahrheitsgehaltes anderer Religionen zu überprüfen. Was
darüber zu denken ist, hat meines Erachtens der evangelikale Anglikaner
und Professor in Oxford Alister McGrath im Tagungsband in seinen drei
ausgezeichneten Vorträgen am besten dargestellt.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 2000-2.
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Penner,
Peter F. (Ed.). Christian Presence and Witness among Muslims. Schwarzenfeld: Neufeld Verlag, 2005.
Der vorliegende Sammelband ist eine Veröffentlichung von
Referaten, die bei der Konferenz zum Thema „Presence and Witness among
Muslims” am International Baptist Theological Seminary (IBTS) in Prag im Februar
2004 gehalten wurden. Teilnehmer aus 31 teils muslimischen Nationen, und
renommierte Redner wie Dr. David Shenk von der Eastern Mennonite Missions und
Dr. Kenneth Cragg (leider nicht durch einen Aufsatz im Sammelband vertreten)
zusammen mit Dozenten des IBTS bedachten miteinander das Verhältnis zwischen
Muslimen und Christen auf der persönlichen und theologischen Ebene. Nicht
alle Referate wurden zu Aufsätzen des Sammelbandes. In den Band wurde
außerdem die Prague Declaration on Christian
Presence and Loving Service among Muslims aufgenommen, die während der
Konferenz verfasst worden war. Die einzelnen Aufsätze beschäftigen sich, grob
sortiert, mit drei Fragestellungen: 1. Wie lässt sich der christliche Glaube
liebevoll und überzeugend einem Muslim erklären? 2. Welche Bedeutung hat die
Hijra und das muslimische Verständnis von der Bibel für die Begegnung mit
Muslimen? 3. Wie lässt sich der christliche Glaube in spezifischen Kontexten
(Mittlerer Osten, Zentralasien, Bektashi-Albaner, multireligiöse
Nachkriegsgesellschaft) bezeugen? Das Anliegen des Bandes besteht in der
Erreichung eines zeugnishaften Dialogs, der von offener und freundlicher
Begegnung und Respekt geprägt ist.
Die Prague
Declaration geht vom dreieinigen Gott aus und setzt somit ein klares
theologisches Zeichen gegenüber dem radikalen Monotheismus des Islam. Der
Schöpfergott wird nicht als gemeinsamer Gott bezeichnet, wohl aber die Liebe
zu diesem Gott als „gemeinsame Liebe“. Vollständiges Vertrauen zu diesem Gott
aber ist erst durch Jesus möglich. Dieser Ansatz verdeutlich schon das
Verständnis von Dialog: Wo eine Anknüpfung möglich ist, wird dem Muslim
durchaus zugestanden, etwas Gutes zu intendieren oder auch zu praktizieren;
dabei muss jedoch deutlich werden, dass durch Jesus ein entscheidender und
soteriologisch relevanter Unterschied in der Beziehung zum Schöpfergott
besteht. Der Heilige Geist wiederum ermöglicht eine Gemeinschaft der Anhänger
Jesu untereinander, die große Diversität erlaubt und somit transkulturell möglich
ist. In seinem ersten Aufsatz (Faithful Christian Witness among Muslims;
20-35) weist David W. Shenk darauf hin, dass die Bindung des Islam an die
arabische Kultur durch die Göttlichkeit des arabischen Korans unauflösbar
ist. Die christliche Kirche dagegen ist transkulturell und genau darin auch
ein wichtiges Zeugnis des universalen und kulturell unabhängigen Evangeliums
von Jesus Christus. Der eigentlich missionarische Ansatz der Prague Declaration
liegt im Aufbau einladender Gemeinschaften. Daneben überwiegen Aussagen zum
respektvollen Umgang mit Muslimen, Freundschaftsbeziehungen zu Muslimen,
Dienst für einheimische Gemeinden und Einstehen für Verfolgte Christen aus
muslimischem Hintergrund.
Die Zusammenstellung der Aufsätze wirkt auf den ersten Blick
zufällig und unverbunden. Neben den beiden sehr inspirierenden Aufsätzen von
David W. Shenk stehen zwei weitere zu spezifischen Fragen des islamischen
Glaubens. Alle anderen beschäftigen sich mit spezifischen Regionen.
Besonderes Interesse wird der allgemein interessierte Leser deshalb den
Referaten von Shenk zuwenden, die in der Tat sehr inspirierend sind. Anhand
der Reformbewegung des Islam identifiziert Shenk fünf zentrale Punkte, die
für den heutige Islam prägend und wesentlich sind: die göttliche Herabsendung
des Koran (tanzil), die Errichtung
der islamischen Gemeinschaft in Medina nach der hijra, die Einheit Allahs (tauhid),
und die daraus folgende Lehre von der Notwendigkeit der Unterwerfung aller
Muslime und letztlich aller Menschen überhaupt unter Allah, das Verbot von
Neuerungen (bidah), weil der Islam
unveränderlich ist und das Verbot von „Beigesellung“ zu Allah (shirk), das jeden Götzendienst aber
auch jede Infragestellung Allahs durch eine andere Autorität, z.B. den Staat,
verbietet.
Interessant ist nun der Versuch Shenks, die Begegnung der
Gemeinde mit der islamischen Gemeinschaft (ummah) entlang dieser fünf Reformanliegen des Islam zu
beschreiben. So wird die „göttliche Herabsendung“ (tanzil) mit der göttlichen Inkarnation verglichen und dann auf
die Aufgabe der Gemeinde übertragen: kulturelle Inkarnation in jeglichen
Kontext, um das Evangelium jeder Kultur gemäß zu verkündigen und zu leben.
Der zwingenden Macht der ummah, die
nach der hijra errichtet wurde und
Vorbild und Muster für alle heutigen Versuche eines politischen Islam ist,
steht im vollen Kontrast die Opferbereitschaft der Gemeinde gegenüber, die
ihr Kreuz auf sich nimmt und ihrem Herrn nachfolgt. Die Einheit Gottes (tauhid) ist auch im christlichen
Glauben nicht in Frage gestellt. Jeder Art von Polytheismus muss vehement
gewehrt werden. Neben einer deutlichen Klarstellung, dass Jesus nicht durch
einen geschlechtlichen Akt gezeugt wurde, muss nach Shenk die Gemeinde das
Vorbild Jesu leben. Der Verweigerung jeglicher Neuerung (bidah) steht die eschatologische Hoffnung der Gemeinde auf einen
neuen Himmel und eine neue Erde gegenüber. Diese Hoffnung wird zeichenhaft
schon jetzt auf Erden sichtbar und wird deshalb von der Gemeinde aktiv
verwirklicht: das Reich Gottes ist schon angebrochen, aber noch nicht
vollendet. Allein zum Thema shirk bleibt
Shenk kurz angebunden und wenig schlüssig.
In seinem zweiten Aufsatz (Christian Presence and Witness among Muslims) entfaltet Shenk
anhand von 1.Petrus 2-3 seine Überzeugung von einem zeugnishaften Lebensstil.
Die beiden Fachartikel zur Bibel (Corruption
and/or Misinterpretation of the Bible) und zur Hijra (The Hijra and its
meaning for the Muslim community) sind in ihrem Anspruch sehr
unterschiedlich. Während letzterer einen guten Einblick in das politische Verständnis
des Islam gibt, ist ersterer sehr anspruchsvoll und für den nicht
Vorgebildeten schwer verständlich.
Fazit: Die Aufsätze in diesem Band sind kompetent und
anregend, weisen mutig nach vorne und helfen im Gespräch und in der Begegnung
mit Muslimen. Nicht jeder Aufsatz wird den Leser interessieren, wenn er nicht
mit der speziellen Fragestellung zu tun hat. Aber jeder, der sich mit der
Frage auseinandersetzt, wie wir als Christen mit Muslimen leben und unseren
Glauben bezeugen können, wird eine Reihe von hilfreichen Beiträgen guter
Qualität finden.
Ulrich Neuenhausen,em 2007-2.
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Penner,
Peter F. (ed.). Ethnic Churches in Europe - A Baptist Response. Neufeld Verlag Schwarzenfeld, Oktober 2006.
Dieser Band versammelt Beiträge einer Konferenz zu ethnic
churches in Prag im Juni 2006. Es ist lobenswert, dass er so schnell
veröffentlicht wurde, denn das Thema ist aktuell. Das Buch gliedert sich in
vier Teile. Unter dem Titel „Sociological Studies“ liefert Paul Weller eine
exzellente soziologische Analyse der Begriffe „Europa“, „ethnische
Minoritäten“ und „changing face“ und reflektiert über die Rolle von
Religionen in diesem Feld. Seine „working conclusions“ sind dann
theologischer Art: Er ruft die Baptisten auf, sich gegen Fremdenfeindlichkeit
zu engagieren und stellt fest, dass die Ekklesiologie einer Glaubenskirche
eine „narrative christology“ fordere: Eine solche „christology of invitation
rather than a christo-logy of gatekeeping“ ermögliche ein christliches
Zeugnis in einem multireligiösen und multikulturellen Kontext. Die Hauptherausforderung, der sich
die Kirchen stellen müssten, sei „how to avoid confusing either Christian
witness or Christian unity with the promotion of one cultural or confessional
form of Church.“ Der zweite Teil unter dem Titel „Ethnic churches - a
Biblical mandate“ enthält zwei Aufsätze, die allerdings den Anspruch des
Titels nicht vertreten. Eine Studie von Michael Kisskalt zu „The challenge of
Immigrants in Old Israel According to the Testimony of the Old Testament“
bietet einen guten biblischtheologischen Überblick mit einigen Konsequenzen
für die heutige Praxis im Umgang mit Migranten. Unter dem Titel „Homogeneous
Unit Principle, Ephesians 2 and the Early Church Praxis“ liefert Peter F.
Penner eine intensive Exegese von Epheser 2 sowie einiger Texte aus der Apostelgeschichte.
Er lehnt einen biblizis-tischen Ansatz entweder für oder gegen das
homogeneous unit principle ab und zeigt, dass es bereits in der Urkirche ganz
unterschiedliche Modelle des Kircheseins gab. Dieser Aufsatz ist für eine
innerevangelikale Debatte sicherlich wichtig; im landeskirchlichen Bereich
müsste die kritische Auseinandersetzung jedoch eher bei der Identifikation
von Evangelium und Kultur ansetzen, die im Konzept von „Volkskirche“ (im
Sinne einer ethnischen Kirche!) implizit vorausgesetzt wird. Im dritten Teil
geht es um „Issues of Second Generation Immigrants“. Peter F. Penners
gelegentlich nur schwer nachzuvollziehender und manchmal arg spekulativ
wirkender Artikel über Johannes Markus als Migrant und Christ der zweiten
Generation trägt wenig für die Praxis bei. Dagegen ist Michael Kisskalts Artikel
über Interkulturalität und Integration übersichtlich, praxisorientiert und
pädagogisch gut aufgebaut. Zu bedauern ist allerdings, dass dieser Artikel
wissenschaftlich auf dem Stand der neunziger Jahre verbleibt und damit
geprägt ist von zu statischen Begriffen von Kultur und Identität. Die
gegenwärtige Diskussion um flexible und hybride Identitäten z.B. in den
Kulturwissenschaften (ganz zu schweigen von den postcolonial studies) wird
überhaupt nicht zur Kenntnis genommen.
Der vierte Teil des Bandes schließlich besteht aus
Berichten aus verschiedenen Kirchen und Ländern Europas von sehr
unterschiedlicher Qualität. Sie zeigen eine Vielfalt von Ansätzen in der
interkulturellen Arbeit der Kirchen und die große Unterschiedlichkeit der
jeweiligen Kontexte. Besonders konkret sind die Berichte über die
International Baptist Convention, die Sarka Valley Community Church im
Großraum Prag und vor allem die facettenreiche Studie über die Baptist Union
of Great Britain (BUGB). Dass die BUGB in ihrer theologischen Ausbildung ein
racism awareness training verpflichtend einschließt, setzt ein Beispiel, das
auch anderswo in Europa Schule machen sollte! Alles in allem ist dieser Band
ein brauchbares Buch mit einigen Schwächen, dem eine breite Leserschaft auch
außerhalb evangelikaler Kreise zu wünschen ist.
Claudia Währisch-Oblau, em 2007-3.
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Penner,
Peter F. (Hg.). Theological Education as Mission. Schwarzenfeld: Neufeld Verlag, 2005.
Theologische Ausbildung als Mission. Immer noch überrascht
der Titel des Buches. Kommt die theologische Ausbildung nicht sachlich und
zeitlich nach der Mission? Doch Matth. 28,1820 („lehret sie halten alles,
was ich euch befohlen habe“) gehört zum sogenannten „Missionsbefehl“.
Insofern ist dieses Thema nicht nur hochaktuell, sondern zugleich fest in
einer biblischen Tradition verwurzelt, deren wir uns heute all zu oft nicht
genügend bewusst sind. Theologische Ausbildung als Mission – der Titel ist
zugleich der „rote Faden“ in dieser Sammlung sehr unterschiedlicher Artikel,
was Herkunft, Breite und gedankliche Dichte angeht. Peter F. Penner gebührt
Dank und Anerkennung für die Herausgabe der beinahe 20 Vorträge und
Fallstudien, die im Rahmen einer internationalen Konferenz am Baptist
Theolgical Seminary, Prag, im Februar 2005 gehalten wurden. Das Thema der
Konferenz lautete: „Theological Education as Mission - Mission in Theological
Education“. In dem Sammelband kommen international bekannte Fachleute zu
Wort wie z.B.: Andrew Kirk, David W. Shenk, Duane H. Elmer oder Linda Canell.
Sie haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer wieder zur Integration
von Theologie, Mission und Theologischer Ausbildung angeregt. Dazu kommen
dann aber auch aufschlussreiche Beiträge osteuropäischer Theologen. Sie
reflektieren gesammelte Erfahrungen im Bereich theologischer Ausbildung -
meist im Kontext von Missionsarbeit. Hier werden spannende Fragen gestellt
und eigenständige Überlegungen angestellt (z.B. Kap. 11 „Towards Convictional
Theological Education“ von Parush R. Parushev). Manchmal überraschen bereits
die Titel, wenn z.B. Lina Andronoviene ihren Beitrag überschreibt: „On
Baptistic Monasticism as Educational Mission“. Als Leser erhält man Einblicke
in Theologische Ausbildungsstätten und ihren jeweiligen Kontext, die
hierzulande noch nicht so bekannt sind. Damit wird ein wichtiger Beitrag
geleistet im Zusammenwachsen europäischer theologischer Ausbildung. Beim
Lesen des Buches stellt sich allerdings auch Ernüchterung ein. Manche der
Fragen und Klagen sind nicht wirklich neu. Schon seit Jahren sind sie zu
hören und zu lessen, z.B. die Frage nach der Kontex-tualisierung
theologischer Ausbildung oder die notwendige Zusammenschau von Mission,
Theologie und Fragen der Erwachsenenbildung. Ist theologische Ausbildung
wirklich so „träge in ihrem Herzen“, dass (zu) wenig Innovation erfolgt?!
Anderseits stellt der Sammelband ein Mut machendes Buch
dar, denn er zeigt, wie ein Miteinander von Ost und West bereichernd ist,
wenn wir lernbereit sind - in Ost und West. Einige der Artikel erschienen
parallel zum Buch im Common Ground Journal Vol. 3 (1/2005), das hiermit
ebenso empfohlen sei. Mich personlich hat der Beitrag von Andrew Kirk -
einem der „Altmeister“ innovativen Denkens über Theologische Ausbildung - zum
Nachdenken herausgefordert. Immer noch hat Kirk die Kraft, unverdrossen,
mutig und weit reichend zu träumen, wenn er in seinem Beitrag ein Curriculum
entwirft, von dem er sagt: „I do not know personally of any theolgical
institution that has adopted a curriculum like this“ (S.16 in seinem Beitrag
mit dem Titel: Reenvisioning the Theological Curriculum as if the Missio Die
mattered).
Wer sich für den Zusammenhang von Mission und Theologischer
Ausbildung interessiert, der erlebt beim Lesen, was Peter Penner in seinem
Vorwort als Ziel formuliert: „These papers have been collected to stimulate
further discussion on theological education“ (S.12).
Traugott Hopp, em 2007-4.
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Pfister, Jürg. Motivation der Generation X. Das Potential
der Generation X als Herausforderung für christliche Gemeinden und
Missionswerke. Nürnberg: VTR, 2003.
Wenn ein Praktiker sich die Zeit nimmt, strukturiert über
sein Lieblingsthema nachzudenken, dann kommt dabei allermeist etwas sehr
empfehlenswertes heraus. So ist es auch bei Jürg Pfisters „Motivation der
Generation X“. Jürg Pfisters Liebe zur Weltmission verbindet sich in diesem
Buch mit seiner Liebe zur Generation X und reflektiert wissenschaftlich die
Möglichkeit, die postmoderne Jugend heute für Gottes ältestes Anliegen zu gewinnen,
dass „Menschen aus allen Völkern Vergebung, Befreiung und Frieden durch Jesus
Christus finden und ihn tief zufrieden und glücklich anbeten.“ Pfister
analysiert dafür sehr eindrücklich die Generation X und hilft dem Leser aus
seiner reichen Erfahrung heraus diese Generation nicht nur zu verstehen,
sondern auch lieben zu lernen. Daraufhin geht er speziell auf die Situation
von Gemeinden und Missionswerken ein und erläutert in anschaulicher Weise,
wie der Umgang mit der Generation X für alle Seiten am fruchtbringendsten
wird. Seine detaillierte Beschreibung der Motive sowie die verschiedenen
Beispiele gelungener Motivation der Generation X machen dieses Buch zu einer
Fundgrube für interessierte Leser.
Der Wert der vorliegenden Arbeit liegt zum großen Teil in
seiner Praxisnähe. Meisterlich leitet Pfister hilfreiche Thesen her und
untermauert sie mit empirischen Erkenntnissen. Dabei greift er nicht nur auf
christliche Autoren zurück, sondern versucht vor allem den aktuellen Stand
der Motivationsforschung für diese Fragestellung fruchtbar zu machen. Die
Bibliographie enthält wertvolle Hilfen zur Vertiefung des Gesagten. Auch wenn
einige seiner Aussagen vielleicht nicht mit den Erfahrungen seiner Leser
übereinstimmen, schmälert das nicht den Wert der Studie. Es ist sehr
schwierig eine Generation zu beschreiben, die sich mit aller Macht versucht
den Kategorien der Wissenschaft zu entziehen. Eine weitere Stärke des Buches
liegt in Pfisters kritischer Reflektion der Generation X im Licht der Bibel.
So zeigt er Bereiche auf, in denen ihr Blick für Gottes Werk erweitert werden
muss und in denen ihre eigenen Lebenseinstellungen durch das Licht des
Evangeliums in die richtige Richtung gelenkt werden müssen.
Dieser letzte Aspekt hätte aber meiner Ansicht nach ein
stärkeres Gewicht bekommen müssen. Pfisters Studie tendiert eher dazu, die
positiven Seiten der Generation X herauszustellen. Man spürt dem Stil des
Buches auch ab, dass es ursprünglich als eine wissenschaftliche
Abschlussarbeit und nicht als ein Leitfaden für Gemeinden und Missionswerke
geschrieben wurde. Dennoch ist es gut lesbar. Eine sehr spannende Frage
behandelt Pfister leider nur am Rande: Ist die Generation X wirklich ein
Vorausläufer späterer Generationen? Stimmt es, dass mit der Generation X eine
neue Zeit angebrochen ist und alle folgenden Generationen in ihren Fußspuren
gehen? Wenn ja, dann hätte seine Studie nicht nur gegenwärtigen Wert. Jedoch
ist es so, dass die Generation Y (oder die Generation @ wie Pfister sie
nennt) in unseren Gemeinden heranwächst und bereits in unseren Bibelschulen
und auf unseren Missionsveranstaltungen auftaucht. Es zeigt sich, dass diese
Generation aber einen ganz anderen Ansatz hat. Dennoch ist Pfisters Buch für
das Verständnis und die Motivation von der Generation X das beste, was ich im
deutschsprachigen Kontext kenne.
Hans Walter Ritter, em 2003-4.
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Pirolo, Neal. Berufen
zum Senden. Praktische Tips für verantwortungsbewußte Christen. Neuhausen: Hänssler, 1993.
Wie kann eine Gemeinde
Missionare wirksam unterstützen? Zu diesem wichtigen Thema gabes bisher kaum etwas auf Deutsch zu lesen. Pirolo
bietet dazu eine Fülle hilfreicher Gedanken. Er unterscheidet sechs Bereiche
der Unterstützung: Moralische Unterstützung, verwaltungstechnische
Unterstützung (diese beiden Übersetzungen
treffen nicht ganz, was gemeint
ist, lassen es aber ahnen), Geld, Gebet, Kontaktpflege, Rückkehr. Ein
Leitfaden für Gruppenarbeit zu jedem Kapitel soll die einzelnen erkennen
lassen, wo ihre Gabe liegt und in welchem Bereich sie für einen Missionar
Verantwortung übernehmen wollen. Bei dem Versuch
der praktischen Anwendung wird allerdings
deutlich, daß ein Buch, das ursprünglich für amerikanische
Verhältnisse geschrieben ist, nicht einfach nur ins Deutsche übersetzt werden kann. Es müßte eigentlich neu geschrieben werden unter Berücksichtigung von Strukturen, Frömmigkeit und Theologie im
deutschsprachigen Raum. Haben wir denn niemand dazu? Manches in dem Buch
wirkt übertrieben: Es beginnt mit
dem drastischen Beispiel einer
jungen Frau, die sich nach einem Kurzzeiteinsatz
das Leben nehmen will, weil ihr Pastor sie in der Gemeinde nicht berichten
läßt.
Integriert wird ein
Kapitel von Luis Bush über das 10/40 Fenster, dessen Text wenig überzeugend
ist, dessen 7 farbige Karten aber umso attraktiver sind. Leider sind diese
willkürlich mitten im „Leitfaden“ plaziert. (Dieses Kapitel ist auch als Sonderdruck bei OM, Pf 1561, D-74819 Mosbach
gegen eine Spende erhältlich.)
Christof Sauer, em 1994-3.
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Poll, Evert
W. van de. Sacred
Times for Chosen People. Development,
Analysis and Missiological Significance of Messianic Jewish Holiday Practice
(Missiological Research in the Netherlands 46), Zoetermeer:
Uitgeverij Boekencentrum, 2008.
Das vorliegende Buch, eine 2008 von der ETF Leuven
angenommene Dissertation, untersucht die Praxis und missiologische Bedeutung
der Feier jüdischer Festtage in der messianisch-jüdischen Bewegung. Der Autor
ist baptistischer Missionar und Pastor in Frankreich und steht der von ihm
untersuchten Bewegung mit Sympathie gegenüber.
Der Autor gibt zunächst einen Überblick über die
Entstehung der jüdisch-messianischen Bewegung von der jüdischen
Emanzipation (schrittweise Beendigung der Diskriminierung und bürgerliche
Gleichstellung der Juden in Europa im Zuge der Aufklärung) bis zur Gegenwart
(Kap. 2 und 3; 31-192): Die Emanzipation brachte ein Ende der Zwangschristianisierung
und ermöglichte den Anfang christlicher Mission unter Juden im Zusammenhang
des Pietismus und des Aufbruchs der klassischen Missionsgesellschaften
nach William Carey. Aus diesen Missionsbemühungen entstanden im 19. Jahrhundert
– auch angesichts von Antisemitismus und Assimilationsdruck – in Europa,
Nordamerika und Palästina eigenständige Gruppen und Gemeinden „hebräischer
Christen“, die Vorläufer des heutigen messianischen Judentums.
Der Autor richtet sein Augenmerk hier vor allem auf den Umgang
der Bewegung mit der jüdischen Festpraxis und auf die theologischen Fragen,
die im Rahmen dieser Entwicklung diskutiert worden sind, wie die Frage nach
der Wiederherstellung Israels (restorationist eschatology) und der Rolle der
Beachtung der Thora. Es wird gezeigt, dass die „hebräischen Christen“ im
Blick auf die Umsetzung der jüdisch-religiösen Praxis, abgesehen von der
Passah-Feier, meist eine „minimalistische“ Position vertraten (86) und einer
Integration z.B. der Sabbat-Beachtung in den Gemeinden kritisch
gegenüberstanden, da sie die Rechtfertigungslehre unterhöhle und die Einheit
der Kirche gefährde. Auch die Verdrängung des eigenen, oft orthodox-jüdischen
Hintergrunds habe hier eine Rolle gespielt. Dennoch habe man begonnen,
einzelne jüdische Traditionen, wie z.B. Gebete, zu integrieren, um neuen Konvertiten
den Zugang zu erleichtern. Damit sei auch das grundlegende theoretische
Interesse an den biblisch-jüdischen Festen und der Sabbat-Feier gewachsen,
obwohl die Feste abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen nicht praktisch
begangen worden seien.
Zu einer wachsenden Praxis jüdischer Festtage sei es erst
mit dem Aufkommen der jüdisch-messianischen Bewegung seit Ende der 1960er
Jahre gekommen. Dieser Neuanfang der Bewegung sei auf dem Hintergrund der Shoa geschehen, des
nationalsozialistischen Genozids an der jüdischen Bevölkerung in Europa, der
zwar zusammen mit der sonstigen jüdischen Bevölkerung auch die hebräisch-christlichen
Gemeinden fast ausgelöscht, andererseits aber die Identifikation der
überlebenden hebräischen Christen mit dem Judentum deutlich verstärkt habe.
Zum eigentlichen Neuanfang der Bewegung kam es jedoch von ganz anderer
Seite her, und zwar im Rahmen der Jesus-People-Bewegung
unter den Hippies in Kalifornien Ende der 1960er Jahre. Etwa 30% der
bekehrten Studenten und Jugendlichen seien jüdisch gewesen. Diese Anfänge
hätten zunächst in den USA, dann auch in Europa und Israel zu einem großen
zahlenmäßigen Aufbruch und einer Revitalisierung und Verschmelzung mit
der älteren Bewegung geführt. Erst in diesem Zusammenhang habe sich nun
auch immer stärker die Praxis der Feier jüdischer Feste als Ausdruck
jüdisch-christlicher Identität im Unterschied zu nicht-jüdischen Christen
entwickelt und sei zum Durchbruch gelangt. Dabei betonten jüdische Christen,
dass es sich dabei weniger um jüdische, als „biblische Feste“ handelt – im
Unterschied zum christlichen Festkalender, der nachbiblisch ist. In der
Bewegung ließen sich drei Sichtweisen unterscheiden: 1. messianische
Juden sollen nur die biblischen (und nicht die christlichen) Feste begehen,
2. sie können darüber hinaus auch die christlichen Feste feiern, 3. auch
nichtjüdische Christen sollten zu den biblischen Festen zurückkehren (179).
Das 4. Kapitel (193-288) bietet eine detaillierte Analyse
der liturgischen Festpraxis (Sabbat, Passah, weitere Feste). Untersucht wird
der liturgische Kalender, die inhaltliche Bedeutung der Feste, die rituelle
Praxis und die Motivation/ Ziele der Feiern. Das 5. Kapitel (289-361)
diskutiert diese Praxis aus missiologisch-theologischer Perspektive. Der Autor
belegt hier überzeugend seine These, dass der ausgesprochen missionarische
Charakter der Bewegung, das Interesse und die Integration des jüdischen
Erbes verstärkt hat und zu einer vertieften Inkulturation und Kontextualisierung
geführt hat. Dabei versteht der Autor die messianisch-jüdische Festpraxis
durchaus als Restoration jüdischer Wurzeln, aber mehr noch als Inkulturation
im Kontext gegenwärtiger jüdischer Religion und Kultur mit dem Ziel, Juden
zum Glauben an Jesus einzuladen. Die Feste seien einerseits „boundary markers“
gegenüber anderen christlichen Traditionen, vielmehr aber der Versuch, das
Evangelium für jüdische Menschen vertraut und heimisch zu machen.
Der Anhang des Buchs enthält eine komparative Tabelle
biblischer, jüdischer und christlicher Feste, einen Namens- und Sachindex und
eine Bibliographie. Ein empfehlenswertes Buch für alle, die sich näher mit
der messianisch-jüdischen Bewegung und grundlegenden Fragen der
Kontextualisierung und interkultureller Hermeneutik befassen wollen.
Dr. Friedemann Walldorf, em 2009-2.
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Pollock, David C.; Ruth E.
Van Reken. The
Third Culture Kid Experience. Growing up among Worlds. Intercultural Press: Maine/USA, 1999.
Vor einigen Wochen bekomme ich einen Brief aus Afrika. Die
Absenderin empfiehlt mir wärmstens ein Buch. Ich bin überrascht, denn gerade
bin ich dabei, genau dieses Buch zu lesen. Vor kurzem in Amerika erschienen,
hat dieses Buch über Missionarskinder (MK) bereits ferne Winkel dieser Erde
erreicht. So liegt eine Empfehlung in „em“ nahe.
Schon der Titel „The Third Culture Kid Experience. Growing up among worlds“
beeindruckt mich. Er spiegelt meine Erfahrung wider, und ich war
gespannt auf die Beschreibung.
Als erwachsenes MK, mit einer denkbar guten
MK-Vergangenheit, fühle ich immer noch eine innere Unrast. Mich in Deutschland
festzusetzen, erscheint mir ‘verwerflich und komisch’. Wie verbindet sich
dieses Lebensgefühl mit meinem Christsein? Eine Frage, die nicht einfach zu
beantworten ist. Was ist Gottes Ruf?
Ehrliche und direkte Sachlichkeit und viel
schichtige Differenzierung werden mit einem persönlich gehaltenen Stil
verbunden. Third Culture Kids (TCKs) brauchen sich auf Dauer weder als
exotische Außenseiter, noch als ‘Missionsopfer’ zu verstehen, auch wenn diese
Rollen phasenweise unser Leben begleiten. Pollock und Van Raken fordern
heraus, „gegen das Verdrängen“ anzudenken. Mit viel Realismus für unsere
Biographien zeigen sie Chancen und Möglichkeiten, den Reichtum an Erfahrung
(= erfahrener Reichtum) hoffnungsvoll in das weitere Leben zu investieren.
So ein ein positiver Ansatz ist wohltuend. Es geht hier
nicht um das inzwischen schon klassische ‘Problem MK’, sondern einfach um
das (Er-)Leben von TCKs.
Beim Lesen wurde ich oft 15, 25 ja 30 Jahre in die eigene
Vergangenheit mitgenommen. Viel Erkennen unter Lachen und Weinen, verstanden
werden, aufatmen - und dann ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit für die Mühe
der Autoren bleiben mir schon nach dem ersten Lesen dieses Buches.
Magdalene Hopp, em 2000-2.
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Porter, David (Hg.). The Word on the Box. Carlisle: Paternoster
Press, 1997.
„Wenn jemand voraussagen wollte, wie die Radio- und
Fernsehlandschaft in zehn Jahren aussieht, ist nur eines gewiß: Was immer jemand
vorhersagen mag, es wird sich als falsch herausstellen“ (Justin Phillips,
BBC). Dennoch wagen Philipps und vier weitere in der britischen Medienszene
bekannte Fachleute Analysen und Prognosen. David Porter hat redaktionell
bearbeitet, was die fünf im Mai 95 in den ‘London Lectures’ des ‘Institute of
Contemporary Christianity’ zusammengetragen haben. Auch wenn die Redner bzw.
Autoren ausschließlich von Erfahrungen und Trends ausgehen, die britische
Radio- und Fernsehsendungen betreffen, bleibt es dem Leser in Zentraleuropa
überlassen, Vergleiche anzustellen mit dem heimischen „Markt“. Daß die Veranstalter
von Radio- und Fernsehsendungen ihr Publikum als großen Markt betrachten,
erfahren inzwischen ja auch wir zur Genüge.
Robert McLeish (Ausbildungsleiter bei BBC) stellt die
Frage, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk Diener oder Leiter ist. Die Antwort
liegt auf der Hand: er ist beides; das begründet McLeish auch. Man wünscht
sich sehr, daß sein Rat von verantwortlichen Medienleuten befolgt wird:
„Glaubwürdigkeit ist wichtiger als die Kosten.“ Eine leitende Funktion haben
Radio und Fernsehen, weil sie nicht nur zu berichten haben über das Was, Wann
und Wo, sondern auch über das Wie und Warum.
Aufschlußreich ist J. Philipps mit seinem Beitrag „Sind
‘mehr Nachrichten’ eine gute Nachricht?“ Er nimmt Stellung zu der auch
hierzulande bekannten Abhängigkeit von der Einschaltquote und dem sträflichen
Vergehen der Verantwortlichen, nicht Inhalt und Qualität einer Sendung gelten
zu lassen, sondern die Einschaltquote zum alleinigen Gradmesser zu machen.
Auf dem Symposium wurde auch über die künftige Entwicklung
der elektronischen Medien gesprochen. Nur wenige wissen in Großbritannien
(und auch bei uns), was auf die Gesellschaft zukommt. Die meisten ahnen
nichts von der elektronischen Revolution, die längst begonnen hat. Christen
müssen aufpassen, daß die Entwicklung nicht an ihnen vorbeiläuft!
Im letzten Beitrag wird die Frage gestellt, ob „religiöse
Sendungen“ für die ganze Nation geeignet sind oder nur für ein Ghetto. Diese
Überlegungen sind uns nicht unbekannt. Tim Dean (Commissioning Editor, BBC
World Service) warnt z. B. davor, die Redaktion religiöser Sendungen Leuten
zu überlassen, die keine Ahnung von der Sache haben. Weiter warnt er davor,
religiöse Themen ihrer geistlichen Inhalte zu entleeren bzw. den Glauben
nicht ernstzunehmen, den es zu vermitteln gilt.
Diese fünf Vorträge von 1995 haben kaum etwas von ihrer
Aktualität eingebüßt. Wer wissen will, was Christen in England über „ihren“
Rundfunk denken, und daraus Schlüsse ziehen möchte für unsere
Medienlandschaft, der sollte zu diesem Buch greifen. Man wünschte sich
vergleichbare Überlegungen auch für Radio und Fernsehen in unserem Land.
Horst Marquardt, em 1998-1.
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Poston, Larry. Islamic
Da’wah in the West. Muslim Missionary Activity and the Dynamics of Convention to Islam. New York / Oxford:
Oxford University Press, 1992.
Dieses Buch ist eine der wenigen gelungenen Darstellungen muslimischer Missionstätigkeit in
der westlichen Welt. Zum Titel muß allerdings
einschränkend bemerkt werden, daß Poston
unter „the West“ eigentlich nur die USA versteht, deren Boden ca. 1717
die ersten muslimischen Sklaven betreten
haben. Gelegentlich wirft Poston einen Blick auf die Situation im benachbarten Kanada; die muslimische Mission in Europa behandelt das Buch jedoch nicht.
Erfreulicherweise geht
es in diesem Buch nicht nur oberflächlich um islamische Missionsstrategien,
sondern auch um deren theologischen Hintergrund. Grundsätzlich war in der
Vergangenheit islamische Missionsarbeit dadurch gekennzeichnet, daß der ‚Ruf
zum Islam’ an Nichtmuslime nur dort erging, wo das entsprechende Gebiet zuvor von muslimischen Truppen durch den jihäd erobert worden
war, so daß sich der Islam als
‘Besatzerreligion’ in einer mächtigen Position befand. Christliche
Missionare kamen dagegen vorwiegend in der unterlegenen
Position des Gastes in oft feindlich
gesonnene Länder und versuchten, in einer nichtchristlichen Umwelt einzelne Menschen zum Übertritt zum Christentum zu bewegen. So
bedeutete der Übertritt zum Islam in der Regel Anpassung und Vergünstigung, der Übertritt zum Christentum dagegen
Auflehnung gegen das eigene Volk und Land und häufig Verfolgung. Daß
Muslime in den USA heute nicht in dieser
politisch überlegenen Position sind, führt sie zu neuen Missionsstrategien.
Interessant und
kenntnisreich ist ferner Postons Analyse sunnitischer und schiitischer
muslimisch - missionarischer Gruppierungen. Ihre Wurzeln verfolgt er bis in
ihre Herkunftsländer,
die die amerikanische muslimische Mission teilweise erheblich unterstützen. Die Darstellung der ägyptischen Muslimbruderschaft
und der pakistanischen Anhängerschaft Abu
1-A’lä al-Maudüdis in den USA zeigt die doppelte Stoßrichtung muslimischer
Mission auf: Sie möchte Muslime zum missionarischen Leben motivieren sowie Nichtmuslime vom Islam
überzeugen. Dies geschieht durch verschiedene Missionsorganisationen - die
Poston im einzelnen nennt und beschreibt -
und ihre breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit. Aktive Mission geschieht vor allem durch Literatur, aber
auch durch Vorträge, Koranverbreitung, Medienarbeit,
Jugendlager, Gefängnisarbeit und ‘Freundschaftsevangelisation’ unter
amerikanischen Christen (!). Nicht Polemik, sondern positive Überzeugungsarbeit ist auch für muslimische Missionare
das Gebot der Stunde. Moscheen sind nicht
nur Gebetsräume, sondern nehmen als islamische Zentren vielfältige
Funktionen wahr. Sie stärken die muslimische Gemeinschaft nach innen und sind
der Ausgangspunkt für verschiedene Aktivitäten nach außen. Den Abschluß des
Buches bildet eine ausführliche Analyse
der Hintergründe und Motive für die
Bekehrungen zum Islam in Amerika, die sich unter anderem auf eine Befragung
der ca. 5000 muslimischen Konvertiten in den USA gründet.
Dr. Christine Schirrmacher, em 1995-4.
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Pousson,
Edward K. Spreading
the Flame -Charismatic Churches and Missions
Today. Grand Rapids:
Zondervan, 1992.
Seitenlange Vorbemerkungen sowie etliche Leerseiten
zwischen den zehn Kapiteln lassen den eigentlichen Text dieser vom Fuller
Seminary angenommenen Dissertation auf 148 Seiten schrumpfen. Der Verfasser,
Edward Pousson, entstammt einer
unabhängigen charismatischen Gemeinde im Süden Louisianas (USA). Bevor er mit dem Theologiestudium begann, war
er als Missionar seiner Gemeinde in Haiti, Ghana
und Malaysia tätig. 1986 gründete er gemeinsam mit anderen die Missionsagentur
„Golf-Staaten“, die von einem Netzwerk charismatisch-unabhängiger
Gemeinden im Süden der USA getragen wird.
Sie gehört zur 1985 gegründeten US
- Charismatischen Dachorga
nisation AIMS (Association of
Internationa] Missions Services). Deren Geschichte und die zunehmende
Vernetzung unabhängiger charismatischer Gemeinden und Werke miteinander beschreibt der Autor. Zielsetzung seines Buches ist es, noch schlummerndes Missions-potential
unabhängiger charismatischer Gemeinden zu
wecken. Pousson will außerdem einer
entscheidenden charismatischen Schwäche
abhelfen: einer zu unreflektierten Missionstheologie, die sich einseitig mit Zeichen und Wundern, Geistesgaben, Heilung und Erfolg beschäftigt (so ua. 49f 81, 105, 137, 150ff).
Der Verfasser sieht sich als Brückenbauer
zwischen charismatischen Eiferern und soliden evangelikalen Missiologen. Dabei denkt er vor allem in den Bahnen der Gemeindewachstumsbewegung
und des strategischen Ansatzes von Ralph
Winter.
„Spreading the Flame“ ist die erste Dissertation über die
charismatischen Missionen. Diesem Unterfangen, eine Tür zu einem bisher
missionstheologisch kaum beachteten Thema aufzustoßen, muß man Respekt
zollen. Allerdings zeugen Wiederholungen (zB. 78, 83, 89, 107, 112) und
redaktionelle Erläuterungen (zB. 114, 129, 136, 155) von einer nicht immer
eindeutigen Gliederung. Der Lesefluß wird durch die den einzelnen Kapiteln jeweils
angehängten Fußnoten zusätzlich erschwert. Eine Bibliographie fehlt leider völlig.
Joost Reinke, em 1995-2.
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Powell, Philipp Wayne. Tree
of Hate. Propaganda and Prejudices Affecting
United States Relations with the Hispanic World. Ross House Books:
Vallecito CA, 1985.
Ross House Books druckte 1985 das 1971 in einem großen säkularen Verlag (Basil, New York)
erschienene Buch des kalifornischen Geschichtsprofessors Philipp W. Powell
nach, in dem dieser versucht, die Legende zu widerlegen, die Spanier seien
in der Kolonialisierung besonders grausam gewesen. Im Vergleich zu andern Völkern
seien die Spanier, behauptet Powell, im Gegenteil sogar von ihren christlichen Wurzeln her oft eher für einen
juristischen Schutz der Indianer
eingetreten als andere Völker. Das riesige spanische Weltreich gehörte zu den stabilsten, friedlichsten und
deswegen am längsten währenden
Reichen der Geschichte.
Diese Sicht beinhaltet auch eine Wertschätzung der
Geschichte eines von der römischkatholischen Kirche geprägten Volkes und seines Anteils an der Welt- und Missionsgeschichte,
die dem protestantischen Amerika sonst
fremd ist. Die evangelikale Missiologie hat sich mit der katholischen Missionsgeschichte immer schwer
getan. Dies wird besonders daran deutlich, daß sie sich auch kaum mit der ‘katholischen’ Missionsgeschichte vor der
Reformation beschäftigt, also mit der Mission zu einer Zeit, als es
protestantische Mission noch gar nicht geben konnte (vgl. dazu aber das
Bestellangebot S.93).
Die These Powells wird
neuerdings auch von anderer Seite häufiger vertreten, und zwar auch
immer stärker von den Betroffenen Einwohnern
Südamerikas selbst (so etwa von Felipe Fernandez-Armesto: „Freispruch für den
Angeklagten“. Rheinischer Merkur Nr. 26 vom 26.6.1992. S.19, ganzseitig).
Thomas Schirrmacher, em 1993-3.
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Priest,
Doug Jr. Doing
Theology with the Maasai. Pasadena: William Carey Library, 1990.
Priest war ein Jahrzehnt Missionar unter den Maasai in
Kenya und Tanzania und hat die Maa-Sprache
gelernt. Dabei war für ihn das Opferverständnis dieses Hirtenvolkes
von zentraler Wichtigkeit. In seiner Studie stellt er nun
missionstheologisch und anthropologisch das Opferverständnis im AT und NT dem
Maasai-Verständnis und ihrer Opferpraxis gegenüber. Die Unterschiede zeigen
sich an den jeweiligen positiven und negativen Funktionen der Opfer.
Die positiven
Funktionen biblischer Opfer sind auf Gott bezogen: Verehrung, Ergebenheit,
Gemeinschaft, Danksagung, Selbsthingabe in Gebet und Leben, sowie Wohltätigkeit. Die negativen Funktionen dagegen betreffen die
Sühnezwecke. Biblische Opfer involvieren tierische
Opfer, materielle Gaben und reuevolle Herzen. Bei den Maasai sind
Opfer Riten zur Kommunikation mit Gott, bei denen meist ein Tier geschlachtet wird. Ihre positiven Funktionen
sind mit Verehrung Gottes und Danksagung
verbunden, während negativ, wie in der Bibel, Sühne bezweckt wird. In einem
weiteren Schritt versucht Priest durch verschiedene Methoden der Kontextualisierung
das biblische Verständnis für die Maasai bedeutungsvoll zu machen. Ob ihm das gelungen ist, müssen Maasai beurteilen. Anderen Missionaren empfiehlt er,
Riten, denen sie begegnen, erst einmal mit
Umsicht und gründlich zu
studieren, bevor sie ein Urteil darüber abgeben. Für die Maasai kommt er zum Ergebnis, daß nicht alle ihre Opfer abzulehnen sind,
sondern einige auch weiterhin im Christentum praktiziert werden können, z.B.
solche, die nur auf Gott
ausgerichtet sind. Dies gilt jedoch nicht,
wenn sie als Sühneopfer verstanden werden, weil Jesus das letzte Opfer ein für allemal war (Hebr 10,18).
Darüberhinaus müsse den Maasai erklärt werden, daß der Segen Gottes nicht
durch Opferverhalten erlangt wird, sondern alles aus Gottes Liebe stammt,
die in seinem Wesen begründet ist. Ein wertvoller Beitrag für die
Missionstheologie und die Arbeit unter
den Maasai.
Leonard Mtaita, em 1994-1.
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Raeder, Siegfried. Antworten auf den Islam. Texte christlicher
Autoren vom 8. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Neukirchener Verlag:
Neukirchen-Vluyn, 2006.
Der unlängst verstorbene Professor für Kirchengeschichte
und Lutherforschung an der Tübinger Evangelischen Fakultät hat in seinem
letzten Werk eine umfangreiche Sammlung christlicher Verlautbarungen zum
Islam aus 13 Jahrhunderten zusammengetragen. Das Buch ist nicht nur für
einen historischen Blick in die Geschichte der christlich-muslimischen
Kontroverse hilf reich, sondern bietet gerade auch durch die Beleuchtung der
Vergangenheit Pespektiven für den heutigen Dialog.
Nach einer Einführung in die Geschichte der
christlich-muslimischen Kontroverse präsentiert Siegfried Raeder einige
kürzere Korantexte, die dem Leser einen kleinen Einblick in die Rolle Muhammads,
die koranische Beurteilung Jesu, sowie die islamische Auffassung von Sünde
und Vergebung vermitteln. Im dritten und umfangreichsten Teil des Buches
werden schließlich Texte christlicher Autoren über den Islam im (ins Deutsche
übertragenen) Original zitiert. Es wird deutlich, dass über mehrere
Jahrhunderte die christlichen Kirchen den Islam als „Kult der Ismaeliten“
oder „Vorläufer des Antichristen“ (Johannes von Damaskus, Mitte 8. Jh.) zwar
polemisch ablehnten, aber sich nicht wirklich fundiert mit seinem Anspruch
auseinander setzten. Der Islam galt als „primitiv“ und „lächerlich“, als
„Häresie der Sarazenen“ (31), deren moralische Schwächen offensichtlich
seien. Eine gründlichere Kenntnis des Islam ist erst ab dem Hochmittelalter
zu verzeichnen. Einen Wendepunkt markiert die von dem Abt des Klosters
Cluny, Petrus Venerabilis, 1142/1143 in Auftrag gegebene Koranübersetzung ins
Lateinische, wurde doch jetzt die erste Quelle des Islam – der Koran selbst –
zugänglich gemacht. Es war dies auch eine Zeit, in der die wissenschaftliche
Überlegenheit des Orient für Europa offensichtlich wurde und der Gedanke der
Notwendigkeit von Mission unter Muslimen Gestalt gewann (so z. B. bei Raimundus
Lullus, 12321316).
Siegfried Raeder fügt dieser Sammlung von Verlautbarungen
aus den ersten Jahrhunderten repräsentative Stimmen der Christenheit bis zum
20. Jahrhundert hinzu (Martin Luther, Samuel Zwemer, Hendrik Kraemer).
Schade, dass die neue „Handreichung“ der EKD „Klarheit und Gute
Nachbarschaft“ vom Ende des Jahres 2006 nicht mehr in das im selben Jahr
gedruckte Werk mit eingehen konnte und daher nur die ältere Fassung aus dem
Jahr 2000 besprochen wird, die nach Raeders Auffassung „eher geneigt (war),
Illusionen zu nähren als Klarheit zu schaffen“ (212). Man hätte auf die
Beurteilung Raeders der neuen „Handreichung“ der EKD von 2006 gespannt sein
können. – Insgesamt ein interessantes Studienbuch zur Geschichte der
Begegnung zwischen Christentum und Islam.
Prof. Dr. Christine Schirrmacher, em 2007-3.
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Raeder, Siegfried. Der Islam und das Christentum. Eine
historische und theologische Einführung. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener
Verlagshaus, 2001.
Siegfried Raeder, Prof.
em. für Kirchengeschichte an der Universität Tübingen, hat hier eine
detaillierte, zweiteilige Studie zum Thema Islam und Christentum vorgelegt.
In einem ersten Teil behandelt er die islamische Geschichte mit Ausblick auf
einige islamische Länder in der Gegenwart, formuliert Grundzüge der
islamischen Theologie, der Philosophie und Mystik und zeichnet Grundlinien
des islamischen Rechts nach. In einem zweiten Teil widmet er sich dem
Verhältnis zwischen Islam und Christentum und behandelt die einzelnen
orientalischen Kirchen, die muslimisch-christliche Begegnung der ersten
Jahrhunderte sowie einige der tiefgehenden theologischen Unterschiede
zwischen beiden Religionen, die nicht zuletzt die Frage des Heils völlig unterschiedlich
beantworten. Es ist Raeder gelungen, einen kompakten wie soliden Überblick
über den Islam zu vermitteln, den er immer wieder im Spiegel des Christentums
betrachtet. Deutlich erteilt der Autor dabei einer Religionsvermischung eine
Absage, um den „Muslim einen Muslim und den Christen einen Christen sein zu
lassen“. Ebenso deutlich kommt zum Ausdruck, dass der Islam ein ganz anderes,
die Konvertitenverfolgung nicht ausschließendes Menschenrechtsverständnis
hat.
Geringfügige
Ungenauigkeiten (z. B. Himmelfahrt Marias [54]; Unterscheidung zwischen
Imamiten und Zwölferschiiten [49]; Gründung der al-Azhar im 10. statt im 11.
Jh.; Glaubensbekenntnis nicht korrekt [98]) schmälern den Wert der Studie in
keiner Weise. Mehr zu bedauern ist es, daß das Thema „Koran“ nur hier und da
ganz kurz gestreift, bzw. die Entstehungsgeschichte des Korans überhaupt
nicht behandelt wird. Wenn daher für den Koran pauschal angenommen wird, es
handle sich „um lauter authentische Worte Muhammads“ (211) - was nur für
Muslime unumstritten ist - während einige von biblischen Texten selbst
vorgenommene Datierungen und die Autorschaft einzelner Bücher als
‘vermeintlich bibeltreu’ abgelehnt werden, dann scheinen hier
unterschiedliche Maßstäbe angelegt worden zu sein; eine Ausleuchtung der
Textgeschichte des Korans hätte durchaus Ansatzpunkte zu umfassender
Textkritik geboten. – In jedem Fall ein wertvolles Lehr- und Studienbuch zum
Islam aus christlicher Perspektive.
Dr. Christine Schirrmacher, em 2003-1.
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Ramachandra, Vinoth. Gods That Fail. Modern
Idolatry and Christian Mission. Carlisle (GB): Paternoster Press, 1996.
Suchen Sie etwas Erholsames für den Urlaub? Eine
erbauliche, erfrischende Lektüre? Lassen Sie dann dieses Buch lieber im
Schrank stehen. Ramachandra möchte uns nicht auferbauen, sondern
beunruhigen. Er möchte uns nicht dazu ermutigen, wie bisher weiterzumachen,
sondern die Botschaft unserer evangelistischen Arbeit in Frage stellen. Die
Welt fordert von uns Relevanz. Ramachandra fordert biblische Wahrheit. Der
moderne Mensch hat sich zu seinem eigenen Götzen erklärt. Die Botschaft der
christlichen Mission tendiert oft dahin, den Götzen zu ernähren, anstatt ihn
zu zerstören. Glaube ohne Buße wird zum Mittel, um materiellen Segen und
eine jensseitige Lebensversicherung zu erlangen und ist nicht mehr dankbare
Hingabe an den Gott, der sich im Leben, im Tod und in der Auferstehung Jesu
Christi offenbart. So wird ein Privatglaube gepredigt, der uns selber
ergötzt, nicht aber die biblische Botschaft, die Konsequenzen fordert sowohl
für unser privates Leben als auch für das öffentliche Leben, Politik,
Wirtschaft und Gesellschaft miteingeschlossen.
Es ist laut Ramachandra das Versagen der westlichen
Thelogie, daß Gott von dem Platz verdrängt (displaced) wurde, der ihm
gebührt. Nicht die Person und das Werk Jesu Christi stehen im Mittelpunkt der
Aufmerksamkeit westlicher Theologen, sondern die Forderungen des Rationalismus
und der philosophischen Apologetik. Die Naturwissenschaften, die ihre
Berechtigung aus dem biblischen Schöpfungsbericht ableiten, werden zur Begründung
der Theologie herangezogen. Dadurch verliert die Theologie ihren Sinn und
ihre Vollmacht, die Naturwissenschaften verlieren ihre Grundlage, ihre Moral
und ihren Halt.
Ramachandra will uns zeigen, wie das christliche
Abendland sich von der Schrift entfernt hat, und möchte uns zu einer
biblischen Weltanschauung zurückführen. Er untersucht die Entfernung von der
Schrift durch die verschiedenen Philosopien und erläutert den Einfluß von
Marx und Freud auf das christliche Denken, sowie die Unterschiede ihrer
Ansätze zur biblischen Offenbarung. Damit liefert Ramachandra einen
wichtigen Denkanstoß für die moderne Gemeinde Jesu.
Cambron Teupe, em 1998-2.
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Rapold, Walter F. Der Gott, der abends heimkommt. Die
Inkulturation des christlichen Gottesbegriffs in Rwanda durch Ernst Johanssen
(1864-1934) anhand der Imana-Vorstellung. Volketswil, 1999.
Das vorliegende Buch ist
die von der Universität Freiburg/Schweiz 1997 im Fach Missionswissenschaft
angenommene Dissertation Walter Rapolds, der 1975-79 und 1986-92 in Butare
Theologie unterrichtete. Es ist ein beeindruckender Beitrag zur kontroversen
Diskussion über afrikanische Gottesbilder, der von der Entscheidung des
Betheler Missionars Ernst Johannssen ausgeht, Gott nicht, wie es die vor ihm
angekommenen katholischen Missionare getan hatten, mit dem aus dem Swahili
übernommenen Wort Mungu zu übersetzen, sondern mit dem Kinyarwanda Begriff
Imana (worin ihm 60 Jahre später die katholische Kirche folgte).
Die Arbeit profitiert
davon, dass der Autor alle drei nötigen Quellensprachen beherrscht. So kann
er sowohl eine über das bisher geleistete hinausgehende Darstellung des
Lebens und Denkens Johanssens geben als auch alle vorhandenen Quellen über
Imana verwenden und neue nutzen. In diesem Prozess setzt er sich mit zwei Extrempositionen
auseinander, zum einen mit Bernardin Muzungu, der unter Nutzung der scholastischen
Theologie in den traditionalen Imanabegriff zu viele Elemente rückwirkend
hineininterpretiert und mit André Coupez, der das traditionale Verständnis
Imanas auf eine diffuse Kraft, praktisch immer mit „Chance“ übersetzbar, reduziert.
Rapold argumentiert, dass Johanssen Gott nicht mit Imana übersetzt habe,
sondern Imana, im Sinne Paul Ricoeurs, als Metapher verwende, die das
traditionale Gottesverständnis mit dem christlichen in Beziehung setzt (S.
434f) und dadurch eine Neuprägung des Begriffs und seine Bereicherung
ermöglicht, ein Prozess, der auch stattgefunden hat, sichtbar daran, dass
rwandesische Theologen wie Alexis Kagame weite Bereiche des christlichen
Gottesverständnisses in die traditionale Zeit zurückprojizieren.
Nach ausführlicher
Darstellung und Diskussion der Quellen und der unterschiedlichen
Interpretationen fragt Rapold, ob die Wahl Imanas für Gott berechtigt und
geschickt gewesen sei. Er antwortet, dass Johanssen überlegt und mit guten
Gründen den eher diffusen Begriff Imana gewählt habe und die (von Johanssen
vorausgesehene) Anreicherung und Korrektur des Imanaverständnisses auch
tatsächlich stattgefunden habe, wenn auch einige nichtchristliche
Vorstellungen (z.B. Imana als unabwendbares und oft willkürliches Schicksal)
noch Wirkmächtigkeit behalten haben.
Rapold beklagt aber, dass
in diesem Prozess die starken dynamischen Aspekte des Imanaverständnisses
nicht genügend bewahrt worden seien, was durch eine Aufnahme des
Ruach-Verständnisses im AT gut hätte geschehen können. Rapold schliesst
daraus, dass es rückblickend vielleicht besser gewesen wäre, wenn Johanssen
für Gott Vater das Wort Rurema (oft als Schöpfer gesehen und nicht klar von
Imana getrennt) genutzt hätte und Imana, der ja stark als Kraft gesehen
wurde, als Metapher für Gott den Heiligen Geist genommen hätte. Da es für
eine Änderung zu spät ist, empfiehlt Rapold, in Predigt und Lehre dem
Heiligen Geist und seiner Kraft (aufbauend auf Ansätzen aus der
Ostafrikanischen Erweckung und aus der Charismatischen Bewegung) besondere Aufmerksamkeit
zu schenken und dazu geeignete Linien aus dem traditionalen Imana-Verständnis
zu nutzen.
Ich empfehle das Buch
gerne allen, die Johanssen oder Rwanda besser kennenlernen wollen, aber
besonders denen, die sich mit den Möglichkeiten des afrikanischen
Gottesverständnisses genauer auseinandersetzen wollen.
Um die grosse Arbeit
besser zugänglich zu machen, empfehle ich eine französische Ausgabe und ein
Buch in Kinyarwanda (über vernachlässigte Aspekte des Imanaverständnisses).
Es wäre auch eine Erleichterung gewesen für die Leser, wenn englische und
französische Zitate ins Deutsche übersetzt worden wären.
Das Buch kann direkt bei
der Buchhandlung des Studienzentrums der AEM, Postfach 1129, 70807 Korntal,
e-mail: icb@aem.de bezogen werden; für sFR. 49.90 bei W.F.Rapold@pop.agri.ch.
Klaus Fiedler, em 2003-1.
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Raupp, Werner (Hg.). Gelebter
Glaube. Erfahrungen und
Lebenszeugnisse aus unserem Land. Ein Lesebuch. Metzingen: Franz, 1993.
Der neueste Titel von G. W. Peters - Förderpreisträger
Raupp enthält unter 49 biographischen
Lese-Stücken zu württembergischen Glaubensvorfahren
auch 7 zur Mission: Johann Martin Mack, Christian Gottlob Barth, Württemberg
und Basel, Samuel Hebich, Johann Ludwig
Krapf, Friedrich Autenrieth und Karl Hartenstein. Doch auch andere
Beiträge erhellen den Hintergrund, aus
dem ein wichtiger Beitrag zur
deutschen Missionsarbeit hervorgegangen ist. Die aus Archiven und Büchern geschöpften
Stücke sind teilweise zum Vorlesen in Missions- und Gemeindekreisen geeignet. Am meisten schmunzeln mußte ich über
Hebich, vor dem sich ein englischer Major in Indien unter dem Sofa verkroch.
Christof Sauer, em 1994-2.
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Raupp, Werner. Christian Gottlob Barth:
Studien zu Leben und Werk. Quellen und Forschungen zur württembergischen Kirchengeschichte Bd.
16. Calwer Verlag: Stuttgart, 1998.
Christian Gottlob Barth gehört zu den großen Gestalten des
württembergischen Pietismus, auch wenn er im Schatten seiner Zeitgenossen,
Ludwig Hofacker (1798-1828) und Johann Christoph Blumhardt (1805-1880) steht.
Wie Friedrich Hegel, Christian Friedrich Spittler und Wilhelm Hoffmann
gehörte auch C.G. Barth, Schriftsteller, Pädagoge, Naturforscher und Verleger
zu den Nachkommen der Glaubensflüchtlinge, die in Württemberg eine neue
Heimat fanden.
Durch ein gründliches Quellenstudium rückte Raupp mit
diesem hervorragenden Buch den Vertreter der Erweckungsbewegung in ein
helleres Licht und schrieb ein bemerkenswertes Kapitel der reichen Geschichte
des württembergischen Pietismus und der deutschen Erweckungsbewegung. Nach
einem allgemeinen Überblick, der bis zu seinem Tod (1862) reicht, schildert
Raupp das Leben des die Grenzen des württembergischen Königreichs
überschreitenden Barth. Im zweiten Kapitel beschreibt Raupp kritisch als
Barths traditionsgeschichtlich-biographisches Umfeld den klassischen
Pietismus ablösenden württembergischen Spätpietismus (ca. 1780-1815) von der
Zeit der Französischen Revolution bis zur Neugliederung Württembergs nach
Napoleon.
Die ersten 25 Lebensjahre lassen sich in drei große Phasen
einteilen: Kindheit und Jugendzeit in Stuttgart, wo Barth durch das
Elternhaus und den Pietismus unauslöschliche Eindrücke empfängt. Dem folgt
die Studienzeit in Tübingen (1817-1821) im Evangelischen Stift, einer der
wichtigsten Keimzellen der württembergischen Erweckung und Ort einer
hervorragenden Ausbildung.
Im Schlußkapitel stellt Raupp als zweiten Schwerpunkt
Barths Werke, Lieder und Periodika in einer eindrucksvollen Weise dar und
dokumentiert die große Arbeitskraft Barths und seine Wirkungsgeschichte. Das
neue aus Literatur und Forschung gewonnene Barth-Bild geht weit über die
bisherigen Hauptbiographien hinaus, indem es Barths theologische und missiologischen
Werke kritisch untersucht und mit knappen Erläuterungen einführt. Es beschreibt
den Volks- und Jugendschriftsteller, Dichter, Publizist und Verleger und
zeigt Barth als „eifrigen Förderer der Naturwissenschaften“, wegen seiner
„wohl in der Welt einzig dastehenden Sammlung von Exponaten aus dem Gebiet
der Fauna und Flora, wie auch der Ethnologie und Paläontologie.“
„Gottes Reich in Stuttgart“ prägte das Denken dieses
schwäbischen Querdenkers, der zeitlebens unverheiratet blieb, weil er keine
Zeit zum Heiraten fand und vor untätigem „Quietismus“ warnte. Sein Blick ging
jedoch weit über die Grenzen Württembergs hinaus. So wurde er zum Förderer
der internationalen und die Konfessionsgrenzen sprengenden Basler Mission.
Barth war eine schillernde Persönlichkeit. Der imposante und bewunderte
„Reich-Gottes-Streiter“ galt als „Sonderling“ und „pietistischer Zyklop“. Er
war geistreich und entschlossen und weihte sein Leben „der Verherrlichung
des Wortes Gottes“. Barth war überzeugt: „Gottes Reich kommt in Kürze“. Dem
rational denkenden Theologen war „die ganze Bibel und nichts als die Bibel“,
Standort seines Denkens, Handelns und Lebens. Durch eine „wunderbare
Verwandlung“ entstehe der effektiv gerechtfertigte Mensch. Sich selbst bezeichnete
Barth als „kleinen Gott“ und „als unnützer Knecht“, der „Gott helfen darf“,
aber nicht einmal tue, was er zu tun schuldig sei.
Der schwäbische Reich-Gottes-Arbeiter wurde zu einem der
größten und bedeutendsten Unternehmer und Schriftsteller des 19. Jahrhunderts.
Über 600 Schriften und Beiträge, an die 250 veröffentlichten Lieder und über
50 Gedichte, sowie 9 Periodika, an denen er als Begründer und Fortführer
maßgeblich beteiligt war, gehen auf ihn zurück. Die eigentliche Größe des mit
einem Bein im theokratischen „Altwürttemberg“ und mit dem anderen im
verweltlichenden „Neuwürttemberg“ stehenden Barth, war seine Glaubwürdigkeit.
Sie machte Barth zum Vorbild eines pietistisch gesinnten Christen und zu
einer der herausragenden Gestalt der Erweckungsbewegung der württembergischen
Kirche und Landesgeschichte.
Werner Raupp hat mit dieser gründlichen wissenschaftlichen
Arbeit einen wertvollen Beitrag zur Geschichte Württembergs und der gesamten
Missionsgeschichte geliefert.
Prof. Dr. Karl Rennstich, em 1999-4.
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Raupp, Werner. Mission in Quellentexten. Geschichte der
Deutschen Evangelischen Mission von der Reformation bis zur Weltmissionskonferenz Edinburgh 1910. Verlag der Liebenzeller Mission, Bad Liebenzell; Verlag der Evang.-Luth. Mission, Erlangen 1990.
Mit diesem
Dokumentarband ist endlich eine bereits seit Jahrzehnten (!)
bestehende empfindliche Lücke der
kirchengeschichtlichen und missionswissenschaftlichen Forschung geschlossen.
Zum ersten Mal gibt es damit eine umfassende Zusammenstellung repräsentativer
Quellen der Geschichte der älteren
deutschen evangelischen Mission,
die bekanntlich von der Reformation
bis zu ihrem Einmünden in die
internationale Missionsbewegung bei der Weltmissionskonferenz Edinburgh 1910 reicht, mit der das
Zeitalter der Ökumene beginnt. Aus diesen
vier Jahrhunderten hat der Herausgeber,
der Kirchengeschichtler Werner Raupp, eine imponierende Fülle an Material zusammengetragen,
das auch die Judenmission (z.B. S.448-455
Franz Delitzsch und Gustaf Dalman) und wirkungsgeschichtlich relevante
außerdeutsche Beiträge (z.B. S.61-63
Hadrian Saravia; S.301-304 Hudson Taylor)
einschließt.
Mit Ausnahme der Beiträge des 16. und 17. Jahrhunderts werden die deutschsprachigen Texte im Original wiedergegeben; fremdsprachliche
Quellen – aus dem Lateinischen, Englischen,
Französischen und Jiddischen – sind übersetzt. Die Texte, die Raupp
mit einleitenden Erläuterungen hilfreich
kommentiert, umfassen Dokumente der
Missionstheorie (theologische und missiologische Konzeption, Vorträge, kirchliche Erlasse, Utopien) als auch der missionarischen Praxis (Erlebnisbe
richte, Aufrufe, Predigten,
Tagebuchaufzeichnungen). Auswahl und Vielfalt attestieren dem
Herausgeber eine profunde Kenntnis der Quellenlage, was sich nicht zuletzt
an der Berücksichtigung mehrerer Archivalien und Autographen zeigt (z.B. S.51: Missionsfürbitte aus dem Jahre 1582). Selbst verschollen geglaubte
Schriften, die der Herausgeber wieder auffand (z.B. S.238 - 240: Traktat der
London Missionary Society von 1798, das zur Gründung des ersten Missionsvereins führte), werden zugänglich
gemacht. Beachtenswert ist auch die große
Anzahl der Erstveröffentlichungen in deutscher
Sprache (vgl. bes. S.127-133: G. W.
Leibniz) und die zu den Texten angegebene Sekundärliteratur, die eine noch
nie dagewesene Bibliographie zur Missionsgeschichte darstellt. Das Werk ist sorgfältig gearbeitet und
hält wissenschaftlichen Ansprüchen stand. Allerdings vermißt man (!) ein für
ein solch umfangreiches Werk notwendiges
Register.
Einen verhältnismäßig breiten Raum finden Texte aus den
missionslosen ‚saecula obscura’ (Vorwort
S.ll), dem 16. (S.13-59) und dem 17.
Jahrhundert (S.61-126), wobei die Reformatoren ausführlich zu Worte
kommen. Bedeutsam aus diesem Zeitalter
sind vor allem die Aufrufe und
originellen Pläne von Para-celsus,
Justinian von Welz und Arnos Comenius
sowie der in Vergessenheit geratene erste protestantische Missionsversuch von
1557 in Brasilien. Aufschlußreich sind auch die im 17. Jahrhundert nicht verstummenden Einwendungen römisch-katholischer Kontroverstheologen, die die passive Haltung der evangelischen Kirchen zur Mission „zu Recht“ (Hg, S.71) heftig kritisierten. Repräsentativ sind auch die Texte des 18. Jahrhunderts (S.127-229). Sie umfassen neben Leibniz und den beiden
ersten protestantischen Missionsgesellschaften,
der Dänisch-hallischen und der Herrnhuter, unter anderem auch die Aufklärung (Semler, Reimarus) sowie die deutsche Klassik (Goethe, Herder). Das 19. Jahrhundert (S.231-462), das auch als das Große Missionsjahrhundert in die Geschichte einging, beginnt mit der deutschen Erstveröffentlichung von Auszügen
aus William Careys klassischer
Schrift Enquiry into the punkten, Arbeitsgebieten, Stellung des
Missionars und Missionsstrategie
gegenübergestellt. Dies führt abschließend zu einer Darstellung von
Zukunftsplänen und einer Analyse von
Faktoren, die Gemeindebau fördern bzw.
hindern. Nach Bömer soll Evangelisation auf die Sättigung des Landes
mit lebendigen Gemeinden zielen. Der
Anhang macht fast das halbe Buch aus: Quellentexte, Statistiken,
Gemeindeordnungen und Satzungen, wichtige Briefe etc. Der Leser erhält einen
guten Überblick über die geistliche Situation Österreichs, insbesondere über
Freikirchen. Auf Grund der Vielfalt werden andere Konfessionen und
Gruppierungen nur kurz gestreift. Seit dem Erscheinen des Buches ist der Bund
Evangeli-kaler Gemeinden gegründet worden,
ebenso neue Gemeinden. Gewünscht hätte ich mir an manchen Stellen eine
bessere Darstellung der Gemeindeaufbaumethodik sowie ein Register. Dennoch
ist es ein nützliches Studienbuch für freikirchliche Gemeindegründer.
Dieter Trefz, em 1992-4.
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Reifler, Hans Ulrich. Handbuch
der Missiologie. Missionarisches Handeln aus biblischer Perspektive, Edition
afem, mission academics 19. Nürnberg: VTR, 2005.
Während die erste Fassung in Schulen und Gemeinden gelesen
wurde und ihre Wirkung hatte, schrieb Hans Ulrich
Reifler für seinen Unterricht am theologischen Seminar St.
Chrischona konsequent an seinem Buch weiter. Er integrierte jetzt auch
deutsche Literatur (auch aus der edition afem und Artikel aus em), nahm weitere Themen auf, vertiefte
und erweiterte die bisherigen. Ich möchte das neue Buch hier lediglich kurz
vorstellen. Das neue umfangreiche Werk von 650 Seiten ist eher ein
Nachschlagewerk und beansprucht, ein Handbuch zu sein. Es behandelt wichtige
Themen, wenn man sie hier auch in einer eigenen Systematik eingeordnet
findet. Das Kapitel Einführung in die
Missiologie zählt ca. 55 Seiten, wobei Begriffe definiert und erklärt
werden, Aufgabe und Umfang besprochen und das Verhältnis zur „übrigen“
Theologie untersucht werden. Das Kapitel Missionstheologie
umfasst 65 Seiten und bespricht Sinn und Zweck, Ursprung, Fundament, Inhalt,
Begründung, Adressat, Träger, Ziel und Ende der Mission. Missionsgeschichte ist der größte Teil des Buches, unterteilt
nach Zeitepochen in 15 Kapitel mit insgesamt ca. 175 Seiten. Hier findet man
die neueren Missionsverständnisse und die Entwicklung der evangelikalen
Missiologie. Vergeblich sucht man hier neben Peter Beyerhaus, Klaus Bockmühl,
George W. Peters, der AEM und der Schule in Korntal den Arbeitskreis für
evangelikale Missiologie und andere Initiativen. Dagegen sind wichtige
Konferenzen und Erklärungen zusammengefasst. Unter Missionsanthropologie (ca. 85 Seiten) werden die
Herausforderungen von Mission und Kultur sowie Denkansätze in Kulturen,
Sprachen und Gesellschaften besprochen. Kulturschock, Akkulturation und Kulturveränderung
dürfen hier nicht fehlen. Ein Exkurs zur Frauenbeschneidung soll als Beispiel
der Auseinandersetzung dienen. Mission
im Zeitalter der Globalisierung ist ein wichtiges Kapitel, dem 22 Seiten
gewidmet sind. Entstehung, Merkmale und Herausforderungen für die Mission
sind hier besprochen. Die Interkulturelle
Kommunikation umfasst 32 Seiten, wobei die Diskussion der Geschichte,
Begründung und Sprachen in die Kontextualisierung einmündet. Dafür werden
Modelle und Beispiele vorgestellt und die Methode des Geschichtenerzählens
für das Verständnis des Evangeliums erwähnt. Missionsstrategie erhält 35 Seiten. Die Begründung, Entstehung
münden in Modelle und Entwicklung von Strategien ein, wofür dann Beispiele
gegeben werden, vor allem für die Gemeindegründung. Die Wege in die missionarische Praxis wenden sich an Interessenten,
Kandidaten und Missionare selbst. Die Berufung und deren Bestätigung,
Situationen im Missionsdienst, Voraussetzungen, aber auch Hindernisse
erhalten hier ihren Platz.
Dann folgen die Missionsgemeinde, Missionarskinder und die
sinnvolle Gestaltung des Heimataufenthaltes. Nach der online-Verbindung mit
Freunden wird diskutiert, wie Paulus seine Missionsarbeit finanzierte. Dabei
werden Kostenvergleiche mit Missionaren aus der Zweidrittelwelt angestellt
und die Funktion gemeinnütziger Organisationen diskutiert. Member Care und
Geistesleitung schließen das Kapitel ab.
Das letzte Kapitel (30 Seiten) enthält Übungen zu den
Texten der Lausanner Bewegung von 1974 und 1989, wobei auch Horst Marquardt
zu Wort kommt. Das Forum 2004 in Thailand schließt diese Diskussion ab. Weiterführende
Literatur und didaktische Fragen nach jedem Kapitel sind wertvoll und regen
zur Verwendung in den Schulen und Gemeinden an.
Eine intensive Diskussion, Bewertung dieses Buches sowie
eine Auseinandersetzung damit erscheinen zwingend erforderlich. Der
wissenschaftliche Tiefgang, die Relevanz für die Praxis sowie die Gewichtung
durch den Umfang, die Einordnung der Themen und Verarbeitung der Literatur
fordern geradezu zur Diskussion unter Fachleuten heraus.
Andererseits sind hier in einem Band für unsere Zeit
wichtige Informationen angeboten, die man sich sonst in vielen anderen
Büchern zusammensuchen muss. Wie schon angesprochen, wünsche ich Gemeinden
und den Schulen, in denen die erste theologische Grundlage gelegt wird, diese
Lektüre.
Prof.Dr. Klaus W. Müller, em 2006-1.
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Reifler, Hans Ulrich. Missionarisches Handeln am
Ende des 20. Jahrhunderts. Eine Einführung in die Missiologie. Brunnen Verlag: Giessen, 1997.
Mit diesem Buch legt der langjährige Brasilienmissionar
Hans Ulrich Reifler den beachtenswerten Versuch vor, in einem einbändigen
Werk eine „praxisbezogene und allgemeinverständliche Einführung in die
wichtigsten Bereiche der Missiologie zu geben“ (S. XIII). Entstanden ist
das Buch aus dem Missiologie-Unterricht, den Reifler neben seiner Tätigkeit
als Gemeindeleiter nach seiner Rückkehr in die Schweiz am Theologischen Seminar
St. Chrischona erteilte. Nach einer Einführung in die Prolegomena zur
Missiologie stellt Reifler das Erbe der deutschsprachigen Missiologie dar.
Dem Kapitel über Missionstheologie folgen die Bereiche „Missionsanthropologie“
und „transkulturelle Kommunikation“. Danach geht Reifler auf Fragen der
Missionsstrategie und der Missionspraxis ein. Abschließend stellt er die ihm
wesentlich erscheinenden „Kennzeichen einer evangelikalen Missiologie für das
21. Jahrhundert“ dar (11 S.).
In den meisten Kapiteln gibt Reifler zu den jeweils
angesprochenen Themen kurz zusammengefaßt die maßgeblichen Gedanken führender
evangelikaler Missiologen wieder. Die die jeweiligen Kapitel abschließenden
„didaktischen Fragen“ zur Wiederholung des Stoffes und der Hinweis auf
„weiterführende Literatur“ lassen den Ursprung des Buches als Lehrkonzept an
einem Theologischen Seminar erkennen.
An einigen Stellen des Buches läßt der Autor den Leser
mit der bloßen Zusammenstellung verschiedener Stellungnahmen aus der
Literatur allein, so z. B. bei der Frage, welche Voraussetzungen für den
Missionsdienst wichtig seien (S. 219ff.) Eine zusammenfassende Synthese oder
persönliche Stellungnahme des Autors wäre an solchen Stellen wünschenswert
gewesen.
Dadurch, daß Reifler den mutigen Versuch wagt, auf nur 288
Seiten eine Einführung in die wichtigsten Bereiche der Missiologie zu geben,
ergeben sich vom Unfang des Stoffes her gesehen einige Fragen: Kommen z. B.
in den kürzeren Kapiteln über Missionsanthropologie (24 S.) und
Transkulturelle Kommunikation (12 S.) nicht manche Themen zu kurz? So wird z.
B. die in der Praxis so entscheidende Frage „Wie denken und fühlen Menschen
in unterschiedlichen Kulturen?“ lediglich auf zwei Seiten abgehandelt.
Abgerundeter wirkt hingegen das umfangreichere Kapitel über „Das Erbe der
deutschsprachigen Missiologie“ (56 S.), das wertvolle Einblicke vermittelt.
Dem Buch wäre von daher in einigen Bereichen eine
Erweiterung (vielleicht auf die im Vorfeld der Veröffentlichung angekündigten
400 S.) und eine weitere Überarbeitung auch im Hinblick auf einige
stilistische Mängel - zu wünschen. Eine Bibliographie, die die gesamte in den
Fußnoten aufgeführte Literatur enthält, sollte zudem unbedingt am Ende des
Buches abgedruckt werden.
Besonders wertvoll macht Reiflers Buch, daß ihm immer
wieder die Praxiserfahrung des Autors und sein brennendes Herz für das Anliegen
der Mission abzuspüren ist. So kann man das Buch zurecht als eine „hilfreiche
und motivierende Einführung“ (S. XI) in die Missiologie bezeichnen.
Missionare, Missionskandidaten, Bibelschüler, aber auch andere an der
Mission interessierte Christen werden es mit Gewinn lesen.
Andreas Baumann, em 1998-2.
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Reinhardt, Wolfgang. Das Wachstum des Gottesvolkes. Biblische
Theologie des Gemeindewachstums. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht,
1995.
Wolfgang Reinhardt analysiert in seiner Dissertation das
Wortfeld „Wachstum des Gottesvolkes“ im Alten und Neuen Testament und
exegetisiert dann ausführlich alle damit zusammenhängenden Texte der
Apostelgeschichte und des lukanischen Werkes überhaupt. Es ist faszinierend
zu sehen, wie häufig dieses Thema in der Bibel angesprochen wird und ebenso
erstaunlich, wie oft es heute überlesen wird. Es sei gestattet, in einer missiologischen
Zeitschrift die lingustischen und exegetischen Methoden, die Reinhardt
anwendet, undiskutiert zu lassen und gleich auf den in 19 Thesen ausführlich
entfalteten systematischen und praktischen vierten Hauptteil hinzuweisen (S.
308-350), der – für eine Dissertation heutzutage ungewöhnlich – direkt von
Lukas immer wieder die Linie bis heute zieht. Reinhardt kommt zu dem
Ergebnis, daß Lukas den Wachstumsgedanken aus dem Alten Testament übernimmt
und dabei die hervorragende Bedeutung des Wortes und der Verkündigung für
das Wachstum der Kirche unterstreicht. Wort Gottes und Gebet sind die
Hauptursachen des Wachstums und die Bitte um Wachstum, auch und gerade um
quantitatives Wachstum, gehört zum Wesen einer lebendigen Gemeinde. Das
Wachstum wird von Gott allein geschenkt, aber das schließt die menschliche
Aktivität nicht aus, sondern ein. – Es ist erstaunlich, daß eine solche
Untersuchung nicht längst vorgelegt wurde, auch nicht in einer anderen
Sprache, aber es ist umso erfreulicher, daß sie jetzt zur Verfügung steht.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1996-4.
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Reller, Horst; Hans
Krech; Matthias Kleiminger (Hg.). Handbuch Religiöse Gemeinschaften und Weltanschauungen. im Auftrag der VELKD. Gütersloher Verlagshaus:
Gütersloh, 2000.
Das neben dem ‘Hutten’ (Kurt Hutten. Seher, Grübler,
Enthusiasten. Quell Verlag: Stuttgart, 1982) zweite große bewährte protestantische
Standardwerk über ‘Sekten’ usw., das seit 1952 in Arbeit war und 1978 in 1.
Auflage erschien, erscheint hiermit in einer stark aktualisierten Ausgabe.
Im ersten Teil werden die klassischen Freikirchen in
Deutschland vorgestellt, dabei unter „Pfingstbewegung“ auch 9 Pfingstdenominationen
und dazu weitere Bewegungen, die etwas Licht in die sich ständig erweiternde
Vielfalt dieser Richtung geben. Im zweiten Teil folgen Sondergemeinschaften,
die zwischen den Sekten in Teil 3 und den Freikirchen stehen, so etwa die
Adventisten. (Schade ist, daß die Weltweite Kirche Gottes [S.234-244], deren
Entwicklung von der Sekte zur Kirche mit klassischem christlichen Lehrgehalt
beschrieben wird [bes. S.236-237], dennoch nicht unter ‘Freikirchen’,
sondern unter ‘Sondergemeinschaften’ gelistet wird, vor allem wenn man
bedenkt, wie großzügig der Begriff Freikirche bei zahlreichen
Pfingstdenominationen oder den Quäkern ausgelegt wurde; vgl. dazu meine
Idea-Dokumentation 11/2000 „Eine Sekte wird evangelisch“.)
Im 3. Teil werden in alphabetischer Reihenfolge die 11
wichtigsten christlichen Sekten in Deutschland beschrieben. Im 4. Teil folgen
synkretistische Neureligionen, wie etwa Universelles Leben oder die
Mormonen. Im 5. Teil werden esoterische und gnostische Weltanschauungen wie
die Anthroposophie beschrieben. Im 6. Teil folgen die früher fälschlich
meist ‘Jugendreligionen’ genannten religiösen Bewegungen, die ihren Ursprung
in Asien haben, wie etwa Baha’i oder Hare Krishna. Im 7. Teil werden ganz
neu vier „Kommerzielle Anbieter von Lebensbewältigungshilfen und Psycho-Organisationen
beschrieben, darunter Scientology.
Im wesentlichen ist der Aufbau der Beiträge immer gleich,
was eine gute Vergleichbarkeit der Gruppen zur Folge hat. Der Hintergrund
sind die zu Beginn abgedruckten Erhebungs- und Beurteilungsbögen, die
deutlich machen, welche Angaben und Informationen erhoben wurden, ein sicher
gelungenes und für den Leser übersichtliches Verfahren.
Insgesamt ist die Information gründlich recheriert und
sehr zuverlässig. Die Darstellung beschreibt sowohl die Sicht des Insiders
treffend, als auch die Schwerpunkte, die einem außenstehenden Protestanten
auffallen. Die Information ist auf dem neuesten Stand - auch jüngste
Lehrveränderungen bei einigen Gruppen sind eingearbeitet und in der
Beurteilung berücksicht. (Dementsprechend wurden auch vier inzwischen
unwichtig gewordene Gruppen herausgenommen.)
Hilfreich sind die Richtlinien für die lutherischen
Kirchen für den praktischen Umgang mit Angehörigen der verschiedenen
Gruppen, da sie damit auch die praktischen Belange des Gemeindealltags berücksichtigen.
Sie sind immer gleich aufgebaut, so daß leicht zu finden ist, ob ein Anhänger
einer Bewegung etwa als Pate in Frage kommt oder es bei der Eheschließung
Probleme gibt. Problematisch und für Evangelikale unverständlich sind dagegen
die Ratschläge in Bezug auf die Freikirchen, weil sich dabei zeigt, wie
engstirnig die oft extrem liberalen und weitherzigen lutherischen Landeskirchen
sind, wenn es an Sakramente und Amtshandlungen geht. Statt sich zu freuen,
wenn ein aktives Mitglied einer Freikirche Pate wird oder ein Landeskirchler
das Abendmahl einer Freikirche besucht, werden hier Bedenken geäußert und
Hürden aufgebaut, die sich meines Erachtens in der Realität längst überlebt
haben.
Dr. Thomas
Schirrmacher, em 2000-4.
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Renck,
Günther. Contextualization
of Christianity and Christianization of
Language. A Case Study from the Highlands
of Papua New Guinea. (Erlanger
Monographien 5). Erlangen: Verlag der Ev.-Luth. Mission, 1990.
Dieses auf der Grundlage einer Dissertation entstandene
Buch will die Diskussion um das Thema der Kontextualisierung um einen Beitrag
bereichern, der Kontextualisierung als linguistischen Prozeß darstellt. Gestützt auf
seine eigene, fast 20-jährige Missionserfahrung in Papua Neuguinea, beschreibt Renck am Beispiel des Volkes der
Yagaria, wie sich die „Christianisierung“ der Sprache und die Kontextualisierung
der christlichen Botschaft gegenseitig bedingen. Anhand ausführlicher linguistischer
Studien und zahlreicher praktischer Beispiele
zeigt der Verfasser auf, wie sich Sprache wandelt, um christliche
Vorstellungen und Denkkonzepte ausdrücken zu können: Theologische und biblische Begriffe werden nicht mit der Hilfe
von Fremdwörtern oder Lehnwörtern aus
anderen Sprachen in die Sprache der Yagaria importiert, sondern bisher
„heidnische“ Begriffe der eigenen Sprache nehmen eine neue, christliche Bedeutung an. An
dieser Stelle, so der Verfasser, beginnt Kontextualisierung und die
Entstehung einer einheimischen Theologie,
wobei auch die Frage nach der Gefahr des Synkretismus nicht ausgeklammert
wird. Die praxisorientierte und detaillierte
Ausführung dieser Grundaussagen wird durch eine umfassende
Beschreibung der Yagaria, ihrer Welt und
ihrer Sprache sowie durch Forderungen an eine kirchliche und missionarische
„Sprachpolitik“ ergänzt. Das ganze Buch ist in sich klar strukturiert und logisch
aufgebaut. Der auf Englisch verfasste Text ist flüssig zu lesen und
sprachlich nahezu fehlerfrei, obwohl Englisch nicht die Muttersprache des Autors ist. Eine deutsche Zusammenfassung
für Leser, die das Englische nicht so gut beherrschen, wäre allerdings
wünschenswert gewesen, ebenso wie ein Register und eine benutzerfreundlichere
Plazierung der umfangreichen Fußnoten. Obwohl auf linguistische Fachterminologie weitgehend verzichtet wird,
setzen die ausführlichen sprachwissenschaftlichen Analysen ein grundlegendes linguistisches
und übersetzungstheoretisches Wissen voraus. Es ist ein Buch aus der Praxis
der Sprachforschung und Bibelübersetzung für linguistisch interessierte
Missiologen und missiologisch interessierte Linguisten. Dennoch ist es durch sein präzise herausgearbeitetes Anliegen,
Sprache als einen wesentlichen
Faktor in Mission und Kontextualisierung darzustellen, auch über
diesen Leserkreis hinaus empfehlenswert.
Silke Sauer, em 1993-3.
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Rennstich, Karl. Korruption: Eine Herausforderung für Gesellschaft und Kirche. Quell-Verlag:
Stuttgart, 1990.
Für Rennstich ist in
seiner Habilitationsschrift (Teilabdruck) Korruption nicht nur ein
privates oder ein wirtschaftliches Problem, ist doch corruptio bei den
Kirchenvätern der Begriff für die Erbsünde. Deswegen referiert er zahllose Beispiele von Korruption in der Geschichte und aus aller Welt
und untersucht den Stellenwert der Korruption
in der Bibel und in der Theologiegeschichte.
Sicher werden manche
Evangelikale sich an Rennstichs
Theologie stoßen, etwa an seinem kritischen Umgang mit Bibeltexten oder seiner Sicht anderer Religionen. Aber was
an biblischer Ethik haben sie der Korruption
entgegenzusetzen? Was haben sie zum
Umgang ihrer Missionare mit diesem weltweiten Phänomen zu sagen? Denn selbst wenn man den Bereich der Wirtschaft aus dem
Zuständigkeitsbereich der Kirche ver
bannen wollte, sind doch immer noch Missionsgesellschaften
und Kirchen weltweit Tag für Tag
persönlich betroffen.
Wohl basiert Rennstichs
Arbeit stark auf dem Alten
Testament, das dem Thema Korruption zahlreiche Gesetze widmet und das Thema der Unbestechlichkeit vom Wesen Gottes
über die Aufgabe des
Staates, des Richters und des Priesters bis hin ins alltägliche Leben
verfolgt; doch die gegenwärtige Abwertung
des Alten Testaments und seiner
Ethik, sei es durch die historischkritische Methode oder die
pneumatisch-pietistische Auslegung, die weithin die Verbindlichkeit
der alttestamentlichen Moralgesetze im reformatorischen, insbesondere calvinistischen Sinn zugunsten einer persönlichen
Geistesführung aufgegeben hat, beraubt die Ethik gerade in diesem Bereich
m. E. der Durchschlagskraft. Denn was Rennstich
in Basel letztlich an reformiertem Gedankengut
als Herausforderung zusammenfaßt, war im klassischen Calvinismus Allgemeingut, weil die biblische Ethik dort nicht
auf das Privatleben beschränkt, sondern
auf alle Bereiche der Gesellschaft bezogen wurde.
Entsprechende
Literatur kenne ich nur aus dem Bereich des amerikanischen Calvinismus,
etwa in den Werken von Rousas Roushdoony oder Gary North, die von der Irrtumslosigkeit der Bibel ausgehend zu ganz
ähnlichen Ergebnissen
gelangen: Werke, die Rennstich leider
trotz seiner Literaturfülle nicht
berücksichtigt.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1991-3.
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Rennstich, Karl. Nicht
jammern, Hand anlegen: Christian Friedrich Spittler ‑ Leben und
Werk. Franz, Metzingen, 1987.
An Anfang eines neuen geistlichen Aufbruchs im deutschsprachigen Raum um die Wende
vom 18. zum 19. Jahrhundert steht die Christentumsgesellschaft mit dem Sitz in Basel, und ihre wichtigste Persönlichkeit
sowohl für die Missionsarbeit wie für die soziale
Arbeit war der Württemberger Christian Friedrich Spittler. Rennstich
liefert auf
177 Seiten eine gut lesbare Biographie
dieses Mannes, der immer neue missionarische
und soziale Werke gründete, meist Erfolg hatte und nichts für sich
selbst suchte.
Missionsgeschichtlich interessant ist, daß er erst die
Basler Mission gründete, dann Chrischona,
und seine Liebe dann, obwohl er nicht
an Konkurrenz dachte, doch mehr der späteren
Gründung zuwandte, trotz oder wegen
der Schwierigkeiten, die Chrischona mit
der Arbeit in Jerusalem und mit der „Apostelstraße“
Jerusalem-Ägypten-Äthiopien hatte.
Wer sich für die Idee der sich selbst
tragenden Handwerker- oder Industriemissionen
in Afrika interessiert, findet hier interessantes Material zu ihren Vorstufen.
Manche Details sind, weil sie heutigen Theorien
widersprechen, bedenkenswert, zum Beispiel was auf S. 131 über
Spittlers äthiopische Adoptivtochter Fatme
steht.
Schade, daß Spittlers
Frau, die so wichtig war (S.26),
fast nur bei ihrer Hochzeit und bei ihrem Tod erwähnt wird. Rennstich
gelingt es zu zeigen, daß so „alte Pietisten“ wie Spittler in vielem sehr modern waren; aber daß das Programm vom
„Dienste in Übersee“ schon vorweggenommen
wurde (S.43), überzeugt mich nicht. Interessant ist Spittlers konservative Haltung dem Staat gegenüber,
verbunden mit seiner Ablehnung des Krieges
(„lieber die Pest als den Krieg!“). S.140).
Dr. Klaus Fiedler, em 1987-3.
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Riccardi, Andrea. Salz der Erde, Licht der Welt:
Glaubenszeugnis und Christenverfolgung im 20. Jahrhundert. Freiburg:
Herder, 2002.
Das Interesse am Thema
Christenverfolgung wächst weltweit innerhalb und außerhalb der Kirchen. Doch
während sich Untersuchungen zur aktuellen Gegenwart ständig vermehren, sind
solche zur Geschichte eher selten. Angeregt von dem wachsenden
Archivmaterial, das in Rom gesammelt wird, seitdem Papst Johannes Paul II.
alle katholischen Teilkirchen und Orden aufgefordert hat, systematisch
Material über Märtyrer der Gegenwart und Vergangenheit zu sammeln, hat eine
Italienerin eine umfassende Geschichte der Verfolgung katholischer Christen
in aller Welt verfasst. Die Autorin teilt den Stoff in neun Kapitel zur
Sowjetunion, zum Dritten Reich, zum kommunistischen Osteuropa, zum
asiatischen Kommunismus, zur islamischen Welt, zu Mexiko und Spanien, zu
Afrika seit der Unabhängigkeit, zur Zählung und Einteilung der Märtyrer und,
für Missiologen besonders interessant, in Kapitel IV. über ‚Martyrium und
Mission’. Während die anderen Kapitel vorwiegend auf die einheimischen
Christen und Kirchen eingehen, wird hier vor allem das Schicksal
ausländischer (längst nicht nur westlicher!) Missionare und Angehöriger von
Missionsorden geschildert.
Das gut ausgestattete und
gründlich recherchierte und belegte Werk verwendet natürlich im Original kaum
deutsche Quellen und Literatur. Aber neben die zahlreichen Belege vor allem
in italienischer und französischer (erstaunlicherweise seltener in
englischer) Sprache sind ungewöhnlich viele Belege auf Deutsch getreten und
man hat sehr gründlich nach deutschen Übersetzungen der verwendeten Werke
gesucht, wie überhaupt die Übersetzung nicht merken lässt, dass der Text gar
nicht auf Deutsch verfasst wurde.
Das Buch ist historisch
ausgerichtet und bietet wenig theologisches Material, etwa zur Frage, wie
Christenverfolgung und Martyrium geistlich einzuordnen sind - sieht man
einmal vom fünfseitigen Vorwort von Manfred Scheurer ab, der einige Stimmen
aus der Kirchengeschichte zitiert und sich wie ich selbst (siehe: Christenverfolgung
geht uns alle an, Idea-Dokumentation 15/1999 und Persecution Concerns Us All.
VKW: Bonn, 2001) der recht weiten Märtyrer-Definition von Karl Rahner
anschließt.
Märtyrer anderer
Konfessionen erscheinen, wenn es sich aus dem Material oder vorhandenen
Büchern ergab, am Rande ebenfalls (außer es handelt sich um berühmte Fälle
wie der Genozid an den Armeniern), werden aber nirgends systematisch erfasst
oder thematisiert (siehe z.B. S.60-61 über „die Lutheraner, die Baptisten und
die Evangelikalen“ in der Sowjetunion der 30er Jahre) - eine eindeutige
Schwäche des Werkes, spricht doch der Papst selbst davon, dass die Ökumene
der Märtyrer die stärkste Ökumene sei (S. 19-20) und weitet seinen Leidensbegriff
weit über seine Kirche hinaus aus (siehe dazu mein Buch ‚Der Papst und das
Leiden’. VTR: Nürnberg, 2002).
Es ist bedauerlich, dass
es derzeit kein ökumenisches, protestantisches oder evangelikales Gegenstück
zu diesem Werk gibt und auf absehbare Zeit wohl auch nicht geben wird.
Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, em 2003-1.
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Richards, Lawrence O. Praxisbuch Hausbibelkreis, Bd. 2: So
werden Hausbibelkreise lebendig. Neuhausen: Hänssler, 1994.
Lebendige Gespräche in Hausbibelkreisen – wie bringt man
sie in Gang? Dieses Praxisbuch bietet entscheidende Hilfe für den Gesprächseinstieg.
Es enthält ausgearbeitete Fragen für verschiedene Interessengruppen und
Themenkreise, darunter auch Mission und Evangelisation. In Band 2 werden
ausgesuchte Texte von den Paulusbriefen bis zur Offenbarung und zwei Psalmen
behandelt. Die urchristliche Situation ist Vorbild für Mission und Evangelisation.
Beides gehört zusammen und wird in diesem umfangreichen Buch in 10
Abschnitten bedacht. Die Symbole für die Themenkreise sind gut gewählt, im
Druck jedoch zu klein ausgefallen. Die 54 Studienanleitungen sind klar
gegliedert in Überblick, Erläuterungen, Gliederung, Anregung zur
Gruppenarbeit. Auch wenn Mission nicht so sehr im Vordergrund des Buches
steht, ist es für alle Hausbibelkreise sehr zu empfehlen.
Dipl. Ing.
Fritz H. Lamparter, em 1997-1.
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Richardson,
Don. Secrets
of the Koran, Ventura, CA: Regal Books, 2003.
Der
amerikanische Missionar und Missiologe Don Richardson wurde bekannt durch
seine Bücher „Peace Child“, „Lords of the Earth“ und „Eternity in their
hearts“. In diesen Büchern geht es um hilfreiche Analogien und
kulturelle Brückenfunktionen für die Verkündigung des Evangeliums. In seinem
neuesten Buch geht es Richardson darum, den Islam und Koran nach solchen
Analogien und Anknüpfungspunkten zu untersuchen. Um das Ergebnis
vorwegzunehmen: Richardson findet keine und macht sich daran, die negativen
Aspekte und „Geheimnisse des Korans“ aufzudecken. Die Kapitelüberschriften
deuten diese negativen Aspekte an: „A Book of Peace?“ (1), „The Wolf in the Fold“ (2), „Violent
Verses, Violent Deeds“(3), „Critiquing the Koran“ (4), „Polygamy and Islam’s
Prophet“ (5), „How Muslims Try to Defend the Koran“ (6), „Non-Muslim Attempts
to Defend the Koran“ (7), „Old Testament Morals and the Koran“ (8), „New Testament
Morals and the Koran“ (9), „A Warring Prophet’s Supremacist Legacy“
(10),“Islam’s Plan for World Domination“ (11), „Islam’s Penetration of
Western Culture“(12), „A Twenty-First Century Plague of Locusts?“ (13),
„Europe: An Auto-Genociding Continent“ (14), „Louis Farrakhan, Islam and
Slavery“ (15) und „Reviewing ‘Militant Islam Reaches America’“ (16).
Warum schreibt Richardson dieses Buch, und was will er
erreichen? Sein Ausgangspunkt ist der 11. September 2001: Haben hier
Extremisten den Islam ungerechtfertigt und völlig falsch für ihre politischen
Ziele in Anspruch genommen? Ist der Islam eine Religion des Friedens, wie
westliche und islamische Politiker immer wieder betonen? Oder ist der Koran
die eigentliche Quelle der Gewalt? Ruft der Koran alle, die ihn wirklich ernstnehmen,
zum Jihad gegen alle Nicht-Muslime auf und zielt letztlich auf Unterwerfung
der Welt durch den Islam, auch und gerade mit Gewalt? Don Richardson ist von
Letzterem überzeugt und möchte seine Leser warnen. Seine hauptsächlichen
Quellen sind Mark A. Gabriel, Bernard Lewis, William Muir, Maxime Rodison,
Reza F. Safa, Bat Ye’or und Ibn Warraq. Richardson ist überzeugt, dass Europa
im hohen Maße gefährdet ist, vom Islam beherrscht zu werden, und auch Amerika
diese Gefahr ernst nehmen muß. Deswegen ist seine Intention „to wage truth on Islam, because truth is
the doorway to genuine peace“ (S. 251). Er ist überzeugt, dass weder
westliche Politiker noch die Mehrheit der moderaten Muslime den Koran
wirklich kennen. Richardson möchte deswegen versuchen, die „dunklen
Geheimnisse des Korans“ zu enthüllen, um so die Quelle des gewaltbereiten
Jihadismus zu entkräften (vgl. auch
Don Richardsons Webseite www.donrichardsonbooksales.com).
Vieles ist gut beschrieben und hilfreich zu wissen.
Manches müßte eingehender durch Historiker und Islamwissenschaftler geprüft
werden. Manches erscheint
einseitig oder überbewertet (z.B. „Europe: An Auto-Genociding Continent“, S.194-198),
manches ist schlicht falsch (z.B.“Muslim immigrant percentages in the population
of various European nations range from 10 to 20 percent“, S.186; „The Five
Pillars of Islam“, S.226). Ob das Buch im Dialog mit Muslimen
weiterhilft, darf bezweifelt werden.
Dr. Dietrich Kuhl, em 2004-3.
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Richter, Julius. Mission und Evangelisation im Orient.
Mit Beiträgen von Eberhard Troeger und Christof Sauer. Evangelium und Islam,
Band 4, Nürnberg: Verlag für Theologie und Religionswissenschaft (VTR), 2006.
Dieser Nachdruck der 2. Auflage [1930] von Mission und
Evangelisation im Orient, Band II in Julius Richters umfassender Reihe Allgemeine
Evangelische Missionsgeschichte, wurde erfreulicherweise in der Reihe „Evangelium
und Islam“ neu herausgegeben, da es „bis heute kein vergleichbares
Überblickswerk ... in deutscher Sprache gibt“ (Initiator und Mitherausgeber
Eberhard Troeger im Vorwort). Richter, der von 1914 bis 1930
Missionswissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität lehrte, beschreibt
in diesem Band die Geschichte der protestantischen Missionen im Mittleren
Osten vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zum Jahr 1930. In einem
einleitenden Kapitel setzt sich Richter zunächst mit Grundfragen der
missionarischen Begegnung mit dem Islam sowie mit der strittigen Frage
auseinander, ob die protestantische Evangelisation und Kirchenbildung unter den
orientalischen Kirchen - meist Ansatzpunkt der Missionsbemühungen, die sich
dann parallel oder sukzessive auch den Muslimen zuwandten - berechtigt
gewesen seien. Im ersten Kapitel gibt der Autor einen kurzen Überblick der
„Anfänge der protestantischen Missionsbestrebungen“ im Orient (S. 46-53) von
der Reformationszeit bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts, wobei er besonders
das Wirken Henry Martyns (1780-1812) in Indien und Persien, die von Malta
ausgehende „Mittelmeermission“ der Church Missionary Society (CMS) sowie das
Wirken der Basler Mission im Kaukasus kurz darstellt.
Die weiteren Kapitel widmen sich dann ausführlich den
Entwicklungen der protestantischen Missionen in verschiedenen Regionen des
damaligen Osmanischen Reiches, bzw. des Mittleren Ostens: Türkei (S.54-107),
Syrien und Palästina (108-160), Persien (161-193), Ägypten und Abessinien
(194-232). Das Buch enthält des weiteren einen Anhang mit einer Übersicht der
damaligen Bibelübersetzungen in die Sprachen des Mittleren Ostens sowie eine
statistische Überblickstabelle zu den dargestellten Missionsarbeiten (S.
233-243).
In Richters Darstellung wird zunächst die herausragende
Rolle des kongregationalistischen American Board of Commissioners for Foreign
Mission (kurz AB) sowohl in der Türkei als auch in Syrien/Libanon und Persien
betont. Richter beschreibt wie das AB sich zunächst den orientalischen
Kirchen zuwandte, z.B. der kulturell aufgeschlossenen Armenier-Kolonie in
Konstantinopel. Er zeigt auf, wie die Missionare durch Literaturarbeit, die
Übersetzung der Bibel und durch christliche Schulen den Glauben der
orientalischen Christen beleben und vertiefen, „die Blüte der armenischen
Jugend durch eine gediegene abendländische Bildung anziehen“ (S. 57) und
damit auch eine wesentliche Vorarbeit zur Erreichung der muslimischen Bevölkerung
leisten wollten. Als katastrophale Zäsur in der Missionsgeschichte des
Orients beschreibt Richter „die Vernichtung des armenischen Volkes“ in der
Türkei ab 1895. Hier schildert er dann die großen Hilfswerke, die daraufhin
in England, Deutschland und Frankreich entstanden (vgl. die Rezension zu
Sabine Thüne, Ernst Jakob Christoffel, in dieser Ausgabe). Dass das AB sich
in der Folge entschloss, seine Wirksamkeit auf die muslimische Bevölkerung
der Türkei zu richten, sah Richter als „bedeutsame Wendung, deren
Entwicklung und Folgen wir abwarten müssen“ (S. 96). Neben der Darstellung
der protestantischen Arbeit unter den orientalischen Christen gilt Richters
Interesse immer wieder der herausfordernden Missionsarbeit unter der muslimischen
Bevölkerung. Er schildert z.B. den kurzen, aber wirkungsvollen Einsatz der
CMS mit Karl Gottlieb Pfander in Konstantinopel, die amerikanische
Arabien-Mission Samuel Zwe-mers, Temple Gairdners Wirken in Kairo oder die
Anfänge der Sudan-Pionier-Mission unter den Nubiern. Im Abschnitt über
Palästina widmet Richter den deutschen Initiativen besondere Aufmerksamkeit
wie dem preußischenglischen Bistum in Jerusalem (in Verbindung mit der CMS)
unter der Leitung Samuel Gobats sowie dem Evangelischen Jerusalems-Verein von
F.A. Strauß oder dem Syrischen Waisenhaus Ludwig Schnellers. Richters
Darstellung ist vom Denken seiner Zeit geprägt und somit auch als
Zeitdokument zu lesen, bietet aber zugleich einen wichtigen
missionsgeschichtlichen Überblick und Einblick. Der Wert des Buchs wird
durch die ergänzenden Beiträge der Herausgeber noch erhöht, die die Brücke
zur Gegenwart schlagen. Troeger greift in einem Aufsatz den Faden der
Missionsgeschichte nach 1945 wieder auf und beschreibt den
„Paradigmenwechsel“ von der „herkömmlichen Missionsarbeit“ zur neuen
evangelikalen Missionsbewegung im Mittleren Osten ab den 1960er Jahren. In
einem englischsprachigen Beitrag (der auch Teile aus Troegers Vorwort auf
Englisch wiedergibt) setzt Sauer Richters Werk in den Kontext der internationalen
missionshistorischen Forschung zum Mittleren Osten und bietet eine
hilfreiche Gesamtchronologie evangelischer Mission im Orient von der
Reformation bis 1990. Hier findet sich auch eine (leider kaum lesbare)
historische Landkarte zu den Ausführungen Richters. Das Vorwort hat Recht:
Das Buch ist „Pflichtlektüre“ für alle, die sich auf einen Dienst im
Mittleren Osten vorbereiten, bzw. sich für die facettenreiche Missionsgeschichte
dieser Region interessieren.
Dr. Friedemann Walldorf, em 2007-4.
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Riecker, Siegbert. Mission im Alten Testament? Ein
Forschungsüberblick mit Auswertung. Beiheft Interkulturelle Theologie
10. Frankfurt: Lembeck, 2008.
Wer sich mit der Fragestellung „Mission im Alten
Testament“ auseinandersetzen will, wird an diesem Buch in der näheren Zukunft
nicht vorbeikommen. Es stellt eine Neubearbeitung des einleitenden Kapitels von
Rieckers Dissertation dar, die 2006 von der ETF in Leuven angenommen wurde
und deren Hauptteil unter dem Titel Ein
Priestervolk für alle Völker. Der Segensauftrag Israels für alle Nationen in
der Tora und in den Vorderen Propheten in der Reihe SBB erschienen ist.
Riecker legt eine reiche Materialsammlung vor, die sich
darum bemüht nicht nur die Beiträge zum Stichwort „Mission im Alten Testament“
zu nennen, sondern zu charakterisieren und auszuwerten. Dies geschieht nach
einem kurzen Problemaufriss (S. 12-16) in erster Linie durch die Einordnung
einzelner Beiträge in verschiedene Kategorien: historisch-progressive
Ansätze (S. 17-33), thematische Ansätze (S. 34-49), thematisch-dialektische
Ansätze (S. 50-72), kanonische Ansätze (S. 73-83), systematische Ansätze (S.
84-98) sowie religionsgeschichtliche Ansätze (S. 99-108). Vor der
Zusammenfassung und Auswertung (S. 128-144) stellt Riecker noch Veröffentlichungen
zu Teilbereichen (S. 109-121) zusammen und legt einen Exkurs zu Gott als
direkter Partner der Völker vor (S. 122-127). Dem Autor gilt der Dank, dass
er den Lesern eine Fundgrube an Material und Fragerichtungen vorlegt, auch
wenn Riecker bedauerlicherweise Scheurers grundlegenden Beitrag nicht um
ältere internationale Beiträge erweitern konnte (S. 15).
Die Präsentation der einzelnen Beiträge erfolgt leider
uneinheitlich hinsichtlich des Umfangs und des Stils. Manchmal wird ein Beitrag
mit einem kleinen Absatz vorgestellt (beispielsweise S. 53 oder mehrere
Beiträge auf S. 85) und dann wird ein anderer Beitrag auf drei Seiten (S.
38-41) oder auf sechs Seiten (S. 65-71) breit dargestellt. Mangelnde
Einheitlichkeit liegt auch in der Fragestellung vor, mit der die einzelnen
Beiträge vorgestellt werden. Manchmal wird auf die Voraussetzungen des
jeweiligen Autors und die Folgen seiner Argumentation eingegangen und dann
findet sich nur eine kurze Darstellung der jeweiligen Argumentation. Manchmal
bietet Riecker Hintergrundinformation zum Autor an und dann fehlt jegliche
Einordnung des Beitrages. Manchmal wird der Beitrag direkt kurz ausgewertet
und dann ist nichts davon zu entdecken. Manchmal wird der jeweilige Buchtitel
oder Zeitschriftenartikel genannt und dann findet sich lediglich eine
Jahreszahl verbunden mit dem Namen des Autors. Man könnte den Eindruck
gewinnen, dass bisweilen die Kenntnis der Literatur vorausgesetzt wird.
Diese Uneinheitlichkeit erschwert bisweilen das
Verständnis für die eigentliche Bedeutung des jeweiligen Beitrages und für
eine profilierende Abgrenzung von anderen Beiträgen. Vielleicht hätte die Präsentation
dadurch an Wert gewinnen können, dass man ein Raster von wegweisenden
Fragestellungen gleichmäßig an alle Beiträge anlegt sowie ihre Voraussetzungen
und Folgen reflektiert. Solch ein Vorgehen könnte es für den Leser auch
nachvollziehbarer machen, wie die einzelnen Kategorien zur Einordnung der
Beiträge zustande kommen und was sie zu ihrem Verständnis sowie der Auseinandersetzung
mit der Fragestellung beitragen.
Den Aussagen und dem Ansatz von Scheurer sollte weiterhin
in der Auswertung oder bei weiteren Forschungen nachgegangen werden.
Scheurer bietet nicht nur „einen enzyklopädischen Überblick über die Thematik
in der deutschsprachigen evangelischen Literatur des 18.Jahrhunderts bis
etwa 1981“ (S. 14), sondern verweist auf „die missionsbegründende Universalität
Jhwhs [die] sich in allen genannten Bereichen nicht nur auf die sichtbare
Welt der Völker, sondern auch auf die unsichtbare Welt der Götter bezieht“
(S. 67). Damit stehen wegweisende Fragen im Raum; z.B. inwiefern
altorientalische Vorstellungen der Götterwelt für die Auswertung einzelner
alttestamentliche Aussagen zu der Fragestellung von größter Bedeutung sind.
An einigen Stellen wie Ex 12,12 wird diese implizite Auseinandersetzung
explizit. Unter Berücksichtigung dieser Dynamik können aus dem
altorientalischen Kontext Fragerichtungen entfaltet werden, die Wesentliches
zur Thematik beitragen können. Beispielsweise ist dies mit Rieckers Dissertation
unter dem Blickwinkel des Segens bereits geschehen.
Diese (kritischen) Anmerkungen sollen den Beitrag des
Buches nicht schmälern. Vielmehr soll herausgestellt werden, wie viele wertvolle
Aspekte des Buches durch weiterführende Ergänzungen und Auseinandersetzungen
mit dem Thema den Wert des Buches noch steigern können. Wo Auswertungen von
Einzelbeiträgen durchgeführt werden, regen sie zur Reflexion und zur
weiteren Beschäftigung mit den jeweiligen Fragestellungen an. Die Zusammenfassung
und Auswertung Rieckers identifiziert grundlegende Fragestellungen, wie die
Frage nach der Definition von Mission (S. 128-129), dem zugrundeliegenden
Paradigma (S. 129), der Entstehung des Missionsgedankens (S. 130) und der
Berücksichtigung der unsichtbaren Welt (S. 130). Er stellt klar heraus, dass
eine Definition von „Mission“ ebenso verschieden wie weichenstellend ist (S.
138-140) und als neutestamentliches oder missionstheologisches Konzept nicht
einfach an das Alte Testament herangetragen werden sollte (S. 142). Ebenso
weist er darauf hin, dass mehrere Themen in ihrer Vielfalt nebeneinander
stehen bleiben sollten bevor man nach einer inneren Einheit fragt (S. 143).
Es ist zu wünschen, dass diese Empfehlungen Rieckers bei weiteren Untersuchungen
befolgt werden.
Dr. Heiko Wenzel, em 2009-3.
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Riesner, Rainer. Die Frühzeit des Apostels Paulus. Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen
Testament 71. J. C. B. Mohr: Tübingen, 1994.
Der Tübinger Privatdozent Rainer Riesner hat bereits in
seiner Dissertation „Jesus als Lehrer“ die historische Glaubwürdigkeit
biblischer Überlieferungen, hier der Evangelien, bei grundsätzlicher
Beibehaltung der historisch-kritischen Methode zu erweisen gesucht. In
seiner Habilitationsschrift „Die Frühzeit des Apostels Paulus“ unternimmt er
mit einer Fülle historischen Materials und detektivischer Kleinarbeit ähnliches
für den frühen Paulus, wobei auch vieles für die spätere Lebensgeschichte
des Apostels abfällt. In einer missiologischen Zeitschrift sei es jedoch
gestattet, lediglich den missiologischen Aspekt des vorliegenden Buches
darzustellen und zu beurteilen, also vor allem das mittlere der drei Kapitel
mit dem Titel „Stationen paulinischer Missionsstrategie“ (S.204-296).
Zunächst einmal ist begrüßenswert, daß Riesner die Reiseroute des Apostels
minutiös nachzeichnet und dabei insbesondere der Frage nachgeht, welche
Reise- und Transportmittel dem Apostel zur Verfügung standen und wie die
jeweilige örtliche Situation aussah, in die hinein Paulus auftrat. Dadurch
wird deutlich, welchen Hindernissen die paulinische Mission zu begegnen hatte
und daß hinter der Mission – wie heute – eine umfangreiche Planungs- und
Vorbereitungsarbeit stand.
Theologisch ist von besonderem Interesse, daß Riesner die
Missionsmotivation des Paulus vor allem in alttestamentlichen Texten sieht.
Zwar könnte man wesentlich mehr Beispiele heranziehen (siehe mein Buch „Der
Römerbrief“, Bd. 1+2) und man muß den Grund dafür, daß Paulus sich nicht
vorrangig auf den jesuanischen Missionsbefehl stützt, nicht in der kritischen
Sicht suchen, der Missionsbefehl sei dafür eine zu späte Basis (S.213), also
wohl nicht von Jesus selbst. Aber Riesners Exegese und Erläuterung zu Röm 15
und der dort zitierten alttestamentlichen Texte ist m. E. ein wesentlicher
Fortschritt in dieser Frage. Insbesondere geht Riesner davon aus, daß Paulus
in den geographischen Angaben von Jes 66,18-21 in der zeitgenössischen
Interpretationen der Septuaginta den Weg der Ausbreitung des Evangeliums
unter den Heiden und damit seinen eigenen Reiseweg vorgezeichnet sah
(S.213-225), auch wenn andere Faktoren ebenfalls eine Rolle spielten.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1996-1.
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Ritchie, Mark Andrew. Der
Geist des Regenwaldes. Die Geschichte eines Yanomamö-Schamanen, Lahr:
St.-Johannis-Druckerei, 2008; übersetzt von Lothar und Gisela Käser.
Kein Indianerstamm Südamerikas ist in den vergangenen
Jahrzehnten so bekannt geworden wie die Yanomamö im Grenzgebiet von
Brasilien und Venezuela durch die Ethnographie des Ethnologen Chagnon. Heute
– 40 Jahre später – erscheint in deutscher Übersetzung ein Buch, in dem die
Yanomamö ihre Geschichte selber erzählen. Dieses Buch ist eine wichtige Ergänzung
zu und Korrektur von Chagnons Darstellung. Es ist das Verdienst des
Ethnologen und Animismus-Kenners Lothar Käser und seiner Frau Gisela, uns
diesen spannenden Band in einer guten, flüssigen Übersetzung in deutscher
Sprache zu präsentieren.
In dem Buch des Journalisten Ritchie erzählt
„Dschungelmann“ von seinen Erfahrungen als Schamane bei den Yanomamö. Er
berichtet von seinem Umgang mit seinen Schutz- und Hilfsgeistern und
beschreibt seine Reisen in die jenseitige Welt, um die Menschen in seinem Schabono
(eine Art Runddorf) zu beschützen und ihre Feinde zu bekämpfen. Der Leser
erhält auf diese Weise aus erster Hand einen Einblick in die Lebenswelt eines
Schamanen und seines animistischen Weltbilds. Die Darstellung ist sehr
realitätsnah. Dschungelmann beschreibt die Erfahrung von Angst, von Kriegshandlungen
und der Tötung von Menschen mithilfe von Geistern ohne dabei ins
Voyeuristische abzurutschen. In der Darstellung wird die Durchdringung von
sichtbarer und unsichtbarer Welt, die für das animistische Weltbild typisch
ist, ebenso deutlich wie das Ineinandergreifen von zwischenmenschlichen Konflikten
einerseits und Konflikten in der unsichtbaren Welt andererseits. Der Leser
erhält so in der Erzählung Einblick in grundlegende Charakteristika einer animistischen
Weltsicht.
Darüber hinaus entlarvt dieser Bericht den im Western
immer wieder geäußerten Appell, die christliche Mission solle die Einheimischen
doch im Frieden in ihrer Religion leben lassen, als eine wirklichkeitsfremde,
ideologische Forderung, die nicht dem Denken der Einheimischen
entspricht. Dschungelmann hat sich – nach jahrelanger Skepsis – bedingt
durch die Veränderungen, die der christliche Glaube in einem der Yanomamö-Dörfer
bewirkt hat, von seinen Schutzgeistern getrennt und sich dem Großen Geist,
Yai Pada, angeschlossen. Die Abwendung von Gewalt und Blutrache bedeutete
für die Menschen dieses Dorfes eine bis dahin nicht gekannte Befreiung aus
bisherigen gewalttätigen Verhaltensmustern. Dschungelmann macht keinen
Hehl daraus, dass er sich dringend mehr Missionare wünscht, die seinen Menschen
die Botschaft des Großen Geistes bringen. So erscheint denn in diesem Buch
auch der Missionarssohn Kiliiwa, der unter den Yanomamö aufgewachsen und
später als Missionar zu ihnen zurück gekehrt ist, als wahrer Kenner und
Freund der Yanomamö.
Damit wird eine weitere Konfliktebene angesprochen.
Dschungelmann schildert, wie die unterschiedlichen Lebensauffassungen und
Verhaltensweisen von Ethnologen und Missionaren, die unter den Yanomamö
lebten, von den Einheimischen erlebt wurden. Dabei haben sich nicht alle
Naba (Weißen) als wahre Freunde der Yanomamö erwiesen. Die Schilderung
dieser Konflikte aus der Sicht der Yanomamö ist eine wichtige Ergänzung und
Korrektur bisheriger Darstellungen und zugleich ein Beitrag zur kontroversen
Diskussion über die Rolle einzelner Ethnologen und ihrer Arbeit unter den
Yanomamö, die Tierney durch seine Publikation angestoßen hat (Tierney, P.:
Darkness in El Dorado, New York 2000).
Dieses Buch bietet die einzigartige Gelegenheit, einem
Yanomamö Indianer zuzuhören, die Welt des Animismus aus der Sicht eines
Insiders zu sehen, an den oft schmerzlichen Erfahrungen teilzunehmen, die
diese Menschen in ihren Begegnungen untereinander und in ihren Begegnungen
mit Weißen gemacht haben, Einflüsse unterschiedlichster Art von der Außenwelt
auf die Lebenswelt der Indianer zu beobachten, und in all dem zu sehen, wie
das Evangelium befreiend und kulturverändernd – nicht zerstörend! – wirkt.
Ein sehr spannendes Buch, das das Leben in einer vom Animismus geprägten
Stammeskultur aus bisher nicht gekannter Perspektive schildert.
Dr. Jürgen Schuster, em 2009-3.
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Rittner,
Reinhard (Hg.). Glauben
Christen und Muslime an denselben Gott? Bekenntnis Fuldaer Hefte 34. Schriften des
Theologischen Konventes Augsburgischen Bekenntnisses. Hannover:
Lutherisches Verlagshaus, 1995.
Schwerpunkt dieses Tagungsberichtsbandes ist die
biblisch-christliche und die koranisch-muslimische Sichtweise der
Dreieinigkeit Gottes. Kirchengeschichtlich-exegetische Aufsätze christlicher
Theologen stehen neben religionsvergleichenden und islamwissenschaftlichen,
sowie muslimischen Beiträgen.
Gleichermaßen interessant wie ungewöhnlich ist die
Tatsache, daß die deutlichste Aufforderung zum Dialog von einem muslimischen
Theologen kommt: Mehdi Razvi bezieht hier offen die für die islamische
Theologie klare Außenseiterposition, daß nicht nur Muslime, sondern auch
gläubige Juden und Christen mit Gottes Erbarmen im Jüngsten Gericht rechnen
könnten. Die christlich-islamische Kontroverse über die Trinität ist für ihn
inzwischen „derart abgeschwächt und irrelevant geworden, daß wir aufhören
sollten, weiterhin darüber gegenseitig zu polemisieren“ (S. 70). – Diese
Aufforderung spiegelt allerdings wohl kaum die Wirklichkeit der missionarischen
Begegnung von Christen und Muslimen wider.
Leider stehen die einzelnen Beiträge inhaltlich recht
isoliert nebeneinander – dies liegt allerdings in der Natur eines
Tagungsberichtsbandes. Dementsprechend werden teilweise stärker die
Unterschiede, teilweise stärker die Gemeinsamkeiten zwischen biblischer und
koranischer Dogmatik betont. Wer allerdings eine eindeutige – und wie ich
meine, klar zu verneinende – Antwort christlicher Theologen auf die Frage
nach demselben Gott sucht, wird sie hier höchstens einmal zwischen den
Zeilen angedeutet finden können.
Dr. Christine Schirrmacher, em 1997-4.
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Robert,
Dana L. Occupy
until I Come: A. T. Pierson and the Evangelization of the World. Wm. B. Eerdmans: Grand Rapids (MI), 2003.
Nach mehr als einem Jahrhundert wird endlich wieder eine
Biografie des legendären Missionsmannes Arthur Tappan Pierson (1837-1911)
vorgelegt. Selbst nie Missionar und doch ständig in Sachen Mission auf
Reisen, war Pierson die graue Emminenz der weltweiten Studentenmissionsbewegung
des 19. Jahrhunderts und der führende Förderer und Verteidiger der Weltmission
im evangelischen und evangelikalen Bereich. Die Autorin ist Professorin für
Weltmission in der Universität Boston und durch ihr Buch ,American Women in
World Mission’ bekannt. Wie in diesem Buch legt sie auch in ihrer
Pier-son-Biografie ein historisches Meisterwerk vor, sowohl was das Wirken
und die theologische Entwicklung Piersons betrifft, als auch, was das theologische
und soziale Umfeld seiner Zeit betrifft. Wer die Biografie an einem Stück
liest, erhält ein faszinierendes Gesamtbild der angelsächsischen Frömmigkeit
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zwar enthält das Buch leider -und
angesichts der Gründlichkeit völlig unverständlicherweise - keine Fußnoten
und keine detallierten Quellenbelege, dafür aber eine sehr gute und
ausführliche Diskussion der vorhandenen Bücher zum Thema und zum Umfeld. Faszinierend
ist der geistliche und theologische Lebenslauf Piersons, der wie so viele
Evangeli-kale seiner Zeit mehrere konfessionelle Zugehörigkeiten durchlief
und von allen Richtungen lernte und etwas für immer festhielt. Von Haus aus
Presbyterianer erbte er von seinen reformierten Lehrern die fundamentalistische
Bibelhaltung, den Optimismus in der Evangelisation und den Einsatz für
soziale Belange. Doch durch seine weitgespannten Kontakte – vor allem in den
USA und in England –, etwa durch seine Besuche bei seinen Freunden Charles H.
Spurgeon (S.49-50) und Georg Müller, und durch seinen Einsatz im Rahmen der
Evangelischen Allianz und des CVJM wurde aus dem reformierten Evangelisten
ein evangelikaler Erwe-ckungsprediger. Eine Midlifekrise wegen der
zunehmenden Armut in den Großstädten (S.85ff), gegen die die Evangelisation
nichts ausrichten konnte, ließ ihn pessimistischer werden und führte
schließlich 1876 zu einer Art zweiter Bekehrung. Pierson schloss sich der
Heiligungsbewegung an, nahm sich Charles Finney zum Vorbild (S.89ff) und
wurde schließlich 1879 Prämillennialist wie Georg Müller (S.103+106+151),
bleibt dabei aber optimistisch was die Zunahme und den Erfolg der Weltmission
betrifft. 1886 schließlich beginnt die Studentenmissionsbewegung, als sich
100 Studenten auf einer seiner Bibelfreizeiten entschließen, Missionare zu
werden. Pierson verlässt das Pastorat und wird Erweckungsevangelist in Sachen
Mission. Sein Buch ,The Crisis of Missions’ (S.140-144) rüttelt die
evangelische Welt auf. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere lässt er sich
wiedertaufen, nachdem er zwei Jahre ohne Wiedertaufe auf der Kanzel
Spurgeons gepredigt hatte. Die Baptisten weltweit warfen ihm jedoch lautstark
vor, die Taufe privat im kleinen Kreis durchgeführt zu haben, die
Presbyterianer entzogen ihm die Ordination und die ökumenisch orientierten
älteren Kirchen die Unterstützung (S.245-249). Viele Freunde wandten sich von
ihm ab. Doch die gewonnene Zeit nutzte er für eine Vielzahl von
Veröffentlichungen, die meisten zum Thema Mission, einige außerdem zur
Bibel. Denn - was gerne verschwiegen wird, wenn zu Recht Piersons ökumenische
Gesinnung hervorgehoben wird - Pierson war immer ,Fundamentalist’
(S.279-283) und schrieb fünf Beiträge für die namensgebende Buchserie des
Fundamentalismus ,The Fundamentals’. Sein erstes Buch zur Verteidigung der
Bibel verfasste er bereits 1880 (S.97), sein Buch ,God’s Living Oracle’ gilt
James I. Packer bis heute als eine der bedeutendsten Verteidungen der Einheit
der Bibel (S.266-267). Pierson ist ein herausragendes Beispiel dafür, dass
Bibeltreue, Evangelisation, Förderung der Weltmission, weitherzige Zusammenarbeit,
und Einsatz gegen die sozialen Übel dieser Welt Hand in Hand gehen können und
dass auch evangelikale Christen immer Lernende bleiben.
Prof.Dr. Thomas Schirrmacher, em 2004-2.
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Roberts,
W. Dayton & John A. Siewert, Mission Handbook: USA/Canada Protestant
Ministries Overseas. 14.
Ausgabe, MARC/ Zondervan: Monrovia/Grand Rapids 1989.
Nachdem die dreizehnte
Ausgabe dieses Werkes früher
ausführlich besprochen wurde, soll nur kurz auf die neue Ausgabe hingewiesen werden. Das unentbehrliche Nachschlagewerk
enthält wieder die Adressen aller Missionsgesellschaften
in den USA und Kanada mit
Arbeitsgebieten, Personal-
bestand und
Spendenaufkommen. Die Gesamtzahl der amerikanischen Missionsgesellschaften ist um 31 auf 692 gestiegen, die
Zahl der Missionare von 58 700 (1985) auf
70 969 (1988), darunter 30 748 Kurzzeitmissionare. Während der eigentliche Aufbau des Buches gleich geblieben
ist und aus der Besprechung der 13. Ausgabe ersehen werden kann, wechseln die beigegebenen Aufsätze
jeweils.
Diesmal enthält der Band neben einer Einführung in die statistische Situation 44 Seiten mit vier Beiträgen: Eine Darstellung der internationalen Lage von William A. Dyrness, ein sehr kurzer Beitrag von J. Christy
Wilson über „Zeltmacher“, ein Aufsatz von
Arthur F. Glasser über den Beitrag der amerikanischen Missionsvereinigungen
zur Weltmission und eine Untersuchung zur
Frage, wie die Kirche im Laufe der Geschichte ihre Missionsarbeit organisierte.
‑ Die Aufnahme in das
Verlagsprogramm von Zondervan hat
der Haltbarkeit des Buches offensichtlich sehr gut getan!
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1991-3.
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Rommen, Edward. Die
Notwendigkeit der Umkehr. Missionsstrategie
und Gemeindeaufbau in der Sicht evangelikaler Missionswissenschaftler
Nordamerikas. Giessen : TVG, Brunnen Verlag, 1987.
Nach einer in Amerika
vorgelegten kleineren Dissertation über Deutschland („Namenschristentum“)
legt Rommen, Professor an der Trinity Evangelical Divinity School in Deerfield/USA und Dozent am Predigerseminar
der Freien Evangelischen Gemeinden in
Ewersbach, nun seine zweite in Deutschland (bei Bürkle in München vor seinem Wechsel zur katholischen Fakultät) eingereichte Dissertation über Amerika vor. Rommen
ist also für die Verständigung zwischen
den USA und Deutschland prädestiniert.
In der ersten Hälfte des Buches referiert er über fünf
entscheidende evangelikale Ansätze der
Missionswissenschaft, nämlich: der systematische von George W. Peters, der anthropologische von Alan Tippett, Charles
Kraft u.a., der soziologische von Donald
McGavran (Gemeindewachstumsbewegung),
der kommunikationswissenschaftliche
von David Hesselgrave u.a. und der
strategische Ansatz von Ralph D. Winter. Im zweiten Teil systematisiert
er die evangelikale Missionswissenschaft
Nordamerikas und vergleicht sie
mit anderen Ansätzen. Dabei hebt er
einerseits die Stärken hervor, von denen wir in Europa lernen können, betont andererseits aber ebenso die Schwächen, die leicht zu weitreichenden
Problemen führen können.
Diese ausgezeichnete
Dissertation kann Brücken bauen und
‑ für eine Dissertation durchaus ungewöhnlich ‑ als Nachschlagewerk dem schnellen Erfassen wichtiger amerikanischer
Ansätze dienen. Wer sie gelesen hat, wird manches Gute und Schlechte in der amerikanischen Missionswelt besser
verstehen, aber auch begreifen, wieviel die evangelikale Missiologie in Deutschland aufzuholen hat. Schade, daß Rommen in Amerika lehrt und nur gelegentlich in die BRD kommt.
Thomas Schirrmacher, em 1988-1.
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Roser, Markus. Hexerei und Lebensriten. Zur
Inkulturation des christlichen Glaubens unter den Gbaya der
Zentralafrikanischen Republik. Missionswissensch. Forschungen; NF Bd. 13. Erlanger Verlag für Mission
und Ökumene: Erlangen 2000.
Der Autor hat sich in seiner Heidelberger Dissertation
ein ungemein schwieriges, weil komplexes Thema vorgenommen: die Hexerei, ein
Phänomen, das besonders charakteristisch ist für schriftlose Gesellschaften,
aber auch in den so genannten Hochkulturen vorkommt, und bis zum Zeitalter
der Aufklärung in Europa eine unrühmliche Rolle gespielt hat.
Bemerkenswert an Rosers Arbeit ist die Breite, mit der sie
angelegt ist, die Sachkenntnis, mit der er die ungemein vielschichtige
Materie ordnet und die Gründlichkeit, die er im Umgang mit Details an den
Tag legt. Er tut dies auf Grund einer eher selten anzutreffenden Fächerkombination:
Der Autor ist Theologe und Ethnologe. Darüber hinaus verfügt er offensichtlich
auch über ins Einzelne gehende linguistische Kompetenzen, denn er untermauert
seine Ausführungen mit semantischen Analysen von Wortformen, die Schlüsselbegriffe
im gedanklichen System der Hexerei bei den Gbaya bezeichnen. Dies ist eine
Grundvoraussetzung für dichte Beschreibungen von Religionskomplexen
überhaupt.
Wer sich einarbeiten will in das Verstehen der zahlreichen
Funktionen und Wirkungen, die Hexerei als soziales Phänomen auf Menschen
ausübt, wer Zugänge sucht zu möglichen Lösungen für schwerwiegende Probleme,
die der Glaube an die Fähigkeiten männlicher und weiblicher Hexen im Raum
christlicher Gemeinden und Kirchenorganisationen schafft, der findet sie
modellartig in dieser Darstellung. Es ist zu vermuten, dass manche
Schlüsse, die der Autor als Missionar zieht und manche Vorschläge, die er
daraus ableitet, nicht den gewünschten Erfolg haben werden oder in der vorgeschlagenen
Form nicht realisierbar sind.
Nützliche Ausgangspunkte und Handlungs
modelle (eigene Forschungen!) für andere Missionare bieten sie auf jeden
Fall, nicht nur bezogen auf den afrikanischen Raum, sondern weltweit.
Prof. Dr. Lothar Käser, em 2001-1.
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Ross, Andrew C. A Vision
Betrayed. The Jesuits in Japan and China, 1542 - 1742. Maryknoll: Orbis,
1994.
In diesem Buch versucht der Dozent für Missionsgeschichte an der Universität Edinburgh, Andrew
C. Ross, vor dem Hintergrund der Geschichte der Jesuiten-Mission in China und
Japan, der Fragestellung nachzugehen, wie
weit es den Jesuiten gelungen war,
in Ostasien ein von westlicher Kultur weitgehend gereinigtes Christentum
zu etablieren.
Neben seiner sorgfältigen Darstellung und Analyse der
Missionsgeschichte in der behandelten
Periode legt Ross einen Schwerpunkt auf die Untersuchung des
Verhältnisses zwischen der theologischen
Vision der „missio“, die in jener Zeit zum ersten Mal außer auf das
Verhältnis von Gott-Vater zum Sohn auch auf die Sendung der Kirche in die
Welt angewandt wurde, und dem erwachenden
politisch-kulturellen Sendungsbewußtsein der Mittelmeerländer. In diesem Konflikt zwischen Mission als Sendung im theologischen Sinn und der expansiven
Machtpolitik stand die frühe Ostasien-Mission
der Jesuiten. Und nach Ross endete dieser Konflikt mit dem Verrat an
der Vision, allerdings nicht nur durch die Jesuiten, sondern durch alle
christlichen Missionen bis zum 18. Jahrhundert.
Den weitaus größten Teil der Monographie nimmt dabei die Darstellung einiger Abschnitte der
frühen jesuitischen Missionsgeschichte in Japan und China ein. Dafür greift
Ross jedoch ausschließlich auf westliche Sekundärliteratur zurück. Der Mangel an Arbeit mit den durchaus zugänglichen Quellen zu dem behandelten Thema
birgt stets die Gefahr einer Mißinterpretation der Sekundärliteratur. Daher
liegt der
große Wert dieses Buches vor allem in seiner missionstheologischen
Untersuchung und Bewertung dieser
Missionsepoche.
Stefan Müller, em 1995-4.
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Ross-Kinsler, F. & James H. Emery (Hg.): Opting for Change: A
Handbook On Evaluation
and Planning for Theological Education for Extension. William Carey Library: Pasadena (CA) und
World Council of Churches: Genf, 1991.
Dies Handbuch zur Überprüfung des Standards und der
Qualität von TEE-Kursen und -Programmen
wurde von einem evangelikalen Missionsverlag verlegt, aber von
Mitarbeitern des Weltkirchenrates in Genf
erstellt. Deswegen liegt der Schwerpunkt
des Buches nicht auf der
inhaltlichen Seite.
Die Frage, welche Theologie vermittelt wird, ist also nicht Gegenstand des vorgeschlagenen
Weges, Stück für Stück die Trägerschaft, das Gesamtkonzept, die Einbeziehung
der kulturellen Vorgaben, die Akzeptanz
beim Schüler und das Lehrmaterial zu überprüfen.
Da die Seiten einzeln herausgetrennt werden können, ist das Buch gut
geeignet, um die einzelnen Bereiche
eines TEE-Programmes mit den Betroffenen zu diskutieren, indem jeder den Text in Kopie vorliegen hat. Für ein Handbuch erscheint mir das Buch jedoch zum Teil zu ‘hoch’ angesetzt, werden doch teilweise pädagogische und wissenschaftliche
Konzepte in einer Fachsprache diskutiert, die bei der konkreten Überprüfung
von TEE-Programmen kaum zu vermitteln sein dürfte.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1994-2.
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Rother, Bernd. Kirche in der Stadt: Herausbildung und
Chancen von Urbanen Profilgemeinschaften. Neukirchen: Neukirchener
Verlag, 2005.
Das vorliegende Buch wurde ursprünglich als Disseration an
der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Prof. Dr. Günter R.
Schmidt) verfasst und vom Autor für die Veröffentlichung sprachlich leicht
überarbeitet. Die Untersuchung richtet sich an eine akademische Leserschaft,
weniger an den praxisorientierten Gemeindemitarbeiter. Die Sprache ist auch
nach der Überarbeitung noch stark fachtheologisch geprägt und für den
allgemeinen Leser eher schwer verständlich.
Interessant ist das Material dennoch! Rother untersuchte
eine Kategorie von Gemeindegründungen im urbanen Kontext, die mehr oder
weniger freikirchlich funktionieren, aber im Rahmen der Volkskirche
stattfinden. Er nennt sie „Urbane Profilgemeinschaften“ (UPG). Im Gegensatz
zu Gemeindegründungen, die aus der Volkskirche ausgestiegen sind – Rother
beschreibt unter anderem die Anskar-Kirche (S. 23-26) – examiniert Rother das englisch-anglikanische Church Planting Movement,
die Schweizer Basileia Vineyard Bern, die französische Communauté St. Nicolas
in Strasbourg, die in Süddeutschland beheimate Oase Giengen, die Christliche
Gemeinschaft Fürth, und besonders die HOSANNA-Dienst-Gemeinschaft in
Heidelberg. Der Autor bewertet diese theologisch eher konservativen
Gemeinschaften aus der Perspektive einer immanenten Christologie
und Ekklesiologie, die Christus heute in Wort und Sakrament der Kirche als
„Gemeinde existierend“ versteht (S. 275 u.a.). Dazu im Gegensatz steht die
inkarnatorische Christologie der UPG: die untersuchten Gemeinschaften sehen
die Kirche als den Leib Christi, Christus aber als ontologisch unterschieden
von der Kirche, der eine Bekehrung zu sich, separat von
Kirchenmitgliedschaft, dennoch innerhalb des Leibes Christi, fordert. Rother
kritisiert diese inkarnatorische Christologie/Ekklesiologie als „elitäre“
Mentalität, „als könne eine Gemeinschaft als ‚vollkommenere‘ Inkarnation
Christi verstanden werden als die Volkskirche“ (S.293). Für Rother scheint
dieses „Elitebewußtsein“ gefährlich, weil es auf ein Erneuerungsbedürfnis der
Volkskirche deutet. Dennoch intendiert ja auch Rother die Erneuerung der
Volkskirche. Mit seiner Forschungsarbeit verfolgt er ja gerade die Frage, „ob
durch UPG die evangelischen Landeskirchen an Handlungsfähigkeit und damit an
Relevanz in der heutigen urbanen Gesellschaft gewinnen können“ (S.22,
wiederholt S.274).
Über die Relevanz der erforschten Gemeinden ist nicht zu
streiten. Rothers Buch macht deutlich, welche Merkmale die von ihm
untersuchten UPG gemeinsam haben: (1) sie arbeiten aufgrund der theologischen
Überzeugung, dass Menschen eine persönliche Bekehrung zu Christus brauchen,
(2) die meisten UPG haben eine charismatische Tendenz, (3) alle waren schon
vor dem offiziellen Beginn des Gründungsprojektes zielbewusst, (4) alle
wurden von einer starken und visionären Leitungspersönlichkeit gegründet, (5)
sie richten sich auf eine bestimmte Zielgruppe aus, (6) alle haben eine
missionarische Ekklesiologie.
Besonders hilfreiche Information für urbane Gemeindebauer
kommt aus dem dritten Teil des Buches, wo Rother die heutige Urbanität aus
soziologischer Perspektive untersucht. Hilfreich ist dort die Information
über urbane Netzwerksysteme. Auch das zweite Kapitel, mit den Beschreibungen
der aktuellen Gemeindegründungen, bietet dem Gemeindegründer nicht nur
hochinteressante Information, sondern auch wichtige Einsichten für die Praxis.
Abschließend bewertet Rother die Gründung von UPG im
Rahmen der Volkskirche kritisch mit Hilfe der (immanent interpretierten)
Confessio Augustana. Rother bejaht die Gründungen von UPG innerhalb der
Volkskirche, solange angemessene Strukturen und theologische Übereinstimmung
von vornherein existieren (S. 330). Aber gerade hier sehe ich das Problem:
Rother will Urbane Profilgemeinschaften, die durch ihre dynamische und
relevante Art Leute in die (Volks)Kirche zurücksammeln, will aber auch, dass
sich die UPG der -
aus meiner Sicht -
reduktionistischen Ekklesiologie der Volkskirche anpassen. Diese Anpassung
jedoch würde die UPG genauso „erneuerungsbedürftig“ in Dynamik und Relevanz
machen wie die Volkskirche. Kirche in
der Stadt ist ein Buch voller wichtiger Information, aber leider noch
nicht der dringend gebrauchte theologische und praktische Wegweiser, die Stadt in die Kirche zurückzuleiten.
Dr. Stephen Beck, em
2006-2.
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Ruokanen,
Miikka. The
Catholic Doctrine of Non-Christian Religions. According to the Second
Vatican Council. Studies in Christian Missions 7. Leiden/New York: E. J. Brill, 1992.
Da die Diskussion um eine Theologie der Religionen
weltweit in starkem Umfang von katholischen Theologen bestimmt wird, ist es
unumgänglich, sich mit der römisch-katholischen Sicht zu befassen. Die
vorliegende Untersuchung des finnischen Dogmatikers Ruokanen analysiert
schwerpunktmäßig all jene Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils, die
sich mit den außerchristlichen Religionen bzw. mit der Frage der Heilsmöglichkeit
außerhalb der christlichen Kirche befassen. Dieses Vorgehen hat den Vorteil,
die römische Sicht nicht aus den lehramtlich unmaßgeblichen Auffassungen
einzelner Theologen zu rekonstruieren, sondern aus der noch immer neuesten
Stellungnahme des römischen Lehramtes zu dieser Thematik, wie sie in den Dokumenten
des Zweiten Vatikanischen Konzils vorliegt.
Nach einer Einführung (7-10) und einer kurzen Darlegung
der vorkonziliaren Sicht der nichtchristlichen Religionen (11-34) konzentriert
Ruokanen seine Analyse der Konzilstexte zu Recht auf die Erklärung zu den
ausserchristlichen Religionen Nostra Aetate, er berücksichtigt aber auch
die dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen Gentium, das Missionsdekret
Ad Gentes und die Pastoralkonstitution Gaudium et Spes (35-113).
Ruokanens Untersuchung ist methodisch vorbildlich und in
ihren Resultaten überzeugend, weil sie sehr sorgfältig an dem Wortlaut der
Konzilstexte entlanggeht und im ständigen Gespräch mit den bislang publizierten
Auslegungen erfolgt. Ruokanen gelangt im Unterschied zu vielen
„progressiven“ katholischen Theologen (z.B. P. Knitter) zum Ergebnis, daß das
Konzil die außerchristlichen Religionen ausdrücklich nicht als Heilswege anerkannt
habe: Zwar leiteten die Konzilstexte insofern eine Neuentwicklung ein, als
sie die Religionen nicht in erster Linie unter dem Gesichtspunkt der
Ablehnung, sondern mit Respekt und Offenheit für deren religiöse und
sittliche Wahrheiten beurteilten, sie verblieben aber inhaltlich in den
Linien der vorkonziliaren Tradition, insofern sie den Religionen (im Sinne
von Röm 1,19f. und 2,14f.) nicht mehr als ein gewisses Maß an natürlicher
Gotteserkenntnis und ethischer Einsicht auf der Basis einer allgemeinen
Schöpfungsgnade zuerkannten. Demnach könnten sich weder Rahners inklusive
Theorie von den „anonymen Christen“ noch die heute bei katholischen Denkern
beliebte pluralistische Theologie der Religionen auf das Zweite Vaticanum
berufen. Ruokanens für manche sicherlich ernüchterndes Fazit: „Insgesamt betrachtet
bestätigte das Konzil die klassische katholische Position erneut und führte
somit die Kontinuität in der katholischen Lehre vor Augen.“ (Übersetzung aus
dem Engl.) Die Studie wird beschlossen durch einen umfangreichen Anhang,
der die Textgeschichte von Nostra Aetate dokumentiert (121-131) und eine
aufschlußreiche (1990 im International Bulletin of Missionary Research
erschienene) Kontroverse des Autors mit Paul Knitter und William Burrows
über die Berechtigung seiner Interpretation des Zweiten Vatikanischen
Konzils widergibt. Diese Debatte unterstreicht noch einmal die Fundiertheit
von Ruokanens Analyse.
Werner Neuer, em 1996-3.
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Rzepkowski, Horst. Lexikon der Mission. Geschichte, Theologie, Ethnologie. Graz/ Wien/Köln: Styria, 1992.
Neben dem 1975 erschienenen „Lexikon zur Weltmission“,
dessen protestantische und angelsächsische
Herkunft unübersehbar ist, und dem streng auf evangelisch-katholische
Parität bedachten „Lexikon missionstheologischer Grundbegriffe“ von 1987
liegt nun ein drittes lexikales
Nachschlagewerk vor. Verantwortlich dafür zeichnet der Ordinarius für
Missionswissenschaft an der Philosophisch-Theologischen
Hochschule SVD St. Augustin, der es – welch herkulische Arbeit – allein
verfaßte und damit „auf Fragen nach geschichtlichen Fakten und gegenwärtigen Abläufen eine schnelle Antwort“
geben will. Entsprechend bietet das Lexikon
über 750 zumeist mit gut ausgewählter Literaturangabe versehene kurze
Artikel, die -bedauerlicherweise - auf Querverweise verzichten. Ebenso
vermißt man ein Register; stattdessen ist ein „Verzeichnis der Artikel“
beigefügt. Wie obige Werke, so ist auch dieses – erfreulicherweise – ökumenisch orientiert, wenngleich das
römisch-katholische Element merklich
vorherrscht – was freilich der Horizonterweiterung
des evangelischen Lesers durchaus
dienlich sein wird. Erfreulich ist auch die beträchtliche thematische Breite,
die das Lexikon auszeichnet: Über die im Untertitel genannten
Schwerpunkte hinaus schließt es wichtige
Beiträge aus der politischen Zeitgeschichte (z.B. Apartheid, Club of Rome),
der vergleichenden Kultur- und Religionswissenschaft (vgl. bes. S.259-261, 358-360) wie auch vor allem aus der Entwicklungshilfe (vgl. bes. S.126-129.137-139. 343f.) mit ein.
Den Vorrang haben
freilich die Theologie und darüber
hinaus die Geschichte, die weniger mit
geographischen Artikeln als mit einer Vielzahl von Sachbeiträgen und
namhaften Gestalten zu Wort kommt. Personenartikel machen überhaupt etwa ein
Viertel aus; des weiteren werden Personen auch in Sachartikeln vorgestellt.
Evangelischerseits bietet sich eine recht
breite Palette dar, die von Luther über Rhegius(!), Leibniz,
Ziegenbalg, Gützlaff und Venn bis zu Otto,
Harnack(!) und Marguli reicht. Allerdings vermißt man auch Beiträge, etwa über Jänicke, Nommensen (welcher weniger
kundige Leser würde ihn unter „Ba-tak-Kirche“
suchen?) und den ruhmreichen Albert
Schweitzer. Etwas weniger Beachtung als die Personen finden die Träger
der Mission: Die protestantischen Organisationen werden hauptsächlich in zusammenfassenden Artikeln
(Missionsgesellschaften, Glaubensmissionen, Ärztliche Mission u.a.)
dargestellt. Exemplarisch werden daneben fünf deutsche und vier angelsächsische Gesellschaften einzeln aufgeführt;
allerdings vermißt man dabei die Dä-nisch-Hallesche
und die Herrnhuter Brüdermission.
Die wichtigsten missiologischen, aber auch damit verwandte
allgemeintheologische Begriffe werden in prägnanter, allgemeinverständlicher Weise referiert, wobei sich Rzepkowski
mit einer Wertung weitgehend zurückhält. In
einigen Artikeln wird jedoch nicht
immer ersichtlich, um wessen Meinung es sich handelt, da der Verfasser
mitunter ohne Quellenangabe zitiert. Orientiert hat er sich vornehmlich an den Auffassungen des Zweiten
Vatikanums (vgl. den entsprechenden Artikel), ohne freilich die von der ökumenischen und der evangelikalen
Bewegung geprägten Themen zu vergessen (Ökumenische Mission, Weltmissionskonferenzen,
Evangelikai, Lausanner Kongress). Leider
haben sich zahlreiche Druck- und Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen;
z.B. wurde die Liebenzeller Mission 1899 gegründet, nicht 1892 (S.303); der
als bestehend aufgeführte „Deutsche Evangelische Missionstag“ (ebd.) wurde
1974 aufgelöst. Trotz dieser kleinen Mängel wird dieses leicht lesbare Buch
schon sehr bald Rang und Ruf eines Standardwerkes erlangt haben. Deshalb
gehört es nicht nur in die Bibliothek des missiologischen Fachmanns, sondern stellt auch - trotz des stattlichen Preises - eine lohnende Anschaffung
für jeden dar, der sich näher mit der Mission
beschäftigt.
Werner Raupp, em 1994-2.
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Rzepkowski, Horst. Lexikon der Mission: Geschichte
- Theologie - Ethnologie. Verlag Styria: Graz, 1992.
Einmannlexika sind heute recht selten geworden, aber dem
katholischen Missionslexikon von Rzepkowski dürfte man wohl kaum anmerken,
daß das ungeheure Fachwissen einschließlich der vielen Literaturverweise von
nur einem einzigen Mann im Laufe seines langen Lebens zusammengetragen
wurde. Natürlich steht die katholische Missionstheologie bei der Auswahl
der Themen und Einträge im Vordergrund. Wer die bedeutenden Missionare der
katholischen Kirche oder die verschiedenen päpstlichen Missionsenzyklika oder
wichtige Dokumente im Geiste des 2. Vatikanischen Konzils kennenlernen will,
wird derzeit kaum einen besseren Zugang dazu finden. Doch schon in den
dogmatischen Artikeln ist das katholische Element erstaunlich zurückhaltend
eingebracht worden. Die protestantische Geschichte der Mission und der Missionswissenschaft
wird in vielen eigenen Artikeln berücksichtigt, wenn auch nicht so umfassend,
wie die katholische. Gelegentlich haben sogar evangelikale Themen und Gruppen
Eingang gefunden (z. B. ‘Evangelikale’, ‘Lausanner Kongreß’), wenn auch
praktisch alle Glaubensmissionen fehlen (Ausnahmen z. B. ‘Baptistische
Missionen’, ‘Jugend mit einer Mission’). Die theologische Breite der Artikel
und der Versuch des Verfassers, seine eigene Theologie nicht zu sehr
durchscheinen zu lassen, der natürlich grundsätzlich sehr zu begrüßen ist,
führt aber dazu, daß das historische Element sehr stark im Vordergrund
steht, die theologische Beschreibung und Differenzierung der einzelnen
Gruppen dagegen bisweilen zu kurz kommt und recht flach wirkt. Oft bleibt es
bei Kurzurteilen, die - auch wenn man berücksichtigt, daß das Lexikon knapp
informieren will – der Thematik kaum gerecht werden.
Ein Beispiel muß hier genügen. So beschreibt der Artikel
„Dämon“ ausführlich auf zwei kompletten Spalten die klassische Sicht der
Dämonisierung fremder Religionen, wie sie die Missionsgeschichte geprägt
hat, sowie den Stellenwert des Dämonenglaubens in bestimmten Religionen. An
eigener Stellungnahme erfolgt jedoch nur eingangs ein einziger Satz: „Im
Bereich der Evangelisierung und der Begegnung mit den Religionen ist die Vorstellung
des ‘Dämon’ wenig hilfreich“. Was soll damit gesagt werden? Gibt es Dämonen,
aber man sollte weniger von ihnen sprechen oder sie nicht in anderen
Religionen sehen? Oder gibt es bestimmte sinnvolle Beschränkungen für einen zu
leichtfertigen Umgang mit dem Vorwurf der Dämonie? Oder sind Dämonen mythische
Beschreibungen, die heute nicht mehr angebracht sind?
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-4.
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Sahid, Ibrahim. Christen und Moslems. Anregungen
zum Gespräch. Uhldingen:
Stephanus-Edition, 1997.
Dieses kleine Taschenbuch erschien 1971 in Afrika und
wurde in Indien bereits in vier Sprachen veröffentlicht. Sahid, langjähriger
Islam-Missionar in Afrika, möchte Christen praktische Handreichungen geben
für missionarische Gespräche mit Muslimen. Er vermittelt nicht nur
Grundlagenwissen über gut geeignete Themen. Es versucht auch, Gesprächshilfen
zu geben für die ‘heißen Eisen’ wie die Gottessohnschaft Jesu oder die Dreieinigkeit.
Zusätzlich wirft er am Ende jeden Kapitels einige Fragen auf, damit eigene
Verhaltensweisen und Denkstrukturen neu überdacht werden können. Daß Jesu
Liebesgebot gerade auch für Muslime gilt und die Liebe Christen von Furcht
und Vorurteilen befreit, kann auch bei uns in Deutschland nicht oft genug
betont werden. Sahid vermittelt nicht nur ‘trockenes’ Wissen, sondern auch
seelsorgerliche Hilfen für diejenigen, die mit Muslimen im Gespräch sind.
Besonders geeignet als ‘Einstiegslektüre’.
Dr. Christine Schirrmacher, em 1998-1.
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Samuel, Vinay & Chris Sugden (Hg.). A.D. 2000 and Beyond: A Mission Agenda. Festschrift John Stott. Regnum Books: Oxford, 1991.
Diese
missionswissenschaftliche Festschrift zum 70. Geburtstag von John Stott wurde nicht von evangelikalen
Größen verfaßt, wenn man einmal von dem Vorwort von Billy Graham absieht, sondern weitgehend von jüngeren Theologen aus aller Welt, die sich dem Verhältnis
von Mission und sozialem Engagement oder der Auseinandersetzung mit anderen
Religionen widmen und die seit einigen Jahren
von John Stott wesentlich gefördert werden.
Auch der Verlag des Buches geht auf diese Initiativen zurück. Unter
den theologisch weitgestreuten Autoren
finden sich aus England Christopher
Sudgen und der Leiter des All Nations Christian College, aus Asien
John Chew Hiang Chea, Jesudason B.
Jeyaraj, Michael Nai-Chiu und Vinay Samuel, aus Brasilien Valdir Steuernagel, aus Afrika Robert Aboagye
Mensah, aus Pakistan der Leiter der Church
Missionary Society, und schließlich sogar Joachim Wietzke vom
Evangelischen Missionswerk in Hamburg
(über das Verhältnis zum Islam). Eine solche Breite an theologischen Positionen und Themen kann natürlich, wie es meist bei Festschriften der Fall ist, nur schwer vorgestellt und beurteilt werden. Die meisten Autoren beschäftigen sich mit sozialen Fragen oder mit dem Einheimischwerden
des Evangeliums in ihrer oder anderen
Kulturen. Erfreulich ist, daß zu sozialen Fragen sehr stark auch das
Alte Testament herangezogen wird. Dies gilt etwa für Wrights Darstellung der Einzigartigkeit Christi aus
alttestamentlicher Sicht oder den lesenswerten Beitrag zum Verhältnis von
Eltern und Kindern im Alten Testament und
den Folgerungen für von der
Ahnenverehrung geprägte
Gesellschaften. Allerdings wird man bisweilen
den Verdacht nicht los, daß es nur um ein Berufen auf das Alte
Testament geht, wenn es gerade passend
erscheint, denn ein
grundsätzlicher Ansatz, wie Christen -
gerade auch in der Dritten Welt - das Alte Testament heute ethisch und missiologisch verwerten sollen, wird nirgends sichtbar.
Dr. Thomas
Schirrmacher, em 1992-3.
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Sandgren, David P. Christianity and the Kikuyu. Religious
Divisions and Social Conflict. (American University Studies, Series IX History; vol. 45), Peter Lang: New York,
1989.
Von ihrer Qualität her zu urteilen, hätte Sandgrens
Dissertation (University of Wisconsin-Madison 1976) nicht so lange (wenn man
von der University Microfilm Int. [UMI] Print-on-Demand Version absieht) unveröffentlicht bleiben dürfen. In
seiner gut lesbar geschriebenen Arbeit untersucht Sandgren für das Gebiet der Africa Inland Mission in Kenya die Begegnung
der Kikuyu mit der christlichen Botschaft, wobei er die AIM als eine Mission schildert, die eng mit ihrer
eigenen Kultur liiert ist und dieser Tatsache wenig kritisch gegenübersteht. Sandgren sieht aber - und hier unterscheidet sich sein Buch von vielen frommen wie gar nicht so frommen Büchern - die Kikuyu nicht als
die passiven Empfänger bzw. Opfer des Handelns
der Mission, sondern als Menschen,
die aktiv und selbständig der christlichen Botschaft
begegnen und sie sich aneignen, mit, gegen
oder ohne die Missionare. Zudem zeichnet sich Sandgrens Buch dadurch
aus, daß über 300 Interviews mit Kikuyu
den wichtigsten Teil der Primärquellen bilden, was aber die Qualität der Bearbeitung der schriftlichen Primärquellen
nicht mindert.
In Sandgrens Buch geht
es thematisch um die Autonomie der
Außenstationen (ohne weiße
Missionare), um die Mädchenbeschneidung, um das Schulwesen und um die
aus diesen drei Kontroversen hervorgehenden Afrikanischen Unabhängigen Kirchen. Da diese Fragen in der einen
oder anderen Form heute noch in vielen Missionen und Kirchen brennend sind,
ist das Buch für den praktischen Missionar sehr zu empfehlen, auch wenn er nicht in direktem Kontakt zur AIM steht.
Außerdem kann das Buch einer
Korrektur der AIM Geschichtsschreibung dienen. Die offizielle
Darstellung (Kenneth Richardson: Garden
of Miracles. A History of the Africa Inland Mission, London: Victory Press 1968) münzt den Titel zwar auf Gottes Wirken, aber manche Informationen erscheinen schon sehr wundersam. Wenn zum Beispiel berichtet wird, daß nach
der Kontroverse um die Mädchenbeschneidung
die Zahl der Christen schrittweise wieder zunahm, daß aber die
Maßstäbe nie gesenkt wurden, so ist das
schlicht nicht wahr, wie nicht nur
Sandgren und Jomo Kenyatta (Facing Mount Kenya) belegen, sondern auch
John Gration (jetzt Professor of Missions am Wheaton College), dessen
Dissertation (The Relationship of the
Africa Inland Mission and its
National Church in Kenya Between 1895 and 1971, PhD New York University 1974)
leider auch noch der Veröffentlichung harrt (allerdings bei UMI als Print-on-Demand Version erhältlich ist).
Sandgrens Buch möchte
ich Missionaren, die sich mit dem
Verhältnis Kirche - Mission und
Mission - einheimische Kultur beschäftigen, sehr empfehlen. Diese
Empfehlung gilt trotz des bescheidenen Layouts, das den Eindruck erweckt,
als gäbe es in Amerika noch keine
Computer.
Dr. Klaus Fiedler, em 1993-3.
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Sauer, Charlotte. Johannes E. Gossner, Ein Leben für die
Wahrheit. Neuhausen: Hänssler, 1995.
Die Lebensgeschichte Gossners (1773-1858) liest sich
spannend wie ein Roman. Sehr einfühlsam und klar zeichnet Sauer die
Stationen dieses Erweckungspredigers nach. Während 30 Jahren tritt er als
kompromissloser Mahner für die Wahrheit des Evangeliums im Kontext seiner
katholischen Umgebung ein. Als sich von Seiten der Kirchenführung gegen den
Priester Gossner starker Widerstand regt und er mehrfach gemaßregelt und
schließlich aus Bayern vertrieben wird, nimmt er eine Berufung nach Petersburg
an. Nach Jahren gesegneten Dienstes regt sich auch dort Widerstand. Wieder
wird er vertrieben und flieht in eine für ihn ungewisse Zukunft. Schließlich
tritt er zum evangelischen Glauben über und übernimmt eine Pfarrstelle in
Berlin. Jahre des außergewöhnlich gesegneten Dienstes für das Reich Gottes
folgen. In Zusammenarbeit mit seiner treuen Haushälterin richtet er in Berlin
Kinder-Warte-Anstalten ein, gründet das heute noch bestehende
Elisabeth-Krankenhaus und ruft einen Missionsverein ins Leben. In einem
Jahrzehnt werden 80 Männer und fast ebensoviele Frauen als Missionare in die
Teile der Welt ausgesandt, in denen noch keine Christengemeinden bestanden.
Es tut uns als weitgehend angepaßten Christen des bald
21. Jahrhunderts gut, sich von der Treue und Radikalität eines geistlichen
Vaters wie Gossner inspirieren zu lassen!
Hartmut Burghoff, em 1996-3.
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Sauer, Christof. Mission und
Martyrium. Studien zu Karl Hartenstein und
zur Lausanner Bewegung. edition afem - mission
Scripts 5, VKW:
Bonn, 1994.
Der Autor stellt selbst
die Frage: „Warum schreibt ein junger Mensch aus der BRD über ein
Thema, das sich mit der Kreuzesnachfolge befaßt,
wenn er noch nie einen Krieg erlebt oder Verfolgung erlitten hat?“
Seine Antwort: „Es wird immer wieder über
die Bedrängnis von Christen
berichtet. Aber wie gehen wir
damit um? Wie gehen wir mit den vielfältigen Meldungen aus anderen Ländern
um, die vom Tod und Leiden von Christen,
Entführungen oder sogar Ermordungen von Missionaren berichten?“
Christof Sauer geht dem
Problem des Martyriums im Zusammenhang der Mission in drei Anläufen
nach. Zunächst untersucht er, was die Schriften
Hartensteins zur Frage des Leidens und
Martyriums zu sagen haben. In einem zweiten Teil analysiert er die Dokumente
der Lausanner Bewegung 1974 - 1989.
Abschlie ßend versucht er die neutestamentlichen Aussagen zum Thema
systematisch zusammenzustellen.
Besonderes Interesse
dürfte der Teil über Karl Hartenstein (1894-1952) finden. Denn die Untersuchung erschien kurz nach Abschluß des 100.
Geburtsjahres des früh verstorbenen Basler Missionsdirektors und Stuttgarter
Prälaten.
Karl Hartenstein ist in seiner pietistischen (nicht
evangelikalen) Theologie geprägt durch die Tübinger Professoren Adolf
Schlatter und Karl Heim, aber er hat sich auch mit der Theologie Karl Barths
auseinandergesetzt. Nur eine einzige Schrift Hartensteins trägt den Begriff „Leiden“ im Titel. Sie heißt „Das Geheimnis des
Leidens in der Mission“, wie in der Fußnote
auf S.21 richtig angeführt (nicht wie im Text fehlerhaft zitiert). In
Hartensteins Auslegungen zum Propheten Daniel, zu Matthäus 24 und der
Offenbarung finden sich viele Gedanken zu einer „Theologie des Martyriums“.
Sauer stellt in gründlicher Quellenarbeit die wesentlichen Aussagen Hartensteins zu Leiden und
Martyrium systematisierend zusammen. Vieles findet sich zwar in anderer
Zusammenstellung auch in dem Standardwerk
von Gerold Schwarz über die
Theologie Hartensteins (Stuttgart
1980), das noch im Handel erhältlich ist. Doch Sauer geht weit
ausführlicher auf das Thema ein.
262 Fußnoten zeigen, wieviel Hartenstein geschrieben hat und daß mehr über ihn geschrieben
haben als man denkt, bis hin zum württembergischen
Landesbischof i.R. D. Theo Sorg.
Fritz H. Lamparter, em 1995-4.
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Sauer, Christof. Reaching the Unreached Sudan Belt:
Guinness, Kumm and the Sudan-Pionier-Mission, Evangelium und Islam Bd. 2,
Nürnberg: Verlag für Theologie und Religionswissenschaft, 2005.
Die Forschungsarbeit von Christof Sauer, für die er im
Jahr 2002 von der Universität von Südafrika promoviert wurde, konnte endlich
2005 einem breiteren Kreis von Lesern zugänglich gemacht werden. Unter diesen
werden alle auf ihre Kosten kommen, die an der Missionsgeschichte im
Allgemeinen und an der Geschichte der evangelikalen Missionen im Besonderen
interessiert sind.
In Kap. 1 stellt der Verfasser Ziele und Methoden seiner
Arbeit vor. In ihr geht es um die wissenschaftliche Aufarbeitung der Anfänge
der im Jahr 1900 in Assuan/Ägypten und in Eisenach gegründeten Sudan-Pionier-Mission
(SPM, Kap. 4-7). Der Verfasser stellt diese Gründung in den weiten Rahmen der
Bemühungen, Zentralafrika südlich der Sahara – damals Sudan genannt – der
christlichen Mission zugänglich zu machen (Kap.2).
C. Sauer stellt die Anfänge der SPM aber auch in den
Rahmen der evangelikalen Missionsbewegung im letzten Drittel des 19.
Jahrhunderts. Er würdigt in Kap. 2 ausführlich eine Pionier-Familie, der das
Erreichen Zentral-Afrikas besonders am Herzen lag: den Briten Henry Grattan
Guinness (1835-1910), seine Frau Fanny (1832-1898) und seine Tochter Lucy
(1865-1906). H. G. Guinness gab der internationalen Missionsbewegung starke
geistliche Impulse und war der Motor bei der Gründung der SPM. Er ist heute
aber nur noch in Fachkreisen bekannt. Es lohnt sich, mehr über ihn zu wissen.
Das gilt auch für seinen deutschen Schwiegersohn Karl Kumm
(1874-1930), der zusammen mit Lucy Guinness die Anfänge der SPM ins Werk
setzte. Der Autor hat sich besonders intensiv mit K. Kumm beschäftigt (Kap. 3
ganz und Kap. 4-6 wiederholt) und dabei eine Fülle neuer Informationen und
Erkenntnisse ans Licht gebracht. K. Kumm gründete nach dem Ausscheiden aus
der SPM 1904 in England die Sudan United Mission (SUM), die ihn international
bekannt machte.
Der Verfasser arbeitet in erster Linie historisch,
durchdringt die Fülle des Stoffs aber gleichzeitig in missiologischer
Reflexion (Kap. 7-9). C. Sauers Werk macht deutlich, dass zwischen großen
Zielen und ihrer konkreten Verwirklichung eine erhebliche Diskrepanz bestehen
kann. Die deutsche SPM blieb lange auf das südliche Ägypten beschränkt, während die SUM den Sudan-Gürtel sofort
erreichte und hier sehr erfolgreich wirkte.
Die Gründer der deutschen SPM gingen enthusiastisch, aber
wenig professionell ans Werk. Menschliche Unzulänglichkeiten kamen hinzu, so
dass der Verfasser kaum in Versuchung kommen konnte, die Vita von Heiligen zu
schreiben. Es ist tröstlich, dass die SPM trotz ihres holprigen Starts
inzwischen auf eine über hundertjährige Segensgeschichte zurückblicken kann.
Die Nachfolgewerke der alten Sudan-Pionier-Mission sind die „Evangeliumsgemeinschaft
Mittlerer Osten“ (Wiesbaden) und die „Mission am Nil“ (Knonau/Schweiz).
C. Sauer hat seine Arbeit auf Englisch geschrieben.
Dadurch ist sie einem internationalen Leserkreis zugänglich. Dem deutschen
Leser hilft ein ausführliches Inhaltsverzeichnis zur raschen Orientierung.
Landkarten, Tabellen, ein ausführliches Literaturverzeichnis, ein
detailliertes Stichwortregister und ein Anhang mit zitierten Texten aus der
Gründungszeit der SPM (68 Seiten) machen das Werk zu einem überaus
brauchbaren Arbeitsmittel.
Dr. Christof Sauer ist württembergischer Pfarrer und seit
2000 im Auftrag der Vereinigten Deutschen Missionshilfe (Bassum) in Südafrika
tätig. Seit 2003 ist er Dozent für Missiologie an der University of South
Africa (UNISA) in Pretoria und Academic Liaison Officer der Gesellschaft für
Bildung und Forschung in Europa e.V. (GBFE).
Eberhard
Troeger, em 2006-2.
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Sauer, Silke. Oralität und Literalität –
Ihre Bedeutung für Kommunikation und Bibelübersetzung. Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 1995.
Silke Sauers Arbeit behandelt die Bedeutung der Oralität
und Literalität für Kommunikation und Bibelübersetzung. Der Unterschied zwischen
Oralität und Literalität ist das Fehlen bzw. das Vorhandensein von Schrift in
einer Gesellschaft. Allerdings ist diese Trennungslinie in verschiedenen
Gesellschaften nicht so klar zu ziehen, da es Mischformen gibt. Oralität und
Literalität beeinflussen Denken, Kommunikation und Religion eines Volkes.
Die Übersetzung der Bibel in die Sprache einer oralen
Kultur ist mit Problemen verbunden, die über die allgemeinen Schwierigkeiten
bei der Bibelübersetzung hinausgehen und die inhaltliche Verständlichkeit,
die Glaubwürdigkeit und die persönliche Relevanz betreffen. Darüber hinaus
geht die Autorin auf die Übermittlung der Bibel in einer oralen Gesellschaft
ein. Sie präsentiert methodische Ansätze und Gedanken zur schriftlichen
Kommunikation (sprachliche, inhaltliche und formale Gestaltung) und zur
oralen Kommunikation (direkte mündliche Rede, Lied und Gesang, verschiedene
Medien). Dieses Buch sollte eine „Pflichtlektüre“ für all diejenigen sein,
die sich auf dem Gebiet der Bibelübersetzung engagieren. Darüberhinaus ist
es für alle Missionare empfehlenswert, die in einer oralen Kultur arbeiten,
denn es ist wichtig, darüber nachzudenken, wie eine Bibelübersetzung die
Kultur beeinflußt bzw. beeinflußt hat.
Mechthild Roth, em 1997-4.
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Sautter, Gerhard. Heilsgeschichte und Mission ‑ Zum
Verständnis der Heilsgeschichte in der
Missionstheologie. Theologische
Verlagsgemeinschaft (TVG) / Brunnen Verlag Gießen, Basel, 1985.
Sautter versucht mit dieser Arbeit, die 1984 in Tübingen bei Peter Beyerhaus
als Disser
tation angenommen wurde, das Verständnis der
Heilsgeschichte darzustellen und zu werten,
wie es bei den Weltmissionskonferenzen,
den ökumenischen und evangelikalen Weltkonferenzen zwischen 1910 und
1975, zu beobachten ist. Die Darstellung wird
ergänzt durch einen knappen Aufriß einiger heilsgeschichtlicher Entwürfe
sowie eine Zusammenfassung der
,,Antwort der Bibel“ auf diese Entwürfe.
Sautter hat damit die Herausforderung aufgenommen, zu untersuchen, inwieweit die Missionstheologie des 20. Jahrhunderts die Spannungen zwischen dem „schon
jetzt“ von
Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi
und dem ,,noch nicht“ der Wiederkunft
Jesu Christi durchhält. – Die formale Grenze dieser Untersuchung liegt in der Selbstbeschränkung Sautters:
Missionstheologie wird reduziert
auf die Erklärungen der erwähnten
Weltkonferenzen.
Eine weitere Grenze der
Untersuchung liegt darin, daß sie die „Antworten aus der Theologiegeschichte“ auf zehn Beispiele begrenzt:
Auf Irenäus und Augustinus folgt Joachim von Fiore; Martin Luther und Thomas
Münzer werden auf exakt zwei Seiten abgehandelt
(wobei die für diese Fragestellung
so wichtige Zwei-Reiche-Lehre nicht dargestellt
wird). Bengel wird erwähnt als Vertreter
der „protestantisch-joachimitischen Tradition“; ein Exkurs zu der
Darstellung Bengels handelt von
„Heilsgeschichte bei Hegel und Marx“, was für mich nicht einleuchtend ist. Aus den letzten hundert
Jahren finden nur von Hoffmann, Martin Kahler und (ohne eigenes Kapitel)
Oskar Cullmann Erwähnung. Ich halte diese Zusammenfassung in dieser Auswahl
und Kürze für ungenügend.
Die größte Enttäuschung
für mich liegt aber in der Tatsache, daß die Spannung zwischen „schon jetzt“ und „noch nicht“ in der Darstellung nicht durchgehalten wird.
Zum Kriterium einer heilsgeschichtlichen Missionstheologie wird nicht diese Spannung, sondern die einseitig und oft
ausschließlich futurische Eschatologie. Für mich bedeutet diese Akzentverschiebung auch eine christologische Entscheidung, denn wenn das Reich
Gottes nur als ein kommendes erwartet
wird, dann ist mit der Inkarnation, dem Leiden und dem Sterben Jesu
Christi, mit seiner Auferstehung und Himmelfahrt
eben nichts Entscheidendes passiert,
dann hat Christus den Sieg über Sünde
und Tod und Welt noch nicht errungen. Diese Aussage allerdings würde ich für
unbiblisch halten. Ein solches
Kriterium wäre für mich in seiner
Einseitigkeit falsch.
Bei der Darstellung des evangelikalen Standpunktes stellt Sautter ziemlich ausführlich die gesamte evangelikale Bewegung dar und orientiert auch über verschiedene Zweige innerhalb dieser Bewegung (Evangelikale,
neue Evangelikale, bekennende Evangelikale, radikale Evangelikale), wobei
m.E. das Spektrum der evangelikalen Bewegung
sehr viel größer ist, als es hier zur Darstellung kommt. Ich bin mir auch nicht so sicher, daß die Bezeichnungen
schon so allgemein anerkannt wären, wie es bei Sautter den Anschein hat.
So dankbar diese Übersicht auch zur Kenntnis genommen werden wird, so bedauerlich ist
dabei doch die Tatsache, daß die ekklesiologische Frage einfach zu
kurz kommt. Es wäre reizvoll und notwendig, die heilsgeschichtliche Sicht in
den verschiedenen evangelikalen Gruppierungen einmal vor dem Hintergrund
ihrer jeweiligen Ekklesiologie zu sehen und darzustellen.
Sautter stellt in seinem Buch eine mögliche und denkbare
Sicht der biblischen Heilsgeschichte
ausführlich dar. Dafür bin ich dankbar, auch wenn diese Sicht dem
biblischen Reichtum und dem vielfältigen Handeln des auferstandenen Christus in Kirche und Mission nicht voll gerecht wird.
Theo Wettach, em 1986-4.
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Sawatsky,
Walter W.; Peter F. Penner (Hg.), Mission in the Former Soviet Union.
Occasional Publications – published in cooperation with International Baptist
Theological Seminary [IBTS] of the European Baptist Federation,
Schwarzenfeld: Neufeld Verlag, 2005.
Die Referate in diesem Sammelband gehen auf eine im
Februar 2003 vom IBTS in Prag veranstaltete Tagung zum Thema „Mission in the
Former Soviet Union“ zurück. Sie wollen eine ausgewogene Darstellung fremder
sowie nationaler Missionsbestrebungen seit dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion
und Entstehen der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS – CIS) auf dem
Hintergrund der Russisch Orthodoxen Kirche und der sowjetischen
Religionspolitik vermitteln.
Als Rußlanddeutsche bleibt in den Ausführungen von Peter
Penner und Johannes Dyck der Puls der slawischen Seele vernehmbar. Ihr Denken
ist von zwei Welten geprägt (Kap.1, 2, 5 u. 7). Penners missiologische Perspektive
zeigt, wie die missio dei unter
slawischen Völkern von der Kiewer Periode bis glasnost und perestrojka
unablässig gewirkt hat. Die Sowjets nahmen den Gläubigen ihre Leiter, aber
nicht ihr Zeugnis (S.11-27). Flammen Gottes sind unauslöschlich. Davon zeugt
auch Penners Auswertung verschiedener Missionsmittel und -methoden in der GUS
(S.120-163). Dycks drei Modelle der Erweckung, die in Nachkriegsjahren zu
Neuentstehungen der Gemeinde unter Deutschen in Zentralasien führten, wobei
das Priestertum aller Gläubigen als Schlüssel diente, bleiben aktuell (S.74-93).
Marina Sergeyevna Karetnikova und Viktor Artemov bringen
bodenständige Kenntnis aus Kultur und Geschichte ihres Volkes mit in ihre Beiträge
(S.64-73; 226-248). Karetnikova beginnt ihren Beitrag zur Missionsbewegung im
19. und 20. Jahrhundert mit Felician Zaremba, Mitbegründer der Evangelikalen
Rußlands, und spricht am Schluß von dem dynamischen Zeugnis einer neuen
Generation gläubiger Russen, die zusammen mit einheimischen Absolventen
theologischer Institutionen, Deutschen, Amerikanern, und Koreanern für die
geistliche Erweckung Rußlands wirken (S.73; 64-73). Artemov ist einer der
„neuen Generation“ mit einem Herzen für „Christian Camping in Russia“
(S.226-248), wobei er aus Ergebnissen von Umfragen festzustellen sucht, wie
junge Menschen mit dem Evangelium erreicht, in die Gemeinde integriert, und
Mitarbeiter als Nachfolger Jesu geschult werden können (S.237-238), Die
Angloamerikaner, Mark Elliott und Walter Sawatsky, behandeln einige Themen,
die sie als Ausländer anders wahrnehmen als Insider. Elliott spricht über ein heikles Thema, wenn er auf
widergesetzliche Diskriminierung hinweist, die ein Auslandsmissionar beim
Antrag eines Visums für Rußland erlebt und oft mit einer Absage abgefertigt
wird (S.188-201).
Sawatsky vertieft sich in die geschichtliche Entwicklung
evangelikaler Bewegungen im slawischen Raum und versteht es, den Ertrag
tiefgründiger Forschung in einer verständlichen Sprache zu vermitteln. Er
führt die Entstehung der Evangeliken auf ausländische sowie einheimische
Quellen zurück und nennt die Jahre von etwa 1870 bis 1930 „das goldene
Zeitalter“, an dem Evangeliums-Christen, Baptisten und Mennoniten teilnahmen.
Jede Gruppe wurde von den Sowjets schwer verletzt, keine total vernichtet.
Nach dem 2. Weltkrieg rollten geistliche Neubelebungen über das Land und
gaben Anlaß zu neuen Missionseinsätzen (S.38-62). Seine Bewertung der
Missionen seit den Achtzigern zeigt, dass echte Frucht weder durch Eifer noch
Eingrenzung, sondern aus „Duldsamkeit und Demut unter Gottes Führung“
entstand (S.116; 94-118). Der historische Entwurf zum interkonfessionellen
Dialog (S.164-186), sowie der Aufruf zu Gesprächen zwischen evangelikalen
Richtungen, helfen irrtümliche Vorstellungen zu eliminieren (S.202-225).
Sawatsky schließt mit einem ernüchternden Gedanken im Blick auf die Zukunft
der Mission in der GUS (S.250-274): „Wir können‘s nicht ohne Gott; Gott tut‘s
nicht ohne uns.“
Das Buch ist nur zu empfehlen, das Register hilfreich;
verbesserungsbedürftig bleiben Format und Aufmachung.
Prof. em. Dr. Dr.
Hans Kasdorf, em 2007-2.
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Schalkwijk,
Frans Leonard. The Reformed Church in Dutch Brazil (1630-1654). Uitgeverij Boekencentrum: Zoetermeer, 2000.
Der Weltmissionsgedanke war bei reformierten Reformatoren
wie Calvin und Bucer von Anbeginn greifbar und führte schon im 16. Jh. zu –
allesamt gescheiterten – organisierten Missionsarbeiten in Übersee. Insbesondere
die Niederlande brachte nicht nur bedeutende Missionsdenker wie Gisbertus
Voetius hervor, sondern auch organisierte Missionsunternehmungen. Dies
geschah auch schon während der blutigen Entstehungszeit der Niederlande, als
der sog. 80jährige Krieg (1568-1648) bis zum Westfälischen Frieden eigentlich
die Interessen in die Heimat hätte lenken müssen. Denn in Brasilien entstand
1630 nicht nur eine Kolonie, sondern auch eine ausgedehnte Missionsarbeit
unter den Portugiesisch sprechenden Bewohnern (bes. S.152-167) und den Indianern
(bes. S.168-185).
Die umfangreichste Untersuchung zur Geschichte der
reformierten Mission und Kirche in Nordostbrasilien war schon immer
minutiöse, oft gerühmte Untersuchung des in den Niederländern geborenen Brasilianers
Schalkwijk, die 1986 auf Portugiesisch erschien. Die mit ‘cum laude’ bewertete
Dissertation (Sao Paulo) erhielt sogar staatliche Ehrungen. Sie liegt nun
endlich in einer überarbeiteten Fassung (mit Register) auf English vor.
Die Arbeit schildert sowohl die Vorgänge in der
niederländischen Mutterkirche, als auch Theologie und Praxis in Brasilien.
Die zugrundeliegende Missionstheologie, die Kirchenstruktur, die Art und Zahl
der Taufen, die Katechismen, der dreisprachige Missionskatechismus und die
wichtigsten Missionare und Pastoren sind nur einige der Themen.
Besonders breiten Raum nimmt die Frage des Umganges mit
Lutheranern, Katholiken, Juden und Indianern ein und damit die Frage nach der
Religionsfreiheit. Sie war für damalige Verhältnisse nach reformiertem
Vorbild sehr groß und viel größer als in der Mutterkirche. Auch wenn die
reformierte Kirche durch die Verbindung mit der Kolonialmacht Staatskirche
war, wurden Lutheraner in die Kirchen integriert und nahmen am Abendmahl
teil, durften Katholiken und Juden nicht nur eigene Gottesdienste abhalten,
sondern sogar ihren Glauben öffentlich darstellen und Reformierte ‘abwerben’.
Der reformierten Gedanke einer christlichen Theokratie führte nicht zu
Zwang, sondern zu einer enormen rechtlichen Gleichheit vor dem Gesetz. Für
Juden – immerhin jeder siebte Einwohner – wurde die Kolonie sogar ein
„Paradies“ (S.303) auf Erden. Die Indianer wurden aus der Sklaverei befreit
(S.171-177), wenn auch oft gegen die Portugiesen instrumentalisiert.
Der Verfasser weist zu Recht darauf hin, dass mehrere der
von ihm dargestellten Missionare einer eigenen Untersuchung harren (z. B. S.210+184).
Wahrscheinlich ist der Hintergrund der fehlenden Untersuchungen ein
sprachlicher, muss man dazu doch Niederländisch und Portugiesisch können.
Aber auch der starke Abbau der ökumenischen Missionswissenschaft in den
Niederlanden, dem nicht – wie in Deutschland – das Aufblühen einer
evangelikalen Missionswissenschaft gegenübersteht, dürfte dabei eine Rolle
spielen.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-4.
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Scherer,
James A. & Stephen B. Bevans (Hg.): New Directions in Mission and Evangelization 1. Basic Statements
1974-1991.
Maryknoll: Orbis, 1992.
Diese Buch schließt eine empfindliche Lücke. Endlich liegt
eine umfangreiche Sammlung von offiziellen Dokumenten vor, die zu Auftrag und
Verständnis der Mission Stellung nehmen. Eine letzte vergleichbare Sammlung hat HJ. Marguli vor dreißig
Jahren unter dem Titel „Zur Sendung der Kirche. Material aus der ökumenischen Bewegung“ (München 1963) für die Zeit
von 1910 bis 1961 herausgegeben. Vorliegender Band berücksichtigt die
letzten zwanzig Jahre, die durch das Nebeneinander verschiedener
missionstheologischer Strömungen und Ansätze gekennzeichnet sind.
Die Texte aus der ökumenischen Bewegung („Conciliar
Ecumenical Statements“) sind die Fortführung
von Margulis Sammlung. Hier finden sich neben Berichten von den
Vollversammlungen des ÖRK (Nairobi 1975,
Vancou-ver 1983, Canberra 1991) und den Weltmissionskonferenzen (Melbourne 1980, San Antonio 1989)
vor allem die wichtige ökumenische Erklärung
zu Mission und Evangelisation von 1982
und die Ergebnisse der Stuttgarter Konsultation zum Verständnis von
Evangelisation (1987), an der auch Vertreter der Lausanner Bewegung
teilnahmen. Leider fehlt die Erklärung des
Luth. Weltbundes zum Verständnis von
Mission „Gottes Mission als gemeinsame Aufgabe“ (1988).
Daneben machen die Texte aus der katholischen Kirche (u.a. die Enzykliken Evangelii Nuntiandi
von 1975 und Redemptoris Missio von 1990) den größten Block aus. Angesichts des beginnenden Dialogs der Evangelikalen mit den orthodoxen Kirchen sind deren bisher kaum
beachteten Erklärungen zur Mission besonders
wichtig. Hier sind sie leicht zugänglich.
Der vierte Teil ist schließlich der evangelikalen Bewegung
gewidmet. Die Lausanner Verpflichtung (1974) und das Manila-Manifest (1989)
finden sich hier ebenso wie die Ergebnisse der Konsultationen zu homogenen
Einheiten (Pasadena 1977), Evangelium und Kultur (Willowbank 1978),
einfachem Lebensstil (High Leigh 1980), Weltevangelisation (Patta-ya 1980),
sozialer Verantwortung (Grand Ra-pids
1982), Antwort auf menschliche Not (Wheaton 1983), Zeugnis für Juden
(Willowbank 1989 und Zeist 1991).
Um ein eigenes
missionstheologisches Profil zu
gewinnen, ist gerade die Auseinandersetzung mit anderen Meinungen
notwendig. Dieses Buch gibt uns dazu das wichtigste Material in die Hand.
Deshalb wäre seine
weite Verbreitung auch in evangelikalen Kreisen zu begrüßen. Die
Herausgeber, ein lutherischer und ein
katholischer Missiologe aus den USA, haben neben einer allgemeinen Einleitung
jedem Dokument eine kurze Einführung
vorausgestellt. Ein Register hilft, das Werk zu erschließen. Dem Verlag und den Herausgebern ist
für diesen ersten Band einer neuen Reihe zu danken. Eine ähnliche Sammlung in
deutscher Sprache wäre wünschenswert.
Dr. Johannes Triebel, em 1993-4.
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Scherer, James A.;
Stephen B. Bevans (Hg.).
New Directions in
Mission and Evangelization 2: Theological Foundations. Maryknoll/N.Y.: Orbis
Books, 1994.
Sammelbände erfreuen sich im allgemeinen keiner großen
Beliebtheit. Warum eigentlich? Oft bieten sie einen guten, knappen Überblick
über ein bestimmtes Fachgebiet. Dies trifft auch für diesen von zwei renomierten
Chicagoer Professoren für Missionswissenschaft herausgegebenen Band zu.
Ziel dieser geplanten Serie von Sammelbänden ist, die von
Anderson und Stransky herausgegebene Reihe „Mission Trends“ fortzuführen,
um die sich schnell und umfassend verändernde Situation der Weltmission zu
beschreiben.
Die insgesammt 16 Beiträge gliedern sich in fünf Bereiche
auf: 1) Das Wesen der Mission (8); 2) Historische Hintergründe (3); 3) Missionspraxis
(2); 4) Das Studium der Mission (1); 5) Dokumentation (2). Wie im ersten Band
der Reihe „New Directions“ kommen auch hier ökumenische, orthodoxe,
katholische und evangelikale Stimmen zu Wort (z .B. Costas, Van Engen, Utuk,
Schreiter, Gittins). Auch von den Herausgebern selbst stammt je ein Beitrag.
Nicht nur aufgrund der zwei hervorragenden Artikel von
Lesslie L. Newbigin, „The Logic of Mission“ und von David J. Bosch, „The
Vulnerability of Mission“, hat man mit diesem Buch insgesamt eine wertvolle
Lektüre zur vergleichenden Missionstheologie.
Martin Sachs, em 1997-4.
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Schirrmacher, Bernd. Baumeister ist der Herr. Erfahrungen
göttlicher Kleinarbeit in einem Missionswerk. 1978.
Es gibt nur we
nige Darstellungen der Entwicklung der nach 1950 entstandenen evangelikalen Missionen
im deutschsprachigen Bereich. Eine sorgfältig
aufgrund von Primärquellen recherchierte und gut lesbare Darstellung ist Bernd
Schirrmachers Nachzeichnung der Entstehung
nicht nur der deutschsprachigen Zweige des WEC, sondern auch der Entstehung der WEC-Heimatzentren in anderen kontinentaleuropäischen
Ländern. Das Buch ist kostenlos; falls Sie
aus der Schweiz oder aus Deutschland
bestellen, legen Sie bitte 1 DM /
1 SFr. in Briefmarken bei. Die Adressen
lauten: WEC International, Postfach 9, D-6239 Eppstein, bzw. Falkenstraße 10, CH-8630 Rüti.
Em 1988-2.
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Schirrmacher, Christine. Der Islam 1 und 2, Geschichte, Lehre,
Unterschiede zum Christentum. Neuhausen: Hänssler, 1994.
Die Bonner Islamkundlerin legt mit diesen beiden Bänden
nach ihrer Dissertation (Mit den Waffen des Gegners. Christlich -
Muslimische Kontroversen im 19. und 20. Jahrhundert, Berlin, 1992)
eine weitere größere Arbeit vor, welche Christen zu einer sachgerechten
Begegnung mit Muslimen helfen soll. Die beiden Bände sind für den
theologischen Fernunterricht konzipiert worden, sehr übersichtlich gegliedert
und mit tabellarischen Zusammenfassungen versehen, die als Kästen im laufenden
Text erscheinen. Das Werk ist allgemeinverständlich geschrieben, gründet
sich aber auf die einschlägige wissenschaftliche Literatur. Es setzt keine
Vorkenntnisse über den Islam voraus, möchte aber zum Weiterstudium anregen.
Dem dient ein umfangreiches Literaturverzeichnis.
Trotz des Umfanges der beiden Bände sah sich die
Verfasserin genötigt, auf die Darstellung mancher Aspekte des Islam zu
verzichten. Die durch den Islam hervorgebrachte Kultur (Kunst, Architektur,
Wissenschaft und Philosophie) mußte unberücksichtigt bleiben, um stattdessen
auf die Unterschiede zwischen Islam und christlichem Glauben und auf die in
vieler Hinsicht kontroverse Begegnung zwischen Christen und Muslimen eingehen
zu können. Leider wurde auch die Geschichte der islamischen Gemeinschaft
nur sehr kurz behandelt.
Band 1 enthält die Darstellung des Umfelds Muhammeds
sowie seines Lebens und Wirkens, einen Überblick über Ausbreitung und Leitung
des Islam (Kalifat), die Glaubenslehre, die Lebensordnung (Recht) und eine Lektion
über die Frauen im Islam.
Band 2 ist zunächst den unterschiedlichen Gruppierungen
und Bewegungen innerhalb des Islam gewidmet und geht auch auf moderne Fragestellungen
ein. Es folgen 7 Lektionen über das Verhältnis zwischen Islam und Christentum,
wobei aber nicht in erster Linie der Islam aus biblisch-theologischer Sicht
betrachtet wird. Vielmehr geht Christine Schirrmacher von der islamischen
Sichtweise aus (Verständnis von Prophetie im Koran, das koranische und
islamische Jesusbild, die islamische Sicht der Bibel) und referiert als Beispiel
für den islamischen Angriff auf den biblischen Glauben die durch das
sogenannte Barnabas-Evangelium ausgelöste Kontroverse.
In einer Lektion werden wichtige lehrmäßige
Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Islam und ‚Christentum’ (müßte es
nicht besser ‚christlichem Glauben’ heißen?) tabellarisch aufgelistet,
ohne daß eine theologische Reflexion erfolgt. Weitere Lektionen sind der
westlichen Islamwissenschaft und Beispielen aus der Geschichte der
Kontroverse zwischen Islam und Christentum gewidmet. Das Werk schließt mit
einigen kurzen Lebensbildern evangelischer Pioniermissionare in der islamischen
Welt.
Trotz der genannten Beschränkungen hat Christine
Schirrmacher ein solides Lehrbuch vorgelegt, dem im deutschsprachigen Raum
unter Christen, besonders unter Studierenden, eine weite Verbreitung zu
wünschen ist. Das Werk drängt aber geradezu zur Weiterarbeit, besonders zur
biblisch-theologischen Reflexion als Hilfe zu einem angemessenen christlichen
Zeugnis unter Muslimen.
Eberhard Troeger, em 1996-1.
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Schirrmacher, Christine. Mit den Waffen des Gegners.
Christlich-muslimische Kontroversen im 19. und 20. Jahrhundert
dargestellt am Beispiel der Auseinandersetzung um Karl Gottlieb Pfanders „Mizän al-haqq“ und Rahmatulläh ibn Halt! al-’Utmäni al Kairänawis „Izhär
al-haqq“ und der Diskussion um das Barnabasevangelium.
Islamkundliche Untersuchungen Bd. 162. Berlin: Klaus Schwarz Verlag,
1992.
Diese Bonner Dissertation (1991) behandelt im ersten Teil die missionarisch-apologetische Schrift
„Waage der Wahrheit“ des württembergischen Missionars K.G. Pfander
(1803-1865), die er 1829 schrieb, um
Muslime für den christlichen Glauben zu gewinnen, sowie ihre Aufnahme
und Erwiderung in der islamischen Welt,
vor allem durch den indischen Theologen al-Kairänawi (1818-1891). In der dadurch ausgelösten
literarischen Kontroverse, an der sich
zahlreiche christliche und muslimische Autoren beteiligten und die die
Verfasserin bis in die Gegenwart
verfolgt, ging es vor allem um den muslimischen Vorwurf der Verfälschung
der biblischen Schriften.
Im zweiten Teil des Buches steht die Kontroverse um die
Person Jesu Christi im Mittelpunkt, wie
sie anhand des „Barnabasevangeliums“ (vermutlich eine spätmittelalterliche
Fälschung)
vor allem in unserem Jahrhundert von muslimischen und christlichen Autoren
geführt wurde. Schwerpunkt der gesamten
Arbeit ist der Nachweis, daß beide Seiten in diesen Auseinandersetzungen
die „Waffen des Gegners“ einsetzten. Kairänawi hat erstmals in großem Umfang
die Schriften der europäischen rationalistischen, kritischen Theologie des
19. Jahrhunderts benutzt, um den
muslimischen Vorwurf der „Verdorbenheit“
der biblischen Schriften zu beweisen und das christliche Bekenntnis zur Gottessohnschaft Jesu zu widerlegen.
Seine Methode machte Schule und wird bis
heute von muslimischen Apologeten
und Publizisten angewandt, ja sie ist in
der islamischen Welt überaus verbreitet. Aber auch die christlichen
Missionare benutzen seit dem letzten Jahrhundert den Koran und die islamische
Traditionsliteratur, um aus ihnen die muslimischen Vorwürfe zurückzuweisen.
Die Aufgabe der
Verfasserin war eine objektive Darstellung
der Kontroversmethoden. Das Urteil
über deren Legitimität bleibt dem Leser überlassen. Der große Wert des
Buches besteht darin, daß die Verfasserin zahlreiche literarische Quellen, die bisher teils gar nicht oder nur in Fremdsprachen (Arabisch, Urdu ua.)
erreichbar waren, zugänglich gemacht und ihre
Wirkungsgeschichte übersichtlich dargestellt hat, wodurch der
deutsche Leser erstmals Zugang zu dieser umfangreichen literarischen Auseinandersetzung erhält. Der in Zeugnis und Dienst unter Muslimen engagierte Leser wird herausgefordert, sich mit den Methoden der Apologetik auseinanderzusetzen. Dabei
erhält er wertvolle Anregungen für sein eigenes theologisches Arbeiten sowie
für seine zeugnishafte Begegnung mit Muslimen.
Eberhard Troeger, em 1994-2.
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Schirrmacher, Thomas (Hg.). „Die Zeit für die
Bekehrung der Welt ist reif.“ Rufus Anderson und die Selbständigkeit der Kirche als Ziel der Mission. Mit Texten von Rufus Anderson, Theodor Christlieb, Hermann Gundert, Josef Josenhans. edition afem, mission Scripts Bd 3. Bonn:
VKW, 1993.
Das Buch kreist um die
zentralen Anliegen Rufus Andersons
(1796-1880), des überragenden Theoretikers und Strategen der amerikani
schen Weltmission. Titel und Untertitel machen allerdings nicht hinreichend klar, worauf
das Buch zielt. Soll es primär (eschato-logisch) um die „Fülle der Zeit“
gehen oder (ekklesiologisch) um die Selbständigkeit der jungen Kirchen? Auch
läßt der weitere Untertitel eher einen bunten Flickenteppich von Texten
erwarten, bei dem Anderson alphabetische Priorität
zukommt. Hier hätte es im Interesse der
schnellen Orientierung besser geheißen: „Mit Texten über und von Rufus Anderson“. Dies entspräche ganz dem Inhaltsverzeichnis mit
seinen drei Teilen: I. Über Rufus Anderson heute; II. Über Rufus Anderson im
19. Jahrhundert: Deusche Stimmen; III. Von Rufus Anderson.
Eigentlich handelt es
sich um zwei Bücher in einem:
einerseits um die Fortführung einer „literarischen Diskussion“ aus em
1990/91, auf die bereits die Widmung Bezug nimmt; und andererseits um eine Anderson-Auswahlausgabe.
Auf beide Aspekte ist hier einzugehen.
1. Als
Anderson-Auswahlausgabe wäre das Buch natürlich an der von R. Pierce
Beaver herausgegebenen englischen Sammlung To Advance the Gospel (1967)
zu messen. Es erhebt allerdings nicht den Anspruch, eine solche zu sein. Die Anderson-Schriften finden sich
erst in Teil III und stellen weniger als die Hälfte der 134 Seiten. Bei
Beaver dagegen sind es etwa 4/5 von dessen 217 Seiten.
Dennoch braucht sich
die Sammlung mit ihren fünf Texten
(Beaver hat 14) durchaus nicht zu verstecken. Zum ersten ist sie als
einzige deutsche Anderson-Ausgabe ohnehin
konkurrenzlos. Zum zweiten vermittelt sie bei aller Kürze doch einen
recht geschlossenen Gesamteindruck. Zum dritten schließlich ist sie eine erfreuliche
Ergänzung zur Beaverschen Ausgabe, denn
von ihren fünf Texten finden sich
zwei dort nicht. Es sind dies zum einen das vierte Kapitel aus
Andersons grundlegendem Werk Foreign Missions, nämlich das über die Missionsprinzipien des Neuen Testaments (Beaver
bringt die Kapitel 7, 8 und 9); und zum anderen
der Schlußteil aus Andersons Buch über
die Mission auf den Sandwich-Inseln (dem
einzigen seiner Werke, das auf deutsch schon einmal, nämlich 1872, vorlag). Dieser Text ist besonders
willkommen, denn Beaver klammert die
großen missionshistorischen Werke
Andersons bewußt aus.
Die ideale Einleitung zu
diesen Texten ist der
Anderson-Nachruf Theodor Christliebs
aus der Allgemeinen Missions-Zeitschrift 1881, Kernstück von Teil II des Buches, ein
kleines Meisterwerk
und selbst eine Primärquelle allerersten
Ranges. Wer diesen Nachruf liest, profitiert außerdem gleich doppelt: nicht
nur Anderson, sondern zugleich
Christlieb steht zum Greifen nahe
vor Augen. Eine gute Hinführung zu diesem Beitrag ist der Anderson
betreffende Ausschnitt aus der Dissertation des Herausgebers über Theodor Christlieb, abgedruckt in Teil I.
2. Am Anfang des Buches
steht in Teil I (der auch eine sehr gründliche Bibliographie enthält)
die überarbeitete Fassung eines Artikels
des Herausgebers aus em 2/1990. Diesem Artikel war von Dietrich Kühl in em 4/1990 sehr dezidiert widersprochen worden. Die Punkte aus em 2/1990, die damals Anstoß erregten, seien kurz umrissen. Erstens wurde behauptet,
die Venn-Andersonsche Drei-Selbst-Formel sei nur in ihrer Verankerung in einer klar umrissenen theologischen norma normata sinnvoll, bei Anderson dem Westminster-Bekenntnis, bei Henry
Venn den anglikanischen 39 Artikeln. Wer
wie die Glaubensmissionen meint,
nur die norma normans der Schrift
zu exportieren (eine Selbsttäuschung, nebenbei bemerkt, denn man setzt
lediglich an die Stelle einer expliziten
norma normata eine implizite),
braucht sich nicht zu wundern, wenn im
Gefolge der Drei-Selbst-Formel schwere theologische Richtungskämpfe
entstehen. Kontrovers war weiterhin die
Kritik an dem angeblich „mystischen“ Verständnis der Berufung bei den
Glaubensmissionen sowie der Hinweis, daß deren
Prämillennialismus Andersons
Denken wesensfremd sei. Diese Punkte sollen
hier kurz anhand der zur eigenen Meinungsbildung abgedruckten
Anderson-Texte betrachtet werden.
a. Andersons Postmillennialismus wird in einem Traktat
deutlich, das dem Sammelband seinen Namen
gegeben hat. Eine Abgrenzung gegen andere Eschatologien fehlt darin
und war
offenbar auch gar nicht nötig. Der Amillennialismus war in Neuengland
spätestens seit Jonathan Edwards von der postmillennialistischen Missionsbegeisterung
fast gänzlich abgelöst worden; und der
Prämillennialismus, von Edward
Irving stark angeregt, hatte bei Abfassung des Traktats 1837/38 zwar
schon vereinzelt um sich gegriffen, war aber für Anderson wohl noch kein Faktor, mit dem man sich auseinandersetzen
mußte. Eine ausdrückliche Verknüpfung
von Drei-Selbst-Formel und Postmillennialismus
erfolgt in den beigefügten Texten
nicht. Eine Affinität zwischen dem Gedanken
der Selbstausbreitung und der Erwartung
großer missionarischer Durchbrüche ist
aber nicht von der Hand zu weisen, darauf hingewiesen zu haben ist ein Verdienst des Herausgebers. Gegen
denselben ist aber festzuhalten,
daß der Postmillennialismus eine Abweichung von der Theologie der
Reformatoren darstellt, die sich
uneingeschränkt an den Amillennialismus
Augustins hielten. Hier trennte sich
der Pietismus (schon ab Spener) vom
Erbe Luthers und der Puritanismus (erst im Laufe der Zeit) vom Erbe Calvins.
b. Was die Frage des
Rufs in die Mission betrifft, so sind genau die beiden Traktate Andersons abgedruckt, die in dieser Frage die wichtigsten sind. Es sind die, die Robert E. Speer
später in seiner
weitverbreiteten Schrift What Constitutes a Missionary Call verarbeitete. Der Ruf in die Außenmission ist laut Anderson für jeden Christen vorgegeben. Wenn das so ist, dann erledigt sich
konsequenterweise die Frage einer
besonderen Berufung. Anderson ist einer Versubjektivierung der
Berufung entgangen, indem er ihre Allgemeingültigkeit postulierte. Und hier
gewinnt nun die Tatsache allerhöchste Bedeutung, daß er die Missionspflicht dem einzelnen aufbürdet und nicht der Kirche als solcher. Der Ruf zur Mission ergeht also
weder subjektiv an den einzelnen (so die einen)
noch objektiv an die Kirche (so die anderen),
sondern objektiv an den einzelnen. Man
wird nicht Missionar aufgrund einer Privatoffenbarung (dem
umstrittenen „mystischen Erlebnis“), auch nicht aufgrund kirchlicher
Abordnung, sondern aufgrund eigener rationaler Abwägung der Faktoren, wobei
eine Regel Ausnahme-Vermutung zugunsten der Außenmission besteht. An
diesem Punkt kann man sich übrigens
nur wünschen, daß das Buch eine grundlegende
Diskussion auslöst.
c. Zur Verankerung der
Drei-Selbst-Formel in einer klaren Bekenntnisgebundenheit geben die
beigefügten Anderson-Texte wenig her. Der
Kongregationalist Anderson war zweifellos
Calvinist im Sinne des Westmin-ster-Bekenntnisses (bzw. dessen
kongregationalistischer Überarbeitung, der Savoy-Erklärung), trug dieses Bekenntnis
aber mehr im Herzen als auf den Lippen. Er war eben doch auch Kind der Erweckung, stand also den
Pres-byterianern der New School nahe, die in der Mission mit den
Kongregationalisten kooperierten,
nicht denen der Old School, die diese Kooperation ablehnten. Christlieb zitiert in einem Atemzug Lyman Beecher und Charles Hodge,
zwei Männer, zwischen denen es theologisch knisterte, als Freunde Andersons.
Zwei Generationen später war der Abstand schon größer. Der bereits genannte, aus dem Student Volunteer
Movement hervorgegangene Robert E.
Speer, für viele der kongenialste Nachfahre Andersons, wurde in einen
heftigen Disput mit J. Gresham Machen
hineingezogen, dem Princetoner
Neutestamentier, der das Indepen-dent Board for Presbyterian Foreign
Missions gründete. Die Kontroverse wurde 1932 durch den von W. E. Hocking herausgegebenen
Berichtsband Rethinking Missions ausgelöst. Prominenter Gegner des
Berichts war Machen, prominente Befürworterin die als Missionarstochter in
China aufgewachsene Pearl S. Bück. Das
Ergebnis war (um die Charakterisierung der nachmaligen
Nobelpreisträgerin zu zitieren), daß
Machen zur Vordertür der Presbyteri-anischen Kirche hinausflog und sie
zur Hintertür. Wer war also der legitime
Erbe Andersons, der dogmatisch
zunehmend weitherzige Speer oder
der nach schweren inneren Kämpfen nunmehr bekenntnisgebundene Machen? Wie
stark fand Andersons Drei-Selbst-Formel bei ihm selbst tatsächlich ihr „notwendiges Korrektiv in
seinem streng reformierten
calvinistischen Bekenntnis“ (Schirrmacher)? Versucht man, Anderson in deutsche Kategorien einzuordnen (allerdings
hie lutherisch, da reformiert), dann
muß man wohl sagen, daß er konfessioneller empfand als Gustav Warneck, aber
nicht so konfessionell wie Karl Graul.
Insofern möchten wir die Wertung
des Herausgebers, der ihn wohl um einiges näher an Graul heranrücken
würde, verschieben. Richtig ist aber jedenfalls, daß Andersons Calvinismus sein missiologi-sches Denken wesentlich integraler bedingte, als
es vor zwei Generationen Speer und heute wohl Beaver einerseits und Kühl
andererseits annehmen.
Fazit: Das Buch ist quellenmäßige Fundgrube und
Herausforderung zum aktuellen Nachdenken zugleich. Wer beides oder auch nur
eins von beidem liebt, ist gut bedient.
Wolf- Christian Jaeschke, em 1995-1.
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Schirrmacher, Thomas / Klaus W. Müller (Hg.). Scham-
und Schuldorientierung in der Diskussion: Kulturanthropologische,
missiologische und theologische Einsichten, edition afem – mission
academics. Nürnberg: Verlag für Theologie und Religionswissenschaft; Bonn:
Verlag für Kultur und Wissenschaft, 2006.
Die Herausgeber haben ein Team kompetenter Fachleute um
sich gesammelt und das Doppelthema vom scham- und schuldorientierten
Gewissen im missiologischen Denken und missionarischen Handeln vielseitig
diskutiert. Wer mit den Autoren näher vertraut werden möchte, dem sind die
Kurzbiographien (S. 301-302) zu empfehlen. Nach Format und Inhalt ist das
Buch aus vier Teilen unterschiedlichen Umfangs aufgebaut: I. Kulturelle Zusammenhänge;
II. Religiöse Implikationen; III. Missiologische Diskussion; und IV.
Theologische Grundlagen.
Diese Ansatzpunkte bilden den jeweiligen Kontext, in
welchem sich die Verfasser unabhängig voneinander mit dem brisanten Thema
über Bedeutung und Funktion des Gewissens auseinandersetzen. Alle gehen
davon aus, (a) dass jeder Mensch mit einer Veranlagung zu einem Gewissen
geboren ist; (b) dass sich das Gewissen durch Erbanlagen, Erziehung und
Umfeld grundlegend verschieden entwickelt; (c) dass das Gewissen als sozial-ethisches
Organ die Menschen gesellschafts-, kultur- und religionsfähig macht; (d) dass
es Völker und Kulturen gibt, in denen das Gewissen auf Verstöße vorhandener
Normen mit einem Schuld- oder Schamgefühl reagiert; (e) dass die Vorkenntnis
dieser Dinge bei der Vermittlung des Evangeliums vom Reich Gottes eine
wichtige Rolle spielt (s. S. 5, 9, 15-17, 169-170).
Was Lothar Käser obenan im I. Teil unter „Kultur und
Über-Ich” behandelt, ist m. E. das Schlüsselkapitel zum Buch (S.
7-41). Hier entschlüsselt er Fachbegriffe und Forschungsgebiete, die aus
anderen Sprachen und Wissenschaften in die deutsche Missionswissenschaft eingedrungen
und von ihr übernommen worden sind – wenn auch nicht unumstritten. Bei der
Gewissensorientierung sind nach Käser zwei grundsätzliche Dimensionen zu
berücksichtigen: die horizontale und die vertikale. Bei der einen geht es
primär um Funktionen des Gewissens auf sozialer Ebene, wobei der Mensch bei
Verletzung vorhandener Regeln um Wahrung seines Prestiges ringt; bei der anderen
handelt es sich mehr um religiöse Funktionen, wobei der Einfluss auf das
Gewissen von Gott oder einer anderen höheren Autorität herkommt und sich als
Schuldgefühl manifestiert. Im gleichen Teil zeigt Hannes Wiher als Facharzt
und Psychologe aus seinen Erfahrungsbereichen in Westafrika und Europa wie
zwei Gewissensorientierungen aufeinanderprallen und unterschiedliche
Reaktionen auslösen (S.42-48). Nebst Beschreibung und Evaluierung
brauchbarer Gewissensmodelle (S. 49-57) ist das Kapitel über „Persönlichkeit
als Funktion der Gewissensorientierung” besonders wichtig. Dieser Beitrag
mit Tabellen, Fragebogen und ausgewählter Literatur enthält Lehrstoff für ein
ganzes Wochenendseminar (S. 60-86). Die wenigen Zeilen, die Wiher (S.
87-91) über „Generation X” schreibt, sollte jeder Jugendarbeiter lesen.
Die letzten Beiträge in diesem Teil sind Reflexionen aus der Missionspraxis.
Klaus Müller bringt hier eine offene Auswertung von Lichtstrahlen und
Schattenseiten in die Diskussion von dem, was er als junger Missionar aus
Deutschland unter den Chuuk-Insulanern in Mikronesien erlebte, deren
schamorientiertes Gewissen durch politische Macht belastet war und die
Gemeindearbeit erschwerte (S.91-115). In der Erforschung des Themas „Die Lüge
als Überlebensstrategie” bei den Totonakindianern in Mexiko zeigt die
Missionsärztin, Hanna-Maria Schmalenbach, dass die Lüge „etwas Boshaftes und
Unrechtes” an sich trägt, was „das Vertrauen und das Wohlwollen der Menschen
untereinander unterhöhlt”(S. 117). Ermutigend ist ihr Nachweis, wie der
Einfluss des Evangeliums sich auf die Wahrhaftigkeit im Leben junger
Totonakchristen auswirkt (S. 124-127).
Im II. Teil vermittelt Martin Lomen mit scharfer Klarsicht
und Kenntnis der Thematik den Lesern einen durchaus hilfreichen Beitrag zum
Dialog zwischen Christen und Muslimen. Wer Lomens Kapitel liest (S. 131-163)
wird fortan die biblischen Berichte von Schöpfung und Fall, sowie vom Leiden,
Sterben und Auferstehen Jesu mit vertieften Einsichten und Herausforderungen
lesen. Der III. Teil ist der Missiologie gewidmet (S. 164-214). Hier tritt
der Missiologe Klaus Müller als Pädagoge auf. Meisterhaft versteht er den
Begriff elengchein (beschämen; schuldig erklären), sowie dessen
komplexen Zusammenhang mit synedeisis (Gewissen, Mitwissen) aus dem
Denken der antiken Welt zu heben und in der verdeutschten Form “Elenktik”
heutigen Lesern als „Die Lehre vom scham- und schuldorientierten Gewissen”
zu deuten (S. 169-170). Unter dem Titel „Elenktik: Gewissen im Kontext”
untersucht Müller Tiefe und Breite der Thematik, wie sie in verschiedenen
wissenschaftlichen Disziplinen besprochen wird. Anhand ethnologischer
Unterlagen konstruiert er hilfreiche Modelle (S. 192-211), um zu
verdeutlichen, dass das „Gewissen im Kontext der Kultur erfassbar [wird], in
der es gebildet wurde” (S. 191). Diese These verdient weiter untersucht zu
werden.
Anschließend folgen im IV. Teil „Theologische Grundlagen”.
Dazu entwirft Wiher ein umfangreiches „biblisch-soteriologisches Gewissensmodell
aufgrund einer interdisziplinären Studie” (S. 215-236). Hier finden Christen
wertvolle Hilfe, wie sie im Alltagsleben mit Menschen mit komplexen Gewissensbelastungen
befreiend umgehen können. In seinem ausführlichen Beitrag über „Die christliche
Botschaft angesichts von Schuld- und schamorientierten Gewissen und Kulturen”
(S. 237-300) definiert Thomas Schirrmacher das Gewissen als „eine Instanz,
die alles miterlebt und bezeugt, was ein Mensch tut und denkt” (S. 289).
Seine Listen sämtlicher Schriftstellen, wo im NT das Wort „Gewissen” und im
AT der äquivalente Begriff „Niere” vorkommen, sowie eine neunseitige Liste
mit empfehlenswerten Schriften sind eine Hilfe zum Selbststudium.
Zusammenfassende Bemerkungen: (a) Ähnlich wie mich vor
fast 50 Jahren das Thema „elenctics” in der englischen Ausgabe von Bavincks Inleiding
in de Zendingswetenschap als wesentlicher Aspekt der Missionswissenschaft
packte, so bin ich als lernender Leser von Tiefe und Breite der Einsichten
der Autoren dieses Sammelbandes dankbar beeindruckt. (b) Laut Aussagen im
Vorwort sind „andere solcher Veröffentlichungen” geplant, was hoffen lässt,
dass das Thema von einem angstorientierten Gewissen auch erforscht werden
wird. Schmalenbach spricht es im Kontext ihrer Arbeit unter den Totonakindianern
zwar an, führt es aber nicht aus. War es beim Sündenfall (Gen 3) nicht vor
allem die Angst, die unsere Ureltern ins Versteck trieb? So auch unter Völkern
im Bann der Geisterwelt. (c) Die Bedeutung des Beitrags über „Politische
Macht...” bleibt an und für sich unumstritten; Schreibfehler, Stil und
Struktur sind jedoch korrektur- und bearbeitungsbedürftig. (d) Nebst Ethnologie
und Psychologie sollte auch die Soziologie bei missionswissenschaftlichen
Forschungen wahrgenommen werden, was in diesem Buch fehlt. (e) Ein Namen- und
Sachregister würde den Wert dieses so wertvollen Sammelbandes noch um einige
Stufen heben.
Prof. em. Dr. Dr. Hans Kasdorf, em 2009-1.
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Schmid,
Cathy. Un
enfant, deux cultures … . St
Legier: Editions Emmaüs
& Institut Évangélique de Missiologie, 2002.
Cathy Schmid ist verheiratet. Sie lebte 14 Jahre in Afrika
und gebar dort drei Kinder. Wieder in der Schweiz ist sie mit ihrer Familie
im französisch sprechenden Teil des Landes zu Hause. Dort unterrichtet ihr
Mann Missiologie an der Bibelschule Emmaus mit einer multikulturellen
Studentenschaft. Kathy organisiert unter anderem auch Treffen mit
Missionarskindern. Somit hat sich ihr Einblick erweitert und zu dem Buch
geführt.
Kinder haben und in die Mission gehen, ist das überhaupt
unter einen Hut zu bringen? Käthi Schmid zeigt in ihrem Buch auf, wie sie und
Dutzende von Familien es erlebt haben. Die frischen, kurzen Insider-Zitate
aus Kindesmund sind wie Perlen. Käthi Schmid fädelt sie auf, zusammen mit
Gedanken aus den Herzen der Eltern und Einblicken von Fachleuten. Bilder und
Skizzen lenken das Augenmerk auf das Wichtige. Was sagen die Fachleute? Es
kann zu Schwierigkeiten kommen, wenn Kinder aufs Missionsfeld verpflanzt
werden. Und bei der Rückkehr in die Heimat geht nicht alles von alleine in
Ordnung. Weder beschönigt Käthi Schmid die Probleme, noch fördert sie
Schuldgefühle. Eins wird beim Lesen ihres Buches klar: ohne Gottes Gnade geht
es nicht. Aber auch mit der Gnade braucht man Weisheit, um die rechten
Entscheidungen fällen zu können. Wünschen Sie zu erfahren, mit welchen
Schwierigkeiten man rechnen kann, Sie zögern aber, darüber zu sprechen? Sie suchen
nach Fakten, nicht nach Träumereien? Dann greifen Sie zu. Dieses Buch wird
Ihnen viele Einsichten vermitteln. Nur ein Nachteil muss noch erwähnt werden:
die Grundversion des Buches gibt es zur Zeit nur im Urtext - französisch.
Welche Leser können von diesem Buch lernen?
* Missionare, die ausziehen
* Missionare, die auf dem Feld sind
* Missionare, die zurück in die Heimat kommen
* Freunde, die Familie und die Gemeinde, die
Missionarskinder begleiten wollen, aber nicht ganz wissen wie.
Dr. Matthias
Radloff, em 2002-2.
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Schmid, Edgar (Hg.). Wenn
Gottes Liebe Kreise zieht: 150 Jahre
Pilgermission St. Chrischona (1840-1990). Brunnen Verlag
Gießen/Basel 1990.
Am Übergang von den
Klassischen Missionen zu den Glaubensmissionen steht St. Chrischona bei Basel, 1840 als Schulungsstätte für Handwerkermissionäre von Christian
Friedrich Spittler gegründet. Zum 150. Jubiläum
ist jetzt eine informative und reich ausgestattete Festschrift
erschienen. Sie vermittelt einen Überblick über die gesamte Chrischona-Arbeit: Ausbildung, Gemeinschaftswerk, Verlag, Diäkonie, Mission. Für Ekklesiologen ist interessant, daß Chrischona in der Schweiz und in Frankreich
freikirchlichen Charakter hat, in Deutschland
fast ausschließlich den Charakter einer Gemeinschaftsbewegung innerhalb der Landeskirche. Für Missiologen ist die historische Darstellung der Geschichte Chrischonas (S.6-44) interessant, wobei besonders das Eingehen Chrischonas auf die Heiligungsbewegung unter Carl Heinrich Rappard (1874), die Chrischona für die Glaubensmissionen öffnete, zu beachten
ist.
Von besonderem missiologischem Interesse ist der Artikel von Lutz Behrends (S.106-117) „Gottes Werkzeuge in aller Welt. Die Pilgermission und die Äußere Mission“, der die wechselhafte Geschichte der verschiedenen
mit Chrischona verbundenen Missionsunternehmen
im Überblick beschreibt. Von
besonderem Interesse erscheint
mir dabei die Beschreibung der Apostelstraße (mit Karte und Faksimileausschnitt des Programms). Die Festschrift
ist mit ihrem niedrigen Preis (10.80 DM) allen
zu empfehlen, die mehr über Chrischona
und damit über einen der Anfänge der evangelikalen
Missionsbewegung wissen möchten.
Zwei kleine Kritikpunkte
zum Abschluß: Ich bezweifle, daß
die Edinburgher Missionskonferenz von 1910 (nicht 1890) wesentlich
neue Impulse für die evangelikale Weltmission
gab (S.110); zum anderen wäre es schön gewesen, wenn in die Festschrift ein Verzeichnis der Literatur zu Chrischona aufgenommen worden wäre.
Dr. Klaus Fiedler, em 1990-3.
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Schmid, Stefan. Mark Christian Hayford
(1864-1935). Ein Pioneer aus Westafrika. VKW: Bonn, 1999 (edition afem mission scripts
15).
Obwohl er keinen Missionar je sah, gründete der Ghanaer
Mark Hayford eine französische Mission in der Elfenbeinküste, die Mission Biblique.
Stefan Schmid, zwölf Jahre Mitarbeiter dieser Mission, zeichnet liebevoll das
Portrait eines Mannes, der einflußreich war, aber dessen Visionen wohl immer
mit den Realitäten in Konflikt standen. Deswegen verbrachte er immer wieder
Jahre im Ausland, um dort für seine Projekte zu werben und (nie genug) Geld
zu sammeln.
Rev. Hayford kam aus der gebildeten Schicht Ghanas uud gab
eine gute Stellung im Dienst der Regierung auf, um Pastor zu werden; zuerst
als Methodist, dann als Gründer und Leiter der „Baptist Church and Mission“
in Cape Coast. 1919 gründete er in der Elfenbeinküste Gemeinden der „Baptist
Church and Mission“, für die er 1925 in Frankreich Missionare suchte. Er fand
sie an der Bibelschule Nogent: Laura und Daniel Richard wurden später von der
Tabernacle Baptistengemeinde in Paris übernommen.
Es ist zu begrüßen, daß einer so schillernden, bedeutenden
und zugleich tragischen Figur eine Untersuchung gewidmet wird, die auf
Primärquellen aus mehreren Ländern beruht. Das Buch stellt gut lesbar eine
vielseitige, aber insgesamt leztlich nicht voll überzeugende Karriere dar.
Stefan Schmid macht zudem interessante Dokumente zu Hayford’s Leben zugänglich.
Dr. Klaus Fiedler, em 2000-1.
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Schmidt, Cordula (Hg.). Einmal hin und anders
zurück. Neukirchen-Vluyn:
Aussaat/-VEM, 1993.
Einmal hin - nicht als Tourist, sondern in eine
missionarisch-diakonische Aufgabe zu einer Kirche
oder Organisation in Übersee. Davon berichten Entwicklungshelfer bei
Einsätzen bis zu zwei Jahren. Spannend
geben sie Einblick in ihre
Erfahrungen von einer völlig anderen Situation. Sicher kommen sie
„anders zurück“, weil sie nicht nur ihren
Horizont erweitert, sondern auch für
ihr geistliches Leben viel gelernt
haben. Kreuz und quer geht es in den Berichten durch Afrika und Asien
in die Partnerkirchen der Vereinigten
Evangelischen Mission (VEM), Wuppertal. Die aus Briefen
zusammengestellten Beiträge sind thematisch unter Überschriften geordnet, die
auch junge Leser motivieren können.
Fritz Lamparter, em 1994-3.
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Schmidt, Norbert. Von der Evangelisation zur
Gemeindegründung. Die Geschichte der Marburger Brasilienmission. Marburg: Francke Verlag, 1991.
Norbert Schmidt beschreibt in dieser gründlichen
missionsgeschichtlichen Forschungsarbeit die Spannung zwischen Mission in
einem anderen Kulturkreis im eigentlichen Sinne und der evangelistischen bzw.
erwecklichen Betreuung der Nachfahren deutscher Einwanderer im Süden
Brasiliens. Es wird der schwierige Weg von den Anfängen der Arbeit als Gemeinschaftsarbeit,
zu der die ersten Missionare nach Brasilien kamen, zu einer eigenständigen,
unabhängigen Gemeinde beschrieben. Die Basis der Marburger Brasilienmission
und der von ihr ausgesandten Missionare ist der deutsche innerkirchliche
Pietismus. Hieraus ergibt sich die Problematik der Gemeindegründung durch
Missionare und Missionswerke mit einem mehr kulturell als biblisch
orientierten Gemeindeverständnis, das einfach die eigene christliche Kultur
mit ihrer spezifischen volkskirchlichen Struktur ins Ausland zu verlagern
versucht. Neben dieser Schwierigkeit wird das Ringen zwischen der
Missionsgesellschaft der Heimat und der jungen brasilianischen Gemeinde um
die Verantwortung für die Arbeit aufgezeigt.
Gute, zum besseren Verständnis dienende Ergänzungen sind
die Kapitel über die Geschichte der Gnadauer Brasilienmission mit ihrem
auch in Brasilien klar innerkirchlichen Weg, über die Mutterhausdiakonie in
Brasilien sowie der ausführliche Anhang.
Ein interessantes Werk, insbesondere für den mit den
kulturellen und kirchlichen Verhältnissen Südbrasiliens vertrauten Leser.
Heinrich Finger, em 1998-1.
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Schmied, Martina. Familienkonflikte zwischen
Scharia und Bürgerlichem Recht. Peter Lang: Frankfurt, 1999.
Martina Schmied geht in ihrer rechtswissenschaftlichen
Dissertation der Frage nach, wie im Raum Wien lebende Muslime Ehe- und
Familienkonflikte angesichts ihres Herausgerissenseins aus ihrem
großfamiliärem Umfeld lösen, da im Einwanderungsland traditionelle
Konfliktlösungsmöglichkeiten nicht im selben Maß wie im Heimatland zur
Anwendung gebracht werden können. Welche Wege zur Konfliktlösung in
Familienstreitigkeiten werden beschritten, welche stehen im Immigrationsland
überhaupt zur Verfügung? Die Autorin hat zur Beantwortung dieser Fragen
Interviews sowie einschlägige Gerichtsurteile verwendet.
Drei Dinge scheinen mir aus der Fülle der wertvollen
Informationen zum islamischen Recht bemerkenswert:
1. Wie selten sich muslimische Familien hilfesuchend an
österreichische Gerichte wenden, mag im Vergleich mit der Zahl der in Österreich
ansässigen Muslime zunächst erstaunen, öffnet jedoch den Blick dafür, daß es
auch in einer muslimischen Ehe - in der aus westlicher Perspektive die Frau
unterdrückt und entrechtet scheinen mag – für sie Möglichkeiten des Protestes
und Widerstands gegen unangemessene Behandlung und Verstöße gegen den einmal
geschlossenen Ehevertrag gibt. Dieser Protest ist allerdings eingebettet in
die Werte und Handlungsspielräume der islamischen Kultur. Es drängt sich die
Schlußfolgerung auf, daß ein Schlüssel zum Verständnis des Islam eine vermehrte
Erforschung seiner kulturellen Werte, Rechtsnormen und gesellschaftlichen
Maßstäbe sein müßte, um den Islam nicht nur punktuell, sondern als ganzes,
geschlossenes System begreifen zu können.
2. Muslimische Immigranten versuchen, auch im westlichen
Ausland im Ehe- und Familienrecht soweit wie möglich der Befolgung islamischer
Rechtsnormen nachzukommen. Ist dies einerseits aus dem Anspruch des Islam erklärlich,
nicht nur religiöses, sondern auch politisches und gesellschaftliches System
zu sein, gibt es doch andererseits zu Bedenken Anlaß, daß ein aktives
Befürworten und Eintreten für westliche Rechtsnormen in größerem Umfang bei
muslimischen Immigranten keinesfalls in Sicht ist - was sicherlich nicht nur
für Österreich Gültigkeit haben dürfte.
3. Und schließlich stellt die Autorin fest, daß das Wissen
bei Vertretern des österreichischen Rechts über islamische Rechtsnormen im
allgemeinen als recht gering einzuschätzen ist - und das, obwohl Muslime in
großer Zahl seit vielen Jahrzehnten in Österreich leben und arbeiten. Diese
Feststellung ließe sich sicher fast unbesehen auf deutsche Verhältnisse
übertragen und macht den dringenden Bedarf nach (günstigstenfalls
christlichen) Juristen deutlich, die gleichzeitig profunde Kenntnisse des
islamischen Rechts aufweisen. Viele Gerichtsentscheidungen der kommenden
Jahre werden wohl andernfalls fast zwangsläufig im „Dunkel der Unwissenheit“
gefällt werden. – So scheint heute mehr denn je eine tiefgreifende Beschäftigung
mit Islam das Gebot der Stunde zu sein.
Dr. Christine Schirrmacher, em 2000-2.
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Schmutterer, Gerhard. Tomahawk und Kreuz. Fränkische Missionare unter
Prärie-Indianern
1858-1866. Freimund-Verlag, Neuen-dettelsau/Verlag der Ev.-Luth. Mission, Erlangen (Erlanger Taschenbücher Band 79).
Man sollte heute nicht
meinen, daß Amerika auch einmal
deutsches Missionsgebiet gewesen
ist. Schmutterer vermittelt einen Einblick in die nur acht Jahre
währende Geschichte der von der deutschen
Auswandererkirche der Iowa Synode unter den Indianern betriebenen
Mission, in der u.a. der in Crimmitschau
geborene und in Neuendettelsau ausgebildete Moritz Bräuninger zum Märtyrer wurde. Das Buch beruht auf Primärquellen
und leistet deshalb auch einen Beitrag zur Missionsforschung.
Em 1988-2.
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Schnabel, Eckhard J. Das Reich Gottes als
Wirklichkeit und Hoffnung. Neuere Entwicklungen in der evangelikalen Theologie. Wuppertal/Zürich: Brockhaus, 1993.
Eckhard Schnabel, bis vor kurzem Dozent am Missionshaus
Bibelschule Wiedenest, jetzt Dozent an der Freien Theologischen Akademie in
Giessen, veröffentlicht hier seinen Beitrag zur Jahrestagung der „Konferenz
Bibeltreuer Ausbildungsstätten“ im Oktober 1990. Die Jahrestagung
behandelte neuere Entwicklungen in der evangelikalen Theologie zum Thema
„Reich Gottes“.
Zunächst skizziert der Autor in einem historischen
Rückblick das theologische Erbe der Evangelikalen seit der Reformation. Im
zweiten und längsten Kapitel beschäftigt er sich mit „sozialethischen
Fragen“ der sog. „radikalen Evangelikalen“. Er erläutert insbesondere, wie
die Lausanner Bewegung in ihren Veröffentlichungen zu sozialethischen Fragen
das Konzept „Reich Gottes“ rezipierte. Im dritten bis fünften Kapitel
betrachtet Schnabel die Positionen der sog. „bekennenden“, „restaurativen“
und „charismatischen“ Evangelikalen. Am Ende eines jeden Kapitels bewertet
der Autor die geschilderte Position. Im letzten Kapitel präsentiert Schnabel
mit Belegen aus dem Neuen Testament seine eigene Position zum Thema „Reich Gottes“.
Er untermauert sie mit Hinweisen auf wichtige anderweitige Veröffentlichungen
zum Thema und weist auf die Relevanz der Ergebnisse für den ersten Teil
seines Buches hin.
Schnabel gelingt es, dem Leser anhand von Beispielen die
zwei Gefahrenpunkte beim Thema „Reich Gottes“ im evangelikalen Lager klar
vor Augen zu stellen: Die „radikalen“, die „restaurativen“ und die
„charismatischen“ Evangelikalen stehen in der Gefahr, das Reich Gottes zu
stark in seiner jetzigen Verwirklichung zu sehen bzw. zu erwarten. Die
„bekennenden“ Evangelikalen hingegen neigen eher zu einer starken Verjenseitigung
des Reiches Gottes, was auch nicht dem neutestamentlichen Befund
entspricht.
Hier ist eine klare Darstellung gelungen, die so manchen
zum Nachdenken anregen sollte. Nur scheint mir das 135seitige Büchlein für
29,80 DM etwas überteuert.
Andreas Wieland, em 1997-2.
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Schnabel, Eckhard J. Das Reich Gottes als Wirklichkeit und
Hoffnung. Neuere Entwicklungen in der
evangelikalen Theologie. Wuppertal/Zürich: Brockhaus, 1993.
Schnabel, bis vor kurzem Dozent an der Bibelschule
Wiedenest und jetzt an der FTA Gießen, skizziert zunächst in einem
historischen Rückblick das theologische Erbe der Evangelikaien zum Thema seit der Reformation. Im zweiten und
längsten Kapitel beschäftigt er sich mit „sozialethischen
Fragen“ der sogenannten „radikalen Evangelikalen“. Er zeigt, wie die Lausanner Bewegung das Konzept „Reich Gottes“
in ihren Veröffentlichungen zu sozialethischen
Fragen rezipierte. Im dritten bis fünften Kapitel betrachtet Schnabel
die Positionen der „bekennenden“, „restaurativen“ und „charismatischen“ Evangelikalen. Am Ende
eines jeden Kapitels bewertet der Autor die geschilderten
Positionen. Im letzten Kapitel präsentiert Schnabel seine eigene, vom Neuen Testament
her belegte und mit Literatur untermauerte
Position.
Schnabel gelingt es, dem Leser die beiden Gefahrenpunkte zum Thema „Reich Gottes“ klar
anhand von Beispielen im evangelikalen Lager
vor Augen zu stellen. Die „radikalen“, die „restaurativen“ und die
„charismatischen“ Evangelikalen stehen in der Gefahr, das Reich Gottes zu stark in seiner jetzigen Verwirklichung
zu sehen bzw. zu erwarten. Die „bekennenden“
Evangelikalen hingegen neigen eher zu einer starken Verjenseitigung
des Reiches Gottes, was auch nicht dem
neutestamentlichen Befund
entspricht.
Schade, daß die
anregende Darstellung mit DM 29,80 für 135 Seiten etwas überteuert
ist.
Andreas Wieland, em 1995-3.
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Schnabel, Eckhard J. Sind Evangelikale Fundamentalisten? R. Brockhaus Verlag: Wuppertal/Zürich, 1995.
Schnabel hat in dieser Schrift die wichtigste Literatur
der neueren Fundamentlismus-Debatte verarbeitet und stellt mit Recht ferst,
daß es keine allgemein anerkannte Definition des Fundamentalismus-Begriffs
gibt, weshalb besser auf ihn verzichtet werden sollte (29). Trotz der
Gefahr, als Fundamentalist bezeichnet zu werden, sind Fundamente nötig.
Schnabel benennt aus der Sicht eines „konservativen Evangelikalismus“ (51)
vier: den Glauben an den Einen Gott und die Wahrheit des Evangeliums, das
Bekenntnis zur Autorität der Heiligen Schrift und die Aufgabe von Mission und
Evangelisation. „Vielleicht ist es besser, wenn man als evangelikaler
Fundamentalist diffamiert und damit wenigstens wahrgenommen wird, als wenn
man … wegen argumentativer Unsichtbarkeit ignoriert wird“ (50). Er betont
aber auch, daß die Wahrheit nicht ohne Liebe vertreten werden darf. Wer sich
mit dem Fundamentalismusvorwurf gegen sich selbst auseinandersetzen will,
mag hier Trost finden. Mir selbst, der ich kein „konservativer Evangelikaler“
bin, erscheinen in der Tat einige Ansichten Schnabels „fundamentalistisch“.
Dr. Johannes Triebel, em 1996-4.
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Schnabel, Eckhard. Urchristliche Mission, Wuppertal:
Brockhaus TVG., 2002.
Das vorliegende Buch hat 7 Teile, 35 Kapitel und 1806
Seiten (davon 110 Seiten Bibliographie). Hinter dem kurzen Titel
„Urchristliche Mission“ verbirgt sich ein so umfassendes und komplexes Werk,
wie es seit A. v. Harnacks „Mission und Ausbreitung des Christentums in den
ersten drei Jahrhunderten“ (4. Aufl. 1924) nicht mehr angegangen worden ist.
Dabei konzentriert Schnabel sich vor allem auf die neutestamentliche Zeit.
Sein Ziel: „Eine Studie, die missionsstrategisch … relevante Fakten darstellt
und missionstheologisch relevante Aspekte erläutert und dabei die Ergebnisse
der vielen größeren und kleineren Studien der letzten Jahrzehnte zu einem
Gesamtbild integriert“ (S.8).
Der Autor definiert Mission als praktische „Aktivität
einer Glaubengemeinschaft…, die darauf hinarbeitet, andere Menschen… zu gewinnen“
(S.11). Diese Aktivität könne sich als „expansive Proklamation“ (zentrifugale
Dimension) oder als „gewinnende Präsenz“ (zentripetale Dimension) äußern.
Diese historisch-praktische Definition
ist für eine vorwiegend historische Arbeit durchaus sinnvoll. Vielleicht
könnte sie missionstheologisch noch
ergänzt werden um die Dimension der missio
Dei, die missionarische Aktivität Gottes selbst, auf die Schnabel immer wieder
Bezug nimmt (vgl. z.B. S.1517), zu berücksichtigen. Hilfreich ist eine
Aufschlüsselung und Darstellung des neutestamentlichen Wortfeldes zum
Sachfeld „Missionspraxis“ (Träger, Adressaten, Orte, Verkündigung, Inhalte,
Ziele, Tat-Mission, Interpretation, Mühen, Missverständnisse).
Die sieben aufeinander aufbauenden Teile des Buches
spannen den Bogen von der altestamentlichen Urgeschichte bis zu heutigen
Fragen der Missionsstrategie.
In Teil I: Verheißung (S.57-178) beschreibt
Schnabel die Vor-Geschichte der urchristlichen Mission. Anhand
alttestamentlicher, früh- und diasporajüdischer Texte zeigt er die universale
(internationale) Dimension des vorchristlichen Judentums als
„heilsgeschichtliches Fundament der späteren urchristlichen Mission“ auf (S.62).
Er übernimmt E. Scheurers Schlussfolgerung, dass im AT zwar deutlich
Missionsgedanken zu finden seien, aber „von praktischer Sendung … wie dies im
Neuen Testament berichtet wird, ist im Alten Testament nichts zu finden“ (S.59).
Stimmt das so? Waren die Propheten nicht in einer praktischen Sendung (v.a.
an Israel) aktiv? War nicht Israel als ganzes Volk gesandt und beauftragt,
den lebendigen Gott vor aller Welt zu bezeugen – auch mit praktischen
Dimensionen (z.B. 1Kön. 8,41-43), die in ihrer zentripetalen Grundausrichtung
auch im NT weiter gültig bleiben, z.B. Mt. 5,13-14?
In Teil II :
Erfüllung (S.179-380) untersucht der Autor die „Mission Jesu“ und seiner
Jünger in der Spannung zwischen der primären heilsgeschichtlichen Sendung an
Israel und der aufleuchtenden Sendung auch an die Nichtjuden mit ihrer
Kulmination im nachösterlichen Missionsbefehl.
Teil III: Die
Anfänge (S.381-542) widmet sich der Mission der Apostel in Jerusalem. Besonders ausführlich untersucht
und belegt Schnabel hier die mögliche missionarisch-geographische
„Maximalperspektive“ der Apostel, die nicht nur bis Spanien (Paulus), sondern
sogar bis nach Indien (Thomas) gereicht haben könnte.
Der zweitlängste Teil
IV: Aufbruch (S.543-886) erzählt die Geschichte der von Jerusalem ausgehenden missionarischen
Aktivitäten der Apostel und Gemeinden. Schnabels Schilderung zeichnet sich durch
großes Interesse am konkreten historischen Kontext dieser Mission aus, der
kenntnisreich bis in Einzelheiten hinein beschrieben wird (Stadt u. Land,
Baden u. Bäder, Reisen, Buchwesen, Schulen, Sprachen, Mysterienkulte etc.).
Schwerpunkte bilden dabei die Mission des Petrus und die Mission der
Judenchristen. Immer wieder fällt auf, dass es heißt: Missionare unbekannt,
leider keine Informationen.
Dennoch wendet Schnabel viel Mühe und Akribie darauf,
zumindest die historischen Ränder des missionsgeschichtlichen Schweigens der
Quellen genau zu dokumentieren: so listet er auf vier kleingedruckten Seiten
ca. 80 Dörfer im 25km-Umkreis Jerusalems auf, in denen christliche Gemeinden
„entstanden sein … könnten“ (S.720-725). Entsprechendes tut er auch für
Samarien (S.745-749), die Mittelmeerküste (S.750-759) etc. Wie sinnvoll
solche „Ausflüge in die Umgebung“ sind, sei dahingestellt. Hilfreich jedoch
sind Schnabels umfassende Auswertung und Integration neuester Studien zu
einzelnen Zügen dieser missionarischen Epoche, die er wie Puzzleteile in das
große Gesamtbild einfügt, so beispielsweise A. v. Dobbelers Studie zum
Evangelisten Philippus (Tübingen, 2000), dessen Mission er in 11
Beobachtungen beschreibt und in 7 Punkten ihre Bedeutung für das Verständnis
der urchristlichen Mission zusammenfasst (S.657-665).
Gleichzeitig geht der Autor immer wieder unmittelbar zum
Text des NT und nimmt den Leser mit in exegetische Detailstudien, die den
Gang der Missionsgeschichte erhellen. In dieser Hinsicht erweist sich Schnabels
Werk immer wieder als detailreiches und aktuelles Forschungskompendium zu
historischen und theologischen Facetten der urchristlichen Mission.
Der „Löwenanteil“ von Schnabels Werk ist unter Teil V: Pioniermission (S.887-1426)
der Mission des Apostels Pauls gewidmet. Hier kondensiert und verarbeitet
Schnabel die Ergebnisse der Paulus-Forschung im Blick auf sein Verständnis,
seine Wirken und seine Wirksamkeit als herausragender Missionar. Im Blick auf
das Selbstverständnis des Missionars Paulus vermittelt der Autor unmittelbare
exegetische Einblicke in Texte der Korintherbriefe, des Römer- und
Kolosserbriefes. Er zeigt Paulus im Netzwerk der Beziehungen zwischen
Absprache und Konflikt. Auf gut 250 Seiten beschreibt Schnabel geographisch
geordnet das Missionswerk des Paulus von Damaskus bis nach Spanien. Er setzt
sich ausgehend von der Clemens-Notiz, dass Paulus bis an die „Grenze des
Westens“ gelangt sei, für die Wahrscheinlichkeit einer Spanien-Mission des
Apostels ein. Von hier ausgehend sammelt Schnabel viele interessante
Informationen über Bedingungen und mögliche Missionsorte in Spanien (Liste
wichtiger spanischer Städte der Epoche, S.1219-1224). Auch wenn hiermit
nichts bewiesen ist, werden doch interessante Perspektiven im Blick auf
missionsgeschichtliche Möglichkeiten eröffnet.
Die missiologische Strategie und evangelistische
Kommunikation des Apostels beschreibt Schnabel auf knapp 200 Seiten.
Besonders interessant und evangelisationstheologisch aufschlussreich ist
seine ausführliche Analyse der Missionspredigt bei Paulus, die er in sechs
Kategorien beschreibt: (1) Christologische Kommunikation vor Juden, (2)
theologische Kommunikation vor Heiden, (3) dialogische Kommunikation, (4)
ideologische Konfrontation gegenüber Heiden und Juden, (5) apologetische Konfrontation
in den Gemeinden, (6) pastorale Konkretion in den Gemeinden. Auf die Frage,
warum Paulus den Gemeinden keine Missionsbefehle gegeben habe, folgt Schnabel
weitgehend der Argumentation von O`Brien zur missionarischen „Logik des
Evangeliums“, die bei Paulus eine Sendung der Gemeinden als Missionszentren
impliziere.
In Teil VI: Wachstum
beschreibt Schnabel die missionstheologischen Gedanken bei Matthäus, Markus,
Lukas, Johannes und Petrus, die er als Beitrag zur Konsolidierung und zum
weiteren Wachstum missionarischer Gemeinden sieht. War das NT bisher als
Quelle für die Geschichte der Mission benutzt worden, so wird es nun als
Ausdruck und Interpretation dieser Mission gelesen.
Teil VII fasst
den Ertrag (S.1477-1528) der Studie
zusammen. Selbstverständnis, Praxis (Wort, Dialog, Rahmenbedingungen) und
Botschaft (Evangelium, neue Identität, Verheißung der Vollendung) der
urchristlichen Mission werden profiliert auf den Punkt gebracht. Das letzte
Kapitel versucht den Brückenschlag in die gegenwärtige missiologische
Diskussion vor allem im Sinne eines Gesprächs zwischen
historisch-exegetischen Erkenntnissen und strategisch-praktischer
Missiologie. Hier sei bei der Übertragung vermeintlicher biblischer Prinzipien
auf die heutige Situation exegetisch genauer hinzuschauen. So könne z.B. das
Zeltmacher-Konzept sich nicht auf Paulus berufen, was aber auch nicht
notwendig sei, da Gott immer innovative Ideen genutzt habe, um das Evangelium
weiterzutragen. Nicht „alle Aktionen und Initiativen“ müssten mit einer
Bibelstelle begründet werden. Andererseits identifiziert Schnabel eine Reihe
von missiologischen Themen, die sich aus seiner Sicht zu weit vom biblischem
Befund entfernen, wie z.B. das von ihm beobachtete Ersetzen der Begriffe
„Mission“ und „Evangelisation“ durch „Offenheit“ oder „Attraktivität“ (findet
das wirklich so in der Missiologie statt?): Die urchristlichen Gemeinden
seien nicht nur attraktiv und offen gewesen, sondern hätten aktiv missioniert.
Hier spielt Schnabel m.E. unnötigerweise im biblischen Missio Dei
–Verständnis zusammengehörige Aspekte gegeneinander aus. Die Argumentation
von A. Köstenberger aufgreifend wendet sich Schnabel auch gegen den Begriff
der „Inkarnation“ als Beschreibung der Mission (z.B. bei J. Stott). Hier
werde ein einzigartiger biblischer Vorgang beschrieben, den die christliche
Mission nicht nachvollziehen, sondern bezeugen solle. Besser seien Begriffe
wie „Kontextualisierung“ oder „Inkulturation“. Auch hier steht m.E. wieder
ein auf die Praxis verengter Missionsbegriff im Hintergrund, da die
Inkarnation neben der Schöpfungstheologie die missionstheologische Grundlage
für „Inkulturation“ und „Kontextualisierung“ bildet. Ein weiterer Kritikpunkt
Schnabels: das ganzheitliche Heilsverständnis z.B. bei D. Bosch gehe von
einer zu optimistischen Sicht des kosmos
aus, die mit der johanneischen Sicht nicht übereinstimme. Auch hier stellt
Schnabel wichtige Fragen, führt die Diskussion allerdings auch wieder etwas
verkürzt, was auch insgesamt für den „Brückenschlag“ des letzten Kapitels in
die gegenwärtige missionstheologische Diskussion gilt.
Die spannende Frage bleibt: Was können wir heute von der
urchristlichen Mission lernen? Wie lässt sich der „Erfolg“ der urchristlichen
Mission erklären? Schnabel zeigt auf, dass bereits v. Harnacks soziologisch
geprägte „praeparatio evangelica“-Erklärung nicht ausreicht.
V. Harnacks Sichtweise wird heute wesentlich
differenzierter weitergeführt. Man sieht die wichtigsten Gründe für die
schnelle Ausbreitung in (1) Wundern und Dämonenaustreibungen, (2) im Mut der
Märtyrer und (3) in der Nächstenliebe und Praxis christlicher Wohltätigkeit.
Doch auch diese Erklärungen greifen zu kurz. Schnabel hat recht: „Vielleicht
ist es mehr als ein ‘christliches Vorurteil’, wenn man das Wachstum der
Kirche … als Resultat des Wirkens Gottes sieht“ – ein Geheimnis der
göttlichen Gnade (S.1498). Dieser implizite Hinweis auf die Missio Dei und die damit verbundene
Betonung, dass alleine das von Gott geoffenbarte Evangelium Jesu Christi zur
Vergebung der Sünden Grund und Inhalt der Mission der Gemeinde Jesu sein
kann, schließt dieses neue und empfehlenswerte Standardwerk treffend ab.
Der Anhang enthält neben der Bibliographie 40 Seiten mit
Karten und verschiedenen Abbildungen zum Text sowie ein Stellenregister zu
AT, NT, frühjüdischer Literatur, neutestamentlichen Apokryphen, apostolischen
Vätern, Kirchenvätern, heidnischen antiken Schriftstellern, Inschriften und
Papyri, sowie ein geographisches und ein Personen- und Sachregister.
Dr. Friedemann Walldorf, em 2004-4.
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Schockehoff, Eberhard. Zur Lüge verdammt? Politik,
Medien, Medizin, Justiz, Wissenschaft und die Ethik der Wahrheit. Herder: Freiburg, 2000.
Der katholische Ethiker Schockenhoff liefert hier sowohl
eine detaillierte Geschichte des Wahrheits- und Lügeverständnisses in Theologie
und Philosophie des Abendlandes, als auch eine Darstellung der aktuellen Diskussion
in den verschiedenen Bereichen unserer Gesellschaft. Wenn er auch nicht die
Heilige Schrift als letzte Norm versteht, sondern eher historisch-kritisch
und vom katholischen Lehramt ausgehend vorgeht, sind auch seine Ausführungen
zum Alten und Neuen Testament hochinteressant. Da es leider weder auf Englisch
noch auf Deutsch eine ausführlichere evangelikale Darstellung zu Lüge und
Wahrheit, geschweige denn über deren Aktualisierung in auch für Missionare
wichtigen Bereichen wie Politik, Medien oder Kultur gibt, ist das Buch als
Einstieg zu empfehlen, auch wenn es bisweilen sehr breit und technisch über
die Geschichte bestimmter Begriffe und Sichtweisen referiert. Wahrheit ist
gerade für Evangelikale ein Kernbegriff ihres biblischen Gottes- und Glaubensverständnisses.
Deswegen können wir uns nicht einem nebulösen Empfinden für Wahrheit und
Lüge überlassen, sondern müssen in unserer Ethik einer Welt, die vom Vater
der Lüge regiert wird, begründet und deutlich verkündigen, was Wahrheit und
was Lüge ist und wie sich dies auch in den komplizierten Situationen unserer
Welt, etwa vor Gericht, am Kranken- und Sterbebett, im Nachrichtenwesen
(also auch im Rundbrief des Missionars) oder im Umgang mit Gerüchten in unseren
Gemeinden bewährt.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-2.
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Schreiber, Annelie. Mit Zauberrassel und
Bambusstab. Erlebnisse bei den Guarani-Indianern. Hänssler: Holzgerlingen, 1999.
Annelie Schreiber, von 1984-1993 als Missionarin unter
den Guarani-Indianern Brasiliens und Paraguays tätig, erzählt tagebuchartig
und leicht verständlich von ihren vielen Aha-Erlebnissen im Urwald. Da liest
man von Patricio, der sowohl bei den Missionaren als auch bei den Schamanen
seines Stammes Hilfe für sein eiterndes Bein sucht. In einem anderen Kapitel
wird Felipa geschildert, wie sie ein Kind geboren hat, aber ihr Mann das
Kindbett hütet, um so die Geister irrezuführen. Dann ist da auch der Bericht
über Frauenstunden auf der Missionsstation, die zum allgemeinen
Familienfest werden und wie die Autorin sich müht, nicht nur die
Guarani-Sprache, sondern auch den Dialekt der Mbya zu erlernen, um noch
besser die Kultur dieses Volkes zu verstehen.
Die Guarani haben einerseits große Sehnsucht nach
spirituellen Werten und leben andererseits in ständiger Existenzangst. Sie
führen z. B. die meisten Krankheitssymptome auf den Einfluß böser Mächte
zurück. Und einen schlafenden Menschen solle man nicht wecken, da die Seele
beim Schlafen den Körper verläßt. Die Harmonie nach einem Streit wird
hergestellt, indem einer der Beteiligten den Wohnort wechselt. Die Deutsche Indianer-Pioniermission
versucht, einen Teil der etwa 50.000 in Paraguay lebenden Indianer zu
erreichen. Denn entgegen der Meinung mancher Ethnologen, man solle den
Indianern ihre Kultur und Religion lassen, glaubt Annelie Schreiber an die
befreiende Macht des Evangeliums, welches auch diesen Indianern neue
Identität und Hoffnung geben kann.
Wilma Neufeld, em 2000-1.
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Schröder, Sabine. Konfessionslose erreichen.
Gemeindegründungen von freikirchlichen Initiativen seit der Wende 1989 in
Ostdeutschland. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 2007.
Die vorliegende Arbeit wurde im Herbst 2005 von der
Theologischen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt Universität in Greifswald als
Dissertation angenommen. Das Thema ist äußerst wichtig und bisher wenig
beleuchtet: Die Neugründung von Freikirchen nach der Wende in
Ostdeutschland. Bei einer Konfessionslosigkeit von 70% sahen sowohl Kirchen
als auch Frei kirchen die Chance, das religiöse Vakuum neu zu füllen. Sabine
Schröder geht explizit der Frage nach, wie Freikirchen in Form von Gemeindegründungsprojekten
in den Jahren 1989 bis 2003 auf diese Herausforderung reagiert haben. Bevor
sie dies empirisch erhebt, setzt sie sich mit der Geschichte, dem Begriff der
Freikirchen besonders im historischen Kontext Ostdeutschlands auseinander.
Dabei legt Schröder wert darauf, dass Freikirchen nur aus der geschichtlichen
Sichtweise verstanden werden können und beschreibt daraufhin wichtige inhaltliche
Einflussfaktoren der Freikirchen. Zu diesen zählt sie unter anderen den
ekklesiologischen Ansatz Bonhoeffers, das Priestertum aller Gläubigen, starke
Bibelorientierung und kontextualisierte Ausdrucksformen (S.45-114). Da die
Identität der Freikirchen eng mit ihrem Auftrag verbunden ist, legt die
Autorin im Hinblick auf Gemeindegründung einen besonderen Fokus auf den
missionarischen Auftrag der Gemeinde. Daraus resultierend entwickelt Schröder
Fragen wie: Ist die neue Gemeinde eine Christus hörende, Christus
thematisierende und auf Christus hoffende Gemeinde? Wer ist wirklich wichtig –
Christus oder die Gemeinde selbst? Weist sie auf ihn hin oder auf sich
selbst? Ist ein neu entstandener Hauskreis, der zu keiner Gemeinde gehört, in
dem aber das Wort Gottes verkündet und das Abendmahl gefeiert wird, eine
neue Gemeinde? Sollte eine Gemeinde einen rechtlichen Status besitzen? Bevor
sie das Thema Gemeindegründung aufgreift, legt sie herausfordernde Kriterien
für eine sichtbare Kirche fest, die den missionarischen Auftrag der Kirche
widerspiegelt. Dabei stellt sie fest, dass die ausgewählten Strategien und
Programme vieler Gemeinden an der nichtchristlichen Zielgruppe vorbeizielen.
Sabine Schröder nimmt in ihrer Darstellung der Gemeindegründung immer wieder
Bezug auf Gemeindepflanzungsprojekte (church planting) der anglikanischen
Kirche. Denn anhand der Kirchengeschichte Englands ließe sich erkennen, wie
die „Pflanzung" von Gemeinden für eine beständige Erneuerung der Kirche
Sorge tragen könne. Im vierten Kapitel wird die empirische Erhebung vorgestellt.
Planung, Methoden, Konzeption der Fragebögen und die entsprechende
Durchführung der Erhebung werden umfangreich mit vielen Tabellen und
Statistiken beschrieben. Die zentralen Forschungsfragen bei der empirischen
Erhebung von Gemeindegründungsprojekten in den Jahren 1989 bis 2003 lauten:
Wie wird Gemeinde gegründet? Wie verstehen sich die Gemeinden? Sind
Freikirchen ein geeignetes Mittel um Konfessionslose zu erreichen? Ist
Wachstum in den Gemeindeinitiativen zu beobachten? Unter Zuhilfenahme eines
Marktforschungskonzeptes (nach Bereko-ven) und des Kirchenmarketings (nach
Tscheu-lin/Dietrich) wurde ein quantitativer Fragebogen erarbeitet, der an
alle bekannten freikirchlichen Bünde und Gemeindegründungsinitiativen ausgegeben
wurde. Die Briefwechsel (E-Mails) und die angewandten Methoden (Fragebogen)
sind im Anhang einzusehen. Nicht klar nachzuvoll-ziehen ist die Methodologie
des empirischen Ansatzes. Warum ausgerechnet ein Marketingkonzept? Und nach
welchen methodologischen und soziologischen Paradigmen wird verfahren? Hier
wäre eine höhere Transparenz hilfreich gewesen. Die inhaltlichen Ergebnisse
werden in statistischer Form ausführlich dargestellt. Von der Fülle der
Ergebnisse seien nur ein paar herausgegriffen: 73% der durch Gemeindegründungsinitiativen
erreichten Bevölkerungsschicht kamen aus der Mittelschicht und davon waren
die Mehrheit weiblich. Dabei hatte „Gemeinschaft“ den höchsten Stellenwert,
sowohl hinsichtlich der Gemeindeaktivitäten als auch der evangelistische
Methoden. Interessant ist, dass sich kein einheitliches Konzept oder eine
besondere Methode herauskristallisiert hat. Im fünften Kapitel werden nun
die Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen der empirischen Erhebung und der
theoretischen Vorarbeit gezogen und Prinzipien für eine Gemeindegründung in
Ostdeutschland erarbeitet. Dabei werden vier Konzeptionen von Gemeindegründung
skizziert und jeweils mit den Ergebnissen der empirischen Studie
verglichen. Dabei kommt Schröder zu der Feststellung, dass sich alle vier
Konzepte nicht mit der Frage der Inkulturation des Evangeliums beschäftigen,
denn sie scheinen zu stark von der eigenen Denomination der Initiatoren
geprägt zu sein. So kommt sie folgerichtig zu dem Schluss, dass eine stärkere
Auseinandersetzung mit der Gesellschaft den Konzeptionen gut tun würde.
Zusammenfassend bietet dieses Buch interessante Anregungen, Erkenntnisse und
Reflexionen rund um das Thema Gemeindegründung in Ostdeutschland und darüber
hinaus viele Anregungen die eigene – missionarische – Gemeindepraxis zu
hinterfragen, besonders was die Frage der Kontextualisierung und
Inkulturation von unterschiedlichen Milieus betrifft.
Dr. Tobias Faix, em 2008-3.
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Schrupp, Ernst. Gott macht Geschichte. Die Bibelschule und das
Missionshaus in Wiedenest.
Wuppertal: R. Brockhaus, 1995.
Ernst Schrupp, langjähriger Leiter des Wiedenester
Werkes, beschreibt die bewegte Entstehungsgeschichte und den Werdegang des
Missionshauses Bibelschule Wiedenest. Das Buch erscheint im 90. Jahr des Bestehens
dieses Glaubenswerkes. Auf dem Hintergrund der Zeitereignisse in kriegs-
und krisengeschüttelter Zeit, zeigt Schrupp das Wirken Gottes im Leben
und durch das Leben der prägenden Gründer - und Leiterpersönlichkeiten des
Werkes auf. Christoph Köhler und Johannes Warns eröffneten 1905 in der
damaligen Reichshauptstadt Berlin den ersten Bibelschulkurs mit 12 Schülern.
Nach 14 Jahren wurde die Schule nach Wiedenest verlegt.
Während Köhler die Autorität der Heiligen Schrift
besonders betonte, galt das Interesse Johannes Warns hauptsächlich aller
Förderung des Priestertums der Gläubigen in der Gemeinde nach dem Neuen Testament.
Es war das Verdienst von Erich Sauer, wegweisende Akzente in der Entwicklung
einer biblisch-heilsgeschichtlichen Sicht zu entwickeln.
Im 2. Teil des Buches entfaltet der Verfasser ein
weiteres, zentrales Anliegen der Wiedenester Arbeit: Im Chor der Bibelschulen
setzt Wiedenest den Akzent auf eine starke Gemeindeverbundenheit und die
Integration von Gemeinde und Mission.
Schrupp liefert in diesem Buch einen wertvollen Beitrag
zum Verständnis der Schwerpunkte, Überzeugungen und deren Umsetzung in die
Praxis der „offenen Brüder“ im deutschsprachigen Raum.
Zahlreiche Hintergrundinformationen, eine fleißige
Quellenarbeit, sowie 38 Abbildungen legen ein beredtes Zeugnis davon ab,
daß Gott auch in schwierigen Zeiten Geschichte macht. Das Buch macht Mut zu
Gemeinde und Mission.
Hartmut Burghoff, em 1996-3.
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Schultz, Tobias. Faszination, Enttäuschung, Wut: Wie Araber
den Westen sehen – Persönliche Begegnungen und Medienberichte. Band 3
der Reihe: Orient et Occident 3, hrsg. von Dr. Christine Schirrmacher. Bonn:
Verlag für Kultur und Wissenschaft, 2002.
Tobias Schultz (– neuer
Leiter von OM Deutschland –) lebte mehrere Jahre in Ägypten. Im Laufe
der Zeit wurde ihm bewusst, dass die Menschen aus dem Westen meistens kein
Gefühl dafür haben, wie sie auf die Bevölkerung der arabischen Welt wirken.
Deshalb beschreibt er in seinem Buch aufgrund von persönlichen Begegnungen
und Medienberichten, wie bei den Arabern der Mann auf der Straße den Westen
erlebt, was ihn fasziniert und was ihn abstößt. Schultz will „deutschen
Lesern so gut es geht die Brille aufsetzen, durch die sie von ihren arabischen
Nachbarn gesehen werden.“ (S.9).
In einem ersten Kapitel („Die glitzernde Welt“, S.15ff)
beschreibt er die große Faszination, die der Westen auf die arabische Welt
ausübt. Der westliche Wohlstand, die technologischen Errungenschaften, aber
auch politische Werte – wie etwa Demokratie und persönliche Meinungsfreiheit
– üben durchaus auf viele Araber eine starke Anziehungskraft aus.
Demgegenüber stehen aber eine Vielzahl von kritischen
Punkten, die der Araber am Westen beobachtet, wie z.B. der Verfall der
Familie („Gemeinschaft – die Armut der Reichen“, S.24ff) und vor allem der
Verfall der Moral („Die große Schamlosigkeit“, S.29ff).
So kommt es, dass man sich kulturell, sittlich und
religiös gegenüber dem Westen für weit überlegen hält: „Ihr habt mehr
Wohlstand als wir, wir dagegen haben Religion. Ihr seid uns technologisch
und militärisch überlegen – aber wir sind euch sittlich und charaktermäßig
überlegen. Ihr habt viele Kenntnisse auf dem Gebiet der Wissenschaft – wir
dagegen kennen Gott“ (S.45). Eine wichtige Rolle spielt dabei der Umstand,
dass im Westen die Religion weithin aus dem öffentlichen Leben in die
Privatsphäre des Einzelnen verbannt ist, eine Tatsache die für das
allumfassende Religionsverständnis von Muslimen undenkbar ist („Die Welt der
Gottlosen“, S.45ff). In einem weiteren Kapitel („Wer sind die wahren
Terroristen“, S.51ff) geht Schultz vor allem auf politische Fragen ein und
zeigt, wie Araber den Westen (und hier vor allem die USA) als voreingenommen
und voller Doppelmoral erleben: So weist man z.B. darauf hin, dass niemand
aus dem Westen ernsthaft versucht habe, die UN-Resolutionen gegen Israel zur
Durchsetzung zu bringen, während man z.B. gegenüber dem Irak bereit sei, Gewalt
anzuwenden. Das letzte Kapitel („Von wem geht die Bedrohung für Frieden und
Sicherheit aus?“, S.80ff) besitzt gerade durch die Geschehnisse am Golf eine
besondere Aktualität. Denn obwohl viele Araber Saddam Hussein nicht
besonders mochten, sind sie der festen Überzeugung, dass die stärkste
Bedrohung eher von George Bush (oder Ariel Scharon) ausgeht. So weisen sie
z.B. darauf hin, dass die Amerikaner lange vor den arabischen Staaten
Massenvernichtungswaffen gebaut (und eingesetzt) haben.
In einem Schlussteil (S.86ff) stellt Schultz die Frage,
wie man mit solchen Vorwürfen gegen den Westen umzugehen habe? Die
menschliche Reaktion ist die Verteidigungshaltung. Und sicher gibt es viele
Gegenargumente und auch Fehler auf arabischer Seite, auf die man hinweisen
könnte. Aber der ausgestreckte Zeigefinger hilft nicht wirklich weiter. „Was
im wahrsten Sinne des Wortes notwendig ist, ist ein ehrlicher, gründlicher,
und wahrscheinlich schmerzhafter Blick in den Spiegel“ (S.88), bei dem wir
nicht nur die Politik, sondern auch das soziale, kulturelle und geistliche
Leben in unseren Gesellschaften einmal selbstkritisch betrachten sollten. Es
kann sicher nicht darum gehen, einfach dem Westen die Schuld für alle
möglichen Entwicklungen in die Schuhe zu schieben. Aber tatsächlich gibt es
auch auf unserer Seite Versagen, dem wir uns stellen sollten.
Schultz gelingt es dem Leser die sonst ungewohnte
Sichtweise der Araber von der westlichen Welt deutlich zu machen. Er
vermittelt so ein Stück der heute so wichtigen Fähigkeit, die Welt mit den
Augen des anderen sehen zu können. Zwar gab es schon bisher Literatur zu
ähnlichen Fragestellungen (z.B. das Buch: Khoury & Hagemann, Christentum und Christen im Denken
zeitgenössischer Muslime, Würzburg / Altenberge: 2. Aufl. 1994; oder den
zweiteiligen Aufsatz von C. Schirrmacher, „Wie Muslime Christen sehen“ aus
der Zeitschrift des Instituts für
Islamfragen, Nr. 0 + 1 / 2001), das Besondere hier ist jedoch, dass
Schultz seine eigenen Erlebnisse und persönliche Erfahrungen zur Sprache
kommen lässt. Das macht seine Ausführungen lebendig und interessant.
Erfreulich ist, dass Schultz keine Schwarz-Weiß-Malerei betreibt, sondern
z.B. auch auf mancherlei Widersprüchlichkeiten der arabischen Einschätzung
des Westens hinweist.
Das Buch ist ein echter Augenöffner! Deshalb ist ihm weite
Verbreitung zu wünschen. Jedem, der die „arabische Seele“ besser verstehen
möchte oder mit Menschen aus der arabischen Welt zu tun hat, wird dieses
Buch eine wichtige Hilfe bieten. Gerade manchem Politiker hätte man diese
Lektüre gewünscht … Aber schauen wir nicht auf andere: Jedem Christen, der
dieses Buch mit offenem Herzen liest, wird mit Erschrecken auffallen, dass
viele der Kritikpunkte, die Araber an unseren westlichen Gesellschaften
äußern, auch aus christlicher Sicht sehr berechtigt erscheinen (Verfall der
Familie, Verfall der Moral, Geringschätzung des Alters, Anbetung des Mammon
…). Einziger Wermutstropfen: Ein niedrigerer Preis (als 15 Euro für 90 Seiten)
hätte dem Buch sicher eine weitere Verbreitung erleichtert.
Andreas Baumann, em 2003-4.
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Schulze, Heinz. Arbeitsgemeinschaft
Sozialpolitischer Arbeitskreise (Hrsg.), Menschenfischer ‑ Seelenverkäufer. Evangelikale und
fundamentalistische Gruppen und ihr Wirken
in der Dritten Welt, München
1987.
Wenn man bedenkt, welche Rolle Kritik an den Institutionen einer freien Gesellschaft spielt
und welches Ausmaß sie unter Umständen
erreichen kann, erreichen muß, um ihrer gesellschaftlichen
Kontrollfunktion gerecht zu werden, dann
kommen evangelikale und
fundamentalistische Gruppen in der Bundesrepublik vergleichsweise
ungeschoren davon.
Der Grund dafür ist nun
keinesfalls darin zu sehen, daß es
an ihnen nichts zu kritisieren
gibt, sondern vielmehr darin, daß ihre Aktivitäten und Initiativen im
Inland oder auch in Übersee von einer
breiteren Öffentlichkeit bei uns
eher selten wahr- und noch seltener
ernst genommen werden.
Kritik an
evangelikalen und fundamentalistischen Organisationen allerdings
zeigt sich, wenn sie überhaupt auftaucht,
gern in zweierlei Art und Weise
merkwürdig. Die eine Art findet sich meist in Berichten, die für Tageszeitungen geschrieben werden, deren Autoren Denkweisen und Strukturen solcher
Organisationen nur selten einigermaßen
genau oder gar von innen heraus kennen.
Solche Art Kritik wirkt daher auf Insider eher etwas naiv.
Die andere Kritik ist
zwar seltener und auch weniger naiv, hat aber dafür größere Wirkungen bei denen, die sie nicht nur lesen, sondern sich ihre Argumente zu eigen machen, auch wenn darin gar nicht echt oder
sogar manipulativ argumentiert wird. Diese
Art der Kritik findet sich in der hier besprochenen Publikation von Heinz Schulze.
Sie ist nicht die erste dieser Art. Da war, überaus problematisch, vor einigen Jahren schon „Die Frohe Botschaft unserer Zivilisation“
(Herausgeber: Gesellschaft für bedrohte
Völker, Göttingen und Wien 1979). Was
Heinz Schulz und andere hier nun zusammengestellt haben, liest man
zunächst mit Stirnrunzeln, bald aber nur
noch mit fassungslosem Erstaunen.
Um Mißverständnissen
vorzubeugen: Ich leide nicht unter dem Bedürfnis, die mit großem Fleiß zuwege gebrachte Arbeit eines anderen
herabzuwürdigen oder hämisch zu kommentieren. Auch ist Schulzes ständiger Hinweis auf die Tatsache, daß Evangelikale und
Fundamentalisten dazu neigen, korrupten Regierungen in der Dritten Welt und anderswo gegenüber eher indifferent zu bleiben,
durchaus berechtigt, und die Kritisierten täten gut daran, der Kritik zuzuhören, wie immer sie auch ausfallen mag. Aber: Wenn Kritik in einer Form vorgebracht
wird, wie es hier geschehen ist, dann beraubt
sie sich selbst jeglicher Wirkung auf denjenigen, an die sie sich
richtet. Das Ganze ist in der Tat so schlimm, daß es mir bei der gebotenen
Kürze schwer fällt, Symptomatisches so herauszugreifen, daß ein repräsentatives Bild vom Ausmaß der Mängel entsteht, die Schulzes Arbeit kennzeichnen.
Abgesehen davon, daß der Autor die Tätigkeit
evangelikaler und fundamentalistischer Organisationen
in Deutschland als Griff nach der
Macht mißversteht und sie in ihren diesbezüglichen Möglichkeiten völlig überschätzt, ist ausgeprägte Einseitigkeit typisch
für die Auswahl seiner Fakten. Auch besteht die Dritte Welt, von der im Untertitel die Rede ist, fast ausschließlich aus Lateinamerika.
Zwar betont der Autor im Vorwort, es sei nicht sein Anliegen, die Ausnahmen vorzustellen, sondern die Regel (S.5). Gerade das aber tut er dann in der Folge ständig.
Völlig verwirrend sind
die „Klärungsversuche zu Beginn“ (S.7). Wenn ich nicht gewußt hätte,
was die Begriffe „Fundamentalismus“ und „evangelikal“ bedeuten, wäre ich
trotz größtmöglicher Bereitschaft zum Verstehenwollen nicht in der Lage
gewesen zu erkennen, was damit gemeint
ist.
Immer widerwilliger
folgt man den Ausführungen des Autors, wenn man auf so merkwürdige Formulierungen stößt, in denen von den „bösen, selbstherrlichen Männern der
Evangelischen Allianz und des Gnadauer Bundes“
die Rede ist (S.9), wenn man sinnlose
Sätze lesen muß wie „ … für die Mehrheit ist die Religion eine Bestätigung ihrer Existenz als Individuum mit einer ganz
persönlichen Erlösungsgeschichte in der
Ewigkeit“ (S.60), oder salbungsvolle wie
dieser: „Viele der fundamentalistischen Missionsgesellschaften sind Kinder der Krise und die Frucht ihres Leibes ist krisenbringend“ (S.43).
Auffallend ist die geringe Sorgfalt, mit der die Namen von
Organisationen und Personen zitiert
werden. Der „Gnadauer Bund“ (S.9,14
usw.) heißt erst gegen Ende richtig „Gnadauer
Verband“ (S.120), und ein in die
Schlagzeilen geratener amerikanischer Fernsehprediger erscheint auf ein und derselben Seite als „Jimmy Swaggart“
und „Swaggard“ (S.87). Die Liste ist leicht fortzusetzen, es wimmelt von Beispielen.
Schwer fällt es auch, eine Abhandlung über die Rolle des amerikanischen Präsidenten im Rahmen des Themas ernstzunehmen, die den Titel „Ronnies Jesus-Mission“ trägt (S.15). Hier ist das Niveau einer Schülerzeitung erreicht.
Besonders bedenklich
ist das Verfahren, Tatsachenbericht
und Kommentar nicht deutlich
erkennbar zu trennen oder von Zitat zu Zitat zu springen, wobei der Zusammenhang
zuweilen völlig
verloren geht (S.28). Einen in anderer
Weise zusammenhanglosen Eindruck
macht der Beginn der Ausführungen
über „Die elektronische Kirche“
(S.23). Mitten in einer Buchbesprechung über dieses Phänomen in den
USA und Lateinamerika erscheint das Signet des (deutschen) Evangeliumsrundfunks, dann wird das ursprünglich begonnene Thema weitergeführt, um
wiederum durch ein belangloses Photo, den
Ausriß des Programmzeitschrift-Titels des ERF und zwei völlig nichtssagende
Sätze über diesen, unterbrochen zu werden.
Viel zu oft benützt der Autor unklare Begriffe wie „die
nordamerikanische Eroberung“ (S. 7)
oder, höchst seltsam im Zusam
menhang mit William Cameron Townsend, die
Konstellation „presbyterianische Adven-tisten“
(S.44). Wer das wohl sein mag?
Problematisch sind die
Verbindungen zwischen Ereignissen und Fakten, die durch die viel zu
starke Verkürzung von Informationen suggeriert werden, im Zusammenhang mit
Bildmaterial (S.67) und mit Katastrophen
(S.48). Im letzteren Fall muß ein nichtinformierter Leser, der laut
Vorwort informiert werden soll, schließen,
das ILV selbst habe die Flugzeugabstürze inszeniert.
Die Argumentation, wenn
sie überhaupt geführt wird, ist selten überzeugend (S.33 ist ein
Graffito als „starker Protest“ gegen ein christliches
Hilfswerk bezeichnet), manchmal in eindrucksvoller Weise
realitätsfern: Wie will der Autor im Ernst
einer Mutter aus den Slums von
Lima, deren Kind anders keinerlei Chancen hätte, oder gar einem
elternlosen Kind selbst einsichtig machen, daß „Kinderpatenschaften …
entwicklungspolitisch abzulehnen“ (S.57) und „die Arbeit des Kinderhilfswerks Lima … europäisch ausgerichtet und nicht in die Struktur der Basisorganisationen eingebunden“ seien (S.93)?
Selbst einfachsten Maßstäben für Wissenschaftlichkeit
genügt Schulzes Arbeit nicht. Zitiert
werden fast keine Primärquellen, viel
zu oft Berichte aus Zeitungen und Blättern von höchst begrenzter
Bedeutung, mit dem längst unüblichen Kürzel „a.a.O.“ oft weder auffind- noch nachprüfbar. Die im
Impressum als Mitherausgeber firmierenden Organisationen, darunter besonders die studentischen, täten daher
gut daran, sich, falls noch nicht
geschehen, umgehend von der insgesamt blamablen Publikation zu distanzieren.
Lothar Käser, em 1988-4.
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Schwarz, Christian A. Die natürliche Gemeindeentwicklung
nach den Prinzipien, die Gott selbst in seine Schöpfung gelegt hat. C & P: Emmelsbüll & Oncken: Wuppertal, 1996. (Kurzfassung: ders.
Das 1 x 1 der Gemeindeentwicklung. C & P: ebd. 34 S. geheftet.).
Das in zehn Sprachen und 12 Länderausgaben erscheinende
Buch geht auf eine breitangelegte Untersuchung von 1000 Gemeinden in 32 Ländern
auf allen 5 Kontinenten zurück. Dazu haben Gemeindeleiter und Mitarbeiter
ebenso wie ‘normale Mitglieder’ und Besucher detaillierte Fragebogen über
ihre Gemeinden ausgefüllt. In seinem graphisch ausgezeichnet aufgemachten,
übersichtlichen und flüssig geschriebenen Buch belegt Schwarz acht
Qualitätsmerkmale ‘guter’ Gemeinden, in denen Gebet und Seelsorge,
Evangelisation und Schulung eine wichtige Rolle spielen und die zugleich
wachsen: (1) „Bevollmächtigende Leitung“, wobei die Leiter stark auf
persönliche Beziehungen setzen und sich von außerhalb der Gemeinde beraten
lassen, (2) „Gabenorientierte Mitarbeiterschaft“ mit gründlicher Schulung
der ehrenamtlichen Mitarbeiter, (3) „Leidenschaftliche Spiritualität“ wie
intensives Gebetsleben, Begeisterung für den Gottesdienst und klare
theologische Überzeugungen, (4) „Zweckmäßige Strukturen“, in der die Strukturen
den Menschen angepaßt werden und nicht umgekehrt, (5) „Inspirierende
Gottesdienste“, wobei es interessanterweise auf das Wachtum und die Qualität
praktisch keinen Einfluß hat, wenn der Gottesdienst sich vorrangig an Nichtchristen
wendet (S. 31), (6) „Ganzheitliche Kleingruppen“, (7) „Bedürfnisorientierte
Evangelisation“ und (8) „Liebevolle Beziehungen“. Diese Prinzipien bringt
Schwarz dann mit sechs „biotischen“ Prinzipien in Verbindung, also Prinzipien,
mit denen sich die Schöpfung erhält und vermehrt und die seines Erachtens nur
zum Schaden der Gemeinde durch technische Prinzipien ersetzt werden können.
Es sind „Vernetzung“, „Multiplikation“, „Energieumwandlung“, „Mehrfachnutzen“,
„Symbiose“, „Funktionalität“. Schwarz fordert einen zweipoligen
Gemeindebegriff, der dynamische und statische Elemente gleichermaßen
berücksichtigt (S.84ff). Reiner Spiritualismus ist genauso eine Gefahr wie
Technokratie. Bereitschaft zur Veränderung und Spontanität haben genauso
ihren Platz in der Gemeinde Jesu wie Festhalten an Bewährtem und gründliche
Planung.
Mit seinen erfreulichen und studierenswerten Ergebnissen
entfernt sich Schwarz immer weiter von der klassischen Gemeindewachstumsbewegung,
deren Exponent er war und ist. Als herausragendste Entdeckung der Untersuchungen
bezeichnet Schwarz die Feststellung, daß Gemeinden, die einen bestimmten
Qualitätsindex übersteigen, ausnahmslos auch wachsende Gemeinden sind
(S.39). Qualitatives Wachstum und quantitatives Wachstum stehen nicht gegeneinander,
sondern bedingen einander – ein Ergebnis, das die biblische Offenbarung
eindrucksvoll bestätigt. Schwarz schreibt: „In vielen Gemeindewachstumsbüchern
läßt sich ein hartnäckiger Mythos aufspüren: Eine Gemeinde, die wachsen
will, brauche ganz konkrete numerische Wachstumsziele … Keine andere Forderung
hat sich im Bewußtsein der christlichen Öffentlichkeit so sehr mit dem
Wesen von ‘Gemeindewachstum’ verbunden wie diese. Ein Ergebnis unserer
Studie ist, daß nur 31 Prozent aller überdurchschnittlich wachsenden Gemeinden
mit derartigen Zielen arbeiten.“ (S.44).
Nun mag man sagen, daß viele Ergebnisse für den Praktiker
immer schon auf der Hand lagen. Daß größere Gemeinden meist schlechter abschneiden
als kleinere (S.46), weiß jeder, der sich vor Ort umgeschaut hat. Größere Gemeinden
haben eben oft nur eine größere Presse. Aber dem Mythos der möglichst großen
Gemeinde konnte nur eine Untersuchung dieser Art abhelfen. Auch, daß die
‘schlechtesten’ und zudem schrumpfenden Gemeinden durchweg Pastoren haben,
die Theologie studiert haben (S.23), da das Theologiestudium offensichtlich
oft zu beziehungsarmen Gemeindeleitern führt, ist zwar eine sattsam bekannte
Erscheinung, die aber nun belegt ist und dringend zur radikalen Reform des
Theologiestudiums - auch des bibeltreuen - führen müßte! Daß nur wenige
wachsende Gemeinden einen sogenannten ‘Seeker-Service’, also einen ganz auf
Außenstehende ausgerichteten Gottesdienst, haben (S.30), ist ebenso nicht
verwunderlich, denn der Gottesdienst ist nun einmal zuerst dafür da, daß die
Gemeinde Jesu sich von ganzem Herzen auf Gott ausrichtet, und nicht als
Evangelisationsveranstaltung. Fehlt der gemeinsame Gottesdienst der
Christen, fehlt der Gemeinde meist auch ein Stück echter Lebendigkeit.
Ich glaube, daß die Gemeindewachstumsbewegung nun mit
ihren eigenen Waffen geschlagen wurde. Ich habe mit vielen anderen
Missionswissenschaftlern schon vor Jahren vertreten, daß die
Gemeindewachstumsbewegung zu falschen Schlußfolgerungen kommt, weil sie nur
über ein eingeschränktes Wissen verfügt. Geographisch war sie meist auf eine
Gemeinde oder eine Region beschränkt. Sie interessierte sich selten für den
Gesamtzustand der Gemeinde, sondern stellte nur bestimmte Fragen. Und sie
war meist auf kurze Zeiträume beschränkt, untersuchte also beispielsweise
selten, warum vorübergehend stark wachsende Gemeinden oft Jahre später wieder
kollabierten. Damit ist nun Schluß: Eine weltweite Untersuchung, die in 1000
Gemeinden ein möglichst breites Spektrum an Bereichen erfaßte und möglichst
viele Menschen befragte (Pastoren, Gruppenleiter, Mitglieder, Besucher)
zeigt, daß Gemeinden eben am natürlichsten wachsen,
wenn sie gesund sind. Wer sich um die umfassende Gesundheit einer Gemeinde
kümmert, kümmert sich automatisch auch um ihr zahlenmäßiges Wachstum. Dabei
darf man unter gesund eben nur nicht einfach ‘rechtgläubig’ verstehen - worin
Schwarz voll zuzustimmen ist, sondern alle im Neuen Testament vorgegebenen
Qualitätsmerkmale wie Gebet, Gemeinschaft, Förderung, erhebender
Gottesdienst, Evangelisationsdrang usw., Dinge, mit denen gerade
‘rechtgläubige’ Gemeinden - zumindest in Deutschland - oft wahrhaftig
Probleme haben. (Daß bei Schwarz die Frage der ‘Rechtgläubigkeit’ dafür fast
ganz unter den Tisch fällt, ist allerdings bedauerlich.)
Vieles von dem, was Schwarz beschreibt und fordert, könnte
der Gemeindewachstumsbewegung eine neue, m. E. gesündere Richtung geben.
Es ließe sich natürlich fragen, ob nicht Schwarz selbst früher als Redakteur
der Zeitschrift ‘Gemeindewachstum’ der von ihm kritisierten Entwicklung
Vorschub geleistet hat und seinerzeit nicht Kritik am Kurs der deutschsprachigen
Gemeindewachstumsbewegung vorschnell als Kritik an Gemeindewachstum
überhaupt verstanden wurde. Aber jedenfalls kündigte sich schon lange an,
daß Schwarz die Qualität einer Gemeinde immer weniger aus den reinen Zahlen
ableiten wollte und den inneren Zusammenhang zwischen qualitativem und
quantitativem Wachstum immer stärker betonte. Wenn er schreibt: „Es scheint
mir einer der großen Irrtümer der Gemeindewachstumsbewegung zu sein, daß
sie Gemeindewachstumsdenken als eine ‘a-theologische Methodologie’ zu präsentieren
versucht“ (S. 94), so bleibt dabei offen, ob er sich auch selbst damit meint
oder nicht. Aber angesichts dessen, was Schwarz heute präsentiert, ist diese
Frage von rein historischem Interesse. Wichtiger ist jetzt, daß die
Gemeindewachstumsbewegung auf Schwarz hört und mit einer geänderten
Zielsetzung auch jene Christen für einen neuen Aufbruch gewinnen kann, für
die bisher gewisse theologische Probleme der Gemeindewachstumsbewegung Alibi
für den toten und schrumpfenden Zustand der eigenen Gemeinde waren!
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-3.
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Schwatlo, Winfried. Das Verständnis der Reilsgewissheit in
Afrika: Wege zu ihrer Kontextualisierung unter den Christen der Wakaguru.
Evangelische Missiologie Monographien Bd. 2, hg. v. Heinzpeter Hempelmann,
Bad Liebenzell: Verlag der Liebenzeller Mission, 2001.
In dieser „Korntaler-Abschlussarbeit“ nimmt der Autor die
„nahezu gänzlich fehlende Einsicht“ der Christen in Afrika auf, „dass Gott
Heilsgewissheit schenken kann“. Am Beispiel der Wakaguru, einer Ethnie in
Tansania wird in die Problemstellung eingeführt und werden Lösungswege
gesucht, die dann als Kontextualisierung vorgestellt werden. Dem voraus geht
eine exegetische Studie zu Römer 8,3-8f. Schwatlo hält diesen Text für den
Schlüssel zum Thema Heilsgewissheit, weil die für Afrika so wichtige
Dimension der „Mächte und Gewalten“ berücksichtigt wird. Darauf folgt ein
kleiner theologiegeschichtlicher Überblick zum Thema. Anschließend führt
Schwatlo in die Kaguru-Kultur ein, wobei er auch Einflüsse der
Missionsgeschichte berücksichtigt. Die Ähnlichkeit der Kaguru zu anderen
Bantu-Kulturen ist offensichtlich, weswegen diese Studie auch über die Kaguru-Kultur
hinaus Relevanz besitzt. Das darauffolgende Kapitel 4 ist eine allgemeine
Erörterung zum Thema Kontextualisierung der biblischen Botschaft in Afrika.
Der Fokus fällt dabei auf die Christologie, die präsentisch verstandene
Soteriologie und die Bekehrungstheologie afrikanischer Evangelikaler. Im
abschließenden Kapitel 5 kontextualisiert der Autor die biblische Lehre der
Heilsgewissheit für die Christen der Wakaguru. Interessant ist sein breit
angelegter Ansatz: Angefangen von traditionellen Ka-guru-Texten, bis zu dem
auf Kiswaheli vorhandenen theologischen Schulmaterial, über den Einsatz von
Dramen und relevanten Kirchenliedern bis hin zu symbolischen Zeremonien
versucht er das Verständnis für die Heilsgewissheit zu wecken. Dieser Ansatz
überzeugt. Jedoch bleiben Fragen offen. Ist mangelnde Heilsgewissheit das
Hauptproblem oder sind andere theologische Inhalte defizitär? Überblickt man
das ostafrikanische Christentum, so kann man beispielsweise in Kenia Christen
sagen hören: „I’m saved“ mit dem hastigen Zusatz „today“, als ob sie sich
ihres Heils morgen nicht mehr sicher sein könnten. In Tansania lassen sich
bei Evangelisationsveranstaltungen Scharen von Gemeindeglieder zum
wiederholten Male nach vorne rufen. Was sie verbindet ist ihre
„Heilsunsicherheit“. Aber warum sind sie sich ihres Heils nicht gewiss? Man
wird vermuten dürfen, dass Sünde trotz Errettung als bleibende, negative,
lebenseingreifende Macht erfahren wird, mit der man nicht fertig wird
(übrigens fehlt die Sünde in der Aufzählung von Rom 8,3-8f). Deswegen wäre
eine andere reformatorische Lehre vonnöten, nämlich die (selbst in der
deutsch-protestantischen Theologie kontrovers diskutierte) Einsicht des simul
Justus et peccator (gerecht und Sünder zugleich). Wie sich aber eine
konsequente Anwendung dieser Einsicht auf afrikanisches Christsein auswirken
könnte, wirft viele Fragen auf. Könnte es zu einer ethischen Gleichgültigkeit,
gar zum Libertinismus führen? Könnte sich dann trotz Schamkultur Buße bzw.
Beichte in Theologie und Praxis ändern? Könnte sich dann auch ein Bischof
einer konkreten Tatsünde bezichtigen ohne dabei sein Gesicht zu verlieren,
denn er ist Sünder und Gerechter zugleich? Fragen zu deren Erörterung
Schwatlos Buch schweigt, weil es sich einerseits auf den schmalen Brennpunkt
der Heilsgewissheit beschränkt, andererseits aber in unrelevante Randthemen
wie z.B. die Spannung zwischen Glaube und Werke und der Streit um die
„Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ verliert. In diesem
Zusammenhang sei außerdem auf die unverhältnismäßig umfangreichen Fußnoten
hingewiesen. Schwatlo häuft in den Fußnoten seitenweise Literatur an und
man fragt sich als Leser irritiert, ob alle angeführte Literatur für sein
Thema Relevanz besitzt.
Trotzdem ist dieses Buch eine empfehlenswerte Lektüre, die
zum Weiterdenken und Forschen geradezu anregt.
Elmar Spohn, em 2003-3.
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Scott, James M. Paul and the Nations: The Old
Testament and Jewish Background of Paul’s Mission to the Nations with Special
Reference to the Destination of Galatians.
Wissenschaftliche Untersuchungen
zum Neuen Testament 84. J. C. B. Mohr: Tübingen, 1995.
Die vorliegende Dissertation gehört eigentlich in den
Bereich der Einleitungswissenschaften und will die Frage beantworten, an
wen der Galaterbrief geschrieben wurde. Dazu holt der Verfasser zunächst
aber auf 180 Seiten ungeheuer weit aus, um dann auf den letzten 40 Seiten
die Konsequenzen für die Einleitungsfragen zu ziehen. Es sind diese 180
Seiten, die das Buch für den Missiologen interessant machen. Scott will
nämlich seine These belegen, daß Paulus den Begriff für Volk/Völker
(‘ethnos’) und die Geographie seiner Missionstätigkeit im Lichte der
Völkertafel von 1Mose 10 verstand, also davon ausging, daß sich das
Evangelium genau an die Völker der Welt wendet, die sich seit der Sintflut
von Gott abgewandt haben. Dazu geht Scott minutiös auf die Verwendung des
Begriffes Volk/Völker (‘ethnos’) und auf die Auslegungsgeschichte von 1Mose
10 im Judentum ein. Außerdem diskutiert er die einschlägigen Stellen bei Paulus,
besonders Röm 15,19 und Apg 17,26.
Ich denke, daß Scott der Beweis seiner These gelungen ist,
womit wieder einmal mehr feststeht, wie stark das Missionsverständnis des
Paulus vom Alten Testament her bestimmt wurde. Ähnlich hat Rainer Riesner ja
erst kürzlich die Bedeutung der geographischen Angaben von Jes 66,18-21 in
der zeitgenössischen Interpretation der Septuaginta für den Weg der Ausbreitung
des Evangeliums unter den Heiden durch Paulus und damit für dessen eigenen
Reiseweg belegt (siehe meine Rezension von Rainer Riesner. Die Frühzeit des
Apostels Paulus aus derselben Buchreihe in em 12 (1996) 1: 25-26). Im übrigen
dürfte Scotts Werk die derzeit gründlichste und wichtigste Darlegung des
jüdischen und neutestamentlichen Verständnisses des Völkerbegriffes
(‘ethnos’) sein.
Die Sicht der Bedeutung von 1Mose 10 für die paulinische
Missionsstrategie ist für Scott schließlich die Grundlage dafür, sich bei
der umstrittenen Frage, an welche ‘Galater’ Paulus schrieb, für die sog.
‘südgalatische Theorie’ und gegen die ‘nordgalatische’ Theorie zu entscheiden.
Daß der Galaterbrief im Jahr 49 n. Chr. an die Gemeinden in Südgalatien geschrieben
wurde, die Paulus bei seiner ersten Missionsreise gründete, dürfte tatsächlich
auch aus anderen Gründen die richtige Sichtweise sein (s. Helge Stadelmann.
„Die Vorgeschichte des Galaterbriefes“. Bibel und Gemeinde 82 [1982] 2: 153-165),
weswegen diese erneute Bestätigung sehr erfreulich ist.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-3.
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Shenk, Calvin E. Who Do You Say That I Am?
Christians Encounter Other Religions. Herald
Press: Scottdale (USA), 1997.
Das Buch des mennonitischen Religionswissenschaftlers
Calvin E. Shenk ist in erster Linie für Christen im Westen geschrieben, die
sich angesichts einer zunehmenden religiösen Pluralität fragen, wie sie
Menschen anderer Religionen begegnen können. Mit der schon klassischen
Aufteilung in Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus zeigt Shenk die
verschiedenen christlichen Modelle im Verhältnis des Christentums zu den
anderen Religionen auf. Einer Definition der verschiedenen Positionen folgt
eine ausführliche Beschreibung und Auseinandersetzung mit den Sichtweisen.
Shenks Maßstab ist dabei das heilvolle Handeln Gottes in Jesus Christus, das
es zu bezeugen gilt. Ohne die Einzigartigkeit der Person Jesu Christi gibt
es weder Evangelium noch Mission.
In zwei weiteren Kapiteln werden die Perspektive des AT
und NT über die Religionen verhandelt. Die Bibel selbst kennt verschiedene
Begegnungen des biblischen Glaubens („biblical faith“) mit anderen Glaubensformen
(„other faiths“), ohne eine systematische Theologie der Religionen zu entwickeln.
Die Religionen erscheinen multidimensional und ambivalent. Es finden sich
gute wie böse Aspekte in den Religionen. Sie reflektieren damit Gottes
Handeln in der Welt, die Suche des Menschen nach Gott und seine Flucht vor
Gott. Wie stehen nun Schöpfungs- und Christusoffenbarung, Universalismus und
Partikularismus zueinander? Shenk stellt beides in eine dialektische
Spannung.
Nachdem Shenk bereits mehrmals auf die Normativität
Christi in der Begegnung des Christen mit anderen Religionen verwiesen hat,
führt er dies aus: Wer ist Christus? Die Heilsbedeutung des inkarnierten
Christi und damit seine Einzigartigkeit werden in Beziehung zur Trinität
Gottes aufgezeigt. Dabei verweist Shenk auf die Bedeutsamkeit der
Inkarnation. Wo die Partikularität der Inkarnation zugunsten einer
einseitigen Logoschristologie oder eines kosmischen Christus aufgegeben
werden, geht auch das einzigartige Heil in Jesus Christus verloren. Das
heilschaffende Handeln Gottes in Jesus Christus verlangt nach dem Zeugnis der
Gemeinde in aller Welt. An dieser missionarischen Ausrichtung muß sich jede
Theologie der Religionen messen lassen.
Auffällig bei Calvin E. Shenk ist die Offenheit gegenüber
den Spuren Gottes in den Religionen und der deutliche Verweis auf die missionarische
Dimension des Evangeliums von Jesus Christus, das es gilt, allen Menschen zu
bezeugen. Hier stehen sich Offenheit und Bekenntnis nicht diametral
gegenüber, sondern verlangen einander.
Martin Reppenhagen, em 1999-4.
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Silva,
Moisés. God, Language and Scripture:
Reading the Bible in the Light of General Lingustics. Foundations of Contemporary Interpretation Bd. 4. Zondervan:
Grand Rapids (MI), 1990.
Silva, Moisés. Biblical Words and Their
Meaning: An Introduction to Lexical Semantics. überarbeitete Ausgabe. Zondervan: Grand Rapids (MI), 1994.
Kaiser, Walter C. &
Moisés Silva. An
Introduction to Biblical Hermeneutics: The Search for Meaning. Zondervan: Grand Rapids (MI), 1994.
Silva, Moisés (Hg.). Foundations of Contemporary
Interpretation: Six Volumes in One. Zondervan: Grand Rapids (MI), 1996.
Moisés Silva, langjährig Professor für Neues Testament am
Westminster Theological Seminary, hat sich maßgeblich für eine eindeutig
bibeltreue, aber auch am modernsten Forschungsstand orientierte Erforschung
der biblischen Sprachen und der Bedeutung des biblischen Textes eingesetzt.
In ‘God, Language and Scripture’ will Silva die allgemeine
Lingustik (Erforschung der Sprachen) für die Auslegung der Bibel nutzen. Er
geht zwar davon aus, daß die Lingustik der Bibel selbst untergeordnet werden
muß und beginnt deswegen mit einem Kapitel über die Sprache aus biblischer
Sicht. In einer dienenden Funktion kann aber die Lingustik vor Irrwegen
bewahren. Dazu stellt Silva die Grundlagen der modernen Lingustik dar und
wendet sie dann an, indem er die biblischen Sprachen nach Aussprache,
Wortformen und -bedeutung, Satzbau und weiteren Aufbau darstellt. Im Gegensatz
zu den anderen Bänden der Reihe ‘Foundations of Contemporary Interpretation’
setzt dieser Band gewisse Kenntnisse der biblischen Sprachen voraus. Der
Stoff ist etwas trocken, wird aber gut aufgebaut dargeboten.
In ‘Biblical Words and Their Meaning’ will Silva den für
die Auslegung vielleicht wichtigsten Teilbereich der Linguistik, die
Semantik (Lehre von der Bedeutung) der Worte, darstellen und auf die Bibel
anwenden. Es handelt sich dabei um die derzeit beste Darstellung der
biblischen Wortbedeutungslehre aus evangelikaler Feder. Nur wenigen
Bibellesern ist bewußt, welchen Einfluß die lexikale Semantik auf die
Auslegung hat, aber von der Frage, wie man die Bedeutung eines Wortes – dazu
noch antiker Sprachen – gewinnt, hängt oft entscheidendes für die Bedeutung
einer biblischen Aussage ab. Silva wendet sich immer wieder gegen die auch
heute noch weit verbreitete Vorgehensweise, die Bedeutung eines Wortes zu
stark von seiner ursprünglichen Herkunft (Etymologie) und von seinen
theoretisch möglichen Bedeutungen her zu verstehen und zu wenig vom
Sprachgebrauch im Zusammenhang eines Satzes her. Das Buch arbeitet sehr stark
mit Beispielen und ist zur Einführung für Theologiestudenten geschrieben,
setzt also gewisse, wenn auch nicht gründliche Kenntnisse der biblischen
Sprachen voraus.
Die zusammen mit einem der maßgeblichen bibeltreuen
Alttestamentler, Walter C. Kaiser, verfaßte biblische Hermeneutik
(Verstehenslehre) Silvas verzichtet weitgehend auf eine Geschichte der
Hermeneutik und auf eine Auseinandersetzung mit historisch-kritischen Entwürfen
und beschreibt stattdessen, wie man unter Einbezug des neuesten Forschungsstandes
der Lingustik, aber auch unter Berücksichtigung seiner Inspiriertheit die Bedeutung
des Textes der Heiligen Schrift erarbeiten kann. Wer sich keine Rechenschaft
ablegt, wie er mit dem Text umgeht, neigt dazu, sich für jeden Bibelvers eine
eigene Auslegungsmethode zurechtzulegen und die Sprache zu mißbrauchen.
Dabei wird die Hermeneutik von vorne herein in eigenen Kapiteln zu den
literarischen Gattungen (z. B. Evangelien, Propheten, Briefe) dargestellt.
Diese ausgezeichnete Hermeneutik sollte unbedingt ins Deutsche übersetzt
werden.
Der Sammelband ‘Foundations of Contemporary
Interpretation’ enthält sechs Bücher der gleichnamigen, von Moisés Silva
herausgegebenen Serie. Es handelt sich um folgende Titel bibeltreuer
Theologen:
* Moisés Silva, Has the Church Misread the Bible: Eine Geschichte der biblischen
Hermeneutik, die zugleich die Bedeutung der in der Kirchengeschichte
diskutierten Fragen (Was ist Allegorie? Gibt es einen mehrfachen Schriftsinn?)
für heute darstellt und beantwortet.
* Tremper Longman III, Literary Approaches to Biblical Interpretation: Eine
gründliche Kritik bibelkritischer literarischer Methoden, die aber zugleich
fragt, wie bibeltreue Ausleger mit den verschiedenen literarischen Stilen wie
Poesie, Prosa usw. umgehen.
* Moisés Silva: God, Language and Scripture: wurde oben besprochen.
* V. Philips Long, The Art of Biblical History: Eine gründliche Kritik der
unhistorischen Vorgehensweise historisch-kritischer Methoden bei gleichzeitiger
Betonung der Bedeutung der Geschichte in der Bibel selbst und für den Umgang
mit der Bibel.
* Vern S. Poythress, Science and Hermeneutics: Poythress diskutiert, wie die
falsche und richtige Rolle, die die Wissenschaft bei der Auslegung der Bibel
spielt, aussah und aussehen sollte. (Leider geht er auf die Frage Schöpfung
oder Evolution nicht ein und scheint kein ‘Kreationist’ zu sein.)
* Richard A. Muller, The Study of Theology: Muller stellt die große Gefahr
dar, daß die verschiedenen theologischen Disziplinen (z. B. Auslegung, Biblische
Theologie, Systematische Theologie, Seelsorge) auseinandergerissen werden
und kein Gesamtbild des geistlichen Lebens oder einer christlichen ‘Kultur’
entsteht, schlägt dann aber auch vor, wie dem entgegengewirkt werden kann.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-4.
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Simatupang, Tahi Bonar. Gelebte Theologie in Indonesien. Zur
gesellschaftlichen Verantwortung der Christen. Göttingen: Vandenhoeck
& Ruprecht 1992.
Während die Werke deutscher Theologen in alle Länder auch
der sogenannten Dritten Welt exportiert und übersetzt werden, kommt der umgekehrte
Verkehr eher langsam in Gang. Hier füllt die Aufsatzsammlung T.B. Simatupangs
eine wichtige Lücke. Gerade die kurzen, programmatischen Aufsätze aus der
„pabrik ceramah“ („Vortragsfabrik“ – so der indonesische Spitzname dieses
wohl bekanntesten indonesischen Laientheologen) eignen sich hierfür
besonders gut. Der Hamburger Missionstheologe Prof. Olaf Schumann und der
langjährige Mitarbeiter der Evang. Zentralstelle für Entwicklungshilfe, H.J.
Fischer, sind beide hervorragende Indonesienkenner und haben das Buch mit
vielen Erläuterungen auch für den weniger Indonesienkundigen Leser sehr gut
aufbereitet. Auch die oft schwierige indonesische Begrifflichkeit wurde von
Dorothea Reiß fast immer treffend übersetzt; einzig die Übersetzung des
Begriffes „kemakmuran“ (Wohlergehen, Wohlfahrt, Gedeihen) mit „Wohlstand“
mag in unserer Wohlstandgesellschaft etwas mißverständlich klingen, läßt
sich aber schwer besser übersetzen.
Wie schon der Untertitel der Sammlung zeigt, liegen S.
sozialethische Fragen besonders am Herzen. Gerade durch den religiösen Sozialismus
Reinhold Niebuhrs hatte General Simatupang in den 50er-Jahren einen neuen
Zugang zum christlichen Glauben gefunden. Diese Prägung schimmert z.B.
durch, wenn sich nach S. die Kirche auf dem „‘langen Marsch’ … von Pfingsten
bis zur Wiederkunft Christi“ befindet. (61) So hat er gerade evangelikalen
Christen zu sagen, „Christen dürfen sich nicht damit begnügen, die Seelen
der Menschen zu retten … , in der Hoffnung, daß gute Menschen auch eine gute
Regierung hervorbringen werden.“ (73) Demgegenüber sieht S. die Verantwortung
der Kirchen für die Entwicklung („pembangunan“) in Indonesien.
Unter diesem Vorzeichen versteht S. auch sein vielfältiges
Engagement in der ökumenischen Bewegung. Angesichts der Vielzahl der indonesischen
Kirchen ist S. der Meinung, „daß ein gemeinsam formuliertes Bekenntnis … keine
Lösung des Problems bringen wird.“ Vielmehr sieht S. eine Chance für die
Einheit der Kirche allein darin, „vom gemeinsamen Auftrag der Kirchen
auszugehen, den Glauben inmitten der gegenwärtigen indonesischen Gesellschaft
zu bekennen.“ (85) Dieses Glaubensbekenntnis findet nach S. seinen Ausdruck
vor allem in der gesellschaftlichen Verantwortung.
Dieser politische Auftrag führt Simatupang dann auch zur
Zusammenarbeit und zum Dialog mit den indonesischen Muslimen. Allerdings
ist sich S. dabei bewußt, daß auch „etwaige Gemeinsamkeiten unter dem
Aspekt der grundsätzlichen Verschiedenheit der Religionen gesehen werden
müssen, da sie sonst nur Mißverständnisse hervorrufen. … So ist es nur natürlich,
wenn die Zusammenarbeit die Dimension des Bekennens enthält.“ (112) Nur auf
dem Hintergrund dieses deutlichen missionarischen Bekenntnisses kann S.
einen Dialog mit den Muslimen bejahen.
Damit erweist sich S. letztlich als ein theologisch
konservativer Denker, wenn auch sein provozierender religiöser Sozialismus
evangelikale Leser zunächst vor den Kopf stoßen mag und er den Schwerpunkt
seines Denkens allzusehr auf den politischen Auftrag der Kirchen legt. Daher
verwundert es nicht, wenn seine früher so viel zitierte Formel von einem
positiven, kreativen, kritischen und realistischen gesellschaftlichen
Beitrag der Kirchen (50f) heute immer öfter kritisiert wird. Alle Anzeichen
deuten darauf hin, daß die von Simatupang wesentlich mitgeprägte
„Pembangungan- (Development-/Entwicklungs-) Theologie“ in Indonesien immer
mehr von stärker befreiungstheologischen Ansätzen verdrängt wird. Doch
gerade deshalb hat es der am 1.1.1990 verstorbene Simatupang verdient, daß
sein Werk auch der außerindonesischen Öffentlichkeit erhalten bleibt.
Dr. Christian Goßweiler, em 1996-1.
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Smalley,
William A. Translation
as Mission. Bible Translation in the Modern Missionary Movement. Macon, Georgia: Mercer Univ. Press,
1991.
Wer war zuerst da: die
Bibelübersetzung oder die Kirche?
Hat die Übersetzung in die Sprache einer Volksgruppe deren Kirche
entstehen lassen oder hat eine bereits bestehende Kirche die
Bibelübersetzung nötig gemacht? Beides ist in der Missionsgeschichte
vorgekommen, wie die Übersetzung der Bibel
z.B. ins Chinesische oder
Malayische zeigt. Jesu Missionsauftrag lautet zwar nicht: „Übersetzt!“, aber um ihn zu erfüllen ist,
indirekt, Bibelübersetzung als Mittel zur Festigung der Lehre notwendig.
Translation as Mission hat dieses Mittel
zum Inhalt: seine Geschichte, seine
Ausführenden, die Empfänger, die
Wirkung. Für William Smalley sind die Empfänger ein wichtigerer Faktor
als ich es anderswo gelesen habe. Da die Kultur eines Volkes der Sattel ist,
auf dem die biblische Aussage den Sitz im Leben findet, ergeht an den Übersetzer die Herausforderung: studiere nicht nur die alten Sprachen, sondern auch die Kultur und Sprache deiner Empfänger.
Der Autor, selbst Übersetzer und langjähriger Mitarbeiter der Bibelgesellschaften, spricht
aus Missionserfahrung. Ich schätze seinen pragmatischen Ansatz, denn wozu ist eine noch so geschliffene
Exegese nütze, wenn die Hörer und Leser
sich nicht in die Jüngerschaft rufen lassen, weil sie den Ruf überhaupt nicht
verstanden haben? Smalley scheut sich nicht, heiße Eisen anzupacken,
- wie z.B. Kirchenspaltungen aufgrund von
Übersetzungen oder Kulturveränderung durch Mission - er stellt missionarische
Übersetzungsbemühungen in Frage, erklärt aber auch, warum einheimische Übersetzer
in ähnliche Fehler verfallen können. Seine Sicht ist realistisch und fair. Er kreidet nichts an, ohne auch Wege zur Verbesserung der
Übersetzungsqualität zu zeigen. Seine wichtigste Empfehlung an die Übersetzer ist die der Absage an
jegliche Überheblichkeit.
Der rote Faden durch
das weitgefächerte Angebot des
Verfassers ist die Frage, inwieweit eine Übersetzung den Zugang zur
Bibel gibt, oder inwieweit sie gezwungenermaßen die ursprüngliche Aussage
verändert.
Im einzelnen kann der Leser schnell in einer Übersicht nachschlagen: wer war der Übersetzer ins Melanesische, ins Twi, oder ins Kikongo? Wie wurde Gottes Reden bekannt in Indien, in China, oder Peru? Dabei gibt das Buch
Einblick in die Werkstatt von William Carey oder die von Maurice Leenhardt,
und es beschreibt die weltumspannende Arbeit der Bibelgesellschaften, des
Sommerinstituts für Linguistik, sowie
anderer Übersetzergemeinschaften.
Es ist ein Buch zur Orientierung, zur Selbstprüfung für Übersetzer oder zur
Vorbereitung auf diese Art von
Missionsarbeit und zum Unterricht in Missiologie. Selbst wenn jemand
nicht übersetzt, wird er auf Fragen stoßen,
die Smalley aufwirft: Wie lange hält der
Gebrauch einer Ausdrucksweise an, bevor sie modernisiert
werden muß? Wann kann man sagen: eine Übersetzung liest sich gut? Wann ist sie eher hölzern, schwerfällig, wörtlich? Wann
dynamisch, idiomatisch? Ist es möglich, den Lesern einen emotionalen Unterton
zu vermitteln? Wie praktikabel sind Vorschläge, die Kommunikationsweise der
oralen Tradition zu erhalten oder für die Bibelverbreitung auszuloten, wie
z.B. Lieder, Drama, Rezitation?1
Christa Link, em 1994-2.
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Smith,
David W. Against
the Stream. Christianity and Mission in an Age of Globalization. Leicester: IVP, 2003.
Der Autor dieser Aufsatzsammlung ist
Missionswissenschaftler und lehrt Urban Mission and World Christianity am
International Christian College in Glasgow, Schottland. In seinen bisherigen
Veröffentlichungen hat er sich mit der sozialmissionarischen Kompenente im
britischen Evangelikalismus (Transforming
the World) und mit der missionarischen Verkündung im postmodernen Umfeld
(Crying in the Wilderness) befasst.
Hier legt er nun acht Aufsätze zu aktuellen missiologischen Themen vor:
„Globales Christentum und die Heilung der Nationen“ (S.11-26) beleuchtet die
Bedeutung des Evangeliums für die Globalisierung und die Versöhnung zwischen
den Nationen. In „The Shape of Holiness in the Twenty-First-Century“ (S.27-43)
geht es um historische Aspekte der Heiligungsbewegung und die missiologische
Bedeutung von Heiligkeit in der Postmoderne. Weiterer Aufsätze befassen sich
mit dem Zusammenhang zwischen Fundamentalismus und christlicher Mission (S.
80-99), der Mission in Afrika (100-113) und dem Islam in der westlichen
Kultur (65-79). Die Aufsätze bieten auf knappem Raum interessante historische
und zeitgenössisch-missiologische Perspektiven und regen zum Weiterdenken an.
Eine informierte und pointierte Einführung in aktuelle missiologische Themen.
Dr. Friedemann Walldorf, em 2006-1.
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Smith, David W. Transforming the World? The
Social Impact of British Evangelicalism. Paternoster Press: Carlisle, UK, 1998.
Dies ist ein wichtiges Buch, das die Diskussion über das
rechte Verhältnis von Evangelisation und sozialer Verantwortung befruchten
kann, unabhängig davon, ob man Smith’ Aussagen und Schlußfolgerungen immer zustimmt
oder nicht. Der Autor, seit 1990 Direktor des Northumbria Bible College,
geht von der These aus, daß die evangelikale Bewegung in Großbritannien aus
der Erweckung des 18. Jahrhunderts hervorging und ihrem Wesen nach weltverändernd
(world-transformative) war. Ihr gelang es, die Bekehrung des Einzelnen als
zentrale Mitte des Evangeliums festzuhalten und mit der Betonung sozialer
Verantwortung zu verbinden.
Smith führt das darauf zurück, daß viele der leitenden
Persönlichkeiten der ersten Generation Calvinisten waren, die ihre geistlichen
Wurzeln bewußt in der Reformation Calvins und im Puritanismus suchten. Sie
gingen grundsätzlich davon aus, daß die Verkündigung des Evangeliums
zunehmend wesentliche soziale Konsequenzen haben würde und haben muß.
Smith weist darauf hin, daß die führenden Evangelikalen
der ersten Generation überzeugte Postmillennialisten waren, was wiederum
ihre Ansicht bestärkte, daß die Verbreitung des Evangeliums soziale
Auswirkungen hat und haben muß. Sie erwarteten den Anbruch eines goldenen
Zeitalters kurz vor der Wiederkehr Jesu. Die sozialen Veränderungen im Zuge
der Erweckungsbewegung unter John Wesley deuteten sie als Zeichen der Zeit
und als Künder eines globalen Zeitalters, in dem Frieden und Gerechtigkeit
herrschen würden.
Smith geht der Frage nach, ob die evangelikale Bewegung
in Großbritannien die Welt tatsächlich verändert hat oder ob sie selbst
durch den Einfluß der Moderne verändert wurde. Er stellt damit die gleiche
Frage im Blick auf den Evangelikalismus, die Soziologen wie Max Weber, Emile
Durkheim und Bryan Wilson allgemein im Blick auf die Rolle der Religion
gestellt haben. Die Mehrzahl der Soziologen geht davon aus, daß die Bedingungen
und Faktoren der modernen, industrialisierten Kulturen die soziale
Bedeutung der Religion notwendigerweise unterhöhlt. Die Religion und die
religiöse Überzeugungen werden auf die private Sphäre zurückgedrängt.
In fünf faszinierenden Kapiteln untersucht Smith diese
Fragen anhand von Aussagen, Veröffentlichungen und sozialen Bemühungen der
britischen Evangelikalen in den letzten beiden Jahrhunderten; der sich
verändernde Methodismus nach dem Tode John Wesleys 1791; die Entstehung des
anglikanischen Evangelikalismus; die Bemühungen um die politisch
Einflußreichen und die wachsende Mittelklasse mit der Gefahr, die bestehende
soziale Ordnung der Herrschenden zu zementieren und die Aspirationen der
Armen zu enttäuschen; den abnehmenden Einfluß eines optimistischen
Postmillennialismus und die zunehmende Bedeutsamkeit eines mehr
apokalyptischen Verständnis der Geschichte (Prämillennialismus, John Nelson
Darby); die Spaltung der evangelikalen Bewegung in eine Mehrheit, die das
Establishment als Bollwerk gegen das Chaos sahen, und in eine Minderheit, die
es als größtes Hindernis für die Ausbreitung der Herrschaft Christi sahen;
die einsamen Rufer in der Wüste (Edward Miall, Thomas Guthrie, Andrew
Mearns, William Booth und Charles Haddon Spurgeon); viktorianischer Evangelikalismus
im Zeitalter Charles Darwins und Charles Dickens; abnehmender Einfluß, Wiedererstarken
und Gefährung des Evangelikalismus im 20. Jahrhundert.
In einem letzten Kapitel beschreibt Smith die Haltung zur
sozialen Frage in sechs verschiedenen Strömungen des Evangelikalismus in
Großbritannien (mainstream of modern Evangelicalism, evangelical Anglicans,
evangelicals committed to Reformed theology, charismatic House Churches,
neo-Anabaptist Movement and the Fundamentalists). Zum Abschluß zeigt der
Autor die Aufgaben auf, die sich heute dem Evangelikalismus im Blick auf die
soziale Veantwortung stellen.
Das Buch wirft eine Reihe hochinteressanter Fragen auf und
fordert zur Auseinandersetzung heraus, gerade auch dort, wo man dem Autor
nicht folgen will, z. B. bei der Bewertung des negativen Einflusses der
Betonung der Unfehlbarkeit der Schrift auf die soziale Verantwortung.
Manche soziale Entwicklungen werden wohl zu einseitig oder vorschnell auf bestimmte
theologische Überzeugungen zurückgeführt. Nicht alle Kapitel sind gleich gut
recherchiert oder dargestellt.
Das Buch ist sorgfältig ediert. Ich habe nur einen
Druckfehler gefunden. Mit 36.00 DM ist das Buch für ein Paperback mit 146
Seiten allerdings nicht ganz billig.
Dr. Dietrich Kuhl, em 1999-3.
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Smith, Marilyn B.; Ingrid
Kern (Hg.). Ohne
Unterschied? Frauen und Männer im Dienst für Gott. Brunnen: Gießen, 2000.
Diese Studie der Kommission für Frauenfragen der
Weltweiten Evangelischen Allianz (World Evangelical Fellowship) hat bereits
in ihrer englischen Fassung viel Staub aufgewirbelt, wurde sie doch als
einseitiges Plädoyer der WEA für die Frauenordination verstanden oder besser
mißverstanden. Denn weder erhebt die Studie irgendeinen Autoritätsanspruch -
sie will lediglich als Diskussionsbeitrag von führenden evangelikalen Frauen
aus allen Erdteilen verstanden werden - noch stellt sie irgendwelche
konkreten Forderungen wie die Frauenordination, sondern bittet nur darum, die
Auslegung einschlägiger Schriftstellen neu zu überdenken und zu überprüfen,
ob die Rolle der Frau in evangelikalen Gemeinden und Werken wirklich der Würde
der Frau und dem biblischen Zeugnis gerecht wird. Dazu werden einerseits
Bibeltexte behandelt, die die Würde der Frau als Geschöpf und als Kind Gottes
unterstreichen, andererseits ausführlich die traditionelle (im Buch wird
‘traditionalistisch’ gesagt, aber ‘traditionell’ wäre besser, denn das
englische ‘traditional’ hat keinen negativen Beigeschmack) Auslegung der
klassischen Bibeltexte zur Rolle der Frau (bes. 1Mose 1-3, 1Kor 11+14 und
2Tim 3) mit der inzwischen verbreiteten ‘gabenorientierten’ Sichtweise
verglichen (vgl. bes. die übersichtliche Gegenüberstellung S.149-152). Die
traditionelle Sichtweise wird korrekt und nicht polemisch beschrieben. Die
‘neue’, ‘gabenorientierte’ Sicht, wie sie hier vorgetragen wird, verzichtet
völlig auf bibelkritische Ansätze (z. B. Texte gelten als zeitbedingt oder
später eingefügt), sondern geht ebenfalls von der Gültigkeit der biblischen
Normen aus, meint aber, dass viele Texte bisher mit außerbiblischen
Vorurteilen gelesen wurden. Das Buch bietet einen ausgezeichneten Vergleich
zwischen den beiden evangelikalen Sichtweisen und benennt die konkreten
exegetischen Entscheidungen, die beiden Sichtweisen zugrunde liegen. Es
bietet sich daher als Gesprächsgrundlage für ein sachliches und konkretes
Gespräch an.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 2001-1.
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Solheim, Magne. Im Schatten von Hakenkreuz, Hammer und Sichel. Judenmissionar
in Rumänien
1937-1948. Erlangen: Verlag der Ev. Luth. Mission 1986.
Dies ist der erste Teil einer aus dem Norwegischen
übersetzten Autobiographie. Der junge norwegische
Theologe Solheim trat 1936 in den Dienst der Norwegischen
Israelmission, bereitete sich am Institutum Judaicum Delitzschianum in Wien
vor und wirkte von 1938-1948 in Galatz, Rumänien missionarisch unter Juden.
Dabei wurde er für viele in den 6 Jahren nationalsozialistischer Herrschaft
zum Lebensretter. Nach 4 Jahren Kommunismus
wurde er wie alle verbliebenen
ausländischen Missionare des Landes verwiesen und zog nach Israel. Daß
er Missionar war und auch jüdische Gedanken und
Gefühle zum Ausdruck bringen konnte, unterscheidet
ihn wohl von vielen anderen Helfern der Juden in jener Zeit. Als
wertvolles Zeitzeugnis und ein Stück rumänischer
Geschichte durchaus aktuell!
Gundula Richter, em 1993-1.
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Solon, Gidada. Jenseits
der Dunkelheit, Hrsg. Gerd Röhm, Köln: Rüdiger Köppe Verlag, 2003.
Es ist die faszinierende Geschichte der Ausbreitung des
Evangeliums in West-Äthiopien zwischen 1920 und 1975. Faszinierend, weil ein
Einheimischer sie erzählt. Das besondere daran: der Einheimische ist ein
Blinder, der zum „Apostel der Oromo“ wurde. Der „blinde Apostel“ Gidada Solon
(1901-1977) ist der Vater des vorletzten Staatspräsidenten Äthiopiens, Dr.
Negasso Gidada (von 1995 bis 2001).
Das Buch beschreibt die Lebensgeschichte und die
Missionstätigkeit Gidadas, wie er sie zwei Missionarinnen erzählte. Mit 5
Jahren erblindet, entwickelte er eine erstaunliche Fähigkeit, Einzelheiten im
Gedächtnis zu behalten und viele Gespräche in wörtlicher Redewendung
wiederzugeben. Das macht diese besondere ‘Autobiographie’ abwechslungsreich
und leicht zu lesen. Wie nebenbei erfährt man vieles über die Kultur der
Oromo in dieser Zeit und auch einiges über allgemeine geschichtliche
Ereignisse in Äthiopien. Die Missionare der Sudan Missionary Association, die 1919 die erste Missionsstation
in West-Äthiopien aufbauten, spielen in der Erinnerung Gidadas keine
Hauptrolle. Hauptakteure dieser Missionsgeschichte sind die einheimischen
Evangelisten und späteren Pastoren, die sich unermüdlich und ohne Furcht für
die Ausbreitung des Evangeliums einsetzten. In den ersten Jahren zogen sie
als Laien mit brennendem Eifer von Dorf zu Dorf und bezeugten ihren Glauben.
Später erhielten einige eine Ausbildung und wurden ordiniert, darunter auch
Gidada.
Als blinder Bettler kam er in Kontakt mit den Missionaren
und nach seiner Bekehrung evangelisierte er zuerst unter den Bettlern. Viele
Menschen nahmen das einfache Zeugnis des Blinden ernst und fanden zu
Christus. Später lernte er bei den Missionaren Englisch und die
Brailleschrift. Die Bibelteile in Braille wurden ab da seine ständigen
Begleiter. Es ist beeindruckend zu lesen, wie der „Apostel Gidada“, ähnlich
wie die Apostel in neutestamentlicher Zeit, Wochen und Monate zusammen mit
Begleitern zu Fuß von Ort zu Ort zog, evangelisierte, Gemeinden gründete,
Älteste einsetzte und die Gemeinden erneut besuchte und ihnen in schwierigen
Situationen zur Seite stand.
Gidada schildert die Ereignisse chronologisch, aber der
aufmerksame Leser entdeckt dabei nebenbei die Grundzüge des Gemeindeaufbaus
der sog. ‘Bethelkirchen’, ihre kulturellen Besonderheiten, die Widerstände
und Rückschläge, aber auch das beständige Wachstum. Wer in dem Buch
thematisch etwas zur angewandten Missionsstrategie, zu
Gemeindewachstumsfaktoren, zur Auseinandersetzung mit dem Schamanentum oder
Ähnlichem sucht, muss mühsam zwischen den Geschichten und Erzählungen danach
suchen, aber er wird fündig werden. Interessant ist die Entwicklung dieser
unabhängigen Gemeinden, wie sie sich behutsam aber überzeugt neben der
Äthiopisch Orthodoxen und der Römisch-Katholischen Kirche behaupten.
Auch wenn Gidada die Ereignisse seines Lebens und seiner
missionarischen Tätigkeit aus subjektiver Sicht schildert, ist es ein
wichtiger Beitrag zur Missions- und Kirchengeschichte Äthiopiens. Das Vorwort
und die Anhänge (Zeittafel, Fotos, Landkarte) enthalten hilfreiche
Ergänzungen zur Geschichte Äthiopiens und Daten über wichtige missionarische
und kirchliche Entwicklungen bis heute.
Friedhelm Haas, em 2004-3.
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Spartalis, Peter James. Karl Kumm - Last of the
Livingstones. Pioneer,
Missionary, Statesman. Nachwort von E. Troeger. Deutsche Zusammenfassung von C. Sauer, edition afem
- mission Scripts 2. Bonn:
VKW 1994, 116 S., DM 19,80.
Noch immer ist das Kenntnisdefizit zur Person Hermann Karl
Wilhelm Kumms in Gemeinde- und Missionskreisen
auffallend groß. Nur wenigen
Insidern ist sein Leben und Werk bekannt.
Nur wenige wissen, daß Kumm vor der
Gründung der Sudan United Mission (SUM,
heute: Action Partners) auch die deutsche Sudan-Pionier-Mission (SPM) ins Leben gerufen hat. Dies soll sich nun durch die in Englisch
abgefaßte Kurzbiographie ändern.
Dabei empfiehlt sich der
Australier Peter James Spartalis
als Autor für diese Studie. Als Missionshistoriker doziert er an der
Nairobi Evangelical Graduate School of
Theology, Kenia. Seine umfassenden Kenntnisse zur Person Kumms
bezieht Spartalis aus seiner intensiven
Einarbeitung in das SUM-Archiv, zahlreichen Besuchen und
missionarischen Kurzzeiteinsätzen in den Ländern, in denen Kumm wirksam war und aus seiner Zugehörigkeit zum Heimatvorstand der SUM in Australien / Neuseeland.
In den ersten zehn Kapiteln stellt der Autor das Leben und Werk Kumms vor, bevor er seine Studie mit einer kurzen Auswertung
abrundet. Die sich anschließende Bibliographie, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, stellt ein
wertvolles Hilfsmittel für die weitere Forschungsarbeit dar. Das Nachwort
von E. Troeger, dem Leiter der Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten
(EMO), bietet einen Abriß der historischen Entwicklung der SPM nach der
Trennung von Kumm. Eine deutsche Zusammenfassung erleichtert sicher manchem
Leser den schnelleren Zugang zum Inhalt
der Lektüre.
Wer ist nun H.K.W. Kumm? Ein bahnbrechender Visionär, ein leidenschaftlicher Pionier,
ein opferbereiter Leiter, ein unaufhaltsamer Missionsstratege, ein
überzeugter Inter-denominationalist, ein feuriger Redner und begabter Autor.
Jeder, der die feine
Studie von Spartalis in die Hand nimmt, wird Mühe haben, sie beiseite zu legen, ohne sie bis zu Ende gelesen zu haben.
Es gelingt dem Autor, den Leser zu fesseln
und herauszufordern, indem er Kumms Vision für die noch unerreichten
Völker vom Niger bis zum Nil und dessen
Bereitschaft, jedes Opfer für die
Verwirklichung seiner Vision zu bringen, herausstellt.
Das erklärte Ziel des Autors ist, die breite christliche
Öffentlichkeit über die herausragenden
Leistungen des Missionspioniers zu informieren. Grundsätzlich könnte
die in gut lesbarem Stil abgefaßte Arbeit
dies auch leisten. Praktisch
allerdings muß dieses Ziel für die anglophone Welt nur ein Wunsch
bleiben, solange die Auflagenhöhe nicht
drastisch gesteigert werden kann. Für die deutschsprachige
Leserschaft müßte der größeren Breitenwirkung wegen eine deutsche Version
dieser Studie, oder besser eine unabhängige deutsche Kumm-Biographie erstellt
werden. Mit der vorliegenden Fassung werden bestenfalls stark
missionsinteressierte Leser bzw. die Fachwelt erreicht. Dies wird sich auch durch die deutsche
Zusammenfassung am Ende der Biographie
nicht wesentlich ändern.
Auf einige inhaltliche
Schwächen sei abschließend noch hingewiesen. Leider hat Spartalis die
Quellen der deutschen SPM und auch der
englischen Nordafrikamission (NAM; heute Arab World Ministries, AWM) nicht
mit eingearbeitet, worunter die Darstellung des „frühen Kumm“
(1898-1902) erheblich leidet. So kommt z.B. das seelsorgerliche Ringen des
SPM-Vorstandes um den jungen Kumm im Vorfeld
der Trennung überhaupt nicht zur Sprache.
Ebenso könnte das Quellenmaterial der NAM einen wichtigen Beitrag zur
Erhellung der frühen Missionstätigkeit
Kumms und seiner Persönlichkeit leisten.
Auffallend ist auch, daß Spartalis sich über die letzten
Lebensjahre Kumms in den USA ziemlich ausschweigt, sodaß auch der „späte
Kumm“ größtenteils im Dunkeln bleibt. Auch wenn der Autor hier und da auf
Schwierigkeiten der Arbeit Kumms und auch auf Kritik an seiner Person
hinweist, muß die gesamte Darstellung als relativ unkritisch bezeichnet werden.
Den Anspruch, eine wissenschaftlich
erschöpfende und ausgewogene Darstellung des
Lebens und Werkes Kumms zu präsentieren, kann diese Studie somit nicht
erheben (was sie auch nicht tut). Sie kann aber wohl Anstoß und Grundlage für
eine solche sein.
Es bleibt das Verdienst von Spartalis, das lange Schweigen
zur Person Kumms gebrochen zu haben und als Vertreter der SUM in einer
beispielhaften Kooperation mit der EMO das Erscheinen
dieser Kurzbiographie ermöglicht zu haben. (Dadurch konnten auch historische und
geographische Unrichtigkeiten, verbunden mit der Anfangszeit der SPM und der
späteren Entwicklung der EMO und der
Schweizerischen Evangelischen Nilland Mission, SENM, korrigiert werden.) Damit hat er einen wichtigen
Beitrag zur Aufarbeitung des Kummschen Erbes und der historischen
Entwicklung beider Missionen geleistet.
Gerald Lauche, em 1995-3.
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Spartalis, Peter James. Karl Kumm - Last of the Livingstones: Pioneer,
Missionary, Statesman,
Nachwort von Eberhard Troeger, deutsche Zusammenfassung von Christoph Sauer,
edition afem - mission scripts 2, Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn,
1994.
Noch immer ist das Kenntnisdefizit zur Person Hermann Karl
Wilhelm Kumms in Gemeinde- und Missionskreisen auffallend groß. Nur wenigen
Insidern ist sein Leben und Werk bekannt. Nur wenige wissen, daß Kumm vor
der Gründung der Sudan United Mission (SUM, heute: Action Partners) auch die
deutsche Sudan-Pionier-Mission (SPM) ins Leben gerufen hat. Dies soll sich
nun durch die in Englisch abgefaßte Kurzbiographie ändern.
Dabei empfiehlt sich der Australier Peter James Spartalis
als Autor für diese Studie. Als Missionshistoriker doziert er an der Nairobi
Evangelical Graduate School of Theology, Kenia. Seine umfassenden Kenntnisse
zur Person Kumms bezieht Spartalis aus seiner intensiven Einarbeitung in
das SUM-Archiv, zahlreichen Besuchen und missionarischen Kurzzeiteinsätzen
in den Ländern, in denen Kumm wirksam war und aus seiner Zugehörigkeit zum
Heimatvorstand der SUM in Australien/ Neuseeland.
In den ersten zehn Kapiteln stellt der Autor das Leben und
Werk Kumms vor, bevor er seine Studie mit einer kurzen Auswertung abrundet.
Die sich anschließende Bibliographie, ohne Anspruch auf Vollständigkeit,
stellt ein wertvolles Hilfsmittel für die weitere Forschungsarbeit dar. Das
Nachwort von E. Troeger, dem Leiter der Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer
Osten (EMO), bietet einen Abriß der historischen Entwicklung der SPM nach der
Trennung von Kumm. Eine deutsche Zusammenfassung erleichtert manchem Leser
den schnelleren Zugang zum Inhalt der Lektüre.
Wer ist nun H. K. W. Kumm? Ein bahnbrechender Visionär,
ein leidenschaftlicher Pionier, ein opferbereiter Leiter, ein unaufhaltsamer
Missionsstratege, ein überzeugter Interdenominationalist, ein feuriger
Redner und begabter Autor.
Jeder, der die feine Studie von Spartalis in die Hand
nimmt, wird Mühe haben, sie beiseite zu legen, ohne sie bis zu Ende gelesen
zu haben. Es gelingt dem Autor, den Leser zu fesseln und herauszufordern,
indem er Kumms Vision für die noch unerreichten Völker vom Niger bis zum Nil
und dessen Bereitschaft, jedes Opfer für die Verwirklichung seiner Vision zu
bringen, herausstellt.
Das erklärte Ziel des Autors ist, die breite christliche
Öffentlichkeit über die herausragenden Leistungen des Missionspioniers zu informieren.
Grundsätzlich könnte die in gut lesbarem Stil abgefaßte Arbeit dies auch leisten.
Praktisch allerdings muß dieses Ziel für die anglophone Welt nur ein Wunsch
bleiben, solange die Auflagenhöhe nicht drastisch gesteigert werden kann.
Für die deutschsprachige Leserschaft müßte der größeren Breitenwirkung wegen
eine deutsche Version dieser Studie, oder besser eine unabhängige deutsche
Kumm-Biographie erstellt werden. Mit der vorliegenden Fassung werden
bestenfalls stark missionsinteressierte Leser bzw. die Fachwelt erreicht.
Dies wird sich auch durch die deutsche Zusammenfassung am Ende der Biographie
nicht wesentlich ändern.
Auf einige inhaltliche Schwächen sei abschließend noch
hingewiesen. Leider hat Spartalis die Quellen der deutschen SPM und auch der
englischen Nordafrikamission (NAM; heute Arab World Ministries, AWM) nicht
mit eingearbeitet, worunter die Darstellung des „frühen Kumm“ (1898-1902)
erheblich leidet. So kommt z.B. das seelsorgerliche Ringen des SPM-Vorstandes
um den jungen Kumm im Vorfeld der Trennung überhaupt nicht zur Sprache.
Ebenso könnte das Quellenmaterial der NAM einen wichtigen Beitrag zur Erhellung
der frühen Missionstätigkeit Kumms und seiner Persönlichkeit leisten.
Auffallend ist auch, daß Spartalis sich über die letzten
Lebensjahre Kumms in den USA ziemlich ausschweigt, so daß auch der „späte
Kumm“ größtenteils im Dunkeln bleibt. Auch wenn der Autor hier und da auf
Schwierigkeiten der Arbeit Kumms und auch auf Kritik an seiner Person
hinweist, muß die gesamte Darstellung als relativ unkritisch bezeichnet werden.
Den Anspruch, eine wissenschaftlich erschöpfende und ausgewogene Darstellung
des Lebens und Werkes Kumms zu präsentieren, kann diese Studie somit nicht
erheben (was sie auch nicht tut). Sie kann aber wohl Anstoß und Grundlage für
eine solche sein.
Es bleibt das Verdienst von Spartalis, das lange Schweigen
zur Person Kumms gebrochen zu haben und als Vertreter der SUM in einer
beispielhaften Kooperation mit der EMO das Erscheinen dieser Kurzbiographie
ermöglicht zu haben. (Dadurch konnten auch historische und geographische
Unrichtigkeiten, verbunden mit der Anfangszeit der SPM und der späteren
Entwicklung der EMO und der Schweizerischen Evangelischen Nilland Mission,
SENM, korrigiert werden.) Damit hat er einen wichtigen Beitrag zur
Aufarbeitung des Kummschen Erbes und der historischen Entwicklung beider
Missionen geleistet.
Gerald Lauche, em 1996-1.
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Spohn, Elmar. Mission und das kommende Ende:
Karl Hartensteins Verständnis der Eschatologie und dessen Auswirkungen auf
die Mission. Verlag der
Liebenzeller Mission: Bad Liebenzell, 2000.
Prälat Karl Hartenstein war der Basler Mission eng
verbunden und ein großer Förderer von Mission und weltweiter Ökumene. In
dieser vom AfeM preisgekrönten Arbeit wird zwar auch sein Leben kurz
skizziert und grundsätzlich seine Theologie aus den Quellen erhoben, aber
der Schwerpunkt liegt auf seiner Eschatologie und ihrer Aktualität (S.
47-87+129-167) und auf der Auswirkungen auf die Missionstheologie
Hartensteins und auf die Weltmissionskonferenzen 1938-1952. Die Arbeit ist
gut aus den Quellen recheriert und flüssig geschrieben.
Hartenstein grenzte sich nach Spohn gegen vier Bewegungen
ab (S.30-35): 1. die Kerygmatheologie Bultmanns, 2. den Fundamentalismus,
3. den Dispensationalismus und 4. gegen „die lutherische Individualisierung
des Erlösungswerkes Christi“ (S.30). Israel spielte in seiner Eschatologie
eine große Rolle, aber gegen den Dispensationalismus lehnte er die Fortdauer
der Landverheißung für Israel - ebenso wie die Vorentrückung der Gläubigen -
ab (S.65-78). Von der reichsgeschichtlichen Offenbarungsauslegung geprägt,
verstand er die Kirche vor allem als leidende Minderheitenkirche, weswegen
die Theologie des Martyrium seine Eschatologie und Missiologie bestimmte
(bes. S.54-59). Seine fehlende Grundsatzkritik am Dritten Reich verhinderte
allerdings die Anwendung dieser Sicht auf die Kirche unter dem
Nationalsozialismus (S.62-63). Der Martyriumstheologe Hartenstein wurde – je
länger desto mehr – im Gegensatz zum frühen Hartenstein mehr und mehr zu einem
Verfechter der Allversöhnungslehre württembergischer Prägung (S.79-87).
Etwas mühsam scheint mir der Versuch, die Auswirkungen der
Eschatologie und Missiologie Hartensteins über die Weltmissionskonferenzen
hinaus bei George W. Peters und der Lausanner Verpflichtung ebenso wie im 2.
Vatikanischen Konzil oder den Pfingstmissionen (S.92ff) und manch anderen
Stellen zu zeigen. Zumal sich in allen Fällen nur die Parallele ergibt, daß
die Eschatologie für die Missionstheologie wichtig ist, während die jeweils
konkrete Eschatologie sich stark von Hartenstein unterscheidet. Zwar wird
zugegeben, daß es sich praktisch immer um selbstständig entstandene
parallele Aussagen und Bewegungen handelt, aber es wird von „Auswirkungen“
und „Aufnahme“ der Sicht Hartensteins gesprochen und dadurch der Eindruck
erweckt, als hätte Hartenstein über den württembergischen Bereich hinaus
großen Einfluß gehabt. Hier hätte man sich eine klare Unterscheidung zwischen
echter und nachweisbarer Beeinflussung durch Hartenstein und von ähnlich
denkenden Bewegungen gewünscht. Auch die zitierte Aussage, daß Hartenstein
mit Barth und Brunner zu Lebzeiten die theologische Szene Westeuropas
dominiert hätte (S. 19), scheint mir doch zu weit zu gehen. Dazu war
Hartenstein einfach nicht bibelkritisch genug!
Dr. Thomas Schirrmacher, em 2000-4.
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Spuler-Stegemann,
Ursula. Muslime
in Deutschland – Nebeneinander oder Miteinander. Herder: Freiburg, 1998.
Ursula Spuler-Stegemanns Bestandsaufnahme des Islam in
Deutschland ist sowohl kenntnisreich als auch sehr anschaulich geschrieben.
Der Schwerpunkt des Buches liegt auf dem türkischen Islam und seinen
unterschiedlichen Gruppen und Strömungen, was angesichts der
Zahlenverhältnisse (2,1 Mill. Türken von 2,7 Mill. Muslimen in Deutschland)
durchaus gerechtfertigt ist.
Die Autorin bemüht sich um eine faire, aber zugleich
realistische Darstellung der Lage. Einerseits weckt das Buch bei seinen
Lesern Verständnis für die besonderen Schwierigkeiten der Muslime in
Deutschland. Andererseits erstickt es nicht in politischer Korrektheit,
denn U. Spuler-Stegemann wagt es, auf existierende Probleme, etwa bei den
hierzulande weitgehend ungehinderten Aktivitäten extremistischer Gruppen
deutlich hinzuweisen.
Gleichermaßen positiv überrascht der nur selten gezogene
Vergleich zwischen den weitreichenden Rechten der Muslime in Deutschland und
der beängstigenden Lage der Christen in der islamischen Welt ebenso wertvoll
die Erörterung des gespaltenen Verhältnisses der Muslime zur deutschen
Verfassung, sowie die nüchterne Betonung der Tatsache, daß der Islam überall
– auch in Deutschland – das Ziel verfolgt, die Scharia (das islamische
Gesetz) durchzusetzen. Und schließlich muß eine Professorin für Türkisch und
Religionsgeschichte allzu dialogbereite Kirchenvertreter in unserem Land
über muslimische Missionspraktiken unter Christen aufklären: „Die
verständnisvolle Haltung mancher wohlmeindender Kirchenvertreter wird mit
Wonne ausgenutzt“ (301), da oft gerade mit denjenigen muslimischen Gruppen
der Dialog gepflegt werde, die unter Beobachtung des Verfassungsschutzes
stehen. „Blauäugiger geht es wohl nicht“, so der muslimische Originalkommentar.
Stattdessen plädiert die Autorin dafür, endlich die Unterschiede zwischen
Islam, Christentum und Judentum „in aller Klarheit herauszuarbeiten“. Der
faire Eindruck des Buches wird unterstrichen durch das andernorts gegebene
Versprechen der Autorin, die vereinzelten pauschalen Aussagen über die
„Aggressionen der Evangelikalen“ für eine weitere Auflage sorgsamer zu
prüfen.
„Muslime in Deutschland“ – ein unentbehrliches
Nachschlagewerk für jeden, der die vielen muslimischen Gruppen und ihre
Aktivitäten in unserem Land besser verstehen möchte.
Dr. Christine Schirrmacher, em 1998-4.
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Staats, Reinhart. Das Glaubensbekenntnis von
Nizäa-Konstantinopel. Historische und theologische Grundlagen. Darmstadt:
Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1996.
Das in seiner endgültigen Form 381 n. Chr. verabschiedete
Glaubensbekenntnis der Konzile von Nizäa und Konstantinopel, das die meisten
Kirchen an hohen Feiertagen im Gottesdienst bekennen, spielt in der ökumenischen
Diskussion eine immer größere Rolle, da es (bis auf einen kleinen Zusatz zum
Heiligen Geist – „filioque“) das identische Bekenntnis der abend- und morgenländischen
Kirchen ist. Der Kieler Kirchengeschichtsprofessor Reinhart Staats hat in
diesem Band das sonst nur verstreut zu findende Wissen über dieses Bekenntnis
allgemeinverständlich und dennoch gründlich belegt zusammengetragen. Vorgeschichte
und Geschichte, liturgische und kirchenrechtliche Funktion, sowie Theologie
und Auslegung der einzelnen Aussagen ihrer historischen Bedeutung
entsprechend sind auf diese Weise sinnvoll unter einem Dach versammelt. Ein
entsprechendes Werk zum Apostolischen Glaubensbekenntnis wäre wünschenswert.
Dr. Thomas Schirrmacher, 1997-1.
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Stackhouse,
John (Hg.). No
Other Gods Before me: Evangelicals and the Challenge of World Religions.
Grand Rapids: Baker, 2001.
Yong,
Amos. Beyond
the Impasse: Toward a Pneumatological Theology of Religions. Grand Rapids: Baker Academic, 2003.
„Evangelikale Theologen haben bisher über das Schicksal
der vom Evangelium Unerreichten nachgedacht. Diese Frage, die an den Nerv
evangelikaler Theologie und Mission rührt, verdient tatsächlich volle
Beachtung. Aber es ist mit Sicherheit nicht die einzige Frage, die wir im
Blick auf die Weltreligionen zu stellen haben. Außerdem kann auch diese
Frage außerhalb einer umfassenderen Theologie der Religionen nicht voll
beantwortet werden. Dieses Buch will evangelikale Theologen zu diesem
größeren Unterfangen anregen“ (aus dem Vorwort von John Stackouse in No Other Gods, meine Übersetzung).
Nicht nur dieses Anliegen verbindet die beiden oben genannten Bücher von
Stackhouse und Yong, vielmehr hat Yong auch ein wichtiges Kapitel in dem von
Stackhouse herausgegebenen Sammelband No
other Gods geschrieben. No other Gods ist kein geschlossener Entwurf.
Vielmehr- hat J. Stackhouse, Professor of Theology & Culture am Regent
College in Vancouver, eine Reihe prominenter evangelikaler Missiologinnen
und Theologen aus den USA gebeten, ihre Perspektiven anzubieten.
Gerald R. McDermott, Professor elf Religion and Philosophy
am Roanoke College, Salem, Virginia, eröffnet den Reigen mit der provokanten
Frage: „What if Paul Had Been from China? Reflections on the Possibility of Revelation in Non-Christian
Religions“. Er vertritt die These, dass Juden und Christen immer auch
von Menschen aus anderen Religionen lernen konnten (Abraham lernt von
Melchisedek, Petrus lernt durch die Begegnung mit Cornelius, Paulus zitiert
heidnische Dichter). Von Jonathan Edward entlehnt er die Anschauung, dass
sog. „Offenbarungsmuster“ (revealed types) wie Tieropfer auch in anderen
Religionen vorkommen, die sowohl als Anknüpfungspunkte: als auch als
Verständnishilfe für biblische Aussagen helfen können. Ein weiterer wichtiger
Beitrag stammt von Arnos Yong, einem charismatisch-evangelikaler Theologen,
der aus Malaysia stammt, in Amerika lebt und Professor am Bethel College,
St. Paul, Minnesota ist. Sowohl in seinem Beitrag „Discerning the Spirit(s)
in the World of Religions“ in No other Gods als auch in seinem eigenen Werk
Beyond the Impasse: Toward a Pneumatological Theology of Religions (Baker,
2003) plädiert Yong für eine evangelikale und pneumatologische Theologie der
Religionen. D. h. der universal gegenwärtige Schöpfergeist Gottes ist in
jedem Menschen aktiv und spielt darum auch in den Weltreligionen eine bewahrende,
offenbarende und heilsame Rolle. Im Vertrauen auf den Heiligen Geist können
Christen im Dialog mit Andersgläubigen deren Religion besser verstehen,
eigene Probleme erkennen, zwischen Dämonischem und Göttlichem unterscheiden
und Menschen zum Glauben an Jesus führen. Sein Ansatz ist komplex und kann
hier nicht ausführlich gewürdigt werden, bietet aber wichtige Anstöße, und
regt an, sich tiefer damit auseinanderzusetzen. Miriam Adeney, Anthropologin
und Professorin für Global and Urban Ministries an der Seattle Pacific
University stellt in ihrem Beitrag „Rajah Sulayman Was No Water Buffalo“ die
Frage, ob Muslime Christen werden können, ohne den Islam als kulturell-religiöses
System zu verlassen und ob sie in diesem System auch als Christen wachsen
können. Auf die erste Frage findet sie ein Teil-Ja, da der Islam als Kultur
und Religion auch Wahrheiten enthalte, die als Schritte zum Glauben dienen
könnten. Auf die zweite Frage findet sie ein „Nein“, da das islamische System
grundlegende biblische Wahrheiten (Gottessohnschaft Jesu, Kreuz und Auferstehung
Jesu etc.) ablehne und keine Gemeinschaft im Evangelium bieten kann. Sechs
weitere Kapitel u.a. von dem indischen Theologen Ken R. Gnanakan
(Generalsekretär der Asian Theological Association, Bangalore), Stanley J.
Grenz (Professor am Carey Theological College und Regent College, beide Vancouver), Paul J. Griffiths
(Buddhologe und Religionsphilosoph an der University of Illinois at Chicago)
bringen Licht in die Thematik und werfen weitere Fragen auf.- Der Band lädt
nicht zu uneingeschränkter Übereinstimmung ein, sondern stellt einen mutigen
und sicherlich auch provokanten Versuch dar, einerseits eine erste Bilanz
evangelikalen Denkens zum Thema zu bieten, andererseits die „Baustelle
auszumessen“ und zur weiteren Bearbeitung anzuregen. Dabei scheuen sich
manche Autoren nicht, auch einmal ungesicherten Boden zu betreten, um neue
gangbare Wege zu finden.
Dr. Friedemann Walldorf, em 2005-4.
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Stadler, Jürgen. Die Missionspraxis Christian Keyßers in
Neuguinea 1899-1920: Erste Schritte auf dem Weg zu einer einheimischen Kirche,
edition afem, Nürnberg: VTR, 2006.
Nach seinem Theologiestudium in Neuendettelsau und
Tübingen absolvierte der Verfasser ein Gastvikariat und wurde 1992 Pfarrer
in der Bayerischen Landeskirche. Sein theologisches Interesse vertiefte er
mit dieser biographisch-missiologischen Untersuchung des Neuendettelsauer
Missionars, Christian Keyßer (1877-1961), der von 1899 bis 1920 in Neuguinea
tätig war. In 15 Kapiteln mit einer Fülle von Unterteilen zeichnet Stadler
nach, wie Keyßer “sein Missionskonzept intuitiv-situativ […] entwickelte
und entfaltete” (S.31), was ich hier unter Berücksichtigung größerer
Abschnitte versuche anzusprechen. (Zahlen zwischen runden Klammern (…) geben
fortan Buchseiten an.)
Stadler skizziert Keyßers missionarisches Werden von
seiner Kindheit bis zum Abschluss der theologischen Ausbildung (32-72). In
seinem dritten Lebensjahr starb sein Vater, 10 Jahre später die Mutter, die
ihn „immer wieder zum Guten ermahnte und zu GOTT wies“ (33). Trotzdem begann
er „seelisch zu verwahrlosen“ (71) bis er nach Nürnberg kam. Bei seinem
Oberlehrer der Industrieschule einquartiert, sah Keyßer diesen „Betbruder“,
ohne Buch, „frei und frisch von der Leber weg“ beten (37). Hier kam er zum
Glauben und vernahm den Ruf: „Du mußt Missionar werden“ (40-41). Darauf
schrieb er an Inspektor J. Deinzer am Missionsseminar Neuendettelsau: „[Ich]
möchte gerne in Ihre Anstalt eintreten, um dem Herrn als Missionar allein und
mit allen Kräften zu dienen“ (44). Unter Bedingung einer doppelten Probezeit
wurde er aufgenommen und erwarb sich „eine gründliche theologische
Ausbildung“ (55).
1899 traf Keyßer in Neuguinea ein. Sein erster Eindruck
von den „braunen Spitzbuben [war] schauderhaft“ und die Eingewöhnungsphase
auf der Station Sattelberg schattenreich, jedoch nicht ohne Lichtstrahlen
(73-146). „Wie wohl wir von Natur untüchtig und nichts sind, so können wir
doch durch die Gnade Gottes etwas werden“, sagte er in seiner Ordinationspredigt
(89). In diesem Bewusstsein stürzte er sich mit Eifer in die Erforschung der
Sprachen, Kultur, Religion und Sitten der Papua und begann sich in kontextgemäßer
Missionsarbeit zu entfalten. Auch seine Ehe mit Emilie Heumann, die sich
„als echte Missionarsfrau in den Dienst der Mission einbrachte“ (90-91),
der Kontakt mit anderen Missionaren sowie Gustav Warnecks Evangelische
Missionslehre und die AMZ vertieften seine innovative Missionspraxis.
In Kapitel 7-10 gibt Stadler detaillierte Nachzeichnungen
über die Entwicklung der Sattelbergmission unter Keyßers Leitung von 1904 bis
zur Hauptkonferenz 1914. Dazu gehören Bekehrung und Erweckung der Papua
(147-164); Taufunterricht und -praxis der Sattelberggemeinde bis 1920
(165-183); Entstehung und Entwicklung der Sattelberger Gemeindemission
(184-250); die Sattelbergordnung bis 1914 (251-318). Stärker als andere
Missionare stellte Keyßer seine europäische Kultur hinten an, tauschte manche
Grundsätze Neuendettelsaus durch neue Akzente aus, adoptierte melanesische
Kommunikationsformen und suchte Zugang zu den Herzen der Heiden als
Familie und Volk, ohne aber Kraft und Inhalt des Evangeliums zu schmälern.
Er rang um kollektiven „Stimmungsumschwung unter den Einheimischen“, die
anfingen über die in ihrer Kultur verwurzelten Anschauungen wie balum (Initiationsritus und Geisterkult
unter den Jabêm; ngosa unter den
Kâte), Krieg, Blutrache, Zauberei, Ahnenkult und was sonst zu ihrer heidnischen
worldview gehört, nachzudenken
(147; 478-482). „Das Gewissen wacht allmählich auf“, berichtete Keyßer, wenn
er „bei seinen Dorfbesuchen vom Versöhnungstod Jesu, vom Gericht und von
letzten Dingen zu den Papua sprach“ (148; vgl. 99; 253). Ihm ging es weniger
um Einzelbekehrung als um Klan- und Stammesbekehrungen, wie sie auch von
Missionaren der Rheinischen Mission unter den Batak in Sumatra angestrebt
wurden. An diesem Punkt bedauerte Keyßer, dass die Neuendettelsauer nicht
als Missionare, sondern als Pastoren ausgebildet worden seien. „Das ist in etwa
so, wie wenn man einen, der Offizier werden will, als Maurermeister ausbildet“,
schrieb er (214-215). Daher investierte er alle geistigen, seelischen und
physischen Kräfte, den „braunen Spitzbuben“ das Wort Gottes in ihrem
sozial-kulturellen Kontext zu vermitteln, selbst wenn er von seinen Kollegen
oft nicht verstanden wurde, wie Stadler ausführlich nachweist (253-318).
In den nächsten drei Kapiteln registriert der Verfasser
die Entwicklung der Mission in Neuguinea von der Konferenz 1914 bis Keyßers
Rückkehr nach Deutschland sechs Jahre später: (a) Verlauf, Verhandlungen
und Entscheidungen der Hauptkonferenz erwiesen sich überwiegend für
Keyßer als Bestätigung, Anerkennung und Aufwertung seiner bisherigen
Arbeitsweise, wobei Karl Stecks Besuch und Verkündigung auf dem Sattelberg
nicht übersehen werden dürfen (319-354). „Die Diskussion der Neuendettelsauer
Missionare in den folgenden Jahren zeigt jedoch, daß der Grundentscheidung
und ihren missionstheologischen und -methodischen Implikationen nicht
ohne weiteres gefolgt wurde“ (354). (b) Das Ringen um Verständnis
missionstheologischer und -methodischer Fragen, wie sie sich im indigenen
Kontext auf dem Missionsfeld unter Keyßers Leitung der Sattelberger
Muttergemeinde und Umgebung manifestierten, hat sich im Rückblick mehr als
eine Verhärtung als eine gegenseitige Annäherung der Position herauskristallisiert
(355-444). (c) Auch zeigt Stadler, dass nach Ausbruch des 1. Weltkrieges
die deutsche Kolonie „Kaiser-Willhelms-Land“ in Neuguinea an Australien abgegeben
wurde und wie die Mission sich unter der neuen Regierung bis Keyßers Rückkehr
nach Deutschland 1920 entwickelte (445-467; 15-31).
Die letzten Kapitel stehen unter den Themen „Ergebnis“ und
„Anhang“ (468-559). Unter Ergebnis gewährt Stadler den Lesern ein
einsichtsreiches Profil von „Christian Keyßer als Missionar“ (468-470) und
„Christian Keyßer als Missionstheologe“ (471-477), was nur durch Keyßers
eigenes Schriftgut übertroffen werden kann. Der „Anhang“ besteht aus hilfreichen
Texten, Karten, Begriffs- und Abkürzungsverzeichnissen. Der gesamte Text
ist mit einer Anzahl von Zitaten aus primären und sekundären Quellen sowie
mit 1998 Fußnoten und einem 36seitigen Literaturnachweis untermauert. Das
spricht für Umfang und Gründlichkeit der Arbeit, die sowohl Studierenden und
Lehrenden als auch Pastoren und Missionaren bestens zu empfehlen ist. Nur
schade, dass dem Buch ein Sach- und Namenregister fehlt.
Prof. em.
Dr. Dr. Hans Kasdorf, em 2009-3.
|
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Stark, Rodney. Der Aufstieg des Christentums:
Neue Erkenntnisse aus soziologischer Sicht. Beltz Athenäum: Weinheim, 1997.
Selten war eine soziologische und eine auf die frühe
Kirchengeschichte bezogene Studie so aufschlußreich für die
Missionswissenschaft, wie diese 1996 an der Princeton University erschienene
Studie „The Rise of Christianity“. Die Thesen Starks sorgen seitdem für viel
Diskussionsstoff. Einige Thesen seien kurz genannt:
1. Das Christentum breitete sich in den ersten vier
Jahrhunderten fast ausschließlich innerhalb des Freundes- und
Bekanntenkreises entlang soziologischer Strukturen durch Einzelbekehrungen
aus. Persönliche Beziehungen waren das Geheimnis des Erfolges der Christen.
2. Die ersten Christen waren größtenteils nicht arm,
sondern stammten aus dem wohlhabenden Mittelstand, was auch die Finanzierung
der Missionsarbeit sicherstellte.
3. Der entscheidende Faktor waren die Frauen, die dann oft
anschließend ihre Männer für das Christentum gewannen. Sie bekehrten sich
nicht nur häufiger, sondern waren auch unter den christlichen Kindern in der
Überzahl, da Mädchen und Jungen bei Christen als gleichwertig galten,
während die Heiden soviele Mädchen töteten, daß es statistisch einen enormen
Männerüberhang gab.
4. Das Christentum wuchs in den ersten vier Jahrhunderten
statistisch verhältnismäßig gleichmäßig, so daß die Suche nach außerordentlichen
Wachstumsfaktoren zu bestimmten Zeiten überflüssig ist.
5. Ein wesentlicher Wachstumsfaktor war die höhere
Kinderzahl der Christen, da diese gegen Abtreibung und Kindesaussetzung -
namentlich von Mädchen - waren, was zudem Adoptionen einschloß, und intakte
Familien hatten.
6. Ein weiterer wesentlicher Faktor war der soziale
Einsatz von Christen zu Zeiten von Seuchen, der mehr Christen überleben ließ
als Heiden und viele Heiden zu Christen werden ließ.
7. Konstantin machte das Christentum zur Staatsreligion,
da dieses sich durch Bekehrungen schon soweit ausgebreitet hatte, daß ihm
gar nichts anderes übrigblieb, um das römische Reich zu retten.
8. Das Christentum wuchs nach Konstantin nicht schneller
als vorher, so daß die Sicht, nach Konstantin seien die Massen in die Kirchen
geströmt, weil sie sich irdische Vorteile erhofften, falsch ist.
Sicher bezieht Stark seine soziologischen Kenntnisse, wie
religiöse Gruppen heute wachsen, die er dann als Modell an die ersten drei
Jahrhunderte der Kirchengeschichte heranträgt und überprüft, von überall her,
etwa von den Mormonen, hinduistischen Sekten und anderen religiösen Gruppen.
Auch ist Stark die Frage, ob die Ausbreitung des Christentums ein Glück oder
ein Unglück für das römische Reich war, gleichgültig. Auch mag man Stark
manchmal widersprechen, wenn er das Neue Testament auslegt und überhaupt
nimmt Stark auf die religiösen Gefühle von überzeugten Christen wenig
Rücksicht. Und trotzdem fühlt man sich zum Teil in eine moderne
missiologische Debatte unter Evangelikalen versetzt, etwa wenn es um die
Frage geht, welche Rolle medizinische oder sozialethische Arbeit (z. B. im
Einsatz gegen die Abtreibung oder das Kastenwesen) in der Mission spielt
oder wenn darauf hingewiesen wird, daß Großevangelisationen wie ProChrist
nur erfolgreich sind, wenn Christen ihre Verwandten, Freunde und Nachbarn
einladen. Das Buch von Stark zeigt, daß viele der heute diskutierten Fragen
zur Mission auch schon die frühe Kirchengeschichte bestimmt haben und daß manches
von uns mühsam immer wieder neu entdecktes ‘Geheimnis’ der Evangelisation
schon zu Beginn der Christenheit die entscheidende Rolle gespielt hat.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1999-3.
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Staub, Brigitte. Trommeln, Palmwein, Hexen.
Erlebnisse im Grasland von Kamerun. Sternberg:
Metzingen, 2000.
Als „Fraternal Worker“ der Basler Mission arbeitete
Schwester Brigitte von 1984 bis 1988 in einem Töpfereiprojekt, das mit „Brot
für die Welt“ aufgebaut wurde. Es ging dabei um die Wiederbelebung einer
traditionellen Handwerkskunst, die im Plastikzeitalter verkümmert ist.
Brigitte Staub erhebt nicht den Anspruch, eine wissenschaftliche Arbeit
präsentieren zu wollen, sondern sie möchte die Leser mit dem Alltag in
Kamerun bekannt machen, der sich typisch interreligiös-afrikanisch gestaltet.
Anhand vieler kleiner Begebenheiten mit den Lehrlingen der
Töpferei und ihren Familien, dem stolzen Mercedesbesitzer und Häuptling, mit
dem respektierten Moderator der Presbyterianer und dem hilflosen weißen Pastor
und vielen Einheimischen schildert sie mit viel Humor ihren Alltag als „White
Man“ unter Schwarzen.
Die Problematik der Hexen, Zauberer und Medizinmänner ist
auf dem Erfahrungshintergrund einer „ungläubigen Deutschen“ ehrlich und anschaulich
beschrieben. Was für die afrikanischen Christen selbstverständlich erscheint,
will ihr absolut nicht einleuchten. In einer kritischen Situation und ohne
ärztliche Hilfe läßt Schwester Brigitte sich schließlich auch auf eine
undruchsichtige Kräuterbehandlung ein. Obwohl sie von der Bevölkerung
angenommen ist, bleiben ihr als Weiße die letzten Geheimnisse verschlossen.
Die spannend geschriebenen Erlebnisse bieten sich als
ausgezeichnete authentische Beispiele im Bereich der Anthropologie an.
Vermißt werden Beiträge über das geistliche Leben, die es außer dem
peinlichen Auftritt des weißen Pastors wohl auch gegeben haben muß.
Konrad Brandt, em 2000-4.
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Stearns, Bill
und Amy. Catch the Vision 2000. Bethany House:
Minneapolis, 1991.
Die Unerreichten in den Blickpunkt der Christen zu rücken, ist der Wunsch von Bill und Amy
Stearns, den Mitarbeitern der Adopt-A-People-Bewegung in Colorado Springs,
USA. Anhand praktischer Beispiele zeigen sie, wie Gott jeden in der Mission gebrauchen kann. Als Schöpfer hat er schon Großes in der Welt getan und will es weiterhin durch jeden Christen tun. Mission ist keine „Dennoch-Aufgabe“
für Unerschütterliche, die nur aus Gehorsam gegen den Missionsbefehl getan
werden muß. Das beweisen folgende
Beispiele: Täglich werden 20.000 neue Christen in Afrika gezählt. Auf jeden Christen kommen heute statistisch nur noch 7 Nicht-Christen, während es im Jahre 100 noch 360 waren. Um wie Abraham ein
Segen für die Völker zu sein und den Auftrag
als Priester in dieser Welt zu erfüllen, muß sich jeder für
Weltmission engagieren. Weltmission ist die größte Herausforderung für die
Christen. Es gilt, 11.000 Unerreichte Volksgruppen
zu erreichen, besonderes Gewicht wird auf das 10/40 Fenster gelegt.
Diese Aufgabe kann nur wahrgenommen werden, wenn neue Wege bzw. Strategien gewählt
werden. Neue Strategien, wie z.B. den „Non-Residential
Missionary“ (der Missionar, der
nicht in seinem Missionsgebiet wohnen kann), und andere Methoden
werden an konkreten Beispielen vorgestellt. Es gilt die Heimatgemeinde mobil zu machen, nicht nur zu beten, sondern sich konkret zu informieren
und sich Zeit für die Weltmission zu nehmen, damit Mission nicht nur ein
frommer Wunsch bleibt. Konkrete Vorschläge werden gemacht, wie man den eigenen Lebensstil umkrempelt und sich, seine Freunde und die Heimatgemeinde für Mission offen hält. Sogar ein „Catch
the Vision-Seminar“ für die Gemeinde wird
angeboten.
Das Buch hat in Australien, Neuseeland und anderen englisch-sprechenden Ländern ein sehr
gutes Echo gefunden, sodaß sich Gemeinden
und einzelne Christen neu für Weltmission interessiert und engagiert
haben. Im deutschsprachigen Raum wird es
sich schwer tun, da es zu „amerikanisch“, enthusiastisch und pragmatisch
geschrieben ist, obwohl es auch auf viele missionstheologische Aspekte
eingeht. Es gibt positive Anstöße und informiert
den Leser über die großen Dinge, die sich zur Zeit in der Weltmission ereignen, stellt neue Strategien vor
und weitet den Blick für Mission, ohne Fachchinesisch zu sein. Die
Rückschläge und Schwierigkeiten, die es in der Weltevangelisation auch gibt, werden für deutsche Ohren sicher
zu wenig herausgestellt, da das Buch bewußt
jeden Christen zum frohen Engagement in der Weltmission aufrufen will.
Als Leserkreis eignen sich alle Gemeindemitglieder, die
Englisch können und
Schlüssel
personen sind, um die
angeregten Vorschläge mit der Gemeinde in die Praxis umzusetzen.
Dr. Veronika J. Elbers, em 1995-4.
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Steer, Roger. Georg Müller. Vertraut mit
Gott. Bielefeld: CLV,
1995.
Ein Unbekannter ist er nicht: George Müller. Dieses Buch
aus der CLV-Biographien-Reihe beschreibt ein spannendes, langes und ungewöhnliches
Leben. Auf seine ungestüme und unchristliche Jugendzeit folgen nach seiner
Bekehrung einige Wanderjahre im christlichen Dienst. 1837 gründet er sein
Glaubenswerk: die Waisenhäuser in Bristol. Ohne Startkapital und nur im
Vertauen auf Gottes Fürsorge begegnet er der großen sozialen Not seiner Zeit.
Ein ausgedehnter Reisedienst um die ganze Welt beschließt sein erfülltes
Leben, bis er 1898 im Alter von 93 Jahren stirbt.
Eine inspirierende Biographie, die zum Gebet und zu
festem Gottvertrauen ermutigt. Allerdings darf man nicht in den Fehler
verfallen, Müllers Leben zum Maßstab für geisterfülltes Christsein zu machen.
Durch den Berichtsstil des Verfasser wird diese Neigung, aus christlichen
Leitern geistliche „Übermenschen“ zu machen, leider unterstützt.
Martin Sachs, em 1997-3.
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Steer, Roger. Im Herzen Chinas. J. Hudson Taylor. Ein
Mann des Glaubens. Gießen: Brunnen, 1994.
Noch ein Buch über Hudson Taylor? Sollten das Vorwort von Billy Graham und Nachwort von
James Hudson Taylor III etwa Zeichen dafür
sein, daß auch der Autor, Roger Steer, diese Bedenken hatte? Nötig
wären sie nicht gewesen, denn diese
Biographie mit ihrem lebendigen
Stil ist es durchaus wert, gelesen zu werden. Das Leben des bekannten China Missionars Hudson
Taylor (1832-1905) wird vom „Gebet der
Eltern“ bis zu seinem „Weg in den Himmel“ Schritt für Schritt in den gängigen
Bahnen nachgezeichnet. Der guten
Übersetzung von A. Findeisen ist
es zu verdanken, daß auch der deutsche Leser auf fast 400 Seiten einen bewegenden Anteil an den täglichen Glaubenssiegen Hudson Taylors, seinen Sorgen und
seiner Freude an den wunderbaren Führungen
erhält.
Trotz aller Recherchen
des Autors erhebt sein Buch nicht
den Anspruch, eine wissenschaftliche
Biographie zu sein. So arbeitet er mit allen bekannten Bildern und
Assoziationen - und leider auch allen Vorurteilen über China und die
China Mission, wie sie sich seit den Tagen
Hudson Taylors bis heute hartnäckig halten. Will man sich also über
China, über die Person des Missionars oder Mission in China informieren, wird man besser zu anderen Büchern greifen.
Diese Biographie hat
aber auch ein anderes Ziel: Hudson
Taylor soll als ein Mann des Glaubens vorgestellt werden. Es wird
hier ein Idealbild an Glaubensstärke
und geistlicher Haltung gezeichnet, wie es eigentlich nur in erbaulichen
Biographien vorkommen kann. Mit diesem Bewußtsein gelesen, kann das Buch zur
Bereicherung des eigenen Glaubenslebens
werden.
Stefan Müller, em 1995-4.
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Steer, Roger. Mit Hudson Taylor unterwegs. Mut zur
Nachfolge. Brunnen Verlag: Giessen, 1998.
In acht großen Themenkreisen geht es in diesem Buch um
Fragen des persönlichen Glaubenslebens: Gott kennen, Gottes Werk - nach
Gottes Willen getan, das Geheimnis des Gebetes, der Segen des Kreuzes,
Mission und Respektierung fremder Kulturen.
Das Buch ist in 100 Lektionen (oder Leitgedanken)
unterteilt. Dort finden sich Zitate oder Briefauszüge von Hudson Taylor
selbst, von seinen Freunden oder auch Zusammenfassungen des Herausgebers.
Ihm ist unbedingt zuzustimmen, wenn er schreibt: „Man muß
das ganze Buch lesen, um die Lektionen im Zusammenhang zu verstehen“. Erst
das neunte Kapitel vermittelt einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse
im Leben Hudson Taylors und die von ihm neugegründete Mission, wodurch viele
zuvor erwähnten Geschehnisse und Erlebnisse verständlich werden.
Die Person Hudson Taylors wird bei alledem mit viel
Liebe, aber nicht überzogen dargestellt. Es geht um seinen Glauben an den einen
großen Gott, der durch Höhen und Tiefen seine Leute ans Ziel bringen will und
wird.
Das Buch ist ein hilfreiches Handbuch für das persönliche
Glaubensleben, aber auch für die Motivierung und Zurüstung von Missionaren.
Diakonisse Renate Binder, em 2000-3.
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Steinbach, Jürgen u. Klaus W. Müller (Hg.). Theologie – Mission – Verkündigung. Festschrift
zum 60. Geburtstag von Helmuth Egelkraut. edition afem - mission academics 6. Verlag für
Kultur und Wissenschaft: Bonn, 1998.
Mit dieser Festschrift zum 60. Geburtstag von Helmuth
Egelkraut erscheint erstmals seit der Festschrift für Goerge W. Peters 1988
ein Sammelband, der einen repräsentativen Querschnitt zur akademischen und
missionarischen Arbeit an der Freien Hochschule für Mission (FHM) in Korntal
gibt. Auf 145 Seiten tragen sämtliche Dozenten des Studienzentrums zu der
thematischen Trias bei, die das theologische Lebenswerk Helmuth Egelkrauts
markiert. Die Herausgeber, Jürgen Steinbach und Klaus W. Müller, stellen den
Themen Theologie, Mission und Verkündigung jeweils ausgewählte Aufsätze von
Helmuth Egelkraut voran, die dann durch eine Reihe weiterer Artikel der
Fakultät und einiger früherer Kollegen ergänzt werden. Die Beiträge werden
durch einige Kurzfassungen ausgewählter Magisterarbeiten von Studenten der
FHM abgerundet.
Die thematischen Schwerpunkte reichen von der exegetischen
und missiologischen Bedeutung der Apstelgeschichte, der Bedeutung der Lehre
von der Jungfrauengeburt, dem Stellenwert des theologischen Studiums im
Pietismus, über den Beitrag von heilsgeschichtlicher Theologie, Anthropologie
und Ethnologie zu einer evangelikalen Missiologie, bis hin zu einer
weltweiten Missionspraxis, die dem modernen Menschen die Zuwendung Gottes
überzeugend nahebringt.
Dieses Spektrum von exegetischen, missiologischen und
praktisch-theologischen Beiträgen spiegelt in vorzüglicher Weise die Vielfalt
der Akzente und zugleich die Einheit der Perspektive in der
wissenschaftlichen Arbeit der FHM wieder. Die 21 Artikel der Festschrift
werden durch eine Biographie sowie eine ausführliche Bibliographie von
Helmuth Egelkraut abgerundet, die erstmals seine zahlreichen Veröffentlichungen
vor allem in Aufsatzsammlungen, Zeitschriften und Lexika dokumentiert. Die
aufgeführten Monographien, überarbeiteten Übersetzungen, Andachten und
Rezensionen vervollständigen das Bild seines literarischen Schaffens.
Somit erhält der Leser dieses empfehlenswerten Buches
einen Einblick in die Spannbreite theologischer Arbeit an der FHM und
zugleich eine Dokumentation des theologischen Schaffens ihres nun
emeritierten Dekans Helmuth Egelkraut.
Dr. Markus Piennisch, em 1998-4.
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Stine,
Philip C. (Hg.). Bible Translation and the Spread of
the Church. The last 200 years. (Studies in Christian Mission, Bd. 2), Leiden:
Brill, 1992.
Der Herausgeber kommt aus den USA und ist seit 1984
Translations Service Coordinator der United
Bible Societies. Davor war er Übersetzungsberater bzw. Übersetzungskoordinator für Afrika. Das von
ihm herausgegebene Buch beinhaltet die
Hauptreferate einer Konferenz, die
1988 in Princeton, New Jersey, stattfand. 50 Kirchenführer, Theologen, Missiologen und Wissenschaftler
waren dort zusammengetroffen, um sich
über den Zusammenhang zwischen
Bibelübersetzung und der Ausbreitung der
Kirche in den letzten 200 Jahren Gedanken zu machen. Die Einleitung gibt einen Überblick über die wichtigsten Fragestellungen der
Konferenz, sowie über Reihenfolge und Inhalt der einzelnen Referate. Das Spektrum der Referate reicht von kulturellen Themen bis hin zu
einheimischen Theologien (z.B. Befreiungstheologie).
Bei allen Referaten war die Herausforderung,
den Zusammenhang zwischen
Bibelübersetzung und dem Wachstum der
Kirche darzustellen. Am deutlichsten wird dieses Anliegen in Darrel Whitemans
Beitrag, der sich mit
Bibelübersetzung und Entwicklung befaßt.
Dabei geht er weniger auf konkrete Fallstudien ein, sondern versucht
vielmehr, das theoretische Rüstzeug für weitere Studien dieser Art zu geben. Dieser Artikel ist ein Muß für
jeden, der sich mit der Situation
der dritten Welt und mit
Entwicklungshilfe befaßt. Das Referat
Louis Lutzbetaks streicht die Bedeutung anthropologischer Studien für
die Arbeit des Übersetzers heraus. Nur
wer wirklich lernt, auf die Kultur
zu achten, wird in der Lage sein, eine
kulturell relevante Übersetzung zu produzieren. Lamin Sanneh betont, wie wichtig es für die Ausbreitung des Christentums war und ist, daß es nicht an eine spezifische Sprache oder an einen Ort gebunden ist, sondern daß es in andere Sprachen und Kulturen übersetzbar ist. Daniel Archea befaßt sich in seinem Referat
mit den theologischen Fragen, die eine Übersetzung
beeinflussen. Er geht dabei sehr stark von den Erkenntnissen und Aussagen der modernen, kritischen
Bibelwissenschaft aus. Mit der Rolle der Bibelübersetzung für die
Entwicklung einheimischer Theologien aus südamerikanischer
bzw. asiatischer Sicht setzen sich Samuel Escobar und Kosuke Koyama
auseinander. Für Andrew Walls ist die Grundlage und Voraussetzung aller Übersetzungsarbeit
die Inkarnation: Gott wurde Mensch in Christus. Stephen Bälden beschäftigt
sich mit dem geschichtlich - politischen
Hintergrund der Bibelübersetzung
in Rußland. Das mit großer Sachkenntnis bearbeitete Thema öffnet das
Verständnis für die oft schwierige Situation in diesem Land. Ulrich Ficks Referat über die Bibelübersetzung
und die Zukunft der Kirche bildet Abschluß und Ausblick eines im großen und
ganzen aufschlußreichen und informativen Buches.
Man merkt beim Lesen, daß die jeweiligen Autoren aus der Praxis kommen und
wissen, wovon sie reden, obwohl an der einen oder anderen Stelle ein
konkretes Beispiel aus dem Übersetzungsalltag
als Illustration hilfreich gewesen
wäre.
Christiane Lauschitzky, em 1993-4.
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Stöckle, Johannes. Du warst mir fremd, jetzt
bist du mein Bruder. Als Missionar in Afrika. Verlag Ernst Franz: Metzingen, 1997.
Die Autobiographie des 1911 geborenen schwäbischen
Missionars ist ein Stück Missions- und Zeitgeschichte. Nach gründlicher beruflicher,
theologischer, pädagogischer und sprachlicher Ausbildung reist. J. Stöckle
1938 mit der Basler Mission nach NW-Kamerun. Der Krieg führt ihn in die
Internierung. Seine Missionsarbeit geht weiter in Deutschland in ökumenischen
Begegnungen zwischen Jugend und Kirchenleuten v. a. aus Afrika und Asien,
dann in Ghana und später von Deutschland aus in zahlreichen kurzen
Aufenthalten in Kamerun und Ghana.
Der Autor erzählt lebendig und mit interessanten Details
von seinem Lernen, seinen Erlebnissen, seiner vielseitigen Arbeit, seinen
reichen Erfahrungen und Begegnungen. Sein Interesse für die fremde Kultur
wirkt ansteckend.
Stöckle beweist Respekt vor der Religion und den Bräuchen
der animistischen und muslimischen Volksgruppen. Zugleich berichtet er von
seinem unermüdlichen Bemühen, Muslimen Gott als den Vater zu bezeugen und
Animisten Jesus Christus als den zu zeigen, der alle Geistermächte besiegt
hat.
In Deutschland trägt er den Missionsgedanken in die
Gemeinden und arbeitet aktiv daran, durch gegenseitige Besuche eine Brücke
zwischen afrikanischer und europäischer Kirche zu bauen.
Das Buch ist reich bebildert. Die letzte Episode stammt
von 1964. Ein kurzer Rückblick und biographische Hinweise bilden den Schluß
des Buches. Es wäre interessant gewesen, mehr von der weiteren inneren Entwicklung
der Kirchen in West-Kamerun und in Ghana zu erfahren. - Ein lesenswertes
Buch für Missionare und Missionsinteressierte.
Hanna Weiberle, em 1998-4.
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Stolle, Volker. Wer seine Hand an den Pflug legt. Die
missionarische Wirksamkeit der selbständigen
evangelisch-lutherischen Kirchen in Deutschland im 19. Jahrhundert. Oberursel/Gross-Oesingen,
1992.
Zum 100jährigen Jubiläum
der Bleckmarer Mission legt der
Oberurseler Professor V. Stolle
eine nur von außen schmal wirkende Abhandlung
über die Mission der luth. Freikirchen im 19. Jahrhundert vor. Interessant
ist sein Ansatz, gleichermaßen historische Abläufe und theologische Denkstrukturen sowie deren gegenseitige Beeinflussung darzustellen.
Stolle mißt
verschiedene missionstheologi sehe Konzepte an einer lutherischen
Worttheologie und dem Modell der
„Integration von Kirche und Mission“ und gelangt so zu einer
kritischen Perspektive, die keineswegs nur Rückblick ist. Kritisiert werden insbesondere eine
überzogene (konfessionelle) Rückbindung des Missionars an die „sendende Kirche“
und eine ethische oder geschichtstheologische Begründung von Mission.
Schwierigkeiten beim Lesen bereitet leider die Komplexität
des historischen Stoffes. Hier wäre eine kurze, übersichtliche Einführung in die Entstehung der Freikirchen und in die Mission im 19. Jahrhundert hilfreich gewesen. Ohne
eine solche zerfallen die vielen exakt recherchierten Einzeldaten und die in
langen Fußnoten beigegebenen Zitate
leicht in Bruchstücke. Auch kann die ausschließliche Beschränkung auf selbständige Kirchen zu verzerrenden
Ausschnitten führen.
Hinsichtlich des Materialreichtums und der theologischen
Denkanstöße halte ich
das Buch für empfehlenswert.
Christian Weber, em 1993-1.
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Stone, Frank
A. Academies
for Anatolia: A Study of the Rationale, Program and Impact of the Educational
Institutions Sponsored by the American Board in Turkey, 1830-2005. San Francisco/ USA: Caddo Gap Press, 2006.
Frank
Stone war Professor für „International Education“ an der University of Connecticut und unterrichtete davor von 1953 bis 1966
in der Türkei am Tarsus
American College.
Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um eine aktualisierte
Version der gleichnamigen Veröffentlichung aus dem Jahr 1984. In dieser
Ausgabe nun gibt Frank Stone einen Einblick in die inzwischen 175-jährige
Arbeit der vom American Board gegründeten Erziehungseinrichtungen in Anatolien.
In den ersten vier Kapiteln des Buchs wird zunächst das
Umfeld und die frühe Entstehungsgeschichte der Schularbeit des American
Board in Anatolien behandelt. Dabei wird nicht nur das anatolische Umfeld
der Schulen unter die Lupe genommen, sondern auch das Heimatumfeld der Missionare.
Stone zeigt auf, wie stark die Schularbeit in der Anfangsphase beeinflusst
war von der Herkunft der Missionare aus den erweckten reformierten Kreisen
in den ländlichen Gebieten Neu-Englands: So brachten sie u.a. eine starke
Betonung der praktischen Arbeit für die Charakterbildung mit sich, eine Sensibilisierung
für die Freiheitsrechte aller Menschen, sowie ihre antikatholische
Einstellung.
Im zweiten Teil der Studie werden zahlreiche Einblicke in
die einzelnen Schulgründungen in Anatolien gegeben. Aufgegliedert ist
dieser Teil nach geographischen Gesichtspunkten in die drei Kapitel:
Westtürkei, Zentraltürkei und Osttürkei. Ging es der Schularbeit zunächst
darum, die alten orientalischen Kirchen zu beleben, bekam sie bald einen
neuen Schwerpunk: Nach der Exkommunikation der mit dem Protestantismus sympathisierenden
Armenier aus der Armenisch-Apostolischen Kirche, ging es ab 1846
hauptsächlich darum, die Ausbildung für die neu entstandene armenisch-evangelische
Denomination zu gewährleisten.
Im dritten Teil des Buches werden die sieben höheren
Bildungsanstalten behandelt, die vom American Board in Aintab, Marash, Harput,
Marsovan, Tarsus, Konya und Smyrna gegründet wurden. Die Initiative zur
Gründung dieser Colleges ging auch von den einheimischen Christen selbst
aus, unter denen ein deutliches Bewusstsein gewachsen war: „Wenn Menschen
gute Christen sein sollen, gute Väter und Mütter und nützliche Mitglieder
der Gesellschaft, müssen sie ausgebildet werden!“ Neben der Beschreibung
der eigentlichen Schularbeit enthalten die einzelnen Kapitel eine Fülle von
historischen und biographischen Details, wie etwa die interessante Geschichte
der „Boston Rat Trap Factory“ in Bebek oder die Geschichte des „Caesarea Boys’
Club“, einer Art CVJM, der ab 1905 zeitweise von täglich bis zu 100 Jungen
aus allen Bevölkerungsgruppen (Türken, Armenier, Griechen etc.) besucht
wurde. Dabei weitet Frank Stone allerdings das Feld seiner Untersuchung nicht
zu weit aus, so dass etwa die Evangelisationsarbeit oder die medizinische
Arbeit des American Board weitgehend unberücksichtigt bleiben.
Im vierten und letzten Teil wird schließlich ein
Überblick gegeben über die geschichtliche Entwicklung der
American-Board-Schulen in der türkischen Republik bis in das Jahr 2005
hinein. Der Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges und
die weitgehende Vertreibung der verbliebenen Christen im Zuge der
chaotischen Folgejahre bedeuteten einen klaren Schnitt in der Geschichte
der Bildungsinstitutionen. Einige der Einrichtungen wurden in die Nachbarländer
Griechenland, Syrien und in den Libanon verlegt (So können heute etwa noch
die Amerikanische Universität und die Near East School of Theology
in Beirut als Nachfolgeinstitutionen betrachtet werden). Da aber auch die
türkische Republik dringend höhere Bildungseinrichtungen benötigte, wurden
einige der Einrichtungen in der Türkei weitergeführt – allerdings unter
sich ändernden Vorzeichen. Nun war es nicht mehr möglich in den Schulen zu
evangelisieren und die Schulen kamen stärker unter staatliche Kontrolle.
Bereits 1927 waren etwa nur noch ein Viertel der Schüler in den verbliebenen
neuen Schulen Mitglieder einer christlichen Minderheit. Zunehmend war die
Arbeit Kritik ausgesetzt – sowohl in der Türkei als auch in der
amerikanischen Heimat. Die Notwendigkeit der Schulen begründete man nun
damit, dass sie durch ihre Erziehung zur Demokratie befähigen würden: Man
lerne dort Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen, konstruktive
Problemlösungen zu finden und Vorurteile abzubauen. Stone sieht in dieser
Schwerpunktverschiebung u.a. einen Einfluss des „Social Gospel“. Nach dem
Zweiten Weltkrieg kam es zu weiterer Professionalisierung und Internationalisierung
der Schulen. Die verbesserten amerikanisch-türkischen Beziehungen trugen
in dieser Zeit zu einer besseren Akzeptanz der Schulen bei. Nachdem
türkische Pädagogen mehr und mehr Verantwortung übernommen hatten, wurden
schließlich die Schulen in die Trägerschaft einer türkischen NPO mit dem
Namen Saglik ve Egitim Vakfi
(Stiftung Gesundheit und Erziehung) übertragen. Die Leitung der Schulen lag
nun endgültig nicht mehr bei Missionaren, sondern bei Leuten, die in
internationaler Pädagogik ausgebildet waren und die oft keine engere
Verbindung mehr zur United Church of Christ hatten.
Stone widmet sich mit seiner Studie über die
Bildungseinrichtungen des American Board in Anatolien einem wichtigen Kapitel
der Missionsgeschichte des Nahen Ostens. Das Ausmaß der geleisteten Arbeit
war enorm: Schon 1855 hatte man 44 Schulen in der Türkei gegründet, dazu neun
kleine theologische Seminare. 1909 gab es 337 Schulen in der Türkei. Nicht
zu Unrecht spricht Stone geradezu von einer „educational explosion in Anatolia“.
Ohne Frage hat sich die Schularbeit des American Board in
mehrerer Hinsicht große Verdienste erworben: Der gegenseitige Bezug von
Gemeinde und Schule war in der Armenisch-Evangelischen Kirche von Anfang an
sehr stark. Im Gefolge neu entstehender armenisch-evangelischer Gemeinden
kam es immer zur Gründung neuer Schulen. Und die äußerst gute Ausbildung
ihrer Mitglieder stärkte im Gegenzug die Armenisch-Evangelische Kirche. So
ist es beachtlich, dass schon im Jahre 1872 bereits 82% der evangelischen Armenier
lesen und schreiben konnten. Dass die evangelischen Armenier nach dem
Ausschluss aus der Armenisch-Apostolischen Kirche durch das Anathema von 1846
überhaupt überleben konnten, hatte eine Ursache darin, dass sie darin
geschult waren, unabhängig ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. In
späterer Zeit dann war die gute Bildung auch für diejenigen ein großer Vorteil,
die infolge des Armenischen Völkermordes zu Flüchtlingen geworden waren
und sich in der Fremde eine neue Existenz aufbauen mussten. Auf diesem
Hintergrund verwundert es nicht, dass bis heute die Arbeit der Union der Armenisch-Evangelischen Kirchen
im Nahen Osten stark von der Verbindung von Gemeinde und Bildung geprägt
ist und dass man noch heute Mission primär als Lehrauftrag versteht.
Die Geschichte dieser Schulen ist aber auch für die
allgemeine osmanische und türkische Bildungsgeschichte von großer
Bedeutung. Die Bildungsarbeit des American Board führten viele Innovationen
in das osmanische Bildungswesen ein, die später von anderen Ausbildungsinstitutionen
im Land übernommen wurden. So z. B. im Bereich der frühkindlichen Erziehung
durch die Eröffnung der ersten Kindergärten im osmanischen Reich ab dem Jahr
1884 und die daraus resultierende Ausbildung von Kindergartenlehrerinnen,
sowie durch die Eröffnung der ersten öffentlichen Kinderspielplätze. Im
Bereich der Frauenbildung leistete man ebenfalls Pionierarbeit – so ist es
kein Zufall, dass sowohl die erste ausgebildete Krankenschwester osmanischer
Herkunft als auch die erste Ärztin aus den Institutionen des American Board
stammten. Auch in der Sonderpädagogik für Blinde und Taube und in Bezug
auf handwerkliche und landwirtschaftliche Ausbildung waren die Missionsschulen
Vorreiter im türkischen Bildungssystem. Außerdem bekam ein beachtlicher
Strom von einflussreichen Persönlichkeiten in den unterschiedlichsten
Bereichen der türkischen Gesellschaft seine Grundlagen in einer der amerikanischen
Internatsschulen vermittelt.
Aufgrund dieser großen Verdienste der untersuchten
Schularbeit enthält das Buch von Frank Stone sowohl für Missiologen als auch
für Pädagogen vielfältige interessante Informationen. Die Aussagen des
Buches werden unterlegt mit zahlreichen Quellenhinweisen und Kommentaren in
Fußnoten. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis, ein 13-seitiges Namens-
und Begriffsregister und einige „Fragen zur Diskussion“ regen zu einer weiteren
Beschäftigung mit den Themen der Studie an. Etliche Bilder und Zeichnungen
lockern das Buch auf, leider lässt die Wiedergabequalität dieser Abbildungen
jedoch zu wünschen übrig.
Aus missiologischer Sicht ist die Entwicklung einer
Frage in der Studie besonders spannend: Wie haben sich Zielsetzung und Arbeitsweise
der Schulen verändert, inmitten des Spannungsfeldes von Änderungen im soziokulturellen
Umfeld, sich ändernden staatlichen Vorgaben, ökonomischen und finanziellen
Rahmenbedingungen, aber auch des eigenen Missionsverständnisses der Handelnden.
So ist schwer vorstellbar, dass etwa die Gründergeneration der Missionsschulen
sich mit einer Zielsetzung wie dem „Austausch von Überzeugungen und
Einsichten“ (wie in jüngerer Zeit formuliert) zufrieden gegeben hätte.
Dr. Andreas Baumann, em 2009-4.
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Strobl, Anna. Islam in Österreich. Eine religionssoziologische
Untersuchung. Peter
Lang: Frankfurt u. a., 1997.
Anna Strobl entwirft in ihrer Dissertation ein umfassendes
Bild des österreichischen Islam. Die beiden Schwerpunkte des Buches sind a)
der Islam in Glauben und Leben der 300.000 Muslime in Österreich und b) die
Reaktion der nachchristlich-säkularisierten Bevölkerung auf die muslimische
Präsenz. Gleichzeitig möchte die Arbeit einen „Beitrag zur christlich-islamischen
Ökumene leisten“ und durch sachliche Informationen zum „Abbau bestehender
Spannungen und Ressentiments beitragen“ (15). Die sachlichen, breit
angelegten und gründlich recherchierten Informationen, die außerordentlich
dicht angeordnet sind, vermitteln ein abgerundetes Gesamtbild des
österreichischen Islam, das zugleich von großer Tiefenschärfe gekennzeichnet
ist. Sehr sachlich werden Themen wie Menschenrechte und Rolle der Frau in Islam
und Christentum angegangen. Viele Grundlageninformationen zum Islam werden
nebenher vermittelt, so daß das Buch nicht dazu verurteilt ist, nur von
Insidern verstanden zu werden.
Vielleicht hätten mehr Zwischenüberschriften oder ein
Register die vielen im Text angeschnittenen Themen leichter auffindbar gemacht.
– Auf jeden Fall ein sehr empfehlenswertes Buch für alle, für die die
religiöse Situation in Österreich von Interesse ist.
Dr. Christine Schirrmacher, em 2000-1.
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Sundermeier, Theo. Konvivenz und Differenz. Studien zu einer
verstehenden Missionswissenschaft. Erlangen: VELM, 1995.
Anläßlich seines 60. Geburtstages am 12.8.1995 wurden
diese missionstheologischen Studien Theo Sundermeiers von Volker Küster
herausgegeben. Ihm ist auch das Schriftenverzeichnis des Jubilars und das
Vorwort zu verdanken, das in sehr guter Weise zur Person hin- und in die
Sache einführt.
Will man nur einen Aufsatz herausgreifen, so ist es Sundermeiers
„Plädoyer für eine verstehende Missionswissenschaft“. Er sieht sowohl ein
heilsgeschichtliches Verständnis der Mission (d. h. Mission geschieht
zwischen dem ersten und zweiten Kommen Jesu als kirchliche Aktivität) als
auch ein Missionsverständnis im Sinne der ‚Missio Die’ (Mission als Sache
Gottes zur Aufrichtung seines Schalom; die Kirche ist daran nur mitbeteiligt,
nicht aber Subjekt) an ein Ende gekommen. Einen neuen Ansatz sieht S. in
einem Missionsverständnis, das in Theorie und Praxis „Begegnung der Kirche
mit den ihr Fremden“ (S.32) bedeutet. Kirche ist Kirche mit anderen,
d. h. Kirche im Gegenüber und in der Begegnung mit Fremden, mit fremden
Menschen, Kulturen und Theologien. Davon handelt vor allem der zweite Teil,
der Zeugnis von Sundermeiers reichem, vor allem afrikanischen Erfahrungsschatz
gibt.
Als Fachtheologe wird man an der einen oder anderen Stelle
Kritik anmelden. Nach neutestamentlichem Verständnis etwa wäre es doch wohl
unvorstellbar, das Abendmahl für Nichtchristen zu öffnen. Ebendies möchte
Sundermeier (S.102-112). Als Praktischer Theologe freue ich mich, in welchem
Maß die Kategorie der Konvivenz für die Missionstheologie entdeckt wird.
Nirgendwo wird vermerkt, daß sie aus der Liturgie stammt. Diese Kritik u. a.
Nachfragen dürften durchaus im Sinne des Jubilars sein. Denn sich begegnen
schließt ja sich befragen und sich in Frage stellen nicht aus, sondern
gehört zur Konvivenz.
Dr. Gerhard Maier, em 1996-3.
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Sundermeier, Theo. Mission – Geschenk der Freiheit. Bausteine
für eine Theologie der Mission. Frankfurt a. M: Verlag Otto Lembeck,
2005.
Der Autor lebte jahrelang in Afrika und ist Professor em.
der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg. Neben zahlreichen
Arbeiten zur Hermeneutik und zur christlichen Kunst hat er missions- und
religionswissenschaftliche Essays veröffentlicht. Der Ertrag seiner
erfahrungsreichen und wissenschaftlichen Vielfalt ist in diesem Buch stark
reflektiert, wie schon die Überschriften der Hauptteile erwarten lassen: „Zur
Grundlegung der Mission“ (S.11-74); „Zur Praxis der Mission“ (75-192);
„Mission im Dialog“ (193-294).
Unter dem ersten Thema versucht der Verfasser zunächst
den Titel des Buches biblisch zu begründen, systematisch einzuordnen und
durch religionsgeschichtlich gewonnene Einsichten zu beleuchten. Davon
ausgehend, dass das Wort „mission“ im angelsächsischen Sprachraum nicht so
viel negative Rückwirkungen auslöst wie der Begriff „Mission“ im
deutschsprachigen Bereich, verwendet er den Terminus „Freiheit“ als eigentlichen
Kern der Mission. Damit hofft er, die Mission von den „negativen Reaktionen“
zu befreien und ihr „die Würde zurückzugeben, die ihr zukommt“ (S.13-14).
Er versteht Mission nicht primär als Gehorsamsakt, der
auf den sogenannten Missionsbefehl des auferstandenen Christus in Mt.
28,18-20 zurückgeführt wird, sondern vielmehr als „das Kirchesein“ der
Jünger, das nach Mt. 5,13-14 in der „Gründungsurkunde der Kirche“ beruht.
„Jesus spricht den Jüngern das Kirchesein zu. Es ist ein Geschenk“, und daher
frei. „Die Jünger sind 'das Salz der Erde', sie sind 'das Licht der Welt'„
(S.17). In „Salz“ und „Licht“ sieht der Verfasser sowohl „die zentrifugale
Dimension der Kirche“ als auch ihre „zentripetale Funktion“ versinnbildlicht
(S.18,19). Wie Salz und Licht nur für andere da sind und zur Freiheit führen
„so besteht Freiheit nur in Relation zum Anderen. Sie verwirklicht sich so,
dass andere durch sie frei werden. Freiheit ist immer missionarisch“ (S.21).
Demzufolge besteht das Herzstück der Mission mehr im Sein als im Tun. An
diesem Punkt fordert der Verfasser Leserinnen und Leser auf, das
Missionsverständnis als geschenkte Freiheit sorgfältig
„durchzubuch-stabieren“ (S.21): Dabei spielen die unter schiedlichen
Interpretationen des Missio dei-Begriffs in der heutigen Diskussion
evange-likaler und ökumenischer Missionstheologie (S.31ff.), sowie „missionstheologische
Aspekte“ der Moltmannschen „Theologie der Hoffnung“ (S.59-74) eine zentrale
Rolle. Der zweite Teil des Buches ist dem praktischen Bereich gewidmet. Hier
greift der Verfasser auf Texte und Referate zurück, die er sonstwo
veröffentlicht oder vorgetragen hat. Ihre besondere Bedeutung liegt im inhaltlichen
Charakter der einzelnen Gegenstände, die ein breites Spektrum abdecken, wie
es Teilnehmer an Missionssymposien und ähnlichen Tagungen erwarten. Dazu
gehören u.a. herausfordernde Themen wie „Verstehen und Übersetzen als
Grundproblem missionarischer Existenz“ (S. 77-104); „Heil und Heilung“
(125-139); „Kulturelle Sensibilität und Kreuzestheologie“ (169-192). Im
letzten Teil, „Mission im Dialog“, werden im Rahmen von Theologie und
Religionsgeschichte aktuelle Themen wie „Das Christentum im Spiegel anderer
Religionen“ (S. 195-227) und „Zusammenleben mit Menschen verschiedener
Religionen und Kulturen“ (265-295) behandelt. Sundermeier schlussfolgert,
dass „Mission, Dialog [und] Konvivenz“ zusammengehören, und dass der Dialog
nur im Zusammenleben geschieht und missionarisches Zeugnis möglich ist
(271). Wer bereit ist, Mission –
Geschenk der Freiheit „durchzubuchstabieren“ kann Bausteine für eine
Theologie der Mission entdecken.
Prof. em. Dr. Dr. Hans Kasdorf, em 2007-3.
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T’ien
Ju K’ang. Peaks
of Faith. Protestant Mission in
Revolutionary China. Leiden: Brill, 1993.
Hinter diesem Titel
verbirgt sich eine brillante Studie über die Geschichte der
protestantischen Mission unter sieben Völkern im Süden Chinas (Miao, Yi, Lahu, Wa, Lisu, Hani, Jingpo/ Karen).
Den Rahmen dieser bis in die gegenwärtige Situation der dortigen Kirche
reichenden Studie bildet eine Beschreibung der geographischen und
geschichtlichen Situation der Völker
Südchinas.
In der gelungenen Kombination von zahlreichen konkreten
Beispielen aus der Mission und ihrer
Analyse anhand der ethnologischen, sozialen, politischen und
geographischen Verhältnisse
unter den Völkern in der Provinz Yünnan
wird der Leser in den aufopfernden Dienst der Missionare und
einheimischen Christen
mit hineingenommen.
Die genaue Analyse der Erfolge und Mißerfolge in den
knapp 100 Jahren der Missionsgeschichte führten den Autor zu konkreten Anregungen
für weitere evangelistische Bemühungen zum Aufbau der Kirche unter den
Völkern Südchinas. Neben der offen
anklingenden Freude über die Ausbreitung des Evangeliums dürfen aber auch die Warnungen des Autors nicht
überhört werden. Anhand vieler historischer Beispiele wird sehr deutlich
gezeigt, an welchen Punkten Gefahren für
die Entwicklung der aufblühenden Kirchen lauern.
Der Autor, Tien Ju-K’ang (Tian Jukang) gilt im In- und
Ausland als einer der berühmtesten Gesellschaftswissenschaftler der
Volksrepublik China. Er ist Professor für
Geschichte und der Direktor der
Fakultät für Gesellschaftswissenschaften an der Fudan-Universität von
Shanghai. Tiens genaue Kenntnisse der
behandelten Völker, seine
monatelangen Reisen durch die
abgelegenen Regionen der Völker Südchinas, persönliche Erfahrungen mit den
Christen in diesen Regionen und eine Fülle an hochwertigem
chinesischen Material verarbeitet er unter starker innerer Beteiligung in
dieser missiologischen Studie. Sie ist ein
beachtenswertes Beispiel dafür,
mit welcher Selbstverständlichkeit missiologische Forschungen bekennender Christen in der Volksrepublik China ihren Platz innerhalb der akademischen
Gesellschaftswissenschaften gefunden haben.
Eine klare Gliederung der vielen thematisch aufgebauten Kapitel, eine Fülle an Tabellen und Graphiken machen das Buch zu einem wertvollen Handbuch über die behandelten Völker.
Die Ergebnisse von Tiens Analyse der Mission und Entwicklung der Kirche unter den Völkern
Chinas sind aber durchaus auch auf andere Völker
Südost- und Ostasiens zu übertragen. Daher sollte jeder Christ, der
ein Anliegen oder eine Verantwortung für Ost- oder Südostasien hat, dieses
Buch sehr genau studieren und diese einmalige
Gelegenheit nutzen, Gedanken und Anregungen zur Mission aus der Sicht eines
einheimischen Fachmannes zu erhalten.
Stefan Müller, em 1995-4.
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Tang, Edmond und Jean Paul Wiest (Hg.). The Catholic Church in
Modern China. Perspectives. Maryknoll: Orbis, 1993.
Durch eine jahrhundertelange isolierte Entwicklung der
katholischen Kirche in China ist dort eine Form von Kirche entstanden, die
mit dem, was im Westen als katholische
Kirche bekannt ist, kaum noch etwas
zu tun hat. Leider fehlt jedoch in
diesem Sammelband von 17 Aufsätzen hochqualifizierter katholischer Chinaexperten und chinesischer Geistlicher eine
grundlegende Aufklärung darüber, was „katholische
Kirche“ in China bedeutet.
Dafür gehen die Aufsätze sofort in eine Darstellung der
römisch-katholischen Sicht zu den katholischen Kirchen in der Volksrepublik
China über. Die drei Teile des Bandes behandeln die Entwicklung des
Verhältnisses der katholischen Kirchen zum
chinesischen Staat seit 1949, das
Recht einer von der Autorität des Papstes unabhängigen,
chinesisch-katholischen Kirche neben der papsttreuen römisch-katholischen Kirche und Zukunftsperspektiven für die
katholische Kirche in China.
Auf wissenschaftlich
sehr hohem Niveau wird die alte Frage des Verhältnisses der römisch-katholischen Kirche zur papstfreien chinesisch-katholischen Kirche verhandelt. Dabei
stehen die strukturellen und organisatorischen Entwicklungen der
katholischen Gruppen in China im
Mittelpunkt, ihre Theologie bleibt völlig außerhalb des Blickfeldes.
Interessant sind im Zusammenhang dieses Sammelbandes dennoch einige Aufsätze, die sich
mit der Inkulturation und den Chancen des spezifisch
Chinesischen in der katholischen Kirche in China beschäftigen. Ihnen gelingt
es, zumindest einige positiven Seiten der Entwicklung einer chinesisch-katholischen Kirche zu würdigen und damit das
Spektrum der in diesem Buch vertretenen Positionen zu erweitern.
Stefan Müller, em 1995-4.
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Thiede, Carsten Peter
(Hg.). Bibelübersetzung
zwischen Inkulturation und Manipulation. Symposion des Deutschen Instituts für Bildung und Wissen vom 2. bis 4.
Juni 1993 in Paderborn. Paderborn: Deutsches Institut für Bildung und Wissen
1993.
Vorliegender Band versteht sich als ‚Beitrag zur
Diskussion’, und das leistet er auch. Theologen, Linguisten und
Altphilologen zweieinhalb Tage im Gespräch über Bibelübersetzung im
allgemeinen und deren theoretische Grundlage im besonderen. Einleitend
kommen neben den Theologen K. Haacker und H. Riesenfeld die Linguisten Th.
Bearth, A. Findeisen und A. Holzhausen in Form von Arbeitspapieren zu Wort. Im
Anschluß werden vier Gesprächsrunden als Tonbandnachschrift geboten. Es geht
um die Frage der Inkulturation, also um das Problem, die jahrtausendealte von
jüdischer Kultur geprägte Botschaft in andere Kulturen umzusetzen. Während
die in der Feldarbeit stehenden Bibelübersetzer sich zum Fürsprecher der
Zielgruppen machen, heben die Philologen im Gespäch immer wieder auf die
Ausgangssprachen ab. Im Blick auf konkrete Übersetzungsprobleme im AT wie
NT werden zahlreiche Einzelbeispiele erörtert. Zuletzt steht noch einmal die
Diskussion um Nida/Taber im Mittelpunkt und die Überzeugung von der Notwendigkeit
eines ‚Übersetzungspluralismus’.
Das Buch zeigt, ohne es zu wollen, die noch immer tiefe
Kluft zwischen Altphilologie und moderner Linguistik. Aber gerade darin liegt
auch die Stärke. Ungeschminkt treffen die unterschiedlichen Ansätze
aufeinander. Hier die vom Linguisten geforderte ‚pragmatische Äquivalenz’ als
Kriterium einer guten Übersetzung und dort die sog. Intuition des Altphilologen.
Hätte die ‚Missionssituation’ mehr im Mittelpunkt gestanden, bzw. die säkularisierte
Gesellschaft, wären die (lediglich) mit Revisionen innerhalb des
europäischen Sprachraums tätigen Altphilologen deutlicher herausgefordert
gewesen, sich den brennenden Fragen der ‚cross-cultural-communication’ zu
stellen. Nichtsdestotrotz: das Buch selbst ist eine wichtige Standortanalyse.
Ralf Richter, em 1996-1.
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Thomas, Norman E. (Hg.). Classic Texts in Mission and
World Christianity. Maryknoll: Orbis Books, 1995.
Dieser Textband ist als Ergänzungsband (Reader’s
Companion) zu David Boschs Missionstheologie „Transforming Mission“ gedacht.
Ursprünglich wollte Bosch ein zweibändiges Werk mit etlichen historischen
Quellen herausbringen. Da dies seitens der Verleger nicht möglich war,
entschloß sich Norman E. Thomas zur Herausgabe eines eigenen Quellenbandes,
der sich an der Kapiteleinteilung von Boschs Werk orientiert. Jedem Kapitel
und jedem Dokument ist eine Einleitung des Herausgebers vorangestellt.
Auszüge aus Dokumenten verschiedener ökumenischer Konferenzen und des
Vaticanums II stehen neben Theologen der verschiedensten Strömungen. Auch
evangelikale Stimmen sind berücksichtigt. Damit liegt eine eindrückliche
Sammlung vor, die neben nordaltlantischen Autoren auch eine ganze Reihe von
Theologen aus der südlichen Hemisphäre zu Wort kommen läßt. Jeder, der mit
Boschs Missionstheologie arbeit, wird auch gern zu dieser Sammlung greifen,
die eine gute „literarische Illustration“ zur Darstellung Boschs bietet. Ein
Arbeitsbuch zur Missionsgeschichte und -theologie!
Dr. Johannes Triebel, em 1999-4.
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Thomas, Norman. Readings in World Mission. London: SPCK, 1995.
Hedlund, Roger E. Roots of the Great Debate in
Mission. Mission in Historical and Theological Perspective. Bangalore:
Theological Book, 1993.
Bei beiden Büchern handelt es sich um Quellensammlungen.
‘Readings in Worldmission’ ist der ergänzende Band zu David J. Boschs
missionstheologischem Monumentalwerk ‘Transforming Mission’. Das parallele
Lesen beider Bücher bietet sich daher an. Neben historischen Texten von
Diognet bis hin zu John R. Mott findet der Leser die wesentlichen Texte
missionstheologischer Diskussion des 20. Jahrhunderts. Besonders hilfreich
ist dabei die in Anlehnung an Bosch systematische Anordnung der Quellen nach
Stichworten, z. B. ‘Mission als Kirche für andere’ oder ‘Mission als
Evangelisation’. In Kombination mit ‘Transforming Mission’ erhält der Leser
ein profundes Wissen über die missionstheologischen Entwicklungen von der
Zeit Jesu bis zum Ende des 20. Jahrhunderts und Einblick in wesentliche
Dokumente der verschiedenen Epochen. Für den deutschen Leser bemerkenswert
ist die Berücksichtigung von reformatorischen und pietistischen Texten. Wer
jedoch besonders nach evangelikalen Texten sucht, wird ein wenig enttäuscht
sein. Hier bietet sich für das 20. Jahrhundert Hedlunds Buch als Ergänzung
an. Von New York 1900 bis Canberra 1989 hat Hedlund die wichtigsten ökumenischen,
katholischen, evangelikalen und charismatischen Dokumente und Veröffentlichungen
zusammengestellt. Dabei geht Hedlunds Werk weit über eine einfache
Quellensammlung hinaus, da er wichtige Zusatzinformationen über das
Zustandekommen der Texte gibt. Damit erhält der Leser einen guten Einblick in
die Abläufe der verschiedenen Konferenzen und Diskussionen. Hier und da wäre
eine gründlichere theologische Auseinandersetzung hilfreich gewesen. Ob
dies allerdings in der gebotenen Kürze zu leisten ist, ist zu bezweifeln.
Die ausführliche Bibliographie bietet jedenfalls genug Anregungen zum
Weiterstudium.
Martin Reppenhagen, em 1997-4.
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Thompson,
T. Jack. Christianity
in Northern Malawi. Donald Fraser’s Missionary Methods and Ngoni Culture.
Leiden/New York/Köln: Brill, 1995.
Malawi ist als ursprünglich presbyterianisch/reformiertes
Missionsgebiet für den deutschsprachingen Raum als Missionsland weniger
wichtig. Aber die Kirchengeschichte Malawis, eines Staates dessen heutige
Grenzen (wenn nicht sogar seine politische Existenz) auf die Church of
Scotland Mission (Blantyre Mission) zurückgeht, hat dem Missiologen zu Fragen
der Missionsmethode und zu Fragen des Verhältnisses Kirche und Staat viel zu
bieten, und sie ist auch – besonders von Schotten – gut erforscht worden.
Jack Thompson’s Buch ist eine Frucht solcher Forschung.
Es stellt einen der bedeutendsten frühen Missionare der Livingstonia Mission
der Free Church of Scotland vor, der als einer der Pioniere unter den
kriegerischen Ngoni im Norden Malawis arbeitete. Unter Frasers Leitung kam es
um 1898 (bis etwa 1910) unter den Ngoni zu einer großen Erwekkung mit
Versammlungen von Tausenden von Teilnehmern, die u. a. zu einer bedeutenden
missionarischen Bewegung nach Zambia hinein führte. Die Erweckung knüpfte in
vielen ihrer Formen an die traditionelle Kultur der Ngoni an, zB. hatten die
großen „Conventions“ (88ff) manche Ähnlichkeit mit dem traditionellen Fest
der Erstlingsfrüchte (incwala). Für die Missiologen besonders interessant bei
dieser Erweckung sind die prägenden Kräfte der Keswick-Bewegung, deren
Einfluß nicht nur auf die Glaubensmissionen, sondern auch auf die klassischen
Missionen groß war.
Das Buch kann dem Leser, der sich mit dem Verhältnis des
Evangeliums zur afrikanischen Kultur beschäftigt, gute Anregungen bieten:
Fraser ließ sich tief auf die Ngoni Kultur ein (1935 wurde er wie ein
Häuptling im Viehkraal bestattet), verband dies mit der unkonventionellen
Theologie der Heiligungsbewegung und blieb dabei noch ein richtiger
Presbyterianer.
Thompson leistet auch einen guten Beitrag zur Diskussion
über das Verhältnis zwischen Kolonialismus und Mission. Die Livingstonia
Mission begann in Malawi 1875, über zehn Jahre vor dem Beginn der britischen
Kolonialherrschaft. Sie half den Ngoni auf der einen Seite, länger
unabhängig zu bleiben, auf der anderen Seite ermöglichte sie, den Übergang
zur Kolonialherrschaft (friedlich) zu bewältigen.
Das Buch ist sehr gut lesbar und zeichnet sich durch
sorgfältige Analyse und treffende Darstellung aus. Die Ausstattung entspricht
dem Preis.
Thompson schreibt, daß Frasers Frau, wie viele
Missionarsfrauen ihrer Zeit, für ihre Arbeit viel zu wenig Anerkennung
erhielten. Das ist wahr. Thompson selbst erwähnt Frau Dr. Agnes Fraser, „eine
sehr fähige und eigenständige Frau“, nur viermal, und davon dreimal als
Witwe!
Dr. Klaus Fiedler, em 1996-4.
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Thune, Sabine. Ernst Jakob Christoffel: Ein Leben im
Dienst Jesu. Evangelium und Islam, Band 3. Nürnberg: Verlag für Theologie
und Religionswissenschaft (VTR), 2007.
Die Serie „Evanglium und Islam“ möchte einen Beitrag
leisten zur Erforschung der Begegnung zwischen biblischer Verkündigung und
islamischem Glauben. Der nun erschienene Band 3 dieser Serie widmet sich der
Person Ernst Jakob Christoffels. Bekannt sein dürfte er vor allem als Gründer
der heutigen Christoffel-Blindenmission in Bensheim, einem der führenden
Christlichen international tätigen Werke für Menschen mit Behinderungen.
Während dieses Werk heute weithin bekannt ist, kennen
vermutlich nur Wenige das missionarische Umfeld, aus dem heraus Ernst Jakob
Christoffel seine Arbeit begonnen hat: Die deutschsprachige evangelische
Armenierhilfe. Bis heute ist diese Bewegung in Deutschland in ihrer Bedeutung
weder erkannt noch hinreichend gewürdigt worden, vor allem in ihrer Funktion
als Vorbild für viele spätere Entwicklungen auf dem Gebiet international
tätiger Hilfswerke und Menschenrechtsorganisationen. Was heute zu wenig
bekannt ist: Auch auf diesem Gebiet waren die damals „Frommen im Lande“
wesentliche Vorkämpfer und Impulsgeber; denn es waren bewusste Christen, die
damals als erste und mit dem größten Engagement auf die Armenier-Massaker in
der Türkei, den „ersten Genozid des 20. Jahrhunderts“, reagierten. Die von
Christoffel gegründete Christliche Blin-denmission im Orient (1908) kann
deshalb ursprünglich als „jüngere Schwester“ neben Ernst Lohmanns Christlichem
Hilfsbund im Orient (1896) und Johannes Lepsius Deutscher Orient-Mission
(1895/1900) betrachtet werden. Gleichzeitig gehören diese Werke gewissermaßen
als Untergruppe zu der größeren Gruppe der neuen deutschen „Orientmissionswerke“,
die um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert entstanden sind (Evang.
Karmelmission, SudanPionier-Mission u.a.).
Auch diese Geschichte der deutschsprachigen evangelischen
Missionsarbeit im Nahen Osten ist heute zu wenig bekannt. Wer weiß
beispielsweise, dass in Malatia, der durch die grausame Ermordung dreier
evangelischer Christen jetzt in der Missionswelt bekannt gewordenen Stadt in
der Süd-Ost-Türkei, eine deutsche Hilfs- und Missionsstation existierte, an
der auch schon damals deutsche Missionsmitarbeiter ihr Leben ließen (Christoffels
Nichte Hildegard Schuler starb 1918 im Alter von 22 Jahren an
Blutvergiftung). Sabine Thüne, die fast 20 Jahre als Bild-dokumentarin der
Christoffel-Blindenmission arbeitete, bietet in der von ihr vorgelegten
Arbeit eine Fülle von solchen Hintergrundinformationen. Zunächst stellt sie
in sieben Kapiteln Leben und Wirken von Ernst Jakob Christoffel dar. Dabei
wird deutlich, dass Ernst Jakob Christoffel in die vorderste Reihe der deutschen
Missionspioniere gehört - nicht umsonst wurde ihm als erstem evangelischen
Missionar das Bundesverdienstkreuz verliehen. Im Anschluss an jedes Kapitel
finden sich zahlreiche Textanhänge, in denen bisher unveröffentlichte Briefe
und Texte des Missionars, Auszüge aus gedruckten Publikationen der
Blindenmission, aber auch zahlreiche Dokumente aus anderen Archiven und
Abschnitte aus relevanter Sekundärliteratur zu finden sind; zudem sind jedem
Kapitel noch einige interessante
Bilddokumente beigegeben. An die sieben biographischen Kapitel schließen sich
dann nochmals fünf thematische Kapitel an, etwa zum Thema „Blinde im Orient“
oder „Mission im Islam“. Ein Literatur- und Personenverzeichnis sowie eine
Zeittafel runden das Buch ab. Außerdem ist dem Buch ein 17-seitiger Aufsatz
von Dr. Christof Sauer in englischer Sprache beigegeben, der Leben und Wirken
von Ernst Jakob Christoffel kurz zusammenfasst und auch einen Abschnitt über
„Christoffels missiology and Christian mission among Muslims“ enthält. Somit
bietet das Buch von Sabine Thüne beides: Sowohl einen guten, schnell
überschaubaren und doch gründlichen Überblick über Leben und Werk von Ernst
Jakob Christoffel, als auch vielfältige Zusatzinformationen (z.B. zu weiteren
Mitarbeitern und Personen aus Christoffels Umfeld), Literaturhinweise und
Quellenausschnitte, die zum Weiterforschen in diesem Themenumfeld anregen.
Wenn das Werk auch nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen
Forschungsarbeit für sich in Anspruch nimmt, so darf sein Wert für die
missiologische Forschung nicht unterschätzt werden: Es könnte kaum eine
bessere Grundlage und „Startrampe“ für eine akademische missiologische Forschungsarbeit
über die Arbeit von Ernst Jakob Christoffel, sein Missionsverständnis oder
etwa sein Verhältnis zum Islam (evtl. auch in Gegenüberstellung zu Johannes
Lepsius oder Ernst Lohmann) geben, als diese gründliche Arbeit, die Sabine
Thüne vorgelegt hat. So ist dem Werk nicht nur eine weite Verbreitung zu
wünschen, sondern vor allem, dass es sich als Inspiration für weitere Forschungen
in diesem Themenumfeld erweist.
Dr. Andreas Baumann, em 2007-4.
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Tibi, Bassam. Im Schatten Allahs. Der Islam und die
Menschenrechte. München: R. Piper, 1996 (erw. Tb.ausgabe).
Der international renommierte syrische Politikwissenschaftler
Bassam Tibi hat hier ein bemerkenswertes Buch zum Thema ‚Islam und
Menschenrechte’ vorgelegt. Selbst Muslim und Bürger zweier Welten tritt er
für eine Weiterentwicklung des traditionellen Islam zu einem ‚Euro-Islam’
ein, da – so seine These – nur ein aufgeklärter, von der Institution Staat getrennt
existierender Islam eine durchgängige Beachtung der Menschenrechte
garantieren kann. Zwar haben die meisten islamischen Länder
Menschenrechtserklärungen unterzeichnet, dulden oder betreiben jedoch gleichzeitig
die Verurteilung und Tötung von Apostaten (vom Islam Abgefallenen). Überall
dort nämlich, wo das islamische Gesetz (die sharia) Gültigkeit besitzt - sie
sieht die Todesstrafe für Apostaten vor - werden automatisch Teile der
Menschenrechtserklärungen zur Freiheit der Religionsausübung und
Unantastbarkeit der Menschenwürde außer Kraft gesetzt. Nicht umsonst haben
islamische Staaten daher stets betont, daß Menschenrechte nur insofern gewährt
werden könnten, wie sie nicht die Bestimmungen der sharia berühren. Daher erkennt
Tibi für den an der sharia orietierten Islam der meisten islamischen Länder
keinerlei Möglichkeit, wirkliche Fortschritte in der Menschenrechtsfrage zu
machen und beurteilt das Rechtsgutachten (fatwa) Khomeinis gegen Salman
Rushdie als einen „Rückfall in die Steinzeit“ (S. 119). Nur durch eine –
allerdings derzeit für ihn utopische – Reform des Islam hin zu einer
Anerkennung von Werten, die nicht der sharia unterstehen, könnten diese
Fortschritte s. E. erreicht werden.
Bassam Tibi hält jedoch nicht nur der islamischen Welt
ihre Unfähigkeit zu Demokratisierung und zum Garant von individuellen
Rechten vor. Gleichermaßen kritisiert er das heuchlerische Schweigen Europas
im Bosnien-Konflikt. Wenn das freiheitsgewohnte Europa nicht bereit ist,
seine einstmals erkämpfte Demokratie und Freiheit zu verteidigen, so Bassam
Tibi, wird es dem von Migranten und Flüchtlingen nach Europa importierten
Fundamentalismus hilflos gegenüberstehen. – Ein mutiges, persönliches, engagiertes
Buch, das trotz seiner zeitweisen Weitschweifigkeit dem interessierten Leser
wertvolle Einblicke und Anstöße vermittelt.
Dr. Christine Schirrmacher, em 1996-4.
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Tiplady,
Richard. Postmission,
World Mission by a Postmodern Generation. Carlisle, Cumbria: Paternoster Press, 2002.
Viele junge Missionare fühlen sich in den traditionellen
Missionswerken nicht wohl. Warum ist das so und wie müssten Missionswerke
sich entwickeln, damit sie der jungen Generation entsprechen? Eine Gruppe von
17 Personen der Generation X (definiert durch die Geburt zwischen 1965-1980),
aus fünf verschiedenen Nationen, alle betraut mit verantwortlichen Aufgaben
in der Weltmission, ging dieser Frage nach. Sie trafen sich für fünf Tage im
März 2001, zu gemeinsamer Anbetung, gegenseitigem Zuhören, herausfordernder
Diskussion, Essen, Beten und gemeinsamem Erleben.
Das Buch „Postmission“ ist ein Ergebnis dieses Projektes.
Es fasst die wichtigsten Gedanken in einzelnen Artikeln zusammen und richtet
sich sowohl an Missionsleiter also auch an junge Menschen der Generation X in
traditionellen Missionswerken. Dabei zielt es zum einen darauf ab,
Verständnis für die veränderte Weltsituation der Postmoderne und die
Charakteristika der Generation X zu schaffen, zum anderen aber auch
Anregungen zu geben, wie traditionelle Missionswerke verändert werden
könnten, um den Anforderungen der neuen Zeit und den neuen Mitarbeitern
(Generation X) besser zu entsprechen.
Im ersten Teil wird darauf eingegangen, wie sich die
Generation X versteht, bzw. wie sie wahrgenommen werden will. Besonders wird
erklärt, was den Menschen dieser Generation in Missionswerken Schwierigkeiten
macht. Einen prominenten Platz nimmt dabei die Diskussion der Leitungsstile
ein. Im zweiten Teil des Buches behandeln die Autoren Anfragen der
Postmoderne an bestehende Organisationsstrukturen. Im dritten Teil werden
Ansätze aufgezeigt, die traditionelle Missionswerke auf ihrem Weg zu
postmodernen Strukturen helfen sollen. Das Buch ist gespickt mit hilfreichen
Anregungen: z.B. Gedanken zur Veränderung von Leitungsstilen in
Missionswerken, die grundsätzlich Ermutigung zu viel mehr Kommunikation
zwischen Missionsleitung und Mitarbeitern, die Hervorhebung der Wertschätzung
von Mitarbeitern, die neu begründete Betonung des Mentoring usw. Dabei hat es
aber auch eine sehr deutliche Botschaft: Entweder passen sich die
Missionswerke den Gegebenheiten der neuen Zeit an oder sie werden für die
postmoderne Welt und ihre postmodernen Missionskandidaten (Generation X und
folgende) irrelevant sein.
In seiner ganzen Aufmachung und Entstehung atmet
„Postmission“ bereits postmoderne Luft. So lehnt sich die Bucheinteilung an
Titel eines postmodernen Liedinterpreten an (REM, Michael Stripe). Der Inhalt
des Buches wird von einem gleichberechtigten Autorenteam präsentiert. Die einzelnen
Beiträge sind mal mehr, mal weniger durchzogen von der Kritik des Status Quo.
Diese ist gepaart mit Frust, Zerbruch und Hoffnung auf Veränderung, um des
Evangeliums für die postmoderne Welt willen. Man spürt den Autoren eine
Leidenschaft und einen Willen nach vorne ab. Ihr Sendungsbewusstsein für die
Menschen ihrer Zeit und der folgenden Generationen lässt sie mutig und
selbstkritisch auf die traditionellen Missionswerke zugehen.
Dieses Buch ist ein Muss für Kandidatensekretäre,
Feldleiter und alle, die in Missionswerken leitende Verantwortung tragen und/
oder mit der neuen Generation Kontakt haben. Bei der Lektüre darf man sich
jedoch nicht von den bereits erwähnten postmodernen Ausdrucksformen abhalten
lassen, die vielen positiven Ansätze wahrzunehmen und die eigene Position
hinterfragen zu lassen.
Hans Walter Ritter, em 2003-4.
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Torjesen, Edvard P. A Study of
Fredrik Franson: The
Development and Impact of his Ecclesiology, Missiology and
Worldwide Evangelism. University Microfilms International, Ann Arbor, London, 1984.
Er gründete mehr als
ein Dutzend Missionen und Kirchen in Amerika und Europa, davon drei im deutschsprachigen Raum, und alle existieren heute noch. Trotzdem gehört
Franson eher zu den großen Unbekannten der
Missionsgeschichte. Aus der
skandinavischen Erweckung kommend schloß sich Franson der
interdenominationellen Gemeinde Moodys in
Chicago an und begann seinen weltweiten evangelisti
schen Dienst. Sein Leben lang blieb er
diesem Auftrag treu, zuerst in der
Heimatmission in USA und in Skandinavien, außerdem in der Werbung
für die Außenmission (besonders für China,
unter dem Einfluß von Hudson
Taylor) und zuletzt auch als Evangelist in den Missionsgebieten. Zudem war er ein bedeutender Lehrer der prophetischen Botschaft der Bibel.
Überall war sein
Dienst inter-denominationell, und
doch leistete er einen wesentlichen Beitrag zum Thema der
Ekkesiologie, das heute in den inter-denominationellen Missionen zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Im deutschsprachigen
Raum (S.370-393) beeinflußte Franson besonders die Freien evangelischen Gemeinden und die Gemeinschaftsbewegung (Allianz Mission Barmen, Deutscher
Gemeinschaftsdiakonieverband, Schweizer
Allianz Mission).
Der Autor ist Missionar von TEAM (The Evangelical Alliance
Mission) USA, zur Zeit Repräsentant
von TEAM in Nordeuropa. (In Deutschland arbeiten TEAM und die DMG
zusammen.)
Das besprochene Buch ist das Ergebnis von 12 Jahren
Arbeit, wovon 10 Jahre der Materialsammlung
in ebensovielen Ländern gewidmet
waren. Torjesens Sprachkenntnisse (nur Armenisch und Finnisch
beherrscht er nicht!) ermöglichten ihm den
Zugang zu den Primärquellen, auf
denen seine Darstellung ausschließlich beruht. Das Buch ist eine ausgezeichnete
Forschungsarbeit. So wie Torjesen es hier
tat, müßten noch eine ganze Reihe
von Themen evangelikaler Missionsgeschichte erfaßt werden.
Klaus Fiedler, em 1986-1.
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Towery,
Britt. Christen in China. Oncken Wuppertal/Kassel
1987.
Dieses Buch, ursprünglich 1986 in Hongkong erschienen als „The Churches of China: Taking Root Downward,
Bearing Fruit Upward”, gibt in verschiedenen Kapiteln Einblicke in die Geschichte und Gegenwart der Kirche in China
und will dazu beitragen, die Entwicklungen dort, die ja nicht nur die
Missiologen sehr überrascht haben,
verständlich zu machen. Und falls Sie einmal nach China reisen wollen, so
finden Sie auf S. 140-166 auch die wichtigsten kirchlichen Adressen in
den 29 Provinzen, Stadtgemeinden und autonomen Regionen Chinas.
Em 1988-2.
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Troeger, Eberhard. Kreuz und Halbmond. Was Christen vom Islam
wissen sollten. Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1996.
Der Leiter der Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten
(EMO) Eberhard Troeger legt hier die stark überarbeitete und erweiterte Neuauflage
seines 1981 veröffentlichten Buches „Islam im Aufbruch – Islam in der Krise?“
vor. Diese Neuauflage zielt nicht in erster Linie auf eine chronologische
Darstellung der islamischen Geschichte oder auf eine systematische
Darstellung der koranischen Dogmatik, obwohl diese Themen auch angesprochen
werden. Vielmehr beleuchtet der Autor schlaglichtartig die islamische
Vergangenheit und Gegenwart, sowie querschnittartig diejenigen Fragen, die
die islamische Lebenswirklichkeit ausmachen wie z B. das Menschenbild des
Islam, Frauen und Männer in der islamischen Welt, der Heilige Krieg oder die
Ausbreitung des Islam. Dadurch wird dem Leser deutlich, daß „Islam“ eben
nicht nur die bloße Zugehörigkeit zu einer Religion bedeutet, sondern Dogmatik,
Ethik, Geschichte, Politik, Volksislam und Mystik zugleich umfaßt. Der Autor
bleibt jedoch nicht bei der Darstellung des Islam stehen, sondern nimmt
sachkundige Beurteilungen aus biblischer Sicht vor. Der Leser erhält damit
zugleich Anknüpfungspunkte für die missionarische Begegnung mit Muslimen,
wenn es etwa um die fehlende Heilsgewissheit im Islam oder die Ablehnung des
Kreuzestodes Jesu und seines Erlösungshandelns im Islam geht.
Leider sind in der Literaturliste aufgrund der
ungewöhnlichen Anordnung gesuchte Titel nicht ganz leicht auffindbar: Die
Titel sind nämlich nicht alphabetisch nach dem Nachnamen des Autors
angeordnet, sondern nach dem jeweiligen Erscheinungsjahr des Buches.
Hilfreich dagegen ist das ausführliche Register und dies insbesondere
aufgrund der Querschnittstruktur des Buches. Das Buch ist unbedingte
Pflichtlektüre für jeden Christen, der den Islam im In- und Ausland besser
verstehen möchte.
Dr. Christine Schirrmacher, em 1996-3.
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Tucker, Ruth A. Bis an die Enden der Erde:
Missionsgeschichte in Biographien. Metzingen: Ernst Franz Verlag, 1996.
Ruth A. Tuckers Standardwerk zur Missionsgeschichte ‚From
Jerusalem to Irian Jaya’, das 1994 in 17. Auflage erschien, liegt nun
endlich auf Deutsch vor. Das Original beschreibt die Missionsgeschichte
anhand von 100 Biographien von Missionaren und Missionsförderern von Paulus
bis heute, wobei der Schwerpunkt beim 17. bis 20. Jahrhundert liegt. Karl
Rennstich hat die deutsche Ausgabe bearbeitet und dazu leider ca. 40
Biographien gestrichen, wobei nicht zu erkennen ist, nach welchem Prinzip
die Auswahl erfolgte. Stattdessen hat Rennstich das Werk um 15 Biographien
meist deutschsprachiger Missionare ergänzt, wobei diese Ausarbeitungen qualitätsmäßig
ausgezeichnet sind und meist weit mehr Fakten verarbeiten, als die oft
erzählend dargebotenen Beiträge von Ruth Tucker selbst. Auch diese deutschen
Biographien sind nicht vor allem repräsentativ ausgewählt, sondern
entstammen meist dem Umfeld der Basler Mission, der Rennstich verbunden ist.
Eine theologische Wertung der dargestellten Personen wird kaum vorgenommen,
weswegen auch umstrittene Personen wie Paul Yonggi Cho, der zudem wohl kaum
als Missionar einzustufen ist, aufgenommen wurden, wobei erstaunlicherweise
Tucker wenige Seiten später in Bezug auf Korea, aber ohne Bezug auf Cho,
vor einer „Schamanisierung des Christentums“ (S. 411-412) in Korea warnt.
Kurzum: ein wichtiges, weil konkurrenzloses Buch zur Missionsgeschichte,
auch wenn die Auswahl der Missionare verbesserungswürdig ist. Ein von
Christof Sauer erarbeitetes kommentiertes ausführliches Literaturverzeichnis
ist für jeden, der sich für Missionsgeschichte interessiert, ein ausgezeichneter
Einstieg in die große Flut der Literatur zum Thema.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-1.
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Tucker,
Ruth A. From
Jerusalem to Irian Jaya. Academic Books, Zondervan Publishing House,
Grand Rapids (Michigan), 1983.
In 5 Teilen und auf
knapp 500 Seiten umreißt die Autorin ihr Anliegen einer ,,2000 Jahre langen Fortsetzung der Apostelgeschichte“. Die fünf Teile sind betitelt: Das
unwiderstehliche Vordringen (Römerreich, Christianisierung, Herrnhuter
Brüdergemeine, frühe Mission unter Indianern
Nordamerikas). Das „große
Jahrhundert“ (Mission im 19. Jhdt.: Südliches Asien, Schwarzafrika,
Fernost, Pazifik). Das zunehmende
Engagement (die ledige Missionarin, die „Studenten-Freiwilligen“, die Glaubensmissionen). Der
Ruf nach dem Spezialisten (Arzt, Bibelübersetzer, Radiotechniker, Pilot in der Mission). Der Drang zur Nationalisierung (Märtyrer im 20. Jhdt.,
Sendboten von Kirchen in der Dritten Welt,
neue Strategien). Es ist Ruth Tucker gelungen, die Fülle des Stoffs klar und gut überschaubar anzuordnen. Dies im besonderen dank ihrer Gabe,
die menschliche Seite des Missionsunternehmens in mancher fesselnden Darstellung hervorzuheben. Die eine Seite bleibt das Bewußtsein der heiligen Berufung durch den Herrn der Ernte; die andere Seite,
die in diesem Buch erfrischend realistisch zum Ausdruck kommt, ist der
Aspekt der Weitergabe des Evangeliums in
Raum und Zeit, in zahlreichen menschlichen (manchmal allzu menschlichen) Einzelzügen. Ein bedeutsamer Schwerpunkt in manchen der Lebensbilder ist die Dimension der Ehe und der Familie, die oft ergreifend und manchmal
erschütternd angesprochen
wird. Als Frau hat Ruth Tucker diesen in
den herkömmlichen Biographien gerade
der „großen“ Männer Gottes oft übergangenen Aspekt gebührend hervorgehoben. In manch einer feinen, bald humorvollen, bald ernsten Schilderung begegnen uns auch die Kämpfe und
die Siege der unverheirateten Dienerin Gottes.
Hier liegt zweifellos die besondere Stärke dieser Darstellung. Sprache
und Stil sind lebhaft
und zeitgemäß; das Buch ist auch Lesern, die sich auf ihr Schulenglisch verlassen müssen, gut
zugänglich.
Susanne Mayer, em 1985-1
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Tucker, Ruth A. und Walter L. Liefeid. Daughters of the Church, Women and Ministry from New Testament Times
to the Present. Academic Books, Zondervan
Publishing
House, Michigan.
Von dem Volumen und der
Aufstellung her eher ein
Nachschlagewerk, entwickelt sich das Buch bald zur faszinierenden
Lektüre, wobei die Autoren nicht vom
feministischen Aspekt ausgehen, sondern bemüht sind, das biblische
Verständnis der Frau hervorzuheben. Von der neutestamentlichen Zeit bis hin zur Gegenwart wird die durchaus bedeutsame
Rolle der Frau in Kirchen- und Missionsgeschichte
beschrieben. Die Bewertung der Frau
im christlichen Dienst wurde bislang in den Hintergrund gestellt, obwohl die Nachforschungen deutlich machen, daß gerade Frauen eine Pionierstellung eingenommen haben. Diese Tatsache läßt
die Autoren nicht nur die kulturellen Faktoren,
sondern auch den Trend biblischer Exegese der verschiedenen Zeitabschnitte
untersuchen, inwieweit sie die Rolle der
Frau beeinflußten.
Besonders die frühe
Kirche besaß einen großen Reichtum an einflußreichen Frauen, deren Einsatz meistens unterschätzt und sehr oft unterdrückt wurde. Der Kampf um Anerkennung
der Frau im Dienst der Kirche begleitet
die Geschichte bis hin zu den Anfängen
der Mission. Bedeutende Frauen wie
Susanna Wesley, um nur eine von vielen zu erwähnen, spielten während der Erweckungsbewegungen im 18. und 19. Jahrhundert
eine große Rolle, doch geschah ihr Einsatz
meistens im Hintergrund, indem sie Gebetstreffen in ihren Häusern organisierten
und persönlich evangelisierten. Nach Auffassung der damaligen Theologen hatte
eine Frau in der Gemeinde immer noch zu schweigen. Trotzdem zeichnet sich das 19. Jahrhundert dadurch aus, das sich mehr Frauen
die Freiheit nehmen, öffentlich zu predigen.
Von einigen Ausnahmen abgesehen,
wurden sie jedoch von der damaligen Zeit
als Sektierer betrachtet.
Erst das weite Feld der Außenmission bot Frauen
unvergleichliche Gegelenheiten zu erfüllendem Dienst, was nach Ansicht der Autoren selbst in den bedeutenden
Missionsgeschichtswerken von Latourette und Neill kaum erwähnt und gewürdigt wird. Umso mehr bemühen sich Tucker und Liefeid, die Verdienste der Frauen in der Mission hervorzuheben, deren Tätigkeitsfeld von
Evangelisation und Gemeindebau bis hin
zur Bibelübersetzung und zum Unterricht
an Theologischen Seminaren reicht.
Bei dem Versuch, die
wichtigsten Frauen der
Missionsgeschichte zu erfassen, haben sich die Autoren offensichtlich nicht immer an Primärquellen gehalten. So wird
Priscilla Studd, um ein Beispiel zu nennen, neben Mary Livingstone als eine von vielen Missionarsfrauen erwähnt, deren Männer sie krank und untauglich in der Heimat zurückließen.
Was nicht berichtet wird, ist die Tatsache, daß CT. Studd seine Frau ermutigte, im Glauben vom Krankenlager aufzustehen,
um die Arbeit in der Heimat aufzubauen. Priscilla Studd ist es zu verdanken, daß WEC
International nicht nur in England, sondern
weltweit bekannt wurde. Sie hat mit fester Hand die Organisation bis
nach Amerika vorwärtsgetrieben und den WEC auch
in Australien und Neuseeland etabliert.
Trotz aller Verdienste in der Mission galt die allgemeine
Überzeugung, daß Frauen Gottes zweite
Wahl sind und Männer allemal den Vorrang haben, sofern sie sich von
Gott in den Dienst rufen lassen.
Auch leitende Frauen
der Dritte-Welt-Kirchen finden
Erwähnung als solche, die westliche
Missionarinnen zum Vorbild hatten und in ihren Diensten wesentlich
durch sie geprägt wurden. Nicht zuletzt
werden Frauen der gegenwärtigen Zeit aufgeführt und in den Kontext der
verschiedenen Strömungen mit ihren
unterschiedlichen Ansichten gestellt.
Ein Anhang mit theologisch hermeneutischen Erörterungen,
dem Versuch einer Exegese zum Thema und
der Frage nach Ordination und
Autorität der Frau in der Gemeinde
beschließt das Buch.
Die Autoren beanspruchen nicht, die umfassende Geschichte
der Frau in der Kirche erfaßt zu haben.
Dennoch ist es ihnen durchaus
gelungen, einen guten Gesamtüberblick zu geben.
Christel Meyer, em 1990-1.
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Tworuschka, Monika und Udo. Kleines Lexikon Islam. Christen
begegnen Muslimen. Konstanz: Christliche Verlagsanstalt, 1992.
Die Autoren, eine
Islamwissenschaftlerin und ein Theologe, beklagen zu Recht die oberflächlichen
und teilweise falschen Informationen der
Medien über den Islam. So ist das Buch
als Gegengewicht dazu gedacht, als Instrument
des Dialogs, um Christen unter 121 Stichworten
ein besseres und sympathischeresVerständnis
des Islams zu vermitteln. Dennoch nehmen die Autoren hin und wieder Wertungen
vor, die sich weniger gegen den
Islam richten (Ausnahme: das
Todesurteil über Salman Rushdie
beurteilen sie als etwas „Ungeheuerliches“, S.17) als gegen das Christentum: So sind sie zum Beispiel der Ansicht, der christliche
Fundamentalismus lehne pauschal die „Ergebnisse der modernen Wissenschaft“
in Technologie und Ökonomie ab (S.46/47). Ferner urteilen die Autoren, daß im Christentum im
Zusammenhang mit der Lehre von der Erbsünde eine „parallel einhergehende(r)
Verunglimpfung der Sexualität“ zu finden sei (S.91). Aussagen des Korans wie etwa die Anweisung an Ehemänner, ungehorsame
Ehefrauen erst zurechtzuweisen und dann zu schlagen (Sure 4,34), werden unter
dem Stichwort „Ehe“ dagegen nicht
erwähnt.
Eine Auswahl an Stichworten in einem Lexikon muß immer bis
zu einem gewissen Grad willkürlich sein. Unklar
bleibt etwa, warum nur wenigen
Personen wie Gamal ad-Din al-Afgani ein Abschnitt gewidmet wurde, nicht jedoch großen und einflußreichen islamischen Denkern wie al-Ghazali oder at-Tabari. Einige
Ausführungen scheinen angesichts der Brisanz
der Themen etwas kurz gekommen zu sein
wie etwa die Artikel „Glaubensbekenntnis“, „al-Azhar“ oder der
Artikel „Muslimbrüder“, der nur 6 Zeilen umfaßt. Im letzten Fall hätte man etwa auf die Auseinandersetzung der Muslimbrüder mit Israel und die politische Bedeutung
dieser Gruppe anhand der Ermordung Sadats
1981 durch den Muslimbruder Khalid al-Islambuli hinweisen können.
Kleine Fehler lassen
sich in einem Lexikon wohl kaum vermeiden, ‚irtidat’ statt richtig ‚irtidad’ (S.17) könnte auch ein Druckfehler sein.
Die Prophetenenkel al-Hasan und al-Husain
wurden aber keinesfalls 661 „bei Kerbela … belagert und fanden
schließlich den Tod“ (S.19). Vielmehr
starb al-Hasan, der auf das Kalifat
661 verzichtet hatte und nach Medina gezogen war, dort zwischen 670 und 678,
während al-Husain 680 bei der
berühmten Schlacht von Kerbela den Tod fand. Ferner wird in der islamischen
Tradition üblicherweise nicht von
den ‚100 schönsten Namen Gottes’, sondern nur von 99 Namen gesprochen, da der 100. Name den Gläubigen verborgen sein soll (S.60).
Trotz der erwähnten Kritikpunkte bietet das „Kleine Lexikon Islam“ vergleichsweise
umfassende, positiv wertende Informationen über den Islam, behandelt auch rare, sehr interessante Themen wie etwa ‚Abtreibung’, ‚Menschenbild’,
‚Menschenrechte’ oder verschiedene Feste des islamischen Kalenders. Es ist zur Information fraglos jedem auflagenstarken populärwissenschaftlichen Romanwerk über den Islam weit vorzuziehen.
Christine Schirrmacher, em 1993-4.
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Übler, Hans
und F. Christian Trebing. Softwarekatalog
für Theologie, Kirche und Diakonie. Ein PC-Handbuch mit den
aktuellen Programmen. Wort im Bild,
Ringstr. 18a, D 6451 Hammersbach.
Wer neue Computer-Software sucht, findet hier gute Erstinformation. Auch Missiologen kommen auf ihre Kosten
im Bereich Literaturverwaltung und
Textverarbeitung mit fremdsprachlichen Zeichen. Echt missiologische
Datenbanken wie „World Muslim Population Growth
1970-2000“ (Light of Life, Villach) oder kartographische Programme wie
die von Global Mapping International wurden freilich dort noch nicht gemeldet.
Christof Sauer, em 1993-3.
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Ustorf,
Werner. Christianized
Africa – De-Christianized Europe? Missionary Inquiries into the Polycentric
Epoch of Christian History. Amersbek bei Hamburg: Verl. an der Lottbek
Jensen.
Werner Ustorf, geb. in Hamburg, ist seit 1990 Professor für
Missionswissenschaft an der University of Birmingham und am Selly Oak College.
In seinem aus mehreren Studien zusammengesetzten Buch geht es um einen neuen
missiologischen Ansatz in der sog. dritten Epoche des Christentums. Im
ersten Teil beschreibt er in drei Studien afrikanische Ansätze zu einer
christlichen Identität im Widerstreit mit der europäischen kulturellen Dominanz.
Im zweiten doppelt so langen Teil entfaltet er in sechs Kapiteln bzw.
Studien sein Programm für die westliche Christenheit: ausgehend von einem
faktischen Pluralismus fordert er eine Transformation des bisherigen Missionsansatzes,
der Kirche und schließlich der Welt zu sozialer Gerechtigkeit, gleichberechtigter
und friedlicher Koexistenz der verschiedenen Kulturen und Wahrheitsfindung
durch Diskurs. Damit liegt er im Trend ökumenischer Theologie, die hier in
vielen lose miteinander verknüpften Einzelstudien in theoretisch-technischem
Englisch ihren Ausdruck findet.
Martin Sachs, em 1996-1.
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Verwer,
George. Out
of the comfort Zone - Grace, Vision, Action. Carlisle, Cumbria: OM Publishing, 2000.
Suchen Sie ein Buch, das Menschen zu Mobilmachern für
Weltmission macht? Hier ist eines. Im Stil, klassisch George Verwer,
geschrieben nach seinen Predigtkassetten und daher lebendig, frisch und
voller Herausforderung. George Verwer hat ein brennendes Herz und dieses Herz
schüttet er dem Leser aus. Mission ist nicht ein Geschäft von Funktionären,
sondern von dir und mir, von den Kleinen und Großen, von den „Gehern“ und „Sendern“,
von den Spendern und Betern, von den Reichen und den Armen, von den Westlern
und Nicht-Westlern… Alle haben Anteil an Gottes Mission. Alle sind berufen
mitzuarbeiten. Alle sind von ihm eingeladen, seine Vision und seinen Auftrag
mitzutragen. Doch gerade da ist oft das Problem: „Where two or three of the
Lord’s people are gathering together, sooner or later there will be a mess“
(:xiii) (Übersetzung: Wo zwei oder drei Christen zusammen sind, da entsteht
früher oder später „Chaos“). Das Buch soll helfen, auch noch im „Chaos“,
mobil zu machen für den Auftrag des HERRN.
Eindringlich geht George Verwer den einzelnen
Herausforderungen der Mobilisation zur Weltmission nach. Was braucht einer,
der andere für Weltmission mobil machen will? Zuallererst ein gnadenvolles
Herz („Grace Awakening“), um mit all denen in Einheit zusammenzustehen, die
Gott zu diesem Werk berufen hat. Danach eine Gottesbeziehung, die die Ziele
Gottes reflektiert. Als Drittes die Bereitschaft voranzugehen, und Verwer
zeigt welche Qualitäten für die Leiterschaft in der Mobililsation notwendig
sind. Anschließend beschäftigt er sich in einem ganzen Kapitel mit den
Aufgaben eines Mobilmachers für die Weltmission. Nach diesen Erörterungen
widmet er sich drei grundsätzlichen Fragen: der oft gegeneinander
ausgespielten Notwendigkeit für einheimische und ausländische Missionare, der
Finanzierung der Weltmission und der Vision von AD2000 and Beyond 200.000
Missionare auszusenden.
Ermutigend und inspirierend versteht es George Verwer die
zentralen Punkte anzusprechen, die einen Menschen zu einem Mobilmacher für
die Weltmission machen. Aus seiner reichen Erfahrung heraus bringt er oft entlarvend,
aber immer demütig und liebevoll, Dinge auf den Punkt. Man darf von diesem
Buch keine theologischen Ausführungen oder hohe akademische Abhandlungen
erwarten. Aber es ist ein Buch von der Praxis für die Praxis. Es ist ein Buch
zum selbst Lesen, aber auch zum Verschenken. Ein Buch, was nicht im Bücherschrank
vermodern darf. Persönlich habe ich es bereits vielen jungen Menschen
weitergeben und versucht mit ihnen darüber ins Gespräch zu kommen. (Die
deutsche Fassung erschien 2001 bei Hänssler unter dem Titel „Mobil für
Mission“.)
Hans-Walter Ritter, em 2004-3.
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Vittoz, Robert. Jenseits der Wälder. Das abenteuerliche
Leben des Indianermissionars James Evans. Giessen: Brunnen Verlag, 4. Tb.auflage 1994.
Die weißen Eroberer Kanadas trieben die Indianer zur Zeit
von James Evans (1801-1846) immer weiter westwärts. Als Kind eines Einwanderers
wurde Evans von einem Indianer entführt, aber aus Mitleid wieder freigelassen.
Als Erwachsener suchte er diesen „edlen“ Indianer mit allen erdenklichen
Mitteln, um ihm das rettende Evangelium zu sagen. Über seine Fahrten führte
er ein Tagebuch. – Robert Vittoz hat aus verschiedenen Quellen die verlorengegangenen
Aufzeichnungen möglichst authentisch wieder zusammengestellt. Der Leser
lernt beide Rassen kennen, Weiße und Indianer. Unter beiden begegnen uns
sowohl rohe und grausame als auch liebenswürdige Menschen. Vor allem ein Indianer,
Hassel, der zum Glauben fand und für sein Volk starb, wird für James Evans
zum gesuchten „edlen Indianer“ seiner Kindheit. Auch für Kinder ab etwa 10
Jahren zeigt das Buch einprägsam, wie falsch die heute verbreitete
Vorstellung vom „edlen Indianer“ sind, denn es wird eindrücklich dargestellt,
wie edel auch der verruchteste Mensch werden kann, wenn ihm nur jemand die
Rettung durch Jesus nahebringt. Ein Buch, das Kindern und Erwachsenen in
bester Erinnerung bleibt.
Christof Sauer, em 1997-2.
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Vogt, Peter (Hg.). Zwischen Bekehrungseifer und
Philosemitismus: Texte zur Stellung des Pietismus zum Judentum. Kleine Texte
zum Pietismus 11, Leipzig: EVA, 2007.
Diese Quellenausgabe enthält dreizehn Texte von elf
Autoren, die das ganze Spektrum des kirchlichen und radikalen Pietismus repräsentieren.
Dabei handelt es sich um Texte, die direkt an Juden gerichtet waren, um Bibelauslegungen,
Auszüge aus Predigten und zwei Berichte von konkreten Begegnungen zwischen
Pietisten und Juden (Callenberg, Mackinet). Sie umfassen den Zeitraum von
1695-1764. Vertreten sind H. Horch, J.W. Petersen (2 Texte), E.C. Hochmann
von Hochenau, J. Tennhardt, Ph.J. Spener, J.H. Callenberg, G. Schulius,
S. Lieberkühn (2 Texte), N. L. von Zinzendorf, B.D. Mackinet und F.C.
Oetinger. Zur Auswahl der Texte schreibt Vogt: „Dabei benennen die
Stichworte ‚Bekehrungseifer’ und ‚Philosemitismus’ die beiden grundlegenden
Positionen, die in jeweils unterschiedlichen Graden dieses Verhältnis
geprägt haben. Weithin begegnen wir dem Wunsch bzw. der Hoffnung, dass die
Juden sich ‚bekehren’ und Christus als ihren Messias erkennen mögen. Demgegenüber
findet sich zugleich die Bereitschaft, den besonderen Rang der Juden als auserwähltes
Volk Gottes anzuerkennen und zu würdigen. Die spannungsreiche
Konstellation, in der diese beiden religiös motivierten Anliegen stehen,
zieht sich wie ein roter Faden durch alle ausgewählten Texte und markiert die
Brisanz der Thematik“ (118).
In der „29. Homilie über die Wundenlitanei“ von 1747
(66-70) bezieht sich etwa Zinzendorf
auf Römer 11 und Joh.10,16. Schon vor der endzeitlichen Rettung Israels
könne man beginnen, die Juden in die Kirche aufzunehmen („Wir wollen sie
schon derweilen in unseren Stall nehmen,… bis man ihnen auch einen bauet“,
67), da sich der Heiland schon jetzt über die Erstlinge unter ihnen erbarmen,
sie segnen und überzeugen kann. Die Juden werden das Zeichen des
Menschensohns in den Wolken sehen und sich dadurch bekehren. Doch sollen
ihnen jetzt schon die Zeichen des Gekreuzigten vor Augen gemalt werden („der
mahlt seinen Heiland, seinen Schöpfer, seinen blutigen Gott und Marter-Lämmlein“,
69). Zinzendorf resümiert: „Das ist die Methode, wie der Heiland in
diesen unseren Zeiten die ungläubigen und feindseligen Menschen … noch wird
in seine Sache und Partie ziehen, daß sie werden im Geist erblikken den
Platz, darein jene gestochen haben [vgl. Sach.12.10f; Joh.19.37; Offb.1.7],
und werden in derselben Wunde ihren Herrn und ihren Gott erblikken, und alsdann
wird der Heiland sagen: Nun … komm Israel nach dem Fleisch, komm zu deinen
jüngeren Geschwistern, zu den jüngeren Schaafen, zu den Schaafen aus einem
anderen Stall, damit eine Heerde und ein Hirte werde“ (70). Aus heutiger
Sicht überrascht, dass Zinzendorf dabei mehrfach Juden und „Atheisten“
gleichsetzt („Wie werden die Juden überzeugt? Ins ganze so wie die Atheisten
…“, 68).
Von Spener
stammen „Unmaßgebliche gedancken, wie es mit den jüden ihrer Bekehrung
wegen, zu halten seye“ (1702, 38-50). Nach Spener sollen Juden geschützt und
unter Christen leben dürfen („auch noch eher und mehr gelegenheit haben zu
ihrer bekehrung“, 38). Sie sollen ihre Religion ausüben dürfen. Gottes Verheißungen
an die Juden tragen bei, „mit gebet, sanfftmüthigem und gerechten bezeugen
gegen sie, bey gelegenheit freundlichen zuspruch und kundmachung unser
religion, sonderlich aber vorleuchtung mit heiligem Wandel und austruckung
der lehr ihres Heilandes in ihrem lebenm, zu thun schuldig“ (39). Die Obrigkeit
soll wirtschaftliche Rahmenbedingungen schaffen, die den Juden ein
reguläres und legales Einkommen ermöglichen (in seinem ganzheitlichen Ansatz
denkt Spener u.a. an Umsiedelungen in dünn besiedelte Gebiete, um Juden
Ackerland zuweisen zu können). Ein Glaubenshindernis für Juden ist das „böse
Leben der Christen“, insbesondere die öffentliche Entheiligung des Sonntags
und der Umgang mit den Juden. Auch manche zwielichtigen Judenchristen seien
ein Hindernis, überhaupt sei der Umgang mit den Judenchristen schwierig.
Die Obrigkeit darf keinerlei Gewalt zur Bekehrung der Juden anwenden („durch
keine gewaltsamen mittel … die bekehrung zu versuchen seye, als welcherlei
Mittel aller art der Religion, sonderlich unserem Christenthum schnurstracks
entgegen sind“, 43). Obwohl die Obrigkeit die regelmäßige Verkündigung des
Evangeliums vor Juden zwar verordnen könne, lehnt Spener dies aus verschiedenen
Gründen ab. Nach Mahnungen an die Pfarrer fordert Spener besondere
Ausbildung in orientalischen Sprachen, damit man auch gelehrten Juden
begegnen kann. Speners Ausführungen zeugen von Liebe zu den Juden und einem
hohen Maß an Toleranz. Gleichzeitig zeigen sie das spannungs- und facettenreiche
religiöse Miteinander von Christen und Juden in Europa vor der Aufklärung
und dem Holocaust.
Im Nachwort (118-23) führt Vogt gekonnt in die Thematik
ein, nennt wichtige Sekundärliteratur und würdigt die Position des Pietismus.
Gemeinsam ist den Texten „die Überzeugung, dass die Juden in Gottes
Heilsplan noch eine besondere Rolle spielen werden und zuletzt ihre ursprüngliche
Würde wiedererlangen. Aus dieser heilsgeschichtlichen Orientierung ergibt
sich die für den Pietismus charakteristische Doppelposition: einerseits
das dezidierte Interesse an der Judenbekehrung, anderseits jener Impuls von Respekt
und Anerkennung, den man „als Philosemitismus des biblisch-chiliastischen
Typs bezeichnen kann. Möglichkeiten und Grenzen des Gesprächs zwischen Pietisten
und Juden waren damit vorgezeichnet“ (122). Zu den einzelnen Texten gibt es
keine Einleitungen.
Die Texte zeigen, dass dem Pietismus in der Geschichte der
jüdisch-christlichen Beziehungen eine besondere Rolle zukommt. Im Vergleich
zur der protestantischen Orthodoxie war der Pietismus stärker am Judentum
interessiert und zur Begegnung bereit. Beweggründe seitens der Pietisten waren
zum einen der Missionsgedanke (nicht umsonst gab es sogar eigene
Liedsammlungen zur Judenmission!) als auch verschiedene heilsgeschichtliche
Erwartungen. Die heutigen evangelikalen Positionen gegenüber dem Judentum,
dem Staat Israel, zu der nach wie vor umstrittenen Judenmission und zur
Heilsgeschichte haben hier ihre Wurzeln (vgl. D. L. Bock, M. Glaser, Hrsg., To the Jew First: The Case for Jewish
Evangelism in Scripture and History; Grand Rapids: Kregel Academic &
Professional, 2008).
Mit ihrer Sicht der besonderen Rolle Israels haben die
Pietisten Positionen vertreten, die erst im erneuerten Israelverständnis
der letzten fünfzig Jahre (Theologie nach Auschwitz, jüdisch-christlicher
Dialog, neue Verhältnisbestimmungen zwischen Israel und Kirche durch verschiedene
Konfessionen) wieder thematisiert wurden.
Prof. Dr. Christoph Stenschke, em 2009-2.
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Voigt, Karl Heinz. Die Heiligungsbewegung zwischen
Methodistischer Kirche und Landeskirchlicher Gemeinschaft: Die „Triumphreise“ von Robert
Pearshall Smith im Jahr 1875 und ihre Auswirkungen auf die zwischenkirchlichen
Beziehungen. TVG. Brunnen
Verlag: Gießen, 1996.
Wie der Untertitel bereits erkennen läßt, geht es Karl
Heinz Voigt darum, die Ereignisse der sogenannten „Triumphreise“ des
amerikanischen Glasfabrikanten Robert Pearshall Smith durch Deutschland und
die Schweiz nachzuzeichnen. Im zweiten Teil des Buches beschäftigt sich der
methodistische Theologe dann u. a. mit der Frage, inwieweit sich die
Heiligungsbewegung auf das Verhältnis der verschiedenen christlichen Kirchen
und Gemeinschaften untereinander ausgewirkt hat.
An einigen Stellen reichen die im zweiten Teil des Buches
aufgeführten Belege nicht aus, um Voigts Rückschlüsse wirklich nachvollziehbar
zu machen - so z. B. wenn der Eindruck vermittelt wird, die Organisation
der Deutschen Gemeinschaftsbewegung sei wesentlich vorangetrieben worden
durch die „Furcht vor einer weiteren Arbeit von Smith“, die „den methodistischen
Gemeinden Auftrieb geben würde“ (S. 193). Einen Vorteil haben die manchmal
ungenügend belegten Rückschlüsse Voigts jedoch: Sie reizen enorm dazu an,
das Thema „Heiligungsbewegung“ weiter zu erforschen.
Wer einen allgemeinen Überblick über die
Heiligungsbewegung und ihre Fragestellungen („Biblische Heiligung“,
„Geistestaufe“ usw.) sucht, wird ihn in diesem Buch nicht finden. Auch zum
Thema „Heiligungsbewegung und Weltmission“ (so eine Überschrift S. 187) findet
sich nichts wesentlich Neues. Wer sich jedoch speziell mit der Triumphreise
von Smith auseinandersetzen möchte, wird an diesem Buch kaum vorbeikommen.
Andreas Baumann, em 1998-4.
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Waack, Otto und Mitarbeiter. Indische Kirche und
Indienmission I, Erlanger Monographien aus Mission und Ökumene
1994.
Vieles, was indische Christen und wir heute gerne über
handelnde Personen wissen wollten, wurde nie gefragt, gesammelt oder aufgeschrieben.
Otto Waacks Buch über die Geschichte der indischen Partnerkirche und dem Breklumer
Anteil der Jeypore Kirche von 1876-1914 ist hier dokumentiert. Es wurde
höchste Zeit, die zugänglichen Bruchstücke zu sammeln und zu sichten.
Der Autor nimmt ernst, daß zur Entstehung der Jeypore-Kirche
zwei Kulturen und Traditionen beitrugen, von indischer wie von deutscher
Seite. Orissa ist ein kleiner Staat im Nordosten des Subkontinents Indien,
und die Jeypore-Kirche ist eine kleine lutherische Kirche unter den
wenigen Christen in diesem Gebiet. Vieles in diesem Buch ist aus indischer
Sicht geschrieben und vor allem für die einheimische Kirche als ihr Geschichtsbuch
gedacht. Es ist eine in sehr viele Einzelheiten gehende und sehr intensive
Forschungsarbeit, die anregt, auch anderen „jungen“ Kirchen in Asien,
Afrika und Lateinamerika ihre Geschichte zu dokumentieren.
Nach diesem umfangreichen Buch darf man gespannt sein, wie
die Geschichte von 1915 bis heute weitergeht. Das soll in einem zweiten Band
1995 vorgelegt werden.
Fritz H. Lamparter, em 1996-2.
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Wagner, C. Peter (Hg.):
Territoriale Mächte. Ebenen der strategischen Kampfführung.
Verlag Gottfried Bernard: Solingen, 1991.
Die Besprechung erfolgt
auf der Grundlage des englischen
Originals: Territorial Spirits. Insight on Strategic-level Spiritual Warfare from Nineteen Christian
Leaders. Sovereign
Word: Chichester 1991. Die (nicht ganz fehlerfreie)
deutsche Übersetzung ergänzt inzwischen auf Deutsch erschienene Titel und
ist an einigen Stellen ausführlicher.
Was ist missiologisch relevant an diesem Reader? Er stellt (auf dem Buchrücken) die Frage,
ob Dämonen geographischen Gebieten zugeordnet sind. Da die Antwort duchgehend
positiv ausfällt, geht es vielmehr darum,
welche Konsequenz diese Beobachtung für christliche Missionsmethode
und -strategie hat.
Der Herausgeber C.P. Wagner, seit 21 Jahren Professor am Fuller Theological Seminary,
Pasadena USA, hat in den letzten Jahren geistliche
Kampfführung zu seinem Hauptthema gemacht. (Mitherausgeber von
„Wrest-ling with Dark Angels“, Regal Books 1990, demnächst auch auf Deutsch bei G. Bernard, und Autor von „Warfare Prayer“, Monarch, 1992, dem
ersten Titel einer Trilogie).
Das ist es, nach seiner
Meinung, was der Heilige Geist in unserem Jahrzehnt den Ge
meinden sagt (S.3). Die Grundgedanken lassen
sich folgendermaßen skizzieren: Mangelnder Erfolg in missionarischer Arbeit
- trotz größtem Einsatz und erfolgversprechender Methoden - wird dem Widerstand regional bzw. örtlich herrschender Geister zugeschrieben. Diese müssen
identifiziert und gebunden werden.
Die geförderte Strategie variiert je nach
Autor. Dann - so die Erwartung (S. xiii) - würden die Gebundenen frei
und die Menschen würden in Scharen dem
Evangelium zuströmen. Dabei beruft man sich auf Beobachtungen in Argentinien
und andernorts.
Wagner hat nun seine
Lesefrüchte zu diesem Thema zusammengetragen. Nur zwei Beiträge von
neunzehn waren bisher unveröffentlicht.
Die anderen sind überwiegend nach 1989
in den USA erstmals erschienen. Meist sind sie charismatischen
Ursprungs.
Von den drei Teilen des Buches ist der erste der Einführung und dem Überblick gewidmet. Hier sind die beiden eigenen Beiträge Wagners zu finden, sowie Auszüge von Timothy M. Warner (Trinity), Arthur Mathews (OMF) und Thomas B. White.
Unter den
Erfahrungsberichten des zweiten Teils ragen die aus Zimbabwe, Zaire und Argentinien
heraus. Die anderen sechs Artikel jedoch, z.T. Nachdrucke aus der Zeitschrift
„Charisma & Christian Life“, machen diesen Teil zum schwächsten und oberflächlichsten des
ganzen Buches.
Im dritten Teil folgen
Beiträge auf wissen-schaftlich-missiologischer bzw. theologischer
Ebene. Die Zusammenfassung einer unveröffentlichten
Fuller-Seminararbeit von Vernon B. Sterk über „Territorialgeister und
Evangelisation in feindlicher Umgebung“ untersucht, inwieweit
Christenverfolgung im Missionskontext von Territorialgeistern verursacht
ist. Der Autor verwertet dabei u.a. Missionserfahrung bei den
Tzotzil-Stämmen in Mexiko.
Der zweite missiologische Beitrag ist ein Auszug aus der
Zeitschrift „Missiology“. Der mennonitische
Anthropologe und UBS-Übersetzungsberater
Jacob Loewen beschreibt unter der Überschrift: „Welchen Gott predigen
Missionare?“, daß die meisten ländlichen
und Stammes-Gesellschaften ihre Gottheiten als stammesmäßig, geographisch
oder funktionell spezialisiert betrachten.
Theologisch-biblischer Höhepunkt des ganzen Buches ist der Auszug „Principalities and Powers“ aus Michael Greens Buch „I believe in
Satans Downfall“ (Grand Rapids 1981). Er wirkt
zugleich spekulativen Tendenzen mancher Beiträge eindeutig entgegen:
Die neutestamentlichen Autoren hatten kein
Interesse daran, „Dämonologien“ zu erstellen, sondern wollten nur zeigen, daß diese feindlichen Mächte allesamt durch Jesus Christus entwaffnet worden sind (S. 181).
Nicht weniger Niveau hat
der Auszug aus O. Cullmanns Buch
„Christus und die Zeit“ (engl. 1950) über „Die Unterwerfung der unsichtbaren Mächte“. Cullmann weist nach, daß im NT „Mächte und Gewalten“ nicht ausschließlich
politische Herrscher bezeichnen, sondern
häufig die Mächte der unsichtbaren Welt. Allerding überfordert der
Stil akademischer Auseinandersetzung (mit Griechisch im Text) wohl die meisten Leser des populär zugeschnittenen
Sammelbandes.
Eine Gesamtwertung fällt schwer: Das beschriebene
Phänomen der territorialen Wirksamkeit von Geistern zu vernachlässigen oder gar zu leugnen, widerspräche biblischen Andeutungen,
missionarischer Erfahrung und anthropologischer
Erkenntnis. Das könnte die Wirksamkeit
von Missionaren einschränken. Andererseits
lassen sich bei einem Teil der
Beiträge spekulative Züge und der Hang, „Dinge in den Griff bekommen zu wollen“, nicht
abstreiten. Könnte es sein, daß die amerikanische Church-Growth-School zwar
in einem Pendelschlag das Thema gewechselt
hat (von der Soziologie zur
Dämonologie), aber nach wie vor der Versuchung erliegt, sich auf
menschliche Methoden zu verlassen?
Auch ist das Thema nicht gar so neu, wie mancher Autor denken macht. So vermutet Wagner
zurecht, daß sich bei gründlicheren Nachforschungen Belege aus der gesamten Kirchengeschichte beibringen ließen. Wider die
Traditionslosigkeit! Ein stärkeres Anknüpfen an die heilsgeschichtliche
Missionstheologie, die auf Cullmann aufbaut, könnte sich gerade bei diesem
Thema als äußerst fruchtbar erweisen.
Fazit: Zwei Drittel dieses Buches sind nützlich zu lesen. Doch wird es wahrscheinlich (oder hoffentlich) bald von einem gründlicheren
Buch eines einzelnen Autors abgelöst werden.
Wünschenswert wäre, das Thema nicht so
sehr zu isolieren und in den Vordergrund zu stellen (vgl. White S.65).
Christof Sauer, em 1992-3.
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Wagner, Siegfried. Franz Delitzsch - Leben und Werk. Gießen: Brunnen 2. durchges. Aufl., 1991.
Die vorliegende Arbeit
wurde schon 1963 als Habilitationsschrift
der Leipziger Theologischen Fakultät vorgelegt. Sie erschien, leicht
überarbeitet, 1978 im Christian Kaiser Verlag, München. In der nun vorliegenden zweiten Auflage wurden einige
Druckfehler korrigiert, die neueste
Literatur nachgetragen und das Namensregister noch einmal sorgfältig
durchgesehen. Das Werk gliedert sich in vier Teile:
1. Delitzschs Leben (15-206).
2. Wesen und Bedeutung des wissenschaftlichen
Lebenswerkes (207-429).
3. Schluß und Würdigung (430-445).
4. Bibliographie und Literaturverzeichnis (446-510).
Das besondere Interesse Wagners gilt der wissenschaftlich-theologischen Leistung dieses einflußreichen
alttestamentlichen Exegeten des 19. Jahrhunderts. Ein besonderes Gewicht
liegt dabei auf dem Herausarbeiten der eigenständigen Position von Delitzsch im heftigen Streit um die historisch-kritische Auslegung der Heiligen
Schrift. Wagners Versuch, das theologisch-exegetische
Werk Delitzschs darzustellen, kann sicher als gelungen bezeichnet
werden. Dies gilt mit gewissen Einschränkungen auch für den biographischen
Teil des Werkes. Die Bedeutung von Delitzsch für die Theologie und Praxis
der Judenmission scheint mir dagegen eindeutig zu kurz gekommen zu sein,
obwohl Wagner zugesteht, daß sie ein wichtiger
Bestandteil von Delitzschs Lebenswerk war. Er beschränkt sich hier
fast völlig auf die Aufzählung seiner Aktivitäten in diesem Bereich. Ein gewisser Nachteil des Buches ist auch
die relativ selbständige Behandlung der einzelnen Themen, die immer wieder zu
Überschneidungen führt (etliche Zitate
tauchen mehrfach auf), die einzelnen Teile des Werkes aber dennoch
relativ unverbunden nebeneinander stehen läßt. Als Information über Franz
Delitzsch, seine theologische Entwicklung und Bedeutung, sowie über die Geschichte der Theologie des 19.
Jahrhunderts ist das Buch für Theologen und Studenten der Theologie lehrreich und interessant. Im Blick auf die Geschichte,
Theologie und Bedeutung der Judenmission kommt es über erste, wenn auch gute
und brauchbare Ansätze jedoch nicht hinaus.
Hartmut Renz, em 1993-2.
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Wagner, William L. North American Protestant Missionaries in
Western Europe: A Critical Appraisal. edition afem: mission academics 1, Bonn: VKW, 1993.
Westeuropa, einst als „Wiege der modernen Missionsbewegung“ geachtet, gilt – spätestens seit
dem Ende des Zweiten Weltkrieges – im Bewußtsein vieler nordamerikanischer
Christen als Missionsfeld. Doch statt von
europäischen Kirchen mit offenen
Armen empfangen zu werden, stoßen
amerikanische Missionare in Europa nicht selten auf Skepsis und
gelegentlich sogar auf offene Ablehnung. Das Überzeugtsein vom „American Way of Life“ gepaart mit einem
mitunter ausgeprägten Sendungsbewußtsein trägt häufig zur Vertiefung des
gegenseitigen Mißtrauens bei und verhindert so eine gedeihliche
Zusammenarbeit in Evangelisation, Gemeindeaufbau
oder theologischer Ausbildung.
Der Amerikaner Bill Wagner, Professor für
Missionstheologie an der Evangelischen Theologischen Fakultät in
Heverlee/Belgien, geht in seiner von dem
inzwischen verstorbenen Missiologen David Bosch angenommenen Dissertation
den vielschichtigen Ursachen für die Spannungen zwischen nordamerikanischen Missionaren und westeuropäischen Kirchen nach. Als ausgewiesener Kenner Europas schöpft
Wagner aus langjähriger Missionserfahrung
als Beauftragter der Southern Baptists für Gemeindebau in Europa und
Nahost.
Durchweg einfühlsam und spürbar um ein ausgewogenes Urteil
bemüht, stellt Wagner die Stärken und Schwächen nordamerikanischer Missionspraxis in (West-) Europa dar und geht dabei
besonders auf jene theologischen Fragen ein,
die in Europa und Nordamerika unterschiedlich verstanden oder anders
akzentuiert werden. Mit bemerkenswerter Offenheit deckt er nicht nur Spannungsursachen auf, sondern bietet
darüberhinaus stets auch Lösungsansätze und praktische Anregungen zur Entschärfung
von Konflikten an.
Das für eine
Dissertation ungewöhnlich stark in den Vordergrund tretende geistlich praktische Anliegen dieses Buches macht sowohl seine besondere Stärke als auch seine wesentlichste Schwäche aus. Während sich der wissenschaftlich-kritische
Leser an einer Reihe von Verallgemeinerungen stören und nicht selten Quellennachweise
oder zumindest statistische Belege für pauschale Behauptungen und Beobachtungen vermissen wird, dürfte sich der nach konkreter Hilfestellung suchende Leser über das von nur wenigen Fußnoten unterbrochene
Lesevergnügen freuen.
Besonders zu empfehlen ist dieses in durchweg leicht verständlichem Englisch verfaßte Buch
europäischen Pastoren und Missionaren, die mit Kollegen aus Nordamerika
zusammenarbeiten und dabei um ein gutes Miteinander bemüht sind. Die Arbeit
entstand in einer Zeit epochaler Umbrüche in Europa. Es wäre zu wünschen, daß
die hier geschilderten Fehler in Osteuropa nicht wiederholt würden.
Dem Verlag ist zu danken, daß er durch eine preiswerte
Ausgabe die Voraussetzung für eine weite Verbreitung dieses Buches schuf.
David Poysti, em 1995-2.
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Walldorf, Friedemann. Die Neu-Evangelisierung Europas. Missionstheologien
im europäischen Kontext. Giessen: Brunnen, 2002.
Um es gleich
vorweg zu sagen: Friedemann Walldorf gelingt es mit diesem Buch (seine
überarbeitete Dissertation [Friedemann Walldorf, Mission und
Neuevangelisierung in Europa. Grundlinien kontextueller Missionskonzepte
1979-1992, eingereicht am 6.10.1999 an der staatlichen Universität von
Südafrika (UNISA).]), ein brennend aktuelles Thema, über das viel Verwirrung
herrscht, klar und verständlich darzustellen. Walldorf vermittelt gute
Orientierung im Dickicht unterschiedlicher Missionstheologien zum
europäischen Kontext. Die Lektüre ist daher besonders wertvoll für
diejenigen, denen die geistliche Erneuerung der Kirchen und Völker Europas
wichtig ist.
Wer nicht mit
Scheuklappen durch die Welt geht weiß, dass die Bedeutung des Christentums im
alten, ehemals „christlichen“ Europa seit Jahrzehnten rasant abnimmt und die
Erosion der Kirchen an ihren Rändern immer bedrohlichere Formen annimmt. Das
Fehlen eines Gottesbezuges in dem Entwurf zu einer europäischen Verfassung
innerhalb der EU zeigt, wie irrevelant der Glaube für die politischen Eliten
Europas geworden ist. Säkularisierung, Materialismus, Wissenschafts- und
Fortschrittsgläubigkeit, Überalterung und Schwund der traditionell
christlichen Bevölkerung bei gleichzeitiger Immigration von Angehörigen
anderer Religionen (bevorzugt Islam), Spannungen zwischen progressiven und
konservativen Bewegungen innerhalb der Großkirchen, Finanz- und
Identitätsverluste haben die Kirchen Europas in eine tiefe Krise geführt.
Neben diesen krisenhaften Entwicklungen brachte aber auch der Zusammenbruch
des Sozialismus in Osteuropa Ende der achtziger Jahre neue Chancen und
Herausforderungen für die Kirchen mit sich. Ist jetzt nicht die Zeit gekommen
für eine „Neuevangelisierung“ Europas, so wie es Papst Johannes Paul II.
schon 1979 auf seiner ersten Polenreise verkündigte? (Johannes Paul II, „‘…mag
sich auch die Welt verändern’, Predigt in der Heilig-Kreuz-Kirche von Mogila
am 9.6.1979“, Predigten und Ansprachen von Papst Johannes Paul II bei
seiner Pilgerfahrt durch Polen, Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 10,
hg. v. Sekr. d. Deutschen Bischofskonferenz, Bonn, S. 102-106.) Dieser
Begriff, von Papst Johannes Paul II zum erstenmal in breiter Öffentlichkeit
geprägt, wirkte wie eine Initialzündung in allen Kirchen bis hin zur
evangelikalen Bewegung.
Eine Flut von
Veröffentlichungen zu diesem Thema wurde daraufhin in den nächsten Jahren
herausgegeben, angefangen von der katholischen Kirche in Europa über die
Konferenz Europäischer Kirchen (evangelische und Orthodoxe Kirchen, verbunden
mit dem ökumenischen Rat der Kirchen in Genf) bis hin zur evangelikalen
Lausanner Bewegung, die in ihrem Europäischen Komitee über die
Re-Evangelisierung Europas (im Gegensatz zur Erstevangelisierung in Gegenden,
die nie christianisiert wurden) nachdachte.
Besonders im
Zeitfenster ab 1979 (mit der Papstrede von der Neuevangelisierung Europas in
Polen) bis 1992 entstand in allen Kirchen und Gruppierungen eine intensive
Suche nach neuen Konzepten zur Missionierung des ehemals christlichen Europas
mit dem Ziel einer möglichen Rückgewinnung dieses Europas für den christlichen
Glauben.
Vor diesem
Hintergrund macht sich F. Walldorf auf, in dem undurchsichtigen Dschungel von
missionstheologischen Ansätzen im Blick auf Europa (begrenzt auf das oben
skizzierte Zeitfenster) Licht in das Dunkel zu bringen und dem interessierten
Leser Orientierungshilfe zu geben, wer unter Mission oder „Neuevangelisierung“
Europas etwas versteht. Denn wenn Begriffe wie „Mission“ oder „Evangelisation“
aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt werden, angefangen vom Papst über die
Konferenz Europäischer Kirchen bis zur Orthodoxen Kirche, dann ist es nur zu
wahrscheinlich, höchst unterschiedliche Inhalte zu den Begriffen geliefert zu
bekommen.
Hier hat sich F.
Walldorf mit großer Geduld und Sachkenntnis darangemacht, den verschiedenen
Konzepten und Denkschulen in Bezug zur „Neuevangelisierung“ Europas
nachzugehen. Mit großem Einfühlungsvermögen gelingt es ihm in seiner Studie,
die Stärken und Schwächen der jeweiligen Konzeption herauszuarbeiten, sie zu
würdigen und zu werten.
Dabei sind meines
Erachtens vor allem die detaillierten Darstellungen der katholischen Position
zum Konzept der „Neuevangelisierung“ wertvoll, in Sonderheit die Impulse und
Vorstellungen des jetzigen Papstes Johannes Paul II (S. 40-105). Besonders
evangelikale Leser wird dieser Abschnitt helfen, da für sie Vorstellungen
einer „Neuevangelisierung“ Europas, so wie die katholische Kirche sie
versteht, doch reichlich fremd erscheinen dürften. Walldorf kann mühelos
nachweisen, dass römisch-katholische Neuevangelisierung Europas nichts mit
evangelikalen Konzepten von Evangelisierung zutun haben (S. 45-72 +307-314).
Für den Papst geht es um die Wiedererweckung einer verlorengegangenen (seit
der Reformation?) einheitlichen christlich-europäischen Kultur durch die sakramentale
Institution Kirche. Neuer Gehorsam zu Christus ist hier immer gebunden an den
Gehorsam zum römischen Lehramt.
Aber auch
Walldorfs Darstellung der verwirrenden Positionen aus dem Raum der Konferenz
Europäischer Kirchen (S.106-189) zeigt deutlich, wie unterschiedlich Mission
oder Evangelisation verstanden werden können. Obwohl eine einheitlich
formulierte Konzeption fehlt, kann doch nachgewiesen werden, dass hier
Positionen von Hoekendijk nachwirken, der die missio Dei direkt in den
säkularen Geschichtsprozessen der Gesellschaft suchte, als Frucht des
Evangeliums. Walldorf kritisiert meines Erachtens zu recht dieses, wie er es
nennt, „kosmozentrisches“ Modell, da es die Trennung zwischen Gott und Welt,
Evangelium und Kultur, Weltgeschichte und Heilsgeschichte, Gemeinde und
Gesellschaft monistisch verwischt und damit „zum Verlust geistlicher
Identität und „… der missionarischen Auftragsgewissheit“ führt (S.320).
Ausführlich lässt
Walldorf auch die evangelikale Lausanner Bewegung in seinem Buch zu Wort
kommen (S.193-303). Er nennt die evangelikale Position zur Re-Evangelisierung
Europas das „bibliozentrische Übersetzungs- oder Inkarnatorische Modell“
(S.322). Ziel sei dabei, „Jesus Christus als Hoffnung für Europa zu bezeugen.“
Dabei erkennen die Vertreter der Lausanner Bewegung richtig, dass Wort und
Tat, das Vorleben christlicher Existenz durch die Präsenz lebendiger
Gemeinden gerade im europäischen Kontext unabdingbar sein müssen.
Walldorf sieht in
dieser evangelikalen Position eine große Chance, da hier Mission und „Neuevangelisation“
Europas aus der Rückkehr zu den biblischen Quellen heraus entwickelt wird.
Damit werde nach Walldorf dem kulturübergreifenden biblischen Evangelium die
Möglichkeit gegeben, losgelöst von normierender Kirchlichkeit, kultureller
Vereinnahmung und kosmischer Verchristlichung seine erneuernde Kraft im
Kontext des alten Europas und seiner Christenheit neu zu entfalten (S.180).
Am Ende seines
Buches versucht Walldorf auf gut 25 Seiten eine eigene Position zu
formulieren. Dabei wird unschwer deutlich, wo seine Sympathien liegen. Er
nennt sein Modell „Grundlinien einer biblisch-kontextuellen Missionstheologie
für Europa“ (S.343). Ausgehend vom evangelikalen Modell der Lausanner
Bewegung sieht Walldorf im Herzen der Missio Dei für Europa die
Konzentration auf das biblische Evangelium von Jesus Christus. Nicht die
Kirche (katholisches Modell) noch die Kultur (Ökumenisches Modell) könne laut
Walldorf Norm für die missionarische Erneuerung in Europa sein (S.343). Dies
könne nur die „einzigartige gute Nachricht von der rettenden Tat Gottes durch
das Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi“ leisten, wenn sie „in Wort,
Tat und Sein“ der Christen Europas glaubwürdig weitergegeben werde (S.343).
Weiter legt Walldorf die Betonung darauf, dass Evangelisation niemals
losgelöst von „anderen Dimensionen“ der Gemeinde und der Nachfolge Christi
geschehen kann. Sie muß ganzheitlich geschehen, und hier weißt Walldorf
meines Erachtens folgerichtig hin auf die Schlüsselfunktion „Christozentrischer
Gemeinden“, die als „missionarische Lebensbasis“ für Evangelisation dienen.
Hier sieht der Autor richtig das alttestamentliche zentripetale Missionsmodell
der „missionarischen Attraktion“ neben der grenzüberschreitenden Sendung in
europäische Subkulturen als eine wichtige Missionsmethode an, die für das
moderne, von Individualismus, Säkularismus und Materialismus zerrissenen
Europa wegweisend wäre.
Nur hier, in der
lobpreisenden, dienenden und Christus nachfolgenden Gemeinde werde, laut
Walldorf, durch die „dynamische Beziehung zum biblischen und heute
gegenwärtigen Christus als dem Zentrum,“ neue Hoffnung für Europa wachsen (S.
349-350). Dabei können Formen und Rahmenbedingungen, in denen die communio
sanctorum sich sammelt, sehr unterschiedlich sein – angefangen von
traditionellen Strukturen bis hin zu kreativen Neuansätzen.
Nach Walldorf habe
die Neuevangelisierung Europas nur dann eine Chance, wenn die Gemeinde Jesu
als „Mit-, Für-, und Gegenkultur“ zum gegenwärtigen Europa zur Basis der Missio
Dei im europäischen Kontext wird (S.352).
Mit diesen
abschließenden Gedanken ist es Walldorf gelungen, ausgehend von den
evangelikalen Ansätzen der Lausanner Bewegung, für das zentrale Anliegen
einer Neuevangelisierung Europas neue und weiterführende Perspektiven zu
eröffnen. Sein Buch ist ein sehr guter Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion
um eine geistliche Erneuerung Europas.
Dr. Bernd Brandl, em 2003-4.
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Wander, Bernd. Trennungsprozesse zwischen
Frühem Christentum und Judentum im 1. Jh. n. Chr. TANZ 16. Francke Verlag: Tübingen/Basel, 2. Aufl.
1997 (1994/1).
Wander (W.) geht der Frage nach, welche Faktoren zu der
Trennung von frühem Christentum und Judentum im 1. Jh. geführt haben. Anders
als viele Rekonstruktionen dieses Trennungsprozesses, setzt W. bei den Hintergründen
der Verurteilung Jesu ein (S.54-97). Der hilfreiche Überblick zu diesem Thema
kommt zu dem Schluß, daß Jesus wohl aus Gründen der Staatsraison an die
römische Justiz ausgeliefert, verurteilt und hingerichtet wurde. Damit
konnte die Jesusbewegung von Anfang an kriminalisiert werden.
Mit der Verkündigung der Auferweckung Jesu durch die zwölf
Jünger (Apg 3,5) wurden Fakten, die für die jüdische Aristokratie erledigt
waren, neu aufgeworfen, und die Predigttätigkeit von Stephanus und seinen
Freunden (Apg 6,7), in welcher der Tempelkult keine Rolle mehr spielte, sowie
die Verbindung des Gekreuzigten mit dem zweiten Thron neben Jahwe führten zu
Verfolgung in Jerusalem bzw. zur Auswanderung (S. 98-145).
Die vom judäischen König Agrippa I. veranlaßte Verfolgung
von führenden Jerusalemer Christen, die Hinrichtung von Jakobus und die
Inhaftierung von Petrus (Apg 12,1ff) war politisch motiviert. Agrippa I. war
in Rom aufgewachsen und erzogen worden und hatte bei der Proklamation des
Claudius zum Kaiser im Jahr 41 eine wichtige Rolle gespielt. Er erkannte in
Rom die Bedeutung und die Rolle der Gemeinschaft der Christusanhänger
schlagartig, als Claudius ein Edikt erließ (von W. in das Jahr 41 datiert),
das die Juden aufforderte, Rom zu verlassen: ihre Zahl hatte zu stark zugenommen,
und vor allem hatte es wegen „Chrestus“, d.h. wegen der Verkündigung von
Jesus Christus, Unruhen gegeben. Wenn die Rechtsbasis der jüdischen
Diasporagemeinden nicht gefährdet werden sollte, mußten Unruhen durch
missionierende Judenchristen unterbunden werden - also ging Agrippa I.
rigoros gegen die führenden Christen vor (S.212-234).
Paulus wird verhaftet, weil Diasporajuden die Auswirkungen
seiner Heidenmission als Bedrohung jüdischer Identität und palästinische
Juden diese als mangelnde Solidarität in der Zeit nationaler Sammlung ansehen
mußten (S.235-262).
Die Ausführungen von W. sind materialreich, sehr
informativ und gut lesbar. Auch wenn man manche Rekonstruktionen nicht teilt
(z.B. im Blick auf das Verhältnis der Mission von Petrus und der Mission von
Paulus, S.192-211): deutlich wird jedenfalls, daß der Tod Jesu und die frühe
urchristliche Mission die Hauptgründe für die Trennung zwischen der
christlichen Kirche und der jüdischen Synagoge waren.
Dr. Eckhard J. Schnabel, em 1998-3.
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Weber,
Charles W. International
Influences and Baptist Mission in West Cameroon. German-American Missionary Endeavour under International Mandate and British Colonialism. Brill: Leiden / New York / Köln, 1993.
Als ich auf der Reise von Douala in Kamerun nach Jos in
Nigeria auf einer Missionsstation Nachtquartier fand und fragte, ob es über
die Geschichte der Missionsarbeit dort
etwas zu lesen gäbe, lieh man mir einen Bildband, aus dem ich ua.
lernte, daß das erste deutsche baptistische Missionsehepaar in Kamerun Amerikaner,
und daß eine Anzahl der ersten „baptistischen“
Missionare dort Mennoniten-Brüder waren. Ich war nach einem halben Tag
Eisenbahnfahrt durch den Urwald müde und
hatte keine Gelegenheit mehr zu
lernen, daß die baptistische Missionsarbeit im westlichen, englischsprachigen
Kamerun noch bis Januar 1941 rechtlich in
deutscher Verantwortung stand, und
auch nicht, daß ein entfernter Onkel von mir (Paul Gebauer aus
Bolkenhain, Schlesien) in der Zeit eine wichtige Rolle spielte.
Bisher hat erst wenig
wissenschaftliche Beschäftigung mit der deutschen Kamerunmission stattgefunden. (Jürgen Günther: Mission im
kolonialen Kontext. Beiträge zur Geschichte der Mission der deutschen
Baptisten in Kamerun 1891-1914.
Initiative Schalom: Burgdorf 1991
leidet unter seinen Vorurteilen.) Weber füllt hier eine Lücke. Nach
einer kurzen Übersicht über die
Vorgeschichte seit 1840 (Missionare aus England und Jamaika, dann aus Deutschland)
stellt er die Zeit von 1922-1945 dar, die
gekennzeichnet ist durch den Vorstoß in die „Grassfields“ und überaus
schnelles Gemeinde Wachstum. Er zeichnet
die internationalen Verflechtungen
sorgfältig nach und zeigt die
überaus wichtige Rolle der Missionsschulen (und der in ihnen tätigen
Kameruner Lehrer) in der Ausbreitung der Gemeindearbeit auf. Das Buch leistet einen wichtigen Beitrag zur Missionsgeschichte des deutschen Baptismus,
und in einer Zeit, in der Missionsschulen wieder
vermehrt gefragt sind, bietet es dem am Thema interessierten Leser konkretes
Material für ein bestimmtes Gebiet, das bisher (und auch damals) wenig
beachtete West Kamerun.
Dr. Klaus Fiedler, em 1994-1.
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Wendlandt-Homann, Luise. Zugvögel kennen ihre Zeit Als
Missionarsfrau in vier Erdteilen. Verlag
der Ev.-Luth. Mission Erlangen / Missionshandlung Hermannsburg, 1987 (Erlanger Taschenbücher Bd. 81).
Viel zu wenig Raum – dafür ist auch diese Zeitschrift ein Beweis – wird in der Missionsliteratur den Missionarsfrauen eingeräumt. Als Luise Homann, verwitwete Wendlandt, geborene Bensen, am 19.8.1932 in Brighton/Südaustralien im Alter von 95 Jahren starb, hinterließ sie auch, in klarer Süterlinschrift geschrieben, auf 154 Seiten ihre Lebenserinnerungen, die uns Inge Prien, sprachlich leicht geglättet, in diesem
Buch zugänglich macht. Es vermittelt aus erster Hand Einblicke in die frühe
deutsche Missionsgeschichte (Leipzig, Hermannsburg, indischer Kastenstreit, Mission in Südafrika, Mission und Auswanderermission in Australien). Zudem kann dieses Buch stellvertretend für das Erleben vieler Missionarsfrauen
jener Zeit stehen.
Em 1988-2.
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Wenzel, Uwe Justus (Hg.). Was ist eine gute Religion? Zwanzig
Antworten. München: Beck, 2007.
Der Titel dieses Buches macht neugierig. Die vorliegenden
zwanzig Essays, die von März 2006 bis Mai 2007 in der „Neuen Zürcher
Zeitung" erschienen, machen Appetit auf mehr. Sie wurden von namhaften
Autoren verfasst, z.B. Friedrich Wilhelm Graf („Lob der Unterscheidungen“,
S.11-15), Wolfgang Huber („Der Geschmack von Freiheit und Mündigkeit“,
S.16-20), Karl Kardinal Lehmann („Dialog ohne Machtanspruch“, S.21-25), Jan
Assmann („Verborgene Weisheit“, S.36-41) oder Navid Ker-mani („Es ist
wichtiger, ein guter Mensch zu sein als ein guter Muslim“, S.55-60). Die Vielfalt
der Antworten sowie insbesondere die Art und Weise auf die Frage einzugehen
provozieren zum weiterführenden Nachdenken und Fragen, wie der Herausgeber
mit seinen knappen aber sehr hilfreichen Einführungsgedanken (S.7-9)
unterstreicht: Was ist der Maßstab anhand dessen man von einer „guten“
Religion sprechen kann? Was ist eine angemessene Definition von Religion?
Kann „Religion“ als westlich geprägter Begriff überhaupt hilfreich sein?
Inwiefern kann Religion von außen überhaupt angemessen beschrieben werden
oder verliert sie bei distanzierter Betrachtung nicht Entscheidendes, was
sie ausmacht?
Im Zusammenhang aktueller Fragestellungen stellt der
Herausgeber zwei weichenstellende Eigenschaften von Religionen heraus: sie
sind „ideologieverdächtig“ und „ideologieanfällig“ (S.7). Er ist sich wohl
bewusst, dass diese Begriffe definiert werden müssen, aber er weist damit
auf die Brisanz des Themas in einer aufgeheizten „religionspolitischen
Atmosphäre“ (S.7) hin, was die Beiträge auf zweierlei Weise beeinflusst. Zum
einen muss die westliche Öffentlichkeit bzw. westliche Intellektuelle sich
mit dem Phänomen der „Wiederkehr der Religion“ auseinandersetzen. Die
Überzeugung, dass Religion für einige wenige vielleicht im privaten Bereich
noch von Bedeutung sein könnte, aber auf der gesellschaftlichen und politischen
Ebene in der Bedeutungslosigkeit verschwinden wird, wird durch Ereignisse und
Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit erschüttert. Nun muss man sich mit
der Frage auseinandersetzen, für was Religion überhaupt „gut" sein kann,
wie es Mark Lilla formuliert (S.79) bzw. wenn es denn schon Religion sein
muss, dann soll es wenigstens eine gute sein (Chakravarthi Ram-Prasad,
S.74). Zum anderen zieht sich ein unausgesprochener Konsens durch die
Beiträge, sich von (gewaltbereitem?) Fundamentalismus abzugrenzen. Das Gute
von Religion zeigt sich damit insbesondere an den Auswirkungen für den
Menschen oder, wie Theunissen die Ausgangsfrage versteht, „inwiefern Religion
gut sein könne für das Zusammenleben von Menschen in einem Gemeinwesen oder
mit Fremden“ (S.116; vgl. auch Kermani, S.58). Die ersten drei Beiträge
(Graf, Huber, Lehmann) bemühen sich ausführlich darum, die Kompatibilität
von Religion und modernem Denken aufzuweisen: „Gute Religion sehe ich [Wolfgang
Huber] durch diese beiden Leitmotive bestimmt: Mündigkeit zu wirken und
Freiheit zu befördern“ (S.17). Die Achtung der Menschenrechte ist für Huber
ein Prüfstein. Ganz ähnlich klingt Lehmann, wenn Religion „die recht verstandene
Freiheit der Menschen“ bzw. die „eigene Kritik- und Denkfähigkeit“ fördern
muss (S.23). Huber stellt in diesem Zusammenhang ein „Bündnis mit der
Aufklärung“ heraus: „jede gute Religion steht vor der Anforderung, sich den
Anfragen der Aufklärung zu stellen. Religion, die das Bündnis mit der
Aufklärung aufkündigt, verweigert sich einem kritischen Wahrheitsanspruch“
(S. 18). Für Graf wird und kann Religion nur gut sein, „wenn sie sich durch
autonome theologische Rationalität immer neu in Frage stellen, auf ihre immanenten
Perversionspotenziale hin analysieren lässt – um reflektierter Freiheit der
einzelnen Frommen willen" (S.15). Angesichts dieser Argumentationsmuster
wird m.E. allerdings zu wenig deutlich, was der durch nichts anderes zu ersetzende
positive Beitrag der Religion ist. Eine Außenperspektive nehmen auch Michael
von Brück und Jan Assmann ein. Gute Religion, so von Brück, „entsteht unter
Menschen, die den dialogischen Diskurs über ,gute Religion‘ führen“ (S.31).
Allein seligmachende Wahrheitsansprüche müssen ausgeschlossen werden, weil
Wissen (auch wenn es sich auf Offenbarung beruft) immer vorläufig ist. Nach
Assmann muss gute Religion verstehen, sich auf „den Begriff einer
allgemeinen, verborgenen ,Menschheitsreligion‘“ hin zu relativieren (S.41).
Diese Beiträge legen nicht nur einen Maßstab an Religion von außen an,
sondern machen ihre religionstheologischen Prämissen zum Maßstab. Wenn man
diese Maßstäbe anlegt, muss man wohl mit Christoph Türcke aufgrund der Religionsgeschichte
schlussfolgern, dass keine bestehende Religion gut sein kann, weil keine Einfluss
oder Macht gewonnen habe, „ohne einzuschüchtern, zu demütigen, zu
verfluchen, zu quälen und zu morden“ (S.27). Aber ist es angemessen, diese
hoffnungslos europäische Frage an „Religion“ (wie immer man sie definiert) zu
richten und damit Lessings Ideal einer natürlichen Religion vorauszusetzen
(Jochen Teuffel, S.102)? Vielleicht geht Ram-Prasad zu weit, aber sein
Einwand sollte die weitere Reflexion und Diskussion (den Appetit auf mehr)
begleiten: „Wer festschreibt, was eine ,gute Religion‘ ist, erlegt anderen
eine hegemonistische Idee auf“ (S.77).
Dr. Heiko Wenzel, em 2008-4.
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Werner, Roland (Hg.). Die Christus-Treff Story. Neukirchen:
Aussaat Verlag, 2002.
Das von Dr. Roland Werner, Theologe, Afrikanist und
Mitbegründer des Christus-Treffs, herausgegebene Buch erzählt die Geschichte
einer christlichen Lebensgemeinschaft in der hessischen Stadt Marburg, die
sich seit 1981 verbindlich trifft, mit dem Ziel, Christsein intensiv zu
leben, sich gegenseitig zu unterstützen, offen zu sein für andere und für
das Reden Gottes. Was aus dieser Gemeinschaft bis zum Jahr 2002 entstanden
ist, wird in Schwerpunktthemen innerhalb der 15 Kapitel genauer beschrieben.
Die offene Gottesdienstarbeit (Donnerstag abends) in Marburg bildet eine
Hauptaufgabe der Gemeinschaft. Damit verbunden sind vielfältige andere Bereiche
wie Hauskreise, Kinderarbeit und Ausländerarbeit. Außerdem wird das
Evangelisationsprojekt „FRIENDS“ und die diakonisch-missionarische Arbeit der
Gemeinschaft Jerusalem und Berlin vorgestellt. Die Darstellung persönlicher
Erlebnisse machen die Relevanz für unsere heutige Gesellschaft deutlich, was
zum einen die Wirksamkeit der Projekte zeigt, die aus der Gemeinschaft
entstanden sind und zum anderen die Öffentlichkeitsarbeit von Roland Werner.
Das Buch vermittelt einen Blick für weltweite Mission und missionarische
Arbeit vor Ort. Abgerundet wird das aus unterschiedlichen Beiträgen
zusammengestellte Buch von einem ChristusTreff-Alphabet, das knappe
Beschreibungen zu Schlagworten aus zum Christus-Treff gehörenden Begriffen
enthält, einer knappen Christus-TreffChronologie und einer Liste mit
Publikationen. Das Buch liest sich sehr gut und ist durch die Originalberichte
von Christus-Trefflern anschaulich. Durch die zum Teil unterschiedlichen
Verfasser treten manche Überschneidungen auf, was aber nicht hindert einen
guten Überblick über die Aufgaben und Tätigkeitsfelder zu gewinnen. Die Gestaltung
in kurzen Sinnabschnitten, die mit Fotos ergänzt sind, erleichtert den
Zugang.
Mathis Kögel, em 2004-1.
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Werth, Martin. Theologie der Evangelisation.
Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 2004.
Martin Werth ist Dozent an der Evangelistenschule
Johanneum in Wuppertal. Das vorliegende Buch ist die leicht überarbeitete
Fassung seiner Dissertation an der Ruhr-Universität Bochum. Die Studie soll
dazu beitragen, die Evangelisation als landeskirchliches Handlungsfeld
theologisch zu reflektieren und „von dem Geruch des außerkirchlichen
Sonderwegs“ (Klappentext) zu befreien.
Der Autor entfaltet sein Thema in fünf Teilen. Zunächst
geht es um „biblisch-theologische und historische Erkundungen,
Begriffserklärungen“. Werth kommt zu dem Schluss, dass „Mission“ und
„Evangelisation“ als synonyme Begriffe zu betrachten seien, „Evangelisation“
aber durch den inhaltlichen Bezug zu „Evangelium“ zu bevorzugen sei. Die
Entscheidung ist respektabel und begründet, allerdings scheint mir die
einfache Gleichsetzung der Begriffe (ohne weitere Differenzierung der
Konzepte) missionstheologisch zu pauschal. Differenz und Zusammenhang der
Begriffe hätten auf dieser Ebene tiefergehend thematisiert werden können.
Interessant ist die historische Perspektive zur Evangelistenschule
Johanneum und die Analyse einer programmatischen Rede T. Christliebs (1888),
in der dieser bereits den Begriff der „Neuevangelisierung“ gebraucht!
Im zweiten Teil untersucht der Autor ausgewählte
evangelisationstheologische Entwürfe mit Bezug zum deutsch-europäischen und
landeskirchlichen Kontext seit 1970 (Hollenweger, Boff, Costas, Castro,
Newbigin, Briese, Ahonen, Huber), die knapp skizziert und schlüssig beurteilt
werden.
Der dritte Teil beschäftigt sich zunächst mit
grundlegenden ökumenischen Dokumenten zur Mission (Evangelii Nuntiandi,
Repemptoris Missio, Lausanner Verpflichtung, Manifest von Manila, Ökumenische
Erklärung 2;u Mission und Evangelisation), dann mit kirchlichen Missionsdokumenten
für den Kontext Deutschland („Zeit zur Aussaat“ DBK 2000, Arnoldshainer
Konferenz, Leipziger EKD-Synode 1999, EKD-Text „Das Evangelium unter die
Leute bringen“).
Im vierten Teil reflektiert der Autor die systematisch-theologischen
Aspekte einer Theologie der Evangelisation im Kontext der Landeskirchen:
Gott, Mensch, Kirche. Überzeugend skizziert Werth eine theologische
An:hropologie der Bekehrung. Evangelisation als Ruf zur biographischen
Bekehrung zu Christus habe auch in den ev. Landeskirchen Relevanz. Mit Recht
betont Werth, dass Bekehrung prozesshaften Charakter hat und der Weg über
Kindertaufe und kirchliche Integration sinnvoll sein kann, aber angesichts
der kirchlichen Lage im postmodernen Deutschland „das Hineinwachsen in den
Glauben ohne eine Initialzündung im Sinne einer punktuellen Bekehrung“ kaum
gelingen kann (S.279).
Im letzten Teil richtet der Autor sein Augenmerk auf
praktisch-theologische Aspekte: Dimension und Intention, Kultur und Kontext,
Kybernetik und Mitarbeiter der Evangelisation: Laien, Hauptamtliche,
Evangelisten. Hier finden sich viele gute Perspektiven, die deutlich machen,
dass Evangelisation Sache der ganzen Gemeinde und Kirche ist. Eines scheint
mir jedoch zu fehlen: der Aspekt der missionarisch-evangelistischen
Begegnung mit Menschen aus anderen Religionen und Kulturen – also der multireligiöse
Kontext, in dem auch landeskirchliche Gemeinden sich befinden. Der religionstheologische
Aspekt als Teil einer Theologie der Evangelisation findet hier zu wenig
Beachtung. Als Zielgruppen der Evangelisation nennt der Autor die
Kerngemeinde, die distanzierten Kirchenmitglieder und die Nichtmitglieder
(S.296). Gerade bei der Behandlung der kontextuellen Aspekte (S.310- 316)
wäre die Beschäftigung mit dem Kontext z.B. muslimischer Menschen in
Deutschland für eine Theologie der Evangelisation im Rahmen auch der
Landeskirchen wesentlich. Auch der Aspekt missionarischer Ge-meindegmndung,
der sowohl im anglikanischen als auch im ökumenischen und freikirchlichen Kontext
von wachsender Bedeutung ist, fehlt in den evangelisations-ekklesiologischen
Überlegungen („Die Kirche als Träger und Ziel der Mission“, S.282f).
Zusammenfassend bleibt festzustellen: Werths Buch bietet
gute Analysen neuerer Entwürfe und wichtige Ansätze als Beitrag für eine
Missionstheologie für den deutschen Kontext.
Dr. Friedemann Walldorf, em 2005-4.
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Weston,
Paul. Lesslie
Newbigin: Missionary Theologian: A Reader. London/Grand Rapids: Society
for Promoting Christian Knowledge/W. B. Eerdmans, 2006.
Paul Weston hat mit der Herausgabe dieser Sammlung von
Auszügen aus Newbigins Schriften einen wichtigen Beitrag geleistet, Newbigins
Werk zu sichten und den Ertrag seiner Arbeit dem interessierten Leser
zugänglich zu machen. Die kurze Biographie in der Einleitung zeigt die
verschiedenen Stationen in Newbigins Leben. Nur auf diesem Hintergrund sind
seine missionstheologischen Beiträge zu verstehen.
Weston gliedert dann in zwei große Themenbereiche: ‚Theologische
Grundlagen für Mission‘ (77 Seiten) und ‚Missionarische Theologie in der
Praxis‘ (171 Seiten). Jeder Themenbereich ist unterteilt in kleinere thematische
Abschnitte. Am Beginn jedes Abschnitts erklärt Weston kurz den
geschichtlichen Hintergrund der einzelnen Textauszüge, die er zum Thema
ausgewählt hat. Dabei bemüht er sich, in der Textauswahl die ganze Breite von
Newbigins literarischem Schaffen zu berücksichtigen und wählt bewusst Texte
aus den verschiedenen Epochen von Newbigins Wirken. Jeder Abschnitt schließt
mit einigen kurzen Verweisen auf weitere Texte Newbigins zum Thema.
Die Abschnitte im ersten Themenbereich sind überschrieben:
(1) Die Erkenntnis Gottes, (2) Der Tod Christi, (3) Erwählung und das Volk
Gottes, (4) Christus als Schlüssel zum Verstehen der Geschichte, (5) Die
ökumenische Vision, und (6) Trinitarische Mission. Im zweiten Abschnitt fasst
Weston Newbigins Beiträge zu folgenden Themen zusammen: (7) Christus und die
Kulturen, (8) Das Wesen und die Berufung der Kirche, (9) Das Evangelium und
die Weltreligionen, (10) Die missionarische Krise im Westen, sowie (11) Das
Evangelium und das öffentliche Leben.
Dabei gelingt es Weston, die zentralen Themen Newbigins
aufzugreifen und den Leser an sein Werk heranzuführen. Dass der zweite Teil
wesentlich ausführlicher ausfällt als der erste ist von der Sache her
begründet. Gerade in der Beschäftigung mit den aktuellen Herausforderungen
der christlichen Mission wurde Newbigins theologisches Denken geprägt. Und dieser
Teil führt den Leser hin zu den Fragen, die uns heute in der Missionstheologie
in Europa beschäftigen (müssen). Dazu gehört die Auseinandersetzung mit den
Religionen genauso wie die Auseinandersetzung mit dem westlichen Weltbild.
Der zunehmende Einfluss des Islam in Europa wirft dabei die Frage auf, welche
Rolle das Evangelium spielt bzw. spielen muss in der Diskussion um das
öffentliche Leben, ein Thema, das Newbigin bis in sein hohes Alter hinein
beschäftigt hat.
Weston gibt uns einen kompakten Reader in die Hand, der
auf gut 250 Seiten den Leser einführt in die Grundlagen von Newbigins
theologischem Denken und in die missionstheologischen Themen, mit denen er
sich auseinander gesetzt hat. Wer eine Einführung in Newbigins literarisches
Werk sucht, ist gut beraten, zu diesem Buch zu greifen.
Dr. Jürgen Schuster,
em 2006-4.
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Weth, Rudolph (Hg.) Bekenntnis zu dem einen Gott?
Christen und Muslime zwischen Mission und Dialog. Neukirchener Verlagshaus: Neukirchen-Vluyn,
1999.
Die Jahrestagung der Gesellschaft für Evangelische
Theologie beschäftigte sich 1999 mit dem Thema: Islam - Dialog oder Mission?
So breit das theologische Spektrum der Referenten - auch Muslime gehörten
dazu - so unterschiedlich natürlich auch die Positionen der hier
veröffentlichten Beiträge. Viele verschiedene Themen aus den Bereichen
islamische Ethik, Politik, Theologie und, übergreifend, der Vergleichenden
Religionswissenschaft werden angeschnitten und auf die islamische Realität im
In- und Ausland angewendet.
Gelegentlich finden sich verhalten kritische Anfragen an
den Islam (Terrorismus im Namen des Islam, Einschränkung der Menschenrechte,
Stellung der Frau), daneben jedoch ebenso die Auffassung, daß Christen und
Muslime im Kampf für die universellen Menschenrechte vereint seien (119/120);
eine Behauptung, für die die Belege angesichts spezifisch muslimischer
Definitionen von Menschenrechten mit der Aberkennung jeglicher Rechte für
Konvertiten bisher ausstehen. – Insgesamt ein informatives Buch für jeden,
der sich mit der Bandbreite theologischer Auffassungen zum Thema Islam in
unserem Land beschäftigen möchte.
Eine kleine Anmerkung zum Schluß: Gerade dort, wo man bei
derartigen Tagungen und Veröffentlichungen versucht, Muslimen gerade nicht
mit Überheblichkeit zu begegnen, sollte doch unbedingt der Begriff „mohammedanisch“
(S.11) vermieden werden, der für Muslime immer einen unmittelbaren Affront
darstellt (stattdessen „muslimisch“).
Dr. Christine Schirrmacher, em 2000-3.
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Wetzel, Klaus. Kirchengeschichte Asiens. TVG. Wuppertal: R. Brockhaus, 1995.
Klaus Wetzel, 1987-1993 Dozent in Batu/Indonesien und
heute neben Pfarrvikariat Dozent in Korntal, legt hiermit seine in Indonesien
gehaltenen Vorlesungen zur Kirchengeschichte Asiens vor. Sie gehen weniger
auf Forschungsarbeit zurück als auf eine breit angelegte Zusammenfassung
von Standardwerken, weswegen in den Anmerkungen intensiv auf meist
deutschsprachige Lexika, Handbücher, Kirchen- und Missionsgeschichten und
Werke wie ‚Operation World’ (‚Gebet für die Welt’) verwiesen wird.
Kirchengeschichte Asiens wird dabei im weitesten Sinne verstanden:
chronologisch vom Neuen Testament bis heute, geographisch (z. B.
einschließlich asiatisches Rußland) und konfessionell. Außerdem
schließt sie die Missionsgeschichte Asiens mit ein und gerade die nach jedem
Kapitel gestellten „Fragen an die Kirchengeschichte“ zeigen, daß diese
Kirchengeschichte von einem engagierten Missionar und Missiologen
geschrieben worden ist. Dafür tritt die ‚Theologiegeschichte Asiens’ stärker
in den Hintergrund, sind es doch eher die detalliert zusammengetragenen
historischen Fakten, als die theologische Einordnung von Kirchen, Theologen
und Strömungen, die den Kern des Werkes bilden. Hoffentlich findet das Buch
seinen Eingang nicht nur in die missionswissenschaftliche, sondern auch in
die kirchengeschtliche Forschung, die allzuleicht die Kirchengeschichte
Europas zum Nabel des Christentums macht.
Dr. Thomas Schirrmacher, em 1997-2.
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Wetzel, Klaus. Wo die Kirchen wachsen. Der
geistliche Aufbruch in der Zwei-Drittel-Welt und die Folgen für das
Christentum. Brockhaus:
Wuppertal, 1998.
„Offensichtlich ist, daß wir uns mitten in einer
Umbruchphase der Kirchen- und Missionsgeschichte befinden, deren epochale
Bedeutung dem Weg des Evangeliums zu den nichtjüdischen Völkern in
neutestamentlicher Zeit, der Konstantinischen Wende und der Reformation in
nichts nachsteht“ (92). Diese Kernaussage bezieht sich auf umfangreiches
Zahlenmaterial, das der Verf. zusammengestellt hat. Die Statistiken spiegeln
zum einen den Stellenwert des christlichen Glaubens innerhalb der ihn jeweils
umgebenden Gesellschaft wider, zum anderen veranschaulichen sie weltweite
zahlenmäßige Verschiebungen: Europa bzw. die westliche Welt ist nicht länger
das Zentrum der Christenheit. Die Kirchen der Zwei-Drittel-Welt wach-
sen enorm – quantitativ und qualitativ.
Wie in der Einführung erläutert, soll die vorliegende
Darstellung „Mut machen zum verstärkten Engagement für Weltmission bei sich
verändernden Rahmenbedingungen“. Dem aufmerksamen Leser des bekannten Buches
„Gebet für die Welt“ werden viele Aussagen nicht neu sein; sie werden vom
Verf. mit weiteren Quellen kombiniert. So wird ausführlich dargestellt, „wo
die Kirchen wachsen“. Leider sind jene Passagen etwas knapp geraten, die der
Frage nach dem „warum“ des Wachstums und nach den Konsequenzen für die
westlichen Christen nachgehen.
Für Einsteiger in Sachen Weltmission ist die Darstellung
hilfreich, um einen Überblick der gegenwärtigen Situation zu erhalten.
Harald Börner, em 1998-4.
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Wienecke, Werner A. Die Bedeutung der Zeit in
Afrika in den traditionellen Religionen und in der missionarischen Verkündigung. Frankfurt: Peter Lang Verlag, 1992.
Jeder Mitteleuropäer, der schon intensiver mit Afrikanern
Kontakt hatte, wird deren fundamental anderes Verhältnis zur Zeit bemerkt haben.
Im Alltag ist es unübersehbar. Doch wie steht es mit religiösen Fragen?
Welche Rolle spielt die Raum-Zeit-Dimension in den afrikanischen Religionen
im Unterschied zum Christentum? Und wie müssen wir uns in der christlichen
Verkündigung darauf einstellen?
Viel zu lange machten sich westliche Missionare zu wenig
Gedanken über die traditionellen afrikanischen Religionen und die
afrikanische Kultur, und zu viel Mißverständnisse entstanden daraus. Werner
A. Wienecke, Jahrgang 1924, erlebte dies zwischen 1954 und 1966 ganz
schmerzlich im Dienst als Missionar im damaligen Südwestafrika (heute
Namibia). Tausende von Herero trennten sich von der lutherischen Missionarskirche
und gründeten ihre eigene afrikanische Kirche. Die hier veröffentlichte
Doktorarbeit, die Wienecke nach seiner Pensionierung 1991 an der University
of South Afrika vorlegte, versucht die Ursachen dieser Trennung ein wenig zu
erhellen.
In einem einführenden Kapitel schildert Wienecke die
Probleme, die zur Trennung der christlichen Herero von den Missionaren führten
und wirft dabei Fragen nach Inkulturation, Synkretismus und einer afrikanischen
Theologie auf. Weiter versucht er über die von John S. Mbiti aufgezeigten
Unterschiede zwischen afrikanischem und westlichem Zeitverständnis einen
Zugang zu den angesprochenen Fragen zu erhalten. Im dritten Kapitel beschreibt
er anhand von Mbiti die Auswirkungen des afrikanischen zweidimensionalen, m.
E. nur Gegenwart und Vergangenheit umfassenden, Zeitverständnisses auf die
afrikanischen Religionen. Dem folgt die Auseinandersetzung mit Mbitis
Darstellungen und mit seiner „afrikanischen Theologie“ vor allem entlang des
Zeitbegriffes der Afrikaner. Er zeigt, daß dieser dem biblischen insofern
ähnelt, als er mehr ereignisverbunden ist als der westlich-lineare oder
östlich-zirkulare. Afrikaner haben die Zukunftsdimension oft weit weniger im
Blickfeld. Im fünften Kapitel versucht Wienecke dann die Konsequenzen aus den
gewonnenen Erkenntnisen über afrikanische Weltanschauung für die
Verkündigung der westlichen Missionare zu ziehen.
Im großen und ganzen folgt Wienecke also den Vorstellungen
von Mbiti und bewertet die afrikanischen Religionen positiv und als Wegbereiter
für das Evangelium. Das Wissen der Afrikaner über Gott ist für ihn eine natürliche
Form der Gottesoffenbarung. Das afrikanische Gemeinschaftsgefühl, das
Afrikanern eine Verbindung zu ihren Ahnen ermöglicht, sollte nicht zerstört
werden, sondern das „Totengedenken“ sollte einen legitimen Platz in der
christlichen Gemeinde haben. Seiner eigenen Forderung nach einem tiefergehenden
Verständnis der afrikanischen Welt kommt der Autor also gut nach.
Es wäre nun aber zu wünschen, daß er gleichermaßen die
Aussagen der Bibel beachten würde und gleichzeitig seine Zurückhaltung
gegenüber westlichem Denken beibehielte. Gerade im letzten Kapitel werden einige
theologische Schwächen deutlich, wo m. E. der Autor zu schnell versucht,
afrikanische Simultanität zu rechtfertigen, und afrikanische Theologie nicht
sorgfältig genug von der Bibel her hinterfragt. So z.B., wenn er wie Mbiti
kaum die biblischen Aussagen zum Wesen und Wirken des Heiligen Geistes
beachtet, sondern seine Untersuchung mit der Feststellung beendet, daß „man
um die Wirksamkeit des Heiligen Geistes [weiß] und sie vor allem in den
A[frikanischen] U[nabhängigen] K[irchen]“ erlebt (S.264). Seine Darstellung
afrikanischer Denkweise in Bezug auf Zeit und Religion ist allerdings differenziert
und sachkundig. Negativ fallen die zahlreichen Flüchtigkeitsfehler und der
hohe Preis des Buches auf. Dieser wird den potentiellen afrikainteressierten
Leser abschrecken, so daß das Buch möglicherweise sein Dasein in Händen von
Fachleuten und in Regalen von Fachbibliotheken fristen wird.
Martin Sachs, em 1997-3.
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Wiher, Hannes. Missionsdienst in Guinea. Das
Evangelium für eine schamorientierte, von Animismus und Volksislam geprägte
Gesellschaft. edition
afem, mission scripts Bd. 14. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn, 1998.
„Ein Handbuch für Missionare in Guinea zu verfassen“
(S.13) wa
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